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Full text of "Gartenflora ?Monatschrift fuI?r deutsche und schweizerische Garten?und Blumenkunde /herausgegeben von E. Regel."

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MOIATSSCBRIFT 

fiir 
deutsche und schweizerische Garten- und Blumenkunde 



Prof. Dr. H. R. Goeppcrt, Director des botanischcn Gartens inBreslau, J. HutSteiD 

in Breslan, H- Jaeger, Hofgartner in Eisenach, Prof. Dr. ft. Koch in Berlin, 

E. Lucas, Garten - Inspector in Hohenheim, E. OrtgiCS, Obergartner am botanischen 

Garten in Ziirich, Dr. G. UciClieilbach , Professor in Leipzig. 

Herausgegeben 



Dr. E. K e g e I, 



Mitherausgeber fur Deutschland Mitherausgeber fur die Schweiz 

J. Rinz, Prof. Dr. 0. Heer, 



ftedactor 

Dr. II. Loclier, 



Funfter Jahrgaug. 



Kriangen, 1856. 
Verlag von Ferdinand Enke 



©Am* iifiwio 

MOXATSSCHRIFT 

fur 

deutsche und schweizerische Garten- und Blunienkunde 

unter Mitwirkung von 

Prof. Dr. II. R. Gocppcrt, Director des botanischen Gartens in Breslau, J. Hutstcin 

in Breslau, H. Jaeger, Hofgartner in Eisenach, Prof. Dr. R. Koch in Berlin, 

E- Lucas, Garten-Inspector in Hohenheim, E. Ortgier, Obergartner am botanischen 

Garten in Zurich, Dr. G. Ueicheubach Professor in* Leipzig. 

Herausgegeben 

Dr. E. R e g e 1, 



Mitherausgeber far Deutschland Mitherausgeber fur die Schweiz 

J. Rinz, Prof. Dr. 0. Heer, 



Redactor 

Dr. H. Loclier, 



, a - . Mo. Bot. Garden, 

Januar und Februar 1856. 1893 

(Ausgabe mit ilium, u. schwarzen Abbildungcn.) 



Erlangen, 1856. 
Yerlag von Ferdinand ] 



Iohalt des Januar- ond Februar-Heftes. 



I. Originalabhandlungen. 
1) Abgebildete Pflanzen 

a) Die neuen grossblumigen Salpiglossis 
des Herrn Ebritsch in Arnstadt . , 

b) Cattleya labiata Lindl. Var. superba 

c) 1. Orchis globosa L. 2. Anocamptis 
pyramidabs Rich. 3. Himantoglossum 
hircinum Rich. 4. Nigrilella angusti- 
folia Rich. 5. Ophrys muscifera Huds. 
6. Ophrys 
pripedium 




3) Ein Besuch in einem Gemusegarten 
bei London. (Frei nach dem Engli- 
schen) 30 

Seltnere Pflanzen, welche im October 
1855 ira botanischen Garten zu Pe- 
tersburg bluheten 59 

Bericht uber die am 22. 23. 24. u. 25. 
September in Frankfurt a/M. veran- 
staltete Garten - und Feldfrucht-Aus- 
stellung 63 

II. Neue Zierpflanzen .44 

III. Notizen 47 

IV. Literatur 52 



Nachtragliche Bemerkung. Direktor Regel hat noch Fischer's Beschreibung der 
Villaresesia aufgefunden. Es wird nun zwar dadurch die in diesem Hefte gege- 
bene uberfliissig gemacht. Allein die bezugliche Meldung traf zu spat von Peters- 



Einsendungen fur diese Zeitschrift sind an die Verlagsbuchhandlimg 
oder Redaction zu machen. 

Biicher, deren unpartheiische Besprechung, sowie Pflanzen deren Ab- 
bildung in diesen Blattern gewunscht wird, sind. und zwar von letzteren 
eine gute Abbildung, wo moglich mit trockenen Exemplaren begleitet, unter 
der Adresse E. Regel in Petersburg an die Verlagsbuchhandlung von Fer- 
dinand Enke in Erlangen einzusenden. 

Annoncen aller Art werden auf den Umschlag oder Beiblatt gegen 
eine Vergiitung von 2 Sgr. oder 7 kr. per Zeile aufgenommen. — Cataloge 
legt die Verlagsbuchhandlung in einer Anzahl von 600 Exemplar en gegen 
eine Gebtthr von 1 Thlr. 20 Sgr. oder 3 fl. der Gartenflora bei. 



Originalabliandlungcn. 



Ierrn Ebritsch in 



(Siehe Taf 

Wir haben dcr herrlichen Spielarten 
von Salpiglossis Barclayana des Herrn 
Ebritsch, Kunst-und Handelsgartners zu 
Arnstadt in Thiiringen, schon wiederholt 
gedacht. Bci unserer Durchreise durch 
Arnstadt itn vergangenen Herbste ward 
mir auch das Vergniigcn, die Bekannt- 
schaft dieses ebenso thatigen als unter- 
nehmenden und tiichtigen Gartners zu 
machen. Die Sammlung von Salpiglos- 
sis desselben iibertraf wirklich alles, 
was ich in dieser Richtung bis jctzt ge- 
sehen, und giebt Tafel 145. eine Abbil- 
dung der 6 schonsten Abarten. Die 
leuchtend rothe Farbung und die herr- 
lichste Zeichnung auf rothem Grunde, 
ein schemes Dunkel- und Hellblau mit 
Zeichnung, bei verhaltnissmassig sehr 
bedeutender Blumengrbsse, ist von dem- 
selben wirklich erreicht, wie die nach 
der Natur gemachte, boigegebene Abbil- 
dung zeigt. Ein Bouquet von nahe an 
50 verschiedenen Varietaten der Salpi- 
glossis, welches mir Hr. Ebritsch mit- 
theilte, iibertraf alles, was ich in dieser 
Richtung bisher sah. Auch die besten 
Handelsgiirtnereien Erfurt's und Arnstadt's 
besitzen allerdings vorziiglich schone 
Salpiglossis -Sortimente, des Hrn. Eb- 
I. 1856. 



ritsch's Sammlung ward jedoch von die- 
sen nicht erreicht. Derselbe giebt die 
Mischung von 500 Korn seiner besten 
Sorten zu 10 Sgr., und die gleiche Prise 
zweiten Ranges zu 3 Sgr. ab. Auch 
ist es ihm gelungen, eine neue Sippe 
halbhoher Salpiglossis zu erzielen, von 
denen er die Prise von 500 Korn zu 
10 Sgr. abgiebt. 

Gut gehaltene Salpiglossis - Gruppen 
leisten alles, was man von einer Blu- 
mengruppe verlangen kann. Lang an- 
dauernder (Anfang Juli — October) Flor 
der herrlichen, mit den Petunien wettei- 
fernden Blumen, die in Reichthum der 
Farben und Mannigfaltigkeit der Zeich- 
nung kaum Rivalen haben, empfiehlt 
diese Pflanzen zum allgemeinsten An- 
bau. DieCultur ward schon im letzten 
Jahrgange d. G. besprochen. Die Grund- 
ziige dorselben sind : 

Ein sonnig gelegenes halbwarmes 
Fensterbeet wird bis 2 Zoll von den 
Fenstern mit einer Erdmischung, die aus 
1 Theil Sand, 1 Theil Garten- Oder 
Rasenerde und 1 Theil Moorerde be- 
steht, aufgefullt. Nachdem die Ober- 
flache leicht, aber durchaus gleichmassig 
angedruckt, saet man die Samen Anfang 



Marz diinn auf dieses Beet aus und 
deckt sie nur leicht mit feinem Sande. 

Das Beet wirdnun scbattig und feuoht 
gehalten. Sowie man jedoch das Auf- 
gehen der Samen bemerkt, wird kein 
Schatten mehr gegeben und bei mildem 
Wetter gcliiftet. Wurden die Samen 
nicht zu dicht ausgesaet, so ist kein 
Verstopfen mehr nothwendig, sondern 
man liiftet allmahlig immer mehr und 
lasst von der Zeit an, wenn keine Frbste 
mehr zu besorgen sind, die Fenster ganz 
weg. Wo die Pflanzen aber zu dicht 
stehen, miissen sie auf ahnlich zuberci- 
tete Beete zeitig auf eine Entfernung 
von 1 Zoll verstopft werden. 

Im Mai bereitet man dann eine 
durchaus sonnig gelegene Gruppe zum 
Auspflanzen der Salpiglossis ins freie 
Land vor. Zwischen dieErde derselben 
mischt man Moorerde und Sand zu glei- 
chen Theilen so ein, dass das Erdreich 
der Gruppe ein Fuss tief gleichmas&ig 
gemischt ist. Wo Sandboden im Gar- 



ten vorherrscht, braucht dieser naturlieh 
nicht mehr zugesetztzu werden. Die zum 
Auspflanzen bestimmten Pflanzen durfen 
jedoch nicht gezogen werden, sondern 
sie miissen mit einem kleinen Rechen 
oder Holze vorsichtig mit Ballen ausge- 
hoben und ebenfalls wiederum vorsichtig 
mit der Hand gepflanzt werden, in einer 
gegenseitigen Entfernung von 3 / 4 — 1 Fss. 
Wahrcnd des Sommers halt man die 
Gruppen rein, giesst Abends bei trocke- 
nem Wetter und wendet keinerlei Diin- 



se'es in grbsster Schbnheit, Astern, Lev- 
koien, und zeichner. sich auch durch sei- 
ne herrliche Collection von Elichrysen 
aus, denen wir bald eine eigne Tafel 
und Artikel widmen werden. Strebsam- 
keit und Fleiss ist hier zum erwiinsch- 
ten Ziele gelangt*). (E. R.) 



Eine darauf beziiglic 



b) Gattleya labiata Lindl. Var. superba. 



Unter den herrlichen Orehideen der 
Tropen nehmen die Cattleyen unstreitig 
einen der ersten Platze ein. Enter die- 
sen sind es wieder die zahlreichen For- 
men der Cattleya labiata, welche in 
neuerer Zeit aus Brasilien, Columbien 
und Neu Granada in unseren Garten 
eingefiihrt wurden, die durch Schbnheit 
ihrer Blumen und dankbares Bluhen in 
jeder'ausgewahlten Sammlung einen Eh- 
renplatz verdienen. Die beistehend ab- 
gebildete herrliche Form ward von un- 
serera Freund Wagner in dea Gebirgen 



Columbiens gesammelt und massenhaft 
naeh Europa gesandt. Sie gehort zu 
den grossblumigsten Formen, die auch 
als C. Mossiae beschrieben und abgebil- 
det wurden, zeichnet sich aber von al- 
ien bis jetzt abgebildeten Formen durch 
die feurig carminviolette Farbung imln- 
nern derLippe aus, die gegen das zarte 
Gelb und Rosa des welligenSaumes gar 
lieblich contrastirt. 

Die gestreckten zusammengedriickten 
Scheinknollen unserer Pflanze werden 
bis 5 Zoll lang und verdiinnen sich nach 



Oringinalabhandluugen. 



beiden Seiten. Jung sind sie von einer 
hautigen Scheide eingehiillt und auf der 
Spitze tragen sie 1—2 grosse, fleischi- 
ge. langlieho, stuinpfe. <j-pkielte Blatter, 
die ansgewachsen an iippigen Exempla- 
ren bei 2 Zoll Breite, oft bis nahe an 
1 Fuss lang werden. Der spitzenstan- 
dige Bliithenstand ist am Grnnd von ei- 
ner zusammengedriickten Scheide ura- 
geben und tragt 2 miicbtige Blumen 
von etwas mehr als */* Fuss Durch- 
me&ser, die zart lilarosa gefarbt sind. 
Aeussere Hiillblatter langlich zungen- 
formig. Innere bedeutend breiter, lang- 
lich-oval, schon krausrandig. Die lang- 
liche Lippe umhiillt mit den eingerollten 
Random die Griffelsaule und endet in 
ein ausgebreitetes verkehrt herzfbrmiges 
stark krausrandiges Vorderstiick, das auf 
zartlilarosenrother Grundfarhe, gelblioh, 
und weisslich niiancirt und dunkler gelb 



geadert und nach vorn eine leuchtend 
carminviolette Zeichnung tragt. Gehbrt 
zu den schonsten der bis jetzt bekann- 
ten Formen, und steht der Tab. 3998 
Bot. Mag. von Hooker a 



Die Kultur der schbnen Cattleyen ist 
verhaltnissmassig leicht. Man pflanzt 
sie in eine Mischung von gehaktera 
Torfmoos, Eichenholzerde und faseriger 
Moorerde, in durchlbcherte Tbpfe und 
stellt sie auf der Stellage des Orchide- 
enhauses nahe, demLichte auf. Im Win- 
ter niedrigere Temperatur und weniger 
Wassergeben. Im Fruhling und Som- 
mer feuchte hbhere Wiinnegrade , hau- 
iiges Spritzen, bei warmem Wetter je- 
doch auch Zutritt von frischer Luft, sind 
die Grundbedingungen der Kultur. 
(E. R.) 



c) 1. Orchis globosa L 2. Anocamptis pyraniidalis Rich. 3. Hi- 

mantoglossuni hircinum Rich. 4. MgriteUa an gu s ti folia Rich. 

5. Ophrys niuscifera Huds. ti. Ophrys arachnites Reichard. 7. Cy- 

pripediuin Calceolus L 



d) l. Orchis maculata L 2. Gymnadeiiia odor alissima Rich. 
3—6. Orchis macuiata-odoratissima. 7. Ophrys apifcra. 



Die Bespreehung dieser Orchideen I Abbildungen derselben als bildliche Er- 
findet sich in der zunaehst folgenden Ori- giinznng der i'olgenden Arbeit angehbren 
ginalabhandlung, ebenso wie auch die J und mit derselben ein Ganzes mar hen. 



E i n 1 i 



Der Referent, der diesem reizend ge- 
legenen Garten wahrend eines Zeitraums 
von 13V2 Jahren vorstand, konnte sich 
wahrend dieses Zeitraumes nicht dazu 
entschliessen, eine kurze Schilderung 
desselben zu geben, da noch jahrlich 
Abanderungen gemacht und neue Ein- 
richtungen angebahnt wurden. 

Wie der Mensch bei jedem wichti- 
gen Abschnitte seines Lebens sich zu- 
nachst dariiber Rechenschaft giebt, was 
in der vorangegangenen Zeit geschehen, 
so erlaubt sich audi der Referent, nach- 
dem er bereits aus einem Institute aus- 
getreten, das wahrend einer so langen 
Reihe von Jahren den Kotenpunkt bil- 
dete, um den sich alie Gedanken des- 
selben drehten , dessen Wohl und Wehe 
ihm in Mark und Bein eingewachsen 
war, — dem Leser dieser Zeitschrift 
eine kurze Schilderung desselben zu ge- 
ben und daran einzelne Bemerkungen 
zu reihen, die ein allgemeineres Inter- 
esse haben diirften. 



Geschichtliche 



Nachdem schon Konrad Gessner, der 
beriihmte schweizerische Naturi'orscher, 
zwischen 1540 — 1560 verschiedene ver- 
gebliche Anstrengungen gemacht hat- 
te, die Zurcherischen Behorden dazu 
zu vermogen, einen Botanischen Garten 
1 nun aus seinen eigenen, 



den Versuch machen konnte, einen klei- 
nen Garten zur Kultur der Alpenpflan- 
zen ins Leben zu rufen, ward erst durch 
die 1746 in Zurich gestiftete Naturfor- 



schende Gesellschaft ein eigentlich Bo- 
tanischer Garten gegriindet. 

Es geschah diess, indem Scheuchzer's 
Nachfolger, Johannes Gessner dieMittel 
hierzu durch freiwillige Beitrage der 
Mitglieder gedachter Gesellschaft im 
Jahre 1748 aufbrachte*). Man pachtete 
nun zunachst ein 22,400 QFuss grosses 
Grundstiick bei der Rahe'schen Farberei, 
setzte eine Aufsichtscommission nieder, 
unter deren Auspicien der Stifter den 
Garten einrichtete. Die Baume und 
Straucher wurden hier in Gruppen , die 
krautartigen Pflanzen dagegen nach dem 
Linndischen Systeme zusammengepflanzt 
In einem Gartenhause wurden im Win- 
ter die Topfgewachse untergebracht. 
Durch Gmelin erhielt damals der Garten 
werthvolle Samen aus Sibirien und ward 
auch durch Gleditsch in Berlin unter- 

Schon im Jahre 1760 musste die 
Gesellschaft jedoch den Garten wieder- 
um raumen, da der Pachtcontract nicht 
erneuert werden konnte. Die Pflanzen 
mussten jetzt bei einzelnen Mitgliedern 
untergebracht werden , bis es 1766 Hrn. 
K. Hirzel gelang, die Behorden zu ver- 
anlassen, ein Gut zu Wiedikon anzu- 
kaufen, um das Gebaude zum Lazareth 
einzurichten, das Land aber der Natur- 
forschenden Gesellschaft zur Errichtung 
eines Gartens zu uberlassen. 

Unter der ebenso thatigen als ein- 
sichtigen Leitung von Dr. J. Scheuch- 



Garten, Neujahrsschrift fur 



I. Origi 

zer und Dr. J. G. Locher ward der Gar- 
ten bald in ahnlichcr Weise wie der 
friihere bepflanzt. Erst im Jahre 1781 
ward nach dem Muster des Senkenberg'- 
schen Garfens zu Frankfurt a/M. ein 
Gewachshaus erbaut. Einen neuen Auf- 
schwung nahm der Garten, als im Jahre 
1794 die Direction an Dr. Paul Usteri 
iiberging. 

Die politischen Bewegungen der nun 
folgenden Zeit verfehlten jedoch auch 
ihren Einfluss auf die Anstalf* nicht. 
Usteri ward 1797 in den Senat nach 
Bern berufenund die Direction ward dem 
Dr. Rbmer ubertragcn. Im Herbst 1797 
verwiisteten die Cosaken und spater die 
Franzosen den Garten vollstandig. Letz- 
tere zerstbrten auch die gegossene Biiste 
K. Gessner's. 

Nachdem wieder Friede ins £and zu- 
riiekgekehrt war, ward der Garten durch 
die vereinten Krafte bald wieder herge- 
stellt und zu vorher nicht dagewesener 
Bliithe gebracht, so dass 1806 schon 
gegen 4000 Pflanzenarten zugegen wa- 



ziiglich den ausgebreiteten Verbindungen 
Dr. Rbmer's zu danken hatte. Spater 
ging der Garten in Folge der ungiinsti- 
gen Jahre wieder so zuriick, dass, 
als nach Rbmer's Tode L. Schulthess 
die Direction ubernahm, die Systeme and 
Anlagen umgepflanzt und das Gewachs- 
haus erneuert werden mussten. Damals 
erhielt schon der Garten einzelne werth- 
volle Pflanzen, welche denselben jetzt 
noch zieren, so eine Zwergpalme (Cha- 
maerops humilis) und die Testudinaria 
elephantipes, und im Jahre 1825 war 
die Zahl der cultivirten Arten auf fast 
5000 gestiegen. Ausserdem befand sich 
neben dem Garten ein Stuck Land, wel- 
ches zu landwirthschaftlichen Versuchen 
bestimmt war. Von hier 



idung und Entwicklung 



Als im Jahre 1833 die 
Hochschule gegriindet ward, ging auch 
der Garten an den Staat iiber. Der Er- 
ziehungsrath ernannte nun eine Auf- 
sichts - Commission (Botanische Commis- 
sion) unter dem Presidium des durch 
seine Schweizer- Flora bekannten Heget- 
schweiler, und das Directorium ging an 
Hrn. Prof. Dr. 0. Heer uber, der Gar- 
ten selbst ward aber nach Zurich, in 
das Bollwerk der Katzenschanze ver- 
legt. Im Herbste 1836 begannen die 
Erdarbeiten an diesem ausgezeichnet 
schon gelegenen Punkte t den der Gar- 
ten jetzt noch einnimmt. Der Bau eines 
neuen Gewachshauses nach Muster des 
Botanischen Gartens zu Heidelberg*), 
sowie die Bepflanzung des Gartens ward 
im Jahre 1838 unter der Leitung des 
damaligen Obergartners, Th. Frbbel, be- 

Die Baume und Straucher wurden 



Garten (ungefahr 200,000 rjFuss hal- 
tend) selbst aber theilte sich in 4 ver- 
schiedene Parthieen, namlichineia gros- 
seres durchaus eben gelegenes Stiick am 
Eingange, 2 Terrassen, welche den im 
Mittel des Gartens gelegenen Eugel um- 
gaben, und die mit Ulmen and Ahorn- 
baumen bepflanzte Spitze des Hiigels 
selbst. 

Die Letztere bUdet jetzt noch eSn 
ebenes Plateau mit Banken, welches in 
der unmittelbaren Nahe Zurich's der 



Gartenflora Deutschlands i 






schonste, eincn Rundblick iiber Stadt 
und TJmgebung gewahrende Punkt ist. 
Den Glanzpunkt dcr Aussieht 'bildet hier 
der Blick iiber den lieblichen Ziiricher- 
see nacli den Alpen der Kantone Gla- 
rus und Uri, wovon die Tafel 149 cine 
Ansicht giebt. Zu den Fiissen der Bo- 
tanische Garten, von dem man auf dem 
Bilde links in der Ecke nur die Ausgangs- 
thiir erblickt, gegeniiber einem erst 
neuerdings zum Botanischen Garten ge- 
kommenen Stiick Land, von dem wir 
spater sprechen werden. Die Hauser 
des Sellnau und der Schanzengraben 
mit der neuerbauten Briicke bilden aus- 1 
serdem den Vordergrund. Den Mittel- 
grund bildet der herrliche klare See, 
mit seinen freundlichen von anmuthigen 
Hiigeln von 1000—3000' Hohen begrenz- 
ten Ufcrn, welche ganz allmiihlig zum 
See abfallen und mit frischen Wiosen, 
Baumgarten , Weinbergen , lachenden 
Ortschaften, schonen Landhausern und 
gut gehaltenen Garten bedeckt sind. Im 
Hintergrunde aber erheben die schneei- 
gen Gipfel derGlarner- und Urneralpen 
sieh zu den Wolken und verleihen die- 
sem herrlichen Panorama jenen eigen- 
thiimlichen Zauber der grossartigen Ge- 
birgsnatur, die auf jedes unbefangene 
Gemiith stets einen tiefen bleibenden 
Eindruck hervorbringt und die Sehn- 
sucht des Schweizers nach seinem herr- 
licben Lande leicht begreifen lasst. Der 
grosse breite Gebirgsstock links ist der 
10000 Fuss hohe Glarnisch, der sich 
unmittelbar iiber Glarus erhebt und z. 
B. iiber dem Klonthalsee in fast 8000' 
hohen, fast senkrechten Felswanden ab- 
fallt. Die Mitte der Kette nimmt der 
11000 Fuss hohe Tbdi ein, und rechts 
neben ihm der Klaridengrat, unter dem 
der Klausenpass von Glarus nach Uri 
hinfuhrt. Zu Aeusserst rechts erhebt 
8ich diemachtige obUri gelegene Wind- 



gelle, zwischen ihr und dem Todi das 
zweispitzige Scheerhorn etc., an deren 
Gletschern die einsame feierliche Alpen- 
natur in ihrer ganzen Grosse dem Wan- 
derer entgegentritt. 

Auch der Blick iiber die Stadt Zurich, 
iiber das nach Baden gerichtete Lim- 
matthal mit seinen dem Jura zulaufen- 
den Hbhengangen ist in seiner Art ein- 
zig schon, wenn gleich das verwohnte 
Auge sich mehr der Alpenkette, die an 
schonen Sommerabenden im rbthlichen 
Schiminer ergliihct, zuwendet. 

Wenn nun dieser Punkt, der den 
Ziiricher Garten vor alien andern ahn- 
lichen Instituten auszeichnet, geblieben 
wie er schon vor Anlage des Gar- 
war, so wurden die beiden Ter- 
i und der andere ebene Theil des 
Gartens bei der ersten Anlage in der 
Weise angelegt, dass der grbsste Theil 
derselben mit den perennirenden Stau- 
den und einjahrigen Pflanzen (nach dem 
natiirlichen Systeme angeordnet) be- 
pflanzt ward. Zur Verschonerung des 
Spazierganges umgabei 
diese Systeme. 



J a h r 



I M .'. 



Als im Jahre 1842 der Referent als 
Obergkrtner die Besorgung des Gartens 
iibernahm, besass der Garten ungefahr 
2000 Arten Freilandpflanzeu und 1000 
Arten Topfgewachse (in 3500 Exem- 
plaren). Von den eigentlich beliebten 
Zierpflanzen war soviel als gar nichts 
vorhanden, weil kein Kredit fur An- 
schaffungen vorhanden war, und der Ober- 
gartner alles, was angeschafft worden 
war, privatim angeschafft hatte und als 
sein Eigenthum in eine neu errichtete 
Privatgartnerei iibertrug. So fehlten Ca- 
mellien, Pelargonien, Verbenen, Dahlien, 
Orchideen und all die beliebteren Kalt- 



I. Originalabhandlungen. 



und Warmhauspflanzen fast ganzlich, 
und der Garten befand sich in dor Lage 
der kleineren mittcllosen Botanischen 
Garten iiberhaupt. Der Etat betrng in- 
clusive aller Besoldungen 3000 Fr. odcr 
800 Thlr. Pr. Cour. nebst Unterhalt der 
feststehenden Gebiiude und Lieferung 
von Brennholz. Eine Aussicht auf Ver- 
mehrung des Etats war weder vorhan- 
den noeh konnte sie vom Kanton Zurich 
gefordert werden, da dieser im Verhalt- 
niss fiir seine Bevblkerung schon aus- 
serordentlich viel fiir Schulen , die Hoch- 
schule und alle die mit derselben ver- 
bundenen Institute leistete. Aus diesem 
geringen Etat sollte die Besoldung des 
Obergartners, der Arbeiter, die Anschaf- 
fungen von Erde, Sand, Kies, Kubeln, 
Topfen, die Anschaffungen neuer Pflan- 
zen etc. besorgt werden. Um die ge- 
ringe Besoldung des Obergartners zu 
vermehren, hatte dieser bis zu diesem 
Zeitpunkte die Erlaubniss erhalten, einen 
Privathandel zu treiben, und der seit- 
herige Obergartner hatte nur desshalb 
seine Entlassung genommen, um seinem 
Privathandel, der sich bald in ein blii- 
hendes Geschaft verwandelt hatte, seine 
ungetheilte Zeit zuwenden zu konnen. 
Beim Eintritte des Referenten war je- 
doch im Interesse des Institutes dem 
Obergartner jeder Privathandel untersagt 
und die Bestimmnng getroffen worden, 
dass fur den Garten selbst Handel ge- 
trieben werden sollte, dessen Ertragniss 
zur Hebung des Institute sowie zur Ver- 
mehrung des Gehaltes des Obergartners 



loh habe dieseVprhahnis.se an 
Grunde sooffen dargelegt, weilschor 
die Frage, ob 



Handel treiben solle oder nicht, aufge- 
stellt worden ist, im durchaus entge- 
gengesetzten Sinne beantwortet. Ich 
habe mich auf die Besprechung die- 
ser Frage bis jetzt nicht eingelassen, 
da man mir die Beantwortung derselben 
im eigemiiifzigcm Sinne hatte vorwerfen 
konnen, so lange ich selbst einem sol- 
chen Institute vorstand, bei welchem 
diese Frage bereits von den Behbrden 
im hejahenden Sinne entschieden wor- 
den war. Jetzt aber, in einem Zeitpunkte, 
wo ich bereits aus diesem Institute aus- 
getreten, aber fiir kurze Zeit in meine 
friihere Heimath zuriickgekehrt noch 
auf deutschem Boden mich aufhalte, jetzt 
darf ich hoffen, dass ich bei Beantwor- 
tung derselben einen unbefangenen Stand- 
punkt einnehme, nachdem ich selbst 
diese Verhaltnisse griindlich kennen 

Es theilt sich diese Frage in zwei 
wesentlich verschiedene Punkte, ob es 



bflYn 



1 n s 



at iiberha 



i. "in 



i)il. 



Die erste dieser Fragen ist wohl im 
allgemcinen l.inviTstiindniss dahin zu 
beantworten, dass allerdings der eigent- 
liche Zweck eines solchen Gartens, be- 
stehe er nun in dein einen oder andern, 
stets besser und ungetheilter im Auge 
behalten werden kann, wenn er Mittel 
genugsam besitzt, um seinem Zwecke 
zu geniigen, ohne Handel zu treiben. 
I m Missverstandnisse zu vermeiden, 
wollen wir hierbei jedoch bemerken, dass 
wir unter Handel treiben das Ab- 
geben einzelner, wirklich uberflussiger 
Pflanzen oder Samen, deren jeder Gart- 
ner solche producirt, (so die Einnahme 
davon wieder zu Neuanschaffungen etc. 
verwendet wird) nicht verstehen, son- 



Garteuflora Deutschlands \ 



dern lcdiglieh jencn Zustand, wo zur 
Unterhaltung eines crgiebigen Handels 
producirt und angeschafft wird. Denn 
wollte man das Abgcbcn zufallig uber- 
ilussiger Pflanzen ebenfalls als Handel 
qualifiziren , dann miisste auch das en- 
ter bffentliehcn Jnstituten aller Art ge- 
brauchliche Tauschsystem , in diose 
Klasse fallen. Geld ist nur Mittel zum 
Zweek, Verkauf des einen Ueberfliissi- 
gen nnd Verwendung des Ein<;egange- 
nen in gleicher Richtung ist nur eine 
Erleichterung des oft unbeqnemeren 
Tauschgeschaftes. Eine Verweithung des 
Ueberfliissigen im Interessc des Institu- 
tes scheint mir daber bei jodem bffent- 
licben Garten znliissig, namentlicb wenn 
Schwestcr-Anstaltcn gegenuber nieht 
angstlich gerecbnet, sondern freigebig 
vom Ueberfluss mitgetbeilt wird. Diese 
Verwerthung darf jedoch nur im Inter- 
esse des Institutes, nieht aber in dem 
der Angestellten stattiinden, weil sonst 
Missbrkuchen aller Art Tbor und Thiir 
gebffnet und das Interesse der Anstal- 
ten nur zu oft vom wahren Interesse 
des Instituts abgezogen wcrden wiirde. 
Wo solch ein Nebenverkanf zur Aufbes- 
serung des Gehalts des Gartners ein- 
gefubrt, wird man stets besser thun, 
alle Einnabmen in die Gartenkasse fallen 
zu lassen und dagegen den (Jiirtner an- 
standig zu besolden. Das Institut wird 
hierdureh nur gewinnen und der Gart- 
ner aus einer schiefen Stellung heraus- 
kommen. 

Weit schwieriger ist die Beantwor- 
tung des zweiten Theils der aufgewor- 
fenen Frage : Ob namlich ein 6ffentlich.es 
Institut iiberhaupt kcinen Handel trei- 
ben, d. h. neben seinen anderweitigen 
Zweeken fur den Verkauf anschaffen und 
produciren und das zum Verkauf Vor- 
rathige vortheilhaft zu verwertben su- 
chen soil? 



Bei Beantwortung dieser Frage sind 
zuvor einige Vorfragen zu erledigen, 
welche wir durch die folgenden 4 Punkte 
genauer formuliren wollen. 



) We 



iilfe 



Zweck hat 



Wir kbnnen un3 bei dieser Frage 
kurz fassen, da wir spater die Gesichts- 
punkte, welche uns bei der Fuhrung 
des Botanischen Gartens in Zurich lei- 
teten, fiir einen schwach dotirten Bota- 
nischen Garten noch im Besondern be- 
sprechen werden. Als Zweck solcher 
Garten kbnnen wir daber vorziiglich 
nur den nennen, eine moglichst voll- 
stiindige ^annulling der so verschieden- 
artigen Pflanzenformen in schbnen, in- 
struetiven Exemplaren zu veranstalten. 
Diibei sollten die allgemein interessanten, 
sowie Handels- und Arzneipflanzen bc- 
sondere Beriicksichtigung linden, und 
durch zweckmassige Aufstellung und 
Abgabe bluhender Exemplare zur Unter- 
suchung, aufRelehrung hingewirkt wer- 
den. Auaserdem sollten solche bffent- 
liche Garten ein Muster von Ordnung 
und Kultur sein, sowie sie gleichzeitig 
die nicbt unwichtige Aufgabe haben, 
iiberhaupt auf Belebung und Hebung 
des Gartenbaues zuriickzuwirken, und 
in alien Versucben, wie allgemeinen Be- 
strebungen in dieser Richtung die Ver- 
pfltchtung haben, sich an die Spitze zu 



Haben wir im Vorhergehenden den 
Zweck solcher Anstalten richtig anfge- 
fasst, so miissen dieselben es sich nieht 
bloss zur Aufgabe stellen, immer mehr 



. h, 



1^ 



und mehr dem vorangestellten Zwecke 
naher zu kommen, sondern sie miissen 
zugleich auch mit der Zeit weiter gehen. 
Mit der Zcit weiter gehen, heisst aber 
den speciellen Richtungen des Garten- 
baues, welche durch neue Forschungen 
und Entdeckungen oder durch specielle 
Richtungen der Zeit vcranlasst werden, 
Rechnung zu tragen. Hiernach stellt 
das Publicum an einen offentlichen Gar- 
ten, in dem es sich belehren will, nicht 
bloss die Anforderung, einen allgemeinen 
Ueberblick iiber das Gewiichsreich in 
einem solchen zu erlangen, sondern es 
will hier auch zuerst alle die neuen 
Erscheinungen im Gartenbau, seicn diess 
nun Arten oder Abarten, von allgemei- 
nem Interesse sehen, urn sich iiber den 



Werth 

zu belehren. In einem solchen Institute 
sollen Untersuchungen und Versuche 
iiber all die wichtigsten Zeitfragen in 
diesemGebiete angestellt werden, von hier 
aus soil Belehrung ausgehen, und iihn- 
liche Anforderungen, die das Publicum an 
einen offentlichen Garten wirklich stellt, 
gibt es viele. 

Wahrend aber so der Garten den 
Anforderungen der Zeit folgt, verharren 
die besseren und werthvolleren Pilanzen 
der Sammlung nicht im gleichon Zu- 
stande, wie dies bei naturhistorischen 
Sammlungen anderer Art der Fall ist, 
sondern sie wachsen, bediirfen mebr 
Raum und Pflege, wahrend auch die 
Sammlung an Artenzahl sich stets ver- 



. gut 



rhait 



it de 



Z.Ml 



iilT- ii 



Institute kbnnen 



werden, dass mit dem Bediirlniss auch 
die fiir das Institut bestimraten Riiume 
gesteigert werden kbnnen, sondern der 
Etat ist meist ein fixer, durchaus stabi- 
ler. Der Vorsteher eines solchen Gar- 
tens, wenn das Institut nur auf seinen 
Etat beschrankt bleibt, hat daher nur 
die Wahl, entweder die Kulturen unge- 
fahr in dem Zustande, in dem er das 
Institut vorfand, fortzuleiten : dann wird 
der Garten bald hinter der Zeit zuriickblei- 
ben und derFremde und Einwohner wird 
jeden gut unterhaltenen Handelsgartcn 
mit mehr Interesse besuchen, als das vom 
Staate unterhaltene Institut. Oder, was 
schwieriger, aber belohnender er hat in 
solchen Verhaltnissen den Weg einzu- 
schlagen, jahrlich mit dem Heranwach- 
sen der Pflanzen alle leichter zu ent- 
behrenden Exemplare und Arten zu be- 
seitigen, und dagegen immer einzelnen 
Richtungen der Zeit Rechnung zu tra- 
gen. Aber auch urn diesen Weg in 
einer Weise cinschlagen zu kbnnen, dass 
das Institut wenigstens einiger Maassen 
seine Aufgabe lost, auch hierzu gehbrt 
schon eine ziemlich reichliche Dotirung 
und geraumige zweckmassige Localita- 
ten. Demnach wird der Garten, der so 
manchen Richtungen fiir den Unterricht, 
der seine Anforderungen immer mehr 
und mehr steigert, Rechnung tragen 
muss, in den Richtungen der Zeit, hin- 
ter vielen tiichtigen Handelsgiirten zu- 
riickbleibeu miissen, da diese eben nur 
das gerade Beliebte und Gesuchte in 
grbsserer Ausdehnung kultiviren. 

Aus diesem Gesichtspunkte scheint 
es uns fiir alle jene offentlichen Pflan- 
zengarten, wo es die Verhahnisse nicht 
erlauben, dass ihnen neben den speciell 
und zeitgemass an sie gestellten An- 
forderungen ein entsprechendes Budget 
bewilliget werde, durchaus zweckmiissig, 
Erreichung 



10 Gartenflor 

ihrer Zwecke zugleich Handel treiben, 
dossen Ertrag lediglich fur die Interessen 
des Institutes verwendet wird. Ueber- 
schiisse von guten Jahren zu verwen- 
den, dazu bieten die von Zeit zu Zeit 
in jedem fortschreitenden Garten noth- 
wendig werdenden Neubauten voile Ge- 
legenheit, und bei zweckmassiger, treuer, 
den Zweck unverriickt festhaltender Ver- 
waltung wird der Garten nieht in den 
traurigen Fall kommen, gerade in der 
allgemeinen Zeitrichtung jedem tiichti- 
gen Handelsgarten naohzustehen ; denn der 
Handel zwingt ihn schon von selbst, 
mit dem Strome zu schwimmen. 

c) Schadet der Handel den In- 
teressen des Institutes und be- 
eintrachtigt er dessen Zweck? 
Beriicksiehtiget man nur das Institut 
fiir sich allein, so wird die Beantwor- 
tung dieser Frage die Zweckmassigkeit 
oder Unzweckmassigkeit der Verbindung 
eines Handels mit einem offentlichen 
Garten vollkommen entscheiden. Die 
Erfahrung, welche ich in dem Zeitraume 
von 14 Jahren sammelte, lasst mich diese 
Frage dahin beantworten, dass eii 
hafter Handel das einzige Mittel ist, 
mittelst dessen fin sohwach dotirter Gar- 
ten .seine Aufgabe einigermassen Ibsen 
kann, und dass dieses in urn 
Grade der Fall ist, je langer dieses Ver- 
haltniss bereits andauert, weil es bei lan- 
gerer Dauer immer mehr mbglich wird, 
zweckmassige Einrichtungen in dieser 
Beziehung zu treffen, welche den Gar- 
ten seinem urspriinglichen Zwecke er- 
halten, wahrend der Handel die Mittel 
gewahrt, diese vollkommen er und 



Zeit die Interessen des Handels so sehr 
uberwiegen, dass sie mit der Zeit das In- 



stitut seinem urspriinglichen Zwecke ganz- 
lich entfremdenkbnnten, undallerdings ist 
rbsste Vorsicht nothwendig, damit 
nicht geschehe. Spater aber, wenn 
^amielsgeschaft erst organisirt, wenn 
es erst seinen bestimmten Ertrag abwirft, 
dann wird es leicht mbglich, bestimmte 
Leute fiir den Handel anzustellen, da- 
mit die Vorgesetzten ihrer eigentlichen 
Aufgabe nicht zu sehr entfremdet wer- 
den. Nur durch Anstellung tiichtiger 
Untergartner in dieser Richtung kann 
diess erzielt werden. 

Der Handel wird ausserdem die Ur- 
sache werden. gute Verbindungen im 
Auslande und anderen Welttheilen zu 
unterhalten , um durch Einfiihrung neuer 
Pflanzen, die in solchen Instituten rich- 
tig bestimmt werden kbnnen, dem Han- 
del einen grbssern Aufschwung, dem 
Institute einen guten Namen zu sichern. 
Kiinstliche, genau controlirte Erziehung 
neuer Bastarde und Abarten wird nicht 
weniger dazu beitragen, in dieser Rich- 
tung den Garten zu heben und zugleich 
Material fiir die Wissenschaft liefern, 
die der praktischen Erfahrungen aller 
Art noch sehr bedarf. Auf diese Weise 
wird der Handel auch ein Mittel, den 
Zweck des Institutes, Belehrung, zu 
fbrdern und durch Abgabe richtiger 
Pflanzen und Schaustellung schbner 
Pflanzen zur Hebung des Gartenbaues 
beizutragen. 

Damit soil jedoch keineswegs ge- 
sagt sein, dass diess alles in nicht viel 
hbherem Grade geschehen kann, wenn 
der Garten soviol Mittel besitzt, um den 
Handel uberfliissig zu machen. Ein 
Uebelstand ist die Verbindung von Han- 
del mit einen offentlichen Institute immer; 
denn er wird zeitweis den Interessen 
des Gartens fast alle Krafte entfremden. 
Er theilt und spaltet die Thatigkeit der 
Vorgesetzten stets in gewissem Grade 



und macht dcren Stellung gegenuber 
den Kollegen stcts um Vieles unangc- 
nehmer, und schwacht daher den Ein- 
fluss des Institutes bci gemeinnutzigen 
Unternehmungen. Wo aber nur die 
Wabl frei steht, bei geringen Mitteln 
ganzUnbedeutendes zu leisten, oder aber 
unter Hinziehung des Handels dem Zwecke 
des Institutes wcnigstens nahe zu kom- 
men, da kann, wenn man lediglich die In- 
teressen und den Zweck des Institutes ins 
Auge fasst , die Wahl nicht schwer sein. 

d) 1st es eine Schadigung des 
Privathandels, wenn offentliche 

Institute Handel treiben? 

Der Handel eines bffentlichen Insti- 
tutes erweekt stets den Neid und die 
Missgunst der Handelsgartner, erschwert 
dadurch die Stellung der Angestellten 
und den Einfluss des Institutes, Es ist 
dieses eine so ausgemachte Thatsache, 
dass wir sie nicht naher zu besprcchen 
brauchen. Dagegen will ich dem Theil 
der Frage: Ob der Privathandel wirk- 
lich in dem Grade dureh den Handel 
eines bffentlichen Institutes geschadiget 
wird, als man dieses gcmeiniglich an- 
nimmt? noch einige Worte widmcn. 

Der Schaden, den offentliche Insti- 
tute dem Privathandel zufugen kbnnen, 
kann sich in zweifacher Richtung, nam- 
lich im Herabdriicken der Preise unter 
die Productionskosten und in Schadigung 
durch den Anderen entzogenen Absatz 
gelteud machen. In ersterer Beziehung 
miissen wir uns unbedingt gegen jedes 
Institut der Art aussprechen, wel 
durch Herabdriicken der Preise zu ei 
Stande, bei dem in Wahrheit nichts 
dient wird, den Privathandel schad 
In Wirklichkeit geschieht diess aber; 
selten, da hierdurch das Institut se 
eigenen Interessen ins Gesicht schlagen 
wiirde, und wenigstens uberall, w 



einem solchen Herabgehen begegnete, 
dieses lediglich durch die gegenseitige Con- 
currenz der Handelsgartner unter einan- 
eranlasst ward. Wo es aber den- 
noch geschehen sollte, ist dies als un- 
wiirdig fur ein bffentliches Institut zu 
betrachten, welches den Handel, nur um 
sich gelbst zu erhalten, nicht aber um 
Anderen zu schadigen, betreiben soil und 
darf. 

Dass dagegen der Absatz eines der- 
artigen offentlichen Institutes den Privat- 
handel sehr beeintrachtige, das scheint 
vielmehr innere Wahrscheinlichkeit zu 
haben. Es ist dies auch in gewisser 
Weise der Fall, wenn gleich lange nicht 
in dem Grade, wie das gcmeiniglich an- 
genommen wird. 

Je mehr ein bffentliches , an die 
Spitze der Interessen des Gartenbaues 
gestelltes Institut seine Aufgabe erfUllt, 
desto mehr wird die Liebhaberei belebt, 
desto hbher steigt der Ruf des betreffenden 
Ortes als Sitz des Gartenbaues. Dass 
solche Verhaltnisse oft den Absatz in den 
Erzeugnissen des Gartenbaues in einer 
Weise steigern kbnnen, welche viel be- 
trachtlicher als der Absatz des Institu- 
tes selbst, davon liefcrt gerade Zurich 
ein lebendiges Beispiel, indem dort 
neben dem Botanischen Garten sich 
verschiedene tiichtige Handelsgartnereien 
und Samenhandlungen niedergelassen 
haben, die ihre Erzeugnisse durch die 
ganze Schweiz und die Nachbarlander 
verbreiten. Wiirde aber wirklich ein 
solches Institut seinen Handel aufgeben, 
sn wiirde seine Stelle augenblicklich 
durch andere Handelsgartnereien einge- 
nommen werden, und den bereits beste- 
henden ware dauernd nicht geholfen. 
Andere Orte, wo grussere und kleinere 
Handelsgartnereien bestehen, zeigen ganz 
iihnliche Verhaltnisse, nur mit dem Un- 
terschiede, dass sich hier die Eifersucht 



Gartenflora Deutschlands i 



der kleineren Gartnereien gcgen die gros- 
seren richtet. Hier ist und bleibt der 
einzige richtige Grundsatz der: „Leben 
und leben lassen" und sich selbst 
das Leben nicht durch Dinge erschwe- 
ren, die Einigkeit in ganz angenehme 
Verhiiltnisse umbildcn konnte, wobei Alle 
gewinnen wiirden. 

Ausserdem ist es allerdings ein ei- 
genthiimlicher Gesichtspunkt, welcher es 
fur Unrecht hiilt, wenn der Staat von 
dem jedem Gliede desselben freistehen- 
den Rechte Gebrauch macht, das Pro- 
ducirte zu verwertliPn, und den Erlos 
fiir die gleiche Richtung wiedcr zu ver- 
wenden, wenn es ohne dieses Mittel 
nicht mbglich ist, den angestrebten Zweck 
zu erreichen. 

Nachdem wir so die allgemeine Frage, 
ob ein offentlicher Pflanzengarten Han- 
del treiben soil, in den einzelnen Thei- 
len beleuchtet und das Fiir und Wider 
besprochen haben, konnen wir diese 
Frage nach unserer Ueberzeugung dahin 
beantworten: Wo ein offentlicher Garten 
so viel Mittel erhalten kann , um seine 
Zwecke zu erreichen und zeitgemass 
fortgefuhrt zu werden, liegt es im wohl- 
verstandenen Interesse desselben, keinen 
Handel zu treiben. Jedes Institut aber, 
welches zu schwach dotirt ist, um ledig- 
lich auf seine Mittel beschrankt seine 
Aufgabe zu erfiillen, wird durch ver- 
standige Zuziehung des Handels bedeu- 
tend gehoben werden konnen. Es soil 
diess jedoch in einer Weise geschehen, 
wplche Privatinteressen mbglichst wenig 
verletzt und den eigontlichen Zweck 
des Gartens stets in den Vordergrund 
treten lasst. 

Fernere Entwicklung des Gar- 



beschaftiget hat, einlasslich besprochen 
m ist, sei es mir erlaubt, auf die 
re Entwickelung des Zurcherischen 
Gartens einzutreten. 

Ohne Aussicht auf ferneren Zuschuss, 
ar mit der Bestimmung, Handel zu 
treiben, aber ohne verkaufliche Pflanzen, 
musste der Garten im ersten Jahre nach 
der Uebernahme mit einem Arbeiter 
i einem Lehrling bearbeitet werden 
d bot das Muster eines Gartens, wie 
nicht sein sollte. Von Jahr zu Jahr 
jserten sich aber durch Hulfe des 
Handels die Verhaltnisse , so dass es 
loglich ward, zuletzt den Garten wah- 
rend der Zeit, in [welchem der Geschafts- 
gang nicht allzu lebhaft, in einem ge- 
deihlichen ordentlichen Zustand zu er- 
halten. Aenderungen im Garten, Bau- 
on Gewachshausern verzehrten je- 
doch stets noch das Erworbene. Die 
inter diesen Verhaltnissen oft muhsa- 
men Berufsarbeiten wurden aber durch 
las stets freundlichste Einverstandniss 
mit dem Director, Hrn. Dr. Prof. O. Heers 
wesentlich erleichtert. Mit demselben 
nun der Plan zur weitern Bebau- 
ung und Vervollkommnung des Institu- 
in der Weise festgestellt, dass einer- 
;s dahin getrachtet ward, dem Garten 
selbst eine freundlichere , fiir die Bear- 
beitung weniger schwieriger Einrichtung 
zu geben, und andererseits das System 
festgestellt ward, in welcher Richtung 
des Institut ausgebaut und der weitern 
Vervollkommnung entgegengefuhrt wer- 
den konnte. 



Das orstereward in Beriicksichtigung 
des Umstandes, dass der Garten zugleich 
der beliebteste^Spaziergang, dadurch er- 
reicht, dass der vordere ebene Theil und 
die oberc Terrasse ganzlich zur Anlage 
mit Rasenplatzen und Blumengruppen 



umgewandelt ward. Die untere, den 
ganzen Garten umgebende Terrasse 
ward dagegen ganzlich zur Bepfianzung 
mit den perennirenden Stauden nach dem 



bei zugleich noch ein grbsseres Stuck 
Land zur Aussaat der einjahrigen Pflan- 
zen gewonnen, welche fruher zwischen 
den Stauden angebaut wurden und 
desshalb nicht gut gedeihen wollten. 

Durch diese Einrichtung zerfallt nun 
der Garten in 2, wesentlich unter sich 
verschiedene Parthieen. In die ledig- 
lich fur den Unterricht bestimmten Sys- 
teme der Stauden und in die zum Spa- 
ziergang bestimmte Anlage. Die erste- 
ren Bind durch Bosquetpflanzungen 
ganzlich von der Anlage abgeschlossen 
und bilden vollstandig eine Parthie fur 
sich. Selbst bei der besten Bearbeitung 
ist es namlich durchaus unmbglich, eine 
derartige Parthie so zu unterhalten, dass 
sie den ganzen Sommer hindurch einen 
freundlichen Anblick gewahrt. Denn 
wiihrend die einen Pflanzen bliihen, ste- 
hen die andern schon verwelkt und ver- 
dorrt da und kbnnen doch nicht eher 
abgeschnitten werden, bevor ihr Samen 
gereift ist. 

Der Theil, welcher die Anlage zum 
Spaziergang bildet, hat vornehmlich die 
Aufgabe, die Masse der zahlreichen Zier- 
pflanzen fiir das freie Land, sowie die 
Topfgewachse dem Publikum in reiner 
Weise zu prasentiren, dass dieses zu- 
gleich dem Auge wohlthut, sowie Be- 
lehrung damit verbunden wird. Bei dem 
beschrankten Raume, den Botanische 
Garten gemeiniglich fiir solche Zwecke 
verwenden kbnnen, versteht es sich da- 
her von selbst, dass die ganze Anlage 
mehr den Character eines Blumengar- 



s, der, von Bosque- 
ten umpflanzt, auf liasenpliitzen der Blu 



menbeete und Pflanzengrnppen so viel 
als mbglich enthalt. 

Der andere obere Theil des 
Gartens. 

Tritt man durch den Haupteingang 
in den vorderen ebenen Theil des Bota- 
nischen Gartens zur Sommerzeit ein, 
so bietet sich dem Auge jenes mannig- 
fache Gemiscb, welches eine Mannigfal- 
tigkeit der verscbiedenartigstenPilanzen- 
formen, auf kleinen Raum zusammen- 
gedrangt, hervorzubringen im Stande 
ist. Langs der Wege, theils vor dem 
Gewiichshause in Reihen, theils frei in 
Vasen gestellt, theils kleinere Pflan- 
zengruppen iiberragend, sind mehrere 
Hundert Kubelpflanzen aufgestellt, die 
wahrend des Sommers den Garten urn 
so mehr beleben, als sie nicht die Ein- 
tbnigkeit einer gewbhnlichen Orangerie 
bieten, sondern die mannigfachsten Pflan- 
zenformen in schbnen Exemplaren dem 
Auge prasentiren. 

Bevor wir naher auf die andern Pflan- 
zengrnppen eintreten, sei es mir erlaubt, 
diesen Kubelpflanzen einige Worte zu 



freistehende 



KUbr 



■I,,; 



So schbn ein dunkelgriiner, mit gol- 
denen Friichten bedeckter Orangenbaum 
in Wahrheit ist, so bieten dennoch jene 
grossen Orangerieen, in denen nichts 
als Orangenbaume neben Myrten, 
Lorbeeren, Cypressen und einzelnen an- 
deren Baumen gezogen werden , ein ziem- 
lich einfbrmiges Bild. Die regelmassi- 
gen, kugelfdrmigen Kronen oder Spaliere 
erinnern an die langst vergangenen Zei- 
ten des franzbsischen Gartengeschmacks, 
der durch solche Orangengarten that- 



14 txartenflora Deutschlan 

saehlich in unsere Zeit heriiber reicht, 
und aueh in anderen Richtungcn in 
neuester Zeit wiederum seine Vertretung 
in unseren Garten gefunden hat. Die 
Liebhaberei fiir solche Orangengarten 
ist noch jetzt sehr allgemein verbreitet, 
und doch wiirde man im Allgemeinen 
mit geringeren Kosten und mit mehr 
Abwechselung und Mannigfaltigkeit in 
Bliithe uud Blatt neben wenigen Oran- 
genbaumen eine Zahl anderer Pflanzen 
in Kiibeln kultiviren und ahnlich dem 
Orangenbaum durchwintern. 

Es sind in neuester Zeit die nach 
englischer Manier gezogenen Schaupflan- 
zen der kleineren Halbstraucher so be- 
liebt und wir haben oftmals unsere 
unverhohlene Freude uber derartig ge- 
zogene Pflanzen geaussert, diegleichsam 
zeigen, was die Kunst in Bezug auf 
Dichtigkeit des Wuchses und Bliithen- 
reichthum leisten kann, wenn gleieh die 
Form der Pflanzen durch diese Kultur 
eine durchaus unnatiirliche wird. Durch 
die Kultur strauchiger und baumartiger 
Pflanzen in Kiibeln, welehe wenigstens 
wahrend des Sommers nach alien Seiten 
frei aufgestellt werden konnen, da wird 
mit verhaltnissmassig leichterer Miihe 
fiir solche Pflanzen dasGleiche erreicht, 
indem man auchhiedurch zeigt, zuwel- 
cher Schbnheit sich eine einzelne Pflanze 
entwickeln kann, und zwar in einem der 
Pflanze mehr natiirlichen Habitus. 

Sehr haufig benutzt man, urn einzel- 
ne Pflanzen schnell zu einer recht ge- 
deihlichen gesunden Entwickelung zu 
bringen, die Methode, dass man derar- 
tige Pflanzen wahrend des Sommers in 
das freie Land pflanzt, um sie hierauf 
im Herbste wiederum einzupflanzen. Es 
hat diese Methode aber den Nachtheil, 



dass die betreffenden Pflanzen 



gemeinig- 



lich zu dem Zeitpunkte wieder aus dem 



is Kraut wachsen 
und weniger Blumen biiden. Derartige 
Pflanzen in Kiibel in eine entsprechende 
Erde gepflanzt, frei gestellt und zweck- 
massig behandelt, zeigen nur ein wenig 
geringeres Wachsthum, bluhen friiher 
und dankbarer als im freien Lande ste- 
hende Exemplare und bediirfen im Herbste 
des Einpflanzens nicht. Frei stehende 
Kiibel haben zu solch einer Kultur vor 
freistehenden grossen Vasen oder Top- 
fen den grossen Vorzug, dass die Sonne 
das Holz wahrend des Tags nicht zu 
stark erwarmt, und auch desNachts die 
Erdwarme des Ballens sich im Kiibel 
besser erhalt, wahrend in freistehenden 
Vasen die den Topfrand erreichenden 
Wurzeln hauiig verbrennen und Nachts 
Temperatur von Luft und Boden sich 
mehr ausgleicht. Daherkommt es, dass 
junge kraftige Exemplare vieler Pflanzen, 
im Friihling in verhaltnissmassig grosse 
Kiibel eingesetzt und frei gestellt, schon 
im ersten Sommer zu sehr schonen Stand- 
exemplaren erwachsen und man auf die- 
se Weise das Mittel an der Hand hat, 
bald kraftige Pflanzen zu erziehen, wel- 
ehe reichlich bluhen. 

Als Pflanzen, die sich zu solchen 
Kulturen vorziiglich gut eignen, kann 
ich nach den im Ziiricher Garten ge- 
sammelten Erfahrungen die folgenden 
empfehlen. 

Erythrina. Unter den zahlreichen 
Arten dieser Gattung eignet sich vor 
alien andern E. Crista galli und deren 
Abart arborea zu Kiibelpflanzen. In 
eine lockere , recht kraftige Erde ge- 
pflanzt, die aus 1 Theil Rasenerde, 2 
Theil Moor- oder Lauberde, % T k eil 
Sand, versetzt mit wenigem Dung be- 
steht, stellt man die Kiibel an einem 
durchaus sonnigen, vor rauhen Winden 
gescMtzten Orte auf. Sobald im Som- 



mer diePflanzen kraftig zu wachsen be- 
ginnen , giebt man ihnen wochentlich 
wenigstens einmal einen kraftigen Dung- 
guss von Kuhjauche, Guano oder andorn 
kraftigen Dungmitteln. Schon im Juli 
werden altere Exemplare auf dor Spitze 
ihrer Aeste die prachtigcn Bliithetrau- 
ben ontwickeln, um dann Anfang Sep- 
tember zum Zweitenmale an den Sei- 
tenasten zu bluhen. Im Winter weist 
man den Kiibeln einen trockenen Stand- 
ort bei 5—8° R an, und giesst diesel- 
ben fast gar nicht mehr. Lieht bediii- 
fen sie sehr wenig oder gar nicht. Die 
weniger verholzten Triebe werden zu- 
rucksterben, aber im Februar schon be- 
ginnt die Pflanze aus dem alten Holze 
wieder auszutreiben. Man stellt die 
Pflanzen dann etwas mehr ans Licht, 
damit sich die jungen Triebe abharten, 
bevor man sie insFreie bringt. ZurVer- 
mehrung benutzt man diese ersten Friih- 
lingstriebe, welche im warmen Beete 
sehr leicht Wurzeln schlagen. Ins freie 
Land gepflanzte Exemplare bluhen viel 
spater, undnur einmal, und iiberwintern 
sich auch weniger gut. Eine der schon- 



Kiibelpflanzen sieht man in der Schweiz 
besonders hiiufig und in grosser Schon- 
heit. Bei gleichem Standorte wie den 
der Erythrina pflanzt man sie in etwas 
schwerere und fettere Erde. Bei heis- 
sem Wetter im Sommer sollte man sie 
taglich zweimal giessen, denn sie lieben 
wahrend ihrer Vegetationsperiode so viel 
Wasser, das es sogar zu empfehlen ist, 
sie wahrend dieserZeit in einen Kiibel 
mit Wasser zu stellen. Dunggiisse wie 
bei Erythrina. Ueberwinterung in einem 
nur frostfrei gehaltenenLokale, ja selbst 
in nicht zu dumpfen Kellern. Oleander 
die im Winter zu warm stehen, wie hin- 
ten in Kalthausern und 



15 

werden von der weissen 

lildlaus im hbchsten Grade befallen, 

I beginnen in Folge dessen zu kran- 

n. Frostfreie Schuppen, Vorhauser 

I Zimmer etc., sind dagogen vollkom- 

n geeignet. Die am Grunde den Stam- 

3 erscheinenden jungen Triebe miis- 

jahrlich wiederholt weggeschnitten 

rden, da diese den Bluthen die Nah- 

rung entziehen und so die Bliithe be- 

eintrachtigen. Die alten Bluthenstande 

?n, bis sie verdorren, da sie meh- 

Jahre nach einander Blumen ent- 

wickeln. Vermehrung durch Ableger 

d Stecklinge, die in mit Wasser ge- 

fiillte Arzneiglaser gesteckt und ins 

Warmbeet gestellt werden. In Erde oder 

Sand gesteckt wachsen sie weniger leicht. 

iillung und Farbe der 

Blume sehr verschiedene Arten, die auf 

diese Weise behandelt ihren Blumenfior 

reichlich entwickeln. 

1 a b r o t h a m n u s. Fur Kiibelpflan- 
eine der schatzbarsten Pflanzengat- 
tungen. Kraftige, nicht zu leichte Erde 
und starke Dunggiisse wahrend der Ve- 
getationszeit sind hier Grundbedingung 
der sonst leichten Kultur. Die rothblii- 
henden II. elegans, fascicularis , Hiige- 
lii, und corymbosus bluhen am dank- 
barsten, wenn sie hochstammig gezogen 
werden, und gewahren zu dieser Zeit 
durch ihre allenthalben gracil herabhan- 
genden Aeste und Bluthenbuschel einen 
wahrhaft reizenden Anblick. Alle aus 
dem Grund des Stammes oder aus dem 
Stamme selbst erscheinende Aeste miis- 
sen fleissig weggeschnitten werden. Bei 
2—4° K. durchwinterte Exemplare blu- 
hen fast den Sommer hindurch. Bei 
6—8° R. durch wintert, liefern sie auch 
wahrend des grossten Theil3 des Win- 
ters Blumen zu Bouquets. Im Friih- 
ling vor dem Hinausbringen werden sie 
stark zuriickgeschnitten , um dann im 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



im Sonimer von Neuem zu bliihen. H. 
aurantiacus wird buschig gezogen und 
entwickelt, auf letztere Art durchwintert, 
im Winter und im Sommer fast unaus- 
gesetzt seine schonen, orange nfarbenen 
Blumen. 

Die in der Tracht verwandten Ces- 
trum aurantiacum und Warscewiczii 
bliihen bei gleicher Kultur, jedoch 
nur einmal (August oder September) 
im Jahre. 

Jo chroma. Die schone blaue Jo- 
chroma tubulosa (Habrothamnuscyaneus) 
entwickelt, nur wenn sie ahnlich den 
rothbluhenden Habrothamnus behandelt 
und auch wie diese hochstammig gezo- 
gen wird, ihre Bliitenpracht in reichster 
Fiille wahrend des grbssten Theils des 
Winters. 

Bei 2—5° R. durchwintert verliert 
sie freilich alle ihre Blatter, allein im 
Fruhling zuriickgeschnitten und ins Freie 
gestellt, bildet sie bald reichlich Trie- 
be und bliihet in vollster Schon- 
heit. — J. Warscewiczii, die wir kiirz- 
lich beschrieben, kannebenfallskalt durch- 
wintert werden. WahrscheiHlich wird 
auch sie hochstammig erzogen am dank- 
barsten bliihen. Die unterm Einfluss 
eines halbwarmen Standortes gebildeten 
langen Triebe wurden im Laufe dieses 
Sommers imBogen zuriickgebunden und 
entwickelten dann zahlreiche Seitentriebe, 
welche sammtlich bliiheten, nachdemun- 
sere Mutterpflanzen in Kubel gepflanzt 
und ins Freie gestellt wurden. In Laub 
und Blume schemer als J. tubulosa. 

Fuchsia. Alle hbher wachsenden 
Fuchsia- Arten eignen sich zu gan: 
vorziiglich schonen Kiibelpflanzen , so 
besonders die Abarten von F. corymbi- 
fiora, serratifolia, coccinea und a. m 
Von den beiden ersteren zog ich selbsi 
8 Fuss hohe Exemplare, welche an halb- 
schattigem Standorte den ganzen Som 



lindurch reizend bliiheten. Die F. I 
serratifolia bliihet dann auch im Win- ! 

n Kalthause weiter. Von Fuchsia 
coccinea und ahnlichen sah ich an an- 
dern Orten bis 12 Fuss hohe Straucher 
in Kiibeln, bedeckt mit Tausenden von 

die herrlichen Brugmansien (Daturen). 
Manches Jahr miihete ich mich ab, 

tte sie jahrlich ins freie Land und 
im Herbste, wenn sie gerade zu bliihen 
begannen, wurden sie in Kiibel ge- 

:t; aus dem Flor ward aber nicht 
mehr viel. Nachdem dieselben aber im 
Kiibel verblieben, und hier durch war- 

Standort, kraftige Erde und sehr 
fleissige Dunggiisse zu kriiftigem Wachs- 
thume angeregt wurden, dienten sie zur , 
herrlichsten Zierde des Ziircher Gartens. 
Die unbedingt schbnste von alien 
ist die Br. arborea fl. pleno (Br. 
Knightii) d. h. die Abart mit gefullten 
Blumen. Schon Anfang Juni begann 
dieselbc im Kiibel zu bliihen und ent- 
wickelte von da ihre grossen, herrlich 
duftenden, weissen Blumen unausgesetzt 

sum October zur Freude und Be- 
wunderung der zahlreichen Fremden. 
Sie wie die B. suaveolens (Candida) 
wird bei 5— 5>o R. durchwintert und ver- 
langt keinen lichten Standort. Alle 
2 — 3 Jahre sollten die Brugmansien im 
Fruhling getheilt oder verpflanzt 
werden. Ausserordentlich schbn wer- 
den sie auch, wenn sie hochstammig 
gezogen werden. — Br. sanguinea blii- 
het erst im Winter im Kalthause. Auch 
sie bleib't bc-sser im Kubel und erhalt im 
Sommer einen halbschattigen Standort. 
Im Vorhergehenden gab ich nur ein- 
zelne Beispiele von ausserst dankbar 
bluhenden Kubelpflanzen, die sich Je- 
dermann leicht verschaffen und anzie- 



Originalabbandlungen. 



Als Pflanzen, die sich zn solchen 
Zwecken nicht nur leicht anwenden las- 
sen, sondern sogar kraftigste Empfehlung 
verdienen, will ich ferner nennen, alle 

A. cyanophylla, dealbata, longifolia, Me- 
lanoxylon , petiolaris etc., Aucuba 
japonica, alle Callistemo n- Arten, 
(besonders schon sind die rothbliihenden, 
namentlich C. semperflorens), Ca-sua- 
rina, Erica arborea, polytrichifolia, 
stricta, mediterranea, alle Escalonien, 
Eucalyptus, Evonymus japonicus 
und Abarten, Laurus Camphora, indi- 
ca, nobilis, die Leptospermum, die 
hochwachsenden Melaleucen, Myr- 

dulatum, Gran at en (auch diese miis- 
sen ganz kalt dnrchwintert werden, sol- 
len sie dankbar bluhen,) Rhododon- 
dron arboreum unci ponticum . Mag- 
noliagrandiflora, Fristania, Metro- 
sideros tomentosa und floribunda 
(priichtige Kubelpflanzen), Banl 
Dryandra, Veronica, Vibur 
und alle die schonen Zapfenbaurne, wie 



Nur 



Beispielcn, denen 






liessen, sieht man, welche Mannigfaltig- 
keit und welches Intoresse eine Samm- 
lung solcher Kubelpflanzen gegenuber 
einer immer einfbrmigen Orangerie bic- 



Die Tafel 150 giebt die Ansicht des 
vorderen Theils dfs Gartens, wie sol- 
cher jetzt ist. Das Mittel nimmt das 
Wohngebiiude mii dem alien Gewachs- 
hause ein, Kechts sieht man das im 



Mittel dieses Theils gelegene Bassin, 
in welchem den Sommer alle die Was- 
serpflanzen stehen, die sich auf diese 
Weise erziehen lassen. Gruppen von 
ArundoDonax, Canna, Lilien, und nach 
>n Verbenen umgeben, das Bas- 
dessen Rande uns 2 sehr uppi- 
jmplare der Papyrus - Staude 
(Cyperus Papyrus) auffallen. Mit der 
Cultur dieser Pilanze haben wir die 
verschiedensten Versucbe gemacht, wir 
im Sommer ins Bassin selbst 
auf Tische gestellt, so dass sie nicht 
• Wasser kam, wir haben die 
Topfe im Warmhaus gelassen oder in 
das Bassin desselben gestellt, nirgends 
aber gedieh sie nur annahernd so gut, 
wie wenn sie im Sommer in eine leichte 
Moorerde am Rande des Bassins ins 
freie Land eingepflanzt ward. 

Dort beim Bassin steht auch die 
Biiste von Konrad Gessner auf einem 
Piedestal von schwarzem Marmor, von 
der Familie Gessner kiirzlich zum An- 
denken dieses grossen Mannes gesetzt. 
Vor dem Bassin aber ste he 2 grosse 
Paullownien, wohl die grtissten Deutsch- 
lands und der Schweiz, die im vergan- 
genen Friihlinge wiederum priichtig blii- 
heten. Blumengruppen aller Art liegen 
ausserdem in den Rasenplatzen. 

Eine fiir Nadelhblzer bestimmte Grup- 
pe von Topfpflanzen auf der einen, und 
eine von Azaleen und Rhododendron auf 
der anderen Seite schliessen sich der 
untcr dem Schatten hoher Baumen ste- 
henden einfachen, aber sehr ahnlichen 
Buste von Pyr. Candolle an. 

In der sehr reichen Sammlung von 
Coniferen fallt uns vor alien ein vor- 
zughch schones Exemplar der Araucaria 
Bidwilli und gracilis in die Augen. 
Auch die Sikkim - Rhododendron sind 
sammtlich vertreten. 

Um ein 16 Fus* hohes Exemplar der 



UTVi - 



r Scbweiz. 



Araucaria brasiliensis schliesst sich eine 
Gruppe mit einer reichen Cacteen- Samm- 
lung, unter der ein 3 Fuss hohes Exem- 
plar des Xtereus senilis, welches der Gar- 
ten vor einigen Jahren yon Hrn. Dr. 
Rusch in St. Fiden zum Geschenk er- 
hielt. 

Cultur der Cacteen und Arran- 
gement einer Gruppe derselben. 

Die Cacteen werden hier inderWei- 
se cultivirt, dass sie im Friihling aus 
den Topfen heraus genommen und in 
eine mit Tropfstcinen umgebene und 
durchsetzte Gruppe ins freie Land ge- 
pflanzt werden. Um moglichst guten 
Wasserabfluss zu ermbglichen bildet ei- 
ne Schicht von Steinen und Schutt den 
Untergrund und uber diesem ist dann eine 
Erdmischung aus einem Theil einer 
schweren lehmigen Erde, 2 Theil Moor- 
erde, 2 Theile Composterde, 1 Theil 
Sand und 1 Theil Kalk von alten Mau- 
ern aufgebracht. Die Gruppe selbst 
liegt durohaus sonnig und bildet einen 
kleinen Hiigel. Die grosseren Cereen 
und Opuntien werden hier nur mit den 
Topfen eingesenkt, dagegen werden alle 
Mammillarien , Echinocacten etc. Ende 
Mai vollstandig in's Land grpflanzt 
und dabei auf ein decoratives Arrange- 
ment gesehen. Nur einzelne derwcrth- 
vollsten Exemplare bleiben im Topf und 
werden in die Erde ganz eingesenkt, 
nachdem ein umgesturzter Topf zur Un- 
terlage eingegraben wurde. Nach vorn 
wird diese Gruppe von einer fussbreiten 
Kante von Portulacen und Mesembrian- 
themum tricolor und pomeridianum, so- 
wie Sedum caeruleum umgeben. 

Die Cacteen gedeihen hier vortreff- 
lich, sie wachsen nicht bios stark, son- 
dern bliihen auch dankbar. Am Ende 
September oder Anfang October werden 
sie wieder theils einzeln in Tbpfe, theilg 



dicht neben einander in Napfe und fla- 
che Holzkisten eingepflanzt, bekommen 
dann einen sonnigen trockenen Standort 
im temperirten Hause (bei 6 — 8° R) und 
werden vor Ende Februar gar nicht ge- 
gossen. Nur wenn der Standort sebr 
trocken sein sollte, werden die kleinsten 
Pflanzen bei sonnigem Wetter leicht 
uberspritzt. Zum Einpflanzen wahle 
man wo mbglich trockenes sonniges 
Wetter und eine zur Hiilfte mit Sand 
versetzte ganz magere trockene Erde. 
Versaumt man diess, so hat man zu ris- 
kiren, dass, obschon nicht. gegossen 
wird, dennoch einzelne der kriiftigsten 
Exemplare im Winter von innen faul 

Eine einiger Massen decorativ zu- 
sammengestellte Gruppe von Cacteen 
zwischen Tuff steinen wird durch ihren 
Contrast mit den andern Pflanzenformen 
in jedem Garten einen sehr angenehmen 
Effect hervorbringen, namentlich, wenn 
sie durch die lebhafte Bliithe der als 
Einfassung verwendeten Portulacen noch 
gehoben wird. Die Portulacen gedeihen 
genau in derselben Bodenmischung wie 
die Cacteen ganz vortrefflich, entwickeln 
den ganzen Sommer hindurch ihre weis- 
sen und rothen Blumen massenhaft, eig- 
nen sich wegen ihrer niederliegenden 
Stengel gut zur Einfassung uud schlies- 
sen sich wegen der saftigen Blatter hubsch 
an die Cacteen an. Ueber ihre Anzucht 
aus Samen haben wir oft gesprochen, 
und wollen hier nur erinnern, dass diese 
in der Weise am besten gelingt, wenn 
man die Samen im Miirz auf ein halb- 
warmes durchaus sonniges Beet, dicht 
unter das Fenster auf eine magere, zu 
3 / 4 mit Sand versetzte Erde aussaet und 
diese nur ganz diinn mit reinem Sande 
deckt. Die feinen Samen hiite man sich 
zu dicht auszustreuen und um dieses 



Sand. Halt 
geschlossen, 
bald aufgehen. Von nun an giesstman 
nur bei sonnigem Wetter des Morgens 
und liiftet bei Tage die Fenster je nach 
der ausseren Temperatur. Auf diese 
Weise erhalt man bis Ende Mai Starke 
Pflanzchen, die mit etwas Ballen ausge- 
hoben und an Ort und Stelle gepflanzt, 
sehr bald zu bliihen bcginnen. Auf 
gleiche Weise werden auch die Mesem- 
brianthermim und Sodum behandelt. Soil 
einer derart umpflanzten Cacteengrup- 
pe noeh mehrMannigfaltigkeit verliehen 
werden , so kann man zwischen die 
Cacleen noch einzelne decorative Fett- 
pflanzen, namentlich Pachyphytum brac- 
teatum, Escheveria bracteolata, campa- 
nulata und secunda, einzelne Agave, 
Aloe, Mosembrianthemum, Rochea und 
Semper vivum pflanzen. 



;htung de 



nun die Rundschau 
ira vorderen Theil des Gartens, so um- 
geben grossere Gruppen von Topfstrau- 
chern die beliebteren und interessanteren 
Pflanzen aus Nenholland, vom Cap und 
der gemassigt warmen Zone Asiens und 
Amerika's die Eingange des Wohnge- 
baudes, sowie in besonderen Gruppen 
vor'niGcAv.ich.shausundhinterdcm Wohn- 
gebaude vertheilt. 

Das mit der Grxindung des Gartens 
erbaute Gewaohshaus, von dem die Ta- 
fel 150 die Ansieht giebt, ist in ein 
Kalt - und ein Waimhaus getheilt. Hier 
ist im Sommer ein Theil der Warm- 
hauspflanzen aufgestellt, unter denen 
eine prachtige 6 Fuss hohe Cordyline 
indivisa, eine maehtige Gastonia pal- 
mata, Musa-Arten und die Masse ande- 
rer gewbhnlicher Warmhauspflanzen auf- 
gestellt sind. Passionsblumen ranken 



im Warmhaus empor, und die in's freie 
Land gepflanzte Hexacentris coccinea 
entwickelt hier ihre schbnen Blumen- 

Zwei kleine Gcwachshauser, dem Ein- 
gang des Wohngebiiudes gegeniiber, 
stammen ebenfalls aus der ersten An- 
lage des Gartens und bediirfen mit der 
Zeit des Umbaues und ciner zweckmassi- 
gern Einrichtung. Von diesen dient das 
eine zur Vennehrung, wahrend in dem 
andern baldCamellien, bald warme Pflan- 
zen aufgestellt waren. Zahlreiche Beete 
sind theils langs des Schanzengrabens, 
theils hinter'm Hause aufgestellt. 

In den Rasenplatzen sind ausserdem 
noch einige harte Zierstraucher vertheilt. 
Im ersten Fruhling schmiicken unter 
diesen die zahlreichen Varietiiten der 
baumartigen Paeonia, die harten Mag- 
nolien, Weigelien, Forsythia und andere 
den Garten. Ausserdem ist einer unge- 
fahr 18 Fuss hohen Cryptomeria japo- 
nica, die schon 2 Winter ohne alle 
Sehadigung im freien Lande aushieltund 
jetzt zahlreiche Zapfen tragt, sowie der 

chili /i 



yptomeria Lobbii 



Wir v erlassen nun den unteren Theil 
des Gartens und steigen durch Bosquete 
von dem unteren Theil des Gartens zur 
obcren, den Hbhepunkt des Hugels un- 
mittelbar umgebenden Terrasse hinauf. 
Die Baume und Striiucher der Bosquete 
wurden im Laufe dieses Sommers wie- 
der neu etiquettirt. Wir wlihlten hier- 
zu aber nicht die von uns mehrfach 
empfohlenen Zinkettiquetten. Allerdings 
bieten diese die mehrfach geruhmte 
unzerstbrbare Dauer. Der Nachthcil der- 
selben, dass sie die Schrift auf dem 
triiben Untergrundo nie schbn prasen- 
tiren und bo auf Entfernung von einigen 



Fnss unleserlich sind, ist jedoch 
aufzuheben, und wir greifcn dalie 
die alteste Methode zuriick, indem auf 
mit weisser Oelfarbe angestrichene Zink- 
odcr Blechetiquetten mit schwarzer Oel- 
farbe geschrieben ward. Wo die Eti- 
quettirung nicht fiirs Publikum. sondcrn 
nur fur den Eigenthiimer bestimmt, hal- 
ten wir allerdings auch jetzt noch mit 
chemiseher Tinte geschriebene Zinketi- 
quetten fiir zweckmassiger. Die Samm- 
lung der ausdauernden Baume und 
Straucher wird ungefahr 800 Arten, 
theils im Garten, theils in der Baum- 
schule umfassen. Als Pfianzen, die 
zahlreiche Exemplare fiir den Unter- 
richt liefern, wurden dieselben so voll- 
standig als mbglich gesammelt. Auch 
viele schone, meist einzeln gepflanzte 
Coniferen finden sich unter denselben. 
So ein 6 Fuss hohes Exemplar der 
Pinus cephalonica, sowie der verwandten 
P. Pinsapo, zwei Pilanzen, welche den 
Araucarien an Schbnheit nachkommen. 
Cedrus Libanotis halt gut aus, aber 
Cedrus Deodara erfror anfanglieh stets; 
jetzt aber haben in niedrige Bosquete 
gepflanzte Exemplare die letzten Win- 
ter gut iiberdauert. 



Die obere Terrasse ist im Wesent- 
lichen dem unteren Theil des Gartens 
ahnlich angelegt. Wir wollen daher hier 
nur der Gewachshauser und der Alpen- 
pflanzen erwlihnen. — Den ganzen 
uudlichen Theil des Hiigels nehmen 3 
neu erbaute Gewachshauser ein, deren 
Bau aus dem Pflanzenhandel gedeckt 
werden musste. Es sind diess zwei nie- 
drige, nur mit Oberlicht versehene, 
aber solid gebaute Hauser von 120 F. 
Lange UI1( i ein 2 Fuss hohes rundes 
Haus. Alle diese Hauser sind im Som- 



mer mit Warmhauspflanzen gefullt. Im 
Winter stehen im mittleren derselben 
die feineren Kalthausptlanzen. Das 
erste und niedrigste derselben ist in 2 
Abtheilungen getheilt. Die warmste 
Abtheilung derselben enthalt eine Samm- 
lung von ungefahr 500 Arten tropischer 
Orchideen, iiber deren Cultur bald ein- 
mal Einlasslicheres erfolgen wird. In 
der zweiten Abtheilung ist im Sommer 
der grosste Theil der sehr vollstandigen 
Sammlung der Gesneriaceen aufgestellt, 
die im letzten Sommer in ausserordent- 
licher Schbnheit bliihten. Wir haben 
schon oft Gelegenheit gehabt und wer- 
den auch ferner Gelegenheit haben, un- 
sere Leser iiber diese Familie zu unter- 
richten, so dass wir auch diese fiir diess- 
mal ubergehen kbnnen. 

Im mittleren Hause dominirt die na- 
he an 80 Arten umfassende Sammlung 
der Begonien. Nur Begonia Theraitesii 
mit ihrer von Van Houtte als B. zeylo- 
nica ausgegebenen Varietiit wird im 
Orchideenhause cultivirt. Zu bemerken 
ist jedoch, dass uns bei dieser Art die 
kiirzlich empfohlene Cultur unter Glocke 
nicht reiissiren wollte. Ohne Glocke 
wuchs uns diese vorzuglich schone 
Pflanze viel kraftiger und besser. Die 
Begonien sind und bleiben eine der 
ausgezeichnetsten Zierden des Gewachs- 
hauses. Eine nicht minder zahlreiche, 
die ncuesten und besten Arten umfas- 
Sammlung von einigen sechzig 
Arten Bromeliaceen, und die grosse 
Zahl der feineren und decorativen Warm- 
tragen zurMannigfaltigkeit 
des Arrangements vielfach bei. 

runde Haus ist ganz aus Holz 
gebaut und es soil in der Kiirze ein 
Artikel iiber dessen Construktion 
uart folgen, da Holzbauten ge- 
geniiber den Eisenbauten ihre eigen- 
Vor- und Nachtheile haben. 



Das runde Beet in der Mitte und die 
Seitenstellagen sind durch Tropfstein- 
kanten, in denen Selaginellen, Farrenund 
andere Pflanzen wuchern, gedeckt, und 
von der Heizung ist nichts zu sehen. 
Die Mittclgruppe wird aus hohen Musen, 
Dracaenen , Palmen und anderen be.«se- 
ren Pflanzen gebildet. Eine Ccratozamia 
longifolia mit maehtigen Wedeln tragt 
jetzt gerade einen 1% Fuss langen 
Zapfen. Latania borbonica wiichst so 
stark, dass sie bald fur sich eines eige- 
nen Hauses bediirfen wird; schbne Aro- 
deen, Scitamineen und Farren bilden den 
Vordergrund. Ringsum aber stent die 
ungefahr 250 Arten umfassende Samm- 
lung der Farren, zwischen denen ein- 
zelne schbne Baumformen mit 4 — 6 Fuss 
hohen Stiimmen emporragei). Im Gan- 
zen mogen jetzt ungefahr 4000 Arten 
von Gewachshauspflanzen in 40—50000 
Exemplaren, ferner circa 4—5000 Arten 
Freilandpflanzen nebst nahe an 3000 
Spielarten von Freiland- und Gewachs- 
hauspflanzen in Cultur sein, unter 
denen manches Gute und manche neue 
Pflanze , die in den letzten Jahren durch 
den Ziircher Garten in Cultur gebracht 
worden ist 

Die Alpenpflanzen. 
An die nordostliche und nordwest- 
liche Seite des Hiigels lehnt sich die 
zur Cultur der Alpenpflanzen bestiramte 
Partie des Gartens an. Es ist dieses 
jedenfalls die grossartigste Anlage und 
Sammlung von im freien Lande culti- 
virten Pflanzen unserer Gebirge und 
solehen ahnlicher Cultur. Auch diesen 
werden wir in einer der folgenden Num- 
mern einen besonderen Artikel widmen. 
Schon lange versprachen 
nun sind wir aber gezwungen, ur 
in Zurich gemachten Beobachtungen 
Abschluss zu bringen und konnen 



nicht liinger mehr zbgern. Heute geben 
wir nur zur Vervollstandigung der An- 
sichten des Gartens auf Tafel 151 eine 
Ansicht der nordbstlichen Partie. Auf 
Vervollstandigung dieser Partie ward vom 
Referenten der grbsste Fleiss verwendet, 
jahrlich ward die Partie vergrossert und 
selbst jetzt ist die Partie auf der nord- 
westlichen Seite noch nicht vollstandig 
zum Abschluss gelangt. Fur jede Pflan- 
zenart ist eine kleine von Steinen urn* 
gebene Nummer bestimmt und in jeder 
Nummer wird die Erde fur die betref- 
fende Pflanze besonders gemischt. Die 
hoheren Pflanzen sind mehr hinauf und 
die kleinern mehr dahin gepflanzt, wo 
sie sich dem Auge besser prasentiren. 
Im ersten Friihling, wenn andere Pflan- 
zen noch im Winterschlafe liegen, da 
entfalten die niedrigen liehlichen Alpen- 
pflanzchen schon ihre schonen Blumen 
und verleihen dieser Partie ein eigen- 
thumliches Interesse. Die Freiland- 
Farren, welche hier ebenfalls cultivirt 



sind jetzt 



auf eine durchaus 



schattig gelegene Partie in der Mitte 
eines Bosquetes verwiesen worden. Auch 
diese jetzt so beliebten Pflanzen sind 
sehr reichhaltig vertreten. Auch sie 
werden wir bei der Cultur der Alpen- 
pflanzen berucksichtigen. 

Die Freiland-Orchideen. 
Hierzu Tafel 147—148. 
Zwischen den Alpenpflanzen aul 
der nordwestlichen Seite des Hiigels, da 
wird auch die schbne Sammlung der im 
freien Lande aushaltenden Orchideen 
unserer Ebenen und Gebirge cultivirt. 
Wahrend die epiphytisch wachsenden 
Orchideen der Tropenlander mit so aus- 
serordentlicher Liebhaberei in unseren 
Garten cultivirt werden, ist merkwiirdiger 
Weise gerade die Cultur der bei uns 
einheimischen Pflanzen dieser Familie 



Gartenflora Deutschland3 und der Schweiz. 



ganzlich 



.chlassigt worden. Sind 
sie indessen etwa minder schon als ein 
grosser Theil der tropischen Orchideen 
und sind sie nicht von Jedem, der ein 
Garten besitzt, leicht zu cultiviren, u 
sind sie endlich nicht leicht selbst 
sammeln oder doch zu geringeren Prei- 
sen zu erlangen ? Der Grund, wess 
man dieselben in unseren Garten so 
selten sieht, ist wohl hauptsiichlich 
in dem falschen Wahne zu suchen, 
dass sie sich nicht im freien Lande, 
sondern nur im Topfe, und da nur mit 
grosser Miihe cultiviren liessen. 

Urn die Cultur dieser schonen Pflan- 
zen zu ermuthigen , haben wir auf Ta- 
fel 147 und 148 die Abbildungen eini- 
ger derselben gegeben. Bevor wir nun 
aber auf die abgebildeten Arten naher 
eintreten, wollen wir iiber Vorkommen 
und Cultur derselben einige allgemeine 
Bemerkungen voraussenden. 

Die bei uns heimischen Orchideen 
bewohnen Wieseu, Triften, Bergabhiinge, 
Gebiische und den Schatten der Walder. 
Sie kommen nur auf solchem Terrain 
vor, welches noch gar nicht gediingt 
wird, oder doch den Dung nur in sehr 
geringen Quantitaten empfangt. Wo 
Wiesen einer regelmassigen Diingung 
theilhaftig werden, da verschwinden die 






bald in einem noch durchaus rohen, 
verwitterten Felsmassen bestehenden, 
sehr wenig mit Humus versetzten 
den, bald kommen sie in humusreiche- 
rem, zuweilen sogar in reinen Humus 
vor. Zu den letzteren gehbren beson- 
ders die den tiefen Schatten der Wal- 
dungen bewohnenden Arten, die in ihre 
ganzen Tracht lebhaft an Schmarotzer 
pflanzen erinnern, so Epipogium Gme 
lini, Neottia Nidus avis. Uebrigen 



sumpfigen Standorten , 
trocknen Abhangen u. s. f. 

Alle bei uns heimischen Orchideen 
besitzen einen unterirdisch oder ober- 
irdisch kriechenden Stengel. Der un- 
terirdisch kriechende Stengel ist gemei- 
niglich so verkurzt, dass er nur als 
kurze Stocksprosse aus dem Grunde des 
jahrigen oberirdischen Stengels hervor- 
tritt. Diese Stocksprosse bildet nach 
oben eine Knospe, nach unten Wurzeln. 
Die Knospe ist die Anlage fur den jah- 
rigen Stengel des folgenden Jahres, der 
bei bluhbaren Pflanzen die Blumen tragt. 
Die Wurzeln bestehen oft aus einer 
einzigen knollenfdrmig verdickten Wur- 
zel, die rundlich, eifbrmig, oder am 
Grunde handfbrmig in Wurzeln getheilt, 
auf der Spitze aber die Knospe tragt, 
wie bei den Orchis- und Ophrys- Arten. 
Bei Epipactis , Cypripedium und anderen 
treten dagegen vom Grunde der Knospe 
mehrere einfache dickere oder diinnere 
Wurzeln biischelfbrmig ab. Grabt man 
daher Orchis- Arten am natiirlichen Stand- 
ort aus, um solche in den Garten zu 
verpflanzen, so findet man z. B. bei den 
Orchis- Arten immer zwei Knollen: die 
eine ist die von vergangenem Jahre, die 
den Bliithenstengel gebildet hat und mit 
diesem abstirbt. Die andere ist die 
junge Knolle mit Spitzenknospen fiirs 
folgendc Jahr. Es ist daher Hauptsache, 
wenn man die Pflanze sicher erhalten 
will, dass auch die junge Knolle unver- 
sehrt mitherausgenommen wird, unddiess 
geschieht nur dann, wenn die Wurzel 
sammt Erdballen herausgenommen wird. 
Aehnlich verhalten sich auch die Arten 
mit buschelfbrmigen oder nestfbrmigen 
Wurzeln, nur dass hier ofters mehrere 
junge Stocksprossen vorhanden sind. 

Orchideen mit oberirdischem kriechen- 
dem Stengel giebt es bei uns nur eine. 
Goodiera repenslieferthierzu das Beispiel. 



Tra_.'i 



T. Original 

wir diese Verhaltnisse des 1 
nd Vorkommens auf die ! 
Cultur uber, so resultirt hieraus zunachst 
das Folgende: 

a) Unsere einheimischen Orchideen 
kbnnen recht wohl ira Garten gezogen 
werden, wenn man ihnen ahnliche Lo- 
calitaten wie in der freien Natur anweist. 

b) Diingung jeder Art muss sorg- 
fiiltig vormieden werden. Es ist dess- 
halb jeder friiher oder kurz zuvor ge- 
diingte Gartenboden fur die Cultur die- 
ser Pflanzen durchaus untauglich. Fur 
die Orchideen, welche wie die moisten 
Orchis- und Ophrys-Arten, einen rohen 
mit Humus mehr oder weniger gemisch- 
ten Trift- oder Wiesenboden bewohnen, 
nehme man daher eine Mischung aus 
einem Theil einer milden durchaus un- 
gediingten Lehm- oder Rasenerde, einen 
Theil Moorerde und V* Theil eines leh- 
migen Sandes oder Teichschlammes. 
Orchideen der Torfwiesen, sowie die der 
humusreichen Alptriften erhalten 2Theile 
Moorerde , 1 Theil solcher Rasenerde und 
V» Theil Sand oder Schlamm. Orchi- 
deen trockener kiesiger Abhange er- 
halten 1 Theil Moorerde, 1 Theil Ra- 
senerde und 2 Theile Quarzsand oder 
Sand und Kiesgeroll; so z. B. Hi 
mantoglossum hircinum. Orchideen de 
Humus unserer Waldungen erhaltei 
eine gute reine sandige Heideerde oder 
mit Sand verietzte Lauberde. Fur jede 
der verschiedenen Orchideenart 
tet man an einem halbsonnigen oder 
ganzsonnigen Standorte, was bei dem 
einzelnen Arten bemerkt wird, ein klei- 
nes 1 Fuss tief mit solcher Erde ausge- 
fiilltes Beet, nachdem man in den Un- 
tergrund Steingerolle gebracht hat. 

c) Orchideen, welche man aus dem 
Freien holt, urn sie in den Garten zu 
pflanzen, werden mit den oben angege- 
benen Vorsichtsmassregeln ausgehoben, 



der Ballen oben von den fremdartigen 
llanzen sorgfaltig befreit und darauf 
i das vorbereitete Beet noch etwas tie- 
•r eingepflanzt, als sie zuvor standen. 
Dieses tiefer Pflanzen ist desshalb noth- 
eil sie im Garten der festen 
Graanarbe entbehren, die sie im Freien 
vor dem Ausfrieren schiitzt. Aus dem 
gleichen Grunde ist cs zu empfehlen, 
im Winter diese Beete mit einer zoll- 
hohen Lage Moos und einigen Tannen- 
zweigen zu bedecken, wodurch der Schutz 
der Grasnarbe am naturlichsten nach- 
geahmt wird. Das Reinhalten der Beete 
von Gras und Unkraut ist wegen des 
saubern Aussehens nothwendig, doch 
hiite man sich dabei die Knollen zu be- 
schadigen oder auch nur im geringsten 
zu storen. Je ungestbrter die Pflanzen 
stchen, desto iippiger werden sie. 

d) Schon im Herbst nach dem Ab- 
sterben der Bliithenstengel werden 
manche Arten aus den jungen Knollen 
Wurzelblatter entwickeln, so Ophrys 
arachnites u. a. Andere werden diess 
erst im nachsten FrUhling thun. Wah- 
rend des Wachsthums im Fruhling hat 
man alle Orchideen reichlich mit Wasser 
zu yersehen. Versaumt man diess, so 
bliihen sie nicht oder gehen auch wohl 
gar zu Grunde. Auch im Freien kann 
man leicht die gleiche Beobachtung ma- 
chen. So wird nach einem vorherr- 
schend nassen Fruhling der Orchideen- 
flor sehr reichlich auf alien natiirlichen 
Standorten sein. Auf den gleichen 
Standorten findet man aber nach vor- 
herrschend trockenem Fruhling nur sehr 
wenig bliihende Orchideen. Es ist diess 
eine Beobachtung, die ich in Zurich 
wiederholt machte. Im Garten hat man 
diess viel mehr in der Gewalt. Beachtet 
man alles diess, so wird man im Garten 
viel schonere Exemplare erziehen, als 
man im Freien findet. 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



e) Fortpflanzung. Die wichtigste 
Fortpflanzung dieser Gewachse ist un- 
streitig die durch Samen. Ich werde 
es mir zur Aufgabe machen, ubcr diese 
in der nachsten Zukunft Versuche zu 
machen, da noch keinerlei gegliickte 
Aussaatsversuche vorliegen ; dennoch 
vermehren sich die Orchideen sicherlich 
durch Samen in der freien Natur und 
was hier von selbst stattfindet, wird 
sicherlich der aufmerksamen Beobach- 
tung nachzuahmen gelingen. Wollen 
wir hierbei die Natur nachahmen, so 
haben wir zunachst uns gut ausgebilde- 
ten Samen zu verschaffen. Nachdem 
dieser in den Friichten soweit nachgereift 
dass er aus denselben von selbst aus- 
fallt, she man ihn auf die betreffende 
Erdmischung auf Topfe oder Napfe und 
decke ihn mit einer zollhohen Moos- 
schicht. Die Topfe eihalten einen Stand- 
ort in einem kalten frostfreien Beete 
wahrend des Winters. Unter diesem 
Verfahren diirfte es sehr wahrscheinlich 
gelingen, die Samen zum Keimen zu 
bringen, sofern man die Topfe gleich 
alien Samentopfen gleichmassig feucht 
halt und vor'm Eindringen der Wiirmer 
bewahrt. 

Bis jetzt werden die Landorchideen 
nur durch die jungen Stocksprossen 
(Knollen) fortgepflarzt, deren Weiterent- 
wicklung wir betrachteten. Da nun 
deren in den meisten Fallen jahrlich 
nur eine entsteht und dagegen die alte 
zugleich abstirbt, vermehren sich die 
Orchideen dieses Wachsthums gemei- 
niglich nicht durch die Wurzel. Schnei- 
det man jedoch gleich nach der Bliithe 
den Bliithenstengel ab, dann bildet die 
alte Wurzel meist mehrere kleine Stock 
sprossen oder Knollen. 

f} Versendung der Orchideen 
Pflanzen, die im Topfe gezogen werden, 
konnen das ganze Jahx hindurch 



sendet werden. Die, so man im Freien 
elt oder den Culturbeeten ent- 
nimmt, konnen mit Ballen ausgenommen 
ebenfalls jederzeit verschickt werden. 
Die sicherste und leichteste Versendung 
besteht aber in folgendem Verfahren: 
Man nimmt wahrend oder kurz nach der 
Bliithe die zu versendenden Pflanzen 
mit Ballen aus und schlagt die Ballen 
dicht neben einander in massig feuchten 
Sand an einem kuhlen schattigen vor 
i durchaus geschiitzten Orte ein. 
Nachdem die Bliithe vorbei, werden sie 
hier nicht mehr befeuchtet, sondern man 
lasst die Pflanzen nun vollkommen ab- 
trocknen. Mitte oder Ende August wird 
diess geschehen sein, und man kann nun 
die jungen Knollen heraussuchen und 
hen Baumwolle oder Sand verpackt 
veitere Entfernungen in leichten 
Schachteln versenden, ganz ahnlich wie 
auch Zwiebeln versendet werden. 

g) Die in Deutschland und 

Schweiz wachsenden Orchi- 

;n, die sich zur Kultur eig- 

1. (Die Erdmischung geben wir mit 

Buchstaben an. R bedeutet eine lehmige 

durchaus ungediingte Rasenerde. M Moor- 

erde oder Torferde. S einen lehmigen 

doch unreinen Flusssand, oder 

Teichschlamm, der zur Halfte mit Sand 

versetzt. SS Reinen Quarzsand oder 

Kiesgerolle. H Heideerde oder mit Sand 

versetzte Lauberde.) 



a) Knollen rundlich oder ei- 
rmig, ungetheilt. 

Orchis fusca J acq. Eine der 
schonsten Arten mit grossen Bluthen- 
standen, deren Blumen schwarzpurpur 
gezeichnet. Wachst in Laubwaldungen 
Vji ML 1 R. »/* S. Liebt einen schat- 
tigen Standort, tiefes Pflanzen und ge- 
deihet auch unter Baumen. 

Orchis militaris L. Der vor- 



hergohenden ahnlich , aber durch die hel- 
len oft fast weissrn 3 oberen Bliithenhull- 
blatter und in dunnen Lappen getheilte 
Lippe unterschieden. Zwischen ihr und 
der vorhergehenden kommen Bastard- 
formen vor, die als 0. moravica, hybrida 
u. s. f. bekaant sind. Gedeiht an son- 
nigen und schattigen Standort, auch un- 
f«'r Baumen. J R. 1 M. '/ a S. 

Orchis Simia L. Seltner als die 
iiilc. der sie ahnlich unc 
es scheint an Kalkboden gebunden. 
1 M. % S. i/ 4 Kalkschutt. Liebt 
alle die, wo nichts bemerkt ist, < 
halbsonnigen Standort. 

Orchis variegata All. Bh 
hellpurpur. Lippe purpur punktirt. Nicht 
haufig. 1 R. 1 M. % S. 

Orchis ustulata L. Eine der 



nigen Standort und darf nicht zu tief 
gepflanzt werden. 2 M. 1 R. V a S. 

Orchis pall ens L. Eine scltenere 
in Gebiischen wachsende Art, mit gelb- 
Blumen. 
2M. 1R. V*S. 
Orchis mascula L. Eine der ge- 
ineinsten Arten, welche ira Mai und 
Juni unsere Wiesen oft raassenhaft iiber- 
deckt. Die purpurrothen Blumen stehen 
in langen dichten Aehren. Kommt im 
Garten sehr leicht fort und scheint am 
unempfindlichsten gegen eine schwache 
Dungung. Schbn. 1 M. 1 R. Va »• 

Orchis laxiflora Lara. Eine sel- 

tenere, sumpfige Torfwiesen bewohnende 

Art. Blumen purpur. 2 M. V*R. V 2 S - 

b) Knollenmehr oder weniger 

an der Spitze handformig ge- 



trocknen Abhangen uud auf Bergwiesen 
des Rheingebietes und der Schweiz nach 
vorherrschend nassen Friihlingen sehr 
haufig. Blumen sehrdicht geatellt, dunkel- 
schwarzpurpur, Lippe weiss iund dunkel- 
purpur getupft. 2 M. 1 R. i S. 

Orchis coriophora L. Blumen 
schmutzig rothbraun. Hellrothe dunkel- 
punktirtc Lippe. 1 R. 1 M. % S. Nicht 
haufig. 

Orchis globosa L. (Tafel 147. 
Fig. 1.) Wachst in einer Hohe von 
3—6000' auf den Alptriften unserer 
Gebirge. Die dunkelrosarothen kleinen 
Blumen sind kopfformig zusammenge- 
drangt. Lippe punktirt. 2 M. 1 R. Va S. 

Orchis Morio L. Auf Triften 
und auch Torfboden eine der gemein- 
sten Arten, von niedrigem Wuchse, aber 
verhaltnissmassig grossen purpurnen 
Blumen, deren aussere Blumenblatter 
an den Spitzen stark griin geadert. 
Kommt auch mit weissen, fleischfarbenen 
und rosarothen Blumen vor und trotz 
der Gemeinheit sehr echbn. Liebt son- 



the 

Orchis sambucina L. Seltene 

Blumen gelblich weiss, Lippe 

hellgelb, am Grunde purpur punktirt. 

Gebiischen der Gebirge. 2 M. 1R x /a s 

Liebt schattigen Standort. 

Orchis maculata L. (Siehe Tafel 
148. Fig. 1.) Eine in Waldungen und 
auf feuchten Wiesen haufige Art, die 
durch die stark braun gefleckten 
Blatter, fleischrothe oder blassrosarothe 
Blumen, deren Lippe stark purpur punk- 
tirt, leicht kenntlich macht. Kommt 
auch mit dunkelpurpurner Lippe vor. 
Liebt Schatten. 2 M. 1 R. '/a S. 

3rchis latilolia L. Auf feuch- 

Wicsen nnd Torfwiesen uberall ge- 



gefleckt. 2 M. 1 . 



purpur, 

Vt 



Blumen und schmalere Blatter 
unterscheiden sie von vorhergehender. 
Theilt mit dieser den Standort, ist je- 
doch seltener. Zwischen ihr und der 
orhergehenden kommen, wenn sie ge- 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



meinschaftlich wachsen, Bastardformen 



da 

ideen, die den Vergleich mit don 
stcn der aus fromden Landern oinge- 
fiihrten, ausdauernden Pflanzen aushalt. 
Die mittelgrossen glanzend purpurrothen 
Blumen stehen in dichtem pyramiden- 
fdnnigera Bluthenstande. Im Garten er- 
zog ich diese Pflanze mit' noeh vollkom- 
meneren Bluthenstande, als sie im Freien 
vorkommt. Hie und da auf Bergwie- 
sen und zwischen lichtem Gebiisch. 2 M. 

i r. & a. 

Gymnadenia conopsca R. Br. 
Eine auf Wiesen und Triften, an Berg- 
abhangen etc. sehr gemeine Pflanze. 
Blumen in langer Traube, klein, blass- 
purpur, mit sehr langem Sporn und 
ausserst wohlriechend. 1 M. 1 R. »/ a S. 

G. odoratissima Rich. (Siehe 
Tafel 148. Fig. 2). An Bergabhangen 
der Scbweizer Gebirge bis zu 4000' 
nicht selten. Der kiirzere Sporn, schma- 
lere Blatter und kleinere Blumen un- 
terscheiden sie von der vorhergehenden 
1 M. 1 R. »/, S. 

Zwischen dieser und der Orchis 
maculata sammelte ich im letzten Som- 
mer einen Bastard in einem einzigen 
Exemplare. Tafel 148. Fig. 3 und 4 
giebt die Abbildung davon. Die Blatter 
(Fig. 4) halten genau die Mitte in der 
Form und tragen verwachsene braune 
Flecken. Auch die Blumen, von denen 
5 und 6 eine genauere Zeichnung, und 
zwar 6 vergrossert von vorn giebt, ste- 
hen in der Mitte zwischen beiden Ar- 
ten. In der Farbung gehort dieser 
merkwiirdige Bastard zu den schonsten 
Orchideen. Die Lippe ist dunkel vio- 
lett, wie diess zuweilenauch bei Orchis 
maculata vorkommt; die Bluthenhiill- 



blatter sind lila. Das einzige Exemplar 
elches am Uto bei Zurich von mir ge- 
immeltward. befindetsich iniBotaniscben 
Garten in Zurich Bastarde zwischen 
Orchideen kommen 
anderer Bastard, von 
dem boi Winterthur 2 Exemplare bis 
jetzt gesammelt wurden, ist die Ophrys 
Trollii, ein Bastard zwischen Ophrys 
arachnites und muscifera. 

Himantoglossum hircinum 
h. (Siehe Tafel 147. Fig. 3). Die 
lange gedrehte Lippe der griinlich- 
weissen Blume, die innen purpur gestreift 
und am Grunde der Lippe punktirt ist, 
sowie der eigenthiimliche Bockgeruch 
zeichnet diese Art aus. Dieselbe kommt 
selten, an steinigen kiesigen Hiigeln zwi- 
schen Grab und Gebiisch vor. Liebt 
sonnigen Standort. 1 M. 1 R. 1 SS. 



ridis Lindl. (8a- 



tyrium viride). Auf Triften und Berg- 
wiesen bis hoch in die Alpen hinauf 
vorkommend. Eie kleines Pflanzchen 
mit griinlichen oder braunlich- griinen 
Blumen. 2 M. 1 R. J /a S. 

P. albidus Lindl. (Habenaria 
albida). Auf humusreichen Berg- und 
Alpentriften, oft zwischen Heidekraut. 
Kleines Pflanzchen mit weissen Blumen. 
2H.1 M. 1 R. 1 S. 



I'la 



3h. Eine 
figwach- 



hergehenden in Allem sehr , : ihnliih. 



rifol 



Rich. 



(Siehe Tafel 147. Fig. 4). Diese kleine 
kaum spannenhohe Orchidee unserer 
Alptriften tragt die schwarz purpurnen 
Blumen in dichtem kopffbrmigem Bluthen- 
stande und besitzt einen kbstlichen 
Wohlgeruch. Eine eben so liebliche als 
niedliche Pflanze. 2 M. 1 H. 1 B. 1 S* 



Ophrys muscifcra Huds. (0. I 
myodes.) Siehe Tafel 147. Fig. 5. Wer 
hat nicht schon von dor niedlichenFlie- j 
gen- Orchis gehort, die zwischen lichtem 
Gebiiseh an Bergabhangen vorkommt? 
Die griinliche Blume rait schwarzbrau- 
ner Lippe ahnclt einer Fliege. 1 H. 



woher der Name gewahlt ward. 
1 R. % S. 



R. % S. 



K.ilk. 






is. Leber die Cultur der 
Gattung, fehlt mir die Er- 



0. arachnites Reichard. (Ta- 
fel 147. Fig. CO Noch schbner als die 
vorhergehende und nicht minder eigen- 
thumlich ist die Spinnen- Orchis, auch 
Affengesicht in der Schweiz genannt. 
Nach vorherrschend feuchtem Friihlings- 
wetter findet man diese Pflanze auf 
sterilen grasigon Triften an Bergabhan- 
gen in Siiddeutschland nnd der Schweiz 






oft massenhaft. Die rosaroth 
weisslichen II iillblatter contrastir en sehr 
angenehm mit der sammtig- dunkelbrau- 
nen, wie eine Spinne grun gezeichneten 
Lippe. Wetteifert mit vielen der tropi- 
schen Orchideen an Schbnheit. Im 
Ziircher Garten bliihen im Juni ganze 
Beete dieser interessanten Pflanze. 
1 M. 1 R. % S. »/, Kalk. 

0. apifera Huds. (Siehe Tafel 
148. Fig. 7.) Die mit der vorherge- 
henden wetteifernde Bienen - Orchis 
hat diesen Namen wohl von der Aehn- 
lichkeit der Blume mit einer kleinen 
Hummel erhalten. Blumen kleiner. Blii- 
thezeit etwas spater. .^eltner als die 
vorhergehende, mit der sieStandort und 
Cultur thcilt. 

Ausser diesen halten auch die in 
Nord- Italien unter ahnlichen Verhalt- 
nissen vorkommenden und nicht minder 
interessanten 0. funerea, Bertoloni, lutea 

Aceras anthropophora L. Die- 
se selten auf Bergwiesen vorkommende 
Art besitzt griinliche Blumen, deren 
Lippe durch ihre Zertheilung einem 
hangenden Mcnschen nicht unahnlich 



Epipogium Gmelini Rich. In 
schattigen Laubwaldungen Sflten. Diese 
I'igeiithiimlichc farblose Pflanze mit gelb- 
licher Blume diirfte in tiefem Schatten, 
in einer Lauberde, die mit faulem Holz 
untermischt wird, wahrscheinlich gedei- 
hen. Erfahrung fehlt. 

Cephalanthera pallens Rich. 
Eine Pflanze mit gelblich- weissen oder 
weissen Blumen, die in schattigen Wal- 
dungen nicht selten. Im Schatten in 
3 H. 1 S. 1 R. 

C. ensifolia Rich. Schraalere 
Blatter, hoherer Wuchs, weissere Blu- 
men unterscheiden diese von der vor- 
hergehenden, mit der sie Standort und 
Cultur theilt. 

C. rubra Rich. Wachst selten an 
Abhangen zwischen lichtem Gebiiseh. 
Blumen lebhaft purpur. Sehr schon. 



Epipactis 

t -riinliiii.n 



-mm 



und E. rubi- 
ginosa Gaud (atrorubens) mit schmu- 
tzig- violetten Blumen theilen Standort 
und Cultur mit den vorhergehenden. 

E. palustris Crantz. Auf Sumpf- 
wiesen gemein. Blumen grunlich mit 
weisser roth gestreifter Lippe. 2 M. 
1 R. V*S. 

Listera ovata R.Br. Orchidee 
mit kleinen griinen Blumen und zungen- 
fbrmiger Lippe, die an waldigen Orten 
und Bergwiesen sehr gemein und in den 
Garten versetzt sehr leicht gedeihet. 
Schattiger Standort. 1 M. 1 K. >/» 8. 



28 

Neottia Nidus avis L. Ueber 
die Cultur dieser fahlgelben blattlosen 
im tiefen Schatten der Laubwaldungen 
vegetirenden Pflanze ist noch nichts 
sicheres bekannt. 



Goodi 



S>hr 



unbedeutende Art mit zwischen dem 
Moos der Laubwaldungen hinkriechenden 
Stengeln. Wardwie die Spirant he s- 
Arten von mir noch nicht cultivirt. 

Corallorhiza innata R. Br. Die 
Corallenwurz hat von der Form ilirer 
Knollen den Namen erhalten. Lebt in 
dem Humus der Laubwaldungen. Von 
mir noch nicht cultivirt. Pflanzen und 
Blumen klein, letztere griinlich - gelb. 

Sturmia, Malaxis und Micr< 
sty lis konnen nur in kunstlichen Siim- 
pfen Oder in mit Untersiitzen versehenen 
Napfen in Moorerde cultivirt werden. 

Cypripedium Calceolus L. 
(Siehe Tafel 147 Fig. 7.) Mit dem 
priichtigen Frauenschuh, dem Symbol 
der Macht der Schbnheit, schliessen 
wir die Aufzahlung unserer Orchideen. 
An waldigen Bergabhiingen kommt die- 
se schone Pflanze stellenweis sehr hau- 
fig vor. Die schone grosse Blume mit 
den abstehenden braunen Bliitheuhull- 



blatternundder 



grossen pant . 



gelben Lippe gehbrt zu den schbnsten 
Zierdcn unserer Heimath. Manche der 
aus andern Landern eingefiihrten Arten 
der gleichen Gattung konnen kaum mit 
der unsrigen an Schbnheit wetteifern. 
Gedeiht an halbschattigem Standorte, 
in Mischung aus 1 H. 1 M. 1 R. 1 S. 
leicht und gut. Aehnlich verhalten sich 
auch die aus Russland und Amerika ein - 
gefuhrten Arten. 

Die Grudsatze, welche bei der 
Hebung des Zurcher Gartens 



desaelben fur die Zukunft. 
Wir haben im Vorhergchenden i 



? Zurcher Gartens entworfen, 
hes dem Besucher wiihrend der 
entritt. Dabei 
sind wir zugleich auf einzelne Culturen 
naher eingetreten ; iiber andere wird 
bald Naheres folgen. Die Grundsatze 
aber, welche als leitend vorangestellt 
wurden, waren in Berucksichtigung, dass 
demZdr cher Garten weder die MitteL 
noch die Localitaten zu Gebote standen, 
auf mbglichst vollstandige Sammlungen 
in alien Richtungen hinzuarbeiten, die 
folgenden : 

1) Ward die Cultur aller jener ob- 
soleten* Pflanzen sofort aufgegeben, de- 
ren Cultur keinen andern Zweck hat, 
als das Namensregister der cultivirten 

ermehren. Zu 
diesen rechnen wir alle jene einjahrigen 
n, welche nur durch die sorg- 
Behandlung zur Bliithe gebracht 
werden konnen, ferner weder Interesse 
behufs der Austheilung bluhender Exem- 
eie Studierenden, noch als all- 
gemein interessante Handels- oder Arz- 
neipflanze, noch als Typus einer Fami- 
lie oder einer ausgezeichneten Gattung 
haben, noch durch Schbnheit sich aus- 
zeichnen. 

Ferner gehoren hierzu auch alle 
Stauden und Holzgewachse, welche un- 
dankbar bliihen und in keiner der ge- 
nannten Richtungen Interesse darbieten. 

2) Ward die Vermehrung der culti- 
virten Pflanzenarten vorzuglich in den 
folgenden Richtungen angestrebt: 

a. Alle dankbar bluhenden leicht zu 
cultivirenden Pflanzenarten iiberhaupt, 
welche zahlreiche Exemplare zur Aus- 
theilung beim Unterricht liefern. 

b. Alle allgemeine interessanten Pflan- 
zen, sei es durch besondere eigenthiim- 
liche Form einzelner Organe , sei es 
Arzneipflanze , sei 
Familion oder Gat- 



als Handels- oder 
es als Typus 



I. Originalabhaodlungen. 



ferner berticksichtigt die speciellcn Rieli- 
tungen, in denen in Zurich gearbeitet 
ward. So z. B. suchten wir aile jene 
Pflanzen zu crhalten, die in Bezug auf 
vorweltliche Pilanzeriformen ein Interesse 
in Bezug dcr Vergleichung mit jenen 
darboten. Professor Heei's griindliche 
Arbeiten in dieser Richtung sind hin- 
langlich bekannt. 

d. Von der Ueberzeugung ausgehend, 
dass fur einen kleineren Garten es nur 
moglich sei, in einzelnen speciellen 
Riehtungen etwas Tiichtiges zu leisten, 
ward in solchen Riehtungen moglichste 
Vollstandigkcit angestrebt. So versuchte 
ich es anfanglich, eine mbglichst voll- 
standige Erikensammlung zusammen zu 
bringen. Erde undWasser setzten aber 
dieser Richtung zu viel Schwierigkeiten 
entgegen, so dass sie spater aufgegeben 
und dafiir besonders auf Warmhaus- 
pflanzen gehalten ward. Unter diesen 
wurden Farren, Orchideen and nament- 
lich Gesneriaceen besonders begiinstigt. 
Letztere waren vorziiglich desshalb fur 
die beschriinkten Raumlichkeiten des 
Gartens geeignet, weil der grbsste Theil 
derselben im ruhenden Zustande an 
dunklem Standorte durchwintert werden 
konnte. 

3) Wurden Versuche iiber einzelne 
Zeitfragen angebahnt. 

Auf diese Weise gelang es, trotz 
der geringen Mittel, doch in einzelnen 
Riehtungen schbne Sammlungen zusam- 
men zu bringen und durch Versuche auch 
fiir Praxis und Wissenschaft Einiges zu 

Der Zureherische Botanische Garten 
wird nun aber mit Neujahr 1856 an das 
Schweizerische Polytechnikum iiberge- 



Mittel werden. Es ward daher zunachst 
in diesem Sommer ein Stiick Land vor 
dem Garten von circa 40,000 QFuss 
mit dem Garten vereinigt, welches zur 
Anlegung eines Bauuigartens (Arbore- 
tumsj und zur ausgedehnteren Cultur 
dcr ausdauernden and einjahrigen Arz- 
nei- und Handeispflanzen bestimmt ist. 
Das Arboretum soil hier in der Weise 
gepilanzt werden, dass jeder Baum, je- 
der Strauch frei in den Rasen gepflanzt 
wird, damit er, ohne von den Nachbarn 
beeintrachtiget zu werden, seine ganze 
Grosse erreichen kann. Das Ganze 

bilden. Von den Handels- und Arznei- 
pflanzen soil dagegen von jedereingan- 
zes Beet angelegt werden, urn Exem- 
plare in genugender Menge zu crhalten. 

Fiir den Garten selbst wird ein Bo- 
tanisches Museum, d. h. ein Herbarium 
und Sammlung von Hblzern, Samen, 
Produkten der Pflanzen etc. angelegt 
werden. Das betreffende Gebiiude hier- 
zu wird wahrscheinlich in dem Botani- 
nischen Garten selbst erbaut, und da- 
mit der ausserst nothwendige Bau einer 
Orangerie, von Gehulfen - und Samen- 
zimmern, Packlokal und Sehopf verbun- 
den werden. Ebenso liegt der zweck- 
massige Umbau des grossen alten Ge- 
wach.-diauses im Plane. 

Fiir das Herbarium ist nun bereits 
ein schbner Stamm vorhanden, indem 
der Referent hierzu seine bedeutende, 
circa 26,000 Arten zahlende Sammlung 
dem Staate unentgcltlich iiberliess und 
auch Hr. Prof. Heer kiirzlich seine be- 
deutende Sammlung zugleichemZwccke 
geschenkt hat. In den Garten aber ist 
Hr. E. Ortgies eingetn ten, um densel- 
ben weiterer I'ortbilduiig entgegen zu 
fiiliren und die Mangel zu vcrbessern. 
(E. Regel.) 



Gartenflora Dentschlands und der Schweiz. 
3) Ein IW-Nucli in elnem Gemusegarten bet London. 

(Frei nach dem Englischen.) 



Jeder Reisende, welcher auf der Ei- 
senbahn London verlasst und zum Fen- 
ster seines Wagens hinausschaut, wild, 
nach welcher Hiramelsgegend ihn immer 
sein Reiseziel tragen mag, den hartnii- 
ckigen Widerstand gewahr werden, wel- 
chen Kohlkbpfe und Zwiebelstauden den 
Fortschritten der gewaltigen JBackstein- 
und Mbrtelinvasion entgegensetzen. In 
dem Kampfe, welchen sich Hauscr und 
Gemiisegarten liefern, ziehen freilich die 
letztern stets den Ktirzern und werden 
gezwungen, Stuck fur Stuck von ihrem 
Tenitorium an den starkern Feind ab- 
zulassen. Allein stets findet sich dieser 
von alien Seiten von seinem unermud- 
lichen Gegner umdrangt, und kaum kann 
man von diesem sagcn, dass er je das 
Schlachtfeld verlasst. Sellery u. Spar- 
gem plankeln mil jugendlicher Keckheit 



unter den Verschanzungen des Siegers 
fest. Hinter ihnen breiten sich ganze 
Regimenter von stattlichem Rhabarber 
aus, deren weisse Federn voll hellem 
Kriegesmuthe wallen, und an diese schlies- 
sen sich weiterhin unubersehbare Heer- 
schaaren von kerzengeraden Zwiebelgre- 
nadieren und kerntuchtigen Kohlreserven 
an. Auf den Seiten aber fluthet das 
leichte Volk der Rettiche, der Kresse 
und der Petersilie, und nimmt mit un- 
verdrossenem Eifer jeden Fleck in Be- 
sitz, welchen der Maurer und der Zim- 
mermann frei gelassen. Wie die Schaa- 
ren der Kosaken Napoleon's Heeres- 
macht, umschwiirmten, oder besser noch, 
wie dasWasscr sich umEilande schlingt, 
so umgibt das friedliche Gemusevolk 
jedweden Kalkofen und jedwede Kies- 
grube, jeden Sand- 



jeden Zimmerplatz und jegliches Gerii- 
ste. Hie und da gewahrt der Reisende 
kleine, freundliche, friedliche Platzchen 
von Griin mitten in dem wirren Back- 
steinelemente drin. Es sind diess abgc- 
loste Detachements von Blumen- und 
Gemiisegarten, welche der machtige 
Feind nicht zu iiberwaltigen vermocht, 
sondern welche er bloss isolirt, und fur 
immer von ihrer weit zuriickgedrangten 
Hauptarmee getrennthat. Hier beltaup- 
ten nun die lieben griinen Hiiufchen 
ihren Boden, und, mag der grausame 
Eindriugling sich noch so sehr abmiihen, 
das Wasser zu verderben, mit welchem 
sie ihre Glieder tranken, und die Luft 
zu vergiften, welche sie athmen und in 
welcher sie sich sonnen, munter und 
frbhlich wachsen, sprossen und bliihen 
sie. Allein auchfursie naht raschen Schrit- 
tes die letzte Stunde: drum sprosset u. 
bliihet noch freundlich, ihr letzten Rcste 
der freien Natur, und geniesset die noch 
verliehene Gnadenfrist; denn bereits ist 
zwischen dem ubermachtigen Feinde u. 
euerm Besitzer, demGemusegartner, der 
Vertrag geschlossen, welcher denRaum, 
den ihr bewohnet, mit dem Getbse der 
Hammer und Maurerkellen fullen wird. 

Immer weiter fliegt der Reisende, 
und nach und nach zieht sich der mo- 
derne Attila mit seinen Hauserlegionen 
zuriick. Kleine Hauschen zeigen sich, 
von Erdbeergiirten umgeben, und end- 
lich verriith sich das gewaltige Hunnen- 
heer bloss noch durch einzelne Spione, 
die in der Form von Villen, welche auf 
Italiens Geschmack und Schbnheit An- 
spruch machen, hinter kunstlichen Busch- 
waldchen hervorgucken. 

Zu allerletzt, da schwinden auch 



Originalabhandlungen. 



31 



noch diese letzten Spuren des 
lichen Hausermeeres. Der friedliche 
Eisenbahnreisende gewabrt nichts mehr 
von den Schlachtfeldcrn von Leipzig, 
Austerlitz und Waterloo, wo die strei- 
tenden Parteien durch Kobl und Spar- 
gel auf der einen, durch Hausergeriiste 
und Strassenpflastcr auf der andern Seite 
repriisentirt sind, und weit und breit er- 
blickt das Auge des von Dampfe Vor- 
wartsgetriebenen jene Vegetabilien nocb 
im vollen ungestbrten Besitze der Ebene. 
Hier durchfliegt er nun eine eigenthum- 
liche grune Zone, einen breiten griinenden 
Giirtel, welchen kuhne Luftschiffer von 
Jahr zu Jahr, wie die Konigin der Meerc 
sich ausdehnt und die Grbsse und Ge- 
frassigkeit des Londoner Magens wachst, 
einen weitern Kreis bilden und breiter 
werden sehen , und dieser griine , die 
Metropole in weitem Bogen umschlin- 
gende Giirtel, das sind nun dieberiihm- 
ten Gemiisegarten*) London's. 

Jeder Reisende, welcher nach Ost 
oder West, nachNord oderSiid am heu- 
tigen schonen, thauigen Junimorgen Lon- 
don verliess , hat beobachten kbnnen, 
was ich gesehen und so eben geschil- 
dert habe, und zwar auf einer Fahrstre- 
cke von ungefahr 10 Minuten, von der 
Waterloo- Briicke- Station aus, wo ich 
mit dem ersten Morgenzuge der.Siid- 
westbahn abgefahren bin. Mein Reise- 
ziel ist durch Schione und Darnpf auf 
nicht mehr, als eine balbe Stunde nahe 



*) In dem Originate, nach welchem wir 

sich in dem Dickens'schen Jonrnale ,,House- 
hold Words", Band XX. der Leipziger Aus- 
gabe pag. 237 vorfindet, kommen abwechselnd 
und ohne Unterschied die Ausdriicke : market 
gardens, kitchen gardens, nursery gardens 
neben einander vor. Der Besitzer und Culti- 



geriickt, 



nuss mich beinahe 
schiimen, zu gestehen, dass ich fur eine 
so Uicherlich kleine Reise von einem 
Train Gebrauch machen mag, welcher 
mit zwei Maschinen und einem Schweife 
gleich der grossen Seeschlango dahin- 
braust. Meine frbhlichen Reisegefahrten 
welche, einige Wagen hinter mir, in 
diisterer Gefangnissuniform dasitzen, mit 
Scbellen an den Handen und sammt u. 
sonders an eine glanzende Stahlkette 
geschlossen, sollen nach Portsmouth. 
Mir gegenuber im namlichen Wagen 
sitzt eine Franzbsin, welcbfi inVauxhall 
von ihrer Mutter Abschied genommen 
hat, und nun bereits ihre Thriinen zu 
trocknen beginnt, wie unser anderer 
Wagengenosse, der drollige alte Pach- 
ter, durch Kopfnicken und unendlich 
gracibses Geberdenspiel seine Bewunde- 
rung fur ihre beiden holdseligcn Spross- 
linge an den Tag legt. Mit denselben 
wird die befriedigte Mutter schon zu 
Mittag nicht bios in Southampton, son- 
dern bereits an Bord des Dampfers sein, 
welcher sie nach Newyork tragen soil. 
Der gute, alte Pachter sagt, er gehe 
toke; er wiirde wohl daran 
auch er sich noch ein we- 
nig in dem Quartier aufhalten und um- 
wollte, nach welchem mein Rei- 
seziel gerichtet ist. Mein Freund, Herr 
Trench, der Gemusegartner, welchem 
mein heutiger Ausflug gilt, wiirde eben 
so geeignet wie willig sein, demergrau- 
rinjge niitzliche Winke 
iiber den Feldbau zu geben und ihn in 
gewissen Culturmethoden zu unterrich- 
welche nicht vbllig zu verachten 
sein diirften, auch wenn er und sein 
Vater und dessen Vater sich ohne die- 
selben durchzubringen vermocht. Dieses 
stattlich aussehende Feld von Kohlkbp- 
fen, deren wohlgeordnete Reihen, wie 
unser Train sie durchfliegt, sich in wirre, 



na< ii I 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



grtine Punkte 

lange Allee von Ulmen dieselbenin dor 
Entfernung wegzufegen scheint, mochten 
■ bei dem gutenBasingstoker Pachter viel- 
leicht doch den Gedankcn rege mac-hen, 
dass dieser Kohl da etwas Anderes sei, 
als jene blauen, stumpfen Dinger, wel- 
che er in seinem Kiichengarten bei 
Hause baut und ebenfalls Kohl nennt. 
Herr Cuthill, von Camberwell, sagt in 
einer seiner klcinen trefflichen Abhand- 
lungen iiber den Gartenbau: „Weun ein 
Pachter seinen Sohn in einen Genmse- 
garten senden und ihn daselbst ein, 
zwei Jahre lang arbeiten lassen wollte, 
so ware der Werth einer solche Schule 
in seinem nachherigen Leben sehr gross 
fur ihn, fur den Gutsherrn und das Land 
im Allgemeinen. Die kostspielige Art 
der Bearbeitung eines Genmsegartens, 
dessen Ertrag auf den Markt einer gros 
sen Stadt geliefert werden soil, wiird* 
fur ein gewohnliches Pachtgut allerdings 
nicht erfordert, kbnnte auch nicht durch- 
gefiihrt werden. Allein von sehr gros- 
sem Nutzen miisste fur ihn immerhin 
die Ueberzeugung davon sein, dass ein 
Morgen Landes, der mit dem Spaten 
bearbeitet wird, fun fen gleichkommt, die 
gepflugt werden, und diese Ueberzeu- 
gung miisste der junge Bauernsohn un- 

lichen Gute tragen." 

Wahrseheinlieh wiirde ich es abei 
eine schwere Aufgabe linden, ineinen al- 
ten Pachter zwischen hier und Basing- 
stoke zu den neuen Ansichten zu bekeh- 
ren, und bereits bin ich bei der sehmu- 
cken kleinen Elisabeth- Station angelangt, 
derenNamen demjenigen meines Eahrbil- 
lets entspricht, und so steige ich ab, Ma- 
dame gliickliche Reise wiinschend. Ich 
iiberblicke nochmals den Wagen, dei 
mit den Gefangenen angefiillt ist. Im- 
mer noch aind dieselben von larmender 



wahrend eine Frohlichkeit und treiben, ungeachtet al- 
les Abwehrens vun Seite ilirer Aufseher, 
allerhand Scherze und -Spiisse init ein- 
under. Die meisten von ihnen nagen 
nit sichtbarstemBehagen an einer Kinde 
larten Brotes. Ihr Versuch , die Ah- 



fahrt von der Station mit einem lauten 
Hurrah! zu foicrn, wird von oben her 
unterdriickt, uud die Maschine keucht 
von dannen, mich auf der Plattform der 
kleinen Elisabeth- Station zuriicklassend 
als einziger Passagier, der hier ausge- 
stiegen, mit einem ganzen Billetabneh- 

Es mangelt nicht an Schriftstellern, 
welche beweiseu werden, dass der Ge- 
miisebau die edelste Beschiiltigung fur 
den Menschen bilde. Sie werden (gleich 
Hrn. Comte, dem franzbsischen Philoso- 
phen) darthun, dass die Geschichte der 
Civilisation gerade 5 Phasen habe, von 
denen die Ausbildung einer Gartenkunst 
die letzte Sprosse der Leiter, den Cul- 
minationspunkt darstelle. Sie kiimmern 
sich nicht ein Kadieschen um das alte 
Vorurtheil, welches Philosophic mit kal- 
tem Wasser und Wurzeldiat identificirt. 
Sie werden euch ein diisteres Bild von 
dem urspriiiiglichen Menschen entwerfen, 
welcher, genbthigt, sich hinsichtlich 
seines Unterhaltes an den zufalligen 
Ertrag unbebauter Wildnisse zu halten, 
unfahig war, von einem ganzen Morgen 
Landes mehr Nahrung zu ziehen , als 
fiir eine einzige Mahlzeit geniigte. Der 
Wilde, der Schafer, der Pfluger, der 
Handelsmann und der Spatenmann oder 
Gemusezieher (the spade - man, or mar- 
ket gardener) repriisentiren, ihnen zu- 
folge, die successiven Epochen mcnsch- 
licher Entwicklung. Sie sind imStande, 
euch den tiefen inneren Zusammenhang 
zwischen einem Gemiisegarten und einer 
freien Constitution darzulegen, zwischen 
einer Schiissel voll zartem, saftigem 







|maculata LB .. t ft ich 345 ( 



Spinate und einer guten Regierung, und 
werden die Achsel zucken — und viel- 
leicht mit Rccht — uber die ganze so- 
genannte Glorie Ludwig's XIV., weil 
derselbe niemals cinen cinzigfu Kohl- 
kopf oder Kartoffel zum Sonntagshuhne 
seiner Unterthanen fiigte. Wahrcnd die 
Menschen sonst stets iiber ihre Berufc 
and Stellungen im Leben zu murren 
pflegen, ist dcr Gartner in der Regel 
der cnthusiastische Lobeserheber seines 
Looses. Welch uberschwangliehe Phra- 
sen, welche tiefsinnigo Argumentationcn 
habe ich schon iiber Kohl- und Run- 
kelrtiben gelcsen ! Welche Strome rei- 
chen, rhetorischen Flusses tiber Mark, 
Stengel, Blatter- und Wurzelspitzen ! Es 
ware fur mich eine haite Aufgabe, aus 
dem Gedachtnisse zwei Dutzend ver- 
schicdenc Gemiisearten hcrzuzahlen, 
welche auf einer englischen Mittagsta- 
fel crscheincn ; und doch wie viele Biin- 
de, Pamphlete und Abhandlungen sind, 
nur so viel ich weiss, nebcn Wochen- 
blattcrn und Monatsraagazinen geschrie- 
ben worden, denen bloss jene wenigen 
Vegetabilien ein unerschbpflichesThema 
darbieten. Der gewbhnliche Lcser mag 
es gar nicht glauben, wie geliiufig — 
hony soit qui mal y pense! niimlich 
iiber die Association dieses Begriffes 
mit dem Heilniittel an Bauchgrinimen 
leidender Kinder — Jeraand iiber Rha- 
barber sprechen kann , und welch zier- 
lichc Anekdbtchen sich vom Spargcl 

Die blosse Erwahnung einesKiichcn- 

Schriftsteller geniigen, uns nut einer 
Anspielung auf die Kriege zwischen dcr 
weissen und rothen Rose zu begliicken, 
und im Sinne der andern sind Suppen- 
krauter aufs engste mit der ganzen Glo- 
rie orientalischer Dichtung verbunden; 
denn unterrichtete nicht der weitbe- 



udlungen. 33 

riihmte Kalif Harun al Raschid seinen 
treuen und hochgeliebten Bruder, Kai- 
ser Karl den Grossen (welchem er per- 
sonlich bekannt war und welchem er 
viellcicht als kein gsusscrer Held cr- 
scliien, a^s Konig Georg der Dritte sei- 
nem Kammcrdiener) in diesem Zweigc 
der edeln Gartenkunst, lehrtc ihn den 
Werth der Suppcnkrauter kennen und 
dieselben cultiviren. 

Die weissen Ruben fiihren in der 
natiirlichsten Idecnassociation uns sogleich 
den Sekretiir des Auswiirtigen untcr 
Konig Georg demErsten vor, den hoch- 
vcrdientcn Karl Townshend , der von 
den albernen Witzlingen des Hofcs der 
..Wel^sriibentowiishfmil' 1 genannt wur- 
de, weil er die Cultur di< tr ffl 1 m 
Pflanze in Hannover beobaclitet undge- 

Konig auf dessen Ausflug in das Land 
seiner Viiter begleitete. Von dortbrachte 
Townshend die Culturmethode nach 
England hcriiber und vcranlasste seine 
Landslcute, dieselbe zu adopt iren. Der 
jahrliche Ertrag von weissen Riiben, 
(Sic iiaiip!<achlich aui stoinigeni oder auf 
einem Boden gezogen werden, der durch 
vorhergegangenc Ernten erschopft wor- 
den, und ohne Townshend'a Bemuhun- 
gen entweder ganz unbebaut oder aber 
brach liegcn geblieben ware, wird nun 
fiir England auf 14 Millionen Pfund 
Sterling goschatzt. Sichcrlich begegnet 
uns bier in diesem anscbeiucnd so un- 
bedentenden Punkte ein Wohlthater des 
Menschengeschleehtcs, welchem die Ge- 
Echichtc darin ein Denkmal gesetzt hat, 
dasssicilinden ..Weissriibentowi 






Es ist bemerkcnswerth, dass sehr 
wenige derjenigen Vegetabilien, welche 
gerddc am allergcmeinstcn untcr 
uns, urspriinglichc Kinder des brit- 
tischen Bodens sind. Die Kartoffel — 



Gartenflora Deutschlands i 



I der Schweir. 



stets noch ein sehr werthvoller Diener 
unsererKuche, obgleich leider seit meh- 
reren Jahren in seiner Constitution be- 
deutend heruntergekommen — kommt, 
wie Jedermann weiss, aus Amerika. 
Die gewohnliche Erbse soil eigentlich 
nur in Syrien ihre urspriingliche Hei- 
math linden. Bohnen stammen aus 
Egypten oder Persien. Ebenso kommen 
die Zwiebel, in alien ibren Varietaten, 
aus dem Osten bcr. Sogar auf den 
Lauch, welchen sich der Bewohner von 
Wales auf seinen Hut steckt, bat diescr 
durchaus nicht dasRecht des urspriing- 
licben Besitzes; vielmehr hat er sein 
Nationalemblem der Schweiz zu ver- 
danken. Der coi'sche Salat wird wohl 
yon der Insel Cop herkommen. Blu- 
mcnkohl und Gartenkresse sind aus Cy- 
pern gebiirtig; Spinat aus Westasien; 
Endivien aus Japan; Radieschen aus 
China; Rhabarber aus der Tartarei; Ar- 
tisehoken von dem Gestade des mittel- 
lundischen Meeres. Die sogenannten 
Jerusalemer Artischoken haben nichts 
mit der heiligen Stadt zu schaffen, son- 
dern stammen aus Sudamerika, und der 
Name Jerusalem ist bloss eine Vcr- 
stummelung, die von eincr zulalligen 
Aehnlichkeit im Ton zwischen jenem 
Worte und dem spanischen Namen des 
genannten Gcmuscs heikommt. 

Weissc und gelbe Riiben werden 
hier zwar wild gefunden. indessen ha- 
ben Experimente bcwicscn, dass Kultnr 
nie und nimmermehr vermocht bat, die 



braehten vielmehr zur Zeit der Konigin 
Elisabeth die gelbe Rube mit sich nach 
England heruber und pflanzten diesel- 
erst zu Sandwich ; und wahrschein- 
lich fand auch die weisse Rube auf dem 
niimlichen Wege ibren Eingang auf den 
brittischen Inseln. 

Noch trifft man auf dem Kirchhof 
t Wimbouren St. Giles, in der Graf- 
schaft Dorset, einen Grabstein, welcher 
dem Einfuhrer des Kohls errichtet wor- 
st, und wirklich tragt auch der 
an seinem Fusse das eingehauene 
Bild eines Kohlkopfes. An die Kar- 
toffeln kniipft sich fiir ewige Zeiten die 
Erinnerung an Sir Walter Raleigh, seit 
dessen Zeiten dieselben ihre unermess- 
liche Revolution im europaischen Ku- 
chengarten wie auf dem europaischen 
Friihstucks-, Mittags- und Abendtische 
bewirkt haben. 

Noch lebt, so viel ich weiss, Herr 
Myatt von Deptford, welcher zuerst die 
Rhabarber cultivate, um dieselbe als 
allgemein empfehlenswerthes Gemiise 
auf den Markt zu bringen. Es sind erst 
40 Jahrc verflossen, seit er die ersten 
fiinf Biischel von dieser Pilanze auf ei- 
nen der Londoner Gemiisemarkte , den- 
jenigen des Borough, sandte. Mit Miihe 
und Noth konnte er Jemanden dahin 
bringen, des blossen Versuches halber 
drci davon zu kaufen. Die andern bei- 
den Biischel inusste er unverkauft wic- 
der nach Hause tragen. 

Das isfs nun ungefahr, was ich im 
leichten Schlendern inir selbst wie mei- 
nen Lesern auf der kleinen Strecke iiber 
das Gcmiisekapitel vorzuplaudern ver- 
mag, welcbe mich von der schmucken 
kleinen Elisabethstation nach der Woh- 
nung des Herrn Trench fuhrt. Herr 
Trench, dessen Bescheidcnheit mir nicht 
hat erlauben wollen, ihn hier mit seinem 
vollen, weitbekannten Namen vorzufuh- 



I. Oringinalabhandlungen. 



das Muster eines I 

far zu wohl 
wciss ich, wie viel Gliedor seines Be- 
rufes es giebt , welche nichts Besseres 
zu thun wissen, als iiber denselben 
schelten und inn ein Geschaft 
nennen , das nur von Verlust und 
Ruin bogleitet sei. Sie behaupti 
in diisterer Verzweiilung, dass sie sol- 
ches. weil sie sich nun einmal darin 
eingelassen, weiter treiben miissten; al- 
lein sie sahen voraus, dass sie all ihr 
Kapital verlieren und sich und ihre 
Familien in's Arbeitshaus bringen 
den. Einige von ihnen liegen nichts- 
destoweniger ihr ganzesLeben hindurch 
diesem unseligenBerufobund ziehen so- 
gar noch ihre Sohne an, das Werk der 
Vernichtung ilires hauslichen Wohlstan- 
des zu vollenden. Dabei sind sie aus 
ancrkennenswerther Philanthropic darauf 
bedacht, ja der Welt keinWbrtchen da- 
ruber zu sagen, wie es denn eigentlich 
des Naheren um ihr Geschaft stehe und 
darin zugehe. Vielleicht haben sie 
Recht und fiirchten sie Concurrenz. Die 
Erzahlung von den Leiden und Entbeh- 
rungen von Robinson Krusoe hat raan- 
chen jungen Burschen vcrfuhrt, zur See 
zu gehen. Wer weiss, was das Resul- 
tat sein mbchte, wenn nun auch der 
vielgeplagte Gartnerkrusoe eine ganz 
treue Schilderung von seinem muhevol- 
len Leben und seinen bestandigen Ein- 
bussen entwcrien wollte? 

Mein Gemiisegartner indessen, der 
brave tuchtige Herr Trench, zu welchem 
ich heute hinausgefahren bin, ist keiner 
von diesen. Es versteht es, die Dinge 
so einzurichten, dass ihm sein Kapital, 
sein Fleiss und seine Kenntnisse jahr- 
lich einen hubschen Ertrag abwerfen, 
und er wiisste nicht, warum or es zu 
verhehlen hatte, dass auf dem Wege, 
den er verfolgt, ein hubsches Einkom- 



men zu realisiren ware. Der Tisch in 
Herrn Trench's Empfangszimmer ist mit 
Briefen und Papieren bestreut. Biicher 
liegen iiberall herum. Bildcr schmucken 
die Wande, sowie ein oder zwei einge- 
rahmte Preisschreiben, die ihm von ge- 
wissen Gesellschaften verliehen worden. 
Ein frischer Duft von Heideerde und 
Blumen kommt vom Treibhause her 
durch das Fenster hereia und durch- 
dringt das Zimmer. Hier kbnnte Cow- 
per sein heruhmtes Gedicht geschrieben 
haben; und ich selbst, der ich sonst 
keineswegs ein Musensohn bin, fuhle 
beinahe, als konnte auch ich dort von 
jenem behaglichen Lehnstuhle aus, und 
wiihrend der Distelfink in seincnx vor 
dem offenen Fenster schwebenden Kii- 
fige zwitschert, pickt und die Htilsen 
der Leinsamenkbrner herumwirft, ein 
Liedlein auf meines Liebchens Augen- 
brauen singen, und zwar ein Liedlein, 
das sich noch iiber die Mittelmassigkeit 
erheben sollte , vor welcher die Gbtter 
Grauen haben. 

Herr Trench bietct mir an, mich 
durch seino hundert AcreaLandes zu be- 
gleiten, zuglcich indessen beifugend, 
eh beim Gemxisebau durchaus nicht 
auf etwas Pikantes und Spannendes zu 
rechnen habe. Ich erwiedere, dass ich 
wirklich auch nicht das Pikante und 
Spannende aufsuche, sondcrn nur wiin- 
mit meincn eignen Augen einmal 
von dem Wie und Wo jencr Ope- 
cn zu sehen, von deren zaubcr- 
l Resultaten ich so oft sprechcn 
gehbrt. Mein bescheidencr Freund wehrt 
) eifrig die Anschuldigung auf 
Zauberei von sich ab, als worm Kbnig 
Jakob noch auf dem Throne ware, und 
erinnert mich im Fcrnern daran, dass 
zu einer und dorselben Zeit nur ein 
sehr kleiner Theil von jenen Operatio- 
nen gesehen werden kbnne, und dass 



Gartenflora Dcutachlands und der Schwei/.. 



ich, wenn ich mir von dor Gemiisocul- h 
tur in ilircr Gesammtheit cinen Begriff i 
verschaffen Avolle , nothwendigcr Woise j 
eiu ganzes Jahr hier venveilen und pro- ] 
gressiv den Gartnerkalender durchma- J 



AUc diese Einwendungen hbre ich 
mit joner Micne an, mit v>elcher wir 
auf jcnc Einfiusterungcn — sollon vvir 
sagen, dcr Bescheidenheit, oder dcr lio- 
ben, nirnmer ruhendon mensohliebon Ki- 
tclkoit — boi cincr guten Hansfrau zu 
achtcnpflegen, wolcheihren Weihnachts- 
kuchen als missrathcn darstellen will ; 
und nachdem ich gliicklich all? jcnc 
Rodcnsarton als cin wabrcs Cap dcr gu- 
ten Iloffnung umscliifft. bogebon wir mir 






K..1,!. 



■inen Pflug hier. Dann ward er ttich- 
tig gcdiingt — cine tiielitige Pferdelast 
je auf dreissig Quadratfuss Boden." 

..Ko^t-piolig genug!-' 

„Nun freilich, wir bringen Diinger 
von 12 Pfund Sterling je auf den ein- 
zelnen Acre. Wollten wir z. B. anneh- 
men, all mein Land hier life frci und 
unbebaut, und ich wollte dasselbe in 
seiner ganzen Ausdehnung mit Kohl 
bepflanzen, so miisste ich damit begin- 
nen, twolf hundert Pfund Sterling bloss 
fur den Ankauf von Diinger auszule- 
gen, ohne noch die weiteren Kosten in 
Anschlag zu bringen, wclche das Bear- 
bciten, Graben u. s. w\, kurz die ganze 
Besorgung verursacbt, bis mandieErnte 
auf dem Marktc hat. 

,,Und dabei noch der Pachtzins!" 



'iige : 






• lalir. 



j,dei 



haltenen Hot. welt-bo 
selsteinen gepllastci-i 



„Neun Pfund ii 
einzelnen Acre," sagt meinFreund „da- 
ncben noch 10 Schillingc als Zehnten, 
vv-elcho der Kirchc cbenso schr zu Gute 
en, als sie selbst dadurch urn kei- 
Deut bes^er und vollkomniener 






*Wto viel vo 

..Xicht- li-ichter ah diess zu berech- 
uen. Sie sehen, dasa dicselben allege- 
uau in glcicher Entfernung von cinan- 
ilcr gepilanzt sind. Die einzelnen Pflan- 
zen stehen 20 Zolle von einander ab, 
und die einzelnen Reihen 18. Das sind 
die Dititanzen, inuelchcn sie am besten 
und vortheilhaftestcn gedeihen." 

Mit dietcn Worten nimmtllr. Trench 
einen Messstab aus der Tasche und be- 
wcist mir die skrupulbse Genauigkeit 
der vorigen Angaben , und je liinger je 
iiberrasc bender drangt sich mir die Ue- 
berzeugung auf, mit welchem Fleiss, 
welcher Anstrengung und Berechnung 



die Cultur von einem solchen Gemiise- 
grundc betrieben werdc. 

„Das macht" fuhr er fort — und 
rcchnet dabei mit einer Schnelligkeif, 
welche beinahe die Vermuthung beimir 
erregt, dass er oiumal ein matbeinati- 
scher Wunderknabe gowcsen — „das 
macht sicbenzehn tausend Kolilkopfe attl 
den Acre odor Morgcn. Icli konnte al- 
so im Ganzcn nalic an zwoi Millioneii 
zur gleichon Zeit auf meinem Boden 
stehen haben. Zwoi Millionon Kolil- 
kopfe anf einmal, wean teh wollte." 

Unwillkuhrlich ontfJihrt mirderAus- 
ruf, init welchem im Guy Mannering 
der gute Dominik ttrfMittheilungen mid 
Eriiffnungen zu anlworten pflegL dcron 
fabelhafte Natur jedenfalls wtiit ehef in 
Zwcifel gezogen werden kann . als In 
meinem Fallc. 

„Fabclhaft, fabeftaft!" 
Wail rechen dcnn dort jeric Weiber 
zusan ( n ? fragfc icli weiter. und deti- 
tcte dabei auf ette Gruppc woibliohor 
Arbeiter, welche in das genanntc Gc- 
scliaft eifrig vertieft schienen. 

„Sic jaten das Unkraut aus, umldic- 
sem Feinde gelten ihre Waffen," ant- 
wortetc mein Begleiter. „Jedes Unkraut 
oder jede3 Grashalmchen , welches ein 
Tropfchen Nahrungssaft dejn Erdreiche 
entziehen konnte, wird weggesehnittcn 
oder ausgsreutet, so zu sagen, im Au- 
genblick, wie es sich aus der Erdc hcr- 
vordrangt. Mein Grundsatz ist es, Al- 
les in fortwahrender Arbeit zu erhalten, 
meinen Boden, meine Werkleute und 
meine Pferde. Jenes Stuck Land dort, 
welches Sie von den Weibern durchre- 
chen sehen, soil sogleich wieder ango- 
pflanzt werden, wie wir es von Unkraut 
gereinigt haben." 

„Was gedcnken Sie zunachst darauf 
zu pflanzen?" 

„Ich weiss es Belbst noch uicht. | 



Kbe 


1 das, was sicli 


im Momente, wie 


wir 


fertig sind, am b< 


sten hiei'ur eignet 


;!" d 


zum Umpflanzei 

vas es ist! : ' 


bereit steht, sei 




Aber," frage ieh 


„wio yerhalt es 


sich 


denn mit jcner 


rogelreehtcn Auf- 


riua 


iderfolgc vol) versohiedenen I'mpllan- 



ml sollto audi 



Sie 


■s wi 






lerdingsmiissonjene 


Bui 


sclien, 


\v< 


iclio \ 


ahrend vieler Jabro 


ki-'ii 


Stfickch 


n I Hi 


iger auf ihre Aecker 


brii 


g«*», 


ire 


•>nten abwechseln lasson; 


don 


i, Sie 


bo 


*reifcj 


eino Pflanze nimmt 


Kn! 


■ Odrll 


W 


7Z 


gerade die bestimm- 
heNabrimg aus dem 
s dor Chomiker aus 



eincn oder zwei Bcstandthoile auszicht, 
und das Ucbrige liegen la'ssf. Wcnn 
Wcizen soine Nalirung gefunden oder 
gezogen bat, so woiss derPaehtcr, dass 
es nun von keinom Nufzen mohr ist, 
nochmals Wcizen zu pflanzen. Erpflanzt 
Wicken zur Fattening (tares), und die- 
sc Futtorwicke zioht aus dem Boden 
etwaa aus was da Weizen zuriickgc- 
lassen hat; dann weisse Ruben, u. s.w. 
Wir abcr, wir provisioniren unsoro Bo- 
den in alien Beziehungcn, d. h. wir 
liefern ihm auf kiinstlichem Wege alios 

ivas sie nachste Saat zu ihremGe- 
deihen nbtliig hat, und so konnen wir 

Qserm Grund und Boden jederZeit 
Alles pflanzen und auch Alleg iippig 



Gartenflora Deutschlands 1 



wachsen sehen. Auf diese Weise ge- 
winnen wir nicht nur Ernten von erster 
Qualitat, sondern von einigcn Dingen 
sogar vier in demselbcn Jahre, wiihrend 
dcr Bauer selten mehr als eine cinzige 
Ernte macht." 

Wahrend wir durch einen kleinen 
Fleck scblendcrn, der mit vortrefflich 
beschnittenen Obstbaumen bepflanzt ist, 
bemerke ich, dass darunter jedes Stuck 
Boden mit einer andern Art Kohl be- 
pflanzt ist — Kohlrabi (coleworts oder 
„collards"), wie ein Arbeit er sie nennt. 
Mein Fuhrer bemerkt die Aufmerksam- 
keit, mit welcher ich auch diese Uni- 
pflanznng betrachte, und sagt einfach: 
„keiu Platz hier fur nichts vergeudet." 

„Jene kleinen Pflanzchen, welcheSie 
vielleicht fur Unkraut nehmen — dort, 
in dem schmalen Streif zwischen den 
Stachelbeerstrauchern und dem Weg 
sind Brocoli. So lange sie noch jung 
sind, kbnncn sie , mbgen sie auch noch 
so dicht in einandcr stehen, hier genug 
Nahrungsstoff finden. Bald aberwerden 
sie gelichtet und auf das Feld versetzt 
werden. Hier ist ja schon ein Stuck 
Boden, das bereits mit ihnen bepflanzt 

„Ich denke, das Unkraut, welches 
ich zwischen ihnen gewahrc, wird ihnen 
wohl desshalb nicht schaden kbnnen, 
weil sie noch so jung sind?" 

pWare das, was Sie meinen, wirk- 
lich Unkraut, so wiirde dasselbe meinen 
Setzlingen allerdings nicht viel Schaden 
zufiigen kbnnen; denn der Boden ent- 
hiilt viel mehr Nahrungsstoff, als meine 
Brocolipflanzchen brauchen, namentlich 
bei derEntfernung, in welcher das eine 
vom andern gesetzt werden musste. 
Wenn jedoch Unkraut ihnen nichts scha- 
det, so sage ich, dass audi etwas An- 
deres, undzwarNutzlichcres, ihnen nicht 
schaden wird, und so ist wirklich auch 



das, was Sie fur Unkraut angesehen, 
kein Unkraut. Es ist Sellery. Beides 
kann recht gut neben einander wach- 
sen, namlich nur so lange, bis die Bro- 
coli lichter und grosser werden und nun 
fur sich selbst alien Saft und alle Kraft 
des Bodens in Anspruch nehmen. Dann 
werden wir eben die Sellery wiedervon 
da wrgthun." 

„Das heisst man, Alles dienatbar 
und fruchttragend machen und aus Al- 
lem mbglichen Vortheil Ziehen!" 

„Man muss es, man muss es , in 
dieser Zeit, in welcher der Freihandel 
triumphirt hat!" entgegnet mein Ge- 
fahrte, setzt sich auf einen Stosskarren 
nieder und wischt sich den Schweiss 
von der Stirne. „Wenn wir unsere 
Concurrenten in den Nachbarlandern 
nicht im ehrlichen Kampfe schlagen 
konnten, so wollten wir nie anscheinend 
so schabig sein und die Regierung mit 
dem Gesuche angehen, una zu unter- 
stutzen. Wenigstens schaue ich die 
Sache so an. Der Freihandel ist fur 
uns zur Lebensfrage geworden und zum 
Sporn, welcher all unsere geistige wie 
korperliche Kraft auf den hochsten Grad 
antreibt. Belgien und das sudliche 
Frankreich haben dieses Jahr auf unse- 
re Markte einige Artikel von ausge- 
zeichneter, von allererster Qualitat ge- 
sendet. Was kummere ich mich drum? 
Auch ich mache michdaran und es soil 
mir so gut gelingen, als ihnen!" 

Herr Trench ward crnst, pausirte 
und schien sich eine Minute lang einem 
inhaltsschweren Gedankenjiuge zu tiber- 
lassen. Dann sprang er mit einem Aus- 
drucke getrosten , frohlichen Lebensmu- 
thes von seinem improvisirtenSitze auf, 
wandte sich an mich und fuhr fort: 

„Das kann ich Sie aber versichern, 
verehrter Freund, dass es in dies em 
Kampfe, welchen wir, Londoner Gartner, 



I. Origi 

gegen einen mildern Himmel und eine 
warmere Sonne, gegen wohlfeilere Ar- 
beit und geringeren Bodenzins licfern, 
nicht angeht, auch nur ein Blatt, auch 
nur eine Wurzel, auch nur eine Seholle 
zu verlieren. Jene beiden, wenn sonst 
zu nichts nutze, miissen auf den Diin- 
gerhaufen wandern, diese muss sich be- 
fruchten und mit ergiebigem Griine 
decken! Dort driiben wohnt ein Herr 
Kutch, der inOstindien gewesen ist. Er 
ist ein Mann von Vermbgen , und es 
war bloss cine Grille, welche ihn Ge- 
musegartner werden liess. Wenn dicser 
Nachbar seine Jahressrechnung macht, 
so findet er Jahr fur Jahr , dass er ge- 
rade um 100 Pfund zuriickgekommen 
ist, dass er diese aus cigener Ta- 
sche zulegen muss. Und warum? Weil 
er nicht vom Morgen bis an den spiiten 
Abend selbst an Ort und Stelle ist, wie 
ich es bin, und weil er nicht mit so un- 
erbittlicher Strenge und Consequenz dar- 
auf sieht, dass nichts vergeudet, jedes 
Platzchcn wie jedes Pflanzchen benutzt 
werde." 

Wir gingen weiter. 

„Dieser diinne griine Flaum, mit den 
weissen Flecken hin und wieder, wie 
wenn einige Arbeiter aus den Kalkbfen 
sich muthwillig daran vergangen hiitten, 
sind Zwiebel, nicht wahr?" 

„Eine gewisse Artjon Zwiebel, aller- 
dings. Eine ganz verschiedene Sortc 
von denjenigen mit den grossen Saa- 
mengehausen an der Spitze. Es ware 
Ihnen wohl kaum interessant, alle die 
meistentheils sehr willkuhrlichen und 
zufalligen Namen zu erfahren, mit wel- 
chen wir unsere Handelsartikel bezeich- 
nen. Die Zahl der einzelnen Varieta- 
ten der namlichen Pflanze geht oft in's 
Unendliche, und sie werden dann haupt- 
sachlich nach den Gartnern genannt, 
welche sie producirt oder eingefuhrt ha- 



ben. Obstbaume andern durch die Cul- 
tur, wie Sie wisscn, ihre ganze Natur, 
so z. B. der Pfirsichbaum, dessen Frucht 
im wildenZustande giftig ist. Ebenso an- 
dern sich durch die Cultur die Pflanzen 
in Eigenschaft, Form und Farbe." 

„Obwohl niemals in ihrer eigentli- 
chen, inneren und ursprunglichen Struc- 
tur," werfe ich ein. 

„Ganz richtig. Nun, bei der hitzigen 
Concurrcnz , welche unter den Gemusc-, 
iiberhaupt den Handelsgartnern besteht, 
bei der eifrigen Rivalitiit, welche diesel- 
ben fortwalirend zu Experimcnten an- 
treibt, miissen nothwendiger Weise zahl- 
lose Varietiiten von einem joden Ge- 
wiichsc, welches Gegenstand der Cultur 
geworden ist, producirt werden." 

. „Und von diesen wahlen Sie dann 
natiirlich die besten." 

,,Einige Sorten sind in gleichem Grade 
dienlich. Anderc zeichnen sich durch ge- 
wisse Eigenschaften aus und , wie wir 
diese brauchen, wahlen wir die entspre- 
chenden Arten. Einige sind fur Friih- 
oder Spatkultur mehr geeignet, als an- 
dere, und da unser Augenmerk darauf 
gerichtet sein muss, den Markt fortwali- 
rend provisionirt zu halten, so ziehen 
wir von den meisten Dingen verschie- 
dene Sorten. Auf diese Weise haben 
wir von dor namlichen Pflanze verschie- 
dene Ernten, und diese Erntcn .treffen 
nun in ganz bestimmter , wbchentlicher 
Reihenfolge ein." 

Wir kommen durch andere Partiecn 
der weiten Grundstucke, und mit wah- 
Bewunderung sehe ich, wie durchaus 
alle Theile derselben mit der namlichen 
Regelmassigkeit und Nettigkeit ange- 
pflanzt sind. Auf jedem einzelnen, ab- 
geschiedenen Stiicke gewahre ich stets 
n oder zwei Arbeiter, meistens weib- 
liche. Einige hacken unter so feinen 
dichtstehenden Saaten , dass es mir als 



Gartenflora Deutschlands und i 



Wunder erscheint, wie audi die grb'sste 
Sorgfalt es vcrmeiden kann , dass mit 
dcm Unkraut nicht audi zugleich die 
Saat sclbst thcilweise vertilgt wcrde. 
Anderc unterstiitzen Glasglocken (ubri- 
gcns auch Lichtglaser in viereckigcrGe- 
stalt) mit kleinen Holzunterlagen , ran 
die Luft zu den darunter befindlichen 
Pilauzen zu lassen. Einige Manner sind 
bcschaftigt, mit grosser Goduld gegen 
die Manor gezogene Tomato's oder Lie- 

Pflanze naeh der andern. Andere jiiten | 
in tiefrn Bnumgangcn, unter Reihen von 
Gartenbeeten , welche so regelmassig 
sind , als ein Grundplan von der Stadt 
Philadelpbia , sorgfaltig mit der Hand 
I nkraut aus; wiihrond einige wenige, 
wie ich beim Naherkommen sehe, Spar- 
gel schneiden. 

Wo immer sidi (in hi udufti-oi'S} <r- 
gelspross durch die fctte Dammerde hin- 
dimh gedriingt und gerade das Licht 
begriisst bat , sticht eine Fran seitwarts 
oin langos stablernos Instrument in den 
Boden ein, welches an seinem Ende ein- 
gekerbt ist, und sagt, einige Zoll im Bo- 
den, den Stamm durch. Das eingekerbte 
Messer binterlasst, wie mir mitgetheilt 
wird, da, wo der Stamm durchschnitten 
wird, oine unobene , zcnissene Oberfla- 
che, und diese beilt leiciiter als ein schar- 
fer, glatterSchnitt, indem die feine Damm- 
erde den herausquellenden Saft vollstan- 
diger stocken maclit und gleichsam vor 
dcm Verblnten schiitzt. Diese Spargel- 
wurzeln sind drei Jahre im Boden ge- 
wesen und haben erst diese3 Jahr Sprossen 
geliefert, welche hinlanglich stark wa- 
ren, das Abschneiden zu ertragen. Na- 
tiirlich war aber wiihrend jenerZeit der 
Boden durch andere Aussaten benutzt 
worden. Die Schosslinge wachsen wah- 
rend der Saison mit grosser Schnellig- 
keit \md kbnnen wiihrend fiinf Wochen 



je urn den andern Tag abgeschnitten 
werden. Das .,Gras" *) wird sofort, wie 
cs abge-sdiriiuen worden, in Korben nach 
dem Hofe getragen , daselbst gcwaschen 
und liir den Markt in einzelne Biindel 
gebunden. Bei diesem Anlassc erfahre 
ich, dass der lange, harte, weisse Stamm, 
welchen der Spargelesser wegen seines 
wasserigen Erdgcschmackcs wegwirfr, 
dadurch erzeugt w 



die Sprossei 



ird , dass 
der Erdc 
stecken liisst. Dieses Bedecken mit 
Erde bleicht den Stamm und bedingt 
zugleich noch eine Vergeudung, deren 
1 sich urn der allgemein angenomme- 
Sitte willen, die unerbittlich das be- 
nte Aussehen des Spargels als des- 
nothwendige Eigcnschaft fordert, 
schuldig macht. Wollte man ganz cin- 
der Dammerde cntfer- 



Es ist imeressant , nacbzuspuren , wie 
der Englauder darauf kommt, iin gewQhnlichen 
Leben den Spargel kurzwog „Gras" zu nen- 
nen. Bekanntlieh ist es ein sebr rationelles 
und in der That anerkennenswerthes Strebea 

stlindlichen Sprachc so zu modeln und zu ge- 
stalten , dass ein gevisser Sinn herauskommt 
mid man sich doch wenigstens etwas dabei 
denkeu kann. Auf diese Weise entstanden 
Namen wie Mailand , Armbrust u. s. f. Das 
unverstandliche asparagus (Spargel) verdrehte 
der Britte in sparrow -grass, dessen Klang 
wirklich grosse Aehnlichkeit mit dem lateini- 
schen Namen hat und welches nun mit hei- 
mischem Laute und einem ganz bestimmten, 
jeden Englander klaren Sinne das delikate 

lich Spatzengras, und so kurios nun auch diese 
Bezeiclmung fur den Spargel erscheint, so liegt 
ihrer Entstehung doch Sina und Verstand zu 
Grunde. Der neuere , stets auf Kurzung ge- 
richtete Sprachgebrauch hat aber dann die 
paar ersten Silben, sparrow (Sperling), gestri- 
chen und das simple „Gras" ist zuruckgeblie- 




en See uni die Alpentette.. 



Originalabhandlungen. 



11 



nen , so wiirdon die Sprosbon mit fiini' 
odor scchs Zoll holier, cssbarcr Spitze 
aufschiessen, anstatt wir nun bloss eincn 
Iialben Zoll von eincr purpurfarbenen 
Knospe gcwinncn und tins damit begnii- 
gen. Solangc jcdocli das Publicum 
diese purpurne Knospenspitze und den 
faden. wcissen Stengel vorzieht und nur 
dicsc baben will und solange sicb in na- 
tiirlicber Folge dieses lachcrlichen Vor- 
urrheils der cigentliche Gemiisehandler 
weigert, von seinem Lieferanten eine 
ausgiebigere, schmackhaftere und gesun- 
dore Art des Spargelgemiises zu kaufen, 
so lange ist der Gemiisegartner genbthigt, 
seinen Spargel mit Erde zu decken, to 
earth up, Kunstausdruck, eigentl. auf- 
zuerden, ibn dadurcb zu bleichen, eben- 
falls Kunstausdruck, to blanch, und dann 
in hiibsche, farbige Biindel zu binden 

Einige Arbeiter sehe ich hie und da 
Kalkstaub ausstreuen , und denke mir, 
dass diess als eine besondere Art von 
Diinger dienen soil. Indessen bin ich 
im Irrthum , wie mich mein Freund so- 
gleich aufklart. 

„Das einzige Schutzmittel gegen die 
nakten, rothen Schnecken. Eine Wolke 
vou Kalkstaub haftet , wenn Thau auf 
den Pflanzen liegt, an alien Blattern 
und tbdtet jegliches Gethier, ohne den 
Gewachsen Schaden zuzufttgen. Diese 
Thiere bringen uns oft genug in Verle- 
genheit. SehenSiehier diese Scharlach- 
bohnen ; dieselben fangen so eben an, 
etwas in die Hohe zu kommen, und be- 
reits sind sie schon weggefressen. 

Wahrend ich mich nach den fragli- 
chen Gewachsen umsehe, zieht mein Be- 
gleiter ein messingenes Mikroskop her- 
aus, und fangt an, mit Aufmerksamkeit 
ein Blatt zu untersuchen. 

„Wir haben nun diess verfolgt," fahrt 
er fort, schraubt dabei sein eines Auge 
in die Hbhe und zieht seine Stirn in 



Falten, dass sie kraus wird , wie ein 
schottischerWirsing, — „wir haben nun 
diess verfolgt eine ganze Woche lang, 
und kbnnen doch nicht herausfinden, 
was es ist. Es gibt beim Kohle eine 
Krankheit, welch e Klubbing heisst, nnd 
welche aussieht, als ob sie durchlnsek- 
ten bedingt wiire. Allein sie kommt 
vom iibermassigen Diingen her; derm 
auch beim Diingen kann man des Gu- 
ten zu viel thun. Einige wollen hierin 
aucb den Ursprung der Kartoffel- und 
Gurkenkrankheit finden, sowie denn iiber- 
haupt in letzter Zeit mannigfachc Vege- 
tabilien in einer friiher unbekannten 
Weise erkrankt sind. u 

„Werden Sie stark von Ungeziefer 
geplagt?'' 

„Allerdings, doch halt en wir fortwiih. 
rend ein scbarfes Auge nach dieser 
Richtung, und brennen, sengen und riiu- 
chern unerbittlich unsere Feinde, ehe 
sie Zeit haben, sich zu verbreiten. Dann 
tragen wir weiterhin Sorge , alle Vogel 
durch Scheuchen zu vertreiben. Doch 
zweifle ich sehr , ob wir dadurch nicht 
vielmehr Bbses, als Gutes bezwecken; 
denn wir verhindern dadurch, dass die 
Insekten , welche uns mehr zu schaffen 
machen, als den Pachtern, von den Vd- 
geln aufgefressen werden. Fast bin ich 
Willens, aus alien meinen Scheuchpup- 
nachstens ein loderndes Freuden- 
zu bilden. Ein Freund von mir 
halt junge Perlhiihner, bantams, welche 
Wiirmer u. dergl, gleich Gerstenkbmcrn 
aufpicken, und da sie ihm allzusehr die 
Saaten verkratzt hatten, so half er sich 
damit, dass er ihre Fiisse in Socken 
steckte." 

EinPerlhuhn, a bantam, mit Socken an 
denFiissen erscheint mir als ein so lacher- 
Iich Ding, dass ich beinahe argwbhne, 
es treibe mein Freund Scherz mit mir. 



eii'ltt 



vollkommen 



„Dicses kleine Insekt, welches sich 
sogloich, wie man es beriihrt, zu einer 
vollstandigen , schwarzen Kugel zusam- 
menrollt, ist einer unserer widerwiirtig- 
sten und gefahrlichsten Gaste. Eine 
Holzlaus frisst Alles, mag es siiss, bit- 
ter oder sauer sein. Entweder haben 
sie gar keinen Geschmackssinn , oder 
wenn sie solchen haben , ist er das ge- 
rade Gegentheil vom unserigen. Mit 
Gier verzehren sie ein Blatt, welches 
den denkbar ekelhaftesten Geruch hat. 
Ich habe einmal drei junge Bantams be- 
obachtet, wie sie in zwei Minuten an 
Hundert von diesen Insekten aufpick- 
tcn. Jetzt geht meine Absicht dahin, 
dieselben durch Kroten in den Grun- 
hausern und Gurkenbeeten todten zu 

„Durch Kroten!" 

„Allerdings durch Kroten. Wir kau- 
fen Kroten. Ich habe schon 6 Schillinge 
fur das Dutzend Kroten gezahlt." 

Im benachbarten Feld wird v( 
nerGruppeWeiber riistig gearbeitet, und 
es geht daselbst emsig und munter zu. 
Die Arbeiterinnen sind damit besehaf- 
tigt, ricsenhafte Rhabarberstengel auszu- 
ziehen und dieselben auf Handkarren 
zu laden; dabei fallt mir indessen die 
Verschicdenheit auf, welche hinsichtlich 
der Schnelligkeit und Gewandtheit, mit 
der sie ihre Aufgabe Ibsen, herrscht, und 
mein Fuhrer bestatigt die Beobach- 

„Jene junge Irlanderin dort," sag 
er, „mit ihrem hinten aufgeschiirzte] 
Rocke und ihren blossen Armen, so braun 
wie Mahagony, absolvirt in einemTage 
zwei mal so viel Arbeit, als andere 
meinen Werkleuten, desshalb zahle ich 
ihr auch per Tag 2 Schillinge, wahrend 
sonst die meisten nur einen Schilling 



bekommen, oder wenigstens nur andert- 
halben. Wie geht's, Molly?" 

„Ganz gut, Sir, dankelhnen!" (ohne 
die Arbeit zu unterbrechen). 

„Da ist der Schilling, welchen ich 
uch drei Weibern versprochen habe." 

Molly protestirte, dass sie je daran 
gedacht, dass es ihm ernst mit derPra- 
mie sei. Indessen constituirt sie sich 
sofort zum Vormund fur die andern bei- 
dcn und deponirt den Extraschilling in 
eine grosse, herzfbrmige Tasche, welche 
an ihrer Seite hangt. 

„Wie altbist du Molly?" 

„Dreissig, Sir!" 

„Verheirathet?" 

„Nein, Sir! Niemand will mich ha- 
ben" und sicherlich wiirde auf dcm Ehe- 
standsbazar das holde Gesicht der irlan- 
dischen Gartnerin gerade nicht alsAcqui- 
valent fur die Vorziige einer reichen 
Erbin gelten. 

„Molly ist urn ein gut Stuck besser 
dran, dadurch, dass sie ledig ist, Sir!", 
wirft ein altes Weib ein. „Ich weiss 
das auf eigne Kosten." 

Molly will uns nicht in's Gesicht se- 
hen; aber sie halt an ihrer Meinung fest 
und bekennt ihre ehrlichen Plane und 
ihr Leidwesen iiber deren wahrscheinli- 
chen Schiffbruch. 

„Ich!" sagt eine andere, ein junges 
Weib, das von ihrer Arbeit gerothet und 
erhitzt aussieht. „Bis ich mir einen 
Herrn und Meister anschaffte , habe ich 
nicht halb so viel und so hart arbeiten 
miissen. Molly sollte nur gar keinWort 
dagegen sagen. Sie ist besser dran, als 
wir alle." 

Molly aber ist cigenMnnig. Sie 
schiittelt ihron Kopf, geht jedoch in ih- 
rer Arbeit wacker vorwarts. Offenbar 
ist sie iiberzeugt, dass die verheiratheten 
Weiber sich verschworen hatten, s&i 
die ledige Jungfrau, vom Thor de» 



Originalabbandlungen, 



Ehestandsparadieses abwendig zu ma- 

Bei dieser Gclegenheit erfahrc ich, 
dass ungefahr fiinfzig solcher Weiber, 
mit ungefahr zwanzig Mannern , in der 
geschaftigsten Jahrszeit die ganzc Arbeit 
auf den hundert Jucharten des Besitz- 
thums meines Freundes verrichten. Wah- 
rend des Winters ist bloss die Halfte 
dieser Anzahl beschaftigt. Wcibcr sind 
beinahe fur jegliche Arbeit, welche in 
diesem Kreise vorkommt, stark genug. 
Nur fur Anlegung von Graben u. dergl. 
ist mannliche Hiilfe erforderlich. In der 
Erdbeersaison wird noch fiber jene Fiinf- 
zig hinaus cine Anzahl von Weibern 
beschaftigt, und zwar, urn aufdenKopfe 
die susse Frucht nach der Stadt zu tra- 
gen. Diese Triigerinnen verdienen fiiuf 
Schillinge im Tage. Keine andere Art, 
die Erdbeeren auf den Markt zu schaf- 
fen, cntspricht den nothwendigen An- 
forderungen in dem Grade, wie die an- 
gebene. 

Die besten Arbciter werden das ganze 
Jahr beibehalten und fortwahrend inBe- 
schaftigung erhaltcn. Wenn es draus- 
sen wenig zu thun gibt, so haben sie 
Gartengerathschaften auszubessern, Hand- 
laternen (hand-lights) *) — dreitausend 
an Zahl — zu malen und zu repariren, 
Rahmen fiir Treibbeete herzurichtenu. s. f. 

Mcin Fiihrer bedauert, dass er mir 
wenig mehr mitzutheilen habe. Aber 
ich versicherte ihn , dass ich genug ge- 
sehen und gehdrt habe, urn mich von 
der unendlichen Miihe und der ausser- 
ordentlichen Geschicklichkeit zu iiber- 
zeugen, rnit welcher Gemiisegarten cul- 
tivirt werden. 

„Je nun, mein werther Gast ! Aller- 
dings mussen wir alles mogliche versu- 



*) Hier fibersetzi 
me klare Einsicht 
i 3000 I 



chen, urn gute Producte zu erzielen. 
Sehen sie sich z. B. jenes Feld rait Blu- 
menkohl an!" 

„Blumenkohl ? und doch gewahre ich 
an keiner einzigenPfianze eine Spur von 

„Allerdings nicht. Licsse man die 
Blume sich der Sonne aussetzen, so wur- 
den sie in cinigen Tagen gelb werden. 
Desshalb mussen nun jeden Morgen, 
Tag fiir Tag und Pflanze iUr Pflanze, 
die aussern Blatter derselben, eines nach 
dem andern, zusammengefaltet werden. 
Ich kann sagen, dass jede Pflanze auf 
die regelmassigstc Weise gepflegt und 
mit der Hand aufgezogen wird. Mein Ar- 
bciter kennt — ich stehe dafiir — jede 
Pflanze individucll und zwar nach dor 
Gcstalt ihres Kopfes und den Niian- 
Qirungen ihrer Farbc. Oeffncn Sie ein- 
mal die Blatter und blicken sie hinein ! 
Sie werden die Blume weiss wieSchnee 
finden. Auch duldcn wir es nicht, dass 
ein einziger Tropfen Wasser darauf fallt. 
Wiirdc es z. B. jetzt plotzlich zu reg- 
nen anfangen, so wurden Sie augenblick- 
lich sehen, wie meine Leute ihre Ar- 
beit, mag sie nun sein , was sie wolle, 
verlassen und eilends nach diesem Blu- 
raenkohlfelde rennen, urn die Pflanzen 
sofort mit den glockenfdrmigen Glasbe- 
chern zu decken , welche dort in der 
Sonne schimmern. Der ganze Boden 
ist mit Stroh belegt odcr ist „gemistet, 
mulched" worden, wie wir es heissen. 
Wir wenden Stroh gegenwartig fur allca 
Mogliche an. Bemerken Sie dort jencn 
Acker mit den Gurkenbeeten ? Obgleich 
die Pflanzen in tiefen Hcissbeeten wach- 
sen und ganz unter Glas sind , so hal- 
ten wir doch noch jeglichen Rahmen in 
Stroh eingebettet und mit Stroh bedeckt. 
Der schSne weisse Seekohl (seakale), 
welchen sie auf den Markte finden, wird 
gcbleicht dadurch, dass man ihn einfach 



11 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Garten nieines Freundos und damit auch 
giihnenden Haifischschlund zu 
vermeiden. 

Der Heimweg fiilirt durch den Hof, 

> die Karren beladen wcrden. Rei- 

hen von Wagon stehcn fur den Markt 

morgen bereit und erinnern mich, 

j mir noch ein andoros Capitel 

aus der Geschichte des londoner Gc- 

miiselebens obliegt. Mogen sicb dess- 

Leser darauf gefasst raa- 

chen, dass wir nachstens in dammern- 

Morgenstunde an ihrer Thiirc 

klopfen und sic nacli Covent Garden 

geleiten werden. Fiir diejenigen unter 

Lesern. die ein mehr als gc- 

wbbnlicbes Stuck vom alten, adamiti- 

scben Faulpelze gekriegt haben und in 

Garten Dorn und Distel immer 

nnd hoher wuchern, mag diese 

Voraussicht unangenehm genug sein, 

nd sie nehraen sich vielleicht gar vor, 

rnit stopfendem Wachse sich gegen un- 

krahenden Hahnenruf unempfind- 

Iich zn machen. Aber gerade diesen 

wackelnden Schlafmiitzen gegenuber 

unerbittlichsten sein, 



mit Stroh deckt. Die rothe Rhabarber, 

welche Sie im Winter und 

Fruhling sehen, wird auf dem namlichen 

Wege erzielt. Stroh ist die Sonnen- 

blende (sunblind) der Sonnenladen oder 

Lichtschirm des Gcmiisegartners." 
Nachdem wir unsern Gang durch 

mit ausserordentlichem Geschick 

pflegten Griinde vollendet, werfen wir 

noch einen Blick in die Samenspeicher, 

in Schoppen voll von gemalten Topfer 

von Instrumenten , zerbrochenen Einfas- 

sungen von Treibbeeten u. dergl. Nicht 

ohne geheimes Giauen gewahren wir 

Fallen, fur menschliche Uebelthiiter bc- 

rechnet, sowohl solche , welche gierig 

zwei Rcihen von Haifischzahnen bffnen, 
als auch jene die „huniane Mannsfalle" 
genannte Art, welche den Schenkel ei- 
nes Menschen glatt und scharf weg- 
schnappen und keinen Splitterbruch ma- 
chen, wie diejenigen friiherer Zeit. Diese 
indessen werden wohl nur dann gesetzt 
werden , wenn jener kiihne Luftschiffer, 
welcher letzthin seinen Enterhacken durch 
die Gurkenbeete meinesFrcundes schlepp- 
te und sich in Begleitung von zahlreichen werden 
Gefahrten frischweg in den Blumengarten un d s i e sollen und miissen sich in Co- 
des Herrn Trench niederliess , dem Ion- ven t Garden uberzeugen, welche schwel- 
doner Publicum eine neue Besteigung lenden Erdbeeren, welcher schneeweissc 
seines Ballons ankiindigen sollte. Diese Blumenkohl und welcher purpurne Spar- 
Thatsache haben wir bis zuletzt aufge- gel auf ganz gleichem Grund und Bo- 
spart, in der Hoffnung, sie mochte das den gedeihen, welcher in ihrem Be- 
Auge des beruhmten und unerschrocke- sitze nur eineSchiissel Distel furFreund 
nen Aetherseglers auf sich zichen und Langohr zu bieten vermag. 
ihm als Dcut dienen, in Zukunft die | Dr. IT.Lochcr in Miinsterlingen. 



II. Neue Zierpflanzen. 

a) Abgebildct in der Flore des Serres. r steht, Stengel zart, windend, wie die Blattstiele 
1) Tropaeolutn chrysanthum PI. et Lin- ditisig behaart. Blatter schildforuiig , von 
n; Tropaeoleae. — Eine neue, von Lin- rundlichtriangelformigerGestalt.ausgeschweift- 
n aus Neu-Granada eingefuhrte Capuziner- gekerbt, Blumen einzeln, achselstaudig, kflr- 
;bst I zer als Blattstiel, goldgelb, ViZoll im Durch- 



messer. Lappen de3 gefarbfen gespornti 
Kelches oval-elliptisch. 5 Bhimenblatter ; 
der Spitze geziihnt, keilforniig-oval, die be 



Neue Zierpflanzen. 

theBeeren 1 



i Kelchlappen. 



Scheint zu den schwic- 

zu gehOren. (Tafel 1005.) 

2) Tillandsia conantha PI; liromeliaceae.— 

mende Art, die beim Hrn. Van Houite bliihte. 
Besitzt einen kurzen, am Grunde Rosetten 
treibeiiden Stengel. Blatter breit-li:ie:»r. n.-irh 

sten rosa gefarbten umgeben die violetten 
lang rtshrigen' Blaruen. Wild auf Holz be- 
festigt und im Orchideenbause aufgehangt. 
(Tafel 1006.) 

3) Lavatera maritima Gouan; Malva- 
ceae. — Ein in deutschen Garten sebr ver- 



45 

vomgleichfarbigem Kelch 
nacht. In den Blumen- 
t diese Pflauze als lange 

Pflau- 



(Tafel 1007.) 

4) Miltonia spectabilis Until. Var. Mo 

phytische Orcbidee aus Brasilicn. Die lang- 
licb ovalen, entfernt gestellten, zweischneidi 
gen Scheinknollcn tragen 2 bandformigespan 
nenlange Blatter auf der Spitze. Bluthenstieli 
entspringen aus den Achseln der in jungei 



gebenden Blattei 


und 


sind einblumig. Blii- 


thenhullblatter ab 


stehend, oval-Un., 


2 Zoll lang, tief 


violet* 


DieLippesehr gross, 


breit keilformi<r, 




abgerundet, halb vio- 








Lamellen. Griffe 






flflgelt. Cultur 


in il 


rebbrochenen Topfen. 


Liebt wahrend d 


cr Ye 


gelation feucht warm 



einen trockenen licbten Standort uud wenig 
Wasser, und .ueringere Warmegrade, dajunge 
Triebe sonst leicht faulen. Der biesige Gar- 
ten erhielt Originalknollen dieser Art von St. 
Catbarina. (Tafel 1008.) 

5) Genethyllis macrostegia. Schon er- 



garten gepflanzt, 

Stolunen treibend kaum wied 

Dagegen eignet sie sich recht 

zung an Boscjuetriinder. "Wird kaum 1 Fus3 

hocb. (Tafel 1010.) 

7) Chaetogastra Lindeniana PI. Melat- 
tomaceae. — Eine Prachlpflanze, von Linden 
entdeckt in einer Hobe von 9840 Fuss, auf 
der Spitze des Montserrata, einem der hocb- 
sten Berge der Hocbebene Bogota's. Lebend 
eingefuhrt ward sie in das Etablissement die- 
ses Herren durch Schlim, und bluhte dort im 
Herbste 1854. Sie bildet einen 3—6 Fuss 



aus den Achseln der obersti 

thenstielo kurzer als Blatt. 

5 liueai e spitze Ziihne, die 

sen Rohre. Die 

2 Zoll im Durcbmesser. 

keilformigemGiunde verkehrt-einforinig, prach- 

tig lebhaft dunkelroib, 3mal so lang als 

Kelch. (Tafel 101 i— 1012.)- 

8) Luchcria magnifica. PL et Linden. 
Gesneriaceae. — Eine sehr schone neue Art 
der meinem Schwiegervater (Prof. Locher- 
Balber) gewidmeten Gattung, deten Typus 
Achiniene pedunculata und birsuta 1st. Die 
vorliegeude Art ward von Triana in derProvinz 
PopayauinNeu-Granada entdeckt und in das 
Etablissenient des Hrn. Linden eingefQhrt. 
Stengel, Blatt- und Bluthenstiele und die Ner- 
ven auf der untern Blattseife rothgefarbt und 
behaart. Blatter gestielt, lauglich oval, spitz, 



scblank, in den Ac 


hseln der 


obern Blatter 


cinblumig. Blumenk 




acli, mit gros- 


sem l'/i Zoll im Durcbmesser 




me, der sebwarzroth 


gefleckt 


t.d gezeichntt. 


Eine prachtige Art, 






ter einziehenden Arte 




cultivirt wird. 


(Tab. 1013.) 






( J) Crawfurdia fasciculata 


trail; Gen- 






Gartenflora Deutschlands uod c 



Blumen stehen baschelweise in den Achseln 
der langlich-lanzellticben zugespitzten Blatter. 
Cultur im Warmhaus. (Belgique horticole mit 
Abbildung.) 

10) JVeue englisehe Stachelbeeren. — Das 
Journal d'horticulture bildet ab die folgenden 
ausgezeichneten Sorten : 

a. Ocean. Eine langlich-ova'.e sehr gros- 
se dunkelrottae, gegen den Stiel bin grQnliche 
Sorte. Sehr reichtragend. 

b. Leopold I. Eine der grossten kuglig- 
ovalen grunen Fiiichte, von vorziiglichemGe- 



c. Britannia. Fine langlicbe gelbe grosse 
delikate Frucht. 

d. Marquise. Ovale grosse Frucht mit 
rethlichen behaarten Eippen. 

b) Abgebildet in Illustration horticole. 
11) Cypripedium pnbescens Willd. — Be- 



Orchidee fi 
amerika, verwandt i 
thenhiillhlatter schm 



freie Land aus IS'ord- 
serm Fr 



freien Lande aushaltende Abart, die jabrlich 
reichlich bliihet. Die grossen Blumei 
immer rein weiss, und am krausen Rande 
lebhaft roth gesaumt. Schone neue von Ve 
schaflelt erzogenc hybride Form. (PI. 66.) 

14) Dammar a Brownii H. Angl. Coni- 
ferae. — Ein schones Nadelholz aus Neu 
SchotHand fur die Orangerie. Blatter lang 
lich-lanzettlich, bis l j 2 Fuss lang und bis ' 
Zoll breit. In Cultur bei C. A. Van Geer 
in Gent. (Mit schwarzer Tafel.) 



ir-spatelformig. Blumen nickend 
vielblumigerRispe, auf den 
Verastelungen derselben kaulformig gestellt. 
aufgeblasen mit unregelmassigen Lap- 
Blumenkrone weiss, mit langer walzen- 
formiger Rohre und abstehendem kahlem ab- 
6 lappigem Saum , der nach 
aussen rippig. — Cultur gleich den andern 
jedoch wohl nur botanisches 
Interesse. (Tafel 4865.) 

Eine durch Van Houtte aus Surinam einge- 
fuhrte Pflanze, die in Deutschen Garten schon 
verbreitet ist. Ein Halbstrauch fiirs 
Fuss Hbhe und buschigem 
zottig behaart ist Blatter 
oval, spitz, runzelig, gesagt. Blumen zu 3 in 
den Achseln weiss mit violettem Schlunde. 
Bluhte im Botanischen Garten zu Zurich, 
schon seit 5 Jahren jahrlich im Somraer in 
einem fleissig gelufteten, aber schattig gehal- 
tenen Hause. (Tab. 4866.) 

18) Thermopsis barbata Royle. Legumi- 
nosae. - Ausdauernde Staude, die Major 
Madden aus einer Hohe von 10-13,000 Fs. 
aus dem Himalaya einfiihrte. — Stengel 
kaum 2 Fuss hoch wie die Blatter und Kel- 
che am Rande mit langen abstehenden Haa- 
ren besetzt. Blatter 1—3 ziihlig. Blattchen 
langlicl;. Schote langlich, schwach sichelfSr- 
mig 3 spater leicht aufgeblasen. Blumen gross, 
schon dunkelviolett, iu?pi»zenstiindiger ahren-* 
fdrmiger Traube. — Schone Freilandpflanze, 
die nacb den Vcrwandten zu schliessen , ei" 8 
lehuiige mit Lauberde und Sand versetzte Er- 
de liebt. (Tab. 4868.) 

d) Abgebildet in der Flore des serres. 
19) Lilium superbum L. Liliaceae. — 



c) Abgebildet im Botanical Magazine. 


nien und Carolina und ist schon lange in 


15) Akebia quinata Dm. — Tab. 4864. 




Dieser niedlichen Schlingpflanze aus China 


schmalere Blatter, zahlreiche c Blumen unter- 


gedachten wir schon fruher. 


scheiden sie von Lilium Martagon. Wie bei 


16) Nicotiana fragrans Hook. Solana- 


diesem sind die Blatter gebffneter Blumen xu- 


eeae. — Einjahrige Pflanze die der N. undu- 


ruckgebogen, urn den Anheftungspunkt herum 


lata zunachst steht. Wird 3-4 Fuss hoch, 


gelb und braun gefleckt, nnd mit langen licht- 



wahnt. (PI. 1017.) 



21). 



Stypheli 

splendens in den Garten vork< 

pfriemliche, abstehende Blatter 

alten Holze hervortretende, sich 

de meningrothe Blume 

Belben. Steht den Epacris-Arten an Schon- 

heit sehr nach und hat nur Botanisches Inter- 

esse. (PI. 1018.) 

22) Billibergia viridiflora //. fTmdl 




III. IV o 

1) Ein n eues Grummi. In dengrossen 
Ebenen jenseits des Missisippi bedeckt der 
Mesquito-Baum (Algarobia glandulosa Torr) 
oft Tausende von Acren Landes. Derselbe 
schwitzt ein Harz aus, welches alle Eigen- 
scbaften des Gummi arabicum besitzen soil. 
Desselbe quillt unter der Rinde hervor und 
erhartet bald. Der Sonne ausgesetzt wird es 
spater ganz farblos. Werden in den Baum 
Einschnitte gemacht, so kann man aus einem 
Baume bis 6 Pfund gewinnen und ein geiib- 
ter Sammler mag taglich 10-20 Pfund die- 
ses Harzes gewinnen. Die Monate Juli, Au- 
gust und September sind zuin Einsammeln 
am gceignetsten. 

(Botanische Zeitung.) 



2) Veg, 



ivl Briissel bat einen Stoff ent- 
ile Eigenschaften der Thierwolle 
Zur Bereitung von Tuchern etc. 



izeo. 

durch Motlen 



(Oeffentlicbe 1 






Herr Lbomme-Lefort in Paris 
erfunden, welches auch kaltfliissig bleibt, und 
demnach bald nach dem Auftragen, selbst 
unter Wasser erhartet. Hi. Carriere hat die- 
ses Wachs in den Baumschulen des Pariser 
Museums als sehr zweckmiissig erprobt, nur 
scliade, dass die Zusammensetzung, wie es 
scheint, noch Geheimniss des Erfinders ist. 
Bevor nicht anch die Zusammensetzung dieses 
Baumwachses bekannt wird, bezweifeln wir, 



diess Pflanzen mit 



Gartenflora Deutschlands 



Varietaten von Maranta verdicnen es , unfer 


7.u dieser Jahreszeit schr wenig und mit dem 


die besten unserer buntblattcrigen Pflan/.en ge- 


Spritzen hOrt man ganz auf. Itn Friibjahr 


rechnet zu werden, da sie von leichteni Wachs- 


versetze man sie so bald als moglich und zwar 


thum und mit grossen , schon gezeichneten 


in mittelgrosse Topfe. Haben Schmutz oder 


Blattern versehen sind , welche nicht so zart 


Iusecien die Blatter angegriffen. so miissen sie 


und der Entstellung nicht so leicht untenvor- 


durch Schwamm gereinigt werden. Auf diesc 


fen sind als viele andere Blattpflanzen. Wei 


Weiso wird man in 1— 2Jahren schone grosse 


die Cultur der SJaranien erst anfangt und 


Exemplare crhalten , und wenn diess erreicbt 


sich nur auf wenigfl Varietaten beschranken 




kann, sollte sicb die roth und weissgeaderten 


vatorium bringen, wo sie den ganzen Sommer 




biudurch sicb wobl befinden. Docb miissen 




sie in eine Teraperatur von mindestens 11° R. 
gebracht wergen, sobald feuchtkaltes Uevbst- 


ste Varietal dicser. Art. Anfangs sollte man 


sie in eiu geschlossenes , jcdoch nicbt allzu- 


wetter eintritt. Grosse Exemplare sollten im 


warmea Warmhaus oder in einen Kasten brin- 


Fruhjahr so bald versetzt werden, als man Ge- 


geu and sie einige Tage trockcn halten , bis 


legenbeit hat, ihnen bo.iure B;.denwiirme zu- 



die sic durch den 
Transport erlitten habcn kunnten. geheilt sind. 
Dann untersuche man den Zustand dor Wur- 
zeln und versetze diePflanzen in mittelgrosse 
Topfe, wozu man fibro?eu Torf nebst oiner 
kleiuen Portion feincr Gartenerde nimrut. Diess 
alles miscbe man mit hinreicheud hartem Sand 
nebst einigen Brocken Ilolzkohle, urn dem 
Wa?ser durch die Masse freien Durcbzug zu 



Tr.pf.- 









Wasser. Stagnirende Feuchtigkeit an den 
Wurzeln ist dagegen sehr gefahrlich , da sie 
nicht nur die Zeichnung der Blatter vernich- 
tet, sondeni audi der Gesundheit der Pflanze 



legicsse sie sorgfaltig , bis sic in dem neuen 
Boden ftslen Halt gewonnen haben und uber- 
spritzesie anjedemschonen Abend leicht. Wenn 
man ihnen eine gute Bodenwiirme geben kann, 



langsam fortvegetiren i 



komuuen zu lassen, um die Wurzeln zu neuem 
Wacbsthum anzuregen. Bei geeigueier Be- 
handlung werden die Exemplare eine zieroli- 



V."e::!'_e Baumschulen sind i 
u it'ivoiicn. neuen, ausdauei 



ondcrn auch wei 



Der Wintergarten bestebt aus eiuer Re 
von concentrischcn kreisformigem Beeten, 
durch Kieswege von einander geschieden t 



It cine dunkclfarbige Stecb- 
iii Trauertaxus an jeder Seite 
ist mit Beeten goldgelbge- 



streifter Stechpalnien , zwergartiger Coniferen 
und aodrer Pflanzen umgeben, von denen 
viele nur provisorisch hineingesetzt wurden, 
um sich 7.u iiberzeugen , welche fur diese Art 
vou Gaitnerei am gceignetsten sind. Zu den 
:n /en dieser Art eehort Skiru- 



win-Berberitze stand den Winter fiber hier 
ebenfalls gut und bluhte im Friihjahr selir 
schon, so trie auch Erica carnea, Daphne De- 
lahayana, Rhododendron ciliatum und glau- 

die Bliithen der beiden Sikkini-Rhododendrou 

hart sind. EscaJIonia macrantha wurde eben- 
falls fur den Wintergaiten tauglich gebalten, 



den Eflekt macht, und A 
Fruhling sehr schon pu 
einformige Aussehen. we 



- . - . 
nt gepflanzt sind , wahreu 
lineui kurzgeschorenen Gra 



mit Zwerg- 



.eiihcih sind. 
und eine lange Reilie vou 



"en guten Eflekt 
landliche Treppen 



Rhododendron hervorragen. 

muss derenAnblickwiihrend derBluthe priich- 



:en , ausgenommen R. Edgeworthii. Ro- 

Tiipfen . jimge Pllanzon, in den Boden 
eiikt. !)t'set7.en beide Reihen des Haupt- 



schonen Rosenarten, wie General Jacquemin 
Gloire de Dijon gepflanzt. 
Hater den Coniferen i 



TiTtuercypre.'VMM] (Cupreous funebris), in Gar- 

wohnlichen Boden der Baumschule ^leichter 
sandiger Torf) wurden junge Pflanzen entwur- 
zelt und an manchen Stellen getodtet. Abies 
Webbeana leidet auch viel vom Friihfrost, 
ausgenommen in fester Gartenerde. Alle Co- 
niferen werden hier jedes 2. oder 3. Jahr ver- 
pfianzt, damit sie leicht herausgeuommen wer- 
den ki'innen. wenn sie abgegeben werden sol- 
len. Ala ein Beispiel der guten Wirkung die- 
ser Praxis kann angefuhrt werden, dass, wah- 
rend Cryptomeria, Thuja, Lebensbaume, wel- 
che so behandelt waren, dieses Fruhjabr ver- 



ii.:ht 



nach dem Verpflai 



Cedern dagegen s 
zen abstarben. — 

Ein Paconien-Garten ist das Nachste, was 
die Herren Standish und Noble zu bilden be- 
absicbtigen. Fur dicse wird der Boden 5' 
tief umgegraben, da die meisten derselben 
mit iiiren Wurzeln sehr tief gehen. 

In diesen vorbcreiteten Boden werden Herrn 
Fortune's Moutans gepflanzt, von welchen 
viele schone Pflanzen hier in Cultur sind und 



dem Norden China's, geeignet t 



Gartenflora 
Kalthaus; Embc 



n Strsiucli voi 
ti und eben s< 
i flachen Kopfei 



Femer erbalt man durch 
m zweiten den 



die Pflanzen 



durchaus unbeschadigt, 
hulich 



(Ganl. Chronicle). 



ingen, und wen 
da die rneiaten Erdbeeren t 



Zum Ansetzen wahle ich Au^Iuuler mil 
zen Wurzeln, da Pflanzen , welche den I 
mit ihren Wurzeln kaum berubrten, e 



Herz nicbt mit Erde bedeckt w 


erden; bei 


trockeneni Wetter muss begossen 


verden. 


Hauptsache ist es, so friih zu pfl 




die Slocke gut und tief bewurzelt 




Frost eintritt, widrigenfalls dersclb 


■;..:■ f;- 


ben desBoder,3 die Pflanzen lockert 


; ti tr d«. ill 


Thauwetter ein, so senkt sich der 




der und lasst die Pflauzen beinabe 


ohne Erde. 



das drittejabr; in Bezug auf Qualitut sind die 
jahrigen Pflanzungen die besten. 

dass unter 100 Pflanzen 2 keine Frucht tra- 
gen, und wo das stattfindct , wird die Frucht 
das nachste Jahr uni so schoner. Uni die juu- 



Erdbeerbeete sollten stets von Uukraut frei 
und die Pflanzen so rein als bei ihrern ersten 
Auspflanzen gehalten werden. Dor April ist 
die beste Zeit fur das Wegnehmen der alien 
Blatter und das Beinigen. Denn wird es fifty 
her vorgenornnien , so verletzt ein Frost , wie 
er oft iui Marz uoeh koirnnr, die zarien Blat- 
ter, welche durch die aheu gescuiitzt werden. 
S'ind die Beete gereinigt , so bringe man im 
Fruhjahretwas verotteten Dunger darauf. Auch 
ein schwacber flussiger Dunger hat sehr gute 
Wirkung; Guano diirfte dazu am geeignet- 

Erdbeerbeete diirfea nie gehackt odcr ge- 
karstet werden, denn dabei wird man eine 
grosse Zahl der fibroses Wurzeln todten, wel- 

so locker dadurcb, dass in der Reifezeit, zum 
Nachtheiie der Fruchte die heisse Sonne 
leichter zu den Wurzeln dringt, welche kfihl 
stehen wollen. Sobald diese anzusetzen bc- 






V- ; , 



gebalten werden , wenn nickt der Wohlge- 
schmack der Beeren darunter leiden soil. Is* 
e Frucht halb ausgewachsen, so streue man 
was kurzes Stroh in die Reihen zwischen 
e Pflanzen, auf welches man reinea Waizen- 
roh etwa 1" hoch auflegt. Dieses verhin- 
dert das Beschmutzen der Frucht durch Erde 
genwetter und halt den Boden kiibl. 
i gseignetste Entfernung zwischen den 



wegen auf und nahren sich von Schneck 
und Insekten, welche die schonsten Frucl 

(Gard. Chron.) 

beer- und Sta'chelb ee r- Wei n. — A 
unserfin Joliannis- und Siacheibeeren kai 
unter geeignctcr Behandlung ein jianzvorhe 



Tausep.dstel Same und soil mindc?tcns 9 P 
cent Alkohol onthalten. Wie bei der We 
bereitung, so eujpfielilt audi hier Dr. Gall 3 
VeibesserungZucker u 
bei liegt es auf der Ha 
den Gehalt des Getrank 






« = a 


Fiir Get 




Fur Get 




Fur (I,: 


;; , . ri 


Fur Getrank von 


fjf 


9% Alko 


hol-Gehal 


10% Alkohol-Gcbal 


11% Alko 




!2%A!koliol-Ge!ialt 


I'l = 


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8 35 








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III 


Hi 




Quart 


Pfund 


Quart 


Pfund 


Quart 


Pfund 


Quart ! Pfund 


i? 


9,1 


55.2 




61,3 


4 


|j] J 


1,3 73,6 


12 


30 9 


66 2 


is' 2 


736 


2-1.4 


817 


41:5 3i 


13 












87,5 


31,7 1 97,7 


14 


63^ 

74,4 


77,2 

ss!3 


49,2 
59.9 
70.5 


981 


55/. 


107 ,:! 


li 1; 






93,8 


81.1 


104.2 




114,7 




is 


96,2 




91.2 














104,'3 


102,4 


116.5 








20 


118' 


110,4 




122,7 


108* 


134,9 


1015 


• 



SJ— iOWocbtii ;ai 



Prackt, flberdeckt rait Massen vc 
jenen grossen buschigen Exeraph 
haft auteestellt. die England* 
lungen so vortrieilliaft 



'■ ■ 



Allgemeine Aufmerksamkeit erregtc das 
von Herrn Beer (Gartner Wolley) eingesen- 
dete Epidendrum rhizophorum rait brillirend 
scharlachrothen Blumeii , fcrner Cypripedium 
Lowii mit 3 Blumen von Herrn Rollison, Den- 
He rrn Veitcb. 

Rhododendron Edgeworthii mit 15 Blumen- 
kopfen von Herrn Standish und Noble, die 



Aralia papyrifera (Reispapierpflanze) von Herrn 
Veitcb, Embyothriuin coccineura undGenethyl- 
lis tulipifera vom glcicben Einseuder , and 



seben hat, bei der die Sumrae von 1000 Gui- 
neen zu Preiseu vertheilt ward. Nach Garde- 
ner's Chronicle verschwanden nur die ausge- 
stellten Pflanzen zu sehr gegeniiber den rie- 
■iigon Vei-li;'iltni?sen des ganzenBaues, obgleich 
die Zahl der eingesendeten Pflanzen so enorm 



IV. Literatur. 



zur Befordernng des Gartenbaues in den k 



Reihe. I. Jahrg. 
oben genannten 



tgekleidet, sondern bringeu i 



zen. Einige der veischie- 
sind jedoch auch in be- 
im Publikum erschienen 



tik ; wie 



'liitu-ilteiien Matheilungen. 
'iLm/cnkrankheiten, welche « 
geehrte Verfasser giebt zu 



sam, dass Pilzkrankheiten in der Neuzeit hau- 
figer und gefahrlicher als fruher zu sein schei- 
nen. Er beruhrt in dieser Beziehung die Kar- 
toffelkrankheit, die Weinkrankheit, eine im 
Jahre 1852 an den MaulbeerpflanziiDgen Ita- 



Stachel - und Johaunisbecr - Arten todilicne 
Krankheit, die durch einen am Stammgrunde 
vegetirenden Fadenpilz , N em atogonium 

Piemont beobachtet wurde ; eine Krankheit 
dcrKartoflcIn, Mohren und raancher Gewachs- 
hauspflanzen , und geht endlich zur speciellen 
Beschreibung folgender Krankheiten uber. 

a) Die gewohnliche Seheinakazie (Robima 
Pseudacacia) entblatteite sich im letzten Jahre. 
zum Theil schon 1 Monat nach Entwickelung 
des Triebes, in einigen Garten Berlin's. D> e 
Blatter zeigten rundliche oder Iangliche , an- 
fangs gelbliche, spater hellbraune, zuletztdno- 
kelbraune Flecken, von der Grosse eioer 
Linse bis zu der einer Bohne. Nicht all* 



cheD Lupe entdeckt man bald 
scheinen der Flecken auf der i 
auf den Flecken W.u/.riieii 



.-t beigegeber 



it -mi missi'arbige erhabene 
1 Linie Durchmesser be- 



rler auderen Kirsclieii abgedorrt. Cntcr der 
I.upe zeigten die Flecken ein sammtartiges 
bestaubtes Ansehen. Das Mikroscop liess ei- 
nen kleinen Schiinmelpilz init aufrechten Fa- 
den . von denen sich die elliptischen Sporen 
abschuuren , erkennen , ebenfalls cine noch 

c era si nannte. Derselbe jst gleichfalls ab- 
gebildet und lassi sich uiit dem Kartoffelpilz 

c) Die Haidekrauter werden bekanntlich 
im Sotnmer sehr hiiufig durch eiuen Schim- 
melpilzi, Clavicularia destruens 
I hi. befallen. Im Wasser dagegen zeigt sich 
often ein Braunen der Blatter, die Briiune. 
Diese Briiune wird durch einen ausserordent- 



Bliitter und Stengel 



organen , von di 
?el von 16—24 : 



Bcbwanter erhabener Punktchen auf den 
;eu , erkennen lasst. Derselbe 
gehort in die (iruppe der Schimmelpilre, stebt 
der Gattung Cbloridium nahe , lebt unter der 
Oberhaut, entwickelt da ein structurloses La- 
ger (Hypothallios), aus den nach obeii sich 
die Sporen (von kurzen Fiiden) abschniiren, 

aus einfacben Zellen bestehende briiunliche 
Faden stehen. Die Sporen haben den Durch- 
messer von ungefabr '/no Linie, und die gaoze 

der noch erhaltenen Oberhaut (cuticula) pc- 
deckt. Herr A. Braun und Dr. A. dc Bary 



»* Gartenflora Deutschlands 

So werden in der Neurit cine Mci.ge von 
Krankheiten auf 1 ia i ck ef it, wobei 
allerdings die jelit so varbreilete Amvendiing 






liieser Pflanze 
Ieidei\ aber bukomiut man es ; 
iicht. Gemeiniglidi sind deiusi 



i Fieien angewendei 



- undMiape 
>*©f. Dr. Ka 

iicho Abhaudlui. 



nuss (Trapa natans) rah verwandte P, 
die hi gauz Indien und China in T< 
Grabeu u. s. f. wild wachst Oder kui 

den ein wichtigcs Nahrungsmiitel fu 
nordliciieivn Lande.-iheile. Leber das Vo 
men dieser Pflanze sagt der Verfasser 
andcrem das Folgende: „Ich vergesse 
jene Fain ten auf dem ausgedehnten Sei 
o N e 1 u m b i u in, N y m p h 



• 



Baume, als Miitel dicselben bald 

t erf eld. Das Aderlassen derObstbaumc be- 
stehl iin Aufschlilzcn der Rinde parallel den 
Langsfasern des Stammes, langs des ganzen 
Stammcs herab. Man niimnt dicse Operation 
im Friihling oder Anrang Sommcrs vor. Man 
durehschneidet dabei die Rinde bis auf da» 
junge Holz mil einem scharfen Messer, hu- 
tet sich aber, das Holz zu verlelzcn , und leg* 
dabei mchrcre Sehniltc rings urn den Stamm 
herab. Dureh dieses Miitel soil das Wacbs- 
Ihum des Holzes beforderl werden, indem die 
obercn todten Rindenschichten sich mil dem 



- nidi! fii.isd''lni-'n i 



rinle geschrieben. Nebonu 

wustlicher Dauer, wird noch besonders d 

Umstandcs gedachl, dass durch Abgang v< 

en unbrauchbar gewordene Etiquette 

auf dem Schleifstein einfach abgcschliffcn un 

von Neuem benul/.t werden konnon. 



:r nacb bereits Fruch 
Ueberfluss oder Mf 
h nicht bringen, binnen 2 



vurdrll'liclioMi! 
agen sollten , we 



Vi Zoll de L I j,o 



Die Opera 



«. In der Zeit von Mitlc Juni bis Mitte 
Juli macht man am besten keine Operationen, 
um Schadigung durch Inseeten zu venneiden, 
welche zu dieser Zeit Hire Eior gem in den 
fnschen Wunden ablegen. 

e- DerSchnitt muss dieRinde vollkc 



Pitelbach, Gartner im Bolanischcn 
A Berlin. — Die Cultur der Oroban- 
mg wean die Saamen dor einjShrigen 

tweder gleichzeitig init ihren N. : ilir- 
Dder kura nach ihucn 1 Zoll (?) tief 
Erde cingebracht wurden. So Oro- 
amosa mit Hanfsaamen, 0. Picridis 
mit Pieiis etc. 

euu man krafligc Wurzeln ihrer Nahrpflan- 
;n entblosst und im Herbste unmillolbar nach 

der Saanii'iireife den Saamen der bclrcfTenden 
reuet. Die Saamen der 0. Picridis 

entwiekelien sicfe auch oline Nahrpflanzc, slar- 

Lathraea squamaria und L. clandestina 2 Jahrc 
)hne dass sie auf einer Nahrpflanzc aufsassen. 

verden, die vielen zweifelliaften Arten der 
)robanchcn durch die Cultur zu prufen, um 
u erfahren ob es vi<dl< klit v% ahi^cIjcMilich mir 
Formen der gleichen Art sind, die nur mit 
verschiedenen Nahrpflanzen gewachsen sind. 
Das Unlerbnngen des sehr feinen Saamens auf 
1 Tiefe, scheint uns auf einem I)nickf«:]i- 
beruhen und soil wohl nur auf 1 Linie 



Bereits tragbare Baume werden 
Operation noch frnchtbarer. 

• Steinobst verlragt diese Operatioi 



Gartenflora Deutscblands und der Schw 



Abgehauene Coniferenstai 
wie die Stamme dcr Monocotylcdonen nk 
mals. Dagegen kommt bei ihnen eine ander 
merkwQrdige Bildung vor, cine Bildung we 
che schon Theophrast bekannt war, narnlic 
die Bildung jener eigenthiimlichen rundlic 
kopflormigen Knollen, von wellenformig (ma 
serartig) verlaufenden iibeveinander liegende 



i Art, wie diess f 






i . -:\ zwi>clien 
uiit noch lebenden Baumen 



niihrt. Obne dass sich Zweig oder Blattknos- 
pen an demselben cntwickcln, bilden sich um 
denselben neue concentriscbc Holzlagen, die 
sich wellenformig iibereinander legen, bis sie 
die Hohe des abgebauenen Stumpfes errei- 
chen. Auf diesem vereinigen sie sich dann 
und bilden allmahlich jene rundliche kopffor- 
inige Maserknolle. Die Bildung eines solehen 
Knollens kann einen Zeitraum von 80—100 
Jabren umfassen und doch kommt es nur sehr 
selten vor , dass sich an einem solehen eine 
Adventivknospe entwickelt, welche jedoch auf 
die Holzbildung keinen Einfluss zeigt. Es 
kommt sowohl diese Verwachsung als auch 
KnoUenbildung sehr wahrscheinlich vielfach 
vor, nur fehlen dariiber die Beobachtungen 



obachtung ist die , dass auf dem Gipfcl des 
jetzt entwaldeten Schneeberges im Riesenge- 
birge in einer Hohe von 4400' noch einzelne 
Fichtcn (Pinus Abies) auf moorigem Grunde 
stehen. Die untersten Aeste derselben legen 



emporsteigen und ein gipfelig< 
zeigen und so den Mutterstamm , wie ebenso- 
viel junge Samenpflanzen. ringsum umgeben. 
Dieses Gipfelwachsthum , muss durch Bildung 
von Adventivknospen erklart werden, denn Ast- 
stecklinge der Coniferen, die bekanntlich nur 
als secundare Achse (Ast) fortwachsen sollen, 
in scltenen Fallen , wenn deren Spitzenwachs- 
thum wiedcrholt durch Stutzen beeintrachtigt 

Hauptachse darstellen. Es ist diese Beobach- 
tung zugleich ein Fingerzeig fur die practische 
Fortpflanzung der Nadelh5lzer durch Ableger 
vonAesten, obgleich wir mcht verhehlen wol- 
len , dass bei einem kraftig wachsenden Tan- 
nenbaum im Garten sich die Bewurzelung der ' 
abgeleglen Aeste und deren Entwickclung 
zu Gipfelpflanzen wahrscheinlich nicht so 
lcicht bewerkstelligen lasst , als unlet den an- 
gegebenen Verhaltnissen , welche das Gipfel- 



ochstrcbenden Baum nothigen , die 



Dagegen gelingt es bei alien halbhohen 
Nadelholzern, deren Nebenachsen ein ahnliches 
Wachsthum wie die Hauptachsen zeigen, ge- 
meiniglich sehr leicht , dieselben durch Astab- 
leger im Garten zu vermehren, so bei den 
Thuja- und Juniperus-Arten etc. 

Bei umgeworfenen oder schief gedriickten 
Stammen sollen sich endlich nach dem glei- 
chen Beobacbler einzelne Aeste der Astquirle 
zu Hauptachsen umbilden und mit dem ur- 
spriinglichen Gipfeltrieb an Starke wetteifem. An 
einem ganz umgeworfenen Stamme der Pinus 
Picea sah Goppert an jedem der Astquirle ei- 
nen zur Hauptachse entwickelt und nach un- 
ten von den in die Erde gelangten Aesten 
und aus dem Stamme selbst Wurzeln aus- 
treiben*). Endlich erwahnt derselbe noch der 



*) Auch bier giaubt dcr geehrte Verfasser 
dass diese Eigenthumlichkeit zur Vermehroni 
seltner Coniferen in den Garten benutzt wet 



Stamme eines Nadelholzcs eigenthiimlicheVer 



livknospen bilden, die zuin Gipfeltri 



oder Veredlung 
and den Gipfel 



bcstaligt worden. Eine von mir gemachte 
Beobachlung scheint jene Behauptung zu er- 
klaren. Ein kraftiges schones Exemplar einer 
Araucaria excelsa irn hiesigen Garten gerieth 
wahrscheinlich wegen Mangel an Nahrung in 
eine Stockung des Wachsthums , so dass der 
Gipfeltrieb nnd alle Astspilzen verdavben. Die 
Pflanze ward verseizt , ihr gleichzcitig der 
Gipfel ausgeschnitten , urn, weil doch eine 

ziehung Beobachtungcn zu machcn. Es bildete 
sich nun im ersteu Jahre kein neuer Gipfel- 
trieb, wohl aber traten an den Astspilzen zwi- 
schen den zweizeilig gestellten Aestchen und 
selbst auf der obcrcn Seitc der Aesle zahl- 
r ^iche Adventivknospen hervor, welche An- 

s 'ch zu Gipfellrieben entwickeln wollten. Jetzl 
nach 3 Jahren weiteren Wachsthums siud sie 
zweizeilig verastelten Neben- 
gewordi 



Hr lU ;.i-, 



» des 

obersten Astquirls ein neuer Spitzentrieb. We- 
gen starken Harzflusses blieb dieser jedoch 
wieder sitzen. Endlieh in dieseni Fruhjahr 
ersehienen rings urn die Spilze 6 neue, durch- 
«■ gesunde Adventivknospen, aus denen sich 
Gipfcllriebe mit rcgelmassig quirligcn Aesten 
entwickeln. Auch unterhalb an andern Ast- 
quirlen des gleichen Slammes treten gegen- 
Wa rtig iihnlicbe Gipfcllriebe seitlich hervor. 



abgeslutzt erscheinen , nach oben sich 
verjiingen. ("Fiei nach der Bonplandia). 



aplar die Spitze auszu- 
:n, und so wird dieses aus d.-ui Staiit- 



besitzt, bildete nach erfolgtemSlutzen der Spilze, 
ebcnfalls eine Menge unregelmassig anftre- 
tender Adventivknospen . wclehe siimmtlich 
eine gipfelartigeEntwickelungzeigten und auch 
jctzt an dieseni sonderbaren Exemplars noch 
zeigcn. Die Stellung der Aeste an dicsen nur 
gipi( lalnilieii waehsenden 
isi aber bei k 



Richtungen abgehend, eine Eigcnlhumliehkeii, 
welche den Verastelungen der secundaren 
Achsen der A. Cunninghami uberhaupt nicht 

Schluss Veranlassung gab, dass sich aus Aesten 
wirkliche Gipfcllriebe entwickelt halten. Ich 
wenigstens sah lelztere bis jetzl nur aus dem 
Stamme selbst entspringen , wenn dieser zufal- 
lig oder kunsllich seines Gipfeliriebes beraubt 



anwendbar. Bei den 



aber durch Umbildung einer secundaren Achse 
entstanden sein. Doch wollen wir damit nur 
eine Vermuthung aussprecbcn, aber durchaus 
nichts behaupten. 

Verdichtungen am Stamme oder an Aesten. 
lie Prof. Gopperterwai.nt, sah ichinFok-- 
einem unterdrucktcm Jahrcstricb mehr- 
an der Slelle entsteheu , wo dann die 
Gipfelknospe des Astes oder des Gipfels 

rE. R.) 



I Garten flora 

>rten. naeh den Reifzeiten alphabetisch ge- 
dnel, mit moglichst vollstiindiger Angabe ih- 
r cHi'sclwn uml ausbmflisehen, wissensehaft- 
hen und Volksnamcn , mil Hauptregister 
m Freiherrn Ferd. v. Biedenfeld. i Band 
irnen, Jena bei Frommann. i6Bogen gr.8. 



Abrede gestellt. allein es war doch besser, es 
gescbah etwas und wurde ein Anfang gemacht, 
als csgeschah nichls. Mctzger'sBestreben ging 

" ■ '■ 

kleinere Gruppen zu bringen, und daher kam 
ss z. B. unter grosser grauer Reinette 
! 



Nicht leicbt konnen 
lentlicb alio 



Pomologen und 
le Schrift freudi- 



ger bcgrussen, als diese, i.ine in dec Tbat Sus- 
sersl dankenswerlhe . miihevoll und zeitrau- 
bende Arbeit des fleissigen Herrn Verfassers. 
Das Chaos von neuen Obstsorlen ist nach und 
nach gar nicht mehr zu bewaltigon und ich 
war schon daran, mir selbst ein ahnlichesVer- 
zeichniss anzulegen , allein es blieb bei dem 
Anfang , denn icb sab nur zu bald ein , dass 



H.:lir. 



i-chc 






v. Biedenfeld zunachst die Birnen bearbeilete 
und nicht die fur uns eigentlich werthvollere 
Aepfelgattung , wunderte mich anfangs; allein 
es ist bei diesen ein solcher Wegweiser am 
schatzbarsten, da es fur die Birnen, vorziig- 
lich fur die neuern belgischen Sorten noch 
gar zu schr an gated' Beschreibungen fehlt 
und ias etwas kostbare , abcr in der That 
ausgezeichnete Werk „ Album de Pomo- 
logie von Bivort" nur wenig in Deutschland 
gekannt und verbreitet isl. Bei den Birnen 
war demnach ein solcher Wegweiser, wie die 
vorliegende Schrift, am ncilhigsten und wird 



\.:pl 1 



- 



bald nachfolgen. 
Was v. Biedenfeld in der Einleitung iiber die 
Synonymcn sagt, ist wohl zu beherzigen und 
giebt uns ein deutliches Bild der hcillosenNa- 
menverwirrung. Doch muss ich dem geehrlen 
Herrn Verfasser hier einiges entgegnen. Ich 

verschiedensten Namen vorkommenden Obst- 

sorten unter dcs unvergesslichen wackern 

Metzgcr Leitung bei 

deulscheu Obst- und Weinpi 

nen und zusammenzustellen. Diess geschah 

stets Ende September oder Anfang 

wo nur die wenigsten Fruchtsorten il 

Reife erlangt batten; dass hier manct 

.. . 



selbst ganzu 



Her; 



htet, worin or offenbar Unrccht that. 

dieser Vorwurf lastet zunachst auf un- 

guten Metzger selbst, der solche Errores 

ausschaltete, sondern sie bei den andern 

Synonymen stehen liess. Dass z. B. bei der 

Birn Bery de la Motte die Beziehungen Cra- 

sanne , Virgouleuse, Poire Melon keine Syno- 

nyma, sondern „falsche Namen und Irrthumer" 

sind, siehtjedermannleicht ein. Bavay scheidet 

in seiner Auffuhrung der Synonymen in seinem 

Traitc de la taille des arbres diese falschen 

Namen, die einzeln veukommen wohl aus und 

setzt „par erreur" dazu, was allerdings Metz- 

Bei der Beurre N ap oleon sagt Bieden- 
feld in einer Anmcrkung, dass die Namen 
Grosse grune Mailaenderin u. Konig 
von Rom durch eine irrige Zusendung von 
Reisern enlstanden seien. Dem ist nicht so; 
unter ersterem Namen hat Diel die Napoleon 
hielt 






irrigerweise auch beschrieben und 
aus 2 Baumschulen, namenthch 
iibereinstimmend diese Sorte unter obigem Na- 
men, sah auch die Frucht bei Metzger selbst 
im Jahr 1849, die unverkennbar die Napeo- 
leon war. und von Lammerhirt erhielten wir 
1844 als K6nig k von Rom ebenfalls die Napo- 
leon's Butterbirn. Der Raum dieser Blatter er- 
laubt ubrigens nicht, zu sehr in Einzelnheilen 
einzugehen, weshalb ich mich kurzer fasscn 
muss, als ich, dem Werlh desBuchs zufolge, 
mochle. Das Vorwort und die Einleitung ent- 



halt cine Menge schr zu beherzigendei 
schliigc und es scheint , dass die Wiinse 
Herrn Verfassers vom Verein zur Bcforderung 
des Gartenbaucs in den K. preuss. Slaaten ge- 

alle deufschen Pomologen zu Angaben uber 
die beslen Obslsoiten Hirer Gegend und uber 
din nachweisbaren Synonyma, aufgefordert 
worden sind. Das alpbabelische Hauptregister 
isl eine gule Hiilfe, alietn warum fehlen die 
Seitenzahlen? Diese batten das Aufsuchen je- 

scn dadurch entbehrlich, dass die innerbalb 
• Reifperiode (nach welchen die Sorten ge- 

ichen Sorten alphabctisrb 



annte Soite aufzusu- 






geeignete auszuwahlen i 



sind uber 1700 Bir 



audi 3 verschiedenen Namen dabei . allein 
hieruber mag niemand slaunen, denn es ist 
erst ein in neuerer Zeit durch Oberdieck's 
herrliche Forschungcn angebahnte* Stadium 
geworden, die gleichen aber verschieden bc- 
nanntcn Sorten zusanimcnzuwerfcn. 

Tn cinem Nacblrag spricht sich Hr. v. Bie- 
denfeld uber Landesbaums chulen aus. 
dcrcn Aufgaben schr treffend geschildert wer- 
den und rath den Pomologen, sich uber ein 
System zu einigen. Er empiiehlt hiezu 
das von inir aufgcstcllte abgeandertc Diel'sche, 
was den Lcsern d. BI. wohl vom vorigen 
Jahrgang erinnerlich scin wird und nachdem 
sich unsre wiirdigen Nestoren der deutschen 
Pomologie Superintendent Oberdieck und Ge- 
hcimralh von Flotow ofTentlich auch zu dessen 
Gunstcn ausgesprochen , so mochtc ich selbst 
den Wunsch hegen, dass durch Befolgung des 
Vorschlags des Herrn Verfassers ein Weg zur 
Einheit in unsern pomologischen Bestrebun- 
gen auch in dieser Richtung angebahnt wurde. 
Eincr besonderen Empfchlung der in Rede 
slehenden Schrifl bedarf es nicht weiter. Sie 
ist eine durchaus gelungenc und durchaus 
nothwendige Arbeit. Mogen die folgenden 
Biinde bald nachkommen. 




Calamus cimmalis W.j Palmae. Alte 
Exemplarc dicser schonen Palme bilden 



vorliegenden Dop- 



™ora ' eine neue reiche Zukunft < 
Stellung binein gelebt hat. 

Dr. H. Locher. 



vom Grande desStammes an, cine Menge 
Hirer schlanken rohrartigen diinnen Stiini- 
me, besetzt mit dem zierlichen gefieder- 
tcn Laube, aus detten Achseln die lan- 
gen grazilen Bltithenrispen bervorireten. 
Eine durchaus ausgezeichnete Palme, die 
bald und dankbar bluhct und als cine 
der ebenso schonen als eigcnthiimlichen 
Decorationspflanzen des Warmhauses 
Empfehlung verdient. 

Mtttvauiscua mollis D, C ; Malvaceae. 
Der niedrige strauchige Wuclis und die 
weich behaarten Blatter, unterscheiden 
diese Art leicht von der als Acbania 
Malvaviscus in den Garten seit alter 
5eit verbreiteten Pflanzen. Wahrend 



GO 



Garten flora 



aber die letzte hoch empor wiichst . be- 
vor die ihrc Blumen entwickelt, bliihet 
die vorliegende Art als niedriger 3 — 4 
Fuss hoher dicker Busch dankbar. 
Die schbnen rothen Blumen gleiehen 
denen der Achania Malvaviscus and 
ersebeinen dankbar im Herbste. Ge- 
hort zu den Ieicht zu eultivirenden Pflan- 
zen des temperirten Warmhauscs und 
gedeibet in jeder kraftigen lockein Er- 
de. - Gebt audi als Aeh. Hunne- 






Md;« 



Art als Osbcekia canescens verbreitet 
und auch von Grabam unter diesem Na- 
nien abgebildet worden. Nach den von 
Naudin angenommenen Gattungseharac- 
teren der Melastomaeeen. gehorl sic jo- 
doch zur Gattung Lasiandra. Ebenfalls 
fine der empfehlenswerthesten Arten 
dieser Gattung. Das Laub i-t schon 
graulich - weiss behaart und die in 
spirzcnstandigen Rispen erscheinenden 



! 



£jr--H- 



Um schbne buschige , im Herbste voll- 
bliihende Exemplare zu erziehen. muss 
man die Spitzen haufig auskneipen und 
der Pflanze einen Standort dicht unterm 
Glase anweisen. Eine Mischung ausRa- 
senerdc , Moorerde und Sand , und im 
Winter ein trockner lichter Standort im 
Warmhause sind die Culturbedingun- 
gen. 

GreviUea punicea R. Br.: Protea- 
ceae. — Eine der schonsten|Grevilleen 
Neuhollands. bildet einen dicbten nur 
fusshohen Busch, mit silberhaarigem fast 
2 Zoll langen schmalen Blattern und 
scharlacbrothen Blumen , die in spitzen- 
standigen kopftormigen Trauben stehen. 
Cultur im niedrigen Kalthause gleich 
der der feinerm Neuhollander. Sebr 
schbn. — 

Ericen. Eine reiche Auswahl gros- 



- 



id i : 



{,/( _ \ ,„! i.u-i.m ;tl- I.. twsurgens 
ybrida gesendet Von E. cocdnea un- 
i-rseheidet sie rich durch klebrige. nur 
m Etaade driisige Kelch-Blatter, die von 

inge Spitz, vor^zogen sind. Scheint 
in Bastard zwischm E. c\?urgens und 



l-mg.- 



uerm 



ntibus; 



pt'dicdl>» ifniiini<|iic \ 
supremo cnneato-oblongo, apiculato, la- 
teralibus paallo latioribus : petaHi Mtim 
mi - spathulatis , labello ungue adnato, 
tmperne late-obcordato, quadrilobo, lobis 
lateralibus semicordato-angukith . lobis 
anticis divaricatis oblongis. apiculo inter- 
jecto; callis duobus basilaribus costisque 
3 crassis elongatis axin labelli occupan- 
tibus ; columna semitereti adnata. — 

Eine mit Epidendrum paniculatum 
und fastigiatum verwandte Art , die von 
Lansberg in Mittelamerika gesammelt 
und dem biesigen Garten eingesendet 
ward. Die einfachen Stengel werden 
bis 6 Fuss hoch und erreichen einen 
Dnrchmesser von ' 3 Zoll. Blatter bis 3 / 4 
Zoll lang und bis 1 J 3 Zoll breit, oben 
am Stengel gegen den spitzenstandigcn 
Bliithenstand bin, sind siejedoch nur Va 
Zoll breit. Blumen in einfach verastel- 



die 






einfache Rispe die Form der 

die Form der obern Lappon c 

und dio Blattform 

und fastigiatimi ver. 

den Schnitt der Lippe und Bluthenfarbe 

Cultur gleicli der der andern epiphy- 
tisch wachsenden Epidendren. 

Hypericum itralum HaiwHon.: Var. 
elongatum Rgl. Fine Form dieser aus 
Hochasien stammenden, einen kleinen 
Straueh fiirs Kalthaus bildenden Pflan- 
ze niit schooen gelben Blumen. Sie un- 
terscheidet sich von der Stammart diirch 
laxern langern Wuehs und nur hall) so 



aimna 5, longitudine eorollae perigyna, 
talisque toro calycis tubo eoncreto in- 
rta. Gormen ovatum, superum. Sty- 
; brevissimus, stigmaie oblique trunca- 

sublobato terminatus. 

Diese scbone Decorationspflanze fiirs 



?.•!., 



und kopffbrmigen 
selstandigen Trau 
Schiin. Kalthaus. 

■«». — V. foliia 



ovato-lanoeolatis at 
glaber, rami- torefibu^ 
dia sparsa, petiola 



subangulad.s. 
coriacea, integ 
versus angustata, apice acuminata, mar- 
gme revoluta , utrinque venosa , supra 
obscure viridia, snbtus pallidiora. Pani- 
culae terminales, aggregatae, parvae, pe- 
dunculo pedicellis calycibusque canes- 
centi _ pilosis. Fforea sessilles, parvi, 
aIbidi - Calyx iJiferus , parvus, tubuloso- 
campanuJatus, 5-lobus, lobis ovatis. Co- 
albida, 5-peta!a, petalis patentibus, 
calycis lobis alternantibus. 



lanceolatis 



seiner Zeit aus Brasilien von Riedel dem 
hiesigen Garten eingesendet. Fischer 
legte ihr den obigen Namen bei und 
vertheilte sie unter demselben an ver- 
schiedene Garten. Eine Besohreibung 
derselben konnte ich nirgends auffinden. 
Da ich nnr wenige Blumen der gerade 
imAbbluhen begrifi'enen machtigen Exem- 
plaro dea hiesigen Gartens untersuchen 
konnte, kann ich jetzt noeh nicht unter- 
scheiden, ob diese Pflanze nicht viel- 
leicht der Typus einer neuen Gattung 
ist. Die. schiefe ausgebreitete Narbc, in 
welche die Spitze des Fruchtknotens fast 
iibergebt, hat sie mit Viliaresia gemein, 
dagegen beschreiben Ruiz und Pavon 
den Koleh als Sblatterig und Jussieu als 
5theilig und bilden denselben auch so ab. 
Der Kelch unserer Pilanze ist jedoch 
kaum Slappig, sondern mehr Szahnig. 

Die Pflanze wird im Warmhause ins 
freie Land gepfianzt zum hohen Baum, 
im Topf gehalten bildet sie schbne De- 
coration spflanzen mit immergrunem gros- 
sem Laube, deren oval - lanzettlichc zu- 
gespitzte Blatter tmgefahr 3 / 4 Fuss lang 
werden und ein dunkles Griin besitzen. 
Die Blumen sind unbedeutend, die Frucht 
sah ich nicht. Eignet sich wie Ficus ela- 
tica zur Verzierung der Zimmer und 
erdient hierzu allgemeinste Verbreitung. 
■ultur in einer nahrhaften leichten Ra- 

.'.■-.- 
Ineae. — Geht in den Garten gemei- 
niglich als Tradescantia gonatandra und 
glabrata Hunth zunachst ver- 
wandt. Am Rande kurzhaarige und rbth- 



Gartenflora Deutschlands und i 



- 



lich gesaumte Blatter, kurz bekaarte 
Blattscheiden , die am Rande wie die 
Rander des kurzen Blattstiels in lange 
weiche Haare ausgehen , unterscheiden 
sic von letzterer. Eine Pilanze mit bis 
4 Fuss hohen aufrecliten, einfachen oder 



ben kahl ist. Blatter lanzettlich, zuge- 
spitzt, */* — % Fuss lang, oben glan- 
zend olivengriin. Bliithenaste brechen 
aus dem Grunde der Blattscbeiden un- 
mittelbar aus demKnoten hervor, tragen 
in ibrer Mitte eine blattlose Scbeide, 
und auf der Spitze zwei gegenstandige 
kleine oyale zugespitze Blatter, weiche 
den spitzenstandigen doldenartigen Blii- 
thenstand stutzen, Bliithenstiel und Kelch 
roth. Blumen braun weiss. Eigenthiim- 
lich ist der Gattung 
Campelia die Form der 
Antheren, deren Con- 
nectiv deltaformig sicli 
ausbreitet und an den 
beiden untern Kappen 
die Antheren tragt, wie dies beistehende 
Figur zeigt. 

Die Pflanze ist iiber ganz Siidamerika 
verbreitet. Riedel sandte sie aus Bra- 
silien dem hiesigen Garten und Fi- 
scher nannte sie Campelia Ricdeliana, 
beschrieb sie aber wohl nirgends un- 
ter diesem Namen. Cultur im temperirten 
Warmhause. Bluhet den Herbst bis zum 
Winter dankbar und durch das gliinzen- 
de rothlich gesaumte Laub, die zierli- 
chen weissen Blumen eine angenehme Er- 
scheinung. 

Dorstenia ccratosanthes Lodd, acau- 
lis, foliis oblongo-cordatis, subserratis, 
retieulato-venosis , scabridis; receptaculo 
bipartito, laciniis lineari-acuminatis, mar- 
gine laciniatis. Lodd. Bot. Cab. t. 1216. 
Var. Riedeliana Rgl- caulescens, 
caule crasso ramoso, squameis suceulen- 
tis munito; foliis e basi cordato v. sub- 



hastato oblongis aeuminatis, -- v. apice 
bipartite, — v. latioribus H sinuato- 
pinnatifidis , margine subintegerrimis, 
repandis v. oaepissime sinnato-denticula- 



Eine ausgezeichm 
Warmhauspflanzo , die zugleich wegen 
ihrer schonen Blatter als hubsehe De- 
corationspflanze des Warmhauses dienen 
kann. Der hiesige Garten besitzt davon 
grosse Exemplare, die von Riedel als 
Dorstenia spec, nova aus Brasilien ein- 
gesendet sind. Diese Pflanzen liaben 3 / 4 ' 
hohe dicke Stengel gebildet, die dicht 
mit fleischigen, breiten, meist zugespitz- 
ten, oft geziihnelten griinen Schuppen 
besetzt sind und sich veriisteln. Einzelne 
Blatter am Grunde dieser Stengel ent- 
sprechen genau der Abbildung von Lod- 
diges und im Bot. Magazine tab. 2700. 
Weit aus die grosste Zahl der Blatter 
ist jedoch breiter und zweispitzig, oder 
am hiiufigsten tief buchtig iiederschnit- 
tig. Die Fruchtboden sind wie bei der 
Stammart in 2 lineare Lappen gabelfor- 
mig getheilt. Diese Lappen sind dtinn 
zugespitzt, mit der Spitze nach aussen 
gekehrt und besonders nach aussen und 
gegen die Spitze hin, mit vielen linea- 
ren Lappen wimperartig besetzt. Auf der 
obern Seite des Fruchtbodens stehen die 
kleiaen Blumen, almiich wie bei den 
Feigen im Innern des geschlossenen 
Fruchtbodens. — 

Die Dorstenien sollten wegen ihrer 
eigenthumlichen Biuthenbildung in alien 
Pflanzensammlungen reprasentirt sein, 
die vorliegende Art ist wegen des ga- 
belfurmig .geweihartig getheilten Frucht- 
bodens doppelt intercssant, ebenso we- 
gen der eigenthiimlieh vielgestaltigen, 
mehr als 3 / 4 Fuss langen Blatter. Sie 
ist sichcr nur eine Abart , viclieicht so- 
gar war das eigenthumliche Wachsthum 
bei der Beschreibung dieser Pflanzen 



nodi nicht bckannt, und dann ware un- 
sere Pflanze nur die vollstiindig ent- 
wickelte Form. — 

Ausserdem bliiheten unter der gros- 
sen Mcnge anderer Pflanzcn Crinum eru- 
beseens und amabile in Prachtexempla- 
ren, Catasetum luridum, Miltonia Candi- 



da , Cypripedium purpuratum , Lycaste 
Skinned, Odontoglossum grande, Tricho- 
pylia tortilis, Sarcantbus rostratus und 
teretifolius, Zygopctalon-, Stanhopea-Ar- 
ten, und \iele andereOrchideen, Olea un- 
dulata und capensis, u. m. a. (E. R. 



Berieht iiber die am ««. «3. 34 



Wenngleich der erste Gedanke, die- 
ses Jahr eine Feld- und Gartcnfriichte- 
ausstdlung zu veranstalten, erst in einer 
unserer Sitzungen , Ani'angs September, 
zur Sprache kam, so hatte doch die 
Vnv.irkliciiung dieser Idee in den Ta- 
gen des 22sten bis 25sten Septembers 
einer allgemeineren Theilnahme sich zu 
erfreuen, als man dies bei so kurzer 
Zeit erwaiton durfte. Hatte man auch 
gewiinscht, dass eine grbssere Anzahl 
derbies. Cultivateure ihrc Producte dem 
Kreise der iibrigen angeschlossen , so 
war doch gerade kein fuhlbarer Ausfall 
zu bekJagen, indem wenn aucb in quan- 
titative Hirisidit cinigos zu wunschen 
fibrig blieb, dieser Bcheinbare Mangel 
reichlich durch eine unseren loealen 
Land- und Gartenwirthschaftlichcn Ver- 
baltnissen mebr als entsprethefule Man- 
niehfaltigkeit ersetzt wurde. 

Wie sebr dieser Vorzug unserer 
diesmaligen Ausstellung von Seiten des 
Publikums verstanden und gewiirdigt 
wurde, bezeugt der trotz des Entrees 
von 12 Kr. , dass man zur Deckung der 
Unkosten zu erheben genothigt war, sehr 
zahlreiche Besuch. Vor alien Fcld- 
lruchten waren es die KartofTeln, doron 
tultur man, als eines der unentbehrlich- 
sten Nahrungsmittel, besondere Aufmerk- 
samivi'it t«-cl.i-i,kt hsitr, urn durch Ver- 
sucbe aller Art ein CulturveiTahren zu 
wmittcln, welches dieser Knolle am be- 
aten gegen die verheerende Krankheit 
schiitzen diirfte und aus der grossen 
Anzahl der cultivirten Sorten cine Aus- 
phl derjenigen zu treffen, dcren gute 
fcigenschai'ten und geringere Disposition 
zu ^ Epidemie sie vorzugsweise zum 
grosseren Anbau geeignet machen durfte. 
Aus diesen Griinden wurden im Ver- 



suchsgarten des Instituts circa 30 ver- 
schiedene Sorten angebaut und bier auf- 
gestellt. Diesen reihete sich eine mit 
vielem Fleisse geordnete 56 Sorten zah- 
lende Sammlimg ucs Herrn Actuar Beil 
an. Auch Heir Franz Joseph Rinz 
hatte bei 20 verschiedene Sorten aufge- 
stellt. Eine spater abgehaltene Probe 
hat iiber die Verdienste der verschiede- 
nen Sorten entschieden. Unsere hier 
schon liinger bekanntc Fruhsorte mit 
blauen Augen und die von Erfurt 
unter dem Nainen F ar i n o s a erhaltene 
Sorte wurden allgemein als die zwei 
mehlrcichsten und schri 



Yv'eisse Hiibcn. Karutien, Miibrriibeii, 
Runkelriiben, Zuckerrunkelriiben wurden 
in den vorschiedensten Sorten theils 
durch Herrn Weinrich, eines iur den 
Fortsclnitt des i'elubauos, fcegensreich 
wirkenden Oeconomen hies. Gemarkung 
theils durch den Stadtgartner Herrn S. 
Rinz und dem Versuchsgarten des In- 
stituts, dem Publikum zur Ansicht vor- 
gelegt. 

An Getreidefriichten zog, ausser ei- 
nigen Garben sehr sckonen Roggens, 
Waizens, lfafers und G erste, welche Herr 
Weinrich zur Decoration des Locales 
hergegeben, der ungarische Waizcn des 
Herrn Scheuermann , durch sein fremd- 
artiges Anschen und der Mumienwaizen 
des Herrn Actuar Beil, dutch die aus- 
serordentliche 'Dieke und Fiille seiner 
Aehren , die allgemeine Aufmcrksamkeit 

Nicht minder merkwiirdig waren die 
von Herrn Stein zur Ansicbt vorgelegten 
Erbsen, welche ebenfalls aus bei iigyp- 
tischen Mumien vorgefundenen Samen 
erzogen. sich durch vorziigliche Trag- 



64 Gartenflora 

barkcit und Giite au3zeichnen sollen. 
Herr Weinrich, seit einigen Jahren mit 
besonderem Fleisse urn die Cultur des 
Maises bemiiht, hatte 6 Sorten in voll- 
stiindigen Pflanzeu aufgestellt, theils 
amcricanischc, theils stcirische , theils 
iialianische forfeit. Nach bcigegcbenen 
Anbauberichten diirfte dor Cuquantius, 
durch seine friihe Reifczeit ganz beson- 
ders I'iir unser Klima zu empfeblen sein. 
Aucb Hopfen, den man in unserer Ge- 
gend hie und da in Cultur zu nehmen 
beginnt, war in 3 Sorten des Herrn 
Weinricli und eine englische, ausseror- 
dentliche productive Art, Kentshire Hop 
der Herren S. u. J. Rinz reprasentirt. 
Inzwischen machten wir die auffallende 
Bemerkung, dass diescm sehr grossen, 
jedocb grtin gefarbten englischen Hop- 
fen unsere Brauer nieht das mindeste 
Vertrauen schenken, sondern ihn gegen 
den bayrischen Spalter als wild betrach- 
ten. Ob dies bios auf Vorurtheil beru- 
het konnen wir nicbt bestimmen. — 

An diese verschiedenen Gegenstande 
der grosseren Cultur reihten sich die 
Producte des Gemiise-, Obst- und Blu- 
mengartens. Unter diesen verdienen die 
herrlichen Obstsortimente der Herren S. 
u. J. Rinz und des Herrn Andrae-Wink- 
ler, die zusammen 2 grosse Tafeln full- 
ten, die anerkennenste Erwahnung. Auch 
hattc Herr Scheuermann einige sehr ge- 
schmackvoll jirrangirte Korbchen des 
herrlichsten Obstes, als Pfirschen, Trau- 
ben, Feigen, Aepfel, Birn, Erdbeeren, 
Himbeeren,sowie Frau Lindheimer-Schind- 
ler einige prachtvolle Aepfel eingesandt. 

Von Blunien waren besonders meh- 
rere Collectionen Dahlien , Verbenen u. 
Fuchsien, theils von hier, theils von Mainz 
eingesandt, hervorzuheben , indem sie 
von dem Fortschritte in der Cultur die- 
ser beliebten Florblumen das chrenvoll- 
ste Zeugniss ablegten. Die hbchst in- 
terressante Sammlung exotischer Nutz- 
pflanzen, als Cale, Zuckerrohr, Thec- 
strauch,Baunnvollenstaude,l'i>i]crsfraiir li. 
Zimmetbaum und viele andere, aufge- 
stellt durch den Senkenberg'schen bo- 
tan. Garten verfehlten nicht die allge- 
meine Aufmerksamkeit zu fesseln und 
haben gewiss, indem sie mit den Roh- 
producten unserer alltaglichen Lebens- 



bediirfnisse bekannt machten , viel zur 
Belehrung des Publikums beigetragen. 

Die Erzeugnisse der Filanda in 
Wiesbaden, die leider erst in den letz- 
ten Tagen der Ausstellung eingesandt 
wurden, und durch welche dem Publi- 
knm derBetrieb dieser wichtigen in un- 
sermVaterlande stets mehr Boden gewin- 
nenden Seidenindustrie in seinen Haupt- 
momenten vorgefuhrt wurde, batten sich 
des einstimmigsten Beifalls aller Besu- 
cher zu erfreuen. 

Ehe wir die Ausstellung verlassen, 
konnen wir nicht umhin, noch zweier 
Pflanzen zu erwahnen, welche seit zwei 
Jahren die Aufmerksamkeit aller Fach- 
genossen in Anspruch genommen und 
vielleicht berufen, eine wichtige Rolle 
in der Landwirthschaft zu spielen. Es 
sind die zwei Fremdlingc aus China, die 
Yamswurzel, Dioscoraea Batatas, und das 
chinesische Zuckerrohr, Holcus sacchara- 
tus, Beide eingesandt durch Herrn 
Breul. Erstere wird in China in gross- 
tern Massstabc angepflanzt , wie etwa 
bei uns die Kartoffeln und soil eine sehr 
mehlige, nahrhafte Knolle liefern. Die 
Pflanzen waren noch zu klein und zu 
selten urn Kochversuche damit anzu- 

Die andere Pflanze , das Chinesische 
Zuckerrohr, deren Anbau uns vollkom- 
mcn gelungcn ist, scheint nach den an- 
gestellten Versuchen, sehr ergiebig an 
Zuckerstoff und diirfte , w«-nn krystalli- 
sirbar, in der Hand tiichtiger Fabrikan- 
ten einen wichtigen Umschwung in der 
■ 

Dass in den namlichen Tagen ganz 

nahe zum Aussteliungsgebaude eine 

Victoria r e g i a in holier Vollkommen- 

heit bliihete, trug nicht wenig zur Ver- 

g des Ganzen bei. 

Indem wir hierniit unseren heutigen 
Berieht schliessen, hoffen wir, dass das 
Resultat unserer Ausstellung in Bezie- 
hung der gegenseitigen Anregung nn d 

so eri'ieuliches sein inoge , als die Auf- 
nahme derselbcn von Seiten des Pub»- 
kums cine giinstige war. 



Das 



iii i- 



A n z e i g e n. 

Der engros Catalog iiber Gemtise- , Feld- und Blumen-Samen liegt zur Aus- 
gabe bereit, ebenso der 23. Jabrgang des grossen detail Yerzeicbnisses liber Saa- 
men und Georginen. 

Das iiber meine Sammlungen in Topf- und Landpflanzen, sowie Rosen, wird 
im Januar fertig und dann jedem Auftrag in Samen beigelegt. 

Sammtliche Verzeichnisse ^erden auf freie Briefe ebenso iibermittelt. Icb 
bitte, mich recht oft dazu zu veranlassen. 



Erfurt, im November 1855, 



Carl Appelms 

Saamenhandlung u. Handelsgarti 



erschien und ist durch alle 



Huifs- uud Schreib-Ralender 

fnr 03cir titer nsfe ©arUnfrettttfce 

auf das Jahr 1856. 

Unter Mitwirkong von Karl Bouche, Inspector des botanischen Gartens zu Ber- 
lin, P. Fr. Bouche sen., Kunstgartner und Taxator zu Berlin, Jager, Hofgart- 
ner zu Eisenach, Juhlke, Garten-Inspector zu Eldena bei Greifswald, Lauche, 
ObergSrtner an dor Wildparkstation bei Potsdam, Meyer, Gartenkonducteur , und 
Ed. Nietner, Hofgartner zu Sans-souci, 
herausgegeben von Prof. Dr. Karl Mocll, 

2 Theile. ir. Th. eleg. in Leinwand geb., 2r brosch. 25 Sgr. 

Der erste Theil ist als Notiz-Kalender fur alle Tage des Jahres eingerichtet, 
und enthalt Tal Einuahme und Ausgabe, Lohn-Arbeit , 

Anschaffungen, fernei Mfoz-, Maass- und Gevichts-Tabellen, so™e das vollstandige 
Jahrmarkts-Verzeichniss. , ..* er 

Der zweite Theil enthalt hochst interessante Beitrage von K. Bouctie, uu^ 
Anwendung des Cementes, P. Fr. Bouche sen., iiber Gemiisearten, Jaeger, 
Lauben, Juhlke, iiber KnoUengewachse, Lauche, iiber Aroideen, Meyer, 
Rasenplatze, Nietne r ttber Treibereien, Koch, Verzeichniss deutscher Hanaei 
gartncreien, Aufzlihlung neuer Zier- und Zimmerpflanzen, und TJebersicht der ga 
nerischen Literatur vom October 1854 bis October 1855. 



MONATSSCHRIFT 

fur 
deutsche und schweizerische Garten- und Blumenkunde 

unter Mitwirkung von 

Prof. Dr. H. R. Goeppert, Director des botanischen Gartens inBreslau, J. Hutstein 

in Breslau, H. Jaeger, Hofgartner in Eisenach, Prof. Dr. R. Koch in Berlin, 

K. Lucas, Garten -Inspector in Hohenheim, E. Ortgies, Obergiirtner am botanischen 

Garten in Zurich, Dr. G. Reichenbaeh, Professor in Leipzig 

Herausgegeben 

Dr. E. R e g e I, 



Mitherausgeber fur Deutschland Mitherausgeber fiir die Schweiz 

J. Rinz, prof. Dr. 0. Heer. 



Dr. IL Loclier, 



M a r z 1856. 

(Ausgabe mit ilium, und schwarzen Abbildungen). 



Erlaogen, 1856. 
Verlag von Ferdinand Enke 



Inhalt des Marz-Heftcs. 



I. Originalabhandlungen. 
1) Abgebildele Pflanzen . 



nthus bannalicus Heuffel . . . 
snotizen, gesammelt auf der Reise 
Zurich nach Petersburg . . . 



3) Kultur der Rettige. Von J. G. Meyer, 

Handelsgartner in Ulm ..... 82 

i) Neue oder seltenere Pflanzen des bo- 

tanischen Gartens in Petersburg . . 85 

II. Neue Zierpflanzen 89 

III. Notizen 90 

IV. Literatur 93 



Einsendungen for diese Zeitschrift sind an die Verlagsbuchhandlung 
oder Redaction zu machen. 

Biicher, deren unpartheiische Besprechung, sowie Pflanzen deren Ab- 
bildung in diesen Blattern gewunscht wird, sind, und zwar von letzteren 
eine gute Abbildung, wo moglich mit trockenen Exemplaren begleitet, unter 
der Adresse E. Hegel in Petersburg an die Verlagsbuchhandlung von Fer- 
dinand Enke in Erlangen einzusenden. 

Annoneen aller Art werden auf den Umschlag oder Beiblatt gegen 
eine Vergtitung von 2 Sgr. oder 7 kr. per Zeile aufgenommen. — Cataloge 
legt die Verlagsbuchhandlung in einer Anzahl von 600 Exemplar en gegen 
eine Gebuhr von 1 Thlr. 20 Sgr. oder 3 fl. der Gartenflora bei 



I. Originalabhandlungen. 



Den geehrten Lesern der Gartenflora 
erlaube ich mir in Nachfolgendem , die 
aus circa 1500 Stuck Petunicnsamlin- 
gen erzielten Novitaten vorzulegen, mit 
dem Bemerken, dass ich dieselben im 
nachsten Friihjahr von Ende Mai ab in 
den Handel zu geben gcdenke. 

Bei der Aufnahme derselben habe 
ich besonders Riicksicht darauf genom- 
men, dass nur wahrhaft Schones sowohl 
im Bau als auch in Betreff des Colorits, 
so wie nur solche beibehalten worden 
sind, die ich als etwas ganz Ausgezeich- 
netes empfehlen kann. 

Einigedavon habe ich malen lassen, 



General Pelissior. Schlund Indigo- 
blau, nach aussen hautfarbig mit 
Carmin ubertuscht und rothviolett 
geadert. Rand blassgriin. Fullung 
mit derselben Farbung und sehr 
weit hervorstehend. 3" Durchnies- 
ser. 

Imperatrice Eugenie. Schlund weiss 
mit blassbraunen Adern , nach aus- 
sen hellcarmoisin mit dunkelcarmoi- 
sin geadert. l a / 3 " 



Kaiser Alexander von Russland. 
Schlund blau , wie ein Stern weiss 
ausstrahlend, in dunkellila mit car- 
moisin marmorirt iibergehend. Rand 
griin mit lila geadert. Fullung we- 
nig. 3V4" Durchmesser. 
. Louis Napoleon III. Schlund dun- 
kelviolett, lila durchscheinend, nach 
aussen carmin mit schmalem griinem 
Rand. Fullung schwach. 2 3 / 4 "Durch- 



e. Queen Victoria. Schlund dunkelvio- 
lett , nach aussen lebhaft carmoisin 
mit griinem violett durchscheinen- 
dem Rand. S" Durchmesser. 
f. Kaiserin Elisabeth. Schlund roth- 
violett in blasslila iibergehend mit 
dunkel rothvioletten Adern und brei- 
tem blassgriinem Saum. Fullung 
griin und weit hervorstehend. Z*U" 
Durchmesser. 
Admiral Lions. Pfirsichbluthe, Schlund 
dunkelrothviolett, nach aussen kirschroth 
geadert und dunkelgruner Rand. Mit 
wenig Fullung 3*/*" Durchmesser. 

General Simpson. Schlund blassblau 
in leuchtend carmoisin iibergehend mit 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



griinem Rand auf brauner Unterlage. 
3Vu" Durchmesser. 

Fiirst Gortschakoff. Schlund dunkel- 
violett, oberhalb weiss, in carminpurpur 
ubergehend und schmalen maigriinen 
Randchen. 3 1 //' Durchmesser. 

Omer Pascha. Leuchtend carmoisin, 
Schlund violett durchscheinend und ge- 
adcrt, mit breitem scharf begranztcm grii- 
nem Rand. 3" Durchmesser. 

Colossus. Schlund blaugrau mit 
braun geadert, in carmoisin, mit Griin 
schattirt ubergehend, und breitem dunkel- 
griincn Rand. 4" Durchmesser. 

Gothe. Schlund violett, die fiinf 
Hauptnerven der Blumen griin , nach 
aussen blasscarmoisin mit dunkelcarmoi- 
sin getuscht. Aussen broncebraun mit 



schmalem hellgrii 



iRand. 3\ 



' Durch- 



Fiirst Lichtenstein. Schlund roth- 
lichweiss mit rothbraun dicht geadert, 
in lilarosa ubergehend und breitem blass- 
griinem, mit weiss schattirtem Rand. Die 
ganzeBlume ist auffallend stark behaart. 
S 1 /*" Durchmesser. 

Abt Bernard. Schlund dunkel violett, 
weiss durchscheinend , hellcarmoisin mit 
breitem griinem Rand , der nach innen 
mit carmoisinviolett getuscht ist. 3V3" 
Durchmesser. 

Prinz Albert. Schlund silbergrau mit 
lila getuscht , nach aussen hellcarmoisin 
blassgriin durchscheinend in eincn schma- 
len blassgriinen Rand ubergehend. 3 1 /*" 
Durchmesser. 



b) Dianthos bannaticos 1 

(Siehe Tafel 153.) 



Erne mit Dianthus cruentus 
Griseb., D. calocephalus Boiss., D. 
atro-ruber Ab. etc. verwandte Nelken- 
art, ersterer zunachst stehend, von ihr 
durch stark bereifte Stengel und Blat- 
ter, Blattscheidcn, welche 4—6 mal lan- 
ger als die Breite des Blattes sind, durch 
behaarte lamina der Bliithenblatter und 
spitze eifdrmige Bracteolen verschieden. 
Die reichbliithigen Bliithenkopfchen, die 
grossen Bluthenblatter lassen ihn leicht 
von den iibrigen Arten neben den er- 
wahnten Merkmalen unterscheiden. Sie 



kommt auf trocknen Bergwiesej 
gein auf dem Tertiiirkalke des 
Bannats, und in Siebenbiirgen 
thale, am rothen Thurmpasse v 
imJahre 1852 die Samen der im 
schen Garten zu Wiirzburg en 
Pflanzen sammelte. Sie bluht a 
Juni bis tief in den Herbst, und 
das System wie als Zierpflanze < 
lenswerth. Sie bedarf zum gu 
deihen, wie ihre Vcrwandten, ein 
haltigen Lehmbodens. 



n Aluta- 
, woich 



Erste Abtheilung. 1 die Zeit, mich uberall da aufznh* 1 ' 

Wahrend meiner Reise von Ziirich ten , wo mir dies besonders interes- 

nach Petersburg fand ich leider nicht j sant gewesen ware, und auch da, ff° 



ich bleiben konnte, war mir die Zeit sc 
kurz zugemessen, dasa ich hier nur das 
Wichtigste erwahnen kann, was mir all- 
gemeines Interesse zu verdienen scheint. 
In dem lieblich gelegenen Freiburg i/B. 
Melt ich mich zunachst einen Tag auf. 
Das schlechte Wetter verhinderte mich 
jedoch, den dortigen botanischen Garten 
genauer zu besichtigen, dessen unzweck- 
massig eingerichtete Gcwachshauser nur 
wenig Gutes enthalten. Reicher ist der- 
selbe an Pflanzen des freien Landes. 
Schone Exemplare von Magnolien und 
ein grosser Baum von Laurus Sassafras 
Widen eine der Hauptzierden des Gar- 
tens. Belehrend und intercssant ward 
mir aber der Tag Aufenthalt bei Pro- 
fessor Nageli, dessen Sammlung in sehr 
grossem Maassstabe fur den Unterricht 
angefertigter Zeichnungen zur Erklarung 
der Anatomie der Pflanze einzig in sei- 
ner Art dasteht und nur den Wunsch 
veranlasst, dass es demselben moglich 
gemacht werden mochte, eine Sammlung 
dieser Darstellungen aus der Bildungs- 
geschichte der Elementarorgane und des 
Zelleninhaltes der Oeffentlichkeit zu 
nbergeben. Fur Lehrer der Botanik an 
bchulen und hoheren Bildungsanstalten 
Ware dies ungemein wichtig. 
Sammlungen das Zeicbnen an der Tafel 
dnrchaus uberfliissig machen und di< 
demonstration ungemein erleichtern wiir- 
m"1 .^ nendlich reich istuberhaupt das 
durch die zahllosen Be- 
"ngen dieses Forschers aufgespei- 
im Ward > d °r bekanntlich durch ruhige 
narfe Auffassung eine der ersten Stel- 
n nnter unsern lebenden Pflanzen- 
Jatomen einnimmt. — 
In Frankfurt a/M. konnte ich diesmal 
" d en Garten unscres geehrten Mit- 
' dieser Blatter, den derHer- 
t J. Rinz besuchen. Es ist die- 



obachtui 



i Etablissement schon wie- j und anderen, wohl 



67 

derholt in diesen Blattern besprochen 
worden. Sehr gespannt war ich auf das 
grossartige Ausstellungshaus desselben, 
ein Gewachshaus, welches von kei- 
nem anderen deutschen Handelsgartner 
erreicht wird. Die Hauptmasse der hier 
aufgestellten und geschmackvoll zusam- 
mengestellten Gruppen bildeten immer- 
griine harte Blattpflanzen , zwischen de- 
nen einzcln schone hohe Exemplare, so 
von Araucaria excelsa , Cordyline indivi- 
sa etc. stark hervorragten. Diese letz- 
tere Pflanze gehort mit Recht zu den 
beliebtesten Decorationspflanzen. Die 
schmalen, gieichbreiten , mehrere Fuss 
langen Blatter bekleiden den einfachen 
aufrecht und hangen 
grazil uber. Dabei sind sie von einer 
r langen Dauer ; so dass diese Pflan- 
ze im Vergleich mit den verwandten 
Dracaenen eine sehr verlangerte Blatt- 
krone besitzt, und uberhaupt in ihrer 
ganzen Tracht mehr an eine Pincenetia 
erinnert. Der Zurcher Garten besitzt 
ein sebr schones grosses Exemplar der- 
selben , die grossten Exemplare siehet 
man aber in den Garten Berlins. Die 
Vermehrung derselben bewerkstelliget 
sich am leichtesten durch Wurzeln, in- 
dem manstarkereStiicke derselben schief 
in Sand legt, so dass der obere Schnitt 
gerade bedeckt oder frei ist, darauf die 
betreffenden Topie oder Napfe in ein 
halbwarmes Beet einsenkt und sie hier 
nur vorsichtig begiesst. Die beste Zeit 
zu solcher Vermehrung sind die Monate 
Februar — April. Unter den andern 
hier verwendeten Decorationspflanzen 
wollen wir noch des schonen Agnostus 
sinuatus erwahnen, der bei solchem 
halbwarmen luftigen Standort freudig 
gedeihet und mit den vielen neuerdings 
Decorationspflanzen, so z. 
B. den Araliaceen, den Rhopala - Arten 



Auf einzelnen Tischen, nahe am Ein- 
gange , bliihete die Clematis lanuginosa, 
eine vortreffliche Neuigkeit, deren Blu- 
men an Grosse die der Abarten von C. 
patens noch iibertreffen , und die sich 
durch dankbares fast fortwahrendes 
Bluhen auch noch ganz kleiner Exem- 
plare auszeichnet. Hier sah ich auch zum 
erstenmale diej neuen so sehr geruhm- 
ten Fuchsien mit weisser Koralle (F. 
Prinz Albert, Story und Queen Victoria) 
in Bliithe. Dieselben sind allerdings 
ganz eigenthumlich , blieben aber weit 
hinter meiner Erwartung zuriick. Un- 
sere neuen Achimenen, die fsich allge- 
meinen Beifalls zu erfreuen haben, die 
schbne Tritonia aurea, Verbena Maonetti 
und vieles andcre bliihete auf dem glei- 
chen Tische. 

EineGrotte mitBassin, umgeben von 
schbnen Neuhollandern etc., bildet den 
Hintergrund dieses Hauses. Lebhaft zu 
bedauern ist es nur, dass dieses schbne 
Gebiiude seinen urspninglichen Zweck, 
niimlich ein dauerndes Ausstellungsge- 
biiude der seltneren Pflanzen der Gart- 
ner Frankfurts und der Umgegend zu 
bilden nicht erreicht hat, denn von kei- 
ner Seite gehen dem Hrn. Rinz zu die- 
sem Zwecke Einsendungen ein. Welch 
schbnes Beispiel wiirden die Gartner 
Frankfurts geben, wenn sie sich zu ih- 
rem eigenen Vortheile in dieser Be- 
ziehung einigen kbnnten. Es ist uns 
bekannt,' dass diese ein au3 gemeinsa- 
men Mitteln auf neutralem Boden er- 
bautes Haus hier vorziehen wiirden ; wir 
geben selbst zu, dass auf diese Weise, 
weil eben dann viele betheiliget waren, 
dieser Zweck leichter und sicherer zu 
erreichen ware. Wiirde aber solch ein 
Unternehmen wohl zuStande gekommen 
sein? Wir glauben dies nicht, und da- 
a sich an das Gegebene an- 



Dabei wollen wir aber jenen Gedan- 
ken fest halten. In grbsseren Stadten 
haben sich schon hier und da die Ge- 
werbtreibenden der verschiedensten Rich- 
tungen zur Errichtung von gemeinsa- 
men Verkaufslokalen (Bazars) vereini- 
get. Fur die Garten ware dies aber 
nochvielmehrnothwendig, denn bluhende 
Pflanzen halten sich nur an zweckmas- 
sigen Localitaten aufgestellt gut und die 
Gartner wohnen meist weit vor derStadt. 
Wie zwcckmassig ware es nun , wenn 
auch die Gartner grbsserer Stadte solche 
gemeinsame Verkaufslocale errichten 
und durch solche bestandige Blumen — 
und Fruchtausstellungen in zweckmaa- 
sigem Verkaufslocale die Liebhaberei 
und Kauflust zu ihrem eigenen Vor- 
theile anfeuern und aufmuntern wiir- 
den. Das alte Spriichwort, Einigkeit 
macht stark, miisste sich auch hier 
erwahren. 

In einem kleinen Hause des Rinz'- 
schen Gartens bliihete auch gerade die 
Victoria regia. Das Wasser im Bassin 
hatte weder Zu - noch Abfluss und war 
nicht hbher als 20 — 22° R. gehalten 
worden. Das Bassin war einfach aus 
Backsteinen und der bessern Art von 
Cirnent construct worden. Aehnliche 
Construction fur Wasserbehalter sah ich 
auch im botanischen Garten zu Berlin, 
sowohl im Frcien, wie im Gewachshause 
ausgefuhrt. 

Bei der Durchsicht der reichen 
Schatze der andern Sammlungen dea 
Herrn Rinz will ich noch der schonen 
Tannensammlung desselben gedenken. 
Einzelne schbne Exemplare von Arauca- 
rien, Dacrydium cupressinum waren schon 

Schauhause aufgestellt. Von der 
prachtigen Abies cephalonica und Pin- 
standen machtige Exemplare un 
Topfe. Diese beiden Tannen kbnnen 
in Schbnheit dea Wuchsea mit den A»- 



raucarien wetteifern und sind auch wohl 
fur Deutschland vollkommen hart. 
Ziircher Garten steht z. B. von de 
steren ein schbnes Exemplar, welches 
ganz unbedeckt vom Winter nie g< 
hat. Nieht minder schbn war ein gros- 
ses Exemplar der Abies Wobbiana, das 
gerade, grosse, einer Libanon-Ceder ahi 
liche Zapfen trug. Leider halt dieser 
schone Baum unsern Winter nicht im 
Freien aus. 

Als ausserst niedliche Zwergtanne 
sah ich die Abies Hudsoni (A. Fraseri 
Var. pumila) massenhaft angezogen. Die* 
selbe wird nur durch Stecklinge ver- 
mehrt und dies mag wohl ' vornchmlich 
deren zwergartigen Wuchs bedingen. 

Als vorziiglich schoner Ncuigkeiten 
unter den harteren Neuhollandcrn will 
ich der Lomatia ferruginea und poly- 
antha, sowie der Grewillea ferruginea 
erwahncn. 

Unter den Freilandspflanzen ist der 
schonen Sammlung von nur guten Ab- 
arten der baumartigen Paeonien und der 
schonen Sammlung von Magnolien noch 
besonders zu erwahnen. Einer Zahl der 
besseren Arten gedachte Herr J. Rinz 
schon in diesen Blattcrn. Unter den 
hbher wachsenden fielen mir ganz be- 
sonders die schonen Exemplare der Mag- 
nolia acuminata (mit kleineren griinli- 
chen Blumen), der Magnolia grandifolia 
mit kleinen gelblichen Blumen und der 
prachtigen Magnolia macrophylla mit 
grossen weissen Blumen auf. 

Bekannt ist es, dass in dem Rinz'- 
schen Etablisaement die ausgesuchten 
Sammlungen von Azaleen und Camel- 
lien die Hauptcultur Widen und sammt- 
"ch in schonen gesunden Exemplaren 
versendet werden. Mbchte uns unser 
geehrter Mitherausgeber viel und oft 
u *>er seine Culturen Mittheilungen ma- 
chen. Den gleichen Wunsch sprechen 



wir auch in Bezug auf die zahlreichen 
andern Garten-Etablissements aus, wel- 
che durch den thatigcn Gartenbauverein 
Flora einen gemeinsamen Vereinigungs- 
punkt finden. — 

Von Frankfurt ging ich nach Gotha 
und hielt mich 
spriinglichei 
chen auf, besuchte auch von dort aus 
die umliegcnden bedeutenderen Giirt- 
nereien Thuringens, dercn Samenhandel 
sich iiber Europa's Granzen hinaus er- 
streckt. 

Gotha selbst ist eine der freundlich- 
sten Stadtc Thiiringens , rings von An- 
lagen umgeben, liegt es wie in einem 
schonen Garten. Vom Herzoglichen 
Schlosse, welches die Spitze desHugels 
einnimmt, an welchem Gotha liegt, ge- 
; man den Blick iiber den grossten 
Theil des Thiiringer Waldes. Die ge- 
schmackvoll in grossartigem Style ange- 
i Anlagen, die dasselbe umgeben, 
erstrecken sich bis zum Parke und den 
Orangen-Garten. Die Anlagen und der 
Park unter der Oberaufsicht des Herrn 
Obergartner Eulefeldt sind in musterhaf- 
ter Ordnung und manche friiher verwil- 
derte Parthie ward wieder in schonen Ein- 
klang mit dem Ganzen gebracht. Die schon- 
Parthie der Anlagen bildet der beson- 
ders abgeschlossene, aber dem Publikum 
geoffnete Park. Zwischen schonen 
Landparthien hindurch iiber j griine Ra- 
se nflachen hin iiffnen sich hier dem 
Blicke Aussichten nach dem entfernten 
Gebirge und der Umgebung und prach- 
tige einzelne Baumgruppen mit an den 
Boden hinliegenden Zweigen theilen die 
Aussicht «der rahmen sie malerisch ein. 
Ein grbsseres Wasserbecken mit Insel 
bringt in die ganze ernst gehaltene 
Schbpfung eine angenehme Abwechs- 

ig- 
ImOrangengarten ist eine der gross- 



ten Orangerien Deutschlands in gerad< 
Alleenaufgestellt, nur war leider in Folge 
mancher ungiinstiger Verhaltnisse der 
Stand der Baume nicht schon. 

Ausser diesen bffentlichen Garten 
besitzt Gotha auch mehrere tiichtige 
Handelsgartnereien. Unter diesen zeich- 
net sich die des Herrn W. Miiller , zu- 
nachst der Eisenbahn, durch schone Ge- 
wachshauser und eine Masse seltener 
Pflanzen sehr yortheilhaft aus. 
glaubt hier eher in den Garten eines 
reichen Privatmannes , als in den eines 
Handelsgartners zn treten , so hai 
bei der ganzen Einrichtnng und Haltung 
der Sinn fiir's Schone vorgewaltet. 

Den Glanzpnnkt des Gartens bildct 
ein in der Mitte des Gartens gelegenes, 
zur Cultur der Victoria bestimmtes Was- 
Berhaus. Bliihete gleich in diesem die 
Victoria dieses Jahr nicht, so waren 
doch alle andern hier erzogeneh Was- 

keit Torhanden , so namentlich ein ins 
Bassin eingesenkter Cyperus Papyrus. 
Die schonste nnd im Bluhen dankbarste 
der Nymphaea-Arten, die N. Ortgiesia- 
na, hatte riele ihrer schonen grossen ro- 
then Blumen entwickelt. Ebenso bliihete 
N. dentata und andere blaue, Nelum- 
bium speciosum hatte zugleich Blumen 
und jene eigenthiimlichen oben abge- 
stutzten Fruchtkapseln, in welche die 
Samen eingebettet. Bemerkenswerth ist 
es, dass diese Pflanzen auch beim Hrn. 
Miiller in einem Bassin im Freien aus- 
gehalten, hier freilich aber weder Blu- 



men noch Friichte 



getragen. Limno- 



charis Plumieri hatte viele Blumen- 
atengel entwickelt, die Blatter derEury- 
ale ferox wetteiferten mit denen der Vic- 
toria an Grosse und Schonheit und 
Pistia Stratiotes fiillte, frei i m Bassin 
mnherschwimmend, alle iibrigen Liicken. 
An den Seitenwanden dea runden ziem- 



lich grossen Hauses rankten verschie- 
dene schone Schlingpflanzen empor, so 
die Pharbitis limbata, mit Maasen der 
dunkclpurpurrothen weissgesaumten Bin- 
men und gleichzeitig auch Samen tra- 
gend. Von dieser schonen Windc ist zu 
bemerken, dass sie viel Sonne und hohe 
Warmegrade liebt und daher nur imGe- 
wachshause, an unbeschatteten Wanden 
emporklimmend , sich iippig entwickelt. 
Nicht minder schon war in diesem Hause 
eine andere schon lang bekannte ein- 
jahrige Schlingpflanze , die Momordica 
Charantia, eine in warmeren Landern we- 
gen der Schonheit ihrer grossen langli- 
chen, gelb und rothen grossen warzigen 
gurkenahnlichen Friichte haufig culti- 
virtePflanze. In einem verhaltniasmas- 
sig kleinen Topfe stehend, hatte sie un- 
ten dorchgewurzelt und spann bis znm 
Mittelpunkte des Hauses empor, nwl 
allenthalben hingen deren Friichte mafl- 
senhaft herab. Dieselben enthalten aber 
meistentheils keincn Samen, die wohl 
nur dann sicher erzielt werden konnen, 
wenn man die weiblichen Blumen die- 
ser getrennt geschlechtlichen Pflanze 
kunstlich befruchtet. Sie stammt ausOst- 
indien, entwickelt sich nur unter solchen 
Verhaltnissen iippig und eignet sich 
nebst andern schonen Schlingpflanzen 
der Cucurbitaceen, wie M. Balsamina, 
Trichosanthes anguina u. a. desbalb 
vorziiglich zur Verzierung von Victoria- 
Hausern, weil man diese, nachdem 
Ende October das Bassin abgelassen 
ward, gemeiniglich zur Ueberwinternng 
harter kalter Pflanzen zu bcnutzen ptlegt. 
Die nicht einjahrigen mit Victoria cnlti- 
" en Wasserpflanzen, durchwintert man 
geeignetsten, indem man sie aus den> 
Bassin wahrend des Winters heraus 
nimmt und in ein halbwarmes niedrig* 8 
bringt, wo sie den Winter bin- 
nur maasig feucht gehalten ver- 



Originalabhandlungen. 



71 



den. So die Nymphaeen , Nelumbium, 
Pontidcria, Liranocharis, Aponogoten und 
andere. Die Cultur der Nymphaea gi- 
gantica wollte weder beim Ilerrn Mul- 
ler, noch in anderen deutschcn Aqua- 
rien gelingon, und Schreibor dieses bit- 
tet alle die, welche giinstige Resultate 
mit dieser Pflanze erhielten, ihre Erfah- 
rungen in diesen Bliittern mittheilen zu 

In den zahlreichen andern Gewachs- 
hausern des Herrn Miiller befinden sich 
viele Seltenheiten in schbnen Exempla- 
ren. So unter den Warmhauspflanzun- 
gen die Pincenetia tuberculata und 
longifolia, mit ihren schmalen Iangen 
Blattern und einfachem Stamme einer 
Dracaena ahnelnd , und die erstern am 
Grunde des Stammes knollcnfbrmig vcr- 
dickt. Dion edule, jene zierliche prach- 
tige Cycadee mit den kammrdrmig gefie- 
derten Wedeln in mehreren schbnen 
Exemplaren, die Elephantenfusspflanze 
(Testudinaria Elephantipes) in einem 
grossen machtigen Exemplare, die schbne 



neben den andern Araucarien auch die 
A. Cookii, welche jedoch nach unserer 
Ansicht der A. gracilis, Bidwilli und 
den alteren Arten an Schbnheit kaum 
gleichkommt. — 

Wir verlassen diesen auch ausserdem 

lungen reichen Garten, und wollcn in 
Gotha nur noch des Handelsgartens des 






Khopala corcovadensis mit ihrom brliun- 
lichen Laube: das in neuester Zeit als 
flic Vrisia an Schbnheit ubersfrahlende 
mehrfach empfohlene Nidularium fulgens 

Im freien Lande stand ein 4 Fuss 
hohes breites buschiges Exemplar der 
Escallonia macrantha in voller Bliitho. 

Unter denKalthauspflanzen crwahnen 
wir desRiesen der Lilien, des lilium gigan- 
ticum, das auf machtigem 12 Fuss hohem 
Stengel 17 Blumcn getragen und nunSa- 
men angesetzt hatte. Die sonst Starke Zwie- 
M war in ein kleines Kubel, in eine Mi* 
"diung aus fetter Rasenerde und Laub- 
er de gesetzt worden. Ausserdem erregte 
meine Aufmerksamkeit die sch- 






jene fiir den cigcmliclicn i 
ten Gewachse in reicher Anzahl kulti- 
virt werden, sowic endlich des Handels- 
gartens des ITcrrn Bernhard Graf. Die- 
ser ebenso thatige als intclligente Mann 
hat seinen Garten noch nicht vor gar 
langerZait gegriindet, besitzt abcr schon 
gegenwartig ausgezeichnct gut gehaltene 
Sammlungen der bessem Sorten von 
Coniferen , Azaleen , Neuhollandern und 
Florblumen aller Art, und zieht fur sei- 
nen Samenhandcl die bessem einjahri- 
gen Pflanzen in grossen Quantitaten an. 
Wahrend unserer Anwesenheit in 
Gotha wohnten wir auch mehreren Sitz- 
ungen des dortigen Gartenbauvereines 
bei , der sich wbchentlich einmal ver- 
sammelt. Es giebt wohl kaum einen 
eiten ahnlichen Verein , der sich so 
fleissig znsammenfindet und von Priva- 
te Gartnern gleich ildssig besucht 
Auch jetzt herrscht noch von 
Mttrich'a Zeiten her der Sinn fur Obst- 
hier vor , nur Schade , dass der 
?rein seine Sammlung von nachgebil- 
'ruchten nicht mehr fortsetzt. Da- 
gegen besitzt derselbe eine sehr bedeu- 
tende Baumschule, aus der jahrlich Mas- 
gut bestimmter und erprobter guter 
Obstsorten abgegeben werden. — 

Unter den Herzoglichen Gartnereien 
sserhalb Gotha sind ganz besonders 



Grevillea flexuosa, und unter den Coni- die wahrhaft grossartigen Anlagen, wel- 
feren starke Exemplare des Librocedrus I che das im gothischen Style erbaute 
chileasis, Phyllocladus asplenifolius und | LustschlossReinhardtsbrunnen urn- 



geben, zu erwahnen. Reinhardts- 
brunnnen ist ein altes Kloster, wel- 
ches unweit Friedrichsrodaund Schnepfen- 
thal, am Saume des Thiiringer Waldes, 
3 Stunden von Gotha entfernt liegt. Ein 
klarer Waldbach, der durch einen saftig 
griinen Wiesengrund hinschlangelt, bil- 
det eine Zahl grbsserer Teiche. Der 
verstorbene Herzog Ernst, der in Bezug 
auf Gartenanlagen einen fein ausgebil- 
deten Geschmack besass , gab dem Klo- 
ster Reinhardtsbrunnen, schon lange zu- 
vor einem beliebten Vergniigungsort der 
Umgegend, seine jetzige Gestalt, und un- 
terLeitung des jetzt in Gotha selbst an- 
gestellten Obergiirtners Eulefeld wurden 
die. Wiesengriinde zu den herrlichsten 
Gartenanlagen umgeschaffen , die 
auf eine eben so einfache als si 
Art in durchaus edlcm Style mit den na- 
hen Waldungen verbinden. Storend wirkt 
in dieser von Natur schon so reich 
gestatteten Gegend mit seinen schonen 
Wiesen und Wald griinden die erst ne 
lich angebrachtc allzugrosse Masse 
um das Schloss vertheilten Blumengrup- 
pen, welche nur in den eigcntlichi 
Blumengarten , nicht aber in eine An- 
lage gehoren, die sich die Aufgabe stellt, 
die Umgebung des Schlosses in einer 
Weise zu behandeln, dass dadurch die 
Reize der W aldparthie nur noch erhohet 
wurden, nicht aber die Hand des Kiinst- 
lers zu sehr hervortrete. Reizend da- 
gegen ist die Manier, durch welche im 
Sommer der Fuss des Schlosses mit ei- 
nem eigentlichen Blumengurtel umgebi 
erscheint. 

Seit Errichtung der Eisenbahnen wird 
der Thiiringer Wald, mit seinen freund- 
lichen Thalern, seinen romantischen 
Felsparthien, seinen zuweilen wildromau- 
tischen Schluchten, und seinen bis zv 
3000' ansteigenden Hohepunkten voi 
Fremden zahlreich besucht. Auch der 



durch grossartige Naturscenen verwbhn- 

Schweizer findet hier reichen Genu3s. 

Von Reinhardtsbrunnen aus fiihren scho- 

Spatziergange , die kiinstlich ange- 
legt dennoch die Hand des Kiinstlers 
ahnen lassen, nach den benach- 
barten schbnern Punkten und erstrecken 
durch das Felsenthal bei Tabara 
fiihrend sogar bis auf die Spitze des 
an 3000' hohen Inselberges, von 
man eine weite Rundsicht iiber die 
Gebirge und die fruchtbaren Gefilde 
Thtiringens bis zum Harz und Rhonge- 
birge geniesst. — 

Ein anderer, von Natur wie Kuns<i 
gleich reich ausgestatteter Punkt des 
Thiiringer Waldes ist Eisenach, am 
Fusse der in ganz Deutschland durch 
die reichen geschichtlichen Erinnerungen, 
die sich an dieselbe kniipfen, wohlbe- 
kannten Wartburg erbauet. 

Durch Eisenach fiihrt die Thuringer 
Eisenbahn, und so ist dieses jetzt das 
hauptsachlichste Absteigungsquartier der 
den Thuringer Wald bereisenden Frem- 
den geworden. 

In Eisenach lebt jetzt unser ala Land- 
schaftsgartner ruhmlich bckannter Mit- 
arbeiter, Herr Jager, indem er die Stelle 
als Hofgartner am Herzoglichen Kart- 
hausgarten daselbst bekleidet. Dieser 
Garten selbst hat wesentliche sehr vor- 
theilhafte Abanderungen unter der Lei- 
tung dieses einsichtsvollen Mannes er- 
fahren, und konnen mehrere Parthien 
desselben als Muster eines reinen Sty- 
les gelten. Ueber alle Beschreibung 
reizend ist der Blick von da nach der 
gegenuber liegenden Wartburg und in 
das Marienthal, denn Natur und Kunst 
vereinigen sich hier, einen tiefen Ein- 
druck zu hintcrlassen. In den Anlagen 
gefielen mir sehr einige frei gepflanzte 
Exemplare des Quercus pyramidalis, ei- 
ner Eiche, die in der Tracht den pyr»- 



4 w^^Mr 



I. Origi 

midalischen Wuchs eines Lebensbaumes 
Oder der italienischen Pappel nachahmt. 
Auch von der Zirbelkicfer fand ich hier 
einige grosse prachtige Exemplare, die 
bier jahrlich Samen tragen. Schon 
friihcr maehte ich darauf aufmerksam, 
dass die Zirbelkicfer (Pinus Cembra) bis 
hoch in die Alpen hinaufsteigt und da- 
her zu den hartesten Tannen von der 
Tracht einer Weihmuthskiefer gehbrt, 
wahrend man sic falschlich haufig zu den 
zarteren Tannen rechnet. Auch hier in 
Petersburg ertragt dieselbc ohne Schutz 
dennordischen strengen Winter; da auch 
die Niisse der grossen Zapfen essbar 
fiind, so verdient sie von alien Tannen 
die haufigste Anpflanzung. 

In den gut gehaltenen Gewachshau- 
sern der Karthaus sah ich cine schone 
Abart der Salvia coccinea , als S. cocc. 
superba, welche die Stammart an Schon- 
heit bedeutend ubertrifft. Auch ein rei- 
ches Sortiment strauchiger Calceolarien, 
and schone rothe Clerodendren - Arten 
fielen mir angenehm ins Auge. In Be- 
zug auf die letzteren sei es mir er- 
laubt, hier gelegentlich zu bemerken, 
dass eigentlich nur zwei gut untcrschie- 
dene Arten derselben in deutschen Gar- 

cultivirt werden, und dies ist Cle- 



rodo 



ifor 



*u die als C. Devonianum , squamatun 
ond fortunatum gehenden Arten geho 



CI.- 






tnm Vahl, welches gewbhnlich als C. 
Kaempferi oder speciosissimum in den 
Garten geht. Diese beiden Pflanzen 
verdienen aber von alien Warmhauspflan- 
«en die sorgfaltigste Kultur, indem keine 
Pflanze mehr als diese die auf sie ge- 
nchtete Sorgfalt lohnt. Nachdem man 
»ie bei 12 — 150 R. iiberwintert hat, 
TOpflanxt man sie im Februar in eine 
leichte Erde in nicht zu grossen Topf, 
«ad grabt den Topf in ein warmesBeet 



des niedrigen Warmhauses oder desAna- 
nashauses, oder Mitte Marz in ein war- 
mes Treibbeet ein. Sobald die Pflanzen 
hier einen kraftigen Trieb zu machen 
beginnen und frische Wurzeln an den 
Topfrand senden , pflanzt man sie zum 
zweitcnmale in einen grbssern Topf in 
eine kraftige Erdmischung aus Rasen- 
erde, Lauberdelund Misterde , oder ei- 
ner Beimischung von Hornspanen um 
und sorgt fur vollkommensten Abfluss 
des Wassers. Mitte Juni wird eine junge 
Pflanze die erste Gipfeldolde ihrer scho- 
nen zinnoberrothenBlumen zu entwickeln 



lichten Standort im niedrigen Warm- 
hause an, siehet wieder auf guten Was- 
scrabzug und stellt sie nach alien Sei- 
ten frei. Bei einer Temperatur, welche 
Tags bis auf 20° R. emporgehet, flcissi- 
ger Liiftung des Hauses, giebt man der 
Pflanze wochentlich einen kraftigen Dung- 
guss und so wird sich nicht nur der 
erste Gipfelbliithenstand kraftig ent- 
wickeln und fast 2 Monat unausgesetzt 
fortbluhen, sonde rn es werden sich auch 
noch zahlreiche Seitentricbe bilden, wel- 
che im August zu bluhen beginnen, so 
dass die gleiche Pflanze wahrend des Sum- 
mers bis October zur unausgesetzt schon- 
stenZicrde des Warmhauses dienen kann. 
Von Eisenach aus kann der Fremde 
einen der lohnendsten Spatziergange ma- 
chen, der auf kleinem Itaum dem Auge 
die mannigfaltigsten Naturscenen bietet. 
Zunachst besteigt man die Wartburg, 
versetzt sich hier einige Jahrhunderte 
zuriick, wo die aufgestellten Rustungen 
noch von kraftigen Mannern getragen 
wurden, wo Luther ein Asyl fand 
und die Zierden deutschcr Ritter die 
Burg belebten. Man geniesst den herr- 
lichen Blick auf Gebirge und Land und 
steigt dann jenseits hinab, um durch das 



74 

Annathal nach der hohen Sonne zu gehen. 
Esist dieses eine wildromantischeSchlucht, 
die ein kleiner Bach tief ins Gebirge ein- 
gefressen hat. Stellenweise wird die 
Schlucht so enge , dass nur ein einzel- 
ner Mensch sich zwischen den schroffcn 
Felswanden hindurch zu winden ver- 
raag, die durch Farrenkrauter und die 
mannigfaltigsten Moose und Lebermoose 
mit saftig griincm Polster bekleidet sind. 
Von der hohen Sonne geht man iiber 
den Hirschsprung und die Grotte nach 
Wilhelmsthal, dem Sommorschloss 
des Grossherzogs von Weimar. Schon 
auf dem Hirschsprung hat man einen 
herrlichen Blick hinab nach Wilhelms- 
thal, vie es unten im Thale vor einem 
grossen seeariigen Teiche in frischem 
Wiesengrunde vorm dunkeln Walde 
liegt. Die Buchenwaldung, durch die 
von da an der Weg zur Grotte fuhrt, 
ist von einer Majestat, wie man sie in die- 
scrRichtung inDcutschlands Waldungen 
nicht sehen kann. Da wandelt man hin 
in der ruhigen feierlichen Stille dcs 
Waldos, der aus den herrlichsten aller 
Baumgiganten gebildet wird. Viele die- 
serBaume beginnen erst bei einer Hohe 
von 70 — 80' ihre machtige Krone aus- 
zubreiten und an dor Grotte, einer Ver- 
tiefung in steiler Felswand, angclangt 
glaubt man sich in die feierliche Ein- 
samkeit eines amerikanischen Urwaldes 
versetzt. Writer hinab bffnet sich dor 
Wald, iiber Wiesengrunde hin erblickt 
man das einfache Sommerschloss. Man 
wandelt nun am Gestade des kleinen 
Sees hin , wo in ahnlieher Weise wie 
beiReinhardtsbrunnen eine einfache edle 
Gartenanlage sich mit der umgebenden 
Gebirgswaldung unmerklich verbindet 
und steigt, am Ende des Sees ange- 
langt, wieder zum Karthauserberg era- 
por. Noch einmal hat man hier Wilhelms- 
thal mit seinem Sec, seinen Wiesen und 



Waldungen in fast feenhafter Schonhcit 
unmittelbar unter sich und wendet nur 
ungcrn dieser Landschaft, wo man gerne 
Stunden ruhig vertraumen mochte, den 
Rticken. Wieder gelangt man zur ho- 
nen Sonne und wahlt von hier aus den 
Riickweg durch die Landgral'enschlucht 
nach Eisenach. Es hat dieses Thai viele 
Aehnlichkeit mit dem Annathal, nur ver- 
engen sich die bald sehroffer, bald 
sanfter absturzenden Bergwande nicht 
so sehr. Aber eben diese reiche Wald- 
vegetation , diese Vegetation unserer 
deutschen Farren, die auch im Garten 
so manchen Liebhaber jetzt gefunden 
haben, und diese mannigfaltige Moos- 
welt, wo der Kenner manche seltne Art 
darunter entdeckt, ist fur Naturfreund wie 
Botaniker eine Quelle reiner Lust, Interes- 
sant sind hier wie im Annathal, einzelne 
umgestiirzte Baume, die sich quer iiber die 
Schlucht gelegt. Die nach unten gehenden 
Aeste sind abgestorben, aber einzelne 
der aufwarts strebenden beginnen gleich 
ncuen Stammen aus dem Mutterstamme 
emporzuwachsen. 

In Eisenach befindet sich auch' der 
Handelsgarten meines lieben Freundes 
Schwabe, der besonders Samen von 
Levkoien und einjahrigen Pilanzen a«- 
het. Ein Geschaft , von dem jeder gat 
und reell bcdient wird. — 

Ein anderer Ausflug von Gothafuhrte 
mich nach Arnstadt. Rechts sieht man 
die 3 Gleichen liegen, Burgen, die dorch 
die Legende des Grafen von Gleichen 
durch ganz Deutschland bekannt sind. 
In Arnstadt sind mehrere sehr tuchtige 
Handelsgartner , von denen kft jedoch 
nur den Garten meines lieben Freundes G. 
Mohring einllisslich besichtigen konnte. 

Den Garten besorgt vornehmlich der 
Associe des Hrn. Mohring , Herr Frit- 
sche, von dem schon einigemal recht uv- 
teressante Mittheilungen sich in diesen 



in den mci3ten Garten Thuringens , die 
Samenzucht als Hauptgeschaft betriebei 
und gerade beim Herrn G. Mohring ist 
dies in ziemlich bedeutendem Grade der 
Fall. Allc jene beliebten Florblumen 
werden jede einzelne Sorte auf grossei 
Beeten in Massen angebauet. Die Lev 
koien und Lack, die gerade vom Herrn 
Mohring in ausgesuchter Schbnhei 
liefert werden und als Arnstadter Lack 
und Levkoien in den Handel kon 
nehmen in tausenden von Topfen lange 
bedeckte Stellagen ein. Unter diesen 
fur den Samenhandel bestimmten Pflan- 
zen erregte meine Aufmerksamkeit, 
ausser jenen zahllosen Massen der bc- 
liebtesten Florblumen, eine ausserst zier- 
liche Abart der Lobelia Erinus mit tief 
dunkelblauen Blumen, die hier, wie in 
den Garten Erfurt's als Lobelia Erinus 
oculata cnltivirt wird. Zu Einfassungen 
ist dieselbe ausserst schon und zierlk-h, 
ebenso wie zur Topfcultur, als kleine 
niedliche Pflanze mit niederliegenden 
Zweigen und den ganzen Sommer hin- 
durch andauernder Bliithe. Eine andere 
|m letzten Jahre eingemhrte Neuigkeit, 
ist der Helianthus argopbyllus aus Te- 
*«. Es ist dieses eine 6 Fuss hohe 
Sonnenblume, die sich durch das deco- 
rative eigenthumlich graugrune silber- 
glanzende Laub auszeichnet. Die Blume 
stent aber der unsercr gewbhnlichen 
Sonnenblume oder des schbnen Helian- 
thus californicus an Schbnheit nach. 
Eine tief dunkelblaue Lobelia ramosa, 
sahlreiche Samlinge der rothen Lobe- 
lien und vor alien die zierliche neue 
rosenrothe Immortelle, Anoclinium ro- 
8 emn sind in dieser Richtung noch zu 
erwahnen. Letztere aus Neuholland 
stammend macht der Rhodanthe Man- 
glesii Concurrenz und theilt mit dieser 
gleiche Cultur. 



In besonderer Schbnheit sah ich hier 
eine Sammlung der jetzt so beliebten 
Petunien in vielcn ncuen vortrcfflichen 
Sorten eigner Anzucht, von denen sich 
in dieser Nummer eine Abbildung befindct. 
Ebenso ist ein von Herrn Fritsche erzo- 
gener Bastard zwischen Papaver bractea- 
tum und somniferum sehr zu beachten. 
Auch in den Gewacbshausern findct sich 
hier eine reiche Auswahl der bcliebteren 
Pflanzen und selbst einzelne Seltenheiten. 
Unter den ersteren behudet sich 
eine reiche Sammlung indischer Azaleen, 
die in verhaltnissmassig sehr kleinen 
Topfen dennoch ausserst kraftigen Wuchs 
zeigen. Herr Fritsche theilte mir mit, 
dass ihm die Zeit nicht erlaubt habe, 
dieselben zu versetzen. Er habe darum 
zur Zeit des Triebes cincn Guano-Guss 
angewendet, der eine sehr gutc Wirkung 
gezeigt habe. 

on besonderer Schbnheit waren 
einige Exemplare der Witsenia corym- 
Ficus 8ubpanduraeformis , eine 
hubsche neue Blattpflanze mit langli- 
chen, am Grunde leierfbrmigen grossen 
rn, die achte Adamia versicolor, 
Wellingtonia gigantea und Libocedrus 
chilensis in schonen starkenExemplaren, 
re auf Thuja occidentalis veredelt, 
und vieles andere. — 

»s Gartens des Herrn Ebritsch, 
fleissigen und intelligenten Man- 
nes, der einzelne Pflanzengattungen zu 
hoher Vollkommenheit gebracht, geden- 
ken wir bei anderer Gelegenheit. — 

ir kommen nun zu der Stadt, wel- 
i Thiiringen durch ihre grossartige 
Samenzucht sich vor alien anderen aus- 
zeichnet und der Sitz zahlreicher intel- 
ligenter Gartner geworden ist, zu dem in 
der Gartens elt so bekannten Erfurt. 

Beginnen wir mit einem der altestcn 
Etablissements dasclbst , mit dem von 



l-\ A. 



»age jun. 



76 



Gartenflora Dentscblands and der Schweiz. 



nicht nur alle einjahrigen Florblumen, 
sondern auch viele der bessern Gemiise 
in grossartigem Maasstabe angezogen. 
In einem geraumigen Orchideenhause 
benndet sich eine schone Sammlung die- 
ser Pflanzen, von denen z. B. Cattleya 
Harrisoni, und die C. bicolor, letztere 
mit fast 3 Fuss hohen Stengeln, gerade 
in Bliithe war. In den Warmhausern 
wurde mir eine schone Melastomacee mit 
rothenBlumen als ausgezeichnete Neuig- 
keit unter Melastoma rubra gezeigt. Es 
ist dieses nun allerdings eine sehr scho- 
ne Pflanzc, welche wegen der Dank- 
barkeit, mit der sie im Herbste ihre 
schonen rothen Blumen entwickelt, in 
keiuem Warmhause fehlen sollte, urn 
so mehr , als sie sich ebenso leicht, als 
die im Habitus ahnliche Rhexia subtri- 
pliner. cultivirt. Sie bildet nur einen 
2—3 Fuss hohen buschigen Strauch, 
ist aber eine von Kunth und Bouche' 
vor einigen Jahren im Berliner Samen- 
catalog beschriebene Pflanze , namlich 
das Beterocentron roseum, das im Ziir- 
cher Garten schon vor 2 Jahren bliihete. 
Wir erwahnen ausserdem im Warm- 
hause der niedlichen Schlauchpflanze, 
des Cephalotus follicularis , des schonen 
epiphytisch wachsenden Farrenkrautes 
mit seinen machtigen breiten, gabelfdr- 
mig getheilten Wedeln, des Acrostichum 
grande, das mit Unterlage von Moos an 
Baumaste angeheftet und im schattigen 
feuchten Warmhause aufgehangt am 
besten gedeihet. Viele schone Cycadeen, 
Musaceen und Palmen gereichen ausser- 
dem den Warmhausern zur Zierde, so 
ein Encepbalartos caffra mit 4 Fuss ho- 
hemStamme,Strelitzia albamit 15'hohem 
Stamme, die Curcuma Rosceana mit ro- 
then, und C. cordata mit blauen Blu- 
men gerade prangend, die schone und 
dankbar bluhende Begonia prestoniensis, 



tigen fein gefiederten Blattern , Cissus 
vitigera? eine im Blattschnitt ganz aus- 
gezeichnete Schlingpflanze , die viel em- 
pfohlene Impatiens Perdoniae in einem 
kleinen bluhenden Exemplare, die in 
Gewachshausern immer noch seltene 
Theophrasta Jussiaei , und doch eine 
der schonsten Decorationspflanzen fiirs 
Warmhaus, Leaea sanguinea mitgrossen 
3theilig zusammengesetzten Blattern, 
Goethea cauliflora ausgezeichnet durch 
die Blumen, welche sich gerade am Holze 
des Stammes entwickelt hatten. Die 
reichste der Sammlungen des Herra 
Haage ist dessen reiche Cactus -Samm- 
lung, wohl eine der reichsten in Deutsch- 
land , gleich ausgezeichnet durch Voll- 
standigkeit wie durch schone Exemplare. 
Da siehet man ein ganzes Beet des Ce- 
reus senilis in grossen Exemplaren, von 
denen jedes einzelne zur Zierde einer 
Sammlung dienen konnte, 2 Fuss hohe 
und fast ebenso breite Exemplare des 
Echinocactus electracanthus, den zierlich 
weiss bereiften Echinoc. Maletianos, 
Leuchtenbergia principis in vielen scho- 
nen Pflanzen, Pelecyphoi 
und viele andere Seltenheiten, 



ders schon und zahlrcich. Es ist dieses 
eine besondere Liebhaberei des Herrn 
Haage, und es ist erfreulich, dass diesen 
eigenthumlichen Pflanzen in ihm ein 
treuer Freund geblieben ist, wenn gleich 
jetzt der Modeton im Gartenwesen eine 
andere Richtung genommen hat. 

Unter den Kalthauspflanzen paradirt 
eine schone Sammlung von Ericen ww 
Epacris. Von den letztern ist Epacris 
Eclipse besonders zu empfehlen, die der 
schonen E. miniata zwar ahnlich, aber 
noch reichlicher bluhet. Acacia Dronj" 
mondi undLomatia ferruginea, beidemK 
gefiedertem Laube , Eugenia Ugni , d" 8 
grosse, blumige, der Lcchenaultia formo» 



Originalabhandlungen. 



77 



verwandte Art, Lekeiranthera linearis in 
einer Masse schoner Exemplare, Statice 
Halfordi und macrophylla, beidc bluhend, 
mehrere Abarten der schonen Linaria 
triornithophora mit heller und dunkler 
rothen Blumen fielen mir als empfehlens- 
werthe Neuigkeiten unttr den Kalthau 
pflanzen auf. 

In einer reichen Sammlung von Co- 
niferen paradirten auch Araucaria Cookii, 
Bidwilli uud gracilis, schone Samenpflan- 
zen des Cephalotaxus Fortunei mit quir- 
lig gestellten Aesten , eine sehr schone 
uns noch ganz unbekannte blaugriine 
Abart der Araucaria Cunninghami (Var. 
glauca), die kleine zwergige Junipcrus 
cchiniformis u. a. Seltenheiten. 

Unter den Culturen der bei uns 
schwieriger Samen tragenden Pflanzen 
fiel mir eine im freien Landc in durch- 
aua sonniger geschiitzter Lage befindli- 
che, aus leichten Latten gebildete Laube 
auf, an denen in Festons die prachtige 
himmelblaue Winde , Ipomoea rubro- 
caernlea emporspann, reichlich Blumen 
«nd reife Samen tragend. Die Pflanzen 
werden sehr zeitig im Warmhaus ange- 
z <>gen, spater in 5zollige Topfe ge- 
pflanzt und mit diesen an die ein- 
*elnen Pfeiler gestellt. Hiermit ware 
uaa Geheimniss, diese schone Schling- 
pflanze zum friihzeitigen Bluhen und 
Samentragen zu veranlassen, fur unser 
Klima gelost Ins freie Land gepflanzt, 
*uchert dieselbe stark und entwickelt 
erst gegen den Spatherbst hin die er- 
sten ihrer schonen Blumen; im Topfe 
bleibend und unterm Einfluss der freien 
Luft wird sie aber durch Mangel an 
Nahrung zum fruhern Bluhen veranlasst. 
Eine andere sehr schone einjahrige Pflanze 
«ah ich in den verschiedenen Gartnereien 



Erfurt's 



im herrlichsten Flor. Es ist 



dieses die Abronia umbellata mit ihren zier- 
Uchen blassrosarothen Blumendolden, die 



an die der Primula farinosa lebhaft erin- 
nern, und ihren niedlichen niederliegen- 
genden Stengeln; die Cultur dersclben 
gelingt nur dann gut, wenn man die Sa- 
men fruhzeitig in eine leichte Erde aus- 
saet und darauf die Pflanzen in eine 
Mischung von Rasenerde, Torf-, Haide- 
oderLauberde und Sand aufBeete dicht 
unters Fenster auspflanzt. Hier halt 
man sie trocken und sonnig, liiftet fleis- 
sig, und sie erfreuet durch reichlichen 
Flor. Die niedliche einer Loasa ahnelnde 
Schlingpflanze, Styphanthus elegans, die 
man so selten schon siehet, war zu iip- 
pigster Entwickclung gebracht, auf einem 
sonnigen Beete langs einer Wand , die 
durch Vordach vor Regen geschiitzt 
war. An der gleichen Localitat waren 
auch kraftige Exemplare einer der schon- 
sten strauchigen Immortellen vom Cap, 
des Helipterum eximium (Astelma und 
Elichrysum oximium) aufgestellt, die 
achte grossblumige CaiophoraHerberti und 
ndere zartere Schlingpflanzen befanden 
sich hier in schonster Vollkommenheit. 
Solche sonnige Wande mit Vordach ge- 
den sehr grossen Vortheil, 
Pflanzen der vollen Einwirkung 
nne und Luft auszusetzen und 
ihnen Feuchtigkeit nach Bediirfniss zu 
reichen. Von der sonst so zartenEucnide 
1 mir ein grosses Beet 
uppig bliihender Pflanzen ganz im freien 
Landc ins Auge und das schone Linum 
grandiflorum war im Topf in vielen 
schonen kriiftigen jungen Pflanzen zum 
angezogen. 
as so vielfach empfohlene Pampas- 
(Gynerium argenteum) stand in ei- 
machtigen Busche im freien Lande, 
war hier schon im vergangenen 
harten Winter im Freien durchwintert 
worden, indem die Pflanze mit vielen 
Kosten umbauet und eingedeckt ward. 



78 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



nach alien Se 
Bliithen zeigte 



dessen lange Blatter 
ten grazil herabfielen. 
io abor noeh nicht. Ne- 
ben dem Arundo Donax und dessen 
weiss bandirter Abart, gehort sie jeden- 
falls zu den schonsten Grasern zur De- 
coration von Rasenplatzen im freien 
Lande. Auch die niedliche Gilia lutea 
und aurea mit ihren einer Androsace 
ahnelnden Blumen verdienen unter den 
neuen cinjaiirigcn Pflanzen sorgfaltigc 
Knltur. 

Wir scbliessen hiemit unsern Be- 
rieht uber dieses alte bekannte Etablis- 
sement, welcbes von Vater und Sohn 
mit gleichcm Eifer fortgefuhrt wird, und 
kbnnen nun die anderen nicht minder 
empfeblenswerthen Garten Erfurt's et- 
was fluchtiger betrachten, da sich na- 
mentlich in Bezug auf Samenzucht dort 
vieles repetirt, was wir hier und bei 
Arnstadt schon einlasslicher besprochen. 
Ueberhaupt kbnnen wir keinen dieser 
Institute das Epitheton des ausgezeich- 
netesten verleihen, da alle neben ein- 
andcr darnach streben, in ihrerArtvor- 
ziigliches zu leisten und alle durch reelle 
Bediennng darauf angewiesen sind, ihre 
zahlreichen Kunden durch ganz Europa 
zufrieden zu stellen. 

Der friihere Botanische Garten, der 
durch die Thiitigkeit des Professor Bern- 
hardi sich einen gutenNamen erworben 
hatte, ist eingegangen, und das betreffende 
Grundstuck nebst Gewachshausern Hrn. 
Topf ubergeben worden. Es hat nun 
dieser untcrnehmende Mann hier eine 
tiichtige Handelsgartnerei und zugleich 
eine Lchranstalt fur Gartner gegrundet, 
wo diese zugleich praktischen Unterricht 
sowie solchen jin den wichtigsten Thei- 
len des Gartenwesens geniessen. 

In ausgezeichneter Schonheit sah ich 
hier die Pyramiden-Zwergastern, welche 



franzbsischer Gartnereien an Vollblumig- 
keit und gutem Bau ubertrafen. Voa 
dem zum Zuckerbau empfohlenen Sorg- 
hum nigrum (als S. saccharatum von 
Vilmorin verbreitet) standen einige Beete 
in Bliithe, und ebenso bliiheten hier 
die Pflanzen , welche das persische In- 
secten-Pulver liefern, Pyrethrum car- 
neum und roseum. Es halten diese 
Letzteren bei uns gut im Freien ana, 
eigentliche Zierpflanzen sind es aber in 
der That nicht, wcnn nicht die neuer- 
lich in Kultur gebrachtcn Abarten sich 
als solche erweisen. Von besonderer 
Schonheit waren einzelne Beete des 
Phlox Drummondi in all den zwischea 
Weiss und Roth erzeugten Spielarten. 

Auf die Kultur der neueren immer- 
griinen im Lande ausdauernden strauch- 
artigen Pflanzen verwendet Hr. Topf 
viele Sorgfalt Eine schbne Sammlung 
der Berberis-Arten , derConiferen, Mag- 
nolien etc., unter denen die von Topf 
eingefuhrte M. Lenneana, waren in die- 
ser Beziehung auf geschutzten Beeten 
ausgepflanzt, und auch die neuesterZeit 
in Kultur gebrachte Quercus filicifolia, 
(wahrscheinlich eine Abart von Quercus 
pedunculata mit geschlitztem Blatte) fiel 
uns in dieser Beziehung auf. 

Eine bei uns heimische Pflanze, die 
Sibthorpia europaea, sah ich als schone 
Ampelpflanze verwendet, und verdient 
diese in dieser Beziehung voile Empfeb- 
lung. Von 'Amaryllis Tettaici, einer 
sehr empfohlenen Pflanze, standen viele 
Hundert von Exemplaren da, und ao«- 
serdem enthielten die GcwachsbSos* 
manches Schbne und Seltene. Bedauera 
musste ich es, ausserhalb Erfurt g«* 
legene Baumschule und Landereiea 
zur Anzucht von Samen H. Topfa vc * 
gen Mangel an Zeit nicht besuchen x« 



dete Gartnerei in Erfurt ist die desHrn. 
Be nary. Es hat aber alien Anschein, 
ala wenn dieser intelligente thatige 
Mann bald alle anderen Gartnereien 
Erfurt's uberbieten werde, da sein 
Anzucht von Samen von Blumen und 
Gemuse in und ausserhalb Erfurts be- 
stimmten Landereien wohl jetzt schon 
die bedcutendsten sind , sowie auch dos- 
son Gcwaehshauser diirch sehr bedeu- 
tende Neubauten sich bald denen des 
Hrn. Haage an die Seite stellen durf- 
ten. In ersteren sah ich hier die nied- 
liche, in der Flore des serres abgebildete 
Lyaimachia Laehenaultii, eine Pflanze, 
die wir schon erwahnten, ohne ihr je- 
doch voile Gercchtigkeit wiedcrfahren 
zu lassen. Sie ist wirklich noch einmal 
sehbner als die Abbildung im genann- 
ten Werke und wird als Pflanze, die 
man im zweiten Jahre ins freie Land 
pflanzt, in jedem Blumengarten einen 
guten Effect machen. Von Canna lili- 
flora sah ich hier ein grosses starkes 
Exemplar, welehes jedoch noch nieht 
gebliihet hatte. Loasa Schlirnii, diese 
neue von Linden eingefuhrte Art, ist 
mehr eigenthiimlich als schon. Auch die 
neuen von uns besprochenen Tropaeo- 
lnm-Arten , die von Sudfrankreich aus in 
Kultur gebracht wurden, waren schon 
in hubschen Exemplaren vorhanden. 

Unter den zur Samenzucht bestimm- 
ten Pflanzen war der Hahnenkamm in 
ganz ausgrzeichneter Schbnheit vorhan- 
den; von grunrandigen Petunien war 
ze Stellage in den schbnsten 
gefullt. Wie bei Haage sah 
ich hier ganze Kasten voll von Abronia 
umbellate, und in ganz ausgezeichneter 
Schbnheit die von uns friiher abgebil- 
dete Sabbatia campestris. Durch sorg- 
fikige Kultur ist es Hrn. Bcnary gelun- 
^ n > diese sonst so schwierig zu behan- 
i einer Ueppigkeit der 



N;:anc. 



delnde Pflanze 



79 

Entwickelung zu bringen, die alle Erwar- 
tungen iibertrifft, die man an diese 
Pflanze zu kniipfen berechtiget war. 
Auf einem Beet unter Fenster ausge- 
pflanzt, stand sie in grbsster Ueppig- 
keit und war bedeckt mit ihren schb- 
nen rothen Blumen. Die Bebandlung, 
die ihr Hr. Benary angedcihon liess, 
war folgende. Die Samen wurden im 
Februar auf Niipfe im fcuchten Warm- 
hause ausgesiiet. Die jungen Pllanz- 
chen wurden dann einzeln in Tbpfe pi- 
kirt und im Warmhaus gehalten, bis sio 
im Fruhling in ein vorbereitetcs halb- 
warmes Beet in den freien Grund ge- 
pflanzt werden konnten, wo wahrend 
des Sommers wenig beschattet , aber 
stark geluftet ward. Zur Erde ward eine 
Mischung aus halb Heideerde, halb 
schwerer lehmiger Rasenerde angewen- 
det. Aussaaten, die schon im Herbst 
gemacht wurden lieferten ein viel schlech- 
teres Resultat. Herr Benary erhalt 
als Belohnung seiner richtigen Kultur 
chliche Samenerndte von 
dieser ganz allgemein empfehlenswer- 
then Pflanze. Das zierliche Elichry- 
sum brachyrhynchum aus dem siidlichen 
Neuholland lieferte unter ahnlichcr Be- 
bandlung nicht minder gute Rcsultate, 
und ebenso die neuen Podolepis-Arten 
da. Von dem schbnen Azoren-Ver- 

imeinnicht (Myosotis azorica) waren 
lange Beete im freien Lande ausgepflanzt. 

Unter der ebenso reichen als schb- 
nen Coniferen-Sammlung fiel mir die 
grosse Zahl schbner starker Pflanzen 
der "Wcllingtonia gigantea, Libocedrus 
chilensis und Cephalotaxis Fortunei, ne- 
ben den seltneren iuehrfach erwahnten 
Zierden der Coniferen - Sammlungen auf. 
Nut ungern verliess ich diesen Garten, 
um wenigstens schnell noch einen fluch- 
Blick in andere Garten Erfurt's 
zu werfen. 



Gartenflora Deutechlands und der Schweiz. 



Von da lenkten wir unsere Schritte zu 
einem alten Bekannten, demHrn. Siegling 
(von der bekannten Firma Moschkowitz 
und Siegling), urn dessen weitum bekann- 
tes Geschaft in Augenschein zu nehmen. 
Auch hier tritt der eintraglichere Theil 
des Handels , das Samengeschiift, in den 
Vordergrund. Eine neue Abart vonLu- 
pinus Hartwegii mit rothen Blumen , die 
schbnen Podolepis-Arten, eine ganz aus- 
gezeicbnete Sammlung der verschicden- 
artigsten Phlox Drummondi, schbne mit 
besonderem Fleiss gezogene Pense*es, 
Petunien, der niedliche klcine 1 — 2jah- 
rige neue Rittersporn mit geschlitztem 
Blatt und tiefblauen Blumen (Delphi- 
nium cardiopetalum) , Linaria triomitho- 
phora, ein Beet mit demneuen, in sehr 
verschiedenartigem Farbenspiel prangen- 
dem Dianthus Gardenerianus , fielen mir 
in dieser Beziehung be3onders ins Auge. 
Dieser letztere ist ein fruchtbarer Ba- 
elard zwisehen Dianthus chinensis und 
superhus. Vcrhalt sich wie seine Stamm- 
ekern zwei-mehrjahrig, halt im freien 
Lande aus, bewegt sich in dem Farben- 
spiel des D. chinensis, hat abcr tiefer 
geschlitzte Blumenbliitter. Derselbe ward 
durch Vilmorin in Cultur gebracht, doch 
erhielt der Zurcher Garten im letzten 
Jahre schon ein Exemplar dieses Ba- 
starden aus dem Canton Waadt, wo er 
von einem Geistlichen ebenfalls gezo- 
gen worden war. Die Massen der schbnen 
Astern, Levkoien u. a . beliebter Flor- 
blumen finden sich in alien Garten Er- 
furt's wieder. 

Hier sahen wir auch die von dieser 
Firma im letzten Fruhling in den Han- 
del gebrachten neuen Tropaeolum-Arten 
(T. Zipseri, Schulzii und Kotschii) in 
grossen kraftigen Pflanzen roller in 
Bluthe. Alle 3 zeichnen sich, ins freie 
Land gepflanzt, durch dankbares Blu- 
hen wahrend des Sommer* aiia „^ 



gehoren zu den schbnsten Formen (Misch- 
lingen) zwisehen T. Lobbianum und ma- 
jus. Wir hatten diese Pflanzen bis jetzt 
nur in schwachen Topfexemplaren blti- 
hen sehen, und sie deshalb nicht bo 
beachtet, wie sie es verdienen. Von 
den verschiedenen Abarten der Thun- 
bergia alata fielen mir Beete im freien 
Lande auf, wo diese Pflanzen wie Boh- 
nen an Stecken emporgezogen waren. 

Von der Dioscorea Batatas, der neuer- 
dings so vielfach besprochenen Igname- 
Batate, zeigte mir Herr Moschkowiti 
eine so eben aus dem Lande genomme- 
ne Pflanze, welche wahrend des Som- 
mers eine V/ % Fuss lange Knolle ge- 
bildet hatte. Es wird diese Pflanze in 
diesem Jahre bedeutend im Preise her- 
abgehen, so dass nun Versuche fiber 
den Anbau derselben als Ersatzpflanie 
der Kartoffel im Grossen gemacht wer- 
den konnen. Wir liessen von Ziirieh 
aus im letzten Fruhling eine grbssere 
Anzahl Rnbllchen aus Paris kornmen. 
Dieselben bestanden aus kaum 1 ZoB 
oder V» Zoll langen Schnitten des obe- 
ren Theils der Knolle und besassea 
durchaus keine sichtbaren Augen. Wir 
pflanzten sie in eine sehr sandige Erie 
in kleine Tbpfe und stelltcn sie u»* 
Warmhaus, wo sie jedoch nach einigW 
Wochen noch keinen Trieb zeigten. & 
wurden daher die Tbpfchen in ein war- 
mes Beet eingesenkt, wo sie bald Triebe 
zeigten. Ein Theil derselben ward n"» 
in grbssere Tbpfe gepflanzt und imW«n°* 
hause behalten; ein anderer Theil *** 
aber in ein tief rigoltes Beet im to* 
Lande gepflanzt, und ich bin begierig, 
Resultat zu vernehmen. So viel ist jedo^ 
sicher, dass man so lange, als man »* 
kleine Knollenstiickchen pflanzt, die* 
Cultur nur dann Aussicht auf E«®* 
hat, wenn man dieselben zeitig im *** 



Mai i 



freie Land i 
auch gelingi 



I. OriginalabhandlungeD. 
pflanzen. Ob die 



kere Knollen, abnlicb den Kartoft'eln, 
zeitig in'8 frcie Land legr, ohne sie zu- 
vor anzutreiben, dariiber kann erst die 
Zeit entscheiden, und nur dann bade 
diese Pflanze pine Aussicht auf den An- 



, den Gev 






die Pier 



*», eiri Warnihausstraurh mit Oran- 
genblatt und gelben Blumen , Escallonia 
Candida, die schone bimraelblaue Hydro- 
lea azurea, -die niedlicbe blaubluhende 
Scutellaria pulehella und der Pandanus 
1 ebenfalls nocb zu er- 

Lnt.r d»r BeafchtigOQg aller dieser 
«*■ war der Tag vers.riolien und 
k«rze Zeit blieb mir noeh ram Ek*uck 
'•> dem an Gewachsbauspflanzen beson- 



ir„. M 



grandiflo 



*hafft. Dor neue Dip] 
m - d" zur Verzierung w 
S^Ppen und Blunien^tellagen ausge- 
^•chnet scbon ist, Desfontaina spinosa, 
wphyllum spinosum, eine reiche 
^ndung der fur decorative Zwecke so 
ttbonen Begoni. 



nd probir 



— v U « e gomen, eine schbne Samm- und probi 
^g der Alpenrosen vom Sikkim , und ■ Versucher 
UL1856. 



Schwammes (Boletus Satanas) fast den 
Tod fand. 

Wir behalten es uns vor, bald ein- 
mal ein kurzes Referat iiber die mitz- 
lichsten Schwamme nebst Abbildung zu 
geben. 



neiner Weiterreise konnte ich 
in Berlin einige Tagc aufhal- 
aueb lange nicht alles sehen, 

zu sehen ist. 



Von J. G. Meyer, Handelsgartne 



Ulm. 



Die Rettige, Raphanus sativus. 
math China. Wir unterscheiden von 
selben: a) Monatrettige , Radieschen, 
b) Sommer- und c) Winterrettige. Den 
Monatrettigcn, einer Spielart der Rettige, 
werde ich in der Folge eine besondere 
Abhandlung widmen und beginne dess- 
halb mit den Sommer- und Winter-Ret- 
tigen. 

a) Sommer-Rettige: 

1) Der gelbe fruhe kleine Sommer- 
rettig, audi kleiner friiher gelber Wie- 
ner oder kleiner gelber friiber Halbret- 
tig. Von diesen haben wir auch wel- 
ehe mit dunkelgrauer Farbe unter den 
Namen Zwei-Monatrettige , Doppel- Mo- 
natrettige, weil dieser Rettig die zwei- 
fache Grosse der Monatrettige erreicht; 
beide crreichen die Grosse eines Tau- 
beneies mit kleinen Krautern. 

2) Der gelbe friihe grosse Wiener 
Sommerrettig , auch gelber friiher gros- 
ser Halbrettig, ein sehr schoner 
schmeekender zarter Rettig, erreicht bei 
gehiiriger Cultur die Grosse eines klei- 
nen Hulmereies. Auch von diesem be- 
sitzen wir noch andere Farben, den ro- 
then, braunen, grauen, weissen grossen 
Halbrettig. 

3) Der neue mittellange schwarz- 
graue fruhe Sommerrettig, mit sehr klei- 
nen Bttttern, eine sehr schone Sorte 
mit mittellangen Riiben von schwarz- 



brauner Farbe und vielen weissen Punk- 
ten bezeichnet. 

4) Der neueste mittellange rothgraue 
fruhe Sommerrettig , sehr kleinblattriger. 
aehr schoner Sommerrettig und sehr zu 
empfehlen; von diesem habe ich diesen 
Herbst erstmals einige Loth Samen ge- 

5) Der fruhe grosse mittellange graue 
(dunkelbraune) Sommerrettig; hieros 
haben wir noch eine Varietat mit kfl- 
gelfdrmigon Ruben und unter dem Na- 
men grauer runder Sommerrettig. 

6) Der schwarzrothe lange Sommer- 
rettig, auch schwarzrother Herb-trettig, 
mit dunkelschwarzrother schoner langer 
Riibe von sehr angenehmem Geschmaeke. 

8) Der blassrothe runde Sommerret- 
tig, mit runder rosafarbiger mitte^ 
ser Riibe. . . 

Die Sommerrettige erfordern gl plCi 
alien Wurzelgewachsen eine locked 
leichte kriii'tige Erde , welche im JaW 
vorher zu der Cultur anderer Pfl«« e 
gedungt wurde, (frischer Diinger-mac 
alle Rettige unangenehm schmecke^ 
die Riibe meistens wurmig, * aC * 
gerne in Zacken) und freie Lage. 
schattigen Stellen, unter Biiumen n« 
an Mauern, Ziiunen etc. bilden «* 
die besten Sorten lange Krauter 
nnr diinne unbrauchbare Ruben. 

Die beiden ersten Sorten, der f 



Heine gelbe Halbrettig etc. Nr. 1 so- 
me der friihe grosse gelbe Halbrettig 
Nr. 2, sov/ie die dahin gehbrigen 
then, weisscn, grauen Wiener Rettige 
und die den Uebergang von den Ra- 
dieschen zu den Sommerrettigen bjlden 
desshalb auch Halbrettige (halbgrosst 
Rettige) genannt werden, konnen sc 
zeitig als nur moglich im Friihlinge an- 
gebaut werden, entweder werden mil 
denselben ganze Lander angesaet, oder 
rnn Spargellander *etc. an Wege Oder 
auch auf eigene Beete gesteckt, zu 
sem Zwecke drucke man einige Samen- 
korner und zwar von den mit 3 
zeichneten auf eine Entfernung von 4 
bis 5 Zoll in die Erde, den grossen 
Halbrcttigen Nr. 2 aber ware eine Ent- 
fernung von 6 bis 7 Zoll einzuraumen. 
Wunscht man diese beidcn Sorten Ret- 
tige recht friihzeitig zu haben, so ware 
der Same auf die angegebenen Entfer- 
nungen auf ein bei Tage offenes Mist- 
beet, das des Nachts mit Strohdecken 
uudLaden geschlossenwird auszustccken; 
doch darf bei der Anzucht in Mistbeete 
sowie bei der in freier Erde nicht un- 
lassen werden, die uberfliissigen Pflan- 
zen auszunehmen, so dass auf die an- 
gegebene Entfernung nur eine, und 
z*ar die starkste Pflanze stehen bleibt. 
Alle anderen Sommerrettige , von Nr. 3 
b is Nr. 8, diirften aber nicht friiher als 
ungefahr Mitte April ausgesaet, oder 
ausgesteckt werden, bei noch fruhcrer 
Aussaat schiessen alle Sommerrettige 
8«hr gerne in Samen , und hierin liegt 
denn der Grund, dass fast alljahrlich 
selbst 
geklagt 
Von dieser Zeit an wiederholt 
Aussaaten in verschiedenen 
je nachdem 



Zwischenrai 

°jj«* wenig hievon nothig hat: 

*ber mit diesen Rettigen gam 



Rettigen ganze Lander 



angesiiat, so versaume man doch nicht, 
die Aussaat etwas dicht zu bestellen; 
denn da alien Rettigen fast alljahrlich 
die Erdflbhe sehr nachstellen, so kbnn- 
ten von einer etwas dichtcn Aussaat. 
doch noch so viele Pllanzen gorcttct 
werden, als auf dem Bcete AotMg siad. 
Haben aber dieselben das 4. bis 5. Hlatt- 
chen gebildet, so wiiren alle ubcrflibsi- 



eine Entfernung von einci 
nur eine, und zwar die s 
stehen bleibt. 

Hier in Ulm werden 
Somraer- und Winterrettij 
Markivcrkaufe, theils zur 
Samen grosse Landeroien. 
was dicht angesae 
Erdflbhe auf den Saaten ei 
man dieses Land Morgens 
die l'l'ianzchen noch mit 






nan, i 



Tabakstaub*) und 



von dieter Bestrouung nicht meh 
zu bemerken, so muss das Uebersl 
wiederholt werden, die Pilanzcn m 

■ 



uberzogen sein, 
herangewachsen 
Erdflbhe nicht n 
was gewbhnlieh 
des 4. Blattchens 
Fall ist, hicrauf 






Si 



Gartenflora Deutsehlands and der Schweiz. 



pflanzchen mit einer schmalen, 3 Finger 
breiten Gartenhaue befalgt (behackt), was 
aber nur bei ganz guter trockener Wit 
terung vorgenommen werden muss, wo- 
bei alle uberfliissigen Pflanzen sammi 
dem Unkraute ausgehaucn werden, sc 
dass den iibrigen Pflanzen eine Entfer- 
nung von einigen Zoll bleibt Diese 
Verrichtung nennt man dann das Ver- 
hauen der Rettige. 

Bei dem nun nachfolgenden Be- 
hacken, das aber gleichfalls nur bei 
ganz guter trockener Witterung vorzu- 
nehmen ist , fallt es dann nicht schwer, 
den einzelnen Pflanzchen eine Entfernung 
von einem starken Fuss einraumen. 
Diess heisst dann das Stellen der Rettige, 
Bei diesem Stellen der Rettige ist aber 
sehr genau darauf zu achten, das; 
zwei Pflanzen beisammen bleiben, 
deren Entfernung nicht unter 1 Fuss 
betragt. 

Fiir Gartner, Gartenbesitzer etc., wclche 
keine sonderliche Fertigkeit in dem Be- 
hacken dicht ausgesketer junger Pflan- 
zen besitzen , mbchte ich diese Methode 
nicht anpreisen. Denn tritt zu der Zeit, 
wenn die Pflanzchen erstmals behackt 
werden sollen', oder auch wiihrend die- 
ser Verrichtung regnerische Witterung 
ein, so werden die Pflanzen zu hoch 
und bedecken oft iiber Nacht schon das 
ganze Land, und ist desshalb diese Ar- 
beit hbchst schwer zu vollbringen, im 
andernFalle wachsen aberviele der aus- 
gehacktenPflanzchen sammt dem Unkraute 
wieder ein, und ist dann ein solches Beet 
keine Zierde fur einen geordneten Ge- 
musegarten. Um sehr schone Sommer- 
rettige anzuziehen, stecke man einige 
Samenkomer in geraden Linien auf 1 
Fuss Entfernung auf gute Iockere, kraf- 
tige Erde, oder was noch besser ist, 
zwischen aus gepflanzten Kopfsalat, da 
Salat zugleich ein vorziigliches Mittel 



gegen Erdflohe ist, so wird der Erfolg 
stets sicher, die Erndte aber sehr lohnend 
sein. Alle unsere mittelgrossen Kopf- 
salate, die auch am meisten in unsern 
Garten angebaut werden, sind auf einen 
Raum von einem starken Fuss verpflanzt, 
und es wird nun zwischen zwei Rei- 
hen dieses verpflanzten Salates eine 
Reihe Rettige auf 1 Fuss Entfernung 
ausgc?tcckt, und die iibrigen Pflan- 
zen der Rettige herausgenommen , so 
dass auf 1 Fuss Raum nur eine, die 
kraftigste Pflanze stehen bleibt. Der Sa- 
lat , der nach und nach zum Ge- 
brauche ausgenommen wird, verschafft 
diesen jungen Rettigen den gehorigen 
Raum: auf diese Weise werden stets 
sehr schone Rettige, und von demLande 
in kurzer Zeit doppelter Ertrag ge- 
erndtet. 

b) Winter-Rettige. 

1) Der grosse runde Ulmcr Winter- 
rettig, mit grosser runder Rube, rauhei 
schwarzer Schaale und scharfem Ge- 
schmacke. 

2) Der dunkelgraue lange Winter- 
rettig, Form und Grosse gleich dem mtt- 
tellangen grauen Sommerrettig ; halt sehr 
gut iiber Winter und ist im Fruhlinge 
sehr mild und schmackhaft. 

3) Der schwarze grosse lange Win- 
terrettig, ein langer dicker Rettig mit 
rauher schwarzer Schaale und scharfem 
Geschmack. 

4) Der neue violette runde Winter- 
ig, mit runder mittelgrosser Rii bc 

violetter Farbe, zart und fek' 
schmeckend. 

5) DerErfurter lange schwarze Win- 
terrettig , ein langer , feinschmeckender 
schoner Rettig, mit dunkelschwarzbrau- 
ner Schaale. 

6) Der neue gelbe plattrunde Wie^ 
Winterrettig, ein sehr schoner hellbraB' 
uer plattrunder mittelgrosser 8ehr zarttf 



Rettig, mit sehr feinerSchaale und 
ziiglichem Geschmack, cine noch wenig be- 
kannte, aber sehr schone vorziigliche Sorte. 

7) Der neue rothe chinesische Win- 
terrettig , mit langer rother zarter Rube 
von scharfem Geschmack. 

8) Der neue lange, grosse Baskie. 
ren-Winterrettig, aueh Baskieren-Zuoker- 
hut, in zwei Farben, als weiss oder 
dunkelgrau, mit sehr grosser langer 
dicker Ziickerhutfbrmiger Rube, der grbss- 
te nnter den bis jetzt bekannten Rettigen, 
wird oft 12 bis 14 Zoll lang und bis 
5 Zoll dick , der Saame desselben muss 
aber auf eineEntfernung von l»/ a Fuss 
ausgesteckt werden, 

Alle Winterrettige erfordern gleiche 
Erde, Lage und Behandlung als wie die 
Sommerrettige; urn aber diese Winter- 
rettige im Herbste vollig ausgewachsen 
zu haben , mtissen dieselben vor Ende 
Jani,und Anfangs Juli ausgesaet werden; 
der Baskieren-Zuckerhut ist aber friiher 
anszusaen, da derselbe liingere Zeit zu 
seiner Ausbildung bedarf. Zu dem Ge- 
brauche wahrend des Winters und im 
Fruhlinge sind die Winterrettige vorziig- 
u <* geeignet , denn obgleich sich alle 
Sommerrettige sehr gut in Gruben, Kel- 
fern etc. durchwintern lassen, so sind 
doch viele derselben im Fnihlinge pel- 
zi g, trocken etc. und haben desshalb 
znm Verspeisen wenig Werth. Anfang 
Oktober nimmt man alle Rettige aus der 
Erde, (denn schon leichhr Frost wirkt 
^hr nachtheilig , da sie dadurch ihre 
Scharfe und ihren angenehmen Geschmack 
^rliercn) lasst dieselben gehorig abtrock- 



nen und nachdem das Kraut abgeschnit- 
ten, ohne jedoch das Herz zu verletzen, 
weil sie dadurch zu sehr austrockncn 
und pelzig werden, verwahrt man dieselben 
gleich andern Wurzelgewachsen in Gru- 
ben oder Kellcrn; werden Rcttige in 
Kellern in Sand cingepflanzt und der- 
selbe, wenn trocken, begossen, so treiben 
diese Rettige zarte gelbe Blattsprossen, 
die zerschnitten im Winter als Salat be- 
niitzt werden konnen. 

Gegen Steinbeschwerden soil sich 
der Rettigsaft als sehr heilsam bewahrt 
haben. Nach den Fr. Blattern 1852 pag. 
117 wurde einem mit diesem Uebel be- 
hafteten Knaben, nachdem derselbe durch 
arztliche Hilfe nicht geheilt' werden 
konnte, taglich viermal ein Spizglas mit 
Rettigsaft gegeben, und schon nach dem 
fiinften Glase ward der Knabe gesund 
und hiipfte frbhlich umher*). 



Ul ol- 



*) Der Zufall hat mich zi 
ledacteur dieser Zeilschrift und 
■gen ron Manneru gemacht, < 



Gelegenheit geben wird, sich iiber inein 
Gebahren in ihren Gewachshausern und auf 



meioe Coliegen w« 
mem Rath ertheilen wollen. So verwundere 
ich mich iiber die obige Anpreisung des Ket- 
tigsaftes und warne vor dessen AnwenduDg 
im angegebenen Sinne. In Laienhand kGnnte 
Schaden damit gestiftet werden. 

Spitalarzt. 



1 > Mormodes vitellina KL; Orchideae. — I convexis , sepalis anguste - lanceolatis, 
^racerno secundo (5— 6fioro), floribus lateralibus reflexis; petalis ovato-lanceo- 
sepalis petalisque incurvo- I latis, cum petalo supremo conniventibus ; 



labello unguiculato carnoso nudo, lamina 
deltoidea basi Iruncata, lateralibus rotun- 
datis revolutis, apice-apiculo intprjecto. — 

Scheinknollen jung schwaeh zu- 
sammengedriickt , spiit.er walzig und 
liinglich-oval oder langlich und zuge- 
spitzt, lVa—3 Zoll lang, 1 — 1 »/ a Zoll 
breit, von den Sobeiden cntkleidet gliin- 
zcnd griin. Blatter verliingert, linien- 
lanzottlicb, bis 1 Fuss lang, mit der 
schcidigen Basis die Scheinknollen uni- 
hiillcnd, nocb einmal so lang als der 
Bliithenstand. Traube besteht aus 5—6 
lose gestellton, einsoitig geriehteten, ab- 
warts gebougten Blumen. Bluthenhull- 
bliitter griinlich-gelb, 3 / 4 Zoll lang. Lippe 
dottergelb, 3/ 4 z n lang, einwarts ge- 
kriimmt, nut 3Linien langem Nagel und 
deltaformigem Vorderstuck, dessenGrund- 
ilache gerade abgestutzt. nach oben ab- 
gerundct mid an der Spitze mit einem 
kurzen grunliehen Mucro in flacherEin- 
sonkung. Die Seitenfliichen des Vorder- 
stiickes der Lippe so stark zuriickgebo- 
gen , dass sie einander, beruhren. Siiule 
einwarts gekriimmt, oben verdickt und 
schnabelformig, gelbgn'in und kiirzer als 
die Lippe. — Im hiesigen Garten fand ich 
diese schone Art unter M. nutans H. 
Pctrop, sie ward von Wagener aus Ve- 
nezuela eingesendet. Cultur in durch- 
brochenen Topfen , in einer Mischung 
aus Torfbroekon , Moos und Holzerde. 
Bliibet im Spatherbst und wird im Win- 
ter troeken und kiililer gehalten. — 

2) Coliguaya obtusa RgJ. • Euphor- 
biaceae. — C. foliis elliptieo-oblongis 
crenatis obtusis; germinibus triangulari- 
bus tricoceis, angulis subacutis. 

Die Gattung Coliguaya wird von 
balbhoben immergriinen Strauchern Chi- 
li's gebildet, die in der Tracht einem 
Rhamnus nahe kommen und als hubsehe 
Decorationspflanzen des Kalthauses ver- 
wendet werden konnen. Die Blumen 



und der Schweiz. 

sind unbedeutend, sie stehen in mono- 
ciscben Aehren und werden die Be- 
fruchtungsorgane nurdurch schuppenfdr- 
mige Blatter gestiitzt. Molina bildete 
diese Gattung, indem er als Typus den 
Croton Coliguay Sprgl. aufstellte. Gil- 
lies und Hooker stellten jedoch erst 
den Gattungscharakter fest, insofern die- 
ser Gattung katzchenfdrmig gestellte Blu- 
men ohne Kelch und Blumenkrone zu- 
kommen. In den mannlichen Blumen 
sind 10—18 Staubfaden beiderseits auf 
dem Mittelnerv der abstehenden Deck- 
schuppe inserirt. In der weiblichen 
Blume wird dagegen der eine Frucht- 
knoten nocb ausserdem durch 2 kleine 
Schuppchen gestiitzt und geht in 2—3 
abstehende Narben aus. Bei Croton be- 
sitzt dagegen die mannllche Blume ei- 
nen 5theiligcn Kelch und 5blatterige 
Blumenkrone, der weiblichen Blume fehlt 
aber die Blumenkrone. Vier von Gil- 
lies und Hooker aufgestellte Arten sind 
bis jetzt bekannt, nnd von diesen stehen 
C. odorifera (Croton Coliguay), C. sali- 
cifolia und triquetra unserer Art sehx 
nahe. Die stumpfen, in keinen Mucro 
ausgehenden Blatter sowie die deutliche 
Kerbung des Randes mit Kerbzahnen, 
welche in gar kcine Druse oder mir r 
eine angedeutete Druse endigen, 
die zuniichst verwandte C. odoriien 
spitze Drusen auf jedem Kerbzahn tragt, 
wodurch die Blatter gesiigt erscheinen, 
scheidet jedoch unsere Art. Wir ver- 
hehlen jedoch nicht, dass uns diese 4 
Arten mehr nur Formen der gleichen 
Art zu sein scheinen. 

Cultur gleich den harten iramergru- 
nen Kalthauspflanzen. — 

3) Oncidium sanguineum Lindl ; Iff' 
auriculatum Rgl. — Das 0. sangui- 
neum besitzt keine Scheinknollen vai 
grosse fleischige oval -lancettliche ode 
langlich ovale gestielte Blatter. Die *"» 



svahrend 



langem Bluthenstiel in einfachen Rispen 
stehenden schonen niittelgrossen Blu- 
men sind gelb rait rosa Flecken. Blii- 
thenhiillblatter genagelt mit rundlicher 
krauser Lamina, Lippe 31appig geigen- 
formig. Die Siiule triigt zwei abgerun- 
dete Lappen. Unsere Pflanze , die hier 
als 0. ornatum roseum und obsoletum 
roseum eingesendet ward, unterscheidet 
sich durch rosenrothe Zeichnung und 
langere ohrenfbrmige Lappen der Siiule. 
Die zahlxeicben Formen, welche 0. ear- 
thaginense, luridum und sanguineum 
verbinden, seheinen una dafiir zu spre- 
chen, dass wir es bier mit 2 durch Ba- 
starde und Mischlinge verbundenen Ty- 
pen zu thun haben. Alle diese geho- 
ren aber zu den zierendsten Arten des 
Orehideenhauses , die aufgehangt, am 
besten gedeihen, und lange und dankbar 
bliihen. 

4) Dorstenia ceratosantlxes Lodd. Var. 
triloba Rgl.; Eine ebenfalls von Riedel 
aus Brasilien eingesendete Pflanze , die 
die Charactere der kiirzlich beschrie- 
benen Abart Riedeliana theilt, aber 
ausser den normalen Blattern nur an der 
Spitze 3-, selten 2theilige Blatter mit 
stark zugespitzten Lappen tragt. Die 
seitlichen Lappen des Fruchtbodens sind 
sehr diinn und lang. 

5) Dorstenia Riedeliana Fisch. Ein 
Brasilianer von Riedel unbenannt einge- 
sendet. Sehr nahe der D. arifolia, bil- 
det sic gfeich der Abart der D. cerato- 
santhes ein stengelartig verasteltes , mit 
starken fleischigen Schuppen besetztes 
Khizom. Die Blattflache wird bis ein 
Fuss lang, ist aus speerfdrmigem Grunde 
langlich oder fast deltoidisch, auf der 
Oberseite mehr runzlich als bei Dorste- 
nia arifolia , weniger glanzend und bei 
den cultivirten Pfianzen nur auf den 
jungsten Blattern rauh. Fruchtboden 
rundlich oder elliptisch, vertical aufrecht. 



87 

Ebenfalls eine hiibscheDecorationspflanze 
fiirs feuchte Warmhaus. 

6) Dorstenia opifera Fisch. Eine 
ganz stengellose Art mit knollenfdrmi- 
gem Rhizom. Blatter herzfbrmig, stump f, 
3 Zoll lang. Frucbtknoten schildfdrmig, 
kreisrund, wagerecht, mit Random, die 
nach oben oft fast napfformig gekriimmt. 
Eine ausgezeichnete neue Art aus Brasilien. 

7) Oncidium flexuosum Lodd. /?. ci- 
trinum. Die urspriinglich von Lindley 
als Stammart genommene Form dieser 
schonen, jahrlich dankbar bluhendcn 
Orchidee besitzt gelbe, roth getupftc 
Blumen und punktirte Lippc. Unsere 
Pflanze, sowie auch die in Deutschland, 
soviel uns erinnerlich, gemeiniglich cul- 
tivirte Art, hat jedoch eine rein schwc- 
felgelbe Lippe. — 

8) Chamaecyparis nulkaensis Spach.; 
Coniferae. Mit wahrer Freude erwah- 

Nadelholzes, welches aus Samen erzo- 
gen wurde, die in Sitka im russischen 
Amerika gesammelt wurden , und daher 
vollkommen hart ist. Ein wahrer Ge- 
winn fiir unsern Garten. Gesammelt 
durch Herrn Kouzmischelo und theilt 
die Tracht einer Biota orientalis. 

Bildet einen grossen schonen Baum 
von hellgriiner Farbe. Aeste zerstreut 
stehend, Aestchen flach gedriickt, seliim 
zweizeilig gestellt, anfangs 4kantig, spa- 
ter, nachdem die Blatter gefallen, stiel- 
rund und braun. Blatter meistentheils 
gegenstandig und dicht 4reihig sich 
schindelfb'rmig deckend den Stengel um- 
gebend. Die auf der obern und untem 
Astscitc stehenden Blatter mit der ova- 
len Basis angewachsen und mit freior 
lanzettlicher scharf gespitzter Spitze, im 
jungen Zustande undeutlich gekielt, spii- 
ter bald mit eingesenkten , eine Furchc 
bildenden Norven. Die seitlichen Blat- 
ter kahnfbrmig zusammengelegt, aus der 



in flora Dentschlands und ( 



ngewachsenen 



verbreiterten Basis, mit 



ehvasabstohonder, etwas mehr verlanger- 
ter lanzettlichcr Spitze. Ausser diesen, 
den Stengel dockenden Blattern kommen 
aueh an einzelnen Aestchen zu 3 in 
Quirle gestellte Blatter vor , die sparrig 
abstehen , eine durchaus linear- nadcl- 
formige Gestalt, mit scharfer stacholfdr- 
miger Spitze besitzen, und oben flach, 
unten convex und 4 Linien lang sind. 

Wirwaren anfangs zweifelhaft, ob wir 
die iiclite Cli. nutkaensis vor uns bat- 
ten. GliicklicberWeise fanden wir aber 
noch ein von Sitka stammendes. vom 
gleiehon Sammler eingesendetes getrock- 
netes Exemplar vor. Hier sind die Blat- 
ter breiter, es liegen auch mit der Spitze 
die seitlicben an, wodurch die Aestchen 
weniger breit gedriiekt erscheinen. Sie 
sind ferner nieht so lang gespitzt, als 
bei der nun in Cultur befindlichen Pflan- 
ze und , die jtingsten Blatter der obern 
und unteren Blattseite erscheinen scharf 
gekielt. Ebenso scheinen bei der wilden 
Pflanze kaum Aestchen mit sparrig ab- 
stehenden Blattern vorzukommen, — al- 
les Abwoichungen, die mit der Original- 
beschrcibung Spach's iibereinstimmen, 
und es bei der jungen cultivirten Pflanze 
schwer niachen, die Pflanze wieder zu 
erkennen. An iiltcren, im Freien culti- 
virten Pflanzen niihert sich aber Blatt- 
form und Stellung -wieder mehr der wil- 
den Originalpflanze. Der hiesige Garten 
vertheilte diesen fiir unsere Culturen 
nenon barton Baum bereits an einige 
Garten unter clem Namen Thuio 
borealis H. Petrop. 

9) Chamaeci/p'iris nutkaensis Spaeh. 
Yar. glauca Rgl. — Von der Stamm 
art unterscheidet sich diese durch die 
schiine blaugriine Farbiuig der Blatter, 
durch am Grunde schmalere, viel langi 
gcspltzte Blatter, so dass die seitlich 
gesiellten Blatter oft mit bis 4 Liniei 



langer nadelformig pfriemlicher Blattspitze 
abstehen. Ebonso sind Aeste mit zu 3 
in Quirlen gestellten, durchaus linear- 
nadelfdrmig abstehenden Blattern viel 
haufiger. In einzelnen Exemplaren tre- 
en diese Unterschiede , die der Pflanze 
ine Tracht geben, dass man sie fiir eine 
anz andere Art zu halten geneigt ist,- 
iel greller hen or , andere scheinen ei- 
ten Uebergang zu bilden, worauf jedoch 
die Cultur wesentlich mit eingewirkt ha- 
ben mag. Die Samen dieser Abart sen- 
dete Herr Wosnezensky aus Sitka. — 
fiir 



Wir halt 



L'f.tn 



ebtenNadelholz 



rth- 



uch die zierlicheBla 



10) Zygopetalon Mackayi Hook. Tor. 
parviflorum Rgl; Orcbideae. — ^er 
schbnen Zygopetalon - Arten , die nicht 
nur im Orchideenhause , sondern auch 
in jedem Warmhausc in durchbrochenen 
Topfen in einer Holzerdemischung gezo- 
gen werden konnen, gedachten wir schon 
mehrfach. Von Zygopetalon Mackayi 
befinden sich nun jetzt verschiedenartige 
Formen in Cultur. Eine dieser liegt ™ r 
uns. Sie theilt mit der Stammart &* 



die kiirzer als der.Fruchtknotqn sind. m- 
Blumen sind jedoch um Vs kl ein 
und halted kaum 1 J A Z° U in 



Durchmesser. Die Bliitlionhullblat 
ter (Kelch unci Blumenbla'tter) sind air 
Rande kaum wellig, im ubrigon sind 
sie wie bei der Stammart lanzcttlich, 
abstehend, spitz, griin und matt b 
purpur geileckt. Form der Lippe gleich 
der Stammart , mit grossem , fast kreis- 
rundem zweilappigem Vorderstuck und 
einem mit gaumenfurmigemAufsatze ver- 
sehenenNagel, aber auf weissem Grunde 
auf der obern Seite mit mehr verein- 



. bl., 



"» S° 



net Im hiesigen Garten als Z. inter- 
medium. 

11) Zygopetalon crinitum Lodd. Var. ru- 
bellum H. Petrop. — Das Zygopeta- 
lon crinitum gehbrt zu den schbnsten 
Arten der Gattung. Es unterscheidet 
sich von Z. Mackayi, dem er sehr nahe 
steht, durch die kiirzeren Bliithentrauben, 



die immer bedeutend kiirzer als die 
Blatter , durch grbssere Bracteen , die 
dem Fruchtknoten ungefahr gleichlang, 
und grossere fast 3 Zoll im Durchmes- 
ser haltende Blumen. Kelch- und Blu- 
menblatter schmal lanzettlich , mit stark 
krausem Rande und scharf gespitzt, zu- 
sammenneigend abstehend, griin, matt 
braunpurpur gefleckt. Lippe ahnlich der 
vorhergehenden ; aber neben dem gau- 
menformigen Aufsatze mit kleinen oh- 
renformigen Anhangseln , und oben auf 
weissem Grunde mit starken durchge- 
henden blauen stark behaarten Venen 
gezeichnet. Bei unserer Abart ist die 



li.-!.a 



■;>] I'.i 



ng d- 



rbthlich. Das Z. crinitum scheint 
in eigner Typus zu sein , der mit 
Z. Mackayi Mittelformen gebildet und die- 
n Lindley zujenem gezogen wird. — 
(Schluss folgt.) 



II. .\ cue Zierpflanzen. 



1) Calycanthus occidental Hook, et Am. 
Wir haben dieses Zierstrauches schon friiher 
(Februarbeft 1855) erwahnt. Xurzlich sahen 
wi r ihn bei Herrn Froebel UDd Comp. bluhen. 
Blumen zwar grosser und schoner als die 
d es gevohnlichen, dagegen besitzen sie anstatt 
WohlgeruchseinensaurenEssiggeruch. (E. R.) 

2) Catasetum pallidum Hi. Epiphytiscbe 
Orchidee aus St. Catharine , welche beim 
Herrn Augustin bei Potsdam bluhete. Schein- 
bollen stielrund, 7 - 8 Zoll lang, Blatter 
ISnglich, reitend, 9-14 Zoll lang und 3-3'/, 

Zoll breit. Blflthentraur- - -*»"*-*- •*_ 

17 Zoll "lang, 20 — 



i gelblich-grun 



mig, h/ingend 
lang, halbkuge- 



«»«* eine lanzettliche spitze Bract, 
BlQthenhullblatterlanglich-oval, an 
^gespitzt kappenforuiig ; die auss< 
dlc ht braun punktirt, die innern we 
ein «ln punktirt. Lippe kappenfrjr 
^Ifleischig, an der Spitze abges 



zahut-gewimpert, mit mehrreihigen sehr spitzen 
Zahneu. Saule am Grunde mit 2 langen, 
pfriemenformigen weissen Anhangseln. 

(Allg. Grtzg.) 
3) Oncidium dentatum HI. u. O. micro- 
elossum Kl. Es sind dieses zwei neue bra- 



schieden : 

a) 0. ciliatum Li 
oval zusammengedrilckt , am Grunde 4 blat- 
terig, auf der Spitze einblatterig. Blatter lang- 
lich, stumpf, kurz zurilckgebogen , 2 — 3 Zoll 
lang, 7, Zoll breit. BlOthentraube lang gestielt, 
bis zur Spitze steif. Lippe gleichmassig 3theilig, 
mit nierenftfrmigem fast spitzem Mittellappen. 

b) 0. dentatum Kl. Scheinknollen lang- 
lieb-zusammengedruckt, am Grunde 2 blat- 
terig, an der Spitze 1 blatterig. Blatter 
schmal-langlich, sehr spitz, gewunden, 6 — 7 
Zoll lang, 5 — 9 Linien 1 



Die ausseren seitlic 



BluthenhOllbiL 



I. ■ e 



breiter, wellig, kuri angelforniiggespitzt, gelb 
und leicht grun gefleckt. I. 
ge!b. Seiienlappen der lifft 
Mittellappen, kreisformig-verkehrt oval, naeh 
dem Grunde verschmalert und die Ecken zwi- 
schen den Lappen gewirapert. Die ScheiLe 
der Lippe tragi einen 5hernigen, okerfarbig 
gefleckten Kamm. 

c) Oncidium microglos$um hi. Srhein- 
knollen oval, zimmmengedriickl, am Grunde 
3blatterig, an der Spitie 1 
bandformig, ausgerandet, 6 — 7 Zoll lang, 
15 Linien breit. Bliithentraube am Grunde 
gestieit, cotfenatblumig. Lippe ungleich 3tbei- 
lig, Mittellappen klein, bandformig fast spitz.— 
Blumen gelb , braun gefieckt. BliithenhuU- 
blatter Terkehrt- oval, genagelt, krau3-wellig, 



\^r:2 



utigeu lanxettlich 
ledergelben punktirten Brae 
Voo den aus3eren BlQtbei 



Himalaya-Gebirgc 
tikel aus der gewandten Feder 
idin in der S. Liefcrung der „FIore 
t>espricht ein neucs Prachlwerk 
von Himalaya -Pflanzen durch 
F. Cathcart, verdffentlicht 
D. Hooker" und fuhlen wir uns 
denselben in freier Ueberselzung 
der Gartenflora milzulheik-n. Die 



III. X o t i z e n. 

>er die Vc-| zu Theil, die 



. : 



'■ 



Dr. Hooker lemle den Cathcart im -Hiroalaya- 

Gcbirge zuerst "kcnneii. Er fand ihn don 
ruckgezogen in einer Art E 
Verstorbene sich unweit Dargiling gem** 
hatte.in wildroniaiilischcr Gegend, in eincrHohe 



s schon, da: 
l der Dr. r 
der Flora 



Zeichner fand, um \ 
I mil cinem gewissen 
sine wichtigslen Entdei 



Kette von ewig mit 



von den Baumv 
sche Orchideen 



r Weiten, 



oden Steppe 



Zeiten, und den ungeheuren, 
iern, kalt und unwirthlieh. nur 

en durchzogen. 

Man begreift die Genusse eines Botanikers 
inmitten dieser jungfraulichen Natur, wo sich 
die enropaischen Pflanzenformen vom Aequa- 
tor bis zum Pole vermischen und deren uner- 
schopfUcher Roichthuin die wundcrbaren Ent- 
deckungen eines Wallich, Royle, Madden und 

Unter den von Cathcart erefundenen und in 



n W 



r K-.i 



u>lrirten Pilau- 
eine wahrhaf 






tischen Ausdehnung und von jcder Spilze ih- 
re r grossen, gelben Petalen hangen 2 bis 6 
lan ge, rankenformige, spiralig gerollte Anhiing- 
s el herab , die den Blumen das sonderbarste 
Anssehen geben. - Die Friicbte sind wahre 
Melonen, was Gestalt und Grosse belriffl; wie 
<Kese haben auch sie 8 bis 10 vorspringende 
Kanten, abgerundet und getrcnnt durch enge 
*When. Fieisch enthaltcn sie fast Mies, da- 
gegen sind sie gefullt mil cnorn.en teamen, 
d «en Mandel-artige Kerne von den Eingebo- 



Pttchtvolle Pflanze 



i gest- 



nicht merkwiirdig, dass sie noch unter dem 
28. — 29. Breitengrade zu ciner supra-mari- 
nen Hohe von fiber 4600 Fuss aufsteigt? Diese 
Thatsache scbeint anzudeuten, dass ihreAkkli- 
malisirung in den Garten des sudlichen Euro- 
pa's nicht zu den unmoglich zu realisirenden 

Was vielleicht noch mehr Eindruck auf 
die grosse Mehrzahl der Gartenfreunde machen 
durfte, ist die Enldeckung der MagnoliaCamp- 
bellii , deren Blumen durch ihre Schonheit 
und ganz ungewohnliche Grosse selbst die der 
Victoria verdunkeln zu miissen scheinen. Die- 
ser Baum, wahrscheinlich der Konig seines 
Geschlechts, kommt in grosser Menge auf den 
ausseren Bergen des Sikkimgebirges vor , in 
einer Hohe von 8— 10,000Fuss, obgleich man 
ihn auch, aber weniger haufig, auf deninneren 
Bergen dieses Districts antriffl. — Sein Stamm, 
mit einer schwarzenRinde bedeckt, ist geradc, 
oft bis SO Fuss hoch, mit einem Umfauge von 
12 bis 20 Fuss an der Basis. Jedes Jahr wirft 



ii April steht er in voller Blulhe , 
i folgendcnMonat kleidet er sich i 
mi Blailsehmuck- Man wird sich 
iff von dem imposanten Effect ein 



; jahrliche Abwerfen des Lau- 



ser prachlvolle Baum ebenso hart sein wird 



Zwei herrliche Mohnarten, die Meconopses 

mplicifolia und M. nepalensis , sind cine der 

laracleristischen Merkmale der krautartigen 

Vegetationen der Sikkimbergc und vielleicht 

ganzen Himalayakette. Beide wachsen in 

r Hohe von 10 — 12,000 Fuss uber dem 

re , beide sind demnach vollkommen hart 

fur unser Klima. Die Erste zeichnet sich aus 



weite durch ihren, der Stockrose ahnlichen 
us und ihre schon goldgelbe Bluthen- 
— Diese kurze Beschreibung geniigt, 



i Pflanzen hoffenllich i 
liickung unserer Rab 
Gruppen einnehmen werden. — 



T, ,, 



der centralen 



Baum , die Decaisnea insig- 
nis, vor. Dr. Hooker fand denselben zuerst 
in den Thalern von Lachen und Lachnung, 
spater in denUmgebungen von Chola in einer 
Hohe von 8—11000 Fuss. Die grunen Blu- 

der Laubmasse zu unterscbeiden, die Frucht 
dagegen ist sehr ausgezeichnet , und beson- 
ders zierend im Herbste , wenn sie eine leicht 
gelbe Farbe, das Zeichen der nahen Reife, 
angenommen hat. Ihr Fleisch ist dann weieh, 



i Laub und Tracht erinnert er an 
iche, von deren Zweige Trauben 
)er Friichte, die am besten mit 
n verglichen werden konnten, 



: an besondere Localiti 



gebundene Pflanzen annehmen, miissen Vac- 
cinium salignum und serpens gezahlt werden, 
zwci himalayaische Arten, die, durchaus ver- 
schieden von unsern Heidebeeren einer epi- 
phytiseh lebenden Gruppe angehoren , welche 
auf der Malayischen Halbinsel und den San- 

ihrer bizarren Structur i 



Advenuvwurzelchen an den I 



Rhizomen sind von einem weichen, schwam- 
migen Gewebe und dienen in der Wirklichkeit 
nur als Behalter fur Feuchtigkeit und ohne 
Zweifel auch fur Nahrsubstanzen , bier aufge- 
speichert fur die Bediirfnisse der Pflanze. Zahl- 
reiche und meislens hangende Zweige, die 
diesen Rhizomen entspringen, bedecken rich 
mit einer herrlichen Bluthenfulle vom schon- 
sten Karminroth. — Diese beiden genannten 
Arten konnten eine auffallend schone Zierde 
unserer Kalthauser werden, vorausgesetzt, dass 
sie lebend eingeffihrt werden konnten, und 
ihre Cullur moglich ware, was vorerst unent- 
schieden bleiben muss. — Wir durfen nicht 
vergessen, noch der Buddleia Colvillei 
zu gedenken, die an Schonheit der Bluthen, 

unter den Buddleia Arten , und wahrend alle 
iibrigen tropischen oder subtropischen Ur- 
sprungs sind, der entschieden alpinen Flora an- 
gehort, da sie die Berggipfel in einer Hohe 
von 10-13000 Fuss, und das noch unter dem 
28. Breitengrade bewohnt. — Wir durfen sie 
demnach getrost als bei uns ausdauernd be- 
trachlen, und dieser grosse Vorzug, vereinigt 
mit der Schonheit der Bliitben, deren Grosse 
und Farbe an Becallonia macrantha erinnern, 



Buch zu schlie: 
einige Pflanzen fliichtig zu erwahnen, die eine 
langere Besprechung verdienen wiirden, wenn 
Zeil und Raum es uns erlaubten. Unter ihnen 
findet sich eine Rhabarber - Art , eine blosse 
Rhabarber, deren Hohe und majestatische 
Tracht aber ihr den Namen Rheum nobile 



Garten auftreten wird. — Ihre sehr dicht ge- 
stellten Blatter werden nach der Spitze zn all- 
mahlich kleiner , sind zuruckgebogen und be- 
decken sich von oben herab so regelmassig 
wie die Dachziegel, so dass die Pflanze eine 
wahre Laubpyramide , oder richtiger einen 
compacten Kegel bildet, den ein rothlicher 
Bliithenstand kront. Man begreift, dass der 
Effect, den eine so aussergewohnliche Pfla"' 
zenform bedingt, fur Landschaflsgarten von 



n Fruchte 



rAp.Vi 



hart und dabei so abgerundet sind, dass sie 
unter den Hufen der Pferde rollen, ohne zu 
zerdrucken, und die Pferde sehr leicht zum 
Sturzen bringen. — Wir ubergehen die Or- 
chideen, Farren und Schlingpflanzen , die in 
denselben Localitaten wachsen , und von de- 
nen vielieicht manche bei uns akklimatisirt 
werden konnten. — Aus dem Gesagten wird 
zurGeniigehervorgehen, welche grosseSchiitze 
fur den Gartenbau noch ungehobcn liegen in 
der grossen Himalayakette. Kein Land der 
Welt ist vielieicht im Stande , uns eine gros- 



sere Menge harter und halb-harler Pflanzen 
zu liefern, sowohl Zierpflanzen als auch die 
ungleich wichtigeren Nahr- uud Nutzpflanzen. 
und Gartenbau, Landwirthschaft Forstcultur und 
Industrie sind gleich interessirt dabei , dass 
diese Schatze moglichst bald gehoben wer- 
den. - Indien war die Wiege 



t dieses Land im i 
s Elemente vou Reichthum zu bieten, 
bis jetzt in Europa unbeachtet 



Cebersic 



ehrteVerfasser giebt zunachsi eine Uebersicht 
des Geschichtlichen. Er verbreitet sich iiber 
die schonen Versucho Kolreuter's, bespricht 
die etwas spater von Knight und Herbert an- 
jestellten Versuche , hebt Knight's Ansicht 

baren Pollen entwickele, eine Ansicht, der 
Herbert entgegentrat, erwahnt der Schriften 
Wiegmann's und schliesst diese 
lit dem Ausspruche, dass seit 
Koelreuter die Sache der Bastarderzeugung 
eigentlich um nichts gefurdert worden sei. 

Es folgt nun eine sehr geistreiche Darstel- 
k»g des Schadens der wissenschaftlichen 
Forschung im Bereiche derPflauzenkunde, der 



w sehr ausschliesslich auf das eine oder an- 
dere Feld der Thatigkeit sich warfen. Dann 
wird eine Bescbreibung des normalen Zustan- 
d M der Ge3chlechtsorgane gegeben, und end- 
llch fol gt die Ansicht des Verfassers iiber Ba- 

Herr Dr. Klotzsch stellt namlich die Be- 
hauptung auf, dass der Bastard zwischen 
*wei Pflanzenarten stets ein normal ausge- 
Wdetes , der Befruchtung fahiges Pistill ent- 
^ckele, dass aber der PoUen desselben im-, 



• nnfruchtbar sei. Nur durch Kreuzung 
Varietaten der gleichen Art sollen Ba- 
i entstehen, die Klotzch zu 




vickele, angenommen, dass 
onne, sondern nur die Be- 



ickgehenden Formen entspringen, welche 



gegen nehme der Bastard nur die Befruchtung mit 
Pollen von den Stammarten an, die Befruch- 
tung mit andern verwandten Arten geliDge 
niemals. Endlich werden die Formen , welche 
durch die Befruchtung des Bastardes mit dem 
raterlichen Typus entstehen, der v o r s ch r e i- 
t e n d e, die mit dem mUtterlichen Typus der 
rackschreitende Schlag genannt, weil 
sich durch Einfluss de3 Pollens des mutterli- 
chen Typus die folgenden Generationen schnel- 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Paul's (Obergartner zu Cheshunt) das beste 


heiten einzugehen und bemerken nur, dass das 


und braucbharste, schon weil es kein blosses 


Kapitel uber die Anlage des Rosariums und 


Kupferwerk ist , wobei der Text als Neben- 


die Verwendung der Rosen zur Decoration, 


sacbe bebandelt wird. Es war daher ein gluck- 


in it der Abbildung mehrerer beruhmter Rosen- 


licher Gedanke, dass einer der besten deut- 


gartner iu Frankreich und England, ganz be- 


schen Rosengartner und Besitzer eiuer grossen 


sonders unsern Beifall hat, und wir empfeh- 


Sammlung der besten und neuesten Rosen, 


len dessen aufinerksames Studium um so 


mit welchen zugleich ausgebreiteter Handel 


mehr, als bei der Verwendung der Rosen noch 


getrieben wird , die Uebertragung von Paul's 


so viele Fehler begangen werden, dass die 


Rosengarten ubernommen hat. Eine solche 


SchOnheit derBlumen nur halb genossen wird. 


Uebertragung von einem tiichtigen Prac- 


Ausgezeichnet ist ferner die Abtheilung uber 


tiker hat zehnmal mehr Werth , als eine 


Cultur behandelt und kann kaum vollkomoie- 


wortgetreue Uebersetzung , indem dabei alles 


ner gedacht werden. Sehr interressant und 


berQcksichtigt wird, was in unsern Ver- 


zugleich unterhalteud ist die geschichtUcbe 


haltnissen anders sein muss und die einheimi- 


Einleitung uber Rosen und Rosencullur soil 


schen Erfahrungen , von welchen die Auslan- 


den fruhesten Zeiten. Die Eintheilung der 


der im Dunkel ihrer vermeintlicben Vollkom- 


Rosen ist nach naturlichen Gruppen, welche 


menheit, meist gar keine Notiz nehmen , dem 


aus den bekannten oder muthmaasslichen 


Originaltext einverleibt werden. Diess ist auch 


Stammarten gebildet sind. Eine Kritik dersel- 


hier geschehen. Der deutsche Bearbeiter hat 


ben wiirde uns zu weit fuhren, und im Grunde 



Einiges gekiirzt, um desto 1 
zuzugeben. So liess er 2 
Abbildungen schoner und 



! /.atil 



1 und das Werk theuer machen; 
te ferner die im Original, enthal- 
r beschriebenen Rosensorten von 



neuern, fiigte dagegen die seit dem Erscheinen 
von Paul's Werk neu bekannt gewordenen 
schonsten Sorten hinzu. Unter den Zugaben 
fiuden wir die Beschreibung der Rosenfeinde 
und KiankheiteD, botanische Notizen (mit Ab- 
bildungen), um dem Lehrer den richtigen Weg 
zur Eintheilung der Rosen zu zeigen , und 
eine Menge im Text zerstreute Bemerkungen 
nnd Regeln. 

Wir niussen uns enthalten, auf Einzeln- 



henden Rosengartner und den Dilettanteu sind 
die zahlreichen Abbildungen , welche 
schneiden und Ziehen der Stocke auft Dent- 
Iichste zeigen, von unschatzbarem Wer 

gunsiigeu, werden Dolt's Rosengarten 
groasten Nutzc-n gebrauchen. DieAusstattung 
desBuches ist hochst elegant, wie es 
ein Buch tiber Rosen gehoi t. Sollte ei 
Ausgabe veranstaltet werden, so m 
Verfa-u-r jodor.h ein Roaster uber dii 
hinzufugen , da es ohne dasselbe schv 
sie im Buche aufzufinden. 



A 11 z e i g e n. 

Fur Pflanzenfrennde 

erschien und ist auf frankirte Anfragen, franko und gratis zu beziehen: 

Nr. 14. Preis-Courant von G. Geitner's Treibegartnerei zu Planitz 
bei Zwickau in Sachsen 1856. 



Mein der heutigen Nr. beigelegles Verzeichniss fiber Samen und Pflanzen em- 
pfehle zur geneigten Durchsicht, und bitte mir gefallige Anftrifce baldnrfglidnt ia- 
rauf zukommen zu lassen. Es werden solche von mir in gevohnter Weise prompt 



mein beiliegendes Samen-Verzeichniss mache mit der ergebenen 
lemselben geneigte Durchsicht schenken zu wollen, da es bei bi 
ng in gedrangter Kiirze alles Gute und Neue von Gemuse- und 
alt, und ich durchgangig fur ganz gute Qualitat der Samen gan 
en, im Fiirstenthum Sdrwarzburg-Sondershausen. 



1856. 
Volktandiges Verzeichniss 

Landwirthschaftliclie Wald- Gemflse- und Btamen-Samen 
Friedrich Adolph Haage jun. in Erfurt (Preussen). 

3624 verschiedene Species und Varietatcn, inclusive der letzten Neuheiten enthal- 
tend, nebst Anhang von Pflanzen wird gratis und franco auf Verlangen per Posf 
ewgeschickt. 

Erfurt, 2. Januar 1856. 



Sanien-Offerte. 

Das diesem Blatte beiliegende Prcis-Verzeichniss meiner Gemuse-, Oekonomie-, 
-, Gras- und Blumen - Samereien etc. empfehle ich zur gefalligen Beachtung und 

unter Zusicherung prompter und reeller Bedienung ergebenst, mir werthe Auf- 
j auf meine Producte gef. durch die Post zugchen zu lassen. 

Heinricli fflette, 

Kunst- und Handelsgartner 
in Quedlinburg. 



S9ei getbhtanb drift in (Stlangen if* foefcen erf<$tetten unb bu 
afle S3ud$anblmtgen gu Bejie^en : 

§Ct>er, Dr. ©ujftH), *Profeffor ber gotflroiffenfaaft an bet SubwififcUnfoerjitat 
©fcerfotftet ber Cbetfor jktci ©tefjen , gotfiiidje S3 cb enfunbe unb £iin 
to logic Tlit 183 in ben £ert eingebtutften £oljfd)nitten, einer lit^ogroyl 
ten fcltrarjcn unb jwei ftatbentafeln. gt. 8. 3 £b,lt. 4 ©gr. obet 5 ft. 24 fr 



MONATSSCHRIFT 

fur 
deutsche und schweizerische Garten- und Blumenkunde 

unler Milwn kung von 

Prof. Dr. H. R. Gocppcrt, Director des botanischen Gartens inBreslau, J. Hlltstein 

in Breslau, H. Jaeger, Hofgartner in Eisenach, Prof. Dr. R. Roch in Berlin, 

E. Lucas, Garten - Inspector in Hohcnheim, E. Ortgies, Obergartner am botanischea 

Garten in Zurich, Dr. G. ReiCheiibach, Professor in Leipzig 

Herausgegeben 

Dr. E. Kegel. 



Mitherausgeber fur Deutschland Mitherausgeber fur die Schweiz 

J. Rinz, Prof. Dr. 0- Heer, 



Redactor 

Dr. H. Locher, 



April 1856. 

(Ausgabe mit ilium, und schwarzen Abbildungen). 



ErlangeD, 1856. 
Verlag von Ferdinand Enke 



' Jahrgang von 12 Heften, Ausgabe mit 24 ilium, u. 12 schwarzen Abbild. 
4 Thlr., Ausgabe mit nur 12 schwarzen Abbild. 3 fl- 30 kr. oder ! 



Iohalt des April-Heftes. 



I. Originalabhandlungen. 

1) Abgebildete Pflanzen 

a) Tydaea Regeli . 

b) Tydaea pulchra , 

2) Reisenotizen, gesammelt auf der Reise 
von Zurich nach Petersburg. (Schluss) 

3) Spalierzucht inFrankreieh. Nach dem 
Franzosischen von Herrn Kettner 
in Stuttgart ■ ' 



II. Neue Zierpflanzen 116 

Neue oder seltenere Pflanzen desbotani- 
schen Gartens in Petersburg (Schluss) 116 

HI. Notizen 121 

IV. Personalnotizen ttf 



Einsendungen fur diese Zeitschrift sind an die Verlagsbuchhandlung 
oder Redaction zu machen. 

Bucher, deren unpartheiische Besprechung, sowie Pflanzen deren Ab- 
bilduug in diesen Blattern gewunscht wird, sind, und zwar von letzteren 
eine gute Abbildung, wo moglich mit trockenen Exemplaren begleitet, unter 
der Adresse E. Re gel in Petersburg an die Verlagsbuchhandlung von Fer- 
dinand Enke in Erlaugen einzusenden. 

Annoncen aller Art werden auf den Umschlag oder Beiblatt gegen 
eine Vergtitung von 2 Sgr. oder 7 kr. per Zeile aufgenommen. — Cataloge 
legt die Verlagsbuchhandlung in einer Anzahl von 600 Exemplaren gegen 
eine Gebuhr von 1 Thlr. 20 Sgr. oder 3 fl. der Gartenflora bei. 



I. Originalabhandlungen. 

1) Abgebildete 

a) T y (1 a e a 

(Siehe Tafel 3 



1st aus der von Herrn Dr. Rcgel 
vorgenommenen Bcfruchtung der Tydaea 
WarscewicziiRgl. (die auf Tafel 76 "jahr- 
gang 1854 abgebildet) durch die T. 
Picta Desv. gefallen. Es ergab dieselbe 
folgende drei Formen. 
1- Tydaea Regeli argentea. 
Wahrend diese Pilanze im Wuclis 
mehr von der T. picta angenommen hat, 
1S * die Blattform mehr wie bei T. War- 
^wiozii; die Blatter sind nemlich ei- 
e %tisch, vorn in eine Spitze ausgezo- 
g pn und am Rande dicht kerbzalmig: 
sie sind nie am Grundc herzfurmig, wie 
» ei T. picta, aber auch nicht so stark am 
^nmde verschmalert, wie bei T. Warsce- 
*iciiL Die Parbe aber ist wieder wie 
01 d °r T. picta , nemlich blaugriin und 
am Ra nde und in dpn Foldern hraxm _ 
«** g eflc ckt . In dcm krautartigen? 
hlchen ™d dicht weissbehaarten Sten- 
6eUon,mt sie nut der T. picta uberoin, 
j 1 ™ auch der Bluthenstand 1st oin 3hn- 

Wod"' n " r Si " d d '° Stid ° mehrblathi & 
urch sie denreichernBluthenschmuck 



der T. Warseewiezii orhii 



allein cs 



K<-Wh 



riingt 



lis bei dieser Art. Der 
i behaart, wie bei T. picta 
und die Krone gross und scliiin. JSie 
komnt in der Fiirbung mehr mit dorje- 
nigen der T.Warscewiczii iiberein, zeigt 
aber den Uebergang zur T. picta , inso- 
fcrn als sie mehr Orange hat und der 



I;i;i 



Bl.il 



in Form and Ordsfle da 1 
krone dem Vater (der T. picta) 

dagegen in dor Form und Be> 
der Blatter, in dem r.'ichem I 
stand und Farbe der Blume der 



2. Tydaea Regeli chlorophylla. 
Form und Behaarung dor Blatter, 
wie bei der vorigen, aber die Blatter 
sind griin, wie bei T. Warscewiczi , nur 
der Rand ist gebraunt. Die drei untern 
Bluraenzipfel haben mehr gelb und nahern 
sich so in der Farbe der T. picta. 



3. Tydaea Regeli erythrichina. 
Hat die dichte rothe Behaarung der 
T. Warscewiczii an Stengel und Blatt- 
stielen ; auch die Blumenstiele sind roth 
behaart, der Kelch aber mit weissen Haa- 
ren, wie die T. picta. 

(Heer.) 



b) Tydaea pulchra. 

(Siehe Tafel 155.) 



Bastard von Tydaea picta (Vater) 
und Tydaea Hillii Hort. (Mutter) , wel- 
cher auch von Herrn Dr. Regel erzielt 
worden ist und ebenfalls in mebreren 
Formen erscheint. 

1. Tydaea pulchra chloroneura. 
(Taf. 155.) 
Stcht im Wuchs, Form und Consi- 
stenz der Blatter der T. Hillii am nach- 
sten, in Grbsse, Form und Farbe der 
Blume dagegen der T. picta. — Die 
Blatter sind daher langer und schmaler 
als bei T. picta und vorn in eine Spitze 
ausgezogen , ferner am Rande mit klei- 
nen und dichter stehenden Zahnen be- 
setzt; sie stimmen in alien diesen 
Beziehungen mit "flenen der T. Hillii, 
sind aber dunkelfarbig ; sie sind nur 
langs der Mittelrippe und der Secundar- 
nerven griin, die Folder aber dazwischen 
bis zum Rand hinaus braun ; die Unter- 
seitc der Blatter ist, mit Ausnahmc der 
griinen Rippen, blassviolett. Die Blu- 
menstiele entspringen ofter zu 2 — 4 aus 
einer Blattachsel und sind zuweilen zwei- 



bluthig. Die Blume ist viel grosser als 
bei T. Hilli und ahnlich derjenigen der 
T. picta. Die Krone ist fast so gross 
wie bei dieser Art. Der Bauch der 
Rohrc ist hellgelb, der Riicken und die 
beiden obern Lappen des Saumes schbn 
roth, wogegen der untere Lappen ganz 
und die beiden scitlichen zur Halfte hel- 
ler gelb sind; der ganze Saum ist roth 
geflcckt; die Fleckon sind in Reihen ge- 
ordnet. 
2. Tydaea pulchra concolor. 
Stelit der T. Hillii naher als die 
vorige. Die Blatter sind ganz griin, nur 
etwa violett gerandet und haben gan z 
dieselbe Form; die Blumen dagegen 
sind wie bei der vorigen. 



3. Tyda 



r,yr 



:ieur.; 



Unterschcidet sich von der ersten 
Form durch die blaugrune Farbe der 
Nervcn, welchc auch auf die tertia- 
rcn NerA r en sich verbreitet. 

(Heer.) 



Petersburg. 

(Sohluss.) 



Zweite Abtheilung. 

In keiner Stadt Deutschlands ist ge- 
genwartig wohl die Licbhaberei fur schone 
Blattpflanzen in eincm h oh ern Grade als 
in Berlin ausgebildet. Aroideen, Pal- 
men, Scitamineen, Musaceen, Farren und 
uberhaupt alle Pflanzen mit dccorativem 
Laube werden massenhaft gezogen und 
verkauft. Auch bei den Gnippen im 
freien Lande hcrrscht diese Liebhaberei 
vor , so siehet man wahrend des Som- 
mers in den Garten selir haufig Grup- 
pen von Carina, Cyperus, Scitamineen 
und selbst Aroideen. Unter letzteren 
entwickclt sich in einer lekhten Erde ins 
freie Land gepflanzt die Colocasia anti- 
quorum (Caladium nymphaeifolium der 
Garten) zu grosser Schbnheit, indem sie 
iihnlieh wie im Gewiichshaus ihre gros- 
8(> n 1% Fuss im Durchmesser halten- 
den Blatter bildet. 

Beginnen wir mit dem Garten des 
Herrn Oberhofbucbdrucker Decker, der 
unter der Leitung des Herrn Reinecke 
steht. Durch seine Vertheilung der von 
Karsten aus Columbien eingesendeten 

dureh die massenhafte Anzucbt von Palmen 
a«s jenen Samensendungen und Verthei- 
lung der jungen Pflanzen ist dieserGar- 
frn in sehr weiten Kreisen bekannt ge- 

Die Hauptculturen sind hier daher 
auch baumartige Farren und Palmen, die 
m zum Theil sehr schbnen Exemplaren 
vorhanden sind. VonLatania borbonica 
besitzt J'pser Garten in Berlin jetzt eines 
der sehbnsten Exemplare, ist jedoch be- 
rGlt » (1l(1 ses furdieSummevonl500Rthlr. 
abzutreten. 



Soil. 



iick zu dieser 
Pflanze ist der Chajnaerops Biro aus 
Java, welches zum gleichen l'reise zu 
erlangen ist. Es ist dies eine Pracht- 
pflanze mit 22 ' hohem Stamme. 

An andern Palmen in schbnen klei- 
nern und grbsseren Exemplaren im Preis 
von 2 — 40 Rthlr. sind hier vorriithig: 
Geonoma paniculigera, A.-trocaryon Ayrii, 
vulgare etc., Ceroxylon Klopstockii, fer- 
ruginea etc., Iriartea praemorsa, die den 
CaryotenimBlattschnitt ahnlichen prach- 
tigen Martinesien, als M. Aiphanes, acu- 
leata und caryotaei'olia. fcitaeiivopliorba 
Deckeriana, und Arten der Gattungen 
Attalea, Bactris, Chamaedorea, Cocos, 
Copernicia, Murenia undThii hrinax, alle 
in schbnen gesunden Exemplaren. Bc- 
sonders interessant ist die Iriartea altis- 
sima durch ihren eigenthiimlichen Wuchs, 
indem die Wnrzeln den Staram wie auf 
Stutzen iiber die Erde emportragen. 
Eben so reich ist die Sammlung schb- 
ner Farrenbaume. Es wurden in diesem 
Garten wohl die ersten Farrenbaume aus 
ihrem Vaterlande in Deutsehland eingo- 
fuhrt, und die meisten der in deutschen 
Garten betindlichen Farrenbaume atara- 
men daher. — Hier steht die schbne 
Alsophila obtusa mit 15 Fuss hohem 
Stamme und 10 Fuss langen Wedeln. 
A. senilis; die zierliehe Disphunia arho- 

hohem Stamm und einer Cyathea iihnli- 
chen i'eingesclinittene;i WedcJkrone, Ilcmi- 
telia acuminata mit 8 Fuss hohem Stamm 
und 12 Fuss langen Wedeln, Hemitelia 
Karsteniana und Wageneri, Cyathea au- 
rea, ferner die im Kalthause gedi-ihen- 
den Balantium Karstenianum, Lophoso- 
ria Karsteniana und Moritziana und an- 



Gartenflora Deutschlands und ( 



dere, welche per Stuck fiir 10 — 100 
Rthlr. abgegeben werden. Der grosste 
Theil dieser Farrenbaume wird wahrend 
des Sommcrs an einem geschiitzten schat- 
tigen Orte im Freien aufgestellt. Fiir 
dicjenigen, welche vielleicht Farrenbaume 
direct aus dem Vaterlande beziehen soil- 
ten, wollen wir bemerken, dass man die 
wurzellosen Msch angekommenen Stamme 
in nicht zu grosse Topfe in eine gute 
"Wald- oder Lauberde pflanzt und so in 
einem fruchtbaren Warmhause durchaus 
schattig stellt. Hier werden die Stamme 
taglich einigemal bespritzt, oder was 
noch besser ist, leicht mit Moos um- 
wickelt, bis sie wieder neue Wurzeln 
gebildet, welche bei der Mehrzahl der 
Arten von den sich neu entwickelndcn 
Wedeln ausgehen und demlStamnic nach 
bis hinab in die Erde gehen. Erst wenn 
ein warmlandischerFarrenbaum auf diese 
Weise junge kriiftige Wurzeln gebildet, 
kann er auch ahnlich wie in scinem Va- 
terlande wieder eine kraftige gesunde 
Wedelkrone bilden. In jedem grbsseren 
Garten sollten sich wenigstens einige 
dieser herrlichsten Zierden der Tropen- 
welt befinden. — 

Unter den Orchideen iielen mir be- 
sonders die grossen prachtigen Exem- 
plare von Stanhopea und die machtigen 
Exemplarc der Sobralia macrantha, deren 
Hunderte von Stengeln den ganzen Som- 
mer hindurch gebliihet hatten, auf. 

Eine Bonapartea juncea bliihete mit 
15' hohem Bliithenstande, Oxalis Deppoi, 
von altcn Zeiten her eine Lieblings- 
pflanze des Herrn Reinecke, standen in 
vollstcr Bliithe. Dcrselbe halt dicse so 
lange und so schbn bluhende Pflanze im 
niedrigen Kalthause den Sommcr hin- 
durch unter Fcnstern und tie verdient 
diese Sorgfalt im hochsten Grade. Von 
der lieblichen Luculia gratissima fielen 
mir grosse schonc Pflauzen auf, den 



Sommer hindurch stellt man sie ins 
Freie, im Hcrbst wird sic dann halb- 
warm gestellt, worauf sie ihren reizen- 
den Blumenflor entwickelt. Von derGe- 
Wiirznelke (Caryophyllus aromaticus) war 
ein gesundes Exemplar vorhanden, die 
Fliegenfangerpflanze (Dionaea muscipula) 
vegetirte freudig zwischen Selaginellen 
in Torfmoos gepflanzt. Endlich wollen 
wir noch des mit Pandanus odoratissi- 
mus nah verwandten Pandanus candela- 
brum erwahnen, der sich durch schma- 
lerc Blatter leicht unterscheidet. 

Der botanische Garten in Ber- 
lin, der bekanntlich unter der Leitung 
des Herrn Inspector C. Bouche stent, 
besitzt von alien botanischen Garten 
Deutschlands sicherlich die reichsten 
Sammlungen. Trotz der Masse der Ge- 
wachshiiuser sind diese allc mitPflanzen 
so vollgestopft , dass den bessern und 
schbnern Exemplaren, den allgemein 
interessanten Pflanzen hierdurch der Platz 
beengt wird. Es liesse sich daher iiber- 
haupt hier die Frage aufwerfen , ob die 
Mittel eines auchreich dotirten Gartens bei 
der Masse der Pflanzen, welche noch jahr- 
lich inCultur eingefuhrt werden, daznxer- 
wandt werden sollen, eine moglichst vofl- 
standigc Sammlung von Pflanzen anzn- 
streben? Sollte es nicht zweckmiissig sein, 
auch in solchen grossartigen Instituten 
die Zahl der cultivirten Species in der 
Weise zu beschranken, dass eine Pfla n ' 
zenart, die keiner weitern Beobachtung 
bedarf, auch durchaus kein besonderes 
Interesse als Repriisentant einer Gathing, 
Oder aus andej-n Grunden als allgemein 
interessante Pflanze hat, nachdem sic m 
guten Exemplaren ins Herbarium g e ' 
bracht ward, als der ferneren Cultur B* 
wiirdig entfernt wird? Man hat bis 
jetzt den Werth eines botanischen Gar- 
tens gemeiniglich nach der Zahl der Spe- 
cies, die er eultivirt, berechnet. ®fl 



I. Originalabhandlangen. 



101 



solcher Maassstab war wohl der richtige, 
so lange die Zahl der aus andern Lan- 
dern inCultur gebrachten Pflanzen nicht 
so ins Ungeheure wie jetzt gewachsen 
war. Moglichst vollstandige Sammlun- 
gen zu bilden, dazu sollen die Herba- 
rien dienen. Ein botanischer Garten wird 
aber seinen Zweck, zum Unterricht des 
botanischen Publikums , zur Belehrung 
des grossen Publikum zu dienen, heut 
zu Tage wohl besser dadurch erreiehen, 
wenn er, neben alien noch nieht gehbrig 
untersuchten Neuigkeiten, wenigstens ira 
Gewachshause nur eine ausgewiililte 
Sammlung von Pflanzen culrivirt und 
nur cinzelne Familien, die gerade der 
Bearbeitung unterliegen, moglichst voll- 
stiindig zu sammeln sucht. Hierdurch 
wird er auf der einen Seite in den Stand 
gesetzt werden , eine grbssere Anzahl 
von Exemplaren fiir den Unterricht zu 
liefern, vie andrerseits auf die Cultur 
der wirklich interessanten Pflanzen einen 
grbssern Fleiss zu verwenden. Eine 
einzige schbne und vollkommen cultivirte 
Pflanze, die so gestellt ist, [dass ihre 
ganze eigenthumliche Tracht ins Auge 
fallt, wird dem grossen Publikum ei- 
nen bessern Begriff von den eigen- 
thiimlichen Pflanzenformen anderer Lan- 
der geben, als oft ein gauzes Gewachs- 
«aus dicht gedrangt stehender Pflanzen 
dies zu thun im Stande ist. — Ebenso 
wird durch eine verstandigc Auswahl 
e 'n solches Institut eher im Stande sein, 
Zeit dazu zu finden, den speciellen Rich- 
tu «gen einzelner Gelehrten bei seinen 
Anschaffungen und Culturen Rechnung 
M tragen , was ebenfalls in der Pflicht 
finer wissenschaftlichen Anstalt liegt. — 
Es sind dies Gedanken, welche mir 
bei den kaum mehr zu beherbergenden 
Pflanzenschatzen des Berliner Gartens 
aufstiegen, und ich glaube, dieZeit wird 
mehr feme sein, wo auch die 



nicht 



grosstcn wissenschaftlichen Institute nach 
solchen Grundslitzen ihre Culturen wer- 
den regeln miissen. 

Gehen wir nun iiber zu der fluchti- 
gen Betrachtung der so reichen Pflan- 
zenschiitze des Berliner Gartens, so sc- 
hen wir hier in den Orangerien zunachst 
jene zahlreichcn grossen Exemplarc der 
schon seit langer Zeit in Cultur beflnd- 
lichen Neuhollander, Capenser und der 
Bliumc und Striiucher der gemassigt 
warmen wie der eigentlich warmenLiin- 

Mit ausgezeichnet gutem Erfolge wird 
hier jetzt die Cultur der Wasserpflan- 
zen in dem grossen vor einigen Jahren 
erbauten Victoria-Hausc betrieben. Das 
Haus ist viereckig, in der Mitte befin- 
det sich ein grosses rundes Bassin , in 
welehem das Wasser erwiirmt werden 
kann, und in jeder dor 4 Eckcn ist ein klei- 
ncs Bas.sin, in welehem dasWaasernlchicr- 
wlirmt wird. Die Victoria bluhete gerade 
und Hr. Dr. Caspary war mit genauenMes- 
sungen iiber Eigenwiirme undWachsthum 
besehaftigt, welchen Beobachtungen der- 
selbe schon manche Nacht gewidmet 
hatte. Im Victoria - Bassin schwamm 
auch eine eigenthumliche einjahrige 
Pflanze aus der Familie der Legumino- 
sen mit einer Mimosa ahnlich gefleder- 
tem Laube, der Desmanthus natans. 
Diese kleine niedliche Pflanze bildet 
lange auf der Oberflaehe des Wassers 
schwimmende Stengel, welche durch ei- 
genthiimliche Anschwellungen getragen 
werden. Diese Anschwellungen enthal- 
ten naturlich vicl Luft und entstehen 
nachHerrn Caspary aus einer Wucherung 
der Korkschicht der Rinde. Im Aus- 
sehen gleichen sie den Callusbildungen. 
Schade, dass diese niedliche Pflanze, die, 
im Fruhjahr aus Samen gezogen, durch 
ausserordentlich schnelles Wachsthum 
bald einen grossen Theil des Bassins 



102 

fur sich i 



ira Winter 



Anspruch i 
so schwierig zu erhalten ist , indent sie 
wie vicle einjalirigen Pflanzen der Tro- 
pen von langer Waehsthumsperiode ab- 
stirbt , auch ohne Blumen und Samen 
getragen zu haben. Im letzten Jabre 
batte sie einige Samen getragen , dieses 
Jabr aber zeigten sieb trotz des iippigen 
Wuchses nicht cinmal Blumen, dagegen 
batte sie im Victorienhause des Herrn 
Borsig einen einzelnen Bliithenstand mit 
unscheinbaren gelben Blumen gerade 
entwickelt. 

Das Heer der Nympbaeen ffillte 
tbeihveise noch das Bassin, theilweis 
waren ?ie~ sebon herausgenommen und 
in ein kleines Haus gebraebt worden. 
Reispflanzen und Papyrusstauden, sowie 
zwei neue Sagittarien aus Siidamerika, 
die Sagittaria gigantea und lanceolata 
und Limnoeharis Plumieri dienten zur 
angenehmen Unterbrechung der Ober- 
flache des Wassers. Pistia Stratiotes 
wucherte in den grossen und kleinen 
Bassins in einer Ueppigkeit, wie ieh 
solcbe noch nicbt geseben. Auch sie 
wird jahrlich wieder aus Samen gezo- 
gen, den sie jedoch massenhaft zu tra- 
gen pflegt. Nelumbium speciosum stand 
in vielen grossen Exemplaren da, und 
nach Herrn Caspary's Mittheilungen ge- 
horten alle die unter 3 andern Namen 
aus verscbiedenen Garten erbaltenen 
Nelumbien zur gleichen Art. 

Den schonsten Scbmuck bildeten 
jedoch die rothbluhenden, durch Bastard- 
befrucbtung gewonnenen Nymphaeen. 
Von diesen haben wir den Bastard zwi- 
scben Nymphaea dentata und rubra (N. 
Ortgiesiana) scbon erwahnt. Herr «C. 
Bouche hat aber auch noch einen Ba- 
stard zwischen N. Lotus und rubra gezo- 
gen, der der N. Ortgiesiana sebr Shnlich 
siebet, sich durch die Form der Blumen- 
blatter unterscheidet und in verschiede- 



der Schweiz. 

nen Formen von blassrosa bis dunkel- 
roth bliibet. Wie die meisten Bastarde 
besitzt auch dieser die Eigenschaft, 
dankbarer als seine Stammeltcrn zu 
blfihen. 

Fiir den Winter ist ein kleines Warm- 
lur Uebenvinterung der Wasser- 
pflanzen eingericbtet und auch im Freien 
waren noch einzelne kleinere Bassins zur 
Cultur von Wasserpflanzen bestimrot. 
In einem derselben, einer grossen flachcn 
Schaale ahnclnd, wucherte die Marsilea 
aegyptiaca, in anderen schwamm ne- 
ben Pistia und Eichhornia die Sahinia 
natans und in einzelnen Wasaertopfen 
die Anacharis Alsinastrum, jene kleine 
Wasserpflanze, die in England in neue- 
rer Zeit Kanale fast unfahrbar gemacht 

Sehr reich ist die Sammlung der Dra- 
caenen, unter diesen Dracaena tesellata 
(gracilis V. Houtte) , marginata latifolia, 
arborea, Rumphii , Cordyline spectabilia 
und viele andere Seltenheiten. Ein noch 
neues unbostimmtesPanicum, demscho- 
nen P. plicatum almlich, aber mit gW- 
tem Blatt, Begonia rutilans mit grossera 
glanzendem Blatt und robustem wurzel- 
standigem Bliithenstande , ferner B. ar- 
borea, Ficus pseudonymphaeifolia, ColvJ 



lea speciosa 






_ fiedertem 
Jacaranda abnlichcm Blatte, Guaria 
trichilioides, deren Blatter, ahnlich einem 
Aste, aus der Spitze im folgenden Jafre 
weitere Verastelungen bilden, Rhyncho- 
petalon montanura, Sciadophyllum fa»- 
nosum aus Java, nebst dem einer Gastonia 



ahnlichen Sc. palmatum, Piper 



. 



Ostindien zum Kauen benutzi 
werden, Aphelandra grandis in BluM 
Dorstenia Ceratosanthos mit geweihar- 
tig getheiltem Bliithenboden, Pandanus 
javanicus, Anthurium membraculifer" 1 * 
mit handfdrmig getheiltem Blatte, ^ 
dem jenem ahnlichen A. podophyllum 



kraftige Exemplars der schbnen Eriocne- 
ma aenea unterDoppelfenster imWarm- 
hause mit Bodenwiirmc gczogen, Bryo- 
phylluni proliferum, Coccoloba guatema- 
lensis, Phyllartron comorense, Rhexia 
glomerulata, Ncpsera aquatica, ebenfalls 
cine kloine Melastomacee mit klcinen 
weissen Blumen, Erythrochitonbrasiliense 
in grossen bliihenden Exemplaren , La- 
pageria rosea mit Knospen erwahne ich 
neben der Unmasse der anderen Pflan- 
zen als schone Neuigkeiten des Warm- 

Bekannt ist schon seit Otto's Zeiten 
die reiche Farrensammlung des Berliner 
Gartens, von der Link seiner Zeit eine 
Beschreibung gab. Diese Sammlung bat 
sich seitdem aber fast vcrdreifacht und 
fiillt mehrere Hauser. Als besonders 
schoner und decorativer Neuigkeiten er- 
wahne ich der Angiopteris longifolia mit 
grossen doppelt gefiedertcn Wedeln und 
lanzettlichen Fiederblattchen , Devallia 
tcnuifolia aus Java, Lonchites pubescens 
und excclsa , Gymnogramma gracilis, 
Acrostichum crinitum, Platycerium Stem- 
maria, Cheilanthes dealbata, Lomaria 
Moritziana, Mesochlena javanica, Asple- 
nium Nidus in einem ganz ausgezeich- 
net schbnen grossen Exemplar u, v. a. 
Die verschiedenen mexikanischen Dasili- 
rion-Arten sind in wahren Prachtexem- 
plaren vorhanden, Schotia latiiolia bluhete 
im Kalthause , Oxalis sensitiva war in 
den Warmhausern ganz verwildert , von 
Cocos nucifera war eine kraftige junge 
Pflanze vorhanden, Dombeya Erythroxy- 
lonsteht in schbnen kriiftigen Exemplaren 
im Kalthause, und so sind der Selten- 
heiten und des Sehenswerthen so viel 
vorhanden, dass man fiir diesen cinen 
Garten eigentlich einige Tage zur Be- 
sichtigung haben sollte. 

In einem traurigen Zilstande befin- 
<fet sich dasgrossePalmenhaus, welches 



103 

einen Neubau sehr nothwendig hat, die 
Pflanzen darin stehenaber schbn. Cocos 
reflexa ist in Exemplaren mit 25 Fuss 
hohem Stammc vorhanden, schone Za- 
mien, Encephartos-Arten , und die man- 
nigfachsten Palmenformen stehen hier in 
buntem Gemisch, und Caladium pertu- 
sum sendet von den oberstcn Gallerien 
seine dicken , einem Taue gleichenden 
Luftwurzeln bis hinab zur Erde. 

Im freien Lande hatte der Ilerbst 
den Flor der Staudenquartiere vernich- 
tet, nur Colchicum latifolium und Colchi- 
cum speciosum zeigten noch , unserer 
Herbstzcitlose ahnlich, ihre doppelt bo 
grossen rothen Blumen. Diese herrli- 
chen harten Zwiebelgewachse sollten 
in keinem Garten fehlen. 

Bevor wir diesen an Pflanzenschatzen 
reichsten Garten Deutschlands verlas- 
sen, wollen wir noch der schbnen Car- 
ludovica- Arten gedenken, deren mach- 
tige oben getheilte Blatter an einen Cur- 
culigo erinnern. Der Berliner Garten 
cultivirt deren 6 Arten in schbnen Ex- 
emplaren , die C. palmaefoha , humilis, 
latifolia, flabellata, pblcata und palmata. 
Aus den Bliittern dcrselben werden bc- 
kanntlich die Guajaquilhute verfertigt. — 

Indem wir nun noch Hrn. C. B o u- 
che seine freundliche Begleitung mit- 
ten in den Arbeiten des Einraumcns 
verdanken, werfen wir noch einen kur- 
zen Blick auf einen der viclen anderen 
schbnen Garten Berlin's. 

Der Garten des Herrn Borsig in 
Moabit, Gartner Hr. Geerdt, behauptet 
in Bezug auf einzelne ausgezeichnet 
schone Exemplare und geschmackvolle 
Anordnung gegenwiirtig untcr alien Gar- 
ten Berlin's den ersten Platz. Der Gar- 
ten im Freien, wic die Gewachshauser, 
sind mit ebenso viel Eleganz als Gc- 
schmack angelegt und so sauber und 
nettdurchgefuhrt, dass das Augc nirgends 



Gartenflora Deutschlands und < 



• Schweiz. 



einem Gegenstande begegnet, der nicht 
durchaus an seinem Platze ware. 

Ein herrlich griincr schon gehaltener 
Rasen mit noch zu dieser spaten Jah- 
reszeit mit Blumen prangenden Grup- 
pen schmiickt don Garten, und gut an- 
gelegte Baumgruppen gewiihren reizende 
Perspective. 

Unter den Gewachshausern sind die 
beiden, fur Kalt- und Warmhauspflan- 
zen bestimmten Wintcrgarten , einzig in 
ihrer Art. In den fur kalte Pfianzen 
eingetreten, erblickt man die Hinter- 
wiinde reizend mit schonen Decorations- 
pflanzen bekleidet. Den Vordergrund 
bildet aber ein griiner Rasenteppich von 
Selaginellen, in welehem einzelne Pracht- 
exemplare frei stehen. Da sind es zunachst 
schone Lophorien (Farrenbaume furs 
Kalthaus) mit schoner Wedelkrone , 2 
Dasglirion acrotriche und vor alien aber 
ein xiber alle Beschreibung schoner Da- 
crydium cuprossinum, welches den Blick 
fesselt. Wer Dacrydium nicht in dieser 
Schonheit gesehen, vermag diese rei- 
zend schone Pflanze, mit ihren gracil 
herabhangenden diinnen Zweigen einen 
dicken und doch leichten Busch bil- 
dend, nicht zu beurtheilen. Sie vereint 
das Starre und Trockene der Vegetation 
Neuhollands mit dem gefalligen Wuchs 
einer Trauerweide , das Hochaufstrebende 
der Tanne mit dem zarten gracilen 
Wachsthum mancher Straucher. — 

Rhopala eorcovadensis zeigt hier 
ebenfalls auch den ganzen Reiz ihres 
dunkelen Laubes und ihrer eigenthiim- 
lichen 'Tracht. Agnostus sinuatus wett- 
eiiert durch sein grosses Blatt an Schon- 
hoit etc. 

Wir treten nun hiniiber in die war- 
me Abtheilung. Hier finden wir zwar 
nicht den wilden grossartigen Urwald, 
wie ihn unsere grossern Palmenb 
gewohnlich darbieten, Aber wir i 



einzelne der ausgezeichneten Formen der 
Tropenwelt so aufgestellt, dass sie noch 
einen viel bleibendoren Eindruck durch 
ihre grossartige erhabene Schonheit, 
durch ihre fremdartige Tracht auf den 
Beschauer hervorbringen. 

Solcher schoner Exemplare, die alle 
so gestellt sind, dass man sie vollstan- 
dig iibersehen kann, sind: Phoenix fari- 
nifera, Sabal Blackburniana , ein ausge- 
zeichnetes Exemplar dieser herrlichen 
Facherpalme, mit welehem Latania bor- 
bonica und Livistonia australis als un- 
tadelhafte grosse, nach alien Seiten 
gleichmassig schbn entwickelte Exem- 
plare rivalisiren. 

Die Krone von alien in dieser Ab- 
theilung ist aber ein xiber alle Beschrei- 
bung prachtiges Exemplar des Encepha- 
lartos Altensteinii. Auf massigem dickem 
10—12 Fuss hohem Stamm tragt diese 
Prachtpflanze die durchaus untadelhafte 
blaugriine Wedelkrone , die sich wie eio 
Schirm nach alien Seiten ausbreitet and 
durch die Massen der gleichzeitig ent- 
wickelten machtigen Wedel sich dicht 
schliesst. — 

Als ausgezeichnete und schone Pfian- 
zen der gleichen Abtheilung nenne icb 
Oldfieldia africana mit einer Cussonia 



ahnlichem Eaube, ein prachtiges Exem- 
plar derDamneara alba, machtige Exem- 
plare des Philodendron pertusum, die 
mastigeBliithenkolben entwickelt hatten; 
ferner an Palmen und Cycadeen eine 
schone Areca rubra, das Astrocaryon 
Ayrii, eine der schonsten Fiedelpalmen, 
die gemeiniglich in den Garten falschlicb 
unter L. rubra gehende Latania Commer- 
soni, Chamaedorea Bartlingiana mit reifen 
Fruchten, Zamia Skinneri mit ihren ffe 
genthumlichen oval-lanzeltlich gefurchten 
mattgrtinen Theilblattchen, mit Bluthen- 
zapfen , die schone Trithrinax aculeata, 
Calamus viminalis, eine eigenthunihche 






V4^ 



Originalabhandlnngen. 



105 



schone Rotang-Palmc mit diinnem rohr- 
artigem Stammo , zartem gelicdertcm 
Laube und don langen gracilenRIiithen- 
standen, Calamus asporrmuis. cine prach- 
tige Zuckerpalme (Aronga saccharifera), 
Cocos flexuosa, Chamaorops Martiana, 
Encephalartos Belsehnyderianus dem E. 
honidus ahnlich. Saribus rotundifolius, 
eine schone Facherpalmo, und vieles an- 

Alle diese Palmen standen in einer 
Ueppigkeit der Entwickelung und eincm 
Gesundheitszustande , der gar niehts zu 
wiinschen iibrig Hess, und waren in dem 
grossen Raume in einer Weise vertheilt, 
die die Uebersicht und Ansicht nirgends 
binderte. Herr Geerdt wendet durch- 
schnittlich fiir die Palmen cine kraftige 
sandige nicht zu schwere Rasencrde, 
vermisclit mit Mistorde an. Wo man 
diese leichtere Rasenerde nicht bositzt, 
wird man durch cine Mischung verScbie- 
dener lebmiger Erde, Moos- odor Laub- 
erde, Sand und etwas Mistorde das Glei- 
ebe erreichen konnen, sofern man dicsc 
Mischung wenigstens ein Jahr vorher 
ansetzt und durch ofteres Umstiirzen aui 
gute Vorbindung dioser Erdon hinwirkt, 
da der schwere Lehm den sonst oft un- 
verdaulichen Humus fur die Pflanze erst 
geniossbar macht. 

Unter den zahlreichen anderen Pflan- 
™n dieser Abtheilung bliihete z. B. die 
schone Allamanda nereifolia. 

Auf leichten Galerien von Gusseisen 
Jteigt man empor, um einen Anblick fiber 

as Ganze zu gewinnen. An dem einen 
Endpunkte des Hauses dient hiezu eine 
8j "°S3e geschmackvoll decorirte Treppe, 
, welche man in eine andere Abthei- 
lun g gelangt. 

. DonMit telpunkt dieses Hauses nimmt 
««e jener Prachtpflanzen ein, die zur 
j ewund «ung und Anbctung desSchopfers 

n semen herrlichen Gebilden der man- 



nigfaltigen Pflanzenwelt hinreissen, eine 
Pflanze , die mehr worth ist als ganze 
Garten voll Pflanzon. Es ist dies der 
schonste Farrenbaum, den ich sah, und 
vielleicht der schonste , der in Europa 
existirt, in einer Vollkommenhoit der 
Entwickolung, wie sie das Vaterland 
dieser Pflanzen nicht so herrlich bieten 

Wir lobpreisen eine Disphenia arbo- 
roa odT die Cyathea excelsa der Garten, 
einen Baum mit schlankem, 15 Fuss hohera 
Stamm, nach alien Seiten 10 Wedel von 
15 Fuss Lange ausbreitend , welchc 
bci grossem Umlange ganz fein gethcilt 
lind. Dieses horrliche Exemplar ver- 
lient es alleiu , dass jeder Fremde, der 
iich fiir Gartenbau intcressirt, hinaus 
nach Moabit fahrt, um Borsig's Winter- 
<cn zu sehen. 
Ein schones Exemplar eines der al- 



Cibotium Schiedei steht nebst andern 
i Baumfarren, wie Hcmitelia horri- 
da und obtusa, Alsophila obtusa etc. in 
der gloichen Abtheilung. Ebenso fiel 
iir hier oine schone neue Decorations- 
pflanze aus der Familie der Myrtaceen 
grossem lanzettlichem Blatto, die 
Grias cauliflora B., ein Baum Jamaica's, 
cnehm ins Auge. 

Das Victoriahaus zeigt die gleiche 
musterhafte Cultur der mchrfach bespro- 
chenen Wasserpflanzen. Die Trichosan- 
thes colubrina Jacq., jene schone gur- 
kenahnliche einjahrige Schlingpllanze, 
veiss geschlitzten Blumen rankte 
an den Wanden empor, wie bei 
Miiller die Momordica. 

In den speciell zur Cultur bostimm- 
ten kleineren Hausern stehen zahlreiche 
seltene Pflanzon und unter diesen auch 
oigentliche Sehaustiicke , so ein priichti- 
ges Exemplar des Medinilla magnifica, 
ein machtiger breiter Busch /n einer 



10* 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



besaern Pflanzen stellt man abcr nicht 
auf das Beet , sondern lasst sie auf er- 
hbhten Pfeilern iiber die andcrn Pflanzen 
hinweg ragen. Dies dient nicht nur zu 
ihrer schonen gleichmiissigeren Entwicke- 
lung, sondern es erhalt auch deren Wur- 
zelballen auf diese Weise die hohere 
gleichmassigere Wiirme der obern Luft- 
schichten des Hauses. Palmen, die ganz 
ins freic Land gepflanzt werden, ent- 
entwickeln sich zwar sehr uppig, aber 
sie stellen spater, weil sie nicht mehr 
voni Platze weggenommen werden, der 
geschmackvollen Decoration des Hauses 
bald uniibersteigliche Schwierigkeiten 
entgegen und einzelne wachsen imLaufe 
der Zeit so hoch , dass ihnen auch un- 
sere grbssten Hauser nicht mehr genii- 
gen. 

Nach diesen einleitenden Bemerkun- 
gen wollen wir einige der schonsten und 
seltensten Palmen der Augustinischen 
Sammlung nennen. Unter den Palmen 
mit vorn ausgefressenem jBlatte sah ich 
die schon beim Decker'schen Garten er- 
wahnten Martinezien, die verschiedenen 
Caryoten und auch C. propinqua. Neben 
Latania borbonica undCommersoni auch 
die achte Latania rubra , eine ausserst 
seltne Facherpalme mit schb'nen rothen 
Blattern, die sich nur in wenigen Samm- 
lungen befindet. Der Petersburger Gar- 
ten besitzt davon ebenfalls starkeExem- 
plare. Astrocaryon Ayrii und vulgare, 
Ceroxylon Klopstockii, Attalea compta, 
Geonoma undata, die schonen, aus Java 
eingefuhrten prachtigenFacherpalmen, die 
Licuala elegans und palmata, Thrinax 
graminifolia und radiata, Calamus obli- 
quus, micranthus und ciliatus, Livistonia 
australia und rotundifolia, zwei herrliche 
Fiicherpalmen , Oreodoxa sancona, Dae- 



Ebenso reich sind die Pflanzen mi 



palmenartigem Habitus vertreten; so stand 
von der in Berlin als Zimmerpflaiize 
massenhaft verwendeten Curculigo recur- 
vata ein ganzes Gewiichshaus voll scho- 
ner Pflanzen , die Carludovicen , Zamia 
tenuis, linearis, angustifolia, Skinneri. 
Dion edule, bluhend, schbne Encephal- 
arten, eine reiche Sammlung von Dra- 
caenen, unter denen die schbne Dracae- 
na umbraculifera , Rumphii , yuccoides, 
Lenneana, Ehrenbergii, fruticosa, cannae- 
folia etc. sind ferner zu erwahnen. Die 
Sammlung der Aroideen ist wohl die 
reiehste, welche jetzt existirt, denn sie 
umfasst ungefahr 200 Arten dieser 
schonen, auch an dunkleren Stellen zur 
Decoration von Warmhausern geeigne- 
ten Pllanzen. Ein vollstandiges Ver- 
zeichniss derselben kann von Herrn Au- 
gustin jederzeit bezogen werden, ond 
beziehen auch wir uns daher auf dieses, 
wie es unscrer Zeitschrift beigegeben 
werden soil. 

Nicht minder reich ist die Farren- 
Sammlung und von Selaginellen werden 
hier bereits 42 Arten , meistens in vor- 
ziiglich schonen Exemplaren cultivirt. 
Von einer frisch angekommenen Sen- 
dung Baumfarren batten fast alle Exem- 
plare getrieben. 

Unter den Orchidecn waren beson- 
ders die zierlichen Anoectochilus - Arten 
reich vertreten, so A. Lowei, Lobbianus, 
intermedins, Roxburghii, Iatimaculato 
in schonen gesunden Exemplaren, di e 
alle in reines Sphagnum gepflanzt wa- 

Unter doppeltem Fenster im Orchi- 
deenhause standen prachtige Excmplare 
der Maranta ornata, Trichomanes ra- 
dians und eine neue schbne Blattpflanze 
aus der Sippe der Justicien, die Achatoda 
acnea, mit mattgriinem schbn gezeichne- 
tem Blatte. 

Vom achten Brodbaume, Artocarpa3 



art rait weiss geadcrtem Blatte. 
neuen Aralien und Sciadophyllei 
ziemlich vollstandig vorhanden. Maranta 
Warscewiczii , die jedoch kaum dem ihr 
gespendeten Lobe entspricht, obgleich es 
eine recht schone Pflanze ist, in einem 
starken schon en Exemplarc. Von Arz- 
neipflanzen Piper Betle, Cinchona pur- 
purascens, die Quassien. Ferner eine 
schone Sammlung vonPandanen, schone 
Dacrydicn und Yuccen , kurz in all 
den angedeuteten Richtungen ein unend- 
Hcher Reichthum an schonen alten und 
vielen neuen Pflanzen. 

Bedenken wir, dass alios dieses in 
wenigen Jahren geschaffen ward , so 
muss dieser ausgezeichnete Garten eine 
grosse Zukunft vor sich haben, wenn er, 
woran nicht zu zweifeln, auch vom 
Publikum so unterstiitzt wird , wie es 
^e Grossartigkeit der Anlage erfor- 
dert. — 

Wir verlassen nun Berlin mit seinen 
Pflanzenschatzen und konnen von un- 
serer weitern Reise nicht viel mehr be- 



einfor- 



arten gehort zu jenen schwach do- 
ften Anstalten, wo trotz der Thatigkeit 
^^ngestellten wenig Neues ange- 
te grosse Exem- 
zen, zum Theil 
gepflanzt , iiberrasehen 
"™ ihre Schonheit. Als eine schone, 
r noch ganz unbekannte Pflanze nenne 
Androsace, die ich in einem 



N«W alterer Kalthauspfia; 
ms freie Land gepflanz 
durch ihre 



Kalthausi 

j ""-»/« oau. r, s isi aie An- 

PfiaT* Sarmentosa Wa »; eine zierliche 
vTu* aUS den Gebir S e n Ostindiens, 
be!?! Ian? herab ^ngende Auslaufer, 
tern KM 11 Silberweiss behaarten Blat- 
her*^' ' die frazil uber den Topf 
ne « a ngen. A uf der Spitze derZwei- 



ge stehen Dolden lilafarbener Blurnen. 
Diese Pflanze wird sich namentlich als 
Hangepflanze des Kalthauses schon aus- 
nehmen und verdient allgemeine Verbrei- 

Von Kbnigsberg ging es immer wei- 
ter dem Norden zu. 
erhielten allmahlich ein 
migere Gestalt, indem von Baumen mit 
fallendem Laube als hauptsiichslichster 
Baum die Birke, jedoch in ausserordent- 
licher Schonheit und kraftigem Wuchse 
auftritt, dem man es ansieht , dass hier 
eigentliche Heimath. Mit ihr gc- 
raischt, treten als Laubbaume der Ge- 
Populus nigra und die Erie auf. 
Den Tannenwald bildet hauptsiichlich die 
Pinus sylvestris, ebenfalls in einer Stam- 
migkeit des Wuchscs, wie man die Fbhre 
in Deutschland nirgends sieht. Die 
gewubnliche Fichte (Pinus Abies) kommt 
mehr nur eingestreuet , sehr selten in 
ganzen Bestanden vor, dagegen # folgt 
der Wachholder immer niedriger wer- 
dend bis zum hbhern Norden. 

In den Anlagen der Landgiiter und 
Garten siehet man dagegen noch bei 
Dorpat die meisten unserer Zierstraucher, 
BuchenundEichen, und inbesondersgros- 
sen prachtigen Exemplaren, bisweilen zu 
Alleen verwendet, die Populus lauri- 



folia. 

Eigenthumlich sind den Ebenen langs 
des Baltischen Meeres, bis tief ins Land, 
mit den Gletschern aus Schweden 
und Finnland hergewanderten erratischen 
Blocke, die zerstreut, oft in bedeutender 
Grosse und grosser Menge uber die 
ganze Landschaft vorkommen. 

Als einer auffallenden Thatsache will 
ich hier noch erwahnen, dass, wahrend in 
Gotha und Erfurt die Georginen schon 
Anfang Septembers durch harte Nacht- 
froste vollstandig erfroren, dieselben in 
Berlin und bis kurz vor Riga, MitteOcto- 



und der Schweiz. 

bers gut crhalten waren odcr doch nur I urn spatcr Ausfiihrlicheres uber Peters- 
hier und da wenig gelitten hatten. burg's Garten und Culturen mitzutheilen. 
Wif schliesaen hiermit diesen Bericht, (E. R.) 



3) Spalierzueht in Frankrelch. 

Nach dem Franzosischen von Herrn Kettner in Stuttgart. 



Palmetten-Formen. 

(MU 6 Abbildungen auf Tafel 156.) 

Fortsetzung der entspreehenden Abhandlung im vorigen Jahrgange. 



Palmett 



-For 



Der Charakter dieser Gruppe besteht 
in einer Reife von leiterartig ubereinan- 
der gestellten Seitenmutterzweigen, wel- 
che sowohl horizontal als auch schief 



kr.r: 



die 



vertikal gestellten Mutterzweigen ai 
gehen. 

Diese Gruppe umfasst folgende 
Formen : 



Legen 



- (Fi, 



Aus einem vertikalen Mutterzweig 
entspringen auf jeder Seite eine be- 
stimmte Anzahl horizontaler Seitenmut- 
terzweige von gleicher Starke. 

Um diese Form herzustellen , lasst 



Jalsr 



der Basi 



Spaliers entweder durchZuriickschneiden, 
oder dadureh , dass man der TJnterlage 
drci Augen einsetzt, 3 Knospen sich ent- 
wickeln; eine vorn fur den Mutterzweig 
(A) und zwei auf der Seite fur die er- 
sten Seitenmutterzweige (B). Im daraui 
iolgenden Jahr wird der Mutterzweig in 
der Mitte desRaums, welcher den Zweig 
B von dem Zweig C trennt, geschnitten. 



erauf schneide man die Seitenmutter- 
zweige B so lang als nur immer mog- 
Man sehe nicht darauf, im zweiten 
Jahr neue Seitenmutterzweige zu er- 
ziehen, denn man muss die Vegetation 
der ersten zur vollen Entwicklung kom- 
men lassen. Vom darauffolgenden Friih- 
jahr an kann man jedoch jedes M 
deren neue hervorrufen. Es darf nicht 
ausser Acht gelassen werden, dass die 
Seitenmutterzweige anfiinglich beinane 
vertikale Stellung einnehmen und da« 
man sie nur allmalig und nach Verhalt- 
niss ihrer Verlangerung herabneigt. 

Diese Zusammenstellung ist nlC 
vollkommener als die friihere, denn W 
sic erfullt keineswegs die dritte Bedm- 
gung, welche wir gcstellt haben; denn 
der Saft aus den Wurzeln, der rasch » 
dem vertikalen Stamm aufsteigt , vir 
auf die Entwicklung der obern Seiten- 
mutterzweige zu sehr cin , welche da- 
dureh zu kraftig werden, wahrend ^ 
an der Basis spindlicht bleiben. Anje* 
rerseits macht die horizontale Stellung *» 
Seitenmutterzweige die Erhaltung ? m& 
geniigenden Starke dor Fruchttriebc o* 
terhalb dieser Vera'stlungen Uussersi 



DieseForm kann auf allei 
angewandt wcrden und cignet sich gleich- 
falls fur die hochsten so wie fiir die 
niedersten Mauern. 

2. Ranken-Palmette. (Fig. II.) 
Um dem letztberiihrten Mangel abzu- 
helfen, wurde diese Form erdacht. Man 
hat in ihr die auf der untern SeJte der 
Seitenmutterzweige stehenden Frucht- 
triebe vollstandig unterdriickt, ausgenom- 
men die auf dem untersten, und um die 
Liicke auszufiillen, wurde die Anzahl 
der Seitenmutterzweige verdoppelt. Daraus 
entsteht jedoch der andere Uebelstand, 
dass, da man jedes Jahr nur 1 Paar 
Seitenmutterzweige bekommt, 
der Heranbildung dieser Form auch dop- 
pelt so viel Zeit braucht als fiir die an- 
dere. 

Diese Banken - Palmette wird ganz 
auf dieselbe Weise herangezogen wie die 
vorige und kann an Mauern von jeder 
Hohe angebracht werden, doch lasst sie 
sich mit Vortheil nur auf den Pfirsich- 



3. Pa 



(Fig. 



Bei der Bildung dieser Form wollte 
^ gleichfalls dem Fehler der Palmette 
Legendre entgegenarbeitenund dicFrucht- 
tri ebe in e ine giinstigere Stellung brin- 
gs, indem man den Seitenmutterzwei- 
gen eine schief aufsteigende Richtung 
giebt. 



auszufiillen, lasst man aus 
*™en einen dritten Zweig (B) hervor- 
g<*en. Diese Form ist augenscheinlich 
^sser und wir denken , dass sie den 
eiden vorhergehenden vorzuzielien ist. 
Das Geriiste dieser Palmette wird 
™ dieselbe Weise, wie das der beiden 



ammmgen. m 

vorhergehenden gebildet und lasst sich 
gleichfalls auf alle Obstbiiume anwen- 
den. Die Mauern, welche dafur bestimmt 
sind, sollten nicht unter 3, »• 35 (11' 15) 
hoch sein, damit die schiefen Zweige fiir 
ihre Verliingerung geniigend Raum haben. 

gen. (Fig. IV.) 
Wenigstens 3 Biiume sind notbig, um die- 
se Form vollstandig moglich zu machen. 
Der mittelste (A) entwiekelt nach rechts 
den ersten Seitenmutterzweig (D). Der cnt- 
sprechende (E) geht von dem Baum zur 
Linken aus. Ueberdiesem letztern Zweig 
liefert derMittelstamm einen dritten (F), 
sodann der Stamm B einen vierten (G) 
und so einander nach abwechselnd fort 
bis zur Mauerspitze. Aus der Zeichnung 
geht hervor, dass die Entfernung der 
Biiume nur halb so gross zu sein braucht, 
als bei den andern Formen. — Diese 
Form unterscheidet sichimWesentlichen 
sehr wenig von der Palmette Legendre, 
sie bietet bei denselben Vortheilen dic- 
selben Unannehmlichkeiten und man cr- 
hiilt sie durch ein ganz ahnliches Ver- 

S tarn me. (Fi g; V.) 
Wir haben der Palmette Legendre 
den Vorwurf gemacht, dass sie den Saft 
aus den Wurzeln zu rasch gegen die 
Spitze des Baumes steigen lasse; bei 
dieser Form wird diesem Nachtheil entge- 
gengearbeitet. Es ist hierderKanal des 
Safte3 in zwei gleiche Theilc getheilt, 
d. h. anstatt cines einrigen vortikalen 
Stammcs hat der Baum 2 Mutterzweige, 
welche in dcmselben Punkt entstchen, 
sich vertikal erheben und sich gerade so 
von einander entfernen, dass geniigend 
Raum bleibt, um die zwischen ihnen 
stehenden Triebc anzuheften. Diese 
Zweige geben nach einer Seite hin ciner 



112 

Reihe von Seitenmutterzweigen ibr Ent- 1 
stehcn , welche horizontal iiber einander 
befestigt werden. 

Dies Vcrfahrcn ermassigt zwar die 
grossere Scbnelligkeit der Saftbewcgung 
von der Basis zur Spitze, verursacht je- 
doch einen andern Uebelstand. Denn 
da die Legendresche Palmette nur einen 
einzigen Mutterzweig hat, so ist es leich- 
ter, das Gleichgewicht der Vegetation zu 
reguliren als bei Fanon's Palmette, denn 
bei dieser hat man stets darauf zu ach- 
ten, dass beide Mutterzweige stets von 
gleicher Starke bleiben. Es folgt daraus, 
dass die goringe Verbesserung Fanon's 
bald durch die angefiihrten Griinde auf- 
gehoben wild. Im Uebrigen wird diese 
Palmette mit doppeltem Stamm auf die 
bei Legendre's Palmette angefiihrte Weise 
hergestellt und kann ganz in densel- 
ben Umstiinden angewandt werden. 

gen. (Fig. VI.) 
Die Karthauser in Paris batten Baume 
in ihren Garten, dcren Friichte lange auf 
sich warten liessen. Um sich balder in 
deren Genuss zu setzen , bogen sie die 
Zweige derselben nieder, indem sie an 
alle ihre Spitzen schwere Steine ban- 
den. Die Chronik erzahlt, dass , wenn 
der Wind bei der Nacht diese Steine be- 
wegte und sie gegen einander stiess. 
dieselben einen solchen Larmen verur- 
sachten, dass die hciligen Vater nicht 
schlafen konnten , und von diesem Ver- 
fahren abliessen. 

Gegen das Jahr 1780 wandten Fa- 
non und spater Cadet de Vaux dieses 
Verfahren wieder 
riicksichtslos auf alle Fruchtbi 
glaubten dadurch den ganzen Schnitt 
vollstUndig ersetzen zu konnen. Aber dor 
Missbrauch, den sie mit dieser Biegung 
der Zweige getrieben haben, gab solch 



entmuthigende Resultate, dass diess Ver- 
fahren , welches ausnahmsweise und in 
gewissen Umstanden von grosstem Nutzen 
ist, ganzlich wieder verlassen wurde. 
Vor einigen Jahrcn.bat man es vor- 
iiglich bei Pyramiden von neuem wie- 
er aufgebracht und wir glauben, dass 
aan es auch manchmal vortheilhaft bei 
>palieren anwenden kann , doch nur bei 
len Birn- und Aepfelbaumen, welche zu 
kraftig treiben, um leicht Fruchtc an- 
setzen zu konnen. 

Man operirein diesem Fall folgender- 
massen: Wenn es sich um eine Palmette 
Legendre, cine doppelstammige, eincmit 
schiefen Zweigen oder eine andere ahn- 
liche handelt, so fangt man damit an, 
einen Seitenmuttcrzweig zwischen zwcien 



ui.-rdri 



alien, die man beibchalt, einen itauw 
von ungefahr »• 60 (1' 98) bekommt 
Diese Zweige bringt man in eine bon- 
zontalc Stellung, wenn sie dieselben 
nicht von selbst einnehmen, und biegt 
ihre Spitzen um, wic es dieFigur * 
Im Laufe des Sommers, welcher dieser 



Op,, 



r..Lt. 



:ii)l 



obern Theil der Zweige cine Desuu.« 
Anzahl Triebe , welche 3' aus einander 
stehen, dieselben lasst man sich &* 
entwickeln, und sobald sie eine Lang 6 
von 1 m -50 (4'9) haben, biegt mandie- 
selben so, dass ihre Spitzen den Pun* 
beriihrcn, an dem der nachstc Trieb an- 
fiingt. Diese Operation wird zuerst an 
den untern und hernach an den obern 
Seitenmutterzweigen vorgenommen. A 
diese Weise erstarken die Verastlunge" 
von der Basis des Baums an. 

Prufenwir nun, was die Folgen dieses 
Verfahrens sind, so linden wir,^^ 
die an ihrer Spitze umgebogenen Sdten- 
mutterzweige aui'hbren, in die LIin S e *! 
wachsen; dasselbe ist auch der Fall 
dem Aestchen 3. Ordnung, die sich a 




■H.vft 



^mmmmm 



I. Origin 
dcren oberem Theil entwickelten. Bald 
wird man jedoch iiber den horizontalen 
Zweigen und am obersten Theil des 
Bogens zahlreiclie tertiare Zweige her- 
yorkommen sehen, welche gerne sich 
zu Schmarotzerschossen heranbilden. 
Alle andern Knospen werden leicht zu 
Bliithenknospen. Urn die Ausbildung 
obiger Schosse zu verhindern , sollten 
alle Triebe, welche man stehen zu las- 
sen geneigt ware, sobald sie 0^,06 
(0'55) lang sind, auf m -, 03 (0' 27) 
zuriickgekniffen werden. 

Durch dieses Umbiegen gelingt es, 
die anscheinend unfruehtbarsten Baume 
zur Erzeugung von Friichten zu veran- 
lassen; jedoch sollte es nur bei allzu 
kraftig wachsenden Baumen angewandt 
werden; denn geschahe es bei alien In- 
dividuen, so wiirden durch die gestei- 
gerteFruchtbarkeit, die aus dieser Opera- 
tion entspringt, die meisten Baume zu 
Grunde gehen. 



Den 



Form 



verschiedenen Forme n , welche 
*"• so eben beschrieben haben, fehlte 
stets cine der drei Hauptbedingungen, 
di e mr aufge.stellt haben. In keiner 
derselben vertheilt sich der Saft genii- 
gend an der Basis des Baums , welche 
Jesshalb stets zu schwach bleibt. Be- 
^emdet durch dicse Erscheinung suchte 
^ n Ben gy Puyvallee diese mangelhaf- 
* n For raen durch eine andere entspre- 
cnendere zu ersetzen. 



Oic.-.-r 



<l»ali,-.. 



nterscheidet sich von 
r do PPeltstammigen iPalmette (Fig. V.) 



113 

nur durch die Art ihrer Heranbildung. 
Das unterste Paar Seitenmutterzweige 
wird durch die beiden Mutterzweige ge- 
bildet, welche man allmahlig zur hori- 
zontalen Stellung herabbiegt. Sobald 
diesclben sich gehorig entwickelt haben, 
ersetzt man die Mutterzweige mit Hiilfe 
eines kraftigen Triebs, den man leicht 
an demPunkte erhalt, wo die urspriing- 
lichen Mutterzweige ihre vertikale Stel- 
lung verlassen, urn die horizontale ein- 
zunehmen. Die andern Seitenmutter- 
zweige werden sodann nach und nach 
gleich denen der doppelstammigen Pal- 
mette gebildet. 

Aus diescm Verfahren geht hervor, 
dass, da es dem Saft schwicriger wird, 
gegen den Gipfel des Baumcs zu stro- 
men, dessen Basis kraftiger bleibt. Wir 
sehen nicht ein, warum Herr Bengy Puy- 
vallee sein Verfahren nur auf die bei- 
den untersten Seitenmutterzweige an- 
gewandt hat. Ware er mit alien folgen- 
den Verastlungen auf dieselbe Weise 
verfahren , so wiirde er gewiss seinem 
Zweck viel naher gekomraen sein; denn 
der Saft, der in den Mutterzweigen auf- 
steigt, hatte durch jeden der Seiten- 
mutterzweige hindurch gehen miissen und 
wiirde dadurch in bedeutend schwachc- 
rem Maass auf den Gipfel des Baums 
eingewirkt haben , welcher stets kraftig 
genug ist. 

Diese Palmette in U - Form kann 
auf alle Fruchtbaume angewandt und 
an Mauern von beliebiger Hone ange- 
bracht werden. 



(Varftetsiten.) 



4) e"?::-' — -«*--.. 



v o r w o r t. | schauung von meinen Salpiglossen und 

er Herr Garten - Director E. Kegel I Elichrysen Kenntniss zu nehmen, welche 
* 80 freundlich, durch eigene An- 1 sich im Jahr 1855, wie an Farbenpracht, 
Iv - 1856. g 



114 Garten.lora 

so auch an Grosae und Mannigfaltig- 
keit der Varietaten auszeichneten. Be- 
sonders empfehlc ich meine neuen lialb- 
hohen Salpiglossen - Varietaten; die nur 
zwei Fuss hoch werden und sehr bu- 
schig wachsen , daher die hohen Varie- 
taten bald verdrangen werden. 

Ich erlaubte mir daher von meinen 
neuesten grossbluinigen, aber balb hohen 
Sorten im 1. Ileftc dieses Jahrganges 
eine Abbildung zu geben und im Nach- 
stehenden raeine Culturmethode beizu- 



lch 



,;» igi 



im - Friihjahr in sandiger Mistbeeterdc, 
woruntcr aber keine Haideerde sein darf, 
denn daran darf man sie nieht gewbh- 
nen , wenn man gcsunde, starke Pilan- 
zen haben will. Die Anwcndung von 
Heideerde bei der Aussaat ist fur viele 
Pflanzengattungen , welche spater ins 
Freie ausgepflanzt werden sollen, schr 
nachtheilig, weil sie, an so leieltte, wei- 
cheErde gewohnt, in schwercm Garten- 
boden sehr ungern anwachsen, und des- 
halb entweder absterben, odor doch we- 
nigstens sehr schwachlich werden. Wenn 
schwachliche Pilanzen bei alien Gattun- 
gen und Arten von schlimmem Einfluss 
auf die Grbsse und Vollkommenheit der 
Blumen sind, so ist es bei solcben Ar- 
ten noch viel scblimmer, bei welchen 
eine Vergrosserung und Vcrvollkomm- 
nung der Blumen besonders beabsich- 
tigt wird. Es ist gleichviel, ob die Sa- 
men ins Mistbeet, oder in Topfc ausge- 
saet werden, nur muss man sie, sobald 
sie einige Blatter gebildet baben, in ein 
Kaltbeot in Tbpfc oder Kastchen ver- 
stopfeq. Ich habe gefunden , dass das 
Verstopfen eine Hauptsacbe ist, wenn 
man starke und gesunde Pflanzen ha- 
ben will; denn wenn man sie im Saat- 
beet bis zum Auspflanzen gross werden 



liisst, so werden bis dahin ihre Wurzeln 

leicht holzig und wachsen beim Ver- 

setzen ins freie Beet nicht mehr gut 

an; werden sie aber im jiingsten Zu- 

stande verstopft , so bilden sie neue 

Buschel Saugwurzeln , welche leicht als 

Ballen auszuheben und zu versetzen 

id, was ganz natiirlich ein schnelleres 

id besseres Anwachsen und somit auch 

das fernere Gedeihen sichert. Im All- 

gemeinen lieben sie mebr einen locke- 

i sandigen Boden, als einen schweren 

migen, und man thut, wenn em sol- 

cher nicht schon im Garten vorhanden 

sten, wenn man durch Bei- 

fiihren von Composterde, Kasenerde und 

Schlammsand sich eine passende Erde 

fur die einzelnen Bcete zu bereiten 

Das Begiessen ertragen sie vor d«r 
Bliithezeit nicht gut, und es muss je- 
denfalls, wenn anhaltende Diirre ein Be- 
giessen nothwendig macht, mit der Rbhrt 
der Giesskanne so gescheben , dass die 
Erde nicht bloss obenauf, sondern durch 
und durch angefeuehtet wird. Die p* 
sendste Zeit ist allerdings der Aben • 
Stirbt eine oder die andere Pflanze a , 
was aber bei mir von Jahr zuJahrwe- 
niger geschieht , da die Pflanzen im** 
robuster werden, so darf sie nichU^ 
gerissen, sondern muss mit dem lH"j 
am Boden abgeschnitten werden, «* 
sich ihre feinen Wurzeln sehr we« a ^ 
breiten , und daher das Ausreissen 
Wurzeln den nebenstehenden nothw 
dig schadlieh sein miisste. Ein bo t ' * 
Ausreissen ist ofters die «nzig^ rSa _ 
daas nach und nach die meisten if 
zen eines Beetes absterben. ™ e ' 
sie sorgfaltig behandelt und gegen sc ^ 
liche Einwirkung beschiitzt, so ** 
sie sehr robust und ertragen eine 
von 1 bis 2 Graden. ^. 

Ich habe auch schon Proben 6 



I. Origin 

raacht, im Herbst einige schone Exem- 
plare auszuheben und in Topfe zu 
setzen, wo sie, zuriickgeschnitten und 
im kaltcn Hause an heller trockener, 
luftiger Stelle iiberwintcrt, schon Ende 
Marz wieder zu bliihcn anfingen. ~\ 
man recht friihzeitig Flor im Freien 
ben, so kann man auch Herbstaussaaten 
machen, die jiingenPflanzchen, einzeln in 
kleine Topfe verstopft, im Kalthause 
Uberwintern und im Friihjahr ins Freie 
auspflanzen. 

Auf diese Weise ist es moglich, ei- 
ncn fast fortlaufenden Bliithenflor zu 
erhalten, welcher vomFruhjahr bis zum 
eintretenden Frost dauert , und gewiss 
wird kaum eine andere Pllanze die 
nige Aufmerksamkeit und Pflege, welche 
die Salpiglossen verlangen, so reiehlich 
belohnen wic diose. 



115 

abgeschnittenen getrockneten Blumen 
behalten dauernd ihre Schbnheit und 
gewahren, als Bouquet formirt, fur den 
Winter immer noch Reiz. 

Ich sae sie Mitte Marz aus, gleich- 
viel ob ins Mistbeet odcr in Topfe , nur 
muss man sie , sobald 4 bis 6 Blattchen 
sich gebildet haben, in ein Kaltbeet, 
entweder in das Beet eelbst oder in 
Topfe , auch in Kiistohen , ohngefiihr 2 
Zoll von einander entfernt , verstopfen, 
wenn man kraftige gesunde Pflanzen er- 
zielen will. Werden sie im jun.aen Zn- 



Bereits scit mehreren Jahren pflege 
>ch mit besonderer Aufmerksamkeit die 
Cultur der Elichrysen (Strohblumen), 
and es gelang mir, durch gluckliche Aus- 
eaaten immer schonereFormen, Gefullt- 
neit, sowie ein reicheres Farbenspiel zu 
"zielen. Zu einem ganz vorziiglichen 
Resulute isi meine Elichrysencultux in 
diesem Jahre gelangt und ich habe un- 
ter ih nen auch viele halbhohe Varieta- 
tp n erzielt , die vielleicht mit der Zeit 
instant bleiben werden. Sie sind da- 
he r mit Recht alien Gartenfreunden zu 
p, npfehlen und werden gewiss sehr bald 
J^Ie Liebhaber finden. Besonders auch 
na °en sie den Vorzug, dass sie nicht 
^Pfindlich sind gogen Frost und 1 bis 
* Grad Kalte ertragen, ehe ihre Schon- 
*J verliert; dass sie daher bis in den 
b P*therbst hinein lustig fortbliihen, wah- 
L end Gcor ginen, Balsaminen, Zinnien, 
^olen und so viele andere Som- 
r gewachse bei m Eintritt des ersten 
* ros ^ vernichtet werden. Ja selbst die 



stande verstopft, so bilden sic cine Masse 
neuer Saugwurzeln, wclche dann leicht 
auszuheben und zu verpflanzen sind. 
Durch die fein gebildeten Saugwurzeln 
wachsen sie nicht nur schneller an, 
sondern es wird auch dadurch ein ra- 
scheres Gcdeihen der Pllanze bewirkt. 

Ich pflanze selbige Anfangs Mai an 
ine sonnige freie Lage ; ungefahr 8 Zoll 
on einander entfernt. Sobald sich die 
rsten Blumen zeigen, entfernc ich die 
teniger gutcn Sortcn ; jedoch behalte 
d\ immer im Auge, dass das Beet com- 
plet bleibt und keine leeren Stellen be- 
nt; desshalb pflanze ich sie auch, 
vorher angegeben, etwas eng zu- 

lie gedeihen~fast in jeder Bodenart, 
sobald der Boden godiingt ist. am vor- 

indigen, humusreiclien Boden. 

GegcnNasse sind sie dtirebaus nicht 
npfindlich und man kann bei anhal- 
nder trockener Witterung durch ofte- 
s Begiessen ibnen sebr zu Hiilfe k o 1 1 1 - 
en und dadurch ihr Wachsthum bc- 
fordern. 

Herbst etwa gegen Mitte Octo- 
ber hebe ich mir die schonsten Exem- 
plare aus und pflanze solche in Topfe; 
werden zuriickgeschnitten, im kalten 
Hause an heller, luftiger Stelle iiber- 



wintert, urn sie im Fruhjahr 



Freie I 



wieder auszupflanzen. Will man jedoch 
die vorziiglichsten Sorten durch Steck- 
linge vervielfaltigen, so kann man auch 
in Ermangelung eines Vermehrungshau- 
ses sich ein gutes warmes Mistbeet an- 
legen und so die Vermehrung in klei- 
nen Topfen erzielen, ahnlich wie die 
Georginen. Entweder kann man im Mo- 
nat August, oder auch im Fruhjahr 
ungefahr Anfangs Marz von den al- 
ten eingesetzten Stbcken damit begin- 
nen, spater nach Wurzelbildung die- 
selben noch einmal in verhaltnissmas- 
sig grossere Topfe verpflanzen, abhar- 



ten, und 


seiner Zeit dann ins Freie 


bringen. 








Ca 


rlEbritsch. 


Anuie 


kung. Das 


Maiheft unserer Mo- 


natsschrift 


svird von den 


Elichrysen des Herrn 


Ebritsch in 


Ai usual; ein 


e Abbildung bringeu, 


weiche jedoch von der s 


eltenen Schooheit dar- 


selben nui 


eiuen unvollstandigen Begriff gibt. 


Gleichzeitig 


fiihlen wir u 


ns iu der Beinerkung 


verpflichtet 


dass uns das Dokument der So- 



12) Cattleya Mei/eri Rgl. ; Orchideae. — 
Eine neue aus Brasilien stammende Art. 
die Meyer vorlaufig als C. modesta H. 
Petrop in der hiesigen Sammlung be- 
zetehnet hatte. — 

C. sepalis lineari - oblongis subfalca- 
tis acutiusculis rccurvo-patcntibus : pe ta- 
lis subconformibus erectis; labello in- 
diviso ovato eucnllato, antice rotundato 
crenulato crispo. 



II Neue Zierpflanzen. 

m de» hotanUchen Gartens In 
Petersburg* 

(Schluss.) 

In der Farbung der Blumen koromt 
dieselbe der C. Forbesii nahe , die Bin- 
men sind aber kleiner und die Lippe 
ungetheilt. (Beistehend eine Blume » 
Lebensgrbsse von vornc gesehen). 

Seheinknollen langlich, zusammen- 
gedriickt, nach beiden Enden vcidum*. 
mit rinnenformigen Langsfurchen , 3--< 




Zoll lang, V»— 3 /4 ^oll brcit > 



nGrunde 



mit einer hautigen Scheide, die die juy 
sten Seheinknollen umhiillt, aufderSpiW 
ein diekes ileischiges, langlich - ovaks 
oder verlangertes fast bandformiges stum- 
pfes, undeutlich gekieltes Blatt tragen^ 
das 3 / 4 — 1 % Zoll breit und 4 -r 
Zoll lang ist. Blumen in spitzenstan- 
diger (Sbluthiger Traube. Eine haW 
Scheide reicht bis iiber die untersten N* 
thenstielchen empor. BltithenstielcM' 
fast horizontal abstehend, nebst FrucH' 
knoten liinger als Blumen. Kelch- o* 
Blumenblatter blassgelb, mit griinUcheff 



Schiller, ungefahr 1 Zoll oder etwas 
longer. Lippe mit den eingerollten Sei- 
tenrlindern die Saule umgebend, wenn 
ausgebreitet von ovaler Gestalt und 
stumpf, im zusammengerollten Zustande 
durch die wellige Faltung des vordern 
Theiles spitz erscheinend, wcnig kiirzer 
als Blumenblatter, blassgelb, innen 
ht'idfn Sciten des Mittelncrves can 
purpur verwaschenund gestreift und i 
dunkler gelb, wie alio Theile der ] 
menkrone durchaus kahl. Griffelsaulc 
lialbstielrund , nach oben breiter 
mit schwach gefliigelten Randern , halb 
so lang als Lippe und wie diese frei. 
Antheren 4fachrig mit hautigen Schei- 
dewiinden. Vier Pollinien zu je awei 
durch zuriickgeschlagene Caudicula ver- 

Diese niedlichc Art wird ahnlich der 
CattleyaForbesii im Orchideenhause auf- 
gehangt cultivirt. Wir konnten in der 
sehr zerstreuten Literatur iiber Orchi- 
deen keine mit derselben iibereinstim- 
mende Art auffinden , und sehen , wie 
alle, die sieh fur diese Familie interes- 
siren, mit Ungeduld der schnellen Fort- 
setzung von Lindley's Folia orchid area 



13) Coelogyne fimbriate Lindl, Var. 
acuminata Rgl Tjnsere Pflanze weicht 
durch etwas kleinere Blume, zugespitzte 
Kelchblatter und einen spitzen weniger 
stark gewimperten Mittellappen der Lippe 
von der Stammart ab. 

H) MaxMaria triangularis Lindl 
Eme mit It tenuifolia verwandte Maxil- 
Jar, a. die Galeotti aus Guatumala ein- 
gesendete. Die Scheinknollen stehen 
p le ! & edr angter auf mehr verkiirztem 
« b 'zom, die Blatter sind langer und der 
***** der Blume ist jedoch ganz ver- 
^nieden. Der hiesige Garten cultivate 



Die kleinen oval-langlich.ti Schein- 



der Spitze zu zweischneidig , tragen 
oben ein Blatt und sind am Grunde von 
hautigen Scheiden umgeben. Die Blat- 



lang, Va z oH breit, an der Spitze stumpf 
und ausgerandet, mit kleinem zwischen 
gestelltem stachclfbrmigem Zahn. Blii- 
thenstiele aehsolstandig , lblumig, ein- 
zeln, aufrecht, mit 4 Scheiden verschen 
und ungefahr 4 Zoll lang, so dass die 
Blumen unter den langen Bliittern 
verborgen sind. Die Blumen auf- 
recht, blassgelb und stark purpur punk- 
tirt, durch die nach oben und unten 
abstehenden Blattchen der Bliithenhulle 
fast rechenfbrmig erscheinend. Kelch- 
blatter kaum 1 Zoll lang, die seitlichen 
lanzettlich spitz, fast sichelfbrmig, ab- 
stehend, nach unten gerichtet und mit 

Dreieck bildend ; das obere einwarts ge- 
kriimmt abstehcnd und nach oben ge- 
richtet , langlich -lanzettlich und zuge- 
spitzt. Blumenblatter lanzettlich, spitz, 
fast sichelfbrmig, kaum 3 / 4 Zoll lang und 
aufwarts gerichtet. Lippe 3 lappig, halb 

lang als Blumenblatter, die Spitze 
untern kurzen kappenformig einge- 

ten Lippenstuckes bilden die beiden 
kleinen stumpfen Seitejlappen ; der Mit- 
ellappen zungenformig verlangert, oben 
ivarzig und schwarz purpur, mit zuriick 
gerollten Randern. Die Saule halb stiel- 
rund, kurz, flugellos. Die Anthere gelb, 
zweifacherig , 2 zweitheilige Pollinien 
umschliessend. Bluhet im Spatherbst. 
Cultur in durchbrochenen Topfen. 

15) Mar Maria hyacinthina Echb. fil 
Eine mit Maxillaria squalens und deco- 
lor nah verwandte Art, die im hiesigcn 
Garten als M. affinis H. Petrop. kulti- 
virt ward und durch Lansberg au3 Co- 
lumbien eingesendet ward. Lindley giebt 



11- 



Sartenflora Dentachlands und der Schweii. 



unter M. concava in Paxt. Flow. Garden 
eine kurze Diagnose und Holzschnitt, 
aus der wir den Sehluss ziehen , dass 
Lindley's M. concava die gleiche Pflanze 
wie M. hyacinthina Rchb. fil. ist. Die 
Scheinknollen sind langlich, schwach 
zusamraengedruckt und tragen 2 Blatter 
auf der Spitze. Blatter lederartig, lang- 
lich-lanzottlieh , zugespitzt, leieht gefal- 
tet, bis P/i Fuss lang und 3 — 4 Zoll 
breit. Bliithentraube wurzelstandig, 5 
Zoll lang, vielblumig, deren Bliithenstiel 
3— 4hautige spitze Scheiden tragt. Blu- 
men durch linienpfriemliche Bracteen 
gesttitzt, die langer als derFrucbtkoten, 
blassgelb , kaum 1 Zoll im Durchmesser. 
Kelchblatter abstebend, l / a Zoll lang, 
die seitlichen breit-lanzettfb'rmig zuge- 
spitzt, mit dem Grunde dem unteren 
kinnformigen spitzen Theile der Blurae 
verwaehsen , breiter als das'obere Kelch- 
blatt. Blumenblatter fast aufrecbt, kiir- 
zer als Kelchblatter, lanzettlich, spitz. 
Lippe nach hinten gerichtet, kappenfor- 
mig, kiirzer als Blumenblatter, an der 
Spitze schwacb 31appig, stumpf, ober- 
halb eine lineare an der Spitze Skerbige 
Schwiele und einige rosenrothe Linien 
tragend. Die Blumen besitzen einen an- 
genehmen Woblgerucb nach Hyacintben, 
und weicht unsere Pflanze nur insoferne 
von Reich enbach's Diagnose ab, als dic- 
ker nichts davon sagt , dass die Petalen 
etwas kiirzer als die Sepalen. Wahr- 
scheinlich miissen in dieser Gruppe der 
Maxillarien nocb einige Arten zusam- 
menfallen. Die M. concava Lindl. weicht 
nach der Abbildung nur durch schwach 
gefurchte Scheinknollen und ktirzere 
Bracteen ab. Die Beschreibung ist sehr 
unvollstandig. Gehort zu den sehr leieht 
zu kultivirenden Pflanzen. 

16) Plectogyne variegofa Lk. Var. 
concolor. Eine Form mit durchaus grii- 
nen Blattern, die in den Garten als 



Aspidistra elatior geht. Diese , wie die 
gewohnte Form mit weiss gestreiften 
Blattern gehort zu den schbnsten und 
hartesten Decorationspflanzen furs Warm- 
haus und Zimmer. In letzterera halten 
sich die grossen schonen Blatter jahre- 
lang gut, und leidet sie durch die 
trockene Stubenluft uiclit leieht. 

17) Codogyne WaUichiana Lindl. 
Diese seltene priichtige Orchidee Ostin- 
diens, mit ihren von oben zusammenge- 
driickten Scheinknollen , entwickelt ihre 
prachtigen wurzelstiindigen Blumefl im 
blattlosen Zustande im November. Die 
zarten grossen rein weissen Blumen rait 
roth und gelb gezeichneter Lippe dauern 
an 4 Wochen und gehoren zur schon- 
sten Zierde des Orchideenhauses. Cul- 
tur in der warmsten Abtheilung in darch- 
brochenen Tiipfen auf einem Standorte 
nahe dem Lichte. 

18) MaxiUaria exigua Rgl. Eine 
neue unbedeutende Art, die mit M. 
densa zunachst verwandt ist. Die Bla- 
ter sind aber kleiner und schmaler , die 
Blumen okergelb, kleiner und ungeflectt 
und stehen nur zu 3-4 in den Ach- 
seln der Scheiden, selbst von dachz«" 
gelfdmig iiber einander liegenden Schei- 
den umgeben, die Kelchblatter oval 
kaum spitz und die Lippe von speer- 
formig 3eckiger Gestalt. Wir kultivirten 
diese Pflanze als Sophronites ocbroleu- 
cia. Nur von botanischem Interesse. 



19 i Maul 









Rchb. fil. Eine mit M. squalens ve 
wandte Art. Scheinknollen oval, rat 
oben zugespitzt, etwas iiber einen Z° 
lang, dicht gedrangt, auf der Spitz 
ein gestieltes, schmal lanzettliches . < 
nerviges Blatt tragend, das ungefahr 1 



Zoll lang und nicht ganz 



Zoll bre* 



Blumen in ungefabr 5blumigen 



Zierpflanzen. 



Ill) 



Blatter und mit 3 von einander entfern 
ten Scheiden bekleidet sind. Bluthen- 
hiillblatter fast unter einander gleich, 
lanzettlich und die seitliclien fast sichel- 
formig, kaum spitz, blasslederfarben 
Lippe wenig kiirzer, langlieh, concav, 
undeutlich 31appig, mit zahnfbrmigen 
iSeitenlappen und fast rundem krausem 
rothbraun gezeichnetemMittellappen, der 
oberhalb mit hervorstehenden Linien und 
Warzen versehen ist. Der biesige Gar- 
ten erhielt diese Art von Wagner aus 
Columbien. Bliitiet im November 
Dezember. 

20) Erin telvlina Lodd. Eine 
blumige unbedeutende , aber noch sehr 
••M'ltene Orehidee, ohne Scheinknollen 
mit verlangertem Stengel , zweizeilig ge- 
stellten langlieh-lanzettliehen Bliittern, 
die wie der Stengel und Blumen s 
tig behaart sind. Blumen klein, gelb- 
braun , in armbliithigen den Bliittern ge- 
genuber gestellten Trauben. 

21) ScaphygJottis leucantha Rchb. fil 
Var. uniflora Rgl. Der hiesige Garten 
kultivirte dieseArt als S. violacea. Eine 
cbenfalls kleinbliithige Pflanze mit zu- 
sammengedriicktem gegliedertem Stengel. 
Blatter linien -lanzettlich. Blumen ein- 
zeln, achselstandig, nickend, weiss und 
mit Weinen rolhen Piinktchen ange- 
»prengt. Die Pflanze , welche Reichen- 
bach beschreibt, weicht von der unsri- 
? p n dureh langliche Blatter und zusam- 



22) Banisteria Riedeliana H. Petrop. 
°'eser schone Warmhausstrauch verdient 
dlc allgemeinste Verbreitung. Derselbe 
*ard dutch Riedel aus Brasilien einge- 
■« und bildet einen 6-10 Fuss ho- 
ft en Strauch, der im November und De- 
™*r seine grossen meist endstandi- 
J ) Pn t BIat henrispen dankbar entwickelt. 

terVol ng r en , AeSte behaart - Die BIat " 
)val, kurz gespitzt, 



ganzrandig, oberhalb angedriickt behaart 
und hellgrun, unterhalb seidenhaarig- 
silberfarben, Blattstiel dunn ohne Druse 
oder mit einer einzigen Druse. Die Blii- 
thenrispen gross , spitzenstandig , oder 
kleiner und achselstandig, die Aeste 
und Aestehen der Bliithenrispe braun- 
filzig. Die Blumen gegenstandig, an den 
letzten Verlistelungen der Rispe in Trail- 
ben, getragen von einem 1 Linie lan- 
gen Bliithenstiel, der am Grunde von 
einer Bractee gestiitzt ist und auf der 
Spitze 2 entgegengesetzte kleine Brac- 
teolen, sowie das eingcgliederte Bliithcn- 
stielchen tragt, welches spater sammt 
der Blume meist abfiillt. Der Kelch 
geht in 5 elliptische stumpfe Lappen 
aus und tragt an seiner Rohre ausser- 
halb 8 griine langliche Driisen. Vier 
Blumenblatter mit gelber wimperig ein- 
geschnittener rundlicher Platte. Ver- 
wandt der B. Gardneriana Juss. Unter 
den in Cultur eingefiihrten Banisterien 
wohl die dankbarste im Bliihen. Cultur 
in einer loekeren Rasenerde im miissig 
warmen Hause. 

23) Phaedranassa obtusa Herb. Ama- 
ryllideae. Ein liebliches Zwicbelgewachs 
Peru. Von Herbert's Diagnose, so- 
wie von Kunth's Beschreibung weicht 
Pflanze durch einen nicht spira- 
irehten Bluthenschaft, eine 8blu- 
mige Bliithendolde , durch eine am 
Grunde verschmalert stumpfe Bluthen- 
rohre, die schon lichtcaiminroth mit gelb- 
licher Nuance gefarbt ist, und einen 
dunkelgrunen Saum tragt, sowie endlich 
durch den Griffel ab, der beim Aufblii- 
hen kiirzer als die Staubfaden und erst 
spater sich verliingernd die Staubfaden 
iiberragt. 

Bluhet im November und Dezember 
zur bltithenarmsten Jahreszeit, wenn 
die Zwiebeln blattlos dastehen. Der 
blaugriine Bluthenschaft wird bis 3 Fuss 



120 



Gartenflora Deuischlanda nnd der Schweii. 



hoch, und tragt auf der Spitze die Dolde 
der schonen nickenden mehr als 3 Zoll 
langen Blumen. Vielleicht ist die vor- 
liegende Form, die sich in Bezug auf 
Bhimistik (nach der Beschreibung) dureh 
lebhafteren Farbenreiz von der Stamm- 
art auszeichnet, ein Bastard mit Ph. 
chloracra, oder sie ist, was uns noch 
wahrscheinlicher, nicht einmal eine Form, 
sondern die Stammart; ist nur noch 
nicht gehbrig nach lebenden Exemplaren 
beobaehtet; denn die Mehrblumigkeit 
kann Folge der Cultur, die Form des 
Grundes der Blumenkrone , die Fiirbung 
nnd das Verhaltniss des Griffels aber 
Folge mangelbafter Beobachtung nach 
getrockneten Exemplaren sein. Cultur 
in einer nahrhaften Rasenerde ahnlich 
den Amaryllis-Arten , den Sommer im 
warmen Beete, den Winter im warmen 
Gewiichshause. 

24) BiUbergia thyrsoidea Mart. Bro- 
meliaceae. In den Sammlnngen noch 
weniger verbreitet als die nah verwandte 
B. pyramidalis Lindl,, von der sie sich 
durch ktirzere breitere starker dornig 
gesagte Blatter und einen noch dichte- 
ren mit schon rothen Bracteen beklei- 
deten BMthensrand unterscheidet. Wu- 
chert bier in machtigen Biischen an al- 
ten im Orchideenhause aufgestellten 
Baumstammen und bliihet im November 
nnd Dezember gleichzeitig mit B. pyra- 
midalis, amoena, den Aechmeen etc. 
Die Blumen beider Arten haben eine 
purpurrothe Rohre, die au8 dem mit den 
Riindern sich umfassenden unterm Theil 
der Blumenbiatter besteht, wahrend der 
obere Theil der Letzteren zuriickgebo- 
gen absteht, sich flach verbreitert, an 
der Spitze durch die eingerollten Ran- 
der oft zugespitzt erscheint und purpur- 
violett gefarbt ist. Gehort zu den zur 
Cultur empfehlenswerthesten Arten, de- 
ren breite , oben meiat aufgesetzte Spitze, 



zuweilen von der dichten kolbenfdrmigen 
Bliithenahre uberragt werden, zuweilen 
aber kiirzer sind. 

25) Epidendrum flavo-vircns Rgl 
Orchideae. — g Spathium. a Spatha sub- 
simplex. Flores racemosi. *** Labellum 
tripartitum. (Lindl. Folia Orchid.) 

E. caule simplici subtereti; foliis li- 
gulato-oblongis, apicem versus attenua- 
to-acutis; pedunculo spathis acutia 2 
equitantibus paullo longiore ; bracteia 
membranacois , ovario quadruplo brevio- 
ribus , lanceolatis, acutis : racemo cernuo 
(6-floro), foliis supremis breviore; sepa- 
lis oblongo-lanceolatis, basin versus cu- 
neatis, apice acutis, 4-veniis, lateralibus 
valde obliquis; petalis filiformi-opathula- 
tis, sepalis paullo minoribus; labelli lo- 
bis lateralibus falcato-oblongis truncate 
intermedio abbreviato, in lobulos duos 
divergcntes subtriangulares obtusos ex- 
panso; callis duobus basilaribus auricu- 
liformibus, costisque tribus elevatisaxin 
labelli occupantibus. 

Ein Epiphyt ohne Scheinknollen, mi' 
2— 3 Fuss hohen, 4.Linien dickenSten- 
geln, die wie die Blatter hellgriin ge- 
farbt sind. Blatter zweireihig, bis & 
Zoll lang, und 1% Zoll breit. Die un- 
tere Scheide blattartig, zweischneidig, 
langlich, fast sichelfbrmig, spitz, wenig 
kiirzer als der Bluthenstiel , die obere 
Scheide hautig und kleiner. Bracteen 
klein, ungefabr V/ 2 Linie lang. Blumen 
gelbgrun, mit einwarts gekrummt abste- 
henden Blattchen, von denen die ausse- 
ren V 4 Zoll lang und 2 Linien breit. 
Die mit der Griffelsaule verwachsene 
Hiille ist etwas langer als die ausseren 
Hiillblattchen. Im hiesigen Garten als 
E. densifloro affine kultivirt. Vaterland 
unbekannt. Cultur gleich dem E. fl° rI ' 
bundum und ahnlichen. 

26) Astrapaea Wallkhii Lindl. Dom- 
beyaceae. Eine baumartige Pflanze a«s 




^p 











-^^ 




































fn %^ 



Madagascar, die schon im Jahre J 823 
nach England gebracht wurde und in 
den meisten Sammlungen von Warm- 
bauspflanzen befindlich ist, in den we- 
nigsten abcr bluhet. Im hiesigen Gar- 
ten befinden sich von dorsolben z. B. 
70 Fuss hohe in den freien Grnnd des 
Palmenhauses eingesetzte Pflanzen, wel- 
chen dieser machtige Ban nicht mehr ge- 
niigt, so dass sie jahrlich zuriickge- 
schnitten werden miissen, und doch zei- 
gen dieselben keine Blumen. Urn wie- 
der einmal Blumen zu erhalten, wurden 
2 Pflanzen von circa 8 Fuss Hohe im 
letzten Sommer in ein niedriges Warm- 
haus, von 10— 15* R. gebracht, und 
hier das eine im warmen Lohbeete 
dicht unterm Fenster, und das an- 
dere in einem amloren ahnlichen Hause, 
aber nicht in ein frisch envarmtes Beet 
eingegraben. Beide setzten dicht Kno- 
spen an, das erstere enhvickeltc nun 
schon jetzt Mitte Dezember seine scho- 
nen mennigrothen Bliithenkbpfe , die un- 
to dem grossen dekorativen Laube gar 
eigenthiimlich herabhangen. Das andere 
wird aber erst mit Anfang Fruhlings 
seme Blumen entwickeln. Damit habrn 
*» die Grundziige der Cultur dieser 
schonen Pflanze. Mittelstarke, gut ver- 
«telte Exemplare werden in eine kraf- 
t] ge Erde in Kubel gepflanzt und in 
p m niassig warmes Beet nahe dem Glas 
ln > Warmhause eingesenkt und sonst 
aufmerksam behandelt, zur Zeit des 
^achsthums auch wohl einmal mit ei- 



kcipfc in zahlreicherMenge entwickeln. 

27) Cijrtochilum maculafum Lindl. 
Var. aristatum. Eine ausserst zierliche 
Orchidee, die am besten aufgehangt in 
Kbrben kultivirt wird und hicr unter 
dem Namen C. aristatum sich befand. 
Unter den vielen von C. maculatum be- 
kannten Formen kommt unsere Pflanze 
der Tab. 25 in Lindleys Sertum abge- 
bildeten zunachst. Sie unterscheidet 
sich von alien bis jetzt bekannten For- 
men durch 2 pfriemliche aufwarts ge- 
richtete Hbrnchen, in welche die Fliigel 
der Griflelsaule an der Spitze ausgehen. 
Auch die schmale linear-lanzettliche 
Form der Bluthenhullblatter und die der 
Form /?. ecornutum iihnliche Lippenbil- 
dung ist ihr characteristisch. Bildet 
grosse dichte Rasen von ovalen 2schnei- 
digen zusammengedruckten Scheinknol- 
len, die am Grunde beblattert, und 
oben 2 linear-lanzettliche Blatter tragen. 
Die einfach verastelte Bliithenrispe hangt 
gracil fiber und ist viel langer. als die 
Blatter. Blnmenblatter linear-lanzettlich, 
stark zugespitzt, wellig gelb, blass braun- 
purpur gefleckt. Lippe langlich, scharf 
zugespitzt, amRande kraus gekerbt, weiss, 
mit 2 carmin Flecken, am Grunde 2 auf- 
otehende hornartige Lamellen tragend. 
Eine ebenso zierliche als reich und dank- 
bar bluhende Art, von der die Mutter- 
e mit 10 gleichzeitig entwickelten 
Rnpen bliihet. (E. R.) 



HI. N o t i z e n. 



t der Riesen-Mais wodurch man genothigt 
neoerer Zeit zu Amerika zu beziehen. Her 



Gartenflora Deutschlands i 



<■:.•■■ 

i, daher we i 
aitii/en Triei) i 



daruber Herr Pfarrer A Schwarz schon I 
langerer Zeit Vettiiche angcstellt. Diese 1 
ergeben, dass dieBaumwolle a) die dan 
iebte Mistbeet-Erde trocken lasse; b) li 
Zeit bis zu ihrer eignen Erhitzung re 
,ai iun.L' i - Beetes beduife; c) dass m 



dereu Ende ausnehinend le 



ein Frost in unserm Wiesenthal ( 
M», 20 — 22 Schritt von dem du 
i Mauerwand geschutzlen amcrics 



r uss mit kraftiger Dungerde umhau 
20. April gelegten Samen bracht 
•e Mai bis Ende September, die i 
i pelegten Anfangs October reite 1 



mene true eines Holes versetzt. 
zwar go-on Wind geschtttzt, al 
■ auf 3-4Stunden die N'achiuitta^ 



ith fast die gleiche ist, sich eben so n« 
sen werden; aber batten wir uns dar 

auch getausch* , der Bcsitz der einzigen ! 
ica wiirde. schon von grosser WicbtJI 
ein fur die Auschmiickung unsererG» 
denn sie ist einer der schonsten im"* 1 

grunen Straucher, die wirkennen. — F° " 
wirklich von derFortuna begleitete Be 
, dem unstreitig der Ruhm S^ M ^ 

allgemein beli 



:-";!.: 



, sagt von der M. 
) engl. Meilen norf- 



ica , die er 100—150 e 
von Shanghai entdeckte, sie sex u»« 
i unter den Berberis-Arten. — A Ue 
genanuten Arten sind starkwiichsig « nd da 

gedeihen. Die Verinehrung W « 
durch Stecklinge aus jungem gereiftem Hi 
i Heideerde gesteckt und unter Glocken 



halten, ist ihre Anwurzelung fa«t immer gcsi- 

L. — Herr A. Delaville empriehlt folgendes 
Verfahren, dicse allgemein beliebte , schfine 

Jahren gleich erfreuliclic Ro-ultate ue.tn-bpn 



ungestort bis gegen Mitte September; bis da- 
hin werden die Blatter abgewelkt and die 
Wurzeln oder vielmehr Rhizoinen vollkouimen 
gereift sein, was nicht geschehen ware, hatte 

man /.um Impflan/.en m fnscber Erde, die 
die aus 3 Theilen Heideerde, 1 Th. Misterde 
und 1 Th. guter Gartenerde bestehen sollle. 
Dieser Compost muss vor dem Gebrauche ge- 

den. Die Wurzeln werden vor dem Einpflan- 
*en ganz gereinigt von Erde und todten Blftt- 
lern, und zugleich alle Auslaufer abgenom- 

men; fur die stiirksten walile man 6 — 8z6l- 



abaoti 



■ Tof.t>. 



Nachzucht 

*»!lige Topfe gesetzt werden, und sind im 
folgeoden Jahre stark genug geworden, um 
emzeln gepflanzt werden zu konnen. Nach 
dem Verpflanzen werden sie angegossen 
and bleiben noch an demselben Platze bis 
10 den ersten Tagen des Octobers, wenn 
s '<> ihr Winterquartier unter Fenster in ei- 
j*»» kalten Kastcn beziehen. Hier bleiben sie 
* ZUU1 F '"uhjahr stehen, indem man das Ein- 
""gen des Frostes durch Deckung verhiitet, 
er Luft g' eb <, so wie das Wetter es nur ge- 
■tattet. Gegen Ende des Winters , sowie sich 
dM Wacbsthum zeigt , wird reichlich begos- 
15 S ' e treiben nun sehr * r ««g "«<* belohnen 
b *'d durch eiue reiche Blumenspende die ge- 
"»*• auf sie verwandte Muhe. 

(Nach der F lore des Serres etc. E. Ortgies. 



R etPav.) IhreAusdauerundGeschicb- 
te. — Trotz ihres industriellen und phar- 
maceutischen Werthes, trotz ihrerunbestreitbar 

Gunnera scabra docii noch vKrhiiltnissm;i>vsicr 
viel zu selten in den Garten gehalten, wahr- 
srheinlich. weil sie zu viel Rauni beanspiuchte 



glaubte , 



'iC'.it. 



• 



zubringen wusste , im vorigen Herbste (1854) 
auf gut Gliick ins Freie pflanzte und sio dort 
ohue alle Deckung ihreiu Geschick uberliess. 
Sie ertrug den ungewohnlich kalten .Winter 
und tneb im Friihling 1855 ungemein kraf- 
tig. Der enorme Wurzelstock war allerdings 
eifroien, soweit er fiber die Erde hinausreichte, 
aber die seitlichen Knospen, die mit Erde be- 
decktwaren, hatten nicht im Mindesten ge- 
litten. Um die ganze Pflanze unversehrt zu 
erhalten , diirfte es daher geniigen , dieselbo 
im Spatherbst anzuhaufeln oder mit Laub zu 
decken. Diese werthvolle Erfahrung wird hof- 
fentlich aine grfissere Verbreitung dieser Nutz- 

sant und gewiss sehr einhiiglich, ihren Anbau 
im Grosseu zu versucheo , denn ausser den 



Diensten , die sie 


fQr industries Zweke lei- 


sten kann , wiirden auch ihre enormen Blatt- 


stiele ohnc Zweife 


ein gutes Viehfutter lie- 


fern. - Sie wurd 


e schon im Jahre 1714 von 


dem Missionar Lo 


is Feuillee unter dem Na- 


men Panke , den 


ihr die Eingebornen gaben, 


bekannt gemacht. 




an feuchten Orten 


in Chili und Peru wachse, 


dass die Eingebore 


len dieBlattstiele DachEnt- 


fernung der rauheu 


Oberhaut, roh oder gekocht 


geniessen , oder dass sie auch ein erfrischen- 


des Getrank darau 


s bcreiten; dass die Wur- 


zeln reich sind a 


zusammenziehenden Stof- 


fen, so dass die F 


iber sie zum Schwarzfar- 


ben gebraucbcn i 


nd die Gerber das Leder 




demselben grossere Dicke, 


Dichtigkeit und zu 


gleich Geschraei'lii:! .-it zu 


geben. Im Jahre 


1782 gedenkt Molina ihrer 


n gleicher Weise , 


indem er ihre nutzlichen 



Gartenflora 
Zwei Jahre frill 



(Ulustr. ho 
6) Cultur d 
se Pflanzen miis 
Temperatur ur 

von 13 - 18° 



unbedingt 
Ortgies.) 



;ehalten werden. Au fangs 
i Urastande es erlauben, 
ne feuchtwarmeTeinpera- 



eine milde Bodenwarme zukommen lassen , a 
wird dies 7U ihrera Wachsthurn viel beitra 
gen. Man halte die Pflanzen nahe am Gla 
seize sie dem vollen Einfluss des Lichtes ai 
und lufie, sobald das Wetter eserlaubt. Wer 
die Pflanzen treiben , sollten die Schosse i 
Lage tuedersebui 



hiibsche geschlossene, buschige Krone bilden 
Sind die Blatter von Insekten angegriffen 
so wasche man sie sorgfaltig, ehe man sie ii 
die Wiirme bringt. Ebenso beachte man dei 
Stand der Wurzeln , indem man die Pflanzen 



■ TopfV 



boriger Pflege werden die Pflanzen 
Fortschritte machen, und im Laufe des 
mers hubsch geformte Exemplare bilden 



und der Schw 
Bliithenflor furs ko 



zuge'assen werdei\ kann, damit das Holz rent. 
Wahrend des Winters gebe man ihnen eine 
Temperatur von etwa 10 • R. und begiesse 

Wahrend ihrer Bliithe sollten sie bei hellem 
Sonnenschein beschattet werden und nicht zu 
warm und dumpf stehen, da die Blumen in kuhler 
trockener Atraosphare liinger andauern. Sacn 
der Bliithe , und nachdem man den Pflanien 

holen , schneide man so viel Schosse weg 
als nothig sind, um einen kurzen buschigen 
Habitus herzustellen und reinige die Blatter. 
Man untersuche den Zustand der Wurzeln, 
versetze sie in mittelgrosse Topfe, wenn der 
Ballen selir mit Wurzeln durchflochten W 
uud bringe sie in eine feuchtwarme Tempera- 
tur , gebe jedoch reichlich Luft und vermei e 
eine allzug'rosse Warme, bis die Knospen sich 
zeigen , widrigenfalls sie gerne abfalleu. 3 
Theile guter, reicher, fibrfiser Torf und 1 Thai 
sandige, torfige Rasenerde ist fflr diese Pflan- 
zen am geeignetsten. Dieser Mischung solM 
eine gute Portion Silbersand zugegeben »«r- 



freien Wasserdurchzug 
von halbreifen 
ker Bodenwa. 
Pflanzen gebei 



wurzeln gerne bei 

, bald scbsni 
Gard. Chron. 



v o n P e p i n. Die cultivirten Sommergewa 
verandern die Kflan^en ihrer Farben schoe- 
ler als die perennirenden , denn man er 
■i. ;»,w T a hr H„rch \nssaat. D° ch fiD 



Ich bemerkte in den vergangenen Jahren, 
i vorztiglich die Typen der Sommerpflan 
von Chili , Teias nnd Californien eim 



Grundfarben roth , gelb 
gehen. 

Ich werde hier nur d 



i Clarkia pulchella una elegans , welche 
violette Blumen haben, weisse und 
rothe Blumen hervorgebracht ; Gilis 
blaue und dreifarbige; Leptosiphoi 



gracilis und i 



ist der Fall mit Podolepsis 
mtha, deren Hullschuppen 
entweder rosa oder goldgelb sind. Brachyco- 
me iberidifolia aus Neuholland mit hell- 
blauen Blumen hat weisse und einige vermit- 
telnde Varietaten gegeben. Viscaria oculata 



Jahr ibrev Cultur rein weisse Blumen und 
«me grosse Anzahl vermitteluder Varielaten. 
^emophila iDsignis mit hellblaueu Blumen, 
2 «gt jedes Jahr weisse Blumen, so wie 



-S«u cuitivirt wurde. Zinnia violacca (ele- 
gans), deren Name schou ihre Farbe age- 
*««» hat, niehr als 30 Varietaten von ver- 
"hiedener Nuancirung , wie auch Salpiglouis 
Dnd Alstr °emeria , welche jedes Jahr deren 
n *ne hervorbrinfren. 
„ Dieses Jahr bemerkte ich im Garten d* 



finden diese Uebergange oft im 2. oder 3. Jahre 
ihrer Cultur statt; es ist besondera das be- 
merkenswerth, dass die weissen Varietaten 



stiindigkeit findet sich in Uebereinstinimung 
mit der Tntensitiit der Farbe selbst. Unter 
diesen letztern habe ich nur weisse Varietaten 
bemerkr. Niemals ist mir bei orattgefarbenen 
Blumen vorgekommen, dass das Gelb sich 
(Rev. Hort ) 



: als dies Cleroden- 



Dauer in grossem 



gezogen werden, muss man ihm wabrend 

. genUgende Warrne und 

Feuchtigkeit zukonimen lasseD. Wo aber dies 



Daselbsi 8ah • fl , Z ■ ■ 

Tropaeolum d7s ""^ Exea,plare , e,De3 

" n *r im^J^Z Tr'^eTmankum'Tr- 



uugend jedo Miihe 



gctiicbeuen jun.Lieu Scho-Iiiigen, die man aus 
Stern Holze her ausschneidet und in san- 

dige torfige Erdc steckt. Man bedeckt die 
jklinge mit eiuer Glasglocke nnd versieht 
mit oiner tiichtigen Bodenwaime. Auch 
n diescPflanze dorch Pfropfso auf rascher 



deutend empfuhlen war, ist sie nun in Miss- 
edit gekuinmcii, daman land, dass die Pflanze 
ieu so pit wurzelacht wachst. Die jungen 
(lanzen sollten einzeln in kleine Topfe ge- 
lauzt werden . sobald sie gehbrig bewurzelt 
ud. Nach dem Einzelverpflanzen werden sit 



sie gut fortwachseu , so versetz* 

80 nahe dem Gias als mbglich, uc 
thum von starken kurzen Trieben 
rec Wabrend der Zeit des 



126 Gartenflora Deuischlands und der Schweiz. 


man fort , ihnen eine Bodenwarme von 22 — 


in eiue starke Bodenwarme und unterhalte 


26° R- und eiue warme feuchte Atuiospbare 


eine feuchte Atmosphare vermittelst haufigen 


zu geben, nebst so viel Licht als moglicb; 


Spritzens; aber sorgsam vermeide man das 


vor den directen Sonnenstrahlen niussen "sie 


Uebei wassern der Erde , bis die Pflauze im 


jedoch geschiitzt werden. Gegen den Herbst 


Wachsthum begriffen ist. 


hin muss das Wachsthum derselben geinassi- 


Bis solche Pflanzen in den Topf gesetzt 


get werden; man sehe daber daiauf, dass die 


werden, worin sie bluhen sollen, konnen die 


Stecklinge zu friiher Jahreszeit bewurzelt sind, 


Aeste sanft an Stabe befestigt werden , wel- 






gene Exemplare bekotumt , welche dann in 


bunden sind, wodurch es gelingt, die Zweige 


eine trocknere Atmosphare kommen und mil 


regelmassig nach alien Seiten zu vertbeileD. 


Eucksicht auf das gute Reifen des Holzes all- 


Es ist fttr eine kraftige Pflanze keine Gefahr 


mahlich immer weniger begossen werden. Ich 


vorhanden, dieselbe zu gross zu pflan- 


mache aufmerksam darauf, dass davon, dass 


zen, denn bei guter Behandlung , Fiille 


der Pflanze eine Ruheperiode gestattet wild, 


von Licht , sowie der nothwendigen Warme 


der zuktinftige Erfolg bedeutend abhiingt. 


und Feuchtigkeit wird sie einen 20 zolligen 


Denn wenn das Hoiz nicht gut gereift und 


Topf fallen und im Laufe von wenigMonaten 


die natiirliche Ruhezeit nicht gestattet wird, 


ein ungeheures Exemplar bilden , oder sie 


ist keine Mbglichkeit vorhanden, sie zu star- 


wird auch in einem 12zolligen Topfe scbda 


ken Trieben und gutem Wachsihum zu bewegen. 


bliihen und eine hubsche mittelgrosse Pflanze 


Werden aber obigeEinzelnbeiten gehorigeinge- 


bilden. Desshalb kann die Grosse des BIo- 


halten , so wachsen sie gleich gut, ob sie irn 


mentopfs sich nach den Umstanden ricbteo. 



fern prachtige Bluthenpflanzen fii 
haus wahrend des Winters. 

Wenn iibrigens jungePflanzen f 
im Sommer bestimmt sind , solitei 
sergaben gegen Mitte October nac 



Mitt- 



i die Ecke 



hauses oder irgeud 
eine trockene Stelle dienen kann, wo dieTem- 
peratur durchschnittlich 8 — 12° R. betragt. 
Wahrend der Ruhezeit giebt man gar kein 
Wasser. Im Miirz nehme man sie aus den 
Topfen heraus und schiittle so viel von der 
Erde ab, als es ohne Beschadigung der gro- 
bern Wurzeln gcschehen kann und versetze 
sie in nicht allzu grosse Topfe; man nehme 
dazu gute frischeRasenerde, reicheu faserigen 
TorfundLauberde in ziemlich gleichenTheilen 
und mische dies nebst einer genugenden Por 
tion groben Sandes. Die Zweige schneide 
man dabei auf starke , vorgeruckte Augei 
luruck. Nach dem Versetzen bringe man sie 



Topf gezogen wird. Wendet man grosse 
Topfe an, so muss man sehr vorsichti? 
sein , dass man der Pflanze nicht a viel 
Wasser giebt, bis die Wurzeln den Rand 
des Topfes erreicht haben. Ist dies der Fall, 
so sollte eino reichlicbe Anwendung «i nM 
Duugergusses stattfinden. Dabei hefte man 
die Zweige regelmassig an den Gittern fe* 
und fahre fort , eine tiichtige Bodenwarme m 
warmer feuchter Atmosphare zu unterhalte", 
bis das Exemplar in Bliithe stent. Jetx* |Sl 
es Zeit, die Pflanze in das Scbauhaus zu brm- 
gen, wo man ihm Anfangs eir.cn vor Dure - 
zug geschiitzten Platz anweist , und sich a> 
ihren brillanten Blumen sehr lange Zeit er- 
freuen kann. Gibt man Acht, dass das 
gut reift, die Pflanzen ihre Ruheperiode * 
ben etc., wie oben empfohlen , werden 
Exemplare Jahre hindurcb erhalten werden 
konnen. (Gard. Cbron.) 



XI. Personalnotizen. 



traurig ubenascbt. 



slen Freunde gestattet sein, dem braven Ver- 
Btorbenen ia diesen Blattern einige Worte der 
Erinnerung nacbzurufen. Es ist sogar Pflicht, 

Fachgenossen auf diese Weise ehren und ibre 
Vorzfjge und Leistungen der jiingeren Ge- 
neration aufbewabren. 

Weinkauff war 180S in Kirchheim-Boland 
in der Ebeinpfalz geboren und verlor seine 
Eltern friibzeitig. Mit guter Schulbildung be- 
gabt, trat er in Liinneville bei einem Gartner, 
wenn ich nicht irre, einern Verwandten in die 
Lehre, ging spater nach Metz und 1827 od< 
1828 nach Paris, wo er sich in verschiedene 
dortigen Garten eine tiichtige Bildung erwarl 



Nymphenburg er- 



scbaft mit ihm lebte. 
Konigl. Pflanzengarten z 
ster Gehiife und sogeuannter 
Rechnungsfiihrer des Gartens, 
reguug des jet/. iy^n Gaiteni 
Luca3 in Hohenheitn, dainals G( 



r sich hinsingend, war er doch schou da- 
is oft verstimmt, was er jcdoch seinerUm- 
jung nicht fuhlen liess, sondern nur den 
trauten Fieunden mittheilte. Ein Leberlei- 
l hielt ihn zuweilen am Krankenbett und 
ang ihn fttr gewohnlich zur Entsagung 



i Gewachshauseru beschaftigt war. 
er den eigentlichen Grund seiner 
lichen, besonders aber botaniscben 



,Q fgeschichtliche Collegien d< 
n a'arelle, welches in jenem 
J?" n S ' tZ hat> Weinkauff t 
und Achtung se 
Grade erworben, 
: hland aus mit de 
^ecnsel. Eine innige Freundschaft kniipfte 

* a Herrn p anchet } Chef der Samereien. 
laud ,aS Jahr SCiner R(ickkehr nach De »tsch- 



Obergiirtner des friih 
gelas in Edenkoben 
che Stelle war aber 
Mann wie Weinkanli 



Hier begai 



nete Wirksamkeit. Seine Thatigkeit war un- 
ermudlich. Schon in den ersten Jahren wurde 
der ganze botanische Garten umgewandelt, 
und kaum eine im [Freien stehende Pflanze 
blieb an ihrem Platze. Die Conservatoren 
oder Directoren des botanischen Gartens Herr 
Hofrath von Martius und Professor Zuccariui 
den thatigen Mann gewahren und gSnnten 
mer mehr Freibeit, denn sie erkannten, 
dass er es gut machte. Nach Zuccarini's Tode und 



uff den ganzen 
d. Bekanntlich 



Gewachshauser abgebrochen, um dem Glas- 
pallast Platz zu machen. Dieser wurde so 
eingerichtet, dass ein Theil davon in Zukunft 



kauff macbte zu dii 
Architekten eine Rei 
Belgien , England u 



verscbaffen. Auf die; 
um letzten Mai, wahre 
*e Jahre vorher besu. 



hatte. Unterdessen 



und der Bau des Industriepallastcs sollle be- 
ginnen. Dieses war eine dcr schwierigsten 
Aufgaben, welche eincm Gartner vorkommen 
komien, und hier zeigte sich Weinkauff's Vor- 
stehertalent, und was rastloser Fleiss vermag. 
Er wich Monate lang , von friih bis in die 
Nacht nicht von den Arbeitem, und so wurde 
das scbwierige Unternehmen glucklich gelost, 



ein Terrain, wohin 



macht Im ; 
Wasserpflanzen gebaut und \ r ic 
cultivirt. Sie kam aber dasselbe 
zur Bliithe und offnete ihre erst 
erst 1855 an dem Tage , als sie 
Gartner auf den Kirchhof trugen. 



(rholen. Weinkauff 



und ohne Falsch , ein treuer bingebender und 
hilfrcicher Freund. Gutmuthigkeit und, wie 
er glaubte, Pflichtgefuhl verhinderten inn so- 
irar. sich huuslicbes GlQck zu griinden, indem 
er zwei Schwestern und 5 Kinder ei&M ver- 

Vater war. So opferte er sein eignes GlQck 
und Wobl Andern. .Seine Untergebenen lieb- 
ten und verebrten ihn wie einen Yater, denn er 



seine Jugend nnd die Zeit 
drucke am tiefsten einpragen , im A 
Er gehorte als Staatsbflr^ 
Christ der freisinnigen Richtung an 
jedoch seine Gesinnungen sehr zur S 
tragen. (H 

2) Von Charpentier, Salinenii 
in Bex, starb im vergangeneu Herb 
ihm verlor die Schweiz einen ibrer 
sten Naturforscher, BOwie 



mlichkeit angezogen. I 
nung gefunden. Der I 



nne vermachte 



dem Bergfache, ging als Bergmann in sei 
20. Jahre in die Pjrenaen und von da I 
Bex. 

3) Goode ist als Oberj 

., • • • ■, ■ "■ < ; 

seine ausgezeichnete Cultur der Orcniat 



Denkmal errichtet. Dieser u 

und Gartenbau hochverdient 

ichaft und Dan! 



V u l e i % e n. 



Fur Pflanzenfreunde 

erschien und ist auf frankirte Anfragen, franko und gratis zu beziehen 

Nr. 14. Preis - Courant von G. Geitner's Treibegartnerei zu P 
bei Zwickau in Sachsen 1856. 

Auf 64 doppelt und dreispaltigen Seiten, enthalt derselbe reiche Sammlung 
Warm- und Kalthauser. Die Yersendung der Knollen hat bcgonnen, die der Pf 
erfolgt erst im April, und nur auf besonderes Verlangen fruher. 

6. Geitne 



Schweigern bei Hcilbronn. (Verkauf einer grossen Sammlung lebender Pflan- 
zen). Eine der reichhaltigsten und vollstandigsten Sammlungen dieser Art in Sud- 
deutschland befindet sich in dem hiesigen graflich Neippergschen Garten, welche 
theilweise zum offentlichen Verkauf ausgesetzt ist, darunter namentlich: 

Azalea indica ... 600 Sorten, 

Camellien . ... 860 — 

Rhododendron . . 300 — 

Orchidecn .... 200 — 

Orangenbaume von verschiedener Grosse 50 Stuck 

ein reichhaltiges Sortiment Pinien und 

4 Stuck Araucarien, worunter 1 Prachtexemplar 

(Araucaria exselsa) von 18' Hohe. 

Pelargonien . 800 Sorten 

Ericeen . . 400 — 

Epacnis . . 50 — 

Eine grosse Sammlung Warmhaus-Pflanzen aller Art worunter 

Gloxinien . 200 Sorten 

Achimenes . 200 — 

Gesnerien . 70 — 

Acacien, Banksien, Chonizemen, Begonien und sonst noch viele andere 

seltene und werthvolle Pflanzen, welche sich insgesammt in schonem und 

gesundem Zustande befinden. 
Diese Gegenstande konnen taglich beaugenscheinigt werden; e« werden aber 
«ch Cataloge ausgegeben, wegen welcher man sich, sowie mil Kaufsantragen in 
portofreien Briefen langstens bis Mitte Marz d. J. wenden wolle an 
»en 12. Februar 1856. 

das griifiieh Neippergtche RentamL 



Die Saamenhandlnng von Martin Grasnoff, in Qnedlinbnrg (Provinz Sachsen) 

empfiehlt sich in Gemuse-, Garten-, Feld- Wald-, J^us ts tr ancher- und 
Blumensamen, neucste englische, franzosische^ deutsche r racnt- i*eorgi- 
nen, Warm- undKalthaus- ein -ho,,,. Sdrtnnfent S c h 1 in g - Pll an a en, 
Land- und Topfrosen, Kartoffeln, Weinen. Besonders empfiehl sieZuk- 
kerfabriken besten, selbst gebaueteu, m Zu ckerrun keiruo e , 

undCiohorienfabriken: beste, kurzc, dicke und Ian-.', ulatte ' ' r '' ° r .' '" n I'Tlriihln 
Herren Oeconon -in, ,r,,,m ,rlr ; ,;m<hon , utterrunkelru en 

und Mais (Tur ii die grossen Riesen- und andere Mohrruben- 

arten neue Getreidegattungen als auch die GrasarhMi zum W lescnbai i i ™*« ™" 
sicherung prompter, reellster Bedienung zu gci ; "cm e |« 

sten Bemerkni. .1.. r. .Iilnllii: n ( .ilal.._, .,.».>1.1 ^n \\ ..bllnblicher Redaction 

als auch von Unterzeichnetem auf frankirte Einforderung gratis verabreicht werden, 
nnd ladet alle noch unbekannlen Sammhaudlungen und Gartenvereine zu nutzreicner 
Gesrliaftsvcrbindung freundlichst ein. 

Ouedlinburg, in der Provinz Sachsen, Januar 1856. 



«tettcttsud)ter uut) SBieuenjreunoe 

»ii -.u'.uatfam auf bic in unfetm Serfage erfdjeinenbe : 

&tenen$eititng, 

Organ be3 SBewinS bcutf^et 9Bteuewmttfye. 

Jj5erau3gcgcbcn 
won Dr. St ail Sartb, unb ©entinarfebm (Scbniib in Sid 
X. %tfwm 1856. 
£bigc ^cttfdmft bcflinnt ibrcn 12. Sa^gaitfl. Surd) ibte b^betigc ?°"-* rt 



aBirifamfett 



*at ftd> bicfclbe fettling ,u mfcbaffen gcttupt, trie « fri;: ar.c c* * l ™*$fZfriL 

:■.:•.; : : .,i... -.;»:-;:: .-.-.:. : ' : : -. • " ■'■ ' 

9ceugejiattung bet S3iencn$ud)t in i. 



:b>n untcr ben SBienen&uchtetn nidjt Uoi 
. ®aSjten, tec @d)tt>eis *• « ntet *9 
SJcitatbeitct jablt. (3m Hansen weit ubet 100). ^ .. «,:_ 

©iefe Scitfc^rift erfebeint monatlicb in 2 giummern jebc l«/» »»flcn flarl nut . .©« 
gabe bet notbigen 3eitbnunam , unb foflet ganjidbtig 2 Sbtr. ober 3 fl. 36 ft. tjv j 
n>eld)em ^rcife aUe Sucbb anblu ngen, fctote M D#*ttetdj, ^«u- 

fcen, »al>ern rate itteti ftbtigen beutfd)en ©taaten SejteUungen amtebmen. 

©♦ §. S8ecE'f*c Sn^anHtttttg 



inn in Seipgig erftien foeben unb ift in alien »u# 
Die 

neuefie pienenju^t 



©JLEf XHV101IJL 

H0IAT88CHRIFT 

far 
deutsche und schweizerische Garten- und Blumenkunde 



Prof. Dr. H. R. Gocppert, Director des botanisclten Gartens inBreslau, J. HatStein 

in Bredatt, E. Jaeger, Ho%irt»er in Eisenach, Prof. Dr. K. Koch in Berlin, 

R Lucas, Garten -Inspector in Bohenheim, E. Ortgies, Obergartner am botanischen 

Garten ia Zirich, Br. G. Reiclieiibach, Professor in Leipzig 

Heramsgcgeben 



Dr. E. Kegel, 



Mitherausgeber fGr Deutschland Mitn«ransgeber fur die Scl 

I Rinz, Prof. Dr. 0- Heer, 



Redactor 

Br. H. Locfeer, 



M a i 1856. 

(Ausgabe mit ilium, und schwarzen Abbildungen). 



Erlangen, 1856. 
Verlag von Ferdinand Enke 



Inhalt des Mai-Heftes. 



L Originalabhandlungen. 
1) Abgebildete Pflanzen . . 
a) Die Elichrysen des Herrn ] 
Kunst- and Handelsgartner 



i Epidendrura aurantiacum Bat. 



4) Ueber den Charakter oder Ausdruck 
der Pflanzungen und die Symbolik 
der Baume 136 

5) Das Gruppenwaldchen ein vorziiglich 
schoner Bestandtheil des Landschafts- 
gartens • . 142 

II. Neue Zierpflanzen 1*3 

in. Notizen 153 

IV. Literatur 158 

V. Personalnotizen 160 



i fur diese Zeitschrift sind an die Verlagsbuchhandlung 
oder Kedaction zu machen. 

Biicher, deren unpartheiische Besprechung, sowie Pflanzen deren Ab- 
bildung in diesen Blattern gewiinscht wird, sind, und zwar von letzteren 
eine gute Abbildung, wo moglich mit trockenen Exemplaren begleitet, unter 
der Adresse E. Kegel in Petersburg an die Verlagsbuchhandlung von Fer- 
dinand Enkein Erlangen einzusenden. 

Annoncen aller Art werden auf den Umschlag oder Beiblatt gegen 
eine Vergutung von 2 Sgr. oder 7 kr. per Zeile aufgenommen. — Cataloge 
legt die Verlagsbuchhandlung in einer Anzahl von 600 Exemplar en gegen 
eine Gebtthr von 1 Thlr. 20 Sgr. oder 3 fl. der Gartenflora bei. 



I. Originalabhandlungen. 



1) Abgebildete 



a) Die Elichrysen des Herrn Ebritsch, Ri 
gartoer in Arnstadt*). 



(Sieho Tafel 157.) 



Wir haben der Sammlung dieser 
schoncn einjahrigen Pflanzen des Herrn 
Ebritsch schon im letzten Hefte erwahnt. 
Wir gestehen gerne , dass uns der be- 
deutende durch Herrn Ebritsch erzielte 
Fortschritt in der Farbung dieser Pflan- 
zen wahrhaft iibcrrascht hat. Es ist 
. demselben gelungen, von Elichrysum ma- 
cranthum und dessen Abarten (E. mon- 
strosum und robustum) Formen mit schon 
«amainrothen , rosarothen, braunrothen 
Un d prachtig orangerothen Bracteen zu 
wzielen. Die Abbildung, welche bier 
Jeistehr, giebt nur einen kloinen Theil 
er S Patlinge , die wir nach Zurich, urn 
eine Al) bildung davon nehmen zu las- 
«*, schicken mussten. Ein unvergleich- 
"* schones Sortiment derselben ward 
aber VOn Herrn E. nach Paris zur Aus- 
!!! J Uun . e ^ esendet Wir sahen dasselbe, 
1 dasselbe audi sicherlich nicht 
haben, dort die Aufmerksamkeit 
r Ga rtner und Gartenfreunde auf sich 
^Ziehen. 1000 Korn der schonsten 
arten ver kauft Hrn. Ebritsch zu 5Fr. 






oder 1 Rthlr. 10 Sgr. — Die gewohn- 
licheren gelben und weissen Sorten ha- 
ben wir nicht mit abgebildet. 

Diese Elichrysen kbnnen von jedem 
Privatmann leicht und sicher zum Flor 
wiihrend des Sommers angezogen wer- 
den. Man saet sie auf ein halbwarmes 
Beet im Marz auf eine lockere mit Moor- 
oder Lauberde versetzte Gartenerde aus. 



Im Mai wcrden 



auf 



Beet in eine kraftige aber lockere und 
nicht allzustark gediingte Erde gepflanzt. 
Gute Composterde und Sand sind die 
geeignetsten Mischtheile fiir schweren 
Boden und rcine Composterde fiir leich- 
ten Boden. Dieselben zieren den Gar- 
ten nicht nur wahrend des Sommers, 
sondern man kann die Bliithenkbpfc 
auch trocknen, urn sie den Winter hin- 
durch zu Bouquets zu verwenden. Man 
wahlt hierzu noch nicht ganz offene 
Bliitheiikbpfe und sorgt beim Abtrock- 
nen dafur, dass die Stiele schnell 
trocken werden. (E. R.) 



Die zahlreichen Einfiihrungcn aus 
Columbien, Nicaragua, Brasilien und 
Ostindien haben die mexikanischen Or- 
chideen unverdienter Wcise sehr in den 
Hintergrund gedrangt. Leider spricht 
es wenig fur die Erfolge der Cultiva- 
teure, wie dieselben in vielcn Samm- 
lungen so sehr zusammengeschniolzen 
sind. Ein Gliick, dass Herr Linden ge- 
genwartig diese liebliehen Formen in 
trefflichen Exemplaren durch Hrn. Ghies- 
breght erhalt, und dass wir hoffen diir- 
fen, die gemachten ubeln Erfahrungen 
werden die Besitzer gewitzigt baben. 
Es ist eben bei der Cultur der Mexika- 
ner die schwere Aufgabe zu Ibsen , bei 
geringer Wiirme doch viel feuchte Luft 
zu geben. Wie sehwer es in unserem 
Klima ist , die Luftziige vortheilhaft zu 
regeln, ist nur zu bekannt. Mit dem 
Klima der Engliinder wiirden wir na- 
tiirlich viel leichter fahren. Wie sehwer 
erlangen wir Bliithen der Laelia maja- 
lis Lindl.! (Bletia speciosa Hb. B. Kth.!) 
Dennoch haben wir schone Erfolge vor 
uns, wie die jahrlich trotz jener zu 
Chiswick im Bliithenputze prangende 
Laelia superbiens zu Herrenhausen u. dgl. 
Wer ein besonderes Mexikaner Haus con- 
struirt, wird gewiss reichlieh belohnt 
werden und gewisse indische Hochgc- 
birgsformen werden wobl bei derselben 
Pflege anschlagen. 

Unter den mexikanischen Formen 
erscheinen zum Theil iiberaus brennende 
Farben, Und hiermit ist auch unsere 
Pflanze iiberaus wurdig ausgestattet. Die 
Zahigkeit und Sprbdigkeit ilires Wachs- 
thums , so lange sie noch klein ist, wird 
durch ihre endliche Pracht aufgewogen. 



Langsam vergibsfern sich die langlich 
walzigen Pseudobulben, welche bei tie- 
fern Griin mit weissen diinncn Scheiden 
besetzt sind. Die liinglichen lederard- 
gen Blatter erinnem an das Gewebe 
vieler Cattleya-Arten. Um die Aehn- 
lichkeit zu orhbhen , linden wir eine 
zwei.schneidige spitze Scheide, welche 
den untcren Theil der Traube einhiillt. 
Innere und aussere Hiillbliitter sind 
gleichartig, langlich spitz, von zieralich 
so lederartigem Gefuge , wie die der 
so schbnen Epidendrum vitellinum. Die 
Lippe ist von der Saule vbllig frei, bei- 
derseits mit rundlichen Seitenlappen 
sie umfassend, Mittellappen gevvohnlich 
spitz. Bei einem Exemplare, welches 
unsor Freund, Herr Universitiitsgartner 
Kegel bei Herrn Van Houtte einlcgte, 
dagegen ganz stumpf und ebenso die 
Tepalen, drei schwach erhabene Linien 
auf Lippongrund. Saule keulig, kurz. Das 
schone brennende Orange der Bluthen- 
hiille schliigt beim Trocknen in Schwe- 
felgelb um. 

Baron v. Karwinski entdeckte die 
Art bei San Juan Nepomacceno in Mc- 
xiko auf Taxodium distichum. Nach ihm 
traf sie Galeotti um Oaxaca bei 3000' 
Seehche (5209). Endlich sammelte sie 
Jiirgensen in der Sierra San Pedro No- 
lasco. Es mbchte scheinen, als obHerr 
Skinner dieselbe auch in Guatemala an- 
getroffen hiitte. 

Die bisher einzige Darstellung er- 
schien in Herrn Bateman's Orchideen 
iko's und Guatemala's. Wir haben 
Pflanze im Garten des Herrn Hof- 
Keil zu Leipzig aufgenommen. 

H. G. Reichenbach fil. 



c) Philodendron hastaefolium Rgl. 

(Siehe Tafel 159.) 



Eine schone decorative Kletterpflanze 
dcr Waldungen Brasiliens, die der Pe- 
tersburger Garten sehr wahrscheinlich 
(lurch Riedel erhielt. Gehbrt zu den 
schonsten Formen dieser jetzt so be- 
liebten Familie. In Wachsthum und 
Blume gleicht unsere Art auffallend dem 
Ph. crassinervium Hook. Ein dicker 
rankmder Stengel, der allenthalben 
dicke Luft- oder Klammerwurzeln treibt, 
mit denen sich die Pflanze an Mauern 
Oder alte Baumstriinke befestigt. Die 
schonen, glanzend griinen Blatter besitzen 
eine pfeil-speeribrmige Gestalt, sind fast 
l 1 /* Fuss lang und von dicker, unten 
stark hervortretender Mittelrippe und 
Seitennerven durchzogen, die oberhalb 
"ngesenkt. Diese Blatter kommen ia 
fl er Form dem Ph. sagittifolium Liebm. 
»enr nahe, dessenNervatur jedoch ganz 
'enchieden, und dessen Blumen noch 
^bekannt. Die Bluthenstiele sind ach- 
selstaadig. Die kappcnfbnnig einge- 



rollte , oben stumpf zusammengezogene 
mit kurzer aufgesetzter Spitze verschene 
Scheide, gleicht der desPh. crassinervium 
und ist ungefahr 3% Zoll lang. Der 
Spadix ist wenig langer als die Scheide, 
unten weiblich, in der Mitte unge- 
schlechtlich, oben mannlich. Die Blu- 
thentheile gleichen ganz denen des P. 

Wird im feuchten Warmhause an 
Wanden oder alten Baumstriinken em- 
porgezogen, entwickelt gegen Neujahr 
seine hiibschen weissen Bliithenscheiden 
in Menge an den Spitzen der Stengel, 
und gedeihet audi an vom Liclite weit 
entfernten Standorten. Vermehrung durch 
Schnittlinge. (E. R.) 



Erklarung der 

a. Biatt nebst Blume vor 

b. Eine fruchtbare mam 

htknoten ruitl 



1 Stengel getrennt 



») Vermehrung der Tropaeolum-Arten, 



vpr^ Vemehl ™g der mit Knollen 
mehenen Tropaeolum-Arten , als Tr. 



tricolor, 



vorgenommen wird, 

ST m * nche Schwierigkeiten und ge- 
Preisd lmmer ' wesshall > denn der 
pBan T S ° * USserst lichen Schling- 
her J D T ans mch ein ^emlich ho- 
selten * Wird VOn *«•«» Arten 

n nd J'" 11 * 6 *' und selbst gut gereifter 
SCher keimt nicht ganz leicht. 



Stecklinge wachsen nur bei sorgfaltiger 
Behandlung an und sterben haufig schon 
wieder ab, chc sie Knollen gebildet ha- 
ben. Ich habe desshalb eine andere 
Vermehrungs-Art versucht und sehr gute 
Resultate davon gehabt. 

Zur Pflanzzeit, im Herbste, fiille ich 
die Tbpfe, welche die zur Vermehrung 
bestimmten Knollen aufnehmen sollen, 
nur soweit mit der gewbbnlich gebrauch- 
lichen Erdmischung, dass noch etwa 



132 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



die 



2 Zoll bis zum Rande fehlen 
Knollen nur mit der untercn Halite in 
die Erde und setze die Topfe etwas 
warm und feucht, damit ein raseher 
Trieb sich entwickelt. 1st der faden- 
gleiche diinne Stengel etwa l'/a bis 2 
Fuss lang geworden, so mache ich den- 
selben an mehreren Stellen und zwar 
moglichst bei den Blattansiitzen durch 
vorsichtiges Einbiegen oder Dreben 
(wobei man sich natiirlich hiiten muss, 
ihn abzubrechen) wund, lege ihn im 
Kreise auf der Oberfliichc der Erde nie- 
der und hacke ihn mit einigen leichten 
Hacken darauf fest. Alsdann fiille ich 
den Topf mit sehr stark sandgemischter 
Haide- oder Laub-Erde bis zur gewbhn- 
lichen Hbhe an und lasse nur die Spitze 
de3 Triebes heraussehen. Diese wachst 
rasch weiter, die Pflanzc entwickelt 
sich> nachher an den gewohnlichen 



Standort gesetzt, sehr kraftig und bliiht 
mit grosser Ueppigkeit. Der wundge- 
machte und mit Erde bedeckte Stengel 
treibt niimlich an verscbicdenen Stellen 
Wurzeln, die eine reichlichere Ernah- 
rung der Pflanze bewirken. Untersucbt 
man nach dem Einziehen die Erde, so 
findet man urn die Mutterknolle herum 
eine Anzahl junger Knollen, die da 
entstanden sind, wo der Stengel Wur- 
zeln getrieben und sich verdickt liatto. 
Von Tr. Jaratti erhielt ich in einem 
6zollige Topfe auf diese Art 6 Stuck 
junger Knollen von 3 / 4 bis 1 Zoll Starke. 
Tr. pentaphyllum, in das freie Land aus- 
gepflanzt und ahnlich behandelt, liotVrto 
eine bedeutende Anzahl Knollen, die 
bis zu 2 Zoll stark wurden. So erlangt 
man also gleich im ersten Jabre mit 
sehr geringer Miihe starke Knollen. 
(Pr. W. S. in K.) 



8) lelier verschiedene Formen von Cielsol* 



Unter Grenzpflanzung versteht 
man eine bald gruppen- bald waldartige 
dichte Pilanzung, welche den Zweck 
hat, die Grenzen des Gartens zu ver- 
decken und nur hie und da die Aus- 
sicht in das Freie zu gestatten. In gros- 
sen Garten, wo es nicbt an Raum fur 
grosse Rasenflachen fehlt , ist die Grenz- 
pflanzung meistens waldartig, in klei- 
nern Garten aber macht man sie nicht 
breiter als noting ist, um die Umschlies- 
sung zu verbergen. Zu gleich bildet sie 
den Hintergrund fiix alle innere Ansich- 



ten und 



demgemass behandelt wer- 
den. In den meisten Fallen sind Grenf- 
pflanzungen wie lang gezogene Massen- 
gruppen zu behandeln. Obschon die 
ganze Pflanzung zusammenhangt und 
nur an den Aussichtsstellen in's Freie 
durchbrochen ist, so muss sie doch be- 
handelt werden, als wiiren viele Grup- 
pen nebeneinander gestellt, so dass sich 
darin einzclne Gruppen sowohl maleriscn 
gegendenHorizont abzeichnen, alsauch 
nach dem Innern gleichsam Berg ™* 
Thai bilden, bald vor- bald zuriicktreten, 



fdrmigen Wand haben, 



wie es leider 
sehr oft der Fall ist. In dcr Grenz- 
pflanzung sollten vorzugsweise die hoch- 
sten und dunkelsten Baume zu atehen 
kommen, ura einen gehbrigen Hinter- 
grund fur alle innern Pflanzungen zu 
bilden; doch hat man in kleineren Gar- 
ten darauf zu sehen, dass durch sehr 
hohe Baummassen die Sonne nicht ver- 
pflanzt wird. An den Aussichtsstellen 
in das Freie darf der hier nothige Ab- 
fall der Grenzpflanzung nicht steif und 
dachformig sein, und es erhoht dc 
Met ungemein, wenn beide Setter 
schieden sind. Ist die Durchsicht schmal 
so kann die Pflanzung oben durch ein- 
wine Baume verbunden bleiben, wah- 
rend sie unter den Kronen zwischen 
den Stammen den Blick ins Freie 
stattet , nur muss in diesem Falle der 
% nahe vorbeifiihren. 1st die 
«cht auf einen hohen , fernen Gegen- 
atand gerichtet, und der Vordergrund 
d . es ausse ren Bildes nicht schbn, so wird 
« Grenzpflanzung nicht unterbrochen, 
sondern nur von oben tief eingeschnit- 
* en , indem man an diese Stelle Ge- 
ch oder niedrige Baume pflanzt, iiber 
WeIche hi » we g man den fernen Gegen- 
Stand erbli ckt, ohne die naher liegenden 



Ziehen. Befindet sich z. B. einige hun- 
dert oder tausend Schritte von der Grenze 
des Gartens eine schone Baumgruppe, 
ein Waldchen, oder ein schones Ge- 
baude , dazwischen aber Feld , ein 6f- 
fentlicher Weg u. s. w., so wiirde bei 



zung diese Fliiche gesehei 



aierdurch kbnnen auch sehr wirk- 
*j ai «e Gesichtstauschungen erreicht wer- 
r* 1 , ndem ma * ausserhalb des Gartens 
gende schone Gegenstande scheinbar 
^ Garten zieht. Indem nehmlich 
dem^p 11611 jenem Ge g enstan de und 
Wtl , 1IQ Garten stehenden Beschauer lie- 
^ Raina durch eine niedri 

^Pflanzung verdeckt wird, rucktje- 
^ ^genstand dem Auge naher, weil 
Dies t! aSS fUr die Entfernung fehlt. 
*u en^ U 3iCh nattirUch nur ^ ^ht 
rnt Ue gende Gegenstande be- 



die Grenzpflanzung genau so hoch, dass 
sie den dazwischen liegenden freien 
Raum verdeckt, so erscheint das Wald- 
chen naher und nie zum Garten gehbrig. 
Da die ausseren Umrisse der Grenz- 
pflanzung in kleineren Garten wegen 
Schmalheit der Pflanzung selten tiefe 
Einschnitte und starke Vorspriinge ha- 
ben kbnnen, wie es wohl der maleri- 
schen Wirkung wegen wiinscheuswerth 
ware, so muss den Umrissen durch da- 
vor aufgestellte Lichtgruppen , einzelne 
Baume und Gebiische Ausdruck verlie- 
hen werden. Der in kleinen Garten in 
der Kegel nahe an der Grenzpflanzung 
sich hinziehende und sie zuweilen durch 
idende Weg lasst diese vortretenden 
Gruppen an dcr inneren Seite liegen. 
Dieser muss so gefiihrt werden, dass 
selten als mbglich dieselbe Bie- 
;ung bekommt, wie die Umrisse der 
Grenzpflanzung, weil sonst uberall gleich 
breite Rasenstreifen entstehen, was un- 
angenehm und steif aussieht. 

Furst P ii cjk 1 e r schlagt vor, am aus- 
n Rande der Grenzpflanzung eines 
Parkes, also gleichsam als Hinterwand, 
einen zwei bis drei Ruthen breiten Sau- 
on hohen und niederen Nadelhbl- 
anzupflanzen der nur an den Aus- 
sichtsstellen unterbrochen wird. Vor 
dieser Pflanzung soil ein 24 Fuss brei- 
Rasenweg urn den ganzen Park lau- 
um als Winterpromenade- und Fahr- 
zu diencn. An diese Pflanzung 
werden alle nach der Gartenseite abfal- 



m 



Gartenflora Deutschlands 



lendc Laubholzpflanzungen formlich an- 
gelehnt , wodurch das Nadelholz im Som- 
mer grosstentheils verdeckt wird und nur 
da, wo man es zu sehen wiinscht, ohne 
eine solche hohe Vorpflanzung bleibt. 
Wo sich solche Hintergrundspflanzungen 
ausfuhren lassen, leisten sie ohne Zwei- 
fel ausserordentliche Dienste und wer- 
den den gehegten Erwartungen' gewiss 
cntsprechen. 



Da, wie oben bemerkt wurde, die 
Grenzpflanzung so wichtig fiir die Aus- 
sicht ist , so muss dafiir gesorgt war- 
den, dass dio^c so gehalten wird, dass, 
das Aussenbild stets frei bleibt. Auch 
die Linie gegen den Horizont muss, 
wenn sie spiiter zu eiiifunmg werden 
sollte, durch Aushauungen malerische 
Umrisse, d. h. tiefe Einschnitte und 
starke Erhbhungen bekommen. 



L'fhi 



Gebaude macben in der Landschaft 
und in Garten nur dann einen guten 
Eindruck, wenn sie von Pflanzungen 
umgeben sind, und in vielen fallen ist 
ein Halbverdecktsein ihnen sebr giinstig. 
Die Pflanzungen diirfen vor allem den 
Blick nicht hindern, die Schiinheit der 
Umgebung vollstandig zu erfassen, son- 
dern sie miissen dazu beitragen, diesel- 
ben noch zu heben. Sie diiifen nicht 
80 gross sein und so nahe liegen, dass 
sie das Gebaude verdiistern oder gar 
feucht und ungesund machen und zu 
Schwamm Veranlassung geben. Die 
Mitte vor dem Hauptgebaude muss frei 
bleiben, wenigstens von hohen Baumen, 
damit weder die Aussicht, noch die An- 
sicht leidet. Etwas anders ist es, wenn 
vorzugsweise die Seiten bewohnt wer- 
den, oder die Mitte des Hauses viel- 
leicht einen unangenehmen Anblick ge- 
wahrt. Vor einem Gebaude, welches 
an der Seite des Gartens steht, sind in 
der Kegel zwei Lichtgruppen , auf jeder 
Seite eine, oder zwei einzelne Biiume 
und einige Strauchpartien hinliinglich. 
Befindet sich hingegen das Wohnge- 
baude in der Mitte des Gartens, d. h. 
nach alien Seiten frei, so muss es von 



mehreren Gruppen umgeben sein, deren 
Stellung sich nach den Aussichtea rich- 
sowie diese sich wieder theilweise 
dem Gebaude richten. Sehr an- 
un ist es, wenn sich waldige Par- 
:. B. Gruppenwaldchen Haine dem 
Gebaude nahern, so dass man sogleich 
in ihren S^hatten treten kann. Die in 
der Nahe der Gebaude stehenden Baunie 
werden, wenn die Aussicht nicht un- 
schdn ist, von unten ausgelistet, damit 
die Aussicht frei und der Luftzutritt ge- 
stattet wird, doch muss es auch eine 
dichte Pflanzung in der Nahe geben, 
wo man gegen die Zugluft geschuW 
sitzen kann. Wenn man nicht die Ab- 
sicht hat, das Haus mit regelmassigen 
Pflanzungen zu umgeben, so muss bei 
der Aufstellung der Gruppen und ein- 
zelner Baume jede Annaherung an Re- 
golmiissigkeit verwieden werden, vat 
nicht so leicht ist, da die Symmetric der 
Gebaude und Platzc urn das Haus nur 
zu leicht unbewusst zur Regelmass'g- 
keit hinzieht. Wenn das Haus be=wn- 
dig" bewohnt oder zeitig im Fruhjahre 
und spat im Jahre bezogen wird, I 
wahle man fur die nachste Umgebu»„ 
der Gebaude vorzugsweise Hulzarten, 



I. Originalabhandlungen. 



welche sich friih belauben, schon blu- 
hen und helles lebhaftes Griin haben. 
und vermeide die spat treibenden (z. B. 
Pappeln, Eschen u. a. m.) und die schon 
im Spatsommer das Laub abwerfenden 
flRosskastanien , besonders die gelbblii- 
henden (Pavia), Ulmen u. a. m.), so- 
wie die sehr dunkelen Holzaten, beson- 
ders Nadelhblzer , weil sie einen diiste- 
ren Ausdruek haben und manche iromer- 
griinc Baume gegen die frischbelaubten 
braun und schlecht aussehen. Wird das 
Haus dagegen auch im Winter bewohn 
so sind einige immergriine Parti en sell 
erfreiilich. Unschone Gebaude werden 
vollstandig verpflanzt, und man hat nur 
die zur Erhaltung der Gebaude nbthige 
Entfernung zu beobachten. 

Von grosser Wichtigkeit ist die Grosse 
und Form der Baume , itidem dadurch 
die Gebaude gewinnen oder veriiercn 
konnen. Ein miissiges Gebaude z. B. 
welches Anspruche auf den Namen ei- 
nes Schlosses macht, wiirde nur verlie- 



wrosse umpilanzen wollte, dagegen gros- 
ser erscheinen, wenn nur Mittelbiiume 
ln der Nah e stehen. Dies ist besonders 
b « Scheingebauden zu bcrueksichtigrn, 
"• h. bei Gebauden, die zur Zierde oder 
^r Decoration wegen aufgefuhrt wer- 
de n , besonders bei Thurmen. Soil z. B. 
fl « auf einer Anhohe stehender Thurni 
gross erscheinen, so darf man ihn nur 
"'it niedrigen Pflanzungen umgeben. In- 
dei » man namlich von feme Gehbl- 
8lCht ' de88e » Hbhe wegen der Entfer- 
° un g nicht genau beurtheilt werden 
^ wird man den Thurm, weil er 
' * aume se ^r uberragt. fur hoch hal- 
°. w-ihrend 80-100 Fuss hohe 
**"* in der Nahe , des Thurmes 
««w Hohe scheinbar sehr vermindern | 

wen - Das Schlimmste 
,bunk ^n,ist. ttrffa-to,*. 



man 
italienische Pappeln um 



auf einem Berge in der Nahe von Wei- 
mar), weil diese auch die Form mit 
dem Thurme gemein haben, und letzte- 
rer ganz dazwischen verschwindet. Hier 
wirkt zugleich die Form mit. Diese ist 
mindestens ebensowichtig, als die Hohe. 
Es ist cine alien Landschaftsmalern und 
auch guten Landschaftsgiirtnern bekannte 
Sache , dass lango gerade Dachlinien, 
wie sie bei antiken und an den meisten 
modernen und gewbhnliehen Gebauden 
vorkommen, durch Baume von pyrami- 
dalischem Wuchse sowohl im Hinter- 
grunde als davor sehr angenehm unter- 
brochen werden, und viel von ihrerEin- 
formigkeit verlieren. Hierzu ist die 
italienische Pappel und die Pyramiden- 
eiche unersetzlich , doch sind auch Na- 
delholzbaume schbn. Hat dagegen ein 
Gebaude viele scharfe Ecken, Giebel 
und oft, unterbrochene Dachllachen oder 
gar Thurme, so eignen sich Spitzbaume 
nieht dazu, weil sonst alles eckig und 
scharf wird. Hier sind voile runde Kro- 
nen an ihrem Platze. Daraus geht her- 
vor, dass man den gothischen Bau mit 
Rundkronen, die antiken oder modernen 
Gebaude mit geraden Dachlinien von 
grosser Lange mit Spitzkronen umgeben 
soil. Man darf indessen diesen Grund- 
satz nicht iiberall anwenden wollen. So 
wiirde z. B. ein gothisches Jagdschloss 
in einem Tannenwalde gewiss eines gu- 
ten Eindruekes nicht ermangeln. 

Bei kleinen Gartengebiiuden hat man 
ungefahr dieselben Riicksichten zu be- 
obachten, doch kbnnen sic mit unter 
ohne Baume und nur von niedrigen 
Striiuehern umgeben sein , zuweilen aber 
auch fdrmlich unter einem Riesenbaum 
oder in einer Gruppe stehen. Die al- 
teren Schriftsteller uber Gartenkunst 
wollen bei Tempeln auch in den Pflan- 
zungen mythologischen Beziehungen er- 



136 

fullt wissen und schreiben daher vor, 
dass man in ihrer Uragebung auch die 
den darin verehrten Gbttern , geheiligte 
Pflanzen finden solle. Abgesehen davon, 
dass solche Feinheiten in der Pflanzung 
nur von genauen Kennern der Mytho- 
logie bemerkt werden wiirden, die Mehr- 
zahl der Besucher aber nur auf wirkli- 
che Schbnheit sehen wird , so gedeihen 
auch sehr viele und oft die auffallend- 
gten derartigen Holzarten bei uns nicht, 
und ich will daher die Aufzahlung der 
den Gbttern geheiligten Baumen urn so 
uiehr unterlassen, als sie in jeder aus- 
fuhrlichen Mythologie zu finden sind *). 
Die Pflanzung bei Monumenten 
richtet sich einigermassen nach der Be- 
deutung derselben. Sind es fbrmliche 
Grabmliler, so geziemt sich (nach un- 
sern gewbhnten Begriffen) eine diistere 
Pflanzung, wobei die Sinnbilder der 
Trauer und die der Unsterblichkeit, 
Biiume mit hangenden Zweigen, Cypres- 
flen (oder so gezogene Wachholderarten), 
Lebensbaume und andere immergrune 
Holzarten nicht fehlen durfen. Jedes 
andere Monument wird mit Pflanzungen 
umgeben, bei welchen nur auf Schbn- 
heit gesehen wird. Skell sagt zwar 
von den Denkmalern grosser Menschen : 
„Der Geist, der ihre Werke belebt, soil 



Gartenflora Deutachlands und der Schweiz 



i Werke ein ganzes Kapitel gewidm 



auch die Pflanzungen, die ilmen zur Seite 
gestellt werden, beleben und characteri- 
siren helfen, und sie bald in einem 
ernsthaften, religibsen**), erhabenen, oder 
iem lieblichen, anmuthigen, land- 
lichen Character erscheinen und mit ih- 
Standorten in Einklang treten las- 
" wer aber diese Worte nachdenkt, 
wird einsehen, dass es eben bios Worte 
nd und bleiben werden, denn eine sol- 
le Beziehung zwischen Pflanzungen 
und den Eigenschaften eines Menschen 
mbchte doch wohl kaum aufzufinden 
sein. Etwas anderes ist es, wcnn eine 
Baumart im Leben des Verstorbenen da- 
durch wichtig geworden ist, dass sich 
ein Ereigniss daran kniipft. Aber auch 
dann ist die Allegorie nur fur die mil 
dem Leben des Verstorbenen ganz Ver- 
trauten verstandlich. Die einzige mir 
verniinftig scheinende Rucksicht, die mm 
nehmen kbnnte, besteht darin, dass ma 
Manner, die sich urn das Vaterland v* 
dient machten, mit einheimischen Bau- 
men, vorziiglich mit Eichen ehrt. if 



•♦) Die Anweisung, we «™ 
Pflanzung herzustellen sei , ist der ?**£ 
Kiinsller schuldig gebliebeu , und ich 
mien ebenfalls unfahig dazu. - I«* «' ]1 
beilaufig erwahnen, we sinuig das Den 
war, das dem beruhmien Botaniker We* 
in Berlin gesetzt wurde, Ban 



4) Uetoer den Charakter oder Aoidroek der Pflanzung*" 



Das Wort Charakter wird in so ver- ] ich erst seine 
schiedcnartiger Bedeutung gebraucht, dass I stellen muss , 



*) Aus den nachstens bei Hugo Schaube in Gotha erscheinenden 
nkunst" vonH. Jager, jedoch nicht wortlicb. 



- - rfrstt-s, < //'f'/./r/ /// ■ '/<r//,j/r*f// . 



druck der Eigenthumlichkei 
der durch die Eigenschaften der Holz- 
arten selbst und ihre Verbindung, hau- 
fig audi durch eine damit verkniipftc 
Idee entsteht. Wir miissen den wirkli- 
chen Charakter der einzelnen Holzarten 
und der Pflanzungen sorgfaltig von dem 
Eindruck unterscheiden , welcher durch 
Gedankenverbindungen in uns hervorge- 
bracht wird. Pflanzen, z. B. welcli 
wir vorzugsweise an Wassern und nur 
inThalern zu sehen gewohnt sind, wei 
den uns immer im Charakter der Ufei 
und Ticflandschaft erscheinen, moge: 
wir sie antreffen , wo wir wollen. Ebenso 
erinnert uns das Nadelholz und die 
che stets an den Wald, die Lerche und 
Bergkiefer an Berge und Felsen. 

Einen Charakter oder Ausdruck der 
Eigenthumlichkcit hat jede Pflanzung bis 
aufden einzelnen Baum und Str 
Dies kann nicht bestritten werden. Aber 
dieser Ausdruck ist in den meisten Fal- 
1(, n so allgemein und unbestimmt, dass 
j* keinen oder nur wenig besonderen 
Eindruck machen und eine Veranderung 
der Gedanken und Gefuhle. unmittelbar 
nicht hervorbringen kann. Es ist jedoch 
m eht zu laugnen, dass Pflanzungen und 
sogar einzelne Baume und vorziiglich 
^isse Baumarten einen so starken Aus- 
«°ck haben, dass sie ganze Gegenden 
jprakterisiren und allerdings von Ein- 
u ss auf die Gemiithsstimmung sein kbn- 
j* n , insofern die Seele frei, d. h. von 
Inem and <*en Gedanken lebhaft einge- 
J»«unen ist. Als Beispiel will ich nur 
a 7 ^e^aMnngen anfuhren. Man darf 
/ 1Chtan eine ^ das Einzelne ge- 
hende^ starke Wirkung der Baume auf 
^ Gemtith glauben, wie es in der 
v • V nd Id >" 1Ienzeit » Ende des 
2 en K JahrhUndertS der Fal1 war > ™ d 
achklang j ene r merkwiirdigen weich- 



landlungen. f3f 

lichen Richtung sonderbarer Weise von 
Solchen die in diesem Punkte mit sich 
selbst noch nicht recht im Klaren sind, 
noch geschieht. Da sollen gewisse Bau- 
me Trauer, Melancholic, Wehmuth, Ban- 
gigkeit und Gedanken an die mensch- 
liche Schwache und Verganglichkeit, an- 
dere erhebende Empfindungen erregen; 
einige Baume sollen der Elegie , andere 
der Legende, dem Epos, der Idylle 
(warum nicht auch dem Drama?) u. s. w. 
angehdren; Weinreben an Ulmen und 
Epheu an Eichen (warum bios an Ul- 
men und Eichen?) sollen Gedanken an 
eheliche Liebe und Freundschaft er- 
wecken: kurz, man hat eine fdrmliche 
Symbolik der Baume, cine Art Baum- 
sprache, nach Art der Blumensprache, 
erfunden und verlangt, dass ein ver- 
nunftiger Mensch daran glauben soil. 
Solche Vorstellungen sind eben so gut 
eine Art Aberglaube, wie der Glaube 
Hexen, Nixen, Drachen u. s. w., und 
ein Nachklang sagenhafter Zeit, wo je- 
der Baum von einer Dryade bewohnt 
einem Gotte geheiligt war, wie es 
noch jetzt bei einigen Volkern der Fall 
ist. Wir verdanken diese Anschauungs- 
weise in unsrer Zeit vorziiglich den 
Dichtern und der im vorigen Jahrhun- 
dert auf s hbchste gesteigerten Gewohn- 
bei jedem Kunstwerk mythologi- 
sche Beziehungen anzubringen, ohne 
welche es nicht als solches gait. Wenn 
die Schriftsteller des vorigen Jahrhun- 
derts , an ihrer Spitze Hirschfeld, in em- 
pfindsamer Weise von dem Charakter 
und der Wirkung der Baume und Pflan- 
zungen auf das Gemiith sprechen und 
jeden Augenblick sinnbildliche Verglei- 
che und mythologische Anspielungen 
istellen , so lag dies im Geschmack 
ibrer Zeit. Selbst dem wackern, prak- 
tischen Skell muss man es verzeihen, 
dass er sich nicht von dieser angelern- 



13^ 



1 Schreibweise los- 
machen konnte, wenn man bedenkt, 
dass seine Jugend- und Bildungszeit 
ebenfalls noch dem vorigen Jahrhundert 
angehbrt. Dass aber noch in neucrer 
Zeit solche Dinge vorkommen, dass von 
einem unsrer be.-ten Landt< liafisga'rtnor, 
der in der Praxis bewiesen hat, dass er 
das Wesen der ■ Landschaftsgartnerei 
richtig begriffen hat, im ungliicklichen 
Anklammern an das Alte den Versuch 
geraacht worden ist, eine Art Symbolik 
der Baume mit poetischen und senti- 
mentalen Vergleichen und Anspielungen, 
(wie man sie jetzt kaum mehr den Dich- 
tern verzeiht), aufzustellen ; wenn ferner 
der Verfasser eines neuerdings sehr be- 
kannt gewordenen Werkes mit Garten- 
planen sagt, ein Garten kbnne ohne 
mythologisehe Beziehungen nicht voll- 
kommen sein, so kann man sich nicht 
genug dariiber verwundern. Wir haben 
daher die Empfindungen, welche doch 
frei sein sollten, so recht eigentlich auf- 
geerbt, und finden sie gleichsam vorge- 
schrieben, obschon wir oft ihren Zu- 
sammcnhang nicht begreifen. 

Wir wollen nun sehen, in wiefern 
einzelne Baumformen urn 
im Stande sind, gewiss 
Eindriicke auf den Menschen hervorzu- 
bringen. Sicher ist nur, dass das ge- 
meinsameAuftreten gewisser Baum- 
arten den Gefiihlen eines von keinen 
anderen Gedanken lebhaft ein- 
genommen enGemiithes eine gewisse 
Richtung zu ertheilen im Stande ist. 
Jedermann wird schon den Eindruck be- 
merkt haben, wenn man aus einem dii 
steren Nadelwald einen in uppigen hell- 
griinen Laubwald tritt oder umgekehrt, 
wenn man aus dem Dunkel eines dichten 
Hochwaldes auf eine sonnige Waldwicse, 
obschon ganz vom Wald umgeben, ge- 
langt. Dieser Wechsel des Eindrucks 



Schweiz. 

und des Gefuhls, (nicht aber immer der 
Gedanken) , ist so stark , dass selbst 
rohe Gemuther ihm unterliegen. For- 
schen wir der Ursache dieser auffallen- 
den Thatsache nach , so finden wir die 
Erklarung ganz einfach in der Wirkung 
des Lichtes und der Farbe. Treten 
helle, lebhafte Farben in Masse auf, 
ohne zu blenden, bo entsteht ein ange- 
nehmer Nervenreiz in unseren Sehor- 
gan, der sich augenblicklich dem Ge- 
hirn mktheilt und eine angenehme Em- 
pfindung erzeugt. Bei dunklen Farben 
und Lichtentziehung findet dieser Licht- 
reiz nicht statt, oder er ist schwiicher. 
Ein Wechsel von Licht und Dunkel 
(hellen und dunkeln Farben) muss na- 
turlich eine andere Empfindung hervor- 
bringen, weU der Nervenreiz ein ande- 
rer ist. Es liegt dies wahrscheinlich in 
der Einrichtung unserer Sehorgane. Die 
Wirkung der dunklen Farbe ist so stark, 
dass sie selbst bei einzelnen Baumen 
z. B. bei einer machtigen Fichte noch 
bemerkt wird. Wenn man aber dieses 
Gefiihl melancholisch, traurig, wehmii- 
thig u. s. w. nennen will, und glaubt, 
mit einer Pflanzung von Fichten, Eir 
chenbaumen u. s. w. eine solche Ge- 
muthsstimmung mit Gewissheit veran- 
lassen zu konnen, so ist dies einer je- 
ner Irrthumer, welche auf einer Ver- 
kennung unsrer wahren Beziehung z° 
den iibrigen W^esen der Schcipfung b«" 
ruhen, indem wir in der AussenweK 
suchen, was doch nur in uns liegt 
als ein dunkler Wald 
Melancholic oder Traurig- 
keit geneigten Gemiithe dieses rtefukl 
verstarken kann, so gewiss wird ein ge* 
wiss wird ein gesunder, heiter P*^ 
ter und zum Frohsinn geneigter, alif 
von der schonen, angenebmen Sei» 
auffassender Mensch von diesem ^ 
druck (namlich des Trubsinns) *& 






bleiben, im Gegentheil, er wird sich 
fiber die stattlichen Waldbaume freuen, 
and nur den Mangel an Licht cmpfin- 
den. Dass nur die dunkle Farbe , also 
der Mangel an Licht die Ursache jener 
Erscheinung ist, gebt audi aus demUra- 
stande hervor, dass jeder dunkle Laub- 
Hochwald bei diisterer Bcleuchtung fast 
eben so wirkt ; so wie aber die Sonne 
ihre glanzenden Streiflichter in den grii- 
nen Dom sendet, verschwindet der dii- 
stere Eindruck sogleich. Schon wenn 
ein dunkler Schwarzwald hie und da 
mit hellgriinen Lerchen oder Birken un- 
termischt ist, verliert er seinen diistern 
Ausdruck. Hierbei wirkt aber nebenbei 
noch die Mannigfaltigkeit , welche stets 
angenehm erregt, wahrend die hellfar- 
bigste Einformigkeit, sobald das Auge 
daran gewohnt ist, ermiidet Dass der 
Anblick der einzeltten jungen Fichte 
oder Tanne oder selbst eines ganzen 
Waldchens einen heiteren Eindruck ma- 
chen kann, kommt bios daher, weil der 
aiedrige Wuchs das Licht nicht abhalt, 
seinen erregenden Einfluss auf unsere 
Augen geltend zu machen. Bei hellen 
Harben tritt der umgekehrte Fall ein; 
fenn diese wirken in der Verbindung 
wn so starker, je lockerer diese ist, 
^d je mehr Licht zwischen die einzel- 
nen Baume fallt , wahrend dunkelfarbige 
Holzarten natiirlich um so starker wir- 
* e n, je dichter sie beisammen stehen. 
*** kann also annehmen, dass der 
^arakter der Dusterheit durch Vereini- 
B^g, der der Heiterkeit durch Verein- 
^ Dg der «inzelnen Baume gehoben 
IY v * 8 ° gar ganZ bevvirkt werden kann. 
" K , Iltte vo * beiden, d. h. eine Ver- 
^Umg dunkler Baume und eine euge 
v^bmduag hell S™ner Baume kann ein 
des j!.^ Und Dtis terkeit liegen- 
, Gefuh l - Ernst, 



»• 139 

dass je dichter die Pflanzung und je 
dunkler das Griin, desto mehr eine ern- 
ste Stimmung befordert wird; je lichter 
und vereinzelter aber die Pflanzung und 
je heller das Griin, desto mehr wird 
ein heiterer Eindruck befordert. Soviel 
von der Farbe. 

Auch der Wuchs der Baume veran- 
lasst zuweilen eine bestimmte Gefuhls- 
oder vielmehr Gedankenrichtung und 
hat bei erregbaren Gcmiithern auf die 
Stimmung Einfluss. Der Anblick mach- 
tiger Eichen oder Linden *) , uberhaupt 
jedes grossen, kraftigen Baumes mit 
weitgestreckten , starken Aesten erregt 
Bewunderung und Staunen, welches je- 
der erhabene Gegeustand einflosst. Dies 
Gefiihl ist jedenfalls ernst, aber den- 
noch sehr vcrschieden, denn bei dem 
Einen wirkt es erhebend, indem gleich- 
sam ein Gefiihl der Kraft , deren Begriff 
von einer so machtigen Gestalt unzer- 
trennlich ist , auf ihn ubergeht, bei dem 
Anderen schleicht sich ein Gefiihl der 
Schwache, das Bewusstsein der eigenen 
Schwache und Winzigkeit unbewusst 
ein und wirkt herabstimmend und nie- 
derdruckend. 

Man sieht aus diesem einem Bei- 
spiele, wie misslich der Erfolg sein kann, 
wenn man bei der Anlage eines Land- 
schaftgartens die zu erweckenden Gefuhle 
im Voraus berechnen will. Die schlanke 
vom .Sturm gepeitschte italienische Pap- 
pel versinnlicht uns, wie das schwan- 
kende Rohr, die Schwache um so mehr, 



•) Obgleich die Eiche in i 
sicht einen anderen Charak 
Linde, so kann diese 



beider sehr verscbie 



140 

da wir ihre kurze Lebensdauer und Ge- 
brechlichkeit kennen. Ganz ahnlich wir- 
ken Biiume init hiingenden Zweigen, ob- 
schon ihrWachs ganz entgegengesetzter 
Art ist. Dieser Ausdruck der Schwa- 
che ist aber zuglcich der der Zierlich- 
keit und Anmuth und wirkt daher an- 
genehm. Baume mit sehrdichter Belau- 
bung und von gedrungenem Bau bringen 
einen ernsten Eindruek hervor, und zwar 
aus der oben angegebenen Ursache, 
nehmlich , weil ihre massigen Kronen 
nicht bell vom Licht durchdrungen wer- 
den kbnnen. Den umgekebrten Fall 
zeigen Biiume von leichterem Wucbs 
und scbwacber odor kleinblattriger Be- 
laubung, wo das Licht iiberall Zugang 
6ndet. Auf gleiche Weise wirken an 
den Biiumen Bluthen und Friichte mit 
ebhaften Farben, weil in ihnen Farbe 
und Licht dem Auge in der wohlgefal- 
ligsten Form und Mischung erscheinen. 

Bei den Gestrauchcn sind alle ange- 
gebenen Wirkungen schwacher , weil sie 
an sich unbedeutender sind; sie wirken 
meistens erheitemd, weil sie das Licht 
nicht abhalten und stets nur von aus- 
sen in voller Beleuchtung gesehen wer- 
den, wesshalb auch eine schwerfallige 
Form und dunkle Belaubung keine be- 
deutende Wirkung hervorbringen kann. 

Dies ist in der Hauptsache so ziem- 
lich alles, was sich vom Einfluss der 
Pllanzungen auf die Gemuthsstimmun- 
gen vernunftigerweise sagen und be- 
griinden lasst. Alios andere besteht 
bios in der Einbildung, und gnindet 
sich auf Gedankenverbindungen oder Ge- 
wohnheit der Denkungs- und Anschau- 
ungsweise ! Allerdings konnen durch Ge- 
dankenverbindungen bei dom Anblick ge- 
wisser Biiume Geluhle begiinstigt oder 
erzeugt werden, die aber mit ihrem Cha- 
rakter, mit ihrer Eigenthiimlichkeit gar 
nichts zu thun haben. Es sind dies 



solche Biiume, welche durch den zu- 
falligen Gebrauch eine besondere Be- 
deutung gewonnen haben, namendich 
diejenigen , welclie man als Sinnbild der 
Trauer oder der Unsterblichkeit auf Gra- 
ber zu ptlanzen pflegt. Cypressen, Le- 
bensbiiume, Taxus und andere inimer- 
griine Holzarten tragen gleichsam das 
dustere Kleid der Trauer, und sind, 
wenn man einmal eine symbolische Be- 
deutung verlangt, in ihrer immerwah- 
renden Frische kein ubles Bild der Un- 
sterblichkeit. Die Trauerweide, die Han- 
gebirke und andere Baume mit hiingen- 
den Zweigen (die sogenannton Trauer- 
biiumo) dagegen sind zum Theil hikhst 
anmuthige , schbne Biiume , dcren An- 
blick Wohlbehagen, aber nimmermeh; 
ein diisteres Gefiihl der Trauer erregen 
kann, wie jeder Unbefangene sich iiber- 

Trauerweiden am Ufer eines Baches oder 
Teiches betrachtet. Die herabhangenden 
Zweige sind zwar fur die Trauer raehr 
bezeichnend als jeder andorc Wuchs, 
kbnnten aber eben so gut Demuth und 
Unterwurfigkeit bezeichnen*). Man hat 
gesagt, die alte Fichte oder Tanne mil 
herabgebogenen Zweigen, erweckeTrauer, 
die junge aber Heiterkeit; aber nicht, 
wie ich nachgewiesen habe , wegen der 
verschiedenen Lichtwirkung, sondernweil 
an vielen Orten bei Dorffestlichkeiten 
junge Fichten und Tannen als Zeicheo 
derFreude vor die Thiiren und auf how 
Mastbiiume gepflanzt werden. Die \ ^ 
jenenTheoretikern ganz vergessene trie 
nerung an den Weihnachtsbaum kann 



•) Den Liebhabern allegoriscber iw*» 
lungen in den Garten eropfehle ich zur 
sinnlichung der Hoheit de3 Besitzers Wg-* 
Zusainrnenstellung. Man pflanze urn eiQ ' ^ 
zelne hohe Pappel ringsum Baume nu ^ 
genden Zweigen, welche sich gleichsam 



I. Originalabhandlungen. 



141 



noch vielmehr angenehme Godanken er- 
wecken, aber audi Veranlassung zu 
wehmiithigen Gefiihlen wcrden, indem 
man an dio entschwundene schone Ju- 
gendzeit denkt: ein abormaliger Beweis, 
wie wenig Sicherheit dor auf Gedanken- 
verbindung gogriindete Charakter bietet. 
Mag dio jnngc Fichte, die alte Dorf- 
lindc, die junge Birke Personen, denen 
der Gebrauch diesor Baume bei Fest 
lichkeiton bekannt ist, an Pfingsttanz 
und Kirchwcih erinnern , aber am 
diesen Zusamnienhange , im Garten, 
Walde hurt diese Beziehung auf. ] 
mit der Mythologie vertraute Gelehrte 
mag noch ganz andere Gedankenverbi 
dungen haben, indem ihn die Baume 
an irgend cine Sage des Alterthi 
innorn. Mancher Mensch wird endlieh 
irgend ein freudiges oder traurig( 
eigniss seines Lebens an gewisse Baume 
kn "P fen konnen, so dass die widerspre- 
thendstcn Gemiithsbewegungen bei dem 
toblick eines und desselben Baumes 
hfrvorgerufen werden kbnnen. Urn die 
Gnmdlosigkeit dor angenommenen An- 
KhaaungsTveise iiber den durch den Ge- 
brauch bestimmten sogenannten Charak- 
*« noch mehr zu beweisen, will ich 
soch cinige trivialc Beispiele anfuhren. 
** Seemann z. B. wird beim Anblick 
» hohen Tanne lcicht an einen Mast- 
£n, an soin Schiff und an das Meer 
Pnken, der Zimmermann wahrschein- 
J p an Balken und Brett <*. den Loh- 
PJJ wird derselbeBaum oder die ma- 
^ tiSCl ' e Ei0he zu den Gedankcn vor- 
. Sen ' Mie vi el Lohe wohl davon zu 
j lnnen soi, was weiter zum Leder 
h < fiibrt. Man sieht, wel- 
, • fuon man alle haben kann. 

*afallige Gebrauch zu ei- 



der Biiumo bestimmen. wie sehon 
an den angefuhrten Beispielen hervor- 
geht. Ware dies der Fall, so miissten 
ja selbst die lieblichen Blumen, welche 
eine gewbhnliche Zierde der Graber und 
Sarge sind , ebenfalls Trauer und Todes- 
gedankon erwecken kbnnen. Ich sage 
also noch einmal, dass dieWirkung 
der Baume durch Gedankenver- 
bi n d u n g v o n d e m K ii n s 1 1 e r d u r c h- 



und darf, wenn cr denCharakter 
einer Gartenscene bestimmen 
will. Er lasse sich von der herge- 
brachten Anschauungsweise durchaus 
nicht bestechen, und betrachte die Sa- 
che vom rein malerischen Standpunkte, 
und baue nur auf die unmittolharn I-in- 
driicke durch die Licht- und Farbcnwir- 
kung. Er wende dunkles Griin, dicht 
belaubte Baume und starkc Schatten- 

tern Eindruck bezweckt, und belle leb- 
hafte Belaubung und lockere Pilanzung, 
wo er Heiterkeit erregen will, denn wie 
gesagt: alios Uobrige ist Einbildung und 
Tiiuschung. Man denkc nur an die Blumen- 
sprache , womit es sich ganz so verhiilt. 

•erniinftiger Gartner oder Blumen 
freunduberlasstdieseTandeleijungenMad- 

md unreifenJunglingen und denkt 
bei der Aufstellung und Verbindung der 
Blumen nur an die malrrisoho Wirkung, 
Goruch und sichtbare Eigonschaften. 
Die Poesie der Baumwelt geht durch 
die Nichtachtnng aller sinnbildlichon 
(symbolischen oder allegorischen) Bedeu- 
tung in der Darstellung darum nicht 
verloron, denn uber einem schbnen Land- 
schaftsbilde weht stets ein verklarenter, 
poetischer Hauch, und ein poetisches 
Gcmiith wird auch in den zufiilligen 

lmenstellungen oft ein Symbol, 
eine tiefere Bedeutung herausfmden ; 
wem aber diese Gabe nicht verliehen 



• hat auch das Bediirfniss < 
Anschauungsweise nicht , 



I Vergleiche und Bilder aus der belebten 
und unbelebten Natur erschopft haben, 
Belehrung und Befriedigung. Jager. 



heutigen Dichtern, die 



Die Schriftsteller uber Landschafts- 
gartnerei unterscheiden als Pflanzungs- 
form bios den einzelnen Baum oder 
Strauch , die Gruppe , den Hain , den 
Wald und die Gestrauchpflanzung. Man 
nennt die letztere auch oft Bosquet. 
Dies ist aber falsch, denn was man bei 
uns Bosquet nennt, heisst in Frankreich 
massif. Bosquet dagegen ist eine Art 
Lustwaldchen mit eingestreuten Lich- 
tungen, unser Gruppe nwaldchen**). 
Das Gruppenwaldchen besteht, wie 
schon der Name sagt, aus einer Ver- 
bindung vieler Gruppen, besonders Ge- 
strauch- und Lichtgruppen und einzel- 
ner Baume und Straucher von der gross- 
ten Mannichfaltigkeit und buntesten Mi- 
schung, alles aber so gestellt, dass von 
dem durchfuhrenden Wege alle diese 
verschiedenen Bestandtheile in derNahe 
genossen werden kbnnen. Hier sucht 
der Weg nieht die schonsten Stellen 
des Gartens auf, sondern die lieblich- 
sten Partien drangen sich gleichsam zu 
beiden Seiten herbei. Der Charakter 
dieser Anlage ist Lieblichkeit und Ab- 
wechselung, eines hoheren Ausdrucks 
ist sie nieht fahig. Die erstere 
erzeugt durch viel Licht, schbnei 




Blumen und bliihende Gebiisch?, 
leichte zierliche Baume undvorhorrschende 
helle Farbung der Belaubung mit selte- 
nen Kontrasten ; die letztere durch den 
fortwahrenden Wechsel der Formen rati 
Ansichten. Die offenen Flachen diirfen 
?hr gross, besonders zu beiden Sei- 
ten des Weges nicht breit sein, so dass 
die Aussicht stets beschrankt und auf 
lie nahen lieblichen Gegenstande ge- 
ichtet ist. Aus diesem Grunde kan» 
der Weg auch mehr Krummungen ma- 
chen, als sonst in Garten gut ist, wj 
man die Windungen nicht bemerkt, und 
dadurch die AbwechselungbefordertwW- 
Die Umgebung muss, so zu sagen, jw< 
Minute wechseln. Bald gehen wir ij 
lichtgrunen Laubkronen zerstreuter Bau- 
me, bald uber eine kleinc sonnige K* 
senflache, bis uns wieder dichterSd* 
ten aufnimmt, indem der Weg ein ^ 
nes Gebiisch durchschneidet; bald) 
selt uns ein reizender nahe am W 
stehender seltener Strauch. bald f» 
Kletterpflanzen durchwachsener po~ 
rer Busch oder kleiner Baum, «ie ^ 
da ein Blumenbeet; haufiger Bin ^ 
am Rande derGebiische, gleichsam ^ 
wild aufgewachsen, zur Bluthezei 
Gestrauche aber eine unbeschretfo 
Farbenpracht nach alien Se, " B hfc 
im Herbst die Schonheit reizend 
Die einzelnen Gruppe 
hinlanglich getrennt sei 
der Rasen eine ansehnliche J 
schen ihnen einnehmcn, au* 



nie darf I 



wiinschenswerth ist, einen fliichtigen 
Blick in andere Theile des Gartens zu 
thun. .Die aussere Landschaft miisste 
sehr lieblich und reizend sein , urn eis 
Blick aus diesem Lustwaldchen in die- 
aelbe zu gestatten, denn diese Anlage 
muss durch sich selbst bezaubern. 

In kleinercn Garten bildet das Grup- 
penwaldchen die grbsstc Schattenmasse 
nnd oft zugleicb die lieblichste Partie. 
Aber es geht wolil bei beschriinkten 
Raume selten an , diese reizende Partie 
umihrer selbst willen und ohne 
weitere Nebenzwecke anzulegen. Die 
Pflanzungen des CJruppenwaldchens iniis- 
8«n daher Somen trennen, als Verpflan- 
"mg vor hoheren Waldpartien dienen 
und den Hintergrund von anderen Gar- 



143 

tenansichten bilden. Sehr oft wird es 
sich einrichten lassen, dass die eine 
Seite des Waldchens von der Grenz- 
pflanzung gebildet wird, wo auch, ohne 
die offenen Flachen eines nicht grossen 
Gartens zu stbren, am ersten Raum fiir 
eine derartige grbssere Anhiiufung von 
Schattenpartion ist. In grossen Parks 
muss das Gruppenwaldchen einen Theil 
des Blumenparks bilden und in der 
Nahc der Wohngebaude liegen, damit 
ein so kbstlicher Spatziergang jederzeit 
leicht zu erreichen ist. — Eine so lieb- 
liche, fast fur sich bestehende Partie 
des Gartens ist ganz geeignet zur Auf- 
nahme kleiner Gartengebaude , urn die 
sich ein zierlicher Blumengarten aus- 
breiten kann. Jager. 



II Neue Zierpflanzen 



») Neue Pflanzen des Peters- 
burger-Gartens. 
1) Warren tricolor L. var. unijugata 
*#• Eine herrliche Orchidee aus Co- 
toabien, die 2 Fuss lange gefaltete 
pal lanzettliehe Blatter und 3 - 4 

D8S bohe Blumenschafte tragt. Die 
* h0nen Weiss <* 1V» Zoll im Durch- 
™«er haltcnden Blumen mit Purpur- 
ic erinnern, wie die ganze Pflanze, 
bajus grandiflorua. Von der Abbil- 
^ng Hookers tab. 42, 35 im bot. Mag. 

*Jt unsere Pilanze eigentlich nur 
£* die auf der innorn Flachc der 

m befindliche erhabene fleischige 
J^nppe ab, welche fast einzeln ist 
d?re d W Undeutlich neben sich 2 an- 
Abbild PPPn tragt V ° n Reichenb ach's 
0rchid ang und Beschreibung in Xenia 
^ *" a Weicht sie jedoch noch aus- 
fSfmj c aie ir « Umfang fast kreis- 
0rm der Li Ppe, sofern diese 



ausgebreitet wird , und das Fehlen des 
vorgezogenen Mittellappens der Lippe 
ab. — 

2) Billbergia Moreliana A. Brongn. 
Bromeliaceae. Eine sehr schone neue 
Bromeliacee, die von belgischcn Garten 
unter dem Namen Billbergia Leopoldi 
und vittata verbreitet ward. Im Habitus 
steht sie der Billbergia zebrina zunachst. 
Die steifen, dunkelgrunen, bandformigen, 
nach unten rinnenformigcn Blatter sind 
so lang, oder oft auch bedeutend langer 
als der mit der Spitze herabhangende 
Bliithenschaft , stumpf mit aufgesetzter 
Spitze und mit aufwarts gerichteten dor- 
nigen Zahnen besetzt , welche an den 
langeren Blattern nach oben stark ab- 
nehmen. Weisse Querbander auf der 
untern Seite der Blatter treten sehr cha- 
racteristisch hervor. Der Bliithenschaft 
kahl, mit grossen schbn ziegelrosa ge- 
farbten, langlich-lanzettlichen, grossen, 



unten biischclig veriistelten, oben ein- 
fachen Traube; Kelchblatter zu einer 
Rohre vereiniget , viel kiirzor als Blu- 
menkrone, bandfdrmig, spitz, aus ziegel- 
roth ins Orange schillernd. Blumenblat- 
tcr tief violett, anfangs zusammenge- 
wickelt und eine spitze Knospe bildend, 
spater an der Spitze auseinandertretend, 
tragen am Grunde zwei kleinc abge- 
stutztc , an der Spitze gezabntc Schup- 
pen. Stanbbeutel gelb. Lemaire unter- 
scheidet im Jardin Fleuriste zwei Arten, 
die er beide Tafel 138 nnd Tafel 271 
als B. Moreliana abbildet. Beide gehd- 
ren wohl auch der gleichen Art an, 
derm die LSnge der Bliithenstielc wech- 
selt, und die aufrechte Haltung der Ab- 
bildung Ilenfrey's im Gard. Mag. of 
Botany ist wohl bios Folge, dass die 
Abbildung nach einem abgeschnittenen 
Exemplar gemaeht wurde. Eine der 
schdnsten Bromeliaceen, mit oft bis 4 
Fuss langen Blatrern, die ihre praehti- 
gen Bliithenschafte und dunkelviolettcn 
Blumon gerade urn Weihnachten ent- 
wickelt. 

3) Catasetum tridentatum Hook. 
Zwei schdne Varietaten wrrden cultivirt: 
namlich: 

a. purpureum Rgl. mit purpurnen 
punktirten Blumenblattern und In- 
nenseite derLippe. Aussen ist die 
Lippe bocligelb. 
0. pallidum Ugh Lippe aussen gelb- 
griin, am Schlunde dunkelgelb, 
innen purpur. Blumenblatter gelb- 
griin, purpur punktirt. 
Eigenthiimlich ist bei C. tridentatum 
das elastische Abspringen des Staub- 
beutels. 

4) UedychiumviUosumBoxb. 0. Ian- 



Stengel erheben sich 3— 3V» Fuss hoch 
iiber dem knolligen Wurzelstock. Blatter 
lanzettlich glanzend, kurz gestielt, scharf 
gespitzt. (Nach Dietrich sind die Blat- 
ter breit-oval, nach Roscoe breit-lanzett- 
lich). Die Bluthenahre unsercr Pflanze 
kurz und armblumig. Blume zart weisa, 
sehr wohlriechend , mit 3 griinlich-weis- 
sen linearen zusammengerollten ausse- 
ren Blattchen, und 3 innern, von denen 
2 linear und nachvorne fast luffelformig 
verbreitert, aber spitz; das 3te ist lip- 
penfdrmig und tief 2theilig, mit schiefen 
spitzlichen Lappen. Der rdtlilichotur- 
faden uberragt mit dem Griffel die Blume 
fast urn das doppelte. — Die kurze 
Behaarung der den Grund der Blume 
umschliessenden Bracteen (des Kelchea) 
hat dieser Pflanze den iibel gewahlten 
Namen H. villosum gebracht. — Unserc 
Pflanze weicht durch kiirzere Behaarung 
des Kelchs und der Bluthenspindel, 
durch kiirzere mehr zusammengedrangtf 
Bluthenahre und schmalere BlStttt ' 
Roscoe's Abbildung ab, stimnit aber in 
der Bliithenbildung vollkommen iiberein. 
so dass wir sie nur Jur eineleichteForn 
halten. In Garten scheint diese I* 
schdne und auch in schwachen Exec- 
plaren bliihende Art noch kanm ** 
breitet zu sein. Die schonen W*g 
Blumen besitzen einen herrlichen W* J 
geruch und entwickelten sich bei & 

Man pflanzt es durch WoraeltteW J 
fort, pflanzt es in eine lockere hunv^ 
Laub-, Rasen- oder Composterde I 
cultivirt es im Warmhause, wo M al _^ 
nicht bluhend als hubsche V ec0T f ^ 
pflanze verwendet wcrden kann. 
zu den Arten, die nie ganz I 
Ziehen und stammt aus Ostindien. r 

5) Coelogyne cristata Lindl ■ 
ebenso schdne als dankbar 
Orchidee, die ihre herrlichen BI 



.-E* 






(/ 






7/////// rs/// t /j/n 



im Januar — Marz cntwickelt Die 
von Lindley (Bot. Reg. Band 27, t. 57) 
gegebene Abbildung bleibt weit hinter 
der Wirklichkeit zuniek, da sie nacli ei- 
nein schwachen Exemplar gemaeht. Un- 
sere Pflanze hat 4 Bliithentrauben ange- 
setzt, die gracil herabhangen, und deren 
jede .bis 8 grosser (3 Zoll im Durch- 
messer) zart weisser, schwach wohlrie- 
chcnder Blumen tragt, mit schbn orange 
niiancirter ;Lippe. Geliort zu den Or- 
chideen, welche den Winter hindurch 
eine feuchte warme Luft und haufiges 
Bespritzen lieben, im Sommer aber un- 
ter Einfluss einer trockneren Luft eine 
Zeitlang ruhen wollen. Die Blumen 
halten mehr denn vier Wochen, und 
so gehbrt diese Pflanze zu den empfeh- 
lenswerthesten Bewohnern des Orchi- 
dcenhauses. — 

6) Odontoglossum Imlayanum Lindl. 
Diese dem schonen O. grande verwandte 
Pflanze ist reichblumiger als jene, aber 
die Blumen sind nur halb so gross. 
Unsere von Galeotti eingesendete Pflanze 
ist blassor gefarbt als die von Lindley 
beschriebcne Art. Gehbrt ebenfalls zu 
den besten Arten des Orchideenhau- 
8es - (E. R.) 



hiedene 



b }Empfohlen^ 
Zeits 

7) Cypripedium macranthum Sw. 
E»n in Sibirien wachsender Frauenschuh, 
de r von dem Botanischen Garten in Pe- 
tersburg vertheilt ward. Eine schbne 
Landorchidee, die einen 6-8 Zoll ho- 
T Sten g e l Mldet, der auf der Spitze 
«ne einzelne grosse schbn rothbraune 
a'ume tragt, deren Lippe mit feinen 
r*elrothenStrichen g ezei ^net ist. Im 

^burger Bot. Garten kultivirt man 
** Art in Tepfeni in emer Erdmi . 
Pr 7 g ' beste ^nd aus torfiger Heide- 

»i Sphagnum und Sand, mit Unter- 



14 

lage von Topfscherben. Ueberwinterung 
im frostfreien Kasten. (Hamb. Grtztg.) 

8) Cypripedium guttatum Sw. Wachst 
in Waldungen Nordamerikas und um 
Moskau. Blume schbn roth und weiss 
bunt. (Hamb. Grtztg.) 

9) Rosa Basile Dolgorouky. Eine 
von Marest in Paris erzielte neue hy- 
bride Rose, welche ungefahr die Form 
der R. de la Reine besitzt, die Blumen 
sind aber noch grosser, vollkommener 
und lebhaft rosa gefarbt. 

(Journ. d'hort. prat, mit Abbild.) 

10) Rheum nobile Hook. Eine jener 
interessanten Alpenpflanzen des Sikkim 
Himalaya, welche Dr. Hooker entdeckte, 
und von der einige junge Pflanzen im 
Bot. Garten zu Kew aus Samen er- 
wuchsen. Dr. Hooker sagt von dersel- 
ben: Schon in der Entfernung einer eng- 
lischen Meile entdeckte ich diese son- 
derbare Pflanze auf den schwarzen Klip- 
pen des Lachen-Thales, in einer Hone 
von 14000' uber dem Meere an fast 
unzuganglichen Orten wachsend. Jede 
Pflanze wird an 3 Fuss hoch und bildet 
eine Pyramide von konischer Gestalt, 
welche aus dicht ubereinander liegenden 
zarten strohgelben glanzenden concaven 
Bracteen (Stengelbliitter) gebildet ist, 
von denen die obersten am Kande rosa 
gefarbt sind. Grosse hellgrune Wurzel- 
blatter mit rothem Stiele und Nerven 
bilden die ^Basis dieses Kegels. Am 
Grundc der Bracteen, aber von ihnen 
ganz verdeckt, sitzen blassrothe hautige 
Afterblattchen (Bracteen), und zwischen 
diesen erheben sich die kurzen Rispen 
unscheinbarer griiner Blumen. Nach der 
Bliithe treten die Bracteen mehr aua 
einander, werden schmutzig braun'und 
fallen spater bei der Fruchtreife ganz 
ab, so dass nur der Stengel mit den 

Fruchten zurtickbleibt. 



15.". 



Gartenflora Dcut^ 



Die Eingebornen ncnnen dicsc von alien 
anderen Rhabarbor-Arten so abweichende 
Spczies Chuka und csson die St< 
deren Siiure sie lieben. Die jungcn Pilan- 
zen gingen leider wieder cin, so 
jetzt nocb keine. Pflanzc dicser A 
Europa befindlich ist. 

11) Nymphdea stcllata PL Eine mit 
N. cyanca und caeralca nah verwandfe 
Seerose aus Osiindien. Blatter herzfor- 
mig-kreisrund . am Grundc in 2 spitze 
leicht auseinandertretende Lappen ge- 
theilt. Der Rand ist ganz. Die Ober- 
seite der Blatter gesiittigt griin, die Un- 
terseite blasser mit 7—9 vortretenden 
Nerven. An der Stelle, wo sich der 
Blattstiel von der Blattflache scheidet, 
tritt regelmiissig auf der Oberseite an 
der kultivirten Pflanze ein Knospengc- 
bilde auf, welches, wenn das Blatt ge- 
trennt wird, bald eigne Wurzeln ent- 
wickelt und sich als selbststandige Pflanze 
zeigt. Bei den wild gesammelten Pflan- 
zen ward dies jedoch noch niclit beob- 
acbtet. Die azurblauen Blumen haltcn 
3 Zoll im Durchmesser und verbreiten 
einen der Narzisse iihnlichen Wohlge- 
ruch. Kelch 4bliittrig, mit lanzettlichen 
spitzenBlattchcn. Blumenbliitter 12—30, 
liinglich-linear, stuinpf. Narbe mit 12 — 13 
Stumpfen cinwails gekriimmten Narbcn. 
(Revue hort. Fig. 14. 1S55.) 

; 12) Passijlom Decaisniana. Dicse in 
unseren Garten bereits sebr verbrcitete 
Passiflora ist dureh Befruchtung der 
Pass, alata, befruchtet mit einer der Ver- 
wandten, gefallen. Das grosse schiine 
Blatt und sehr grosse Blumen mit blau 

Pflanze zu einer der sehonstcn dieser 
;ttung. 



c) Rhododendron von Assam und 

Thomas J. Booth, besehrieben 
von M. Thomas Nuttall. 

Die Erscheinung der von Mr. J. D. 
Hooker in den Bergen von Sikkim ent- 
deckten Rhododendron war fiir die Giirt- 
nerei cine grosse Begebenheit. Dem Ei- 
fer und der Ausdauer dieses gelehrten Rei- 
senden haben wir es zu verdanken, dass 
sic jetzt fast alio Burger unserer Ge- 
wachshauser, und cinige der Parks ia 
England geworden sind. Solange mau 
sic nur aus den Abbildungen kannte, 
wagte man nicht zu hoffen, sie je ganz 
zu besirzen. Jetzt herrscht kein Zweifel 
mohr, da die schbnsten, welche man 
wegen Hires epiphytischen Wuchses nicht 
kultiviren zu konnen glaubte , sehr gut 
in unseren Gewachshausern vegetiren, 
ja selbst einige schon bluhten. Bis jetzt 
haben wir meist nur noch ganz junge 
und kleine Pllanzcn, wir glauben aber, 
dass man sie bald in eigenen Gewachs- 
hiiusern ihre ganzc Schoflheit ent«rte|$ 
sehen wird. 

Nicht langc nach der Einfiihrung die- 
ser Sikkim Rhododendron lieferte ein 
andcrer Theil des Himalaya einen rei- 
Beitrag von Arten dieser schir 

)ie Beige von Assam und Bootan 
n in botanischer Hinsicht schon 
theilweise durchsucht von Hrn. GtW&t 
rarden es zum Vortheil fur unsere 
Garten von Herrn M. Th. J. Booth. 
Zahlreiche Rhododendron komnien 
in den Garten des Herrn Thorna* 
Nuttall und bald darauf in die Dorna^ 
do I horticulture commenante, wovon 
man die meistcn schon so gutkenntab 
ihre Nebenbuhlcr, die Sikkim Rhodo- 
dendron. 

Die Rhododendron von Hrn. ooo » 
weniger begiinstigt, konnten bis je 



II. Neue : 

noch nicht abgebildet werden , und kon- 
nen es nicht werden, bevor sie in Eu- 
ropa Blumen gezeigt haben werden. 

Da man keine Abbildung davon hat, 
so wird ihre technische Beschreibung, 
Auskunft iiber ihren Standort, ihre de- 
corative Beschaffenheit und derAusdauer 
in der Grafschaft Lancaster, wo mehrere 
davon den Winter von 1851 auf 1852, 
ohne Schaden ausgehalten haben, nicht 
ohne Interesse sein. 

Wir werden liier nur die Uebersctzung 
geben eines im Journal of Botany and 
Kewgarden miscellany ersehienenen Auf- 
satzes, verfasst von Herrn Thomas Nut- 
tall, Botaniker und Reisender, bekannt 
dureh seine interessanten Arbeiten iiber 
die Flora von Nord-Amerika. 
Aufzlihlung der Species: 

1. Abtheilung: Eigentliche Rhodo- 
dendron. Kelch sehr klein, manchmal 
Cesser cntwicke.lt, mit 5 Ziihnen oder 
Lappcn, Staubiaden gewbhnlich 10. 
N «be fadenfdrmig (?) und lcicht gc- 
lappt. Fruchtknoten und Samenkapsel 
fast immcr 5-facherig. Zu diescr 
G "'ppe kann man in ve.schie denen 
Untorabtheilungen die Species von Eu- 
ro P-i, Nordamenka, vom wcstlichen Asien 
*rt viele Specie, von Indien rechnen. 

* Blatter mit drusigen Schuppen 
versehen. Narbe meistens kopfformig, 
^uchtknotcn 5, selten 6-facherig. 
1) Rhod. Keysii Nutt. 

Fruticosum: foliis ovato - lanceolatis 
a ^ Utls 8 lab ris, subtus 
», floribus parvi.^ 
flori S', laciniis calvrini 
tns »usculi s mil 
mpnti 3 
''ndraceo-, 



• 



inis subaequalibns ob- 

; staminibus 10, fila- 

exsertis basi pilosis ; capsulis cy- 

5-locularibus; seminibus 



Vaterland: 



i des Bootan 8100— 



/u bermMeeresspiegel auf derSpitze 
(len Bergkkmmen dos Lablung-, 



erpflanzen. 147 

Ausdauernder Strauch von 2— 2%'. Mit 
Gaultheria, verkriippelten Taxus und ei- 

Species unserer epiphytischen Rho- 
dodendron, welche mit Rhod. camelliae- 
florum nahe verwandt ist, bildet erkleine 
Dickichte. Er wiichst in einer hbheren 
Region als Rhod. Hookcrii und Falco- 
ned. Die Blatter sind 3— 3 V lang und 
P'breit, lederartig und kahl, aufderobe- 
ren Seite mit kleinen braunen harzigen 
Schuppen bedeckt. Die Pflanze ist wohl- 
riechend und vollkommen ausdauernd in 
Lancashire, hat dort den Winter von 
1851 auf 1852 ausgehalten. In ihrer 
Heimath ist diese Pflanze oft 2— 2 1 /*' 
hoch mit Schnee bedeckt. Sie ist offen- 
bar mit Rhod. Roylei und cinnabarinum 
verwandt. 

2) Rhod. pumilum Nutt. 

Pruticosum : foliis ellipticis glabris 
apiculatis basicuneatis brevissimc petio- 
latis, subtus glaucis squamosis; corym- 
bis 7—10 floris, flovibus longissime pe- 
dunculitis; calycibus majusculis, laciniis 
ovalibus obtusis coriaceis, capsulis 6-lo- 
cularibus arcuatis; seminibus utrinque 
subulatis. 

Vaterland: Bootan zwi3chen€300 und 
7200' uberm Meeresspiegel , auf den 
Abhangen- der Berge von Oola und 
an den Randern der Schluchten. Er 
lebt, wic Rhod. Hookeri, in Gesellschaft 
einer Primula, fast in der gleichen Re- 
gion wie Rhod. Falconeri. 

Strauch alpin dunn, verzweigt, 1' 
4" 1' 8" gross. Ausgewachsenc Blat- 
ter 2 1 j i " lang, von festem, obwohl 
diinnem Gewebe , unterhalb blaugriin, 



men. Korolle unbekannt. Diese Pflanze 
ist eingeluhrt. 

3) Rhod. fonnosum, ^YalL 2 
Kleiner Strauch, ebenso gut epiphy- 
tisch als auf der Erde wachsend. ITat 



148 tarteD 

den gleichen Standort mit Rhod. Nut- 
latii und wachst auf grossen Waldbau- 
men und in den Siimpfen des Papoo. 
II. Section. Cleiodendron Nutt. 

Narbe kopfformig, ganz oder gelappt. 
Staubfaden 10. Fruchtkuoten 5 oder 6- 
facherig. Kelchzipfel gross. Blatter, jung 
oder ausgewachsen mehr oder weniger 
behaart oder sehiilfrig. Epiphytischc 
Baume oder Striiucber. 

4) Rhod. Nuttallii Booth. 

Arboreum: foliis maximis coriaeeis 
ovalibus utrinque obtusis apiculatis, sub- 
tiis valde relic ulatis fusco-squamosis ; 
floribus maximis; corymbis 4—6 floris; 
lobis calycinis crassiusculis oblongo-ova- 
libus obtusis; corolla subcampanulata ; 
staminibus 10 ; capsula 5-loculari, calyce 
persistente */ 3 tecta; seminibus pallidis, 
ovato-lanceolatis, lato-marginatis, margi- 
nibus erosis. 

Vaterland: Auf den Bergen vot, 
Duphla, in Mere Patar, nahe am Dorfe 
Scram, an den Ufern des Papoo. 3600 
— 4500' iiberm Meeresspiegel, in sum- 
pfigem Boden, vcrmischt mit Taxus und 
Eichcn wachsend. Baum 27' hoch, 
oder epiphytischer Strauch 10—11' 
gross; in lctztcrem Falle von weitliiu- 
figcm Wuchse und dicken knolligen 
Wurzeln. Blatt 4 1 /,— *%" lang und 
2—3" breit, schr i'est, und innerhalb 
mit sehr zahlreichen harzigen Schiipp- 
chen bcdeckt. Korolle weiss mit rosa 
carmin verwaschen, im Grunde ein we- 
nig gelb. 1st mit Rhod. Dalhousiac zu- 



rhomboi- 
»ine dense 

ciliatis, subtua squamosis; corymbis mul- 
tifields; calycibus foliaceis membranaceis, 
laciniis ovalibus obtusis glabris; capsulis 
ovalibus obtusis 5 — 6 locularibus ; semi- 
uihus *tibulatis iiumarginatis. 



der Schweix. 

Vaterland : Auf den Bergen von Ga- 
scherong in Bootan , 4500' uberm Mee- 
resspiegel. Parasit auf Eichen mit Thi- 
baudia und einer neuen bauraartigen 
Species von Hydrangea etc. 

Weitlaufiger Strauch von 4' 6" — 
5' 3" Hbhe. Blatter sehr dick und zahe 
3—4" lang, Vl % — 2" breit, auf der un- 
teren Seite mit kleinen braunen Schiil- 
fern ubersiiet, dem blossen Auge kaum 
erkennbar. Blumen unbekannt. Die- 
ses ist eine sehr schonc und ganz ei- 
genthiimlichc Species. Sie wachst nicht 
so lioch uberm Meeresspiegel wie die 
Arten vom Bootan, obschon der Ther- 
mometer bei Nacht oft bis zuro Ge- 
frierpunkte herabsinkt. In Bezug auf 
den Kelch uud andere Charaktere scheint 
diese Pflanze dem Rhod. Edgeworthii 
nahe verwandt zu sein. Blumen sind 
unbekannt. 

6) Rhod. Dalhousiae Hook. fil. 
Epiphytische Art, wachst auf der ■*; 

teren Bergkettc des Lablung mit folgen- 
der Species: 

7) Rhod. Edgeworthii Hook. f. 
Ebenfalls ein epiphytischer Strauch 

ist aber von dem Rhod. Edgeworthii, 
so wie Dr. Hooker es abgebildet, vw- 
schieden durch die zwei obern Kelchtbeile, 
die grosser und breiter sind. Da wir « 
Blumen nicht kennen, so kdnnen wr 
die Unterschiede, die sich vielleieM 
spater zeigen werden, noch nicht an- 

Diese zwei Species wachsen in einer 
Gegend, wo die Eichen gut gedeihen- 
Das Rhod. Edgeworthii bildet in derAb- 
theilung eine Unterabtheilung , charak 
teristisch, durch die deutlich gelapP 
Narbe und 6-facherige Fruchtkapsel. 
III. Section. Calodendron I** 

Narbe fadenrdrmig (?). Fruchtknoten 
6-10facherig. Kelch gewohnlich klei 



Meistens Baume Oder grosse Straucher, 
Bliithen in gedrangten Kopfen. 
8) Rhod. Windsor ii Nutt. 
Arboreum: foliis coriaceis, obovata- 
lanceolatis, acutis, in petiolum attenua- 
tis, glabris, subtus argonteis, demum 
rufescentibus; capitulis multifloris, brac- 
teis sericeis; calycis lobis brevissimis; 
corolla punicea, lobis emarginatis; sta- 
minibus 10; capsulis cylindraceo-oblon- 
gis glabris 10-locularibus; seminibus 
lanceolatis subulatis. 

Vatorland: in den Bergen von Boo- 
tan 6300-8100' iiberm Meeresspiegel; 
auf den Bergriicken und Abhangen des 
Boophryo, an freien und trocknen Stellen 
zwischen Pinus, Cupressus, Berberis etc. 
Kleiner Baum. Blatter derbe , 3-4 Zo 

g ' l, /» Zoll breit, stark genetzt, ai 
fa unteren Seite silberfarbig, wenn 8 
a 't werden , blassbraun, Blumenbu.-eh 
vielblumig. Blumenkrone dunklercarmo 
Sln als Rhod. arboreum, nut welcha 
p « viel Aehnlichkeit hat. Diese Art 1st 
^dcmRhod. roseum der Garten noch 
Mnhcher, von dem sie nur durch die Blat- 
J wd Farbe der Blumen verschieden 
■J Sehr veranderliche und haufig vor- 
^mmende Species. Blatter oft glanzond, 

mattgrun oder mehr oder weniger 



!L W ! 1Ch ' V ° n fast oval in lanzettlich 
odpr anzettlich-elliptisch abandernd. - 

I*"***, foliis elliptico-laneeola- 
tl8 -°Pacis, floribus albis. 

Diese Varietat (oder vielleicht Art) 
.hi , ..? Ch aUS dur ^ «eine lanzettli- 



F betff ***** sind 5 
^mnderZeitsichin's bias 

u B ^Vari,ta t 



elche 
blassbraune 
bestandig weiss. sehrieb 
'beinen in Lancas- sammel 



149 

zen den Winter von 1852 auf 1853 im 
Freien gut ausgehalten. 

y an<'/K$Hfolii<m; foliis lanceolatis utrin- 
que acuminatis, junioribus pubescentibus. 
1st wahrscheinlich einc eigene Spe- 
cies. Zu dieser Section gehoren eben- 
falls Rhod. fulgens, Wightii, niveura, 
arboreum, nilagiricum, Campbelliae und 

9) Rhod. Kendrickii Nutt. in Ann. and 
Mag. of Nat. Hist. vol. XII. Nr. 67. p. 10. 
Frutex ramosus; foliis obloDgo-lan- 
ceolatis acuminatis, glabris, concolori- 
bus, margine leviter undulatis, juniori- 
bus pubescentibus; corymbis multifloris; 
laciniis calycinis minutis acuminatis; 
staminibus 10? filamentis glabris; cap- 
sulis arcuatis|, glabris, 6-locularibus ; 
seminibus lanceolatis, utrinque acutis. 

Vaterland: Berge des Bootan, 6300' 
iiberm Meeresspiegel. Lebt in Gesell- 
schaft mit Rhod. Edgcworthii , hat einen 
niederen Standort als Rhod. Hookeri und 
eximium, aber einen hbheren als Rhod. 
Windsorii. Lebt zwischenPinus und Taxus. 
Diese schone, in mancher Hinsicht mit 
Rhod. arboreum verwandte Species bil- 
det wie Rhod. ponticum hohe Dickichte, 
durch welche der Reisende sich kaum 
einen Durchgang verschaffen kann. Blat- 
ter 3 — 5" lang und kaum mehr als 1" 
breit, am Rande in kleine Falten ge- 
legt. Im erwachsenen Zustande kahl 
und grun auf beiden Seiten. Die jun- 
gen Blatter sind mehr oder weniger mit 
klebrigen und rbthlichen Wolle 
bekleidet. Blumen gross und dunkel- 
Diese Pflanze ist in England aus- 
dauernd. Sie wachst im Vaterlande mit 
Pinus excelsa und verschiedenen Spe- 
hen, die noch nicht be- 
I. Sie wurde zuerst ge- 
Griffith in Bootan. 



sein. Wenigstens hat IV. Section. Eurhodium Nutt. 

f - jungen Samenpflan- J Kelch glockenfbrmig , gross, gefarbt, 



150 

und nicht sehr deutlich gelappt. Staub- 
faden 10. Narbc fadenformig. Frucht- 
kapsel konisch-eiformig , 6 — 8-iacherig. 
Blumen sehr ansehnlich, in Doldentrau- 
ben gestellt. 

10) Shod. Hookeri Nutt. 
Fruticosum, erectum: foliis coriaceis 

glaberrimis rigidis oblongo-ovalibus ob- 
tusis, longe petiolatis, basi rotundatis, 
subtua glaucescentibus pinnatim nervo- 
sis ; nervis furfuraceo - pubcscentibus ; 
corymbis multifloris; calyce amplo cam- 
panulato , obsolete et inaequaliter lobato ; 
corolla campanulata, lobis emarginatis; 
8taminibus 10; eapsula cylindraceo-ovata 
glabra 7 — 8-loculari; seminibus lanceo- 
latis marginatis , apiee laceratis. 

Vaterland: Bootan, bildet mit Rhod. 
eximium kleine Dickichte auf dera Berge 
Oola an dem westlichen Abhang des 
Engpasses des Lablung, wachst mit Pi- 
nus excelsa gemeinschaftlich. Zu der 
Zeit, wo diese Pflanze gesammelt wurde, 
(20. December) gab cs starke und an- 
baltende Frbste und Schnee. 7200— 
8100' iibcrm Meeresspiegel. Aufrechtcr 
Strauch 28' 8" — 30' 6" hoch, mit 
einem Stamm von 2 J / a — 3 1 / a "Durchmes- 
ser. Blatter dick und lederartig , auf der 
unteren Seite blaugrun , und zierlich ge- 
nervt. Diese Species ist sehr charak- 
teristisch, obschon sie mit Rhod. Thom- 
soni nahe verwandt ist. Sie ist dem Dr. 
J. Dalton Hooker, dem Entdecker der 
Sikkim Rhododendron zu Ehren be- 
nannt worden. 

11) Rhod. Shepherdii Nutt. 
Fruticosum: foliis coriaceis oblongo- 

ellipticis acutis glabris, subtus coneolo- 
ribus, basi rotundatis leviter pinnatim 
nervosis, brevi - petiolatis ; calyce? co- 
rolla? 

Vaterland: Bootan, mit Rhod. exi- 
mium auf den Oola-Bergcn. Junge 
Blatter auf der unteren Seite dunkel- 



purpur. Knospen kegelfdrmig, spitzig, 
sehr kahl, mit griinen ausgedehnten 
ovalen Schuppen. 

I. Section. Liriothamnus Nutt, 
Kelch lederig, ausgebreitet, zirkelrund 
oder langlieh, kaum gelappt. Korolle 
fast regelmassig; Rand ausgebreitet. 
Staubfaden -12 — 18 stehon in einem 
Kreise. Narbe kopfformig. Fruchtcapsel 
nngofahr 12-facherig.— Grosser Strauch, 
Blatter, wenn sie alter werden kahl, 
Blumen nicht zahlreich, gross und weiss. 

12) Rhod. AucMandii? Hook. /?/. 
Oder viellcicht Rhod. Griffithii, Hook. 

fil. Kelch fast kreisformig. Blumen un- 
bekannt. Grosser sparriger 8—10' ho- 
lier Strauch. Wachst an Abhangen der 
Berge von Oola; 7200' uberm Meeres- 
spiegel. Samenpflanzen scheinen mehrere 
Abarten dieser Species anzuzeigen. 

VI. Section. Sarcodendron. 
Kelch fiinflappig, mehr oderweniger 
lederig oder hautig. Korolle mit fast 
gleichen und regelmassigen Lappen. 
Staubfaden 16—20. Narbe kopfformig. 
Fruchtknoten 5 — 10-facherig. Frucht- 
kapsel kegelformig , Baume mit kahlen 
und fleischigen Blattcrn. Blatter und 
Zweige mehr oder weniger mit driisi- 
gen, am Randc strahlformig ausgezack- 
ten Schuppen bekleidct. Wenige oder 
einzeln stehende Bluthen. 

Trichterformige Blumen: 

13) Rhod Jenklnsii Nutt. 
Fruticosum: foliis brevi - petiolatis. 

oblongo-lanceolatis, acutis, basi cunea- 
tis, subtus glaucis dense squamous; co- 
rymbis 4—6 floris; calycis laciniis bre- 
vibus, lobis subaequalibns, rotundatis, 
obtusis; stylo longissimo; capsulw <■}' 
lindraceo-ovatis, IO-l'ocularibus; semini- 
bus lanceolatis, acuminatis, emarginatis, 
basi obliquis. 

fi. aciphyllum; foliis oblongo-la"- 



II. Neue Zierpflanzf 



l.-.i 



ceolatis subacuminatis , angustatis, basi 
cuneatis. 

y. platyphyllum; foliis oblongo- 
. ', in.-; j'lanK < ' .• - -culis; basi rotun- 
datis. 

d. undu latum; foliis oblongo-lan- 
crulatis, cuneatis. undulatis, acutiusculis. 

Diese Varietiiten sind vermischt mit 
der Stammform. 

Vaterland: Bootan, auf den sudlichen 
Abhangen der Borge von Oola 5400 — 
6300' iibprm fttecresspiegel. In einer we- 
nighoheren Region alsRhod. Aucklandii. 
Zerstreut und nicht massenliaft vorkom- 
mend. Wie esscheint, ziemlieh selten an 
(iiosen Stollen , wo es mit Pinus excelsa 
v.achst.. Schiincr Strauch, 5' 4"— 6' 3" 
hocli. Rindc der alteren Aeste weisslich 
undgllinzcnd, Rinde der jungen Zweige 
lebhaft roth. — Blatter derbe , auf der 
nnteron Seite zucrst blanliehgran, dann 
durt-h die harzigen Schuppen braun. BIu- 
nienbufet-hol m it 4-6oder oft mchrBlu- 
wn.Korolle unbekannt. Zu erst gcsammelt 
«a Griffith auf den Bergen von Kha-\a. 
km Hm. Jenkins, Offizier in der ost- 
'"'^Ik'ii Ciinipagnic, weleher sieh urn 
& Botanik in Indien grouse Verdienstc 
^worbcn bat, zu Ebren benannt 

H) Rhod, calopyllum JSutt. 
ftuticosum: foliis brcvi petiolatis, ob- 
'wgo-ovatis, subellipticis, acutis basi sub- 
rotundia, subtus glaucis squamosis : corvm- 
^ 4-5floris; calycis laciniis brevibus, 
ubaequalibus obtusis ; capsulis cy- 
obtusis 10-locularibus. 
in Z! rlaml: Bootan wleRh. JeaHnrff, 
" "i vielleicbt nicht gcnug un- 
geachtet sie dcm Anschein 
(, rschieden sind. Blumen unbc- 



'indraceo-ova 






Fruticosum : foliis ovalibus, utrinque 
obtusis, glabris, apiculatis. bre\issiuie 
petiolatis, subtus dense squamosis; flo- 
ribus subsolitariis ; ealycibus majus- 
culis; laciniis oblongo-ovalibus margine 
nipinbranaeeis; capsulis ovatis, 5 — 8-lo- 
cularibus; seminibus lanccolatis, acumi- 

Vaterland: Bootan, wachst in Gc- 
sellschaft mit Rhod. Keysii, mit wel- 
chem es in gleicher Hbhe vorkommt. 
Strauch 2'— 3' hoch. Zweige ausge- 
spreizt, klebrig im jungen Zustand. Blat- 
ter liinglich, manchmal liinglich rund, 
2 Viang, V/ 2 " breit; auf der unteren 
Seitc mit braunen Schuppen bekleidet, 
Blumen unbekannt. Vielleicht ist diesc 
Pflanze, wie Dr. Hooker es glaubt, nichts 
ar.ders als cine Varietat von Rhod. ca- 
melliaeflorum. 

16) Rhod. catwJUaepnrum Ilooli. fil 

Irgend cine Varietat von dieser Species 
ist vom M. Booth gefunden worden; sie 
wachst als Epiphyte im Thai des Lablung. 

Wir bcsitzen lebonde Pilanzen von die- 
ser Species, von weleher die Blumen uns 
unbekannt sind. Eine zvveite Varietat, eben- 
Falls lebend, hat fast ebenso starke Sten- 
gel und Blatter als Rhod. Jenkinsii, hat 
aber keine purpurfarbigen Zweige wie 

17) Rhod. lucidum Nutt. 

Fruticosum: foliis brevi- petiolatis, 
oblongo-lanceolatis acutis nitidis basi 
tis, subtus glaucis squamulosis; 
floribus subsolitariis; calycis laciniis ma- 
jusculis oblongo- ovalibus obtusis, gla- 
bris ; capsulis ovatis acutis 5-8-locularibus. 

Vaterland: Auf den Bergen desBoo- 

, jenseits des Bhorelli, wachst ge- 
meinscliaftlich mit Pinus und anderen 

? en den Frost dieser hoheren Regio- 

i unempfindlichen Pflanzen. 

Seltener Strauch, durch die Blat- 

kaum von Rhod. Jenkinsii verschieden, 



152 

aber sehr deutlich, von dieser Species ge- 
trennt durch den Bliithen stand, welcher 
eher an den des Rhod. camelliaeilorum 
erinnert. Bluraen unbekannt. — Zu 
der ersten Abtheilung dieser Gruppe 
zahlen wir ebenfalls das Rhod. Maddeni. 
VII. Section. Sciadendron , Nutt. 

Kelch wenig sichtbar und gekerbt. 
Korolle glockenfbrmig mit in 8 — 10 Lap- 
pen ausgezacktem Saume. StaubfHden 
12—18 (selten 10). Narbe kopffbrmig 
und gelappt. Fruchtkapsel 12 — 18-fache- 
rig. Samen mit erweitertem Rande. Schat- 
tengebende Baume, Blatter von unge- 
wohnlicher Grbsse. Blumen in grossen 
Buscheln, weiss oder lila-purpur. 
18) Rhod. eximium Nutt. 

Arboreum: foliis maximis, coriaceis, 
obovalibus, obtnsis, basi rotundatis, de- 
mum glabris reticulatis, subtus ferrugi- 
neo-lanatis;corymbis mnltitloris (12—18) 
subracemosis ; pedunculis elongatis; flo- 

bus obsoletis crenatis; corolla 10 lo- 
bata; staminibus.. .? capsulis viscosis, 
oblongo-cylindraceis, obtusis, 12 — 10 lo- 
cularibus; seminibus subellipticis , lato- 
marginatis, erosis. 

Vaterland: Walder des Bootan, auf 
den felsigen Bergriicken der Berge von 
Oola 9000—9900' uberra Meeresspiegel. 
Zwischen Schnee und Eis wachsend. 
Wird oft ein priichtiger Baum mit dich- 
tem Schatten; bildet oft Dickichte, oft 
einzeln oder zerstreut. 

Blatter an den Spitzen der Zweige, 
langlichrund oder oboval . . . 9—15" 
lang, 5— 6V 2 " breit, die jungen Blat- 
ter mit einem wollichten, dichten, rost- 
farbigen Filz auf beiden Seiten beklei- 
det, welcher auf der unteren Seite bleibt, 
wenn sie alter werden. Bluthenknospen 
von der Grbsse eines Apfels, mit rost- 
farbigen lang zugespitzten Schuppen. 

Achse der Blumenbuschel verliingert. 



12—18 Blumen in einem Buschel, sehr 
gross. Sir William Hooker hielt sie wahr- 
scheinlich fiir eine blosse Abart von Rhod. 
Falconeri, von welcher sie verschieden zu 
sein scheint , durch die mit weniger Blu- 
men garnirten Blumenbuschel, durch die 
langeren und wolligercn Blatter und 
durch die Fruchtkapsel, die weniger Ab- 
theilungen hat. 

Dieses ist fast der schbnste Baum 
vom ganzen Geschlecht. 

19) Rhod. venosum Nutt. 
Arboreum: foliis elliptico-ovatia sub- 

dilatatis, basi rotundatis angustioribu?, 
pulverulentis, demum subglabris, subtus 
albis , reticulatis, adpresso - tomentosis, 

Vaterland: Walder der Berge des 
Bootan, jenseits des Flussthales des 
Bhorelli. Wie es scheint baumartig. 
Blumen unbekannt. Diese Species scheint 
an verse hie denen Orten gekeimt zu ha- 
ben aus Samen, die von Dr. Hooker 
unter dem Namen Rhod. Falconeri aus- 
getheilt wurden. 

20) Rhod. planifolium Nutt. 
Arboreum: foliis amplis, elliptico- 

ovatis acutis, basi rotundatis, planis. 
pulverulentis, pinnatim-nervosis, reticu- 
latis, subtus subferrugineis , tomento in- 

Vaterland: Berge des Bootan. Ehe- 
mals von Griffith, in Yalloong im gW- 
chen Districte, 9000' iiberm Meeresspie- 
gel, gefunden.— Wir kennen von dieser 
Species nur eine lebende Pflanze und 
ein von Griffith gesammeltes schlechtes 
Exemplar. — Dieses ist wahrscheinlicb 
ein Baum, wie der vorhergehende , mit 
welchem er sehr viel Aehnlichkeit hat. 

21) Rhod. lonqifoHum Nutt. 

Arboreum: foliis amplis praelongis, 

obovato-lanceolatis , in petiolum cras- 

sum attenuatis, planis, demum gjaber- 

rimis, subtus nitidis argenteis, reticula- 



tis, costatis; bracteis sericeis; pedi 
lis brevibus ; calycibus obsoletis brevis- 
simelobatis, corolla...? capsulis maxi- 
mis, oblongo-ovalibus , basi obliquis, 
glabriusculis, transversim rugosis, sub- 
sedecim-locularibus , seminibus ovalibus, 
lato-marginatis , erosis. 

Vaterland: Walder des Bootan, an 
den Abhangen dcr Berge von Oola, 

6040— 6840' uberm Meeresspiegel. 

Baum ungcfahr 27' hoch. Blatter 6'/ a — 
12"lang, 1 »/»-*/," brdt in der Mitte. 
Zuerstwollig, naher fast kahl und auf 
der unteron Seite silberfarbig. Diese 
Species ist vielleicht von Rhod. argen- 
teum Hook. fil. , nicht genug verschie- 
"«"• Blnme unbekannr, wahrseheinlich 
gross. — Wie es scheint, wird diese 
Manze in England ausdauern. Die aus- 
jewichMnen Blatter sind denen der 
Magnolia Umbrella ahnlich. 
22) Shod. Blumei Nutt. 
Arborcum? ( y lis oblong© - ellipticis, 
*«w, basi rotundatis, subsinuatis, gla- 
05 » subtus penninerviis, argenteo-to- 



mentosis, niveis, longe petiolatis, ju- 
nioribus puberulis, calyce ... corolla... 

Vaterland : Bootan, auf den Bergen, 
jenseits des Flusses Bhorelli. — Wurde 
schon friiher von Griffith entdeckt und 
steht dem Rhod. longifolium sehr nahe. 
Blatter 4— 5" lang, iV'brcit, nur wenn 
sie jung sind, schwach wollig. Von die- 
ser Species kennt man weder die Blu- 
men noch die Friichte, aber man ver- 
muthet, dass sie dencn des Rhodend. 
Hodgsoni gleichen. 

M. Booth konnte sich nur ein le- 
bendes Exemplar von dicser Species 
verschaffen. an der er weder Blumen 
noch Samen gefunden hat. Es scheinen 
einigc Pflanzen dicser Species von Sa- 
men der Rhod. longifolium gekeimt zu 

Wir haben diese Species zu Ehren 

des beriihmten Prof Blume, demVerfasser 

gezcichneter Werke iibcr die asiati- 



•JL t bUbSChen N0vit5t ' ■» d " ™ 

^ ke L r- ifflM5rzheftbekannt ^-H 

^lorH^ Hmn Professor Schenk, 
K \ , b0lanis ^en Gartens in Wfl.2- 

■*.i.£r^ iMMrt - ,ch: -»■•■«*■ 

»« dem Ba WU ' dC V ° n mir iffi Jahre 1852 

blabte in m aDnate m Samen mit g ebr acht und 

m er stenma! im Sommer 18^1 <;;« 

ulichen Reif der 

sogleich von den ver- 

e ° Ar,ik «l Ver VePetunien in, Marz- 
inTi!! n i en Wlr deren C «l'iva<eur, Herm 
* ° *"««*• (H. L| 



"nd Blatter 



2) Dittmar. Das im vorigen Jahrgang 
160 envahnfe Hans, Gebriider Dittmar in 
ilbronn , hat fur seine ausgezeichneten Gar- 
werkzeuge auch an der Pariser-Ausstel- 
g Anerkennung gefunden, iudem demsel- 
i ein Preis zuerkannt worden ist. 



::, zu 



ops-F. 



[leu vpn Triticutn vulgare 
len geernteten Samen lie- 
Bastard , der dem A. tri- 



Gartenflora Deutseblands and 



rata 9 Exemplar* 

nen noch ganz n< 
3) Vier Aehren 

...dr., 22 Exempli 



e Kastration ausge- 
ruchtung mit Poller 

1 Etemplare von A 



garten. 

ie Priestcr, ungewel-mter Weise von 

schlichter und einfacber Sianesarl, laden uns 
Pflanzenkost Buddha's ein. In ihren 

Pagoden haben sie imrner ein Malil fur dea 
ungrigen Reisenden in Bercitsckaft , so^ie 
ine Herberge und ilberhaupt gleicbcn sie ei- 

„igou MSnchsorden des Christenthums an Bet- 

telhaftigkeit und Aberglauben vie an Mild- 
liitlgkeit. V. ii" indesscn sind nirht hungng 
ml kaiuea bloss hieiher, uin die Theepflan« 

un heraus. Sie' bestehen aus kleinen Pacht- 
tttchen, welche an den untcren Partieen der 

.Uiii-Te lichen. Der Erdbodon i*t fruchtbar; 
r ,nu.-. es sein. sons* konnte die Thecpflanxe 
5D icbt aushalten, so oft ihrer Blatt.-r be- 
lubt zu werden. Natiirlich aber todtet die- 
er Gebrauch die Theepflanze fruher oder 
pater. JedcPflanzeistehva 4 Fuss von .li- 
en Nacbbam eutfernt, und die PfUniungei 
ehen wie Gebuschanlagen au^. Die kemen 



jedo 






und Kupfergeschirr befestigt hat, welche wo 
Trocknen des Thees dienen. In der aussere 



Thuren gleich Patriarchen, Ehrerbietong «r- 
xva. tend und empfangeud. Juoge Manner nut 
Ballen auf ihren Schultern gehen for*, » D ' 
dere kebrtti zuriick mit Scbnfiren von a°- 
pfergeld. Die Kaupttheeerndte ist voruber, 
und die Kaufleute sind nunmehr nach « 
kleinen Wirthshausern derGegcnd gekommco, 
urn von jedeui Theebauer seinen Bnrag «« 
.uh.nd.ln. Es giht namlich drei Theeernd.en 
(teamaking season,). We •«'• *^iEj 
gerade vor der Regenzeit. In dieser 
werden die ersten Fruhlingsblalter gepflM* 



senste Produkt 



, da« 



Allein die Weg- 

<-*»*" "HZ. 



Nun kommt die Regenzeit; der T^ 63 '^ 

,-. Lf'die T^eepTaniagr'-ieTer veil ■«*£ 
tfnjgei bei eincm Fichtengeholz Laubes. Dieses gibt die 2. Saison, ^ 
schreiten auf einen Buddhateuipel I Erndte, die sogenanute grosse. SpaW 



ich eine Einsararalung vorgenomuoen; j 
8 groben Blatter, welche diese Ernte li 
ben einen Thee von geringerer Giite 



nen , es gleichwohl zwei Theepflai 
Hejenige Pflanze, welche in Kai 
(ler Producirung von schwarze 

bekannt ist, ist von der Thea 
nieden, welche hier in Shangae 
. (Schluss folgt.) 

n wir die hiibsche Idee, welche 
dung zu Grunde liegt, imrner 
a fassen und gerne bericbten wir 



- - u US ,. r er seitscnnft uber die Erfolge 
M liesem Gebiete. Zu diesem Behufe thei- 
wir aus emein'englischen Orginale (Hou- 
eold Words vol. V. pa,. 114) Folgendes 
■' • Blumen vor des armen Mannes Thiire 
«* andere Zeichen von einer Liebe zur Na- 
Ikeit 8tCtS berCdte ZCUgen V ° D FleiSS ' S P ar " 
S^en^VenTu ^ h,en GeSCh ' naCke am 

MPr C V -r **& ^ a «SgeZ C ich- 

^Scbnft S teller,„ e i„stGckBodenaufge. 
Wseben fflrein Rosenl.au.nchen odcr eine 

«Crt r »r FMer '. s h ° hiua 

******* kJTL'^JZ 

" B oaisblatt rankt, so durfen " • h 
'offel„n,i e L. U !! e . Selbst *«"«*«» eine Kar- 



*A Thl Zufriedenlleit -" Diejenigen, wel- 
A ^e D Q T daranfinden ' dieLa S eder 



'Cl^^---ev 



unter der armen Bevolkerung anver- 
1 es zogen dieselben aus diesen Ka- 
t nur die hochste Befriedigung, son- 
h einen erkleklichen Gewinn. Sie 



Hausbedarf. Ein "Ward'scher Hasten, aus 
dein einfachsten Material konstruirt, kaun nicht 
hoher als 5—10 Frauken konimen, und ein 
arroer Ma n wiirde , schon voiu blossen prak- 



a oft von t 


iner tiefen Liebe 


zur Natur 


ungen sind 


und das reinste Vergntigen 




igutig mit der 


Natur und 




| ihrer ewigen 


Schonheit 


Tag legen 


kann man aus 


folgeudeui 




en Herr Ward 




erker in Br 


stol erhalten hat 




Ic 


i habe mit grosser Freude 






tla- VTach^hum von Pflanzen in 
jssenden Glaskasten. Von H. B. 
the growth of Plants in closely- 



Garten flora Deutsehlands und der Schweiz. 



enBackerei Strom t eine Masse 
desshalb auf's vollstandigste 
, wenn ich die Luft des Hof- 
Ichem ich wohne, zulassen 
genwartiges „Grunhaus" bald 
„Schwarzbause*' wtirde. Soil- 



Lust, etwas Griines zu kultiviren und ich er- 

eine gegeD eine Mauer gezogene Reihe Huh- 
nerdarm fur mich ein ebenso grosses Gluck 
war, als eine neue Fuchsia oder Camellie dem 
Amateur, und in welcber ich mich fur ein 
Giirtnergenie hielt, als ich einen Streifen Bo- 
den, 18' lang und 10' breit, mit Gerste an- 
gesaet und ein schones grunes Beet erhalten 

sagcn, das,s ich mich lhnen ausnehmend fur 
den Genuss verpflichtet fiihle, den mir Ihr 



schwach an Leib und Seele, dann begriisst 


Will man die Schrift kassiren, so kocht 


mich mein kleines Treibhaus mit einem so 


man die Tiifelchen mit schwacher Lauge und 


lichten, freundlichen Griine, dass ich mich 


reibt sie mit Putzpulvcr ab, wovon auf Ver- 


eines tiSslenden Einflusses nicht erwehren 


langen ein Paquet beigepackt wird, das man 


kann und ich mich durch die Erfrischung 


auch zum Stahl- und Messingputzen verwen- 


meines GemiUhes mehr als belohnt fiihle fur 


den kann. Diese Tafelchen sind stets in ge- 
eigneter Grosse vorhanden , und kostet dtf 


die Muhe, welche ich auf die Pflege meines 


Fenstergartchens verwandt. (H. L.) 


Dutzend nebst viel Schreibmasse und Embal- 


6) Fiir botanische und Blumen- 


lage einen Gulden ; das grosse Paquet Puto- 


gartner. Von Dr. Waltl in Passau. - 


pulver_18 Kreuzer. Um Zahlungen, die franco 
erbeten werden, auszugleichen , wird &ucD 


Es ist eine fatale Sache , wenn man den Na- 


men eines interessanten Gewachses, das uns 




durch die Schonheit seiner BlQthen entzuckt, 


grosserer Parthieen wird angemessener Rabatt 


Oder durch das feine Aroma derselben den 


bewilligt. 


Geruchssinn erquickt. oder durch der feinen 


Wir sind von fierrn Waltl selbst um Aw- 


Geschmack seiner FruchJe das Leben versusst, 


nahme vorstehender Empfeblung gebetenwor* 
den. Zur Zeit mangelt uns noch eigene Er- 


entwcder vergisst oder verliert , oder auf ir- 


gend eine Art darum kommt. Der Gartner so- 

WOhl als der l)iI P H»nt b*». J„.„ *-., • 


fahruug uber den Werth der neu empfohlen" 



Sameu, Knollen u. s, w., 



baufigste ist gewohnlich das 



Unleserlichwer- 



farbe oder Asphaltlack schreibt. DasHolzwi 
durch den Einfluss der Witterung stets a 
der Oberflache grau, faserig, morsch od 

angestrichen ist, nicht dauerhaft, auch d 
Schreiben darauf schwer ausfuhrbar. Schrei 
man mit schwarzer Asphaltlack auf Weis 
blech , so dauert es wohl langer, allein d 
Rost zerstort nach und nach auch das Ble 
und der Name wird unlesorlich. Ich hal 
daher von einer geeigneten Metallcomposhi 



Erfahrung, dass die zum Pfropf» 
ie eeeieneteZeit, gemeiniglichTi- 



im Fruhling geeignete Zeit, gemeii 
streicht, bevor es moglich if 
iieser Hinsicht zu tbun ist, 



n tod Birnen mit, die er in den ersten 
gen des Juni mit so gutem Erfolge anwen- 
te, dass von 31 Veredlungen 28 annahmen 
1 noch im gleichen Jahre Triebe von l»/ 3 
85 - 2% Fuss LSnge lieferten. Er wahlte 
Edelreiser die »/j Fnss langen jungen 



delreis unten schief abgeschnitten und 
wie beim Oculiren unter die Rinde ein- 
iben ward. Kachdem dasselbe befestigt, 
es mit einem ober- und unterbalb befe- 
i Papier umhiillt, welches jedoch nach 



aetnode. ~ Wir batten so nach eine leichte 
and sichere neue Methode der Veredluug mit 
hautigen Trieben im freien Lande, durch wel- 
kin Jahr Zeit, gegeniiber de'm Okuliren 
Wa sc Wafende Auge genommen wird. 

(Journal d'hort. pratique.) 
8 )Dung gusafur Orchideen. Guano- 
J". g«borig nat Wasscr verdunnt, alle 2 
, en aIs Duogguss fur die Orchideen ver- 
« ' et zeigte nach den von der Gartenbau- 
***** *u Cbiswick .emachten Versu- 



WaJT sehr 8 flns,i ^n 1 

w achsthuiu. Auch von nn . 



tenr.^ f 0n wied erho!t mit Vortheil 

^det numehmemansichinAcht, des 
7 ZU ™1 *u tbun. - 

w 9 )Ver me hrung der Rose d h 
C! 3tfl : ke - r »^ wahle mangle 

^r em T starkstenwurzeiQ ' wei ^»an 

^^1 "^ V ° n wur ^chten Landro- 
fihr ./ p aUn - Diese we ^en zu unge- 
and auf „ IaDgCD Stflcken "rschnitten 
Uod e w j " 8 ° nst1 ^ g el egenes Beet im freien 
»» Manorl 6 !' L B ' 8Uf ein Beet > w ° Spaliere 
*«*C2 I hen etc - ausgelegt. Man deckt 
C I " ^ Vl Z ° U h ° Cb mit einer gut 
4tfl *» und k WelChe man vorsichti g fes * 
2 °U n<L r gt darul >er noch eine 2-3 



1 Wuneln jede . 



ie zu zeigen beginnen. Auch zum Ver- 
anderer fiosen kann man Wurzeln be- 
n , indem man die Wurzelstiicke pflanzt, 
der Erde veredelt, dann die Veredlungs- 
unter die Erde bringt und hier auf die 
Bredelten Pflanzen in ein warmes Beet 
abt. (J. d'hort. pratique.) 

}) Cultur des Gynerium argen- 
q in Berlin. Diese in neuester Zeit als 



uter einer trocknen Bedeckung halt es un- 
re Winter gut aus. Die beim Hrn. flanel 
uhende Pflanze ward 6 Fuss noch und be- 
hrieb mit seinen leichten Blatthalmen einen 
reis von 28 Fuss. (Allg. Grtztg ) 






dem Tode der Besitzerin le 

Herbste zur Versteigerung 

tiges Saccolabiuui guttatum 
Phalaenopsis amabilis mit 



Nymphaea gigantea blu 


hete im 


Wasser- 




Herrn. G. Geitne 


zu Planitz bei 


Zwickau. 


Die erste Blume 


offuete 


sich den 


16. Sept. 


und stieg 8 Zoll 


iber da 


Wasser 


einpor. Die 4 ausseien Kelch 




ind hell- 



schonster dunkelveilchenblauer Farbung, nur 
nach innen etwas lichter. Die grosse Masse 
der Staubfaden ist gelb. Die Farbung der 

Flore des serres, dagegen ist die Blume kleiner. 
13) Collodium bei der S tecklings- 
k u 1 1 u r. Herr Adrokat Schwann in Meck- 
lenburg hat sebr gute Resultate unter der An- 



Gartenflora Deutschlands und der ! 



Schnittflacbe des Stecklings nur mi* Collo- 


Botanischen Zeitung gehoren zur Gattung 


dium betupft ward. Derselbe schreibt das un- 


Astilbe, welche von D. Don aufgestellt 


giinstigo Resultat unserer Versuche dem Ein- 


ward, A. Aruncus Trev, A. decandra 


tauchen des Stecklings in Collodium zu. 


D. Don und A. rivularis D. Don. DieA, 


(Deutsches Magazin.) 


Aruncus ist die in Deutschland wild wach- 


Wir geben gern zu , dass beim blossen 


sende Spiraea Aruncus von der A. Humbold- 


Betupfen °der Schnittfliiche bessere Rcsultate 


tii der Garten eine Form mit nur weiblichen 


erzielt werden , trotz dem glauben wir, dass 


Blumen ist. A. decandra kommt in denYer- 


bei rationeller Bchandlung des Stecklings, das 


eiuigten Nordamerikas in Carolina uud Geor- 


Nichtbetupfen vorzuzieben sei. Von lOOFuch- 


gien wild vor und ward von Ventenat als 


sien Stecklingen blieben Hr. S. keine 4 aus; 


Tiarella biternata beschriebcn. Die A. rivula- 


jeder StecklingszQchter weiss aber, dass von 


ris ist in Nepal wild, 'und ist in den Garten 


diesen Pilanzen uberhaupt jeder richtig ge- 


als Hoteia japonica Morr. allgemem veibreitet. 


wiihlte und gepflegte Steckling wachst. 


Zur gleichen Art gehort aber auch noch Spi- 


(E. R) 


raea barbata Wall , welche aut Tafel 2011 


14) Der Garten zu Kew. Im vergan- 


im Botanical.Registcr abgebildet ist. — 


goneu Jahre ward ein neues Gevvachshaus fur 


Der Charakter dieser Gattung besteht in 


die Satnmlung der Alois und Agaveu gebaut. 


Folgendem : 5 Kelchlappen. 5 Blumenblatter. 


In das frlihere Orchideenhaus kamen die Far- 


10 Staubfaden. 3 Pistille. Kapseln duicli Ab- 


ren und fttr die Orchideen ward ein neues 


ortus nur 2— 3samig. Samen eiweisshaltig.- 


200 Fuss langes und 26 Fuss tiefej Gewachs- 


Perennirende Pilanzen mit einfachem Stengel, 




zusammei.gesetzteu Blattern, gesagten Blatt- 


mit dunkel geschliffenem Glase bedeckt ist. 


chen. Bluthentrauben in Rispen. Wegen der 


Ausserdem ward ein neues Museum ge- 


eiwcisshaltigen Samen gehort diese Gattung 


baut, zu dem bedeutende Summen verwilliget 


nicht zu den Spiraeaceen sondern zu den Sa- 


wurden. — 


lifrageen. — 


attung Astilbe. Noch emer 





ung des Hrn. L. I . Trevir 



IV. Literatur. 



1) E. Kegel, all gemeines Garten- 


und zwar oft interessantesten Fragen desTa- 


buch. 1. Theil, die Pflanze und ihr Leben 


ges zu eiuer festen Ueberzeugung oder der- 


in ibrer Beziehung zum Gartenbaue. Zurich 


jenigen Klarheit zu kommeni welche zur ei 


bei Fr. Schulthess. — 


fachsten und richtigstcn Darstellung nothwea- 


Wenn ein Verfasser sein eignes Werk 


dig. Eine nicht minder gefahrliche KlipP* 


anzeigt, so kann dies selbstverstandlich nicht 


an welcher der unbefangenste Darsteller ge« 


deshalb geschehen , urn dasselbe zu loben. 


scheitert, ist die, dass er bei noch unent- 


Wer je sich an die Arbeit gcmacht hat , ein 


schiedenen Fragen fur die eine oder afldeM 


allgemeiues Werk zu schreiben, das auf wis- 




senschaftlicher Basis ruhen soil , der weiss, 


allgemeiues Werk es sich doch zum W 
satz machen muss, den uupaithenschenStaa • 


dass der ernste Wille, nur Wahrheit und 


leberzcuffungden Lesern zu geben, nicht gc- 




nugt. Ba komuit hier eine solche Zahl von 


Nach diesen 'allgemeinen BemerkiWP* 
wollen wir uber die Tendenz des erstcn 


terbreitenden Fragen in Anregnng, dass es 


des dieses Gartenbuches aufuhren, dass die* 



IV. Personalnotizen. 






Werke fiber den Ba 



tischen Arbeiten de3 Garten baues zu be 
ten. Der Gartner und Gartenfreund. de 
ein Urtheil uber das Leben und die Erni 
der Pllanze gebildet , wird sich daran g 

meebanisch, sondern denkend auszufiihn 

mgen zu 

aufs Ungefafar 



■ -hlauch erklai 



sich von Zeit zu Zeit i 



Erf;. 






1 oben Gesagtei 









fosincinorReihe 1 






die Bildungen im 

sterWichtigkeit, inc 

en Einfluss ai.'e Neii.,..-, 

vor sich gehen. Sie fin. 

>ls kleiuos Kernels :«■ ^««* - 

and der Zelle 

letzfermiger F; 



Meines Kernchen im Centra. 

^d vertheilen sich 
hend, gerueimglich 



>n noch urn den ganzen Inhalt 
aittelbar der Zellmembran a 
arte Haut, welche Mohi Pr 



r Sclileimhaut umgebei 



end Mohl den Primordial- 
schlauch fur die primare , jeder Zellbilduug 
orausgehende Bildung nimmt, an welche sich 
pater erst von aussen die eigentliche Zell- 
uiembran anlagere und ihn aus den zu alien 
Neubildungen den Iuipuls gebenden Protein- 



concentrischen Verdickungsschichten der Zell 
meni bran hervorgehen sell. Bei der Zellbil- 
duug durch Theiiung soil ferner das Auftre- 
einer Membran aus Zellstoff die ersteBil- 
lg sein. - 

Mohl zeigt nun in seiner Entgegnung zu 
:hst, dass es Zeilen gebe, we!c eg u keine 
, Cellulosa bestehende Membran beaten 

Zeilen. Diesc 



'7^'aach sich i 
mt and rfsco __ 



' Botanik sind 
Mohl ' s u^ergetreten, nur P r i n g 



Letzteren komineu nach ibrn i 
Entwickelungsstufe der durch fi 

Embryosacke entstehenden Zeilen vor, und 

Thuret und AI. Braun haben dargethan, dass 

Die be- I audi die Schwarmsporen der Algen solche 

wierigen | nackte Zeilen seien. Am leichtesten sind Be- 

bachtungen in dieser Beziehuog an den ganz 

rei liegenden Schwarmsporen der Algen zu 



i zeigt hier, dass die Schwarm- 
nbran besitzen, die in jeder Be- 
rn Priinordialschlauch uberein- 



Infusorien zerfliessen, dass sich Risse 
md schnell wieder verschmelzen und 
:h durch kein chcmisches Mittel ein 
;-Gehalt der Membran nachweisen 



inbran voihanden sei. Die Dehn- 
jungen Cellulosen-Menibran sei 



greift Cellulose - Membranen nie an und doch 
zerfliesst die Membran der Schwarmsporen zu- 
weilen im Wasser. So widerlegt Mohl Prings- 
heim's Ansicht Schritt fur Schritt , geht dann 
auf die Zellbildung durch Theilung uber und 
zeigt, dass audi hier der Primordialschlaucb 



die Einzelnheitei 
weiter eingehen; 

Hoffineister sich 
Dieses dient dazu 

lung Gesagte zu 



dieser Entgegnung nicht 

Gebiete, vie Nageli und 
if dieSeiteMohl's stellen.- 
das von uns uber den Pri- 



Ften getrennten Zelle sich die Membran 
ierseits wieder schliessen koiiue und so 
i Zellen bildeten , wie dies /.. B. bei den 
warrasporen von Vaucheiia vorkomme. 
inso spricht das Vorkommen der sch win- 
den Wimpern an diesem Schwarmsporen 
en die Bildung aus Cellulose. Wa 



und Berichtigungen zu 
n Werke zu geben, und 
zugleich unsern Lesern zur Ai 



V. Personalnotizen. 



haften Krankheit. Aufseinem praclitigenLand- 


torea, tragi und hoflentlich ihn lange fiber 


sitze La Celle bei St. Cloud besass er ausser 


ben und seinen Namen auch auf die folg« d 


aoderen ausgedehnten Sammlungen eine Or- 


Generationen ubertragen wird. 




2) Joseph Laurent De Bavay,« 


Frankreichs, wenn nicht des ganzen Continents, 


der ersten Pomelogen und Banmzfichter » 


die seinen Namen auch der Gartenwelt vor- 


giens starb nach einer kurzen Krankhe.t 


theilhaft bekannt machte. Er scheute kein 


Vilvorde , wo er seine ausgedehnteo Btf 


pecuniiires Opfer, urn dieseSammlung zu ver- 




vollstandigen , und immer mit den schonsten 


tor einer der koniglichen Lehranstalten 


und grOssten Etemplaren, die iiberhaupt kauf- 


Obst-und Baumzucht, und bat besonders 


lich waren; zugleich unterstQtzte er dieHeraus- 


der Pomologie Wesentliches geleistel. - 



; vollem Rechte seinen 1 



A n z e i g e n. 



Orchideen fur's freie Land. 

In dem Januar- und Februar-Heft der Gartenflora, wurde ein Artikel uber 
Cultur und Beschreibung der Freiland - Orchideen gegeben. Da icb im Besitze des 
wossten Theils der in Deutschland und der Schweiz vorkommenden Arten bin, so 
kann ich den geehrten Blumenfreunden diese Pflanzen im 100 oder Dutzend erlassen. 
Die 36 Arten welche ich cultivire sind nur solche welche der Cultur werth sind, 
namentlich die schonen Ophris, Cephalanthera, Cypripedium, Himanthoglossum, Limo- 
donum arborivum, Orchis fusca, militaris, sima, pyramidalis etc. Es kann auch ein 
Verzeichniss derselben auf Verlangen zugesandt werden. Ich erlasse 100 Stuck 
nach meiner Wahl in 36 Sorten zu 16 11. 

In Betreff der Versendung erlaube ich mir noch zu bemerken, dass die Orchi- 
deen wahrend der Bhlthe oder gleich nach derselben am besten zu versenden sind 
denn in der Bluthe sind die Knollen vollkommen ausgebildet, und gleich hernach 
langt ihre Ruhezeit an. 

Freiburg im Breisgau, im April 1856. 

H. FiSChcr, Handelsgartner. 



Mein neuester Samenkatalog ist soeben erschienen und wird Pflanzenliebhabern 
auf Verlangen sowohl von mir, als von der Expedition der Gartenflora gratis mit- 



33ettm$rte $>nu$mittel 

unb fteinere pr a!ti(c& = nu^ticbe 2Ritt$eUungen 
be? „$raftifu)en SanbituW' 

3eltfcbtift fur Sanb* unb ,gau8»irt$fa)aft. 

Sum 5Ru§en fur ©tabt unb fianb f/erausgeseben 

son &atl ©tcin, 

@tfle§ -©eft. 
3 SBogen. SBtocbtrt. $rci8 8 @<$itt. ober 5 <Sgt. 

$ie sotftebenbe ©ammlung entbalt: .. mc . w; „w 

»• 87 ^artmittei nitn etntge JhanHetteri unferet £au*tbtete: qpferbe, *wber, 

Sd)afe, <§d)n>etne unb £unbc; 
* 27 SRece^tc -.ibicjaft unb 

*■ J betglcicfcen fur serfcbjebene nuttbicbaftUcbe 3«e<fe. *«*„«**«. Q«t« 

fc^t^^^^ 

utflen Satan im ^craucb , tfteiM abcr etft fpater gepruft unb tut*a»S 
ffW «* iuwtttfl Hei^ " Tctben. fciefe Sammlung if! alfo * ^« *** 
S'^n fogenannten leccptbuc^ern 5 u »«alei*en, in ml$t ofrt tmi 'W^™ 
fI nbC Wun 8. 5iae § : Stauc&bateft unb Unbtau*b«e8, *tafcl*e. unb Unpatttftel 
» ttT 9«»ommen ift unb pen bem bet ^ulfefucfeertfcc bann nte roeip, wetcbeg cr m jemem 
£ .^te„ f.a/;Vr«rtT« n«t* ai «? 9 eb« *> * ci **" f T^ iZl et 
*"*' Sett unb ©elb etfpatt »itb. ©et £crau8geber W* tnfcem cr ba * *> t€t @e *° 



tene einem Sebem gugangltcb, mat&t, feinen 3Ritmenftf)en feinen fo ganj getingen S5ienfl 
etrciefen ju tjaben; bennftatle, too baS eine obet ba§ anbete bet in »otfte£jenbet<§amm. 
lung ent^altenen einfa^en unb moglicfjft fcftentofcn 9JKttel, biefe ober jene 3Ktttftcitung 
ftcf> nufcltd) ctreeifen unb too butdj beren ptattifdje unb fofottige 31nn>enbung (gdjaben 
fty abroenben la&t, fommen in jebct unb aucfc, in bee fteinften SBittt-ftfjaft fojl tags 
(i<$ cot. 

SMefem ctjlen Ǥeft rotrb gleicfc, nadj 5Reujaf)t ein jmeiteS unb fpatet afle Siettel* 
ja^t ein roeitereS ju bemfelocn $teife fefgen. SSicr folder £eftc cilben einen fleinen 
39anb son 192 (Setten unb reitb bem sietten bann ein alpf/abetifcb^geotbneteS <Sacftre» 
giftet jut (cistern Stuffinbung bet einjelnen 2Rittel u. f. to. feeigegefcen reetben. 

3mUe6tigen iji Reiner, mld)ct bag eine obet ba$ anbexe §cft fauft, setpflidjtet, 
au$ tie folgenben ^cfte gu faufen; siclmetjt bteibt eS fetnem eigenen (rtmeffen ufa« 
laffen, ob et nut baS eine obet alle ^eftc faufen will. 



Stent Sdimeii-- nnb <Sattenb\id)ev. 

€oe6en i(t etfefytenen unb butd) alle 33ud)fyanblungen 311 bejtefyen: 
§etbinanb ftrijnu ». SSieb enfelb'S 

$ a r t e it \ a Ij r 6 it dj* 

"Dieunted (hganjung^eft , entljaltenb bie neuen <Sattenfottfd)titte »on 3Ri$aetiC 1854 I 
bab,in 1855. ©tcfteS fiericon=Cctat) mit $etirft$tift. @e$eftet 1 2$fc. obet 1 fL 48 I 

3« be Son g^ e, ((Mttnet in SSruffel), ptactifdje ©tunble^ten son bet Sultut ber 

(y a in e 1 I t e m 

fceutfcfe, mit SSctgleufjung bet nouvelle Inconographie des Camellias etc. par M. M. 
V*n de Geett et A. Verschaf" " 
par M. M. Ch. Lemairc et Paill 



S. <L ©. SSeife, 

3ReIoiieit<, ©urfett-, *trtifcbode«--, ©fratflel 

:nMigattner, obet StnTOeifung 2ftelonen, ©utfen, Sltttffcccten, (Spatget unb 
(^ampignon* ouf bie neueftc 5ttt fo 9 
!?! ^ J ld? bafcei dne eint ™3K$e ©etiquette etfiffnen !ann. SRebfl ben beftcn 2»c= 

fen cinjumatyn. Drittc (et; 
-§etau8gcgetr- ._ Bw JBicbenfetb. SRit 1 •feinbtutf. 15 ^? : - 



.*unn, 2»au[»utfe aui 



JKottltuttrfsfangcr, 



ic unb ftcfjete, 



-'- "•■■ 

■ '° tercidjetr, : i | .: U *b(eifen fanir- 



MOJATSSCHBIFT 

fur 
deutsche und schweizerische Garten- und 



frof.Dr. H. R. Gocppert, Director des botaniscl.en Gartens inBreslau, J. Hutstein 

w Breslau, H. Jaeger, Hofgartner in Eisenach, Prof. Dr. R. Roch in Berlin, 

* LUCas, Garten -Inspector in Hohenheim, E. Ortgies, Obergiirtner am botanischen 

Garten in Zurich, Dr. G. ReicLeitbach, Professor in Leipzig 

Herausgcgeben 

Dr. E. K e g e I, 



Mitherausgeber fur Deutschland Mitherausgeber fur die Schweiz 

Kunst- nnd J * RillZ ' Pr0f - Dr - °" fleer > 



Dr. H. Loclier, 



J u n i 1856. 

(Ausgabe mit ilium, und schwarzen Abbildungei 



Erlangen, 1856. 
Verlag von Ferdinand Enke 



rgaD 4 ThS ? He ( ten ' A ™gabe mit 24 ilium, u. 12 schwarzen Abbild. kostet 7 fl. 
AWr., Ausgabe mit nur 12 schwarzen Abbild. 3 fl. 30 kr. oder 2 Thlr. 



Inbalt des Juni-Heftes. 

Seite 



I. Originalabhandlungen. 

1) Abgebildete Pflanzen . . 

a) Miltonia Clowesii Lindl. . • 

b) Polygala rayrtifolia L. Var. 



2)1 



Liinstliche Spalierzucht in Frank 
. Nach dera Franzosischen vol 
a Kettner in Stuttgart (Schluss) 162 



3) Ueber die Theorie der 
mung zwischen den Blattern 
allgemeinen Form der Baun 

4) Ueber verschiedene Formen 



II. Neue 

III. Notizen . 

IV. Literatur 



Einsendungen fur diese Zeitschrift sind an die Verlagsbuchhandlung 
oder Redaction zu machen. 

Biicher, deren unpartheiische Besprechung, sowie Pflanzen deren Ab- 
bildung in diesen Blattern gewunscht wird, sind, und zwar von letzteren 
eine gute Abbildung, wo moglich mit trockenen Exemplaren begleitet, unter 
der Adresse E. Kegel in Petersburg an die Verlagsbuchhandlung von Fer- 
dinand Enke in Erlangen einzusenden. 

Annoncen aller Art werden auf den Umschlag oder Beiblatt gegen 
eine Vergiitung von 2 Sgr. oder 7 kr. per Zeile aufgenommen. — Cataloge 
legt die Verlagsbuchhandlung in einer Anzahl von 600 Exemplar en gegeQ 
eine Gebuhr von 1 Thlr. 20 Sgr. oder 3 fl. der Gartenflora bei. 



I. Origlualabhand lunge n. 




Diese prachtige und seltene Orchi- I schuch in Dresden bluhete , und 
dee stammt aus Bras'ilien. Die Abbil- im Oktober 1$54 zum erstenmal. 
% ist nach einem Exemplare ge- (E. R.) 

macht, welches bei Herrn J. T. Wend- 



b) Polygala myriifolia L Var. Dalmaisiana. 

(Siehe Tafel 161.) 



P o 1 y g 
Die hierbei abgebildete Pflanze be- 
tadet sich u «ter den Namen P. Dalmai- 
^na, latifolia und borboniaefolia in den 
f^n. Von diesen sind die beidcn 
^teren For men der P. cordifolia, zu 
re f ? lp ab gebildete Pflanze nicht geho- 
n kann, da sie abwechselnd stehende, 



.... be- 
sich H*** dem crsteren Namen fin det 
b^ ! ^^^P* noch keine Pflanze 
^chnebe Da sie in ^ .^ ^ 

folk T l0 Merk malen mit P. myrti- 
di e8e p fla uberein stimmt, so Ziehen wir 
je nor a T™ mit Um so mehr Grund zu 
*to<\2 ' 3ls dies ub erhaupt eine sehr 
*ehr "^ fonder man schon 
det ^l men kennt Sie untersehei- 
nen Va . v ?. n den bis jetzt beschriebe - 

^ tZ der p * m y rtifolia < Cand - 



Prodr. torn. I. pag. 322) durch niedri- 
geres Wachsthum, sowie auch durch 
langliche Blatter mit eifbrmigem Grunde 
(bei der Stammform der P. myrtifolia 
sind die Blatter verkehrt eiformig und 
keilformig in den kurzen Blattstiel ver- 
dunnt) und allmahlich in gegen die 
Spitze bin verschmalerte Blatter mit 
meist welligem Rande und kurzer Sta- 
chelspitze. — Alles andere wie bei P. 
myrtifolia. Es ist wohl moglich, das3 
diese Abart eine gut begriindete Art 
ist, da uns jedoch die verschiedenen 
Formen der P. myrtifolia nicht zur Ver- 
gleichung zu Gebote standcn, haben wir 
dieselbe unter ihrem Gartennamen als 
Abart aufgefuhrt. — 

Gehort zu den empfehlenswerthesten 
imraergrunen Kalthauspflanzen, die ganz 



v:a 



Gartenflora Deutschlands und < 



Verbreitung verdicnen. iJiI- 
det einen einige Fuss hohcn Strauch 
von buschigem Wachstbum und ent- 
wickelt die schonen grosson ticf rosaro- 
thcn Blumen im Marz und April. Kul- 
tur in Heideerde , im niedrigcn Kalthaus 



oder Vorfenster, gemeinschaftlich mit 
don Diosmen und anderen immergriinen 
Pflanzen des Vorgebirges dor guten 
Hoffnung. Vermehrung diirch Steckliuge 
im Mai. (E. R.) 



*) Die kuii»tllcl«e Spallerzueht in Frankrelch 

Nach dem Franzosischen von Herrn Kettner in Stuttgart. 



Candelaberf 



3. Gruppe. 
Candelaber-Formen. 
Diese Gruppe bestebt aus Baumcn, 
bei welchen 2 Seitenmutterzweige , dem 
Boden so nabe als nur moglicb, von ei- 
nem und demselben Punkt ausgehend, 
sicb nacb rccbts und links horizontal 
verliingcrn , sodann vertikal erheben 



und iiber sicb cine gewi; 
tenmutterzweige haben. 



iFi S . 



Anzalil Sei- 



Zu seiner Bildung fangt man da- 
mit an, dass man an dcr Basis de3 
Baumes 2 Scitentriebe sicb entwickeln 
lint, welehe bestimmt sind, die beiden 
Mutterzwcige zu bilden. Diese Triebe, 
anl'iinglicli cinen ganz spitzeii Winkel 
bildend , werden jedes Jabr im Verbalt- 
niss zu ibrer Verliingerung herabgebo- 






Lange den 



aufrichten sollen , 



■■■ - 



falls vertikal entwickeln liisst. Diese 
Triebe bilden sich dann zu Seitcnmut- 
terzweigen aus. Mit dem Erziehen die- 
?er letztern Verastelungen sollte nur 
sebr langsam fortgescliritten werden, 
d. h. man sollte sie jedes Jabr so kurz 
als moglicb schneiden, widrigenfalls die 
I auf den Muttorzweigen stehenden Frucht- 
triebe vernichtet wiirden. 

in einziger Uoberblick uber die Ge- 
sammtheit dieser Form reicht hin, um 

eigen, dass sic die unwedun* 
sigste unter alien bis jetzt beschriebene" 
ist. Der Saft stromt'scbnell geg™ f lC 
„ r .„c der vertikalen Seitcmnutterzwrf;? 
und wird den Frucbt- und ErsatztriC ^J 
* 'iutterzweige entzogen, wclche baW 
absterben. Ferner werden die Spittf* 
der Seitenmutterzweige zu krufiits '* 
Friicbte ansetzen zu konnen; ibm sc i*» 
chere Basis wird wahrend der jr|J 

m so sebr mit donselbon uberlade > 
dass sie bald erschopft ist, und die in 
be, welchesie trugen, zu Grundc r 
ben, woraus folgt, dass ani ip» 
Baum kein andererprodukti verity 
als der mittlere der Seitenmutters*^ 
Diese Form eignet sicb am wemg . 
fiir den Pfirsicbbaum und lua 1^'^;; 
Birn- Oder besser der Apfdbaum koau 



t werden. Man kann sie 
i boliebiger Holio erzieiu'ii. 



Bei dieser Form ist eine Vcrbesse- 
rong der vorhergehenden bi 

die Seitenmutterzweige in 






J5c 



^&-n 



einander 



neigt und, urn Bodann d 
zufiillon, welche rechts und links iiber 
dieser Neigung entstiinde, lasst man auf 
dem vertikalen Theil dor Mutterzweige 
die gleichfalls geneigten Seitenmutter- 
zweige ABCD sich entwickeln. 

Die Heranbildiing dieses Geriistes 
unterscheidet sich sehr wenig von der 
des vorhergehenden. Die Mutterzweige 
■it man auf dieselbe Wcise. Man 
fet die Seitenmutterzweige ABCD nach 
Ve rh;iltniss dor Verlangorung der Mut- 
terzweige, und zwar sogleich in einem 
Winkel von 45o ste hen. Die Seiten- 
mutterzweige EFG werden erst nach 
'. - iigor Ausbildung der erstern zur 
Entwicklung gebracht, und man neigt sie 
PeichfaUs von ihrem Entstehcu an in 
«ncm Winkel von 45^. 

Dutch diese Lage wird dem Fehler 
W vorQ ergohcnden Form abgeholfen, 
^ Wlr hahen, da wir sehen, dass alle 
^mutterzweige in einer gleich giin- 
^genStellung sichbefinden, diese Form 
" eif * der einfachsten und besten. 



gen. (Fig. III.) 
D ieseForm hat gleichfalls den Zweck, 
schA nannehmIichkeiten der z ^rst be- 
t to 1 T n ent Scgenzuwirken. Sie un- 

i&hfc dadur ch, dass sich die Sei- 

C B weige krcuzen - Um deu fur 

aum angewiesenen Raum regel- 



163 

massig auszufiillen, haben wir am Punkt 
A eine Gablung errichtet. 

Dieses Geriiste giebt ganz dieselben 
Resultate wie die des Candelabers mit 
schiefen Zweigen und wird auf dieselbe 
Weise gewonnen. Doch ist dabei zu 
bemerken, dass, obgleich sie fur alle 
anderen Fruchtarten geeignet ist, sie fur 
den Pfirsich schadlich wiirde, da die 
Steliung ihrer Seitenmutterzweige eine 
Verwirrung unter die Triebe briichte. 
Durch die erweiterte Entfernung der 
Seitenmutterzweige entstiinde an der 
Mauer ein Raumverlust. Doch, wie ge- 
sagt, dieser Nachtheil tritt bei anderen 
Stein- und Kernobstarten nicht ein. 

Cordons. 
Die Formen dieser Gruppe bestehen 
aus lauter horizontal en , schiefen und 
selbst vertikalen Trieben oder Ranken, 
welche unmittelbar aus der Wurzel her- 
vorkommen oder auf einem mehr oder 
weniger hohen Stamm hervorgerufen 



1. Der scuiefe Cordon. (Fig. IV.) 
Es kann der Fall vorkommen, dass 
man cine Mauer sehr rasch durch einen 
Pfirsichspalier decken mbchte. Zu die- 
sem Zweck scheint uns die folgende 
Form die geeignetste zu sein. Wir den- 
ken , dass keine der vorhergehenden mit 
ihr verglichen werden kdnnte in Bezug 
auf die Schnelligkeit, vvomit sie den 
ihr angewiesenen Raum ausfiillt. Die 
derselben unterworfenen Baume bieten 
uberdiess ihrer Steliung wegen Garantic 
fur eine bctrachtliche Fruchtproduktion 
und lange Lebensdauer. 

Die Biiume werden in einer Entfer- 
nung von ungefahr Om 80 (2 / 32) aus- 
einandcr gepflanzt, und zwar so;, dass, 
wenn alle* in einem Winkel von 45° 
11 * 



lfii 



Gartenflora Deutschlands und i 



gegen < 



geneigt sind , zwischen 
ines jeden einzelnen oin 
Raum von Om.60 (l'y9) bleibt. Sie 
bilden nur einen einzigen Stamm; die- 
ser tragt keinc Seitenmutterzweige und 
entwickelt nach oben nnd unten nur 
Fruchttriebe. Vermittelst dieser Form 
kann man in 5 Jahren an eincr Matter 
von 13' Hohe cinen vollstandigen Spa- 
lier erzielcn. Um keinen Raum zu ver- 
liercn und die Winkel an Anfang und 
zu Ende des Spaliers auszufiillen, kann 
man iiber dem Stamm des ersten Bau- 
mes zur Linken und unter dem des er- 
sten Baumes zur Rechten einige Sei- 
tenmutterzweige sich entwickeln lassen. 



Diese Form kann nur auf den Pfir- 
sichbaum augewandt werden; die ande- 
ren Arten miissten einander viel naher 
geruckt werden , um die Mauer genii- 
gend zu decken, und die Wurzeln wiir- 
den dadurch sich gegenseitig schaden. 
Ferner kann man diese schiefen Cor- 
dons nur an einer Mauer von hbchstens 
13' anwenden; denn wiiren die Mauern 
hoher, so miissten dieStamme sich ver- 
langern, und die Entfernung, in welcher 
die Baume gepflanzt sin" 
Wurzeln nicht erlauben, s 
niss zur Verlangerung des 
zubreiten. 






In dem Gartenjournal La Belgique 
horticole und als Uebersetzung in der 
Thiiringer Gartenzeitung befindet sicli 
unter dem Titel: „Theorie der Ueber- 
einstimmung zwischen den Blattern und 
der allgemeinen Form der Baumo, auch 
Erklarung, aus den Blattern eine rationelle 
Cultur der baumartigen Pflanzen zu ab 
strahiren," ein Artikel, der an Unsinn 
und Unrichtigkeiten seines Gleichen sucht, 
und es unbegreiflich ist, wie ein Ge- 
lehrter von dem Rufe des Herrn Char- 
les Morren die Angaben eines Herrn 
Dr. Mac Into s h inSchottland und eln- 
zelnc Bemerkungen des Herrn Dr. von 
Brechin ohnc genaue Priifung in ei- 
ner Zeitschrift verbffentlichen , als eine 
ausserordentliche Entdeckung riihmen 
und der Zahntheorie Cuvier's an die 
Seite setzen kann. Dieser Gegenstand 
ist eigentlich rein botanisch; da aber 
Culturregeln daraus gefolgert werden, und 
der Artikel in einer Gartenzeitschrift fur 
Gartner mitgetheilt wird, so wil 



auch die Widerlegung — so weit meine 
Kenntniss und Geduld reicht - m » 
i solchen Blatte versuchen. 
Herr Mac In tosh sagt ungd* 
durch das Organ des Herrn Charles 
Jorrcn: ,.Gebt mir irgend ein BlatU 
md ich will auch darnach sagen, * 
der ganze Baum beschaffen ist; 
hiervon als natiirlich herbeigefuhrtes <> 
rollar (Folgesatz): Bezeichnet m.r « 
Form eines Baumes und dessen Trad* 
so will ich ench sagen, wie man 
dessen Cultur verfahren muss. 
Sache ware in der That von on** 
chenbarer Wirkung fur den Garten-^ 
Waldbau, wenn sie so ware, *» 
dem bezeichneten Artikel angegebe . 
Priifenwir einige der angefahrtenTha 

sachen und analoge Beispiele. 

Der spitze Winkel, welchei : an h 
midenfdrmigen Baumen zwischen 
und Aesten besteht, soil sich auch m 
im Nervenbau des Blattes an 
telrippe wiederfinden. Dies ■ 



well 



r aus dem einfachen 
sich auf den Blattern 
fast aller Baumarten — pyramidenfbr- 
mig oder nicht — wiederiindet. Folge- 
richtig miissten bei breitkronigen Bau- 
men die Blattnerven einen rechten, stum- 
pfen oder wenigstcns einen weniger 
ipitzen Winkel bilden. Ich babe mich 
aber an einer Menge der verschiedensten 
Butter iiberzeugt, dass dies nicht der 
Fall ist, und fand einen stumpfen Win- 
kel unter vielen Blattern nur am Spitz- 
ahorn und am rothen A horn (Acer pla- 
tanoides und rubrum) jedoch nur an der 
untersten Seitenrippe. Offenbar wird der 
Winkel der Blattnerven nur durch die 
Form des Blattes bedingt , oder viel- 
mehr die Form des Blattes durch die 
Nervenvertheilung. Hatten alle Pyra- 
miden-Baume schmale lange, und die 
Rundkronen breite Blatter, so ware dor 
Satz richtig. Nehmen wir nur die Pap- 
Fln an, welche Gattung sehr breite 
Kronen und zugleich Musterpyramiden 
b 'Wet, so finden wir in dem Nervenbau 
m Bezug auf den Winkel) zwischen 
^hwarzpappeiri, Pyramidenpappeln, ca- 
*»>en u. a . m. fast keinen Unter- 
* hl «i, und viele Blatter sind, abgese- 
hen von Grosse und Farbe, zum Ver- 
*«hsel n . Uebrigena ist bekannt , dass 
■J»« der Pyramidenpappel nur an den 
* Spielarten auftretenden Pyramiden-, 
™»i Ulmen u . s. w. der Wuchs 
, ff den spitzen Winkel der a ~ r ~ i ~ 

den Ae ste gebildet wird , dass 
EPn hi Ficbten und Tannen, ... 
^«>wten Pyramiden bilden, die Ae- 
>* rechten Winkel zum Stamm ste- 
■ Hlgerichtig miisste sich also die- 
*""*» Winkel audi auf den Blat- 
d«Fali adeln) * iederfinden > was ™<*t 



d:viv- 



wurzel stets tief in die Erde treiben, 
und es wird sogleich eine Culturregel 
damit verkniipft, denn es heisst: „pyra- 
midenfbrmige Baume kann man auf ei- 
nem beschranktenKaume sehr nahe bei- 
sammen cultiviren, sie treiben fiirePfahl- 
wurzeln tief ein, vcrlangen also einen 
leichten durchgangigen Boden; sie trei- 
ben ihre Wurzeln nicht weit aus, er- 
schopfen also auch keine grosse Boden- 
flache ringsumher und lieben im Allge- 
rings um 




Also wohlverstanden : der Gartner und 
Forstmann braucht, nachdemdiese wich- 
tige Entdeckung gemacht ist, nur das 

eine Pflanze zu behandeln ist. Das 
klingt fast wie Scherz, und doch ist es 
in jenem Aufsatz ganz ernstlich ge- 
meint. Uebrigens beiindet sich in dem 
angezogenen Satze noch eine grosse 
Unrichtigkeit , namlich, dass die Pfahl- 
wurzeln pyramidalischer Baume tiefer 
eindringen, und die Wurzeln sich nicht 
weit vom Stamm verbreiten sollen. Jede 
umgestiirzte Fichte beweist das Gegen- 
theil, denn sie hat selten eine tief ein- 
gedrungene Pfahlwurzel, wohl aber weit 
verbreitete Nebenwurzeln, die an Wald- 
randern sich der Oberflache naher und 
viel weiter verbreiten, als die der breit- 
kronigen Eichen. Man weiss auch sehr 
wohl, wie sehr die Alleen von italieni- 
schen Pappeln durch ihre weitlaufenden 
Wurzeln den Feldern Schaden thun. 
An einer andern Stelle heisst es: 
Jeder Baum, der sich schon von unten 
heraufverastelt, hat Blatter ohneStiel(?) 
oder mit sehr kurzem Stiel, wie der 



GartenQora Deutschlands und der Schweiz. 



Epheu (?), der portugicsische Lor- 
beer (Prunus lusitanica) , die Steinei- 
che (ChSne rouvre) beweisen." Diese 
boweisen gar iiichts , zumal der Epheu, 
der weder em Baum (im'Sinne des Herrn 
Mac Intosh) ist, noch einen kurzen, 
sondern sogar einen sehr langen Stiel 
hat. „Auch das umgekehrte bestatigt 
gich" — heisst es weiter. „ Jeder Baum, 
der von Natur einen eigentlichen Stamm 
und darauf eine Krone bildet, z. B. 
Kirschbaum, Apfelbaum, Birnbaum, Pfir- 
sichbaum u. s. w. hat auch langgestielte 
Blatter u. s. w." In diesem Satze ist 
wieder das Meiste falsch. Fast jeder 
freistehende Baum verastelt sich von 
unten auf und verliert die untersten 
Aeste erst nach und nach, manchmal 
gar nicht. Dass der Blattstiel hierauf 
kcinen Einfluss haben kann, beweisen 
die kurz gestielten Eichcn, Buchen, Ul- 
men, die langgestielten Linden, Ahorn, 
Platanen, Pappeln u. s. w. die alle 
gleichen Trieb zur Bildung machtiger 
Stamme haben und sich nicht mehr 
oder weniger von unten auf verasten. 

Zusammengesetzte (gefiederte, hand- 
fdrmige) Blatter, wie die der Eschen, 
Akazien, Nussbaume sollen eine natiir- 
liche Anlage haben, von der Wurzel 
aus sich in mehrere Stamme zu theiien, 
und zwar im Verhaltniss zur Zahl 
der einzelnen Blattchen. „Lasst 
man so einen Kastanienbaum frei nach 
seinem naturlichen Belieben wachsen, 
sovrirder sich sogleich vom Wurzelstock 
an vorzugsweise in sieben Stamme thei- 
len, weil seinBlatt aus sieben Blattchen 
zusammengesetzt ist. Sieht 
eine unbekannte Pflanze mit 
gesetzten'Blattern, so heisst es, mi 
Messer zu Hulfe kommen, 



einen Stamm zu Ziehen u. s. w." Die- 
ser Unsinn ist doch gar zu handgreif- 
lich ! Wer hat je einen Kastanienbaum 
mit 7 StSmmen aus c i n e m Wurzelstock 
gesehen? Beim Kastanienbaum sind 
Doppelstamme sogar seltener als bei 
andern Baumen. Bei der Esche und 
Nussbaume kommen mehrstammige 
Baume nicht haufiger vor als bei an- 
dern Baumarten und werden erst duroh 
Verlust der Spitze erzeugt. Bei Aka- 
zien kommen mehrere Stamme last nor 
bei Wurzelauslaufern vor, wenn mehrere 
Augen nahe beisammen austreiben. Viel 
hauiiger sind zusammengesetzte Stamme 
beiWeiden, Pappeln und Erlen mit un- 
leilten Blattern. Dor Gartner 
oder Forstmann, welcher sich nach die- 
ser Theorie richten wollte, wiirde schon 
ankommen. Gesetzt, man bekame Gym- 
nocladus canadensis oder eine oleditfchw. 
ohne sie zu kennen, so mil?? «' " • ■ " 
nach jener Theorie auf 80-100 Stamme 
aus einem Wurzelstock gefasst ma- 
chen, bei achten gefiederten Akazien 
(z. B. Acacia lophanta, Neumann! und 
ahnlichen) sogar auf 1500-2000 Stamme 
denn in so viele Blattchen theiien «•* 
beilaufig die Hauptbliitter dieser ?m- 
zen. Gleichwohl weiss jeder Gartner. 
dass die genannten Akazien stets nnr 
einen Stamm bilden, ja die Bildung «*• 
n e s Stammes so anstreben , dass rat 
sie zuriickschneiden muss, um sie 
schig zu bekommen. 

Es ware ein unniitzes ™ dan f* 
Geschaft, noch mehr LVi ! '^ 
aufzusuchen,undichglaube, durch ^ 
wenigenThatsnchen bewiesen zu mm 
dass ich im Eingange nicht zu 
Schlimmes von diesem ****** 
Artikel gesagt habe. 



U f e r p f 1 a 

Die Uferpflanzungen sind so man- 
nigfaltiger Art, als die Ufer imd Ge- 
niQspr «elb«*t AJs allgemeinrs Gesetz 
tann gelten, dass die Pflanzungen am 
Uf'or selbst nie cine grosse Ausdehnung 
zn haben brauohen , denn ihr Zwock isf 
nnr, das hello Licht, welches auf dera 
Wasser liogt , zu unterbrechen und den 
IVbwgang zu vermitteln. nicht aber zu 
wdunkeln. Einc allgemein giiltige Re- 

solche Holzarton wahlt, welche naturge- 
mass am Wasser, Oder an tiefen feuch- 
{ en Stellen wachsen, wenigstens einen 
fcuchten Standort veriragen, nicht nur, 
*fii sie so am besten gedeihen, son- 
dmi *«&, weil sie die Uforgegend cha- 
rakferisiren, indem wir daran gewohnt 
s ind, sie stets als Begleiter des Was- 
» zu sehen. Hierher gehbren vorziig- 
m die Weidenarten, welche so man- 
"igfeltig sind, dass sich aus ihnen allein 
s d>on ansehnliche Pflanzungen bilden 
,a «^n, die Erlcn-, Eschen- und Pap- 
Pelarten, die Traubenkirsche , die Sumpf- 
j^sse (Taxodium distichum) , der 
P'ulbaum (Rhamnus Frangula) , der 
Mmeeball, der Hartriegel, der Sand- 
^ rr * CHippophae) u. a. m. Darum sind 
ab " andere Holzarten nicht ausgeschlos- 
s ' n , besonders an hohen Ufern. Ungern 
"*** man dabei die Nadelhblzer 
JJJ Birken. Einer der wirksamsten 
uerbaume i st die Trauerweide. Unter 

lgen Zweigen, welche sich bo- 

WKrmig biegen z. B. weisser Hartrie- 

J '' *W« Rosen, Bocksdorn (Hecken- 

•* *Hde Johannisbeere, Brombeere, 



Sadebaum u. a. m. besonders an hohen 
Ufern sehr willkommen. Ferner sind die 
Kletterstrauchor, als Waldrebe (Clema- 
tis), Nachtschatten (Solanum dulcamara), 
wilder Hopfen und die wilden nordame- 
rikanischen Weinarten u. s. w. von gros- 
ser Wirkung. 

Wir wollen nun die verschiedenen 
Formen, unter welchen das Wasser in 
den Garten vorkommt , einzeln be- 
trachten. 

Der kunstliche See bedarf einer sehr 
wohlberechneten Pflanzung, urn die zur 
Erreichung scheinbarer Grosse ange- 
brachtc Tausehung zu verbergen. Ue- 
berall, wo man das Ende einer Bucht 
zu verbergen wunscht, miissen dichte 
Pflanzungen vorhanden sein, und wo ein 
Wrg nahe daran vorbeifiihrt, muss eine 
fbrmlicho Deckpflanzung angelegt wer- 
den, wenn man nicht die Absicht hat, 
eine einsame Bucht imDunkel des Wal- 
des zu zeigen. Inseln, welche meistens 
ebon falls der Tausehung wegen (urn 
das Uebersehen der ganzen Wasserfla- 
che auf ei n e n Blick, wodurch sogleich 
seine Kleinheit sichtbar werden wiirde, 
zu verhindem) angelegt werden, wer- 
den am besten ganz bepflanzt , denn sie 
wirken wie Baumgruppen auf einer 
Wiese , und kbnnen bald wie eine Licht- 
oder Massengruppe, bald als Gestrauch- 
gruppe behandelt werden. Die vorhan- 
denen Damme sind ebenfalls so dicht 

bepflanzen , als nothig ist , und ihre 
kunstliche Entstehung zu verbergen. Im 
meinen muss ein See viel Licht 
haben. Aus diesem Grande miissen 
auch grossere Strecken des Ufera ganz 



16^ 



Gartenflora Deutschlands und der ! 



unbepflanzt bleiben , andere diirfen nur 
leicht beschattet werden. Doch schaden 
zu viele Pflanzungcn am Ufer kaum so 
viel, als zu wenige ; denn ein nicht an- 
sehnliches Wasserbecken mit nackten 
Ufern kann hbchstens in grosser Entfer- 
nung als lichter Punkt in der Landschaft 
gefallen, wahrend ein waldiges Ufer bei 
aller Dusterheit des Ausdrucks meistens 
gefallt. Befinden sich am Ufer Anho- 
hen, so sind diese meistens zu bewal- 
den. Einen vortrefflichen Eindruck ma- 
chen Haine , denn zwischen den Stam- 
men erscheint das Wasser schon von 
fern in fortwahrender Abwechselung und 
viel ansehnlicher, als es in Wirklichkeit 
ist. Die Mehrzahl der Uferpflanzungen 
wird jedoch durch Gruppen und einzelne 
Baume gebildet. Die grbsseren Vor- 
spriinge und Halbinseln konnen tbeils 
mit lichten Gruppen, theils dicht mit 
Baumen und Gestriiuch bepflanzt seim 
so dass die Baume und Straucher iiber 
das Wasser hangen, ein Effekt, der 
durch schrage Pflanzung undBiegen der 
Stamme , wenn sie noch Jung sind, auch 
kiinstlich hervorgebracht werden kann, 
bei sehr dichter Pflanzung aber auch 
von selbst entsteht, indem sich alle 
Spitzen dem Lichte iiber dem Wasser 
zu neigen, wenn sie auf der Riickseite 
durch andere Baume gedrangt werden. 
Besonders gut machen sich hierzu Bir- 
ken, Espen, Weiden und Nadelholz. 
Im Allgemeinen muss die Nordseite am 
starksten bepflanzt sein, weil von dieser 
Seite kein Lichteffekt zu erwarten steht. 
Auch die Mittagsseite kann viele Pflan 
zungen haben, weil die hochstehende 
Mittagssonne dennoch Licht genug iiber 
die Wasserflache verbreitet, das durch 
den Schatten der Baume am Ufer noch 
gehoben wird. Dagegen ist es 
grosater Wichtigkeit, dass die herrliche 
Morgen- und Abendbeleuchtung in ihrer 



ganzen Pracht auf das Wasser fallen 
kann , wesshalb auch die Ufer auf die- 
r Seite nicht mit dichten hohen Pflan- 
ngen bedeck t werden diirfen. Beson- 
ders herrlieh ist die Abendbeleuchtung, 
welche auch mehr genossen wird, als 
die der aufgehenden Sonne, wo dieraei- 
noch schlafen. Diese Riicksichten 
en natiirlich wegen der Lage der 
Gebaude oder aus anderen Ursachen 
nicht immer genommen werden. Die 
Uferpflanzungen miissen bald bis an das 
Wasser gehen, bald sich etwas davon 
entfernen, damit sie nicht saumartig 
und steif erscheinen, wesshalb sie auch 
an manchen Stellen eine gehorige Breite 
verlangen. Ein Ufer, welches gleichsam 
mit einzelnen Baumen und kleinen Grup- 
pen eingefasst ist, wie man es haufig 
sieht, macht von alien Seiten einen 
schlechten Eindruck. Von besonderer 
Wichtigkeit ist es, dass bei nahe lie- 
genden Ufern die einander gegenuber 
liegenden Pflanzungen nicht gleiche Hob* 
haben und dass sie iiberhaupt verschie- 
den sind. Hohen Baumgruppen und 
waldigen Pflanzungen mussen niedrige 
Gebuscheund einzelne Baume odergaW 
offene Rasenflachen gegenuber liege* 
Bei schmalen Buchten fallt jedoch diese 
Riicksicht weg. Die Hauptmasse der 
Pflanzungen soil aus hohen Baumen be- 
stehen, weil diese eine auffallende* 
Spiegelung im Wasser hervorbiinfj 
und dieses Abspiegeln eine der gro* 
Schbnheiten des Wassers ausm f 
Desshalb diirfen auch italienische *T 
peln und schlanke Nadelholzer am 
nicht fehlen. .^ 

Teiche werden in grossen Yu 
lagen , wo es ausserdem einen See g> 



dicht bepflanzt, 



vorzttglicl 
weil; 



uberhangendem Gebiische, 
einsame Gartenscene bilden sollen- 



nicht die hoch- 



! 







-^* lf>; 



sten Baume, weil sonst das Wasser zu 
5 ehr verdiistert wiirde. In kleineren 
Garten aber muss das Wasser mehr ge- 
zeigt werden, wcsshalb auch die gros- 
seren Pflanzungen ganz wegfallen miissen. 

Bei Flussen und Bachen hangt die 
Bepflanzungsart ganz von der Lage und 
Umgebung ab, donn da sie den Park 
in betracbtlicher Langc durchsehneiden 
oder beruhren , so wiirde eine bios fur 
das Ufer berechnete Pflanzung den Plan 
der ganzen Anlage stbren. 1st das eine 
Ufer, vie es haufig vorkommt, eine An- 
hohe, so muss diese an den meisten 
Stellen formlich bewaldet und nur der 
Durchsichten wegen hier und da unter- 
broehen sein. Das andere niedrige Ufer 
H in diescm Falle nur mit einzelnen 
Baomen und kleinen Gruppen bepflanzt 
damit das Licht von dieser Seite au 
to Wasser fallen kann , und die Bie 
m^ des Stromlaufs , von der Wies( 
^gesehen, nicht versteekt werden*). 
Stromt der Fluss oder Bach durch ein 
M bewa Weten Hohen umgebenes Thai, 
» toauchen einzelne Baume und Bii- 
kfee Seine nLauf nur anzudeuten. Dringt 
fr »er in den Wald selbst ein, so darf 
J' ^^ ^s Waldes durch Lich- 
^gen nicht vemischt werden, und man 
" H^ nur das Unterholz , damit das 
«* gesehen werden kann. Beson- 
^^zend sind starke, wilde Gebirgs- 

e, wenn si e durch ein enges be- 
^Thal brau6enundg . ch g anden 
^ , em °° 8ten Stei "en und Felsblocken 
br I p enen Ba umstammen schaumend 

^ese'n 8 A T lgaralSlnseln Um " 

^ t ' Am ha "%sten kommt es vor, 

*h«se und Bache durch breite 



' -Hi.. 



Wiesengriinde strbmen, und bier ist die 



durch eine ausgedehnte Bepflanzung die 
Aussicht zu sehr unterbrochen und der 
Plan der ganzen Anlage gestort wiirde, 
dennoch aber das Ufer nicht ganz nackt 
bleiben darf. Skell giebt iiber derar- 
tige Uferpflanzungen so ausgezeichnete 
Vorschriften , dass ich nichts besseres 
thun kann, als sie hier im Auszuge zu 
wiederholen. Er sagt, nachdem er be- 
merkt, dass die Pflanzungen hauptsach- 
lich an der einen Seite der Strombie- 
gung Platz finden miissen: „Solche 
Stellen kbnnen zum bftern mit Gruppen 
von Silberballen (Pappeln), Riistern, 
Ellern, Weiden , Eschen, Hain- und 
Rothbuchen u. s. w. besetzt werden, die 
aber mit ganz kurzen Stammen verse- 
hen sein sollten, wodurch sie Kraft und 
Widerstand anzeigen und auch zu lei- 
sten im Stande sind. Aus diesen Griin- 
den geht dann weiter hervor: dass sol- 
che Pflanzungen oft und mit weit aus- 
gedehnten Zwischenraumen , durch wel- 
che nicht allein der Stromlauf, sondern 
auch die anstossenden Naturschonheiten 
sichtbar bleiben, unterbrochen werden 
sollten; dass diese Zwischenraume ver- 
schiedene Entfernungen unter sich er- 
halten, und alle Aehnlichkeit vermieden 
werden muss; dass die Pflanzungen bald 
mit Gestrauchern, bald mit hohen schlan- 
ken Baumgruppen und einzelnen Bau- 
men wechseln miissen, dass diese Grup- 
pen nicht immer an den Kanten des 
Ufers , sondern zuweilen auch etwas ent- 
fernt von diesem erscheinen. Ueberhaupt 
sollten dergleichen Pflanzungen ausser- 
ordentlich liebiich, leicht und mit vieler 
Grazie gleichsam hingestreut zeigen." — 
Von vorziiglicher Wirkung sind neben 
dem klaren, hellen Wasser die dunkel- 
belaubten Erlen, welche sich auch vor- 
zugsweise als Begleiter der Bache und 



no 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz 



Flusse anszeichnen, in den ungekiinstel- 
ten Landschaften aber oft so ausschlicss- 
lich vorkommen, dass der Ufersaum zu 
einfbrmig wird, wesshalb man in Garten 
Bie sehr oft mit Weiden , Eschen und 
andern Biiumen unterbrechen und ihnen 
die hellbelaubten grauen oder Bergerlen 
(Alnus inrana) zugcsellen muss. 

Da Wasserfallc nur in Verbindung 
mit Poison vorkommen konnen, so gel- 
ten fiir sie die Regeln iiber die 
Bcpflarizung der Felsen, wovon im 
folgenden Artikel die Rede sein wird. 
Es soi liitT nur bemerkt, dass die Be- 
pflanzting reich sein muss , obne jedocb 
die Felsen zu verborgen und das Was- 
ser zu verdunkeln. Am Fusse des Fal- 
les muss das Ufor eine Streeke weit 



dagegen 



FaH gesehen werden kann, 
diohtcs niedrigos Gebiisch 
hior garii an seinem Platze. Das Griin 
sei in der Nahe des Wasscrfilles stets 
mehr dunkel als bell, veil die ganze 
Scene einen ernsteren Ausdruck habcn 
muss, und eine dunkle Umgebung den 
Effekt des hcllen, weiss schaumenden 
Wassers verstarkr. Aus diesem Grunde 
sind besonders Nadelholzer willkommen, 



die jedoch nicbt allein auftreten durfen, 
weil ihre Form zu steif und spitz Lst 
Wenn man ihnen jedoch leichte Baum- 
gestalten, besonders Birken und StrSu- 
cher mit hkngenden Zweigen zugesellt, 
so durfen sie schon hier und da mas- 
senweise angewendet werden. Bei einer 
so dunkel gehaltenen Belaubung driingt 
sich die Nothwendigkeit und grosse Wir- 
kung des Kontrastes durch sehr helle, 
besonders weissbliittrige Holzarten ron 
selbst auf. Bluhende Gestrauche und 
auslandischo Biiume sind bei Wassor- 
fallen den einheimischen Holzarten naeh- 
zusetzen, damit das Ganze den Charak- 
ter des Gebirgswaldes behalf. Aus dem- 
selben Grunde darf die Bepflanzung der 
Felsen auch nicht aus Weiden und ge- 
meinen Erlen, velche voizugsweise an 
rubigen Wassern vorkommen, bestehen, 
obschon ihr Vorkommen nur dem schar- 
fen Beobachter der Natur auffallen 
mbchte. Dagegen kommen die grauen 
Erlen, Eschen, (Salix caprea), Lor- 
becrweiden (S. amygdalina v. buxifo- 
lia) und einige andere niedrige Arten 
auch auf Felsen und in hohen Gebirgen 



IV. A r t i k 



Bei Felsenpflanzung miissen uns 
hauptsachlich zwei Riioksichten leiten, 
HimlH*, dan die Pflanzen fiir die Fel- 
sen cbarakteristisch sind, d. b. dass sie 
naturgomass dar&nf vorkommen, und 
larauf gedeiben. Obschon man- 



alle Formen 






malerischer wirken, 



als andere, und diese besonders bevor- 

zugt -werden miissei 

doch merkwiirdiger 

zu den Felsen , wie man sich an mm 

lichen Felsen leicht iiberzeugen kann. 

Wir sehen hier die knorrigc TraubeB- 

eiche , obschon zwergartig und von g«* 



Fichte . Tanne und Ler- 
che, die wilden dornigen Obstarten, 
ihlehen, Ahlcn und Weich- 
seln, mit gedrnngenem Wuchse , neben 
der leichten iiberhangenden Birke , die 
rerschicdenen Artcn von Sorbus, Pyrus, 
Crataegus, Cotoneaster etc., die man- 
Bichfaltigen Kiefern, bald schirmartig, 
ffie die gemeine Kiefer, bald halb 
stauchartig, wle die Bergkiefern , oder 
mit liegenden Aesten, wie die Krumm- 
holzkiefer, den Eibenbaum (Taxus) und 
die Wachholderarten , die verschieden- 
Jten niedrigen Straucher mit zierlicb 
herabgebogenen Aesten, als wilde Ro- 
«n, Bocksdorn, Brombeeren, Himbee- 
ren, wilde Johannis- und Stachelbeeren, 
Heckenkirschen (Lonicera) u. a. m. in 
lichen Felseiispalten, nber auch kraf- 
jgeBuchen, Eiehen, Eschen und hohe 
•^elholzbaume. Alle diese und noch 
i* andere Holzarton kommm von 
*t auf natiirlichen Felsen in Deutsch- 
vor . Ausserdem giebt es noch 
™e andere, nieht so allgemein verbrei- 
* and auslandische Baume und Strau- 
* ftr Felsen, darunter auch zahlrci- 
h j schonbliihende Gestrauche, als die 
Wis-Arten, die 



^onwicke < 



verschiedenen Spi- 
™ Zwergmandeln, die rothblii- 
Johannisbeere, die strauchartige 
(Coronilla Emerus), die Bla- 
lEE*' die ver ^hiedenen Arten 
sil! n*' Rhodod ^dron, Azalea, Lo- 
*<£?*??' WeigeHa ' die J a P an{ - 
b*fa " e(Cyd0nia japonica), die ran- 
C fr ° K ^errosen, den Judas- 
^,rj die Pfeifenstraucharten, 
aadere \ ? Ietterstrau <iher und viele 
^efflich\!? en . gUt £ edeihende ™ d 
der Een kende Pfl anzen. Mehrere 

*££** HoIzarten sind *™^ 

Qe s ehr gegen das Gesetz der 



171 

Natiirlichkeit verstossen, wenn man die 
Felsen des grossen, des Blumenschmuckes 
entbehrenden Parks damit bepflanzen 
wollte. Hier halte man sich nur an die 
einheimischen , in fast alien Felsenge- 
genden wachsenden HoIzarten. Vorziig- 
lich sind die Kletterpflanzen und vor al- 
ien der Epheu von schoner Wirkung an 
Felsen, sei es, dass sie mit langen Ran- 
ken iiber die Wande herabhangen, oder 
dass sie die Gebiische umwinden, oder 
sich, wie der Epheu, an den Felsen klam- 
mern und ihn formlich einspinnen. Die 
wirksamsten HoIzarten sind ausser den 
Nadelholzern und den eigentlichen Wald- 
baumen, welche mehr am Rande und 
iiber den Felsen stehen, Birken, Eber- 
eschen (Vogelbeeren) , Felsenmispeln 
(Aronia), der Mehlbeerbaum (Aria, mit 
unterseits weissen Blattern) und die 
Straucher mit schwachen herabhangen- 
den Zweigen, endlich alle Kletterpflan- 
zen. Ganz zu vermeiden sind alle Pap- 
pel- und Weidenarten *), uberhaupt 
HoIzarten, welche die Uferlandschaft 
charakterisiren und fast nur auf tief- 
grundigem, feuchtem Boden wachsen, 
selbst dann, wenn die Felsen Wasser 
haben, wie schon bei den Pilanzungen 
an Wasserfallen bemerkt wurde. End- 
lich eignen sich nicht fur Felsen alle 
HoIzarten mit steifen regelmassigen Kro- 
nen, mit Ausnahme der Nadelholzer. 

Man kbnnte im Allgemeinen fur die 
Bepflanzung der Felsen kurz sagen : man 



aber 3o uabedeulenii uud fiir landscbaft- 

Pflanzungen ?o bedeutungsios, dass sie 

obige Regel nicht i 



Uer- 



Sumpfpflanze. 



172 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



pflanze nur so viel , dass die Wirkung 
der Felsen in keiner Weise durch starke 
Deckung vermindert wird, sondern dass 
dieselben sich in ihrer ganzen grossar- 
tigen Starrheit zeigen. Dies erleidet aber 
doch viele Ausnahmen. Obschon grosse 
natiirliche Fclsenmasscn im Allgcmeinen 
aelten in Landschaftsgarten vorkommen, 
80 giebt es doren doch genug *). Bei 
sohhen Felsen sind Pflanzungen, wenn 
sie nicbt schon von Natur vorhanden 
sind, nothwendig, um denselben die 
Oede zu benebmen. Dies wird um so 
notbwendiger, wenn dieFelswand mauer- 
artig ist, und oben gegen den Horizont 
oder einen hoheren Hintergvund gese- 
hen eine mebr oder weniger gerade Li- 
nie bildet. Diese muss durch Pflanzun- 
gen unterbroclten wcrden, und sei es 
auch nur durch einige zerstreute Nadel- 

aul'steigondc Gruppe von anderen ein- 
heimischen Baumen. bind dagegen die 
Umrisse der Felsen zackig und wild zer- 
rissen, so darf von diesen malerischen 
Linien nichts durch Pflanzungen verbor- 
geu wcrden , obschon auch in diesem 
Falle einige spitzwipfelige Nadelbaume 
von guter Wirkung sind. Nadelholz 
und Felsen machen zus nimen uberhaupt 
eine Wirkung, wie sie in der Natur 
im Park nicht grossartiger und kraftiger 
vorkommen kann. Die Felsen wirken 
hauptsiichlich durch Contrasts Die Na- 
delhblzer (die epitzkronigen nainlich) 



• meiner Aufsicht 

isehnliche Fols- 
nd hiiufiger koui- 
niden davon ent- 

tig verschOnerten 
Brilhl bei Wien 



Gegendeo isihlen 



bilden einen solchen durch ihren regel- 
massigenWuchs, der sich in dergleich- 
massigen Verdiinnung ihrer Krone und 
der regelmassigen Aststellung aussert. 
Sie bringen eine Gegenwirkung, folglich 
cine gegenseitige Hebung hervor, bo- 
wohl gegen die wilden, verworrenen 
Massen der Zackenfelsen , als gegen die 
mauerartige Felsenwand gesehen, bei 
letzteren wegen ihrer schlanken Ge- 
stalt. 

Im Allgemeinen wird jeder Felsen, 
gross oder klein, durch Pflanzungen an 
den Seiten gehoben, weil er so wie ein- 
gerahmt erscheint; und die meistens hell- 
farbige Felsmasse in der Umgebung von 
dunklem Blattgriin scharfer hervortritt. 
Kahle Felsen , d. h. frei aus einer un- 
bewaldeten Flache sich erhebend, kon- 
nen nur aus der Feme einen guten 
Eindruck machen. Sind die Felsen so 
grossartig, dass ihnen die Vergleichung 
mit daneben stehenden grossen Baumen 
nichts von ihrem Eindrucke benimmt, 
so wirkt die Niihe solcher Riesenbaume 
nur vorthcilhaft, denn dann erscheint 
die Felsenmasse um so erhabener. Will 
man aber einen Felsen von geringe* 
Hohe besonders gross erscheinen lassen, 
was hauptsachlieh wiinschenswerth ist, 
wenn er die Spitze einer Anhohe bildet 
und nicht in der Niihe gesehen wiri. 
so hat man dieselben Riicksichten tf 
nehmen, wie bei Gebaudcn GfMR 
schon im zweiten Artikel die Rede war). 
Man verbanne namlich alle hohen B** 
me aus der nachsten Umgebung, dam* 
der Fels im Vergleich zu den urogeM*- 
den Baumen gross erscheine. Sind ib- 
dessen die Felsen so haufig, dass a 
Thalwande bilden, so hat man aui <& 
Verhaltniss ihrer Hohe zu den Baumen 
keine Riicksicht zu nehmen: denn so - 
che Felsenthiiler erhalten durch eu»t 
lichte Bewaldung mit hohen Baumem 



liie wenig von den Felsen verbir gt, erst 
ihren grossten Reiz und die Felsen, an- 
atatt von ihrer erhabenen Wirkung zu 
verlieren, gewinnen im Gegentheile 
noch, wenn theilweise ihre Spitzen, de- 
ncn es vielleicht an kraftigen , scharfen 
Umrissen fehlt, von den Baumkronen ver- 
borgen sind, weil so die Phantasie freien 
Spielraum hat und sich die Felsen uber 
den Baumkronen noch fortgesetzt den- 
ken kann. Es ist dasselbe , wie mit 
fan Berge, der in die Wolken ragt. 
Was hier von den Spitzen gesagt.wurde, 
pltauch von der Bewaldung amFusse. 
Wenn der Fuss nicht vom Wasser be- 
#wjrd, (beiliiufig gesagt, eincr der 
Khonsten Contraste, welche die Natur 
^O, so ist in den meisten Fallen 
fce vbllige Bewaldung des Fusses vor- 
aaehen, weil man nur die Spitze zu 
^en glaubt und sich die Masse nach 
Mten weit fortgesetzt denken kann. Sol- 
der miissige Felsen nichts von ihrer 
***S verlieren, so ist es nbthig, 
** man an den Felsenfuss vorzugs- 
*H«Gebuschpflanzt, welches so wc- 
J? wie moglich vom Felsen verdeckt. 
k 7 em FaIle <*arf naturlich das Ge- 
«W» mcht bios einen schmalen Saum 

«". weil sonst die beabsichtigte Ge- 
^tauschung verloren ginge, sondern 

«m m einer gewissen Breite auf- 

fT* mt der Boden vom Fuss ^ de * 
«M stark, so konnen in einiger 
JJwng Waldbaume duvor gepflanzt 
iT*!. W ° bei man es so berechnen 
Z\ dieBau ™, wenn sie aus- 
«toen sindj nichth5her werdenj als 

t "t, um mit ihren Wipfeln nur 

^geiL % g deS Fel8enS zu ver " 
«bcr a- * ht man dann den Felsen 
hJT ^ ipsel der Waldbaume her- 



dW ' 80 hi 

^urnach 



einemgewissenPunkte, 



173 

wo der Felsen den gunstigsten Eindruck 
macht, ausgeubt werden. 

Die Spitze der Felsen soil in der 
Regel ohne Holzwuchs sein, denn selbst 
wenn er abgerundet und oben mit Erde 
bcdeckt ist, wirkt eine Bedeckung mit 
Rasen oder mitHaide meist vortheilhaf- 
ter, als mit Gehblz. Es kommen aber 
audi Felsen vor, denen eine Bepflan- 
zung ihrer Spitze selbst mit grossen 
Baumen nur vortheilhaft ist. Dies gilt 
besonders von Felsenwanden , die oben 
eine Plattform bilden und keine schar- 
fen Umrisse haben. 

Sind die Felsen vereinzelt und mit 
Kluften durchzogen, uberhaupt als ein- 
zelne Felsen unbedeutend, so mussen 
die Zwischenraume ebenfalls durch Pflan- 
zungen ausgefiillt werden. Hiedurch wer- 
den nicht nur die einzelnen Felsen her- 
vorgehoben, sondern es wird hierdurch 
auch die Idee eines durch diese Pflan- 
zung vcrdeckten Zusammenhanges her- 
vorgerufen. So konnen mehrere fur sich 
unbedeutende Felsen in einer gewissen 
Entfernung als eine einzige zusammen- 
Masse erscheinen. 

Eine der schbnsten Felsenzierden 
bilden die verschiedenen einheimischen 
und die im Freien ausdauernden Farren- 
krauter, die jcdoch nur im Schatten ge- 
deihen. Sie konnen alle Vorsprunge 
und Ritzen bedecken , zwischen dem 
Gehblz wuchorn und am Fusse geschlos- 
sene Massen bilden kann. An bemoos- 
ten Felsen zieren sie selbst die schroffe- 
sten Wiinde, namentlich einige kleinere 
Arten, als Engelsiiss (Lycopodium vul- 
gare), welches kriechcnd geeignete Fels- 
wande formlich tapezirt, die Mauerraute 
(Asplenium ruta muraria), Asplenium 
Trichomanes und septentrionale, Doodia 
rupestris , Scolopendrium officinarum, 
Ceterach officinarum, Woodsia silvensis 
etc. Leider ist ea schwer, Farrnkrauter 



ill 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



an formliehen Felswiinden anzupflanzen, 
und es gelingt nur durch fortwahrendes 
Bespritzcn im crsten Jahre. Das schbn- 
ste Farrnkraut fur feuchte Felsenvor- 
spriinge ist Struthiopteris germanica. — 
Nicht minder schon, aber ausser dem 
Bereiche der Anpfianzung liegend, sind 
Moos und Flechten. Glucklicherweise 
stellt sich diese herrliche Felsenbeklei- 
dung meist von selbst ein. 

Ich habe bisher nur naturliehe Fel- 
sen im Auge gehabt. Kiinstliche Fels- 
gebilde konnen eine wohl bereehnete 
Pilanzung gar nicht entbehren , denn sie 
ist das einzige Mittel, die ktinstliche 
Bildung derselben zu verbergen. Beson- 
dere Regeln will ich zu diesen Zwecke 
nicht gcbcn, und es ist genug, wenn 
ich sage: man pflanze uberall so, dass 
die einzelnen Stiicke, woraus der Fels 
ngesetzt ist, nicht als Stiicke 



erscheinen, sondern dass durch das Ver- 
bergen der Verbindungsstellen, schein- 
bar ein Ganzes entsteht. Es giebt auch 
kiinstliche Felsen, die nicht als ein 
wirklicher Felsen , sondern nur als die 
Triimmer einer einst vorhandencn gros- 
seren Felsmasse erscheinen sollen, in- 
dem nur viele Blocke zerstreut umher 
liegen, oder halb aus der Erde ragen. 
Auch in diesem Falle ist eine reiche 
Bepflanzung das beste Mittel, solche 
Scenen zu heben und ihnen die trau- 
rige Oode eines Triimmerhaufens zu be- 
nehmen. Lockere Baumgruppen miissen 
den ganzen Boden bedecken, jedoch 
ganz ohne Unterholz, so dass die gauze 
Masse von Blocken sichtbar bleibt. Da- 
zwischen Brombeeren und hohes Farm- 
kraut, und hie und da Rasen, so wild 
die gute Wirkung nicht ausbleiben. 



II. Neue Zicrp flanzeo. 



Abgebildet in 



1) Dendrobivm Mac Carthiae, 
Thwaites; Orchideae. Diese schoneArt, 
die schonste aller Orchideen von Cey- 
lon, wachst vereinzelt und sparlich auf 
grossen Baumstammen in den ceylani- 
schen Wlildern, wo sie von den Einge- 
borenen Regenmonats- oder Maiblume 
genannt wird, da sie urn diese Jahres- 
zeit ihre herrlichen Bliithentrauben ent- 
faltet. Stengel hangend, bis 2 Fuss 
Lange erreichend, dunn, stielrund, ge- 
streift, an den Knoten leicht verdickt, 
gegen die Spitze bin mit wenigen, ent- 
fernt stehenden, lanzettlichen Blattern 
besetzt. Bliithentrauben achselstandig, 
4— 5blumig; Blumen beinahe 3 Zoll lang, 
schon rosapurpur: die Sepalen (aussere 
Bliithenhullblatter) schmal - lanzettlich 



fast gleich lang mit den viel breiteren, 
eiformig- lanzettlichen Petalen ; LipP e 
gleich lang , beinahe trapezenfdrmig, an 
der Spitze abgerundet , cingedriickt ub- 
deutlich droilappig, weiss mit dunkel- 
purpurnem Fleck am Grande und breit 
rosa gerandet Sie steht der Tracht naeb 
am nachsten den D. sanguinolentom 
triadenium u. a. und wird am besten 
hiingend in Sphagnum gepflanzt gedeibffl. 
Wahrend der Ruhezeit muss sie ganz 
trocken und kuhl gehalten werden, erst 
wenn die Bluthenknospen sich zeigp 
wird wieder Wasser gegeben, und *» 
Mass der Feuchtigkeit gesteig^t. so*« 
die jungen Triebe sich entwickeln. H»- 
ben diese ihre voile Ausbildung erWft 
so bereitet man sie dur< I 
Entziehen des Wasscrs auf die Kuh«*' 
vor. (Taf. 4886.) 



2) Delphinium cardinale Hook. ; Ra- 
nnnculaceae. Blaue, woisse, violette and 
Belbst rothlicfae Farben , die aber inimer 
in's Bliiuliche spielen und an den Ur- 
sprung aus der blauen Farbenreihe un- 
verkennbar erinnern, sind hanfig genug 
vertreten in den vielen Arten und Ab- 
arten von Ritterspornen , — wer abcr 
Utte je gewagt, auf das Vorkommen 
einer reinen, brennenden Scharlachfarbe 
in dieser Gattung zu boffen ? ! — Und 
doch haben wir jetzt das Vergniigen, 
Mseren Lesern eine herrliche, neue 
Artanzukundigen, deren Bliithen diese 
nngehoffte Farbung in einem Glanze 
rod einer Intensity bieten , 
Lobelia cardinalis, den Salvien, Gesne- 
«n, Scharlachpelargonh 
orillanter sein kann. — Der hokc Worth 
einer golchen Einfiihrung , _ die Hoff- 
•dngen, die sich unmittelbar daran knii- 
Pfen, durch Hybridisirung eine gaiiz 
leueParbenreibe in dieser beliebten Gat- 
H m erhalten — das lebhafte Vcr- 
%n aller Gartenfreunde eine solcbe 
jkenaschend schone Pflanze moglichst 
^ zu erhalten , — alles das bedarf 

' weiteren Demonstration; sprech 



ue Zierpflanzeu. 
gedeihet 



175 



'<Wn noch von ihrer Geschichte 
^ inren botanischen Charakteren. - 
^gluckliche Finder ist wieder einer 
^ermudlichen Gebriider Lobb, de- 
^ Forschungen unsere Garten undGe- 
J**^ sc h 0n so manche ihrer 

««tcn Zierden verdanken; die gliick- 

jBesitzer sind, wie vorauszusehen, 

fc&JjT— ' gPDannten Reiscnd ^ 



Veitch in Exeter und Chel- 
™am Lobb fand das 
"> Califor 



— -ornien, auch fiir unsere 
u£j" GoldIand « denn die grosse 
««u unserer schbnsten einjahrigen 



viele ; 



der hartesten 
annuellen Pflanzen im ireien Garten- 
lande , wo sie im August ihre voile Ent- 
wickelung erreicht. — Blatter meistens 
wurzelstandig, und diese getragen von 
langen, starken Blattstielen , kahl wie 
fast alle Theile der Pflanze, uber eine 
Spanne breit, fingerig tief zertheilt in 
fiinf ausgebreitete , keilformig - lanzettli- 
che, stark genervte Segmente, die ent- 
weder einfach und lang zugespitzt, oder 
breiter und 2 — 5 lappig zertheilt sind. 
Die wenigen Stengelblatter werden nach 
oben zu allmahlig kleiner, kurzgestielter 
und weniger zertheilt, und enden als 
einfache, sitzende, lanzettliche Bracteen. 
Die endstandige Bliithenrispe (eine zu- 
sammengesetzte Traube) ist verlangert, 
mit vielen grossen, langestielten Bliithen 
locker besetzt. Blumen mit dem gros- 
sen Sporne 2 Zoll lang, Sepalen breit- 
eirund, stumpf, wie der Sporn brillant 
scbarlachroth. Die inneren Petalen theil- 
weise tief gelb mit behaarter Platte. 
(Taf. 4887.) 

3) Cordia superba Cham. (C. Sebe- 
stena, Veil.) Borragineae. Wahrschein- 
lich ein Bewohner des tropischen Bra- 
siliens ist diese Species durch ihre fur 
die Gattung ungewohnlich grossen Blu- 
men und Blatter ausgezeichnet , und bil- 
det einen niedrigen Straucb der als 
Warmhauspflanze behandelt, im Herbste 
seinen dichotomen trugdoldigen Bliithen- 
stand mit ziemlich ansehnliehen weissen 
entwickelt. — Blatter meistens 
beschrankt auf die Spitzen der starken, 
glatten Zweige, 6—8 Zoll lang, ellip- 
tisch-keilformig, ganzrandig, zugespitzt, 
halb hervortretenden Rippen. 
Kelch griinlich-weiss , cylindrisch-keu- 
lenfbrmig , an der Spitze unregelmassig 
I zerreissend, Korolle trichter-glockenfdr- 



Cttitui ^ ^ ht ein J^ ihri S, wird in mig, gefaltet, mit breiten, gerundeten, 
**** bia drei Fuss hocb , und flacli auegebreiteten Lappen. Staubfa- 






Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



den 5, dem unteren, verengten Theile 
der Kronrohre angewachsen, nicht her- 
vorstehend, am Grunde behaart. Narbe 
doppelt zweitheilig. (Taf. 4888.) 

4) Coelogyne speciosa Lindl. (Chelo- 
nanthera speciosa Blume). Orchideae. 
Zuerst im Jahre 1846 durch Hrn. Tho- 
mas Lobb von Java in die Garten de 
Herrn Veitch eingefiihrt, ist diese rasch 
wiichsige und willig bliihende schone 
Art bereits in alien grosseren Orchi- 
deensanunlungen eingebiirgert. Ihn 
Hauptzierde besteht in der eigenthum- 
lich gefarbten und ausserst fein gefran- 
sten Bliithenlippe. — Scheinknollen 
drangtstehend, liinglich-eirund , gerippt, 
einblattrig ; Blatter langlich-lanzettlid 
5 — Gnervig. Aus den jungen, uncnt 
wickelten Trieben treten die em- bi 
zwei blumigen kurzen Bluthenschafte 
hervor; Blumen sehr gross, nickend; 
Sepalen breit - lanzettlich , hell oliven- 
griin; Petalen sehr lang, linealisch, zu- 
riickgebogen, mit den Sepalen von glei- 
cher Farbe; Lippe sehr gross, Grund- 
farbc gelb, verwaschen, gefleckt und 
geadert mit dunkel biutroth oder braun, 
der vordere Theil weiss; ihre Form ist 
liinglicb, drcilappig, mit kleinen Seiten- 
lappen; diese, sowie der breite zwei- 
lappige mittlere Lippentheil, sind ge- 
franst, und derselbe ausserdem durch 2 
Kamme geziert, die dicht mit gestielten 
sternforniig verzweigten Haaren besetzt 
Bind. Saule breit, halbrund, geflugelt. 
Cultur im warmsten Theile des Or°chi- 
deenhauses, in Tbpfen, in einer Mi- 
schung von Torfmoos, Holzbrocken und 
etwas Sand. (Taf. 4889.) 

5) Amphicome Emodi Lindl (Incar- 
villea Emodi Wall.) Bignoniaceae. — 
Die bereits longer gekannte A. arguta 
wird durch diese neue Art an Grosse 
Schonheit und Bliithenreichthum weit 
ubertroffen. Beide stammen aus dom 



nordlichen Indien; die neue Art vrarde 
zuerst von Wallich entdeckt und bliihte 
zum ersten Male im October dea ver« 
flossenen Jahres im konigl. Garten in 
Kew, wo sie aus eingesandten Samen 
erzogen und in einem kalten Fensterka- 
sten gezogen wurde. Wurzel perenni- 
rend, Stengel einjJihrig, bis anderthalb 
Fuss hoch , wenig verastelt und wie die 
ganze Pflanze, unbehaart; Blatter etwa 
spannenlang, unpaarig geiiedert, mit 
5 — 7 Paaren gegenstandiger, herzformig- 
ovaler, stumpfer, kurz gestielter, kerb- 
zahnig-gelappter Fiederblattchen. Blii- 
thenstande endstandig, aufrecht, fast 
doldentraubig, mit grossen, ansehnlichen 
Blumen. Kelch kreiselformig , fleischig, 
mit iunf kurzen, stumpfen Zalinen. 
Kronrohre trichter-glockenfdrmig, oran- 
gegelb; der grosse ilachausgcbreitete 
Saum schon rosenroth, Slappig, Lappen 
ausgerandet, abgerundet; Fruchtknoten 
langlich, von einem hypogynischen ab- 
stehenden Ringe umgeben. — Eine sehr 
empfehlenswerthe Staude, vielleicht ganz 
ausdauernd , jedenfalls im Kalthause oder 
im frostfreien Kasten leicht zu uberwin- 
tern. Vermehrung durch Theilung oder 
durch Samen. (Taf. 4890.) 



.gcbi 



tion hortic 



6) Magnolia Campbdlii Hook. p- 
et Thorns. Magnoliaceae. — Diese herr- 
liche neue Entdeckung wurde bereiH 

ins in einem der vorhergehenden 
Hefte erwahnt in einer Uebersetzung ^ 
titelt „Neue Documente fiber die Teg** 
im Himalaya." Indem wir daranf 
Bezug nehmcn , fuhren wir nur noch «* 
nige nahere Details an. Dr. Grirllth ** 

rste gluckliche Finder, und es & 
alle Wahrscheinlichkeit vorhanden, dtf» 
auch die Garten bald diese prachtvo" 
Art neben den anderen alteren beeitrt" 




2/ 
"7y 



-y^^^fX- 1/„4,. 



17T 



■ I f i : 



talon Klima, aber der hohe jStandort, 
den sie im Himalaya hat , das Laubab- 
werfen und andere Analogien berechti- 
gen zu dem Schlusse , dass sie wohl 
ebenso hart soin diirftc , wie die ihi 
zuniichst stehenden Arten , M. purpurea, 
Yulan, Soulangeana u. a. — Die Blat- 
ter sind oval oder eirund, kurz gespitzt 
gewimpert, bei jungen Pflanzen auf bei- 
den Seiten kahl , bei alteren unterhalb 
raelir oder weniger weiss seidenhaarig; 
Blattstiele sehr kurz , oherhalb gerinnt. 
Blumcn sehr gross, erscheinen in gros- 
ser Menge an den Spitzen der noch un- 
beblatterten Zweige, ausserhalb tief ro- 
senroth, fast karminroth, innen rothlich 
weUs; schwach wohlriechend. Die Blii- 
tenschdde besteht aus zwei braunen 
mtt behaarten, hinialligen Bractcen. 
ht Fruchtzapfen verlangert-cylindrisch, 
«n und dick gestielt. Vermehrung 
torch Ablegen oder durch Pfropfen auf 
)l Purpurea. (Taf. 79.) 



' 



lanaca, Planch, et Li% 



'-■ ^nrriaccac. - Eine ncue, sehr 

^«ante Art, und leicht kenntlich 

iPmdiehten, weissen, weich-wolligen 

2 > *« die ganze Pflanze;, besonders 

^ aber die unteren Blatillachen be- 

^- Die mittelgrossen Blumen siad 

^rosa-hla, mit weissem, fein orange- 

pinktirtem Schlunde, die drei un- 

Pla ," aUmlari P en funkier geadert. — 

^ ° n Und na ch ihm Lemaire er- 

en d,e Gattung Scheeria nicht an 

Schee r r nen - dieeinZig6 Artdersdben ' 
■ i m ^icana Seem, mit Mandirola 

4e ma f ^^ Demnach ™- 
Wh! die Gattun S Mandirola, 

^tiflo ^ l WUrden ' ^ Arte °, die M. 



is Mexico, die letztere 
wurde ganz neuerding* gleichzeitig durch 
die Herren Linden und Verschaffelt von 
dort eingefiihrt und schliesst sich den 
beiden vorigen, schon verbreiteten und 
beliebten Arten wurdig an. — Blatter 
breit-eirund , kerbzahnig, kurz gestielt. 
Bliithenstiele iiber vier Mai langer ala 
die Blattstiele, einzeln stehend und ein- 
blumig. Kelch mit kleinen, lanzettli- 
chen, abstehenden Zipfeln; Kronrohre 
am Grunde schief, nicht eingeschnurt ; 
der zweilippige , schiefe, Idaffende Saum, 
aus funf rundlichen, zuriickgebogenen, 
unregelmiissig gezahnelten Lappen be- 
stehend. — Cultur und Vermehrung 
wic bei Achimenes. (Taf. 80.) 

8) Neue Varietiiten von Gloxinien 
mit aufrechten Blumen. Die 81. Tafel 
der Illustration horticole bringt ein Bou- 
quet, zusammengesetzt aus sechs neuen 
Varietaten der jetzt so jbeliebten auf- 
rechten Gloxinien. — Es sind Samlinge 
aus der Zucht des Herrn A. Verschaf- 
felt, der ihnen folgende Namen gab: 
1) Roi des Beiges, 2) Wagnerii, 3) Comte 
de Neipperg, 4) Duchesse de Brabant, 
5) Mme. Picouline und 6) Rosea muta- 
bilis. Sie stehen an Grosse undFarben- 
spiel den besten Zuchtungen nicht nach 
und sind sammtlich sehr empfehlenswerth. 
bekannt, dass die merkwiirdige 
Erscheinung einer aufrechten, regelmas- 
Blume zuerst bei einer Varietat 
auftrat, die als 61. Fyfiana bald in den 
Garten verbreitet, und ihrerseits in neue- 
Zeit die Staminmutter einer zahlrei- 
chen Race wurde, die die gleichen Eigen- 
bewahrt. — Herr Lemaire 
glaubt sich nun berechtigt, diese 61. Fy- 
fiana der Garten fiir eine gute, distincte 
Art annehmen zu diirfen , und da sie 
als Art durch ihre ganz abweichenden 
Charaktere nicht in die Gattung der Glo- 
xinien passen wurde , geht er einen Schritt 
12 



178 Uartenilora uentschia 

weiter und erhebt sie zur Stammart ei- 
ner neuen Gattung, der er den Namen 
Orthanthe beilegt. Er stiitzt sich dabei 
auf die Behauptungen, dass die Gl. Fy- 
fiana nicht gut eine Hybride sein konne, 
da sie stets vollkommen keimfahigen 
Samen trage, dass auch der gelehrte 
Decaisne ihren hybriden Ursprung laugne, 
und sic ebenfalls als gute Art auffuhre, 
— andrerseits, — und hier gebe man 
wohl Acht, — diirfe sie nicbt als zu- 
fallig entstandene Umbildung oder Mon- 
strositat betrachtet werden: 1) weil alle 



Blun 



ah me genau die- 



selbe aufrechtc Stellung zeigen ; 2) weil 
die Samen der Gl. Fyfiana und der von 
ibr abstammenden Formen stots wieder 
Pflanzen liefern die ebenfalls nur regel- 
miissige, aufrechte Blumen tragen und 



•>) 



Full 



in der so zahlreichen Familie der Ges- 
neriaceen beobacbtet worden, der als 
Beleg fur eine solebe rein zufallige Um- 
bildung dienen kbnne. — Wir geben 
gerne zu, dass Gl. Fyfiana keine Hy- 
bride sei; wir sehen durchaus keinen 
Grund, sie fur eine solche zu halten, 
— dagegen wird jeder irgend aufmerk- 
same Gartner, der sich mit Gesneria- 
ceen und fan Speciellen mit diesen auf- 
rechten Gloxinien beschaftigte , mannig- 
fache Gelegenheit gehabthaben, wie wir, 
Beobachtungen zumaehen, die den oben 
angefuhrten Behauptungen diametral ent- 
gegenstehen und die so lauten: 1) 1st 
es durchaus nicht selten, besonders an 
schwachlicheren Pilanzen, an einem 
und demselben Exemplare, und zwar 
za gleicher Zeit aufrechte und han- 
gende Blumen zu linden; 2) Aussaa- 
ten von Samen, der nur von auf- 
rechten Blumen gewonnen wurde, ge- 
ben in den gliicklichsten Fallen aller- 
dings manche aufrechte Varietat, aber 
die groaseMehrzahl zeigt wieder 



ids und der Schweiz. 

die normale , hangende Form , und 1st 
damit wieder zur Stammform zuriickge- 
k<mrt; 3) sind ahnliche Umbildungon in 
anderen Gattungen von Gesncriaceen 
allerdings nicht in so auffallender, con- 
stanter Weise beobachtet worden, sie 
sind aber vereinzelt auftretend nicht 
minder haufig und konnen bei den ver- 
schiedensten Gattungen nachgewiesen 
werden. So habcn -wir, und gewissviele 
Andere mit uns, dieselben Umbildungen 
bei einzelnen Blumen von Naegelia ze- 
brina, Tydaea picta, Sciadocalyx Wars- 
cewiczii, ja selbst bei den Dircaea-Ar- 
ten haufig beobachtet, und werden sie 
ohne Zweifel auch bei anderen Gattun- 
gen vorkommen. Solche Blumen zeigen 

durchaus die gleiche Umwandlung, 
die wir bei den Gloxinien wahrnehnien, 

der funfte Staubfaden sich voll- 
kommen entwickelt , und damit auch die 

vorherrschende Didyn; 
schwindet, indem nun die fur 
den alle von gleicher Langc einen regel- 
massigen Kreis bilden; dass die Kron- 
rbhre und der Saum eine durchaus gleich- 
miissige Ausbildung zeigen , und endlich 
dass auch die verschiedene Farbung und 
Zeichnung, die bei der Rohre, in 
Schlunde , oder auf den unteren Saum- 



f Staubfa- 



gleichmassig iibor den ganzen 



betrefen- 



den Theil erstrecken. Wir haben sogai 
bei den Gloxinien deutliche Uebergangs- 
formen , Varietaten wie marginata splen- 
dens, Lconie VanHoutte u. a., bei de- 
nen die Blumen nocb hangend sind, vo 
aber die Farbung, wie bei den aufrech- 
tcn, sich schon iiber den ganzen Saum. 
oder in der inneren RohrenmunduDg 
gleichmassig ausbreitet. — Dass ' 
Vorkommen solcher Umbildungen «* 
bei anderen Gattungen von GeflnCTI _ il#i| 
bisher nicht besonders erwahnt 1 



scheint uns einfach darin 



. WO rden. 
berohen. 



dass man diesen vercinzelten Fallon keine 
bosondere Wichtigkcit mehr beilegto, 
nachdem man dieso morphologisch inte- 
re.'sante Ersclieinung in so auffallend 
constantor Woise (lurch die aufrechten 
Gloxinien hinreichend constatirt glaubte. 
Wir selbcr versuchten schon vor meh- 
rerenJahren, diese Umbildung auch bei 
.rN.ifLi'lia zi'hrin;! il nlurch zu fmren, 

z i.'irn. init sich selbcr befruchteten, in 
der Hoffnung, die daraus fallendcn Siim- 
linge wiirden nun ihre ganzen Bluthen- 
stande in gleicher Weise entwickeln. 
Diese Hoffnung aching fehl; es ist aber 
8ehr wohl moglich , dass bei fortgesetz- 
ten Versuchen in dieser Richtung ein 
giinstigesResuhat zu erzielen ist (E. 0.) 

cjAbgebildet in der „Flore des 



«ae. (Taf. 1068-69.) Wurde bereits 
in finem friiheren Hefte erwahnt. 

10) Tydaea amabiUs, PL et Linden. 
Gesneriaceae-Achimeneae. Eine liebliche 
»"»e Art, die den Namen „liebenswiir- 
¥ mit Recht verdient. Ihre rosa-car- 
^ iarbenen Bliithen mit einera dunkleren 

dernetz gezeichnet, bieten eine ebenso 
w »e als zarte Farbung, die sehr vortheil- 

* mit der prahlenden, grellen Farbe der 
Wannten Tyd. pkta contrastirt. Beidc 
JMgleich schon, jede inihrer Art, und 

« neue wird gewiss ebenSQ gesucht 

^boliebt werden, ;vie die T. picta es 
und ge W i 3S noch lange bleiben wird> 

^T e dUrCh Triana in Neu-Granada 
JlhT- r nd hat ZU6rSt lm VOri ^ n 
d , n ' '^tablissement des Herrn Lin- 
VeJi u Wir linden sie imneuestcn 
20 F i 6 dieSes Etablisscmenta mit 
^^tirt.DieganzePflanze ist 

mlTu langen ' Weichen Haarcn 

™* bekleidet; Blatter eirund, zuge- 



rpflanzen. 179 

spitzt, kerbzahnig-gesagt; oberhalb griin 
mit schonem brauncn Adernetz, unter- 
halb weinrbthlich; die einblumigen, ach- 
selstiindigen Bliithenstiele ragen frei 
iibcr die Blatter hervor; Kelchzipfel ei- 
fbrrnig, mit der Rbhre gleich lang; Blu- 
menkrone mit rosenrother Rbhre, und 
flach abstehendem Saume von zarter 
earmin-rosa Farbe , dunkler genetzt; 
Schlund weiss mit rosa marmorirt. Cul- 
tur der Achimenes-Arten ; jedoch ist zu 
bemorken, dass sie in den kalten Regio- 
nen der Cordillercn in einer Hbhe von 
8—9000 Fuss gefunden wurde, und 
demnach mit wenigcr Warme und Feuch- 
tigkeit als die ubrigen Arten sich be- 
gniigt, dagegen einen hellen Standort 
vorzieht. (Taf. 1070.) 

11) SarraceniaDrummondii, Croom. 
Unstreitig die prachtvollste Art ihrer 
Gattung. Die aufrechten, graden Blatt- 
schlauche gleichen in Form und Grbsse 
dencn der S. flava, wie bei dieser, er- 
reichen sie an starken, gesunden Exem- 
plaren eine Liinge von 4 Fuss , sind da- 
gegen nicht einfarbig griin, sondern am 
oberen Theile, prachtvoll weiss und 
rbthlich gefieckt und marmorirt, und der 
wellig gerandete Deckel ist dicht mit 
diesen Flecken ubersaet. Die Blumen 
sind ebenfalls wie bei S. flava, nur zei- 
o-cn sie anstatt der gelben, eine schbne, 
braunlich-purpurne Farbung. Diese prach- 
tige Art ist vcrhaltnissmassig noch neu 
und selten, verdient jedoch die wiirmste 
Empfehlung. Sie stammt aus Florida, 
und v erlangt einen hellen, warmen Stand- 
ort im Orchideen- oder Warmhause. 
Uebrigens verweisen wir, die Cultur 
betreffend, auf den darauf beziiglichen 
Artikel im Jahrg. 1853, p. 55 der Gar- 
tenflora. — Die interessante Thatsache, 
dass die Schliiuche der Sarraccnien -Ar- 
ten ein farb- und geruchloses Wasser 
euthalten, und dass sie eine Menge der 
12 * 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



verschiedensten Insecten anlocken, die 
ihren Tod darin finden , hat mannigfal- 
tige Deutungen erfahren, ohne bis jetzt 
vollig erklart zu sein. Dr. Planchon 
neigt sich zu derAnnahme, dass dieses 
Wasser wirklich von der Pflanzc ausge- 
sondert wird, und nimmt dann an, dass 
die darin verwesenden Insecten der 
Pflanze einen natiirlichen Diinger zufiih- 
ren, der zu ihrer iippigen Entwicklung 
nothwendig ist, und will darin den ei- 
gentlichen Zweck dieser Insectenfallen 
linden. Die Blumen dev Aristolochia, 
Ceropegia und yerschiedener Aroideen- 
Arton haben auch die Eigenschaft, In- 
secten zu fangen; jedoch scheint hier 
die Natur bezweckt zu haben , durch die 
gefangenen Insecten die Befruchtung zu 
vermitteln, wahrend diese Deutung bei 
den Blattorganen der Sarracenien natiir- 
lich unzulassig ist. (Taf. 1071—72.) 
12) Rhododendron (hijbr.) Prince 



Camille de Rohan. Bereits in einer frti- 
heren Lieferung besprochen. (Taf. 1073.) 
13) Sarracenia rubra, Walter. (S. 
minor, Sweet.) Neben der stattlichen 
S. Drummondii eine allerdings sehr be- 
scheidenc, aber immerhin niedliche und 
gracile Art aus Nord- und Siid-Carolina. 
Die diinnen, aufrechten Schliiuchc wer- 
den 9 bis 15 Zoll lang , nach oben zu 
allmahlig erWeitert, mit eiforrnigem, zu- 
gespitztcm aufstehendem Deckel; siesind 
griin und nach oben zu mehr odcr min- 
der purpurroth geadert. Die kleinen, 
hubschen Bliithen sind purpur- oder 
schwarzpurpurroth und sehr vvoblrie- 
chend. Ihr Duft kann am Boston ver- 
glichen werden mit einem Gemisch von 
Veilchen und Reseda. — Sic war Ot- 
her sehr selten , ist aber neuerdings in 
grosseren Quantitatcn eingcfiihrt und 
verdient mit ihren Schwestern eine gros- 
sere Verbreitung. (Taf. 1074.) 



HI. N o t i z c n. 



l)Einige 3 


iiber die 


can a. Von M 




Gelehrten Anzei 


en einen i 






gebeu. "Wir entnelimeu au 


folgende iiber 




derselben in u 


isereu Gart 


Agave american 




Die Spanier 




schem Boden di 


sse Pflanze I 


aie unter dem Efamea MhI 


bekannt und w 


urde scbon 



en, wenn die Pflanze einen Blutheuscbaii 
n will, was in Mexiko circa 8-1 
Jabre nach der Anpflanzucg geschiebt. * 



kraftige° Pflanze ft* 



Pulque bekannt is», bereitet. Die Pflanze 
selbst ward bald nach Europa iibergeful 
und wegen ihrer vielgeruhmten Eigenschaften 



dem Clusius in Spanie 



Saft besitzt einea angeui 
Geschmack und liefert , n 
Tage im Keller gegohren , 



nebmen sanerlichen oder fauligen Geruch, 
wahrscheinlich die Folge der mangelhaften 
Bereitung und Aufbewahrung in Ziegenhau 

lande entwickelt sich der ungebeure bis 3C 
Fus9 hohe Bliithenscbaft der Agave ameri- 
canain 4-8 Wochen, in unseren Gewachs- 
biusern braucht er dagegen fast 4 Monate. 

Deber dieses merkwiirdig scbnelle Wachs<- 
tbum des BlutheDScbaftes sind schon 
fruh zahlreiche Beobachtungen gemacht 
den. So wird mitgethellt , dass eine Pfl 






-; ^unur der JN ymphaea gigantea. 
Wir haben schon angezeigt, dass die N. gigan- 
leaiadcr schonen und bekanntenHandelsgSrt- 
mrei des Hm. Geitner zu Planitz bei Zwickau 
nSichsen gebluhet bat. Nach der Hamburger 
Sartmeitung, befolgte derselbe folgende CuJtur: 



in einemBassin au: 
I Ellen Jang, 2 Ellen breit und I 

I EUen breiter und tiefer Kasien i 
" stand ein weaig kJeinerer hoi 
Utten gefertigter Kasten , so da 
ganz von Wasser umspfilt war. Dieser 
m >* einer Erdmiscbung aus Schlamc 



" e Qie ^age gegcn Osten, so dass 
le Morgensonne die Pilanze traf, die 
r selbst lagen dem Bassin sehr 'nabe 
l ^e 1853 die Nvmphaea g i gan tea 

rara, ^ V ° 11CD1 Sonnenlicht und 

,, raie ' noch im Victorienhause gedei- 
'«. so ward e i n Mittelweg eingeschla- 



Hrn. Ad. Weick, Gartner in Strassburg. Ob- 
gleich diese Pflanze keine Neuigkeit ist , so ist 
sie nichts destoweniger eine der hiibschesten 

weiteren Vortheil , dass sie im Zimmer gut 
gedeiht. Auf folgende Art wird sie darin zum 
Bliihen gebracht: 

Diese Pflanze wird durch Stecklinge ver- 
mebrt, welche man wahrend des ganzen Jah- * 
res rnacben kann, indessen ist das Fruhjabr 
lie geeignetste Z< 

laugen Zweig in einen kleinen 1%— 2zolligen 
Topf in Heideerde und begiesst ihn leicht. 

asten, so wird der Topf darin eingegra- 
und in Zeit von 3— 4 Wochen ist der Steck- 
bewurzelt, In ErmangluDg eines solcben 
Kastens stellt man den Topf ins warme Zim- 
und nabe am Fenster wird der Zweig in 



; dafur. Man [ 



Wochen ebenfalls bewurzelt i 

begiesst ihn selten und nur wenn die Erde 

• trocken ist. Anfangs Mai versetzt man 

junge Pflanze in einen grosseren Topf 

fiigt der Heideerde ungefahr den vierten 

Theil Gartenerde (terre franche) bei. Man 



i>ib 



Zeit 






Im August verpflanzt man sie 
in einen grossern, etwa 4—5- 
zolligen Topf und nimmt dazu , so wie zu 
jedem spiiteren Versetzen folgende Erdmi- 
scbung: zwei Theile Heideerde, ein Theil Gar- 
tenerde, ein Theil Mistbeeterde (terreau de 
couche) und ein wenig weissen Sand. Bei 
jedein Versetzen sorge man fiir guten Abzug. 
Wahrend des ganzen Sommers iiberspritzt 
man die Pflanze alle 2 — 3 Tage leicht mil 
warmem Wasser (bassiner). Im Winter be- 
giesst man sie sparlicher und bringt sie in 
eine Temperatur von 6— 8° C. Ist die Pilanze 



Zeit 



Zeit 



Gran behalten. 



Gartenflora Deutschlands und < 



JuDi und sie folgen sich bis zum Herbst Die 
Bliithenstiele (pcdicelles des fleurs) schneide man 
nie ab,wennsieverbluhhaben-, dennsie bringen 
im folgenden Jahre nur desto mehr Bluthen. 
Vom zweiten Jahr an versetzt man diese 
Pflanze nur im Frflbjabr im Februar oder 
Marz in die oben angegebene MischuDg, auch 



Obige Empfeblung verdient alle Beacb- 


Revue horticole in eineru Aufsatz des Herrn 


tung des Liebhabers und er wird sich reich- 


Pepin angefiihrt. Doch war dabei bemerkt, 


lich entschadigt finden fur die geiinge darauf 


dass Herr Cachet in Aogers diese Lilie ins 


verwendete Miihe. (Bclg. Hort.) 


freie Land gepflanzt babe, wo sie, trotz ciner 


4) Cultur der Pleroma elegans. 


Kalte vod 11° R. ausdauerte. Man bewerkte 


Ich machte vergangenes Jahr eine kleine 


ferner, dass ungeachtet der Strenge des Win- 




ters von 1853—54 das Wachsthum der ins 


Zweck war, die schimsten Blunaen des W'arm- 


freie Land gepflanzten Lilien viel iippiger war, 


hauses , die man mit Eecht als Ziergegen- 


als dasjenige der im Topfe uberwinterten. 


siaude verwenden konnte, zu suchen. 


Auch in Belgien warden Versucbe mit die- 


S Dabei faudich eine Pleroma elegans von 30" 


ser Cultur angestellt, welche hoclist befricdi- 


Hohe und oben ebcnso breit , die ganz nach 


gende Resultate lieferten. Man ging dabei 


den Regeln der Kunst, buscbig und astig 


von der bei Liliurn lancifolium gemachten 


■war, und dieses Meisterwerk der Cultur bliihte 


Erfahruug aus, welches man fruher auch vor 


wirklich verschwenderisch. Jedo Blume hatte 


dem geringsten Frost schutzen zu diOsm 



Dieses Wunder erhielt man dadurch, das 
man die Pflanze vergangenes Jahr bestandi 
stutzte. Alle Knospen, die zur Krone nich 
beitragen konnten, wurden durchaus entfern 

Die Erde bestand aus einer Mischung vo 
sandig thoniger Gartenerde, grober Torferde 
nnd sandiger Heideerde, was ein Jahr 



4 Drittel alten verrotteten Diingers v 
modertem Laub, bestreut das mit eim 
▼ell gepulverter Kohle nnd bew,assert 
grosser Sorgfalt. Auch kann man ihi 



warmnaus, so wird sie die 
der Sammlung sein. Das Schwierigste urn 
Wichtigste ist, junges , gut gereiftes Holz zi 
bekommen. Urn zu diesem Zweck zu gelan 
geu, ist cs wesentlich nothwendig, mehrer 
Pflanzen zu baben, und wahrend man b« 
einem Theile der vorrathigen Pflanzen eii 
halbes Jahr darauf hinarbeitet , bltiht die an 
dere Halfte der Sammlung. (Belg. Hort.) 



m. Diese, bis zu 10' r. 
:he gegenwartig die Ai 



imers im Lande einge- 
» Kasteu gestellt. Diese 



Herr Pepiu erklart in Obigem , dass er I 
Paris ein Prachtexeuiplar des Lilium gigan 
teum gesehen habe, das in eiuem Topf cul 

, ..-■ (,.fW stand, und sich bei dieserCul 
tur eben so wohl befand, als die Ricbardi 
(Calla) aethiopica und die Sagittaria Unci 
folia. 

Hr. Pepir 



; 

kommen. Dort ziehen sich die Knollen 
Boden hin und dringen sehr wenig darin 
aber sie halten sich durch starke, lange M 



; Knollen vom November— A 



sandige Heideerde gem 
erde. Herr Durand sag 
cole, dass er Ende He 



jchung gepflanzte Lilie in einen gr6 
Topf verpflanzt und gute Composterde mit 
beigeroischt habe. Die Blatter erhoben sid 
unstatt horizontal zu bloiben ; der Blutheii- 



1 im Schatten der \V 
AUgemeinen sehr feu 
Sonne ihre Strahlen 



gungen des Bodens noch 



auf beiden Seiten Pack* 

n. Pflanzt man die Rie- 

m sie ausser dsn Bedin- 

Hagel und andere zer- 



(3e!g. 



™" ■» mit einer Glasglocke bedeckt, urn sie 
zu starker Ausdunstung zu sehiitzen. Sind 
'"gutbewurzelt, so seize man sie einzeln 
^guteu fibrosen Torf, welcher des Abzuges 
««en mit gentigend viel grobkbrnigem Sil- 

sJlie gemiSCht W6rden mUSS - Die Pflan " n 
. . a ™ an e ' ne n feuchtwarmen Ort, be- 



reichlich, bis sie gut angewachsen sind ; auch 
tiberspritze man sie am Morgen und Abend 
leicht, gebe Nachmittags babTLuft und, wenn 
man den Pflanzen wiihrend ihrer Wachsthums- 
zeit Bodenwarme geben kann , so wird das 
viel zu starker Wurzelbildung und schnellem 
Wachsthum beitragen. Geht es gut, so sind 
die Topfe bald vollgewurzelt und das Ver- 



in Topfe, deren Grosse durch die Zeit 1 



wenig Aufmerksamkeit beim Stecken und 
Behandlung reichlicbe Seitenschosse trei- 
i. Man sorge vorziiglich dafiir, dass ihre 
itter in gutein Zustand erhalten werden, 




Die dieser Pflanze eigenen schonen Blatter und 


reifen zu lassen. Im Winter stelle man sie 


>e grossen hangenden Trauben ihrer schfln- 


in ein Haus, desseu Temperatur bei Nacht et- 


gefaibteu Bluthen gewiihren einen iiberra- 


wa 10 2°U. betragt, in welcbem man die Erde 


schenden und priichtigen Anblick. Durch ihr 


spaisani befeuchtet und die Blatter vor 


fruhes und reichliches Bliiben verdient diese 
Pflanze in jeder Sammlung ein»n Platz. 


Beschadigung durch Diinste und Insekten 


sehUtzt. Um sich grosse Exemplare zu ver- 


Stecklinge von gut gereiftem jungen 


scbaffen, wird es gut sein, wenn man die 


% Torferde steclt,' ZZ B^tartriM tftf 


Pflanzen noch ein Jahr wachsen lasst, ehe 


man sie zur Blfithe briugt und in diesem Fall 



Bodenwarme, begiesse | 



Gartenflora Deutschlands and < 



Conservatoriums odei Aus-tellungshauses, vor- 
ausgesetzt, dass eine ziemlich trockece Atnio- 
sphare und eine Temperatur von 6— 'i° R. 
darin herrscht. Nach der Bluthe bringe man 
die Pflanzen wieder in die Temperatur, in 



gen weissen Bllithen stehen denen 
denia im Wohlgeruch kaum na< 
SchOnheit dauert langer und sie we 
guter Behandlung dicht gefullt. 

Als ostindische pflanze verlangt 
rend des Wachsthums eine wanue 
Temperatur nebst reichlichem Begiess 



sie trocken und kiihl, um ein vollstandiges 
Eeifen desselben zu erzielen, was die -erste 
Bedingung ist, wenn die Blumen sich schon 

man der Pflanze eine Ruheperiode , so kann 
man von Marz — September Blumen haben, da 
das gereifte Holz niemals ermangeln wird, 
solche hervorzubringen. 

Junge Pflanzen sollten im Fruhjabr sehr 
bald zum Wachsen einer feuchten Temperatur 
und einer Warme von etwa 14° bei Nacht 
und 18° R. bei Tag ausgesetzk werden; giebt 



Wetter erlaubt. Hal 
ene Pflanzen ausge- 
ie Spitzen der Schos- 



zielen. Das Versetzen muss ges< 

bald die Topfe nur einigermassen 

den Wurzeln angefullt sind und 

oder 2mal grOssere Topfe, wobei man siotf 

nach der Starke der Pflanze richte. Sind ay 

eingegraben, so ist beim Begiessen giosi 



\0!Si.' 



nug Wasser, i 
ten. Spater s 

der Scbatten 



i Fa:- 



die Topfe mit Wurzeln angefullt, so versetze 
man sie zum zweitenmale, vorausgesetzt, dass 
das nicht gegen Ende ihrer Wachstbumsieit 



zen Abends and Morgens, balte sie geMng 
aufgebunden und zuriickgeschnitten, uffi ih« en 
ein buschiges Ausehen zu geben. Bei Pflaa- 
zen jedocb, die nachsten Fruhling bliihen m- 
len, sollte das Zuruckscbneiden nicht spater 
vorgenommen werden, als das Holz Zeit ba>, 
noch vor Winter gehorig zu reifen. Die m 
tragiichste Stelle wabrend des Winters fur sie 
ist ein Kasten oder Haus, in welchem *'• 
Temperatur iiber 10° steigt, und ist **«" 
den Sommer fiber gut gereift, so kann J' 
kaltem Wetter die Temperatur bei Nacht a 
lVz° sinken. Man gebe in dieser Ferio 
der Pflanze nicht mehr Wasser als hin«« ^ 
die Wurzeln in gutem Zustand zu er a . 
iiberspritze aber die Blatter der Pflanze ««* 
mal an den Morgen heller Tage, um »• ^ y 
Staub etc. zu reinigen. Will man > 
Bluthe grosse Eiemplare haben, so 
man si. im FrHhi.hr SO bald * moghcb « 



! 



l*i!i.-» 

/"•..', 







Kis..'5. 




X-..^:-.^^r:^!. 









ne Temperatur von 14» 

i tiichtige Bodeuwarme, um i 
gehorige Wurzelbildung zu erzielen. Ehe 
Topfe ganz vollgewurzelt sin4 , versetze i 
die Pflanzen und behandle sie im Uebrigen, 
wie obea angegeben. Wahrend der Bliithe 
miissen sie in ein kuhles Haus gebracht und 



werden. Als Erde 



1 Theil Rasenerde nebst ein 
Portion Silbersand, um deni Wi 



I Mi;. 



Stecklinge von jungem Holz 
wenn man sie in sandigen Bo- 
it einer Glasglocke bedeckt und 
>n21— 26°Warme eingnibt. 



flora. Wenigo Pflanzen gewiihren - 



andere von gleicher Schbnheit, deren 

i- Leider bat diese Spezies einen etwas 
igen Habitus und lasst sich nicht leicht 
iem hubschen Exemplar heranbilden. Aber 
t von freiem Wachatbum, durchaus nicht 
5h, and mit gehbriger Aufmerksamkeit 
Schneiden etc. kbnnen schbne Exem- 
ohne grossen Verlust an Zeit und Miihe 



warme Teraperatur unterhalten wird, bis sie 
gut angewachsen sind; wonach sie nahc am 
Glas gehalten und der freien Einwirkung des 
Lichtes ausgesetzt werden, was die Bildung 
langer, scbwacher Triebe verhindert. Sobald 
die jungen Schosse wenige Zoll lang sind, 
und es ertragen kbnnen, binde man sie so 
nieder, dass das Fliessen des Saftes nach den 
Spitzeu gehemmt wird. Sind die unteren Kno- 
spen angescbwollen, so schneide man die 
Spitzen ab, da wenig Erfolg vom Schneiden 

sobald die unteien Knospen schon ausgetrie- 
beu sind; nur auf diese Weise wird man 
schbne Zvvergexemplare ziehen; auch sollten 
alle Hauptzweige der Pflanze zu gleicher Zeit 

thums sollten die Pflanzen genugenden Raum 
im Topfe haben uud eine Temperatur von 
12 — 17° R. bei Nacht, welche bei Sonnen- 
schein um 5— i° R. steigen kaDU. Die At- 
mosphaie halte man durcli Ueberspntzen der 



Blumen hervor. 



boscl.n 



^k. und gibt ihnea m . lde fiode 
* m man dafur besorgt ist, dai 
mtht ln Tiel Wasser bekommen. 



spater, als bis Anfangs Augi 

werden, damit das Holz noch zum Reifeu Zeit 

hat. Gegen Mitte Oktobers, wma die Pflan- 

briuge man sie in ehie trockenere kiihlere 
Atmosphare und gebe den Wurzeln sparlich 
Wasser, was ihre Neigung zum Fortwacbsen 
hiudern und das Reifen des Holzes bedeuteod 
befbrdern wird. Bring* man sie sodann wie- 
der zuruck in eine etwas feucbtere uud war- 
mere Temperatur. und lasst ihneu gehorig 

jedem Blattwinkel des gereiften Holzes Blu- 
men hervorkommen seben. Wahrend der Blu- 
the kann man sie ias Conservatorium stelleu, 



1% 



Gartenflora Den 



worin, wenn die Temperatur 5—8° E. betragt, 
sie etwa 2 Monate fortbluhen. 

Nach dcr Bluthe stelle man die Pflanzen 
ia die Ecke eines Hauses, worin die durch 
Feuerwarme hervorgebrachte) Temperatur 5-8° 
R. belragt und lasse die Erde ganz trocken 
werden. Hier werden die Schosse zuruckge- 
schnitlen und gebunden, damit so vielKnospen 
als moglich ins Wachsen kommen. So wie 
dasselbe anlangt, solllen die Pflanzen ver- 
selzl werden; giossere Exemplare schneide 
man vom Ballen ab , verselze sie in kleinere 
Topfe und bringe sie sodann in cine starke 
Warme , urn sie zu neuer Wurzelbildung zu 
i Pflanzen bedurfen keiner so 



.I.auiH 



-rli,,,-. 



diger Rasencrde und iibrosem Torf 
femcm Zustand, nebst einer geniigenden Por- 
tion groben reineu Sandes und kleiner Stucke 
Holzkohle ist crfabrungsgemiiss die zweekmas- 
sigste Erdart. (Gard. Chron.) 



iartenboden gepflanzt wird. Es veriislelt 
;ehr und triigt Blatter, die zweimal so 
gross sind , als man sie gewohnlich sieht, aber 
renig Blumen. Ein in Qualitat und yuautitiit 
lagerer Boden wild desshalb erfordert, um 
den erwiinschten Erfolg berbeizufiibren. Vcr- 
t man unter Befolgung dieser Vorsicht 
'flanzen. so wird man inn 






-Pelargonie 



Gebrauch bessere Dienste leisten 

Pflanzen: anstatt iippig zu wac 

j men tragen. Aebnlich verhalte 

Fancy-Pelargonien*). (Gar 

10) Thee (Schluss.) Die Pfl 






nheit erinnert, 
m geschickter Hand unter Gla 
t werden. Man mag sicb i 



haltnissraassig gut ausnehmei 



:u >ersucn veraienen , und es ist vorzug- 
nur der Mangel des Versuches, was ih- 
Bluiueiigarten im Wege 
cntbam indessen und einigea 
werden die Fancy-Pelargonien 

on Arten , und 



reitet wird, nicht angebaut. Auf deo J 

uea-lliigeln wachst, botanisch gesprochen, 

a Bohea-Thee , vielmehr ist der Theestra 

der Boheahugel ebei 

terschied zwis( 

t einzig u 



Thea Bohea. Di 



*) Wir theilen obige dem Gard. Chrom • 
entnommenen Bemerkungen mil, ™ mt * . 
aber bezweifeln , dass Fancy-Pelarg""'* 
selbst in einem'mageren Gartenbodea^ 
pflanzt, so schon werden, wie man ^ 
Topfen hinter Glas erziehen kann, 
die voile Sonne und Scbutz gegen Beg* 
halten. + ** 



allein auf der Art der Bereitung. Der grune 
Thee wird leichter und schneller getrocknet, 
so dass er einen grosseren Antheil von den 
wurzigen Eigenschaften des Blattes besitzt. 
DerschwarzeThee wird langsamer getrocknet. 

e i r cu^-eion Temperatur ausgesetzf, er 
geraJh nun iu eine leichte Galirung, wird be- 
huft des Trocknens einem hbheren Hitzegrad 

schwarze Farbe. Nur um dem I 
scbmack von uns, Barbaren , zu genfjgen, 
wird vermittelst eities Farbestoffes dem grfinen 
Thee noch jener glauzende Duft ertheilt, den 
liendbe bei uns im Handel tragi. Der 
Mhwarze Thee halt, wcil besser getrocknet, 
>uch besser aus. Es gibt eine gevvisse Thee- 
■•*-, welche .,11 y son Pekoe" heisst, Die- 
»ioe wird von den ersten jungen Lenzknosp- 
chen g«"»acht, sie halt rich schlecht, ist aber, 



nErnte Pekoe, und der grrj 
fgute, ebenfalls aus der en 

■*, welche „blflhender Le 
5 Produkt der zweiten ode 
* fflhrt beim grunen The. 



gu» dann unser bekanntes „Scbiesspul- 
*' ">, eine Soite, welche die Chinesen 
^ nennen. Dem Hyson entspricht beim 
" zen Thee d er „Souchong", ebenfalls 
|">MteProdukt der zweiten Ernte. Auf den 
**>»g folgt der Kongou (eige 
J L JjN-_ Twankay ist eine geringere 
Quantitaten nach 



ly gebracht wird. 



B;; lt te 






Ue ; zZ7 Bohea - Ttie e, welcher 

'"elo h iT" V ° n dea ° ben enviinnlenBoae a- 
," Thees "* iiQ g eri »g s 'e Sorte des schwar- 



1*7 



imt, mit den schlechtesten 
Corjgouthee gemischt, als 
,Kanton Bohea" in unsern Theetopf. In Kan- 
:on existiren aber grosse Fabriken , in denen 
lus den Blattern der Thea bohea vermittelst 



'iirbens hun- 
ger Hyson" und ,,Schiesspulvcr ,c berettet. und 
damit ausgebiejteter Haudel getrieben wird. 
Wie die Theehandler in den Theedistrikten 
das Land durchstreifen , um von den kleinen 
Pachtern den Ertrag ihrer Theegarten einzu- 
handeln , so verlassen in den Nankin Distrik- 
ten die Kaufleute ihre Stadte, um auf glei- 
che Weise das in den kleinen Baucrnhofeu 
gewobene beruhmte Nankinzeug auf- und zu- 
sammenzukaufen; und geradeso verhaltes sich 
(H. L.) 



he dabei aufzutreten i 
ten uns bemuht, die 

iseren Theiles auch * 
hen. Zuerst sprach J 



Znc- 



pi la 


I. U 11 




roben augesteilt werden 








iart in die einzeine Gegend 


pav-t 


Hi 


usichtlich der Pflanzung der 






bst eifeite ei bs 






bei u 


s so gar verbreitete uble 


Art, worna 


ii die 


ungen Biiume in der Regel 


viel 


u t 


ef ges 


tzt werden, so dass die 








oder Nichts von der Son- 


uenei 


wirkung zu 


geniessen bekommen und 


dessw 


egen 


aufig i 


i zu rjassem Grunde stehen ; 






schl 


m m 


n der 


Baume oft ohne alle Kiirk- 


sicht 


tuf d 


e Nam 


des Bodens so sehr vor- 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



d em Winter geniacht i 
Bedeutung ist ferner das 

vorgenommen werden s 



tiozolt:e Fiaaen an, z. B.: 
sn der Baurne am besten vorge- 



Mortel von Lehm, Rindsdung, Asc 
;in wenig Theer iiberzogen weide. 
Nach Hrn. Lucas trat Hr. Hiibler \onStul 



achte der Versammlung das Oll'eit, i 
age von Tabakspflanzen u 
>ben, wogegen sich die Emp 

od zwar den Zollcentner guti 



Jalir. 



die cM'uistieen Rosultate desselben m maen, 
wo namentlidi in der Pfalz die schousten Er- 
folge schon erzielt *orden sind. Er glaubt, 
dass keine Frucht dcm kleinen Bauera eini 

Auch hinterlasst, sagt er, der Tabak i* 
Feld besser, als jede andeie Frucht, nicM 
bios desshalb, well geh.". ig gcdiii.et w '- 
muss, sondern weil der Tabak den Danger 
nicht so sehr verzehit, als irgend eine andere 
Frucht. Samentlich aber, wo die GOtentf- 
stuckelung so bedeutend sei, uie bei una, 
sei der Tabaksbau sehr praktisch wegen des 
sicherenResultats; denn schon fur deuAnfM* 
konne man auf 80 Q. Ertrag pr. Morgeo sicher 



( >,,:. It 



der Weinberge, und in d 
n die Leute Gescheiteres tl 



l sprach Hr. L u c a s n 
fiber die Pfleged.r Bin 
• namentlich auf folgende I 



IV. 

den zu vielen Zweigen und Aesteu in 
s Beschneiden vorgeLeugt, 
die Kronen geiidnet \seiu 
aber mil gehoriger Umsicht und mit Mitge- 
m Und dieses Geschaft des Baui 
tzens wild, so versichert er zum SI; 



»ber mussen Vwsichtig uneizogen werde; 
and zwar wird der Steinkohlentheer als d{ 
■ -■■> Mittel diizu bezeichnet. So bekomn 
man alte gesunde Baume, und diese seien e 
»elche die besten Friiclite geben. Naehdej 
Br. Lucas daran noch einige Winke hinsichi 



michwios. Aobei er sich des „Geissfusses" 
a!s Werkzeug bediente, und vertheilte zum 
Schluss mehrere Zweige der Pom eianzen- 

den die beste Mostbirue sei und eineu Obst- 
most gewahre, der 6—7 Jahre in voller Giite 
halte. Zuletzt zeigte Hr. Lucas ein Modell 
ewer ncuen Obstdbrre, die den Vortheil 
gewahri, dais sie auf jedem Kunstheerd an- 
gebracht werden kaun und nur 6 fl. kostet. 
Damit schloss die Versammlung, nachdem 
wohl Mancher, namentlich in der Obstbaum- 
, eines Besseren belehrt worden war. 



i)Dr. J. F. Klotzsch, die Bogonia- 
"en-Gattungen und Arten. Berlin, Ni- 
wlaische Buchhandlung. — Die Begoniaceen 
Wen bekanntlich eine kleine natiirliche Fa- 
■fc. deren Stellung imSysteme, immer noch 
*ht mil Beslimmtheit gefunden werden konnte, 
i'-'» Formen ganzlidi fohb-n 
4 "ie Klotzsch ausspricht, vjelldchl era! in 
SehSpftmg geschaffen werden. 
wVerfasser berueksicbtgt in diesem Werkc 
»G»nzen nur 172 ihm bekannte Arten, da 

g ^le, in die 41 von ihm aufgestelllen aus 
CTj ebild6lea Gattun S en unterbringen 

fsl^ Dn 8lei ° h d ' eSe 41 VOm Verfasser auf " 

iTrlT GaUUngen ' mancher] ei Wiederspru- 

juhren werden, so gebuhrt dieser um- 

en Dnd grfindIichen ArbeU . mmer das 

tZ Verdi€nSl ' die gf0SSe Verschie - 

k d! r Q , der Bildu " S der GriffeI ™d Narben 
Wzt u "^ BeS ° nia alS Einlh <*™&ssnmd 
Sen K " Conse( l uent durchgefuhrt zu ha- 
?en deg y^ *"" mU darnach & e 4 * Gattun- 
taogen erFassers , Gatlungen oder Untergat- 
^ .so wjrd diese schone Arbeit, immer- 
W*fcT STGndUche fflr aIle Z^i'en mass- 
Be *beitung der bisherigen Galtung 



r a t u r. 

Begonia bleiben. Solange der Begriff 



i Gesichlspunkte ; 



ganz allgemein aner- 
•uekgefuhrt ist, wird 
rig unendlich viel auf 



ie Anschauung ui 
Entscheidung dieser Frage einwirken. daher 
die grosse Verschicdenheit in Auflassung von 
Gatlung und Unter-Gatlung. Dennoch ware es 
jelzl an der Zeit, dasS diese Frage ein und 
fur alle mal durch einen allgemein angenom- 
menen Beyriff gelosl werde. Ein Einzelner 
wird diese Frage nicht enlscheiden konnen, 
wenn ihm nicht wirklich diclatorische Gewalt 
freiwillig eingeraumt wird. Es ware dies da- 
her eine Frage, welche zeitgemass der ge- 
meinsamen Entscheidung, auf einer deutschen 
NaturForscher- Versammlung vorgelegt werden 
sollle, nachdem alle lebendcn Botaniker von 
Bedeulung dazu aufgefordert, ihre Ansicht in 
dieser Beziehung entweder selbst zu vertrele^ 
oder ein schriftliches Gulachten 



den Miinnern der Wissenschaft, welche bei 
kiinftigen Versammlungen deutscher Naturfor- 
scher eine Stimme haben und vermeiden es 
daher uns uber die Hallbarkeit oder Unhalt- 



barkeit von Klotzsch's Gattungen der Begonia- 

Nach der Dauer odcr Hinfalligkeit dcs GrilTels 
bildet derVerfasserzunachstzwei Untcrablheilun- 
gen, die er durchStephanocarpeae undGymno- 
carpeaebezeichnet Die Gattungen selbst werden 

fels, insofern dessen Aesle entweder aufrechl 
oder gespreizt, entweder gleicbmassig mit Pa- 
Dillen. oder mit einem dieselben spiralformig 
n Band von Papillen beselzt sind. 



3- oder 4facherig ist, entweder an den Kan- 
ten der Flugel oder Ecken , oder innerhalb 
derselbcn sich ofTnef. Ebenso 1st die ZabI der 
Blumcnblutter beider Geschlechter durchaus 



: zur Begiun- 



bekannten 



ten, so dass diese grundliche A 
Verfasser mit seiner genugsat 
Scharfe des Urlheils durchgefiihi 
nicht bios auf der Obcrflache schwimraenden 
Beobacbler eine sehr willkommene Gabe sein 
muss. Diejenigen, welchc das Gedachtniss 
nicht gerne anslrengen, werden freilich fiber 
die Masse der neuen Gattungsnamen schreien, 
aber werfen wir einen Blick auf die Compo- 



unbedeulendere Merkmale, begrundet sind, als 
Klotzsch's Gattungen der Begoniaceen. Auf 12 
sauber gearbeiteten Tafeln sind die Analysen 
dieser Gattungen, dieser schonen Arbeit bei- 
gegeben, die uns so die grosse Mannigfaltig- 
keit der Blumen- und Fruchtbildung, jener bis 
jelzt zu einer Gattung vereiniglen Pflanzen, 
aaf das anschaulichste zeigt. Wir danken da- 
her dem Verfasser fur diese umfassende fur 



und der Schweiz. 

den Gartenbau besondcrs wichtige Arbeit, wei] 

testen Decorationspflanzen des Warmhauses 
gehort, und konnen eine in einer anderen 
Gartenzeituns von einem Unberufencn ges?e- 
itiklose Kritik stillschweigend fiber- 



Herr Jordan, bckam 
uen und grossentheils 
elche derselbe aus Franki 
:zlen Jahren beschrieb , th 



■ ■ • ' 



Art mit. Es ist in dieser Schrift Wahres n 
Falschem auf eine geschickte Wcisc gemiscl 
so dass jeder, der die von Hrn. Jordan ai 
gefuhrten Bcobachlungen nicht theils sehi 
selbst gemacht hat , leicht von den Ansichl 
desselben auf eine falsche Bahn geleilet w< 

Die ganze Abhandlung bemiiht sich 
zeigen , dass alle jene Varietiiten , welchc i 
als constante Formen kennen, keine bloss 
Formen, sondern wirkliche Arten seien. wa 
einer langen Einleitung, we] 






: Cultm 



er darauf bin, 



res friiheren Zustandes. 

Die Zahl der Culturpflanzen 
haupt allmahlich immer mehr ^ 
Schopfungen konne man nicht 
Beobachtung zeige , dass dure 
Cullur, eine Art nicht in die 

erhiellen sich deren Character 



sondern auf Frucht, Samen 
las Holz und die ganze Traclit. 
ros-Arten zcigen viel geringere Un- 
jskennzeichen , als vielc der Pflau- 



leilen sucht. Dazil kommt nun noch, dass 


stande A. triticoides geblieben und nicht zurn 


\ 1 I . . , 


Weizen geworden. Er habe sowohl die Ab- 


Cultur vollslandig bestandig sind, und zwar 


bildung Fabres verglichen , wie Exemplare ge- 


...tht bios als Individuuin iui weitesten Sinne 


sehen, welche Fabre an Seringe und Godron 


des Wortes betrachtet, sondern auch miltelst 


von der von ihm cullivirten Pflanze gesendet, 


Aussaaten. Allerdings ist es wahr, dass bei 


alle diese halten allerdings dem Weizen ahn- 


solchen Aussaalen das Steinobst constanter als 


lich gesehen, seien aber nichts weniger als 


das Kernobst, aber auch das Letztere weicht 


mit diesem idenlisch, sondern hatlen noch ge- 


durch Samen fortgepflanzt nur in unwesentli- 


nau die dem A. triticoides Reg. zukommenden 


cheren Charakteren ab , denn ein aufmerksa- 


Charaklere besessen. 


mer Beobachler konne schon an Belaubung, 


Ferner bestreitet Jordan, dass aus dem Sa- 


Holz und Wuchs der jungen Kernstamme er- 


men der A. ovata oder A. triaristata der A. 


kennen, von welcher Race sie stammten. 


triticoides hervorgehen konne. Er habe ei- 


sst nun Ilr. Jordan, dass alle 


nen Fall, der ihm gezeigt -worden sei, wo 


jene bestandigen Racen unserer Culturpflanzen, 


Aegilops ovata und triticoides angeblich aus 


wirkliche achte Arten seien. Er trilt ferner 


der gleichen Samenahre neben einander em- 


?e?en die Ansicht auf, die schon Desfontaines 


porgewachsen waren, genauer untersucht, dass 


attelllc, dass unseren Obstsorten mehrere 
Arten zu Grunde liegen, sondern behauptet, 
ja»fiberhaupt alle erblichen Varietaten, wahre 


in Wahrheil beide Pflanzen aus ganz ver- 


sehiedenen Aehren hervorgegangen waren, 


welche nur zufallig dicht neben einander la- 



•- >««i. Auiaing erzeugle Abarten ver- 
«kwaaden ebenso bald, wie die Ursachen 
Morten, die sie hervorgerufen. Durch Ein- 
J«kung der Cultur konnten sich wohl einzelne 

laneausserordcnthch vergrossern, dicFruchte, 
*«neln und Blatter schmackhafler werden, 

, JP eziflsc he Nalur der belreffenden Pflanzen 
"Mite sich aber nicht. 

, Der Verfasser gcht nun zu den einzelnen 



dass Fabrt 
lbe - Er behauptel 



schiedene Art sei, die nur durch Cultur einen 
kraftigeren Habitus erhalten habe und dadureh 
dem Weizen ahnlich geworden sei. Sie habe 



Unachtsamkeit, alle derarligen Umwi 
zu erkliii 

Bj^t.ii i . 



ich kommt Jordan auch noch auf 
i sprechen , die ihm jedenfalls 
eniger bekannt, als denen , wel- 



spricht. Nachdem er anfanglich behauptet, 
:s keinen Bastard gebe , der sich durch 
i fortgepflanzt, erklart er gleich hinter- 



her aufs uberzeugendste 


her die zahlreichen Gartenformen der Pelar- 


unsere Racen der Aepfel 


gonien , Rhododendron etc., fur Bastarde, von 


den erblichen Unterarten 


denen es ja genugsam bekannt ist, dass sie 


n sie durch Einfluss der 


sich durch Samen fortpflanzen. Die Bastar- 


e Aussaat hervorgegan- 


dirung soil nach ihm den Typus der 


chlungen stellt er uber 




nes, der Gemuse und 


anderungen durch Kreuzung seien blosse Hy- 


de an. Beim Letzteren 


pothesen , sondern es sei jede wirkliche Race 


f die Umwandlung von 


eine eigentliche Art. Von vielen dieser Racen 


n Weizen ein. Er zeigt 


kenne man allerdings die wilde Stammart 


Aegilops triticoides und 


jetzt nicht mehr. Da nun aber der Ursprung 



Culturpflanzen in die altesten Zeilen des 
Menschengeschlechts zuriickreiche , so sei 
wahrscheinlich , dass die wilden Stammar- 



192 Gartenflora 

loren gingen und nur die Cullurpflar 
Hausthiere von denMenschen gerettet 
Was sollen wir dazu sagen, w 
Mann sichere Erfahrungcn in das Go 
Hypothesen stelll, und selbst derarlig 
chenhaftc Hypothesen aufstellt, um si 

ihm aufgestelllen Arten zu retten. 

Wenn Lindley und andere MSni 
Umwandlungsgeschichte des Aegilops i 




dan Wah. 

unserer Culturpfl; 



in Eingange sagten, i 

i Falsches vermenge, so ge- 

dem Gesichlspunkt, weil auch 

" grossle Zahl 



iihrlen erblichen F< 
n, nicht als blosse For- 
t gedeutel werden konnen. 
fcs isi gewiss sehr richtig, dass zufallig 
rnUlaiidene Formen, wenn die Verhallnisse 



■ Cullur, die Cullurpflai 



Ebenso richtig ist es ferner, dass e 
mir nnlYuh. als Formen 
trachlete Culturpflanzen giebt, die ilin 
raktere constant beibehaiten, und dal 
elwas andercs als blosse Formen zu 



Bomplandia ai 
dass nach uns 

der*" Zeit allmaJ 



weiten Formenkre 



gclungei 
gange z 



ten gleichsam zu einer verbinden. 
haben nachgewiesen, dass dies kei- 
i der Luft gegriffene Behauptungen 
— J n dass cs uns schon wiederholt 
•lai'i... Zwi>chenformen kiinstlieh 
welchc die scheinbaren Ueber- 

nsicht, dass der Bastard gemei- 



tsch fiber Pflanzenbas 
Arlikel fiber Aegilops 
Wichligkei 



Frage fiber Basta 
Systematik gegenw 

Falle aufmerksam i 



bei dem a 



der Galtung Hieracium aufgeslellt, ei- 
lung, in der Baslarde zwischen den ei- 
len Arten und von diesen Baslarden ge- 



dass Bastarde nie 



und durchgreifende liesctze 
h zahlrcichen sicberen Be- 

ipiel in Bezug auf Bastard- 
mit der Gatlung Aquilegta 



bezweifeln , dass I 



werden sich durchaus getreu 

stehenden Pflanzen und saet d 

werden daraus eine ganze Menge 

rmen, rait verschiedenariig gefarl 

em Blulhenbau etc 



Aquilegien verbastardirer 

diesen rechnen wir die 
sien, Cupheen, Pelargo 
die Phaseolus und viele 



der gepflanzt, so 

^Aebnlicb •* 
sich aber auch i 



A n z e i g e 



Set Rob. Hoffmann in Seipjig tft erf^ienen 
33ua)fcanbumgen : 



beim ^Ittkauf turn f) ft rite it 

ju bcriicfft^tigcn ift. 



Dr. X Mnfinu 

Kit 14 in be . icrte fcefmbltt&en TOttbungen. 

gt 8. brofd). $ret§ 8 ftgr. 
iatligeber bei'm $fetbefauf, ben wit Sebermann empfe&fen fimnen. 



3m Serfage bet (J. £. 5Be<ffd&en Euc^anbumg in sRorblingen ift tt* 
ftyienen unb burdj atte 33ud?t)anbtt ngen §u begte^en : 

DoUflanJitgcs iwmm- tintr fmttaerawirtiifdjaftlid^ 

ber 
iuutfdiett £>radje 

au« «a« U,ren 27hmbarten unb mit alien 3tembtt> ortern. Sin tauflftaft bet SRuttri. 
fetaje fur atte ©tanbe beS beutfdjen ffloite, roorin auper alTen einfad;en unb S uf«n,mengefe|ten 
~T tern ter *• , . aucf; affe berfelben feljlenben Sorter bee norbbcutf^en, 

•"^en, bamburgifcr,en, E-oIftetmul-en, :::-.m ; v\vc.-, mecftenburgifdjen, 
• •:tr bte Sorter ber fiibbeutfd.cn, b. K ter banerifcben, 
Wftabtffien, i4n>ri,etif4«t unb ofterreicf,ifct;en 2JJunbarten in ^riftgerec^ter ©d,reib«rt cecjei^net 



©m Sanb in grof &uatt. »iette wo^feile @tcreott)p=2iuggabe. 140 23ogen 
m ^od> 4. (Jlegant ge^eftet. $rei§ 2 Sijlr. ebet 3 ft. 36 fr. 



§>JLS^flM?L§EJL 



MON ATSSCHRIPT 

fur 
deutsche und schweizerische Garten- und Blumenkunde 

unter Mitwirkung von 

Prof. Dr. U. R. Goeppcrt, Director des botaniscl.en Gartens inBreslau, J. Hutstcin 

in Breslau, H. Jaeger, Hofgartner in Eisenach, Prof. Dr. K. Roch in Berlin, 

E. lOCas, Garten -Inspector in Hohenheira, E- OrtgieS, Obergartner am botanischen 

Garten in Zurich, Dr. G. Reichenbach, Professor in Leipzig 



Dr. E. Kege I, 



Mitherausgeber fur Deutschland Mitherausgeber fur die Schw 

J. Rinz, Prof - Dr - 0- Heer, 



Redactor 

Dr. H. Locher, 



J u 1 i 1856. 

(Ausgabe mil ilium, und schwarzen Abbildungei 



ErlangeD, 1856. 
lK von Ferdinand En 



lhrgang 4 a, AuSir^nuf ^id^'bbii 2 rtrst. -S 4 * «? 



Inhalt des Juii-Heftes 



I. Originalabhandlun 



2) Neuestes Verfahren bei Hei 
der Spalierbaume. Von He 
n er in Ben: b.-i Slullgarl 



II. Neue Zierpflanzen 199 

III. Notizen 212 

IV. Literatur 221 

V. Personalnotizen ...... 224 



Einsendungen fur diese Zeitschrift sind an die Verlagsbuchhandlung 
oder Redaction zu machen. 

Bucher, deren unpartheiische Besprechung, sowie Pflanzen deren Ab- 
bildung in diesen Blattern gewunscht wird, sind. und zwar von letzteren 
eine gute Abbildung, wo nioglich mit trockenen Exemplaren begleitet, unter 
der Adresse E. Reg el in Petersburg an die Verlagsbuchhandlung von Fer- 
dinand Enke in Erlangen einzusenden. 

Annoncen aller Art werden auf den Umschlag oder Beiblatt gegen 
eine Vergiitung von 2 Sgr. oder 7 kr. per Zeile aufgenommen. — Cataloge 
legt die Verlagsbuchhandlung in einer Anzahl von 600 Exemplar en gegen 
eine Gebuhr von 1 Thlr. 20 Sgr. oder 3 fl. der Gartenflora bei. 



I. Originalabhandlungen. 

1) Abgeblldete Pflanzen. 

a) Hcdysarum capitatum Dcsf. 

(Siehe Tafel 163.) 
Legurainosae Hedysareae. 



Diese ausserst zierlichc ', 
Pflanze wird zwar schon lange in dcut- 
schen botanischen Garten cultivirt, in 
die Garten der Liebhaber hat sie sich 
jedoch noch nicht verirrt und doch ver- 
dient sie cine ganz allgemeine Cultur. 
Der Stengel veriistelt sich vom Grunde 
angedriickten 
Aeste. Blat- 
£ gefiedert 6-9jochig , Blattchen lang- 
W gespitzt oder aus zuriickgedriickter 

Pitze in cine Spitze vorgezogen. Die 
Wnen rothen Blumen stehen in ge- 
»«lton kopffiirmigen Trauben in den 

iattachscln. Schoten bestehend aus kreis- 
ninden rait Stacheln besetzten Gliedern. 



jahrige 1st im siidlichen Europa zu Hause 

und kommt in Spanien, Corsica etc. 



oder Composterde in Topfe. Ueberwin- 
terung im kalten Beete, welches nur 
mit Laden und Laub gedeckt wird. Kann 
im zweiten Jahre ebensowohl als sehr 
zierende Topfpflanze oder auch zum Aus- 
pflanzen in Rabatten oder nicht zu schat- 
tige Felsparthien bcnutzt werden. Die 
Samen, welche diese schbne Zierptlanze 
reichlich ansetzt, keimen sehr leicht. 1st 
ein wiirdiges Seitenstiick zu Hedysarum 
coronarium, jedoch wegen seines nie- 
drigen Wachsthums noch schoner. 



b) Viburnum Tinus L. Var. lucldum Ait. 

(Siehe Tafel 164 ) 



Tino Diese Sch Sne Abart der als Laurus 

s jn unseren Garten bekannten 

Henepflanze ist zwar schon lange 

i» bL ' daSie Schon von Alton 

*j*l kewensis auf s efuhrt ™*> 

ton? tnf ! n ° Ch nicht J ene Verbrei- 

neuester Zeit ward sie 
aus unter dem Namen j 
verbreitet. Von I 
men 3 



Erst in 



V. Ti 



Lit. Blatter 
und auf den 

Ait. Wie 



dpmv 6 Jauu »ioruri 

v ^rnu m Tinus . 

\ > ^rten vo, 



vorhergehende Abart, aber Blatter lang- 
lich-lanzettlich. 

V. Tinus lucidum Ait. Die vor- 

liegende Art, welche dickere festere 

durchaus kahle gliinzende Blatter von 

Von I langlich-ovaler oder zuweilen ganz ova- 



194 

zelnen Bliithen grosser als bei den bei- 
den vorhergehenden Abarten , und die 
rbthlich gefarbten Aeste des Bliithen- 
standcs sind mit kleinen sternfbrmigcn 
Haaren reichlich besetzt. 

Die beiden zuerst aufgefiihrten Ab- 
arten sind nebst der buntblaftrigen Form 
derselben die in unseren Garten gc- 
wohnliche Form und kommen an den 
Gestaden des Mittelmeeres wild vor. 
Der V. Tinus luridum scheint dagegen 
auf den Azoren zu Hause zu sein, we- 
nigstens besitze ieh wilde auf St. Mi- 
chael gesammelte Exemplarc, und bei 
der ganz verschiedenen Tcxtur der Blat- 
ter, bei der verschiedenen Behaarung 
und der Form des Bliithenstandes diirfte 
es noch in Frage kommen, ob wir bier 
nicht etwa eine eigene Art vor uns ha- 
ben. — Die Cultur theilt dieseArt mit 
dem gewbhnlichen Viburnum Tinus. Man 
pflanzt es bald in einen Kiibel, giebt 
ihm eine nahrhafte Erdmischung aus 
Compost, Rasencrde und Sand, stellt 
es den Sommer hindurcb durchaus frei 
an einen sonnigen warmen Ort, giebt 



ihm wahrend der Vegetation zuweilen 
einen Dungguss und uberwintert es 
frostfrei im Zimmer oder der Orangerie. 
Wie vom gewbhnlichen lassen sich auch 
im geheizten Zimmer grosse Exemplare 
wahrend des Winters leicht treiben. Zur 
Schonung des Fussbodens wird ein Zink- 
oder Blechuntersatz untergestellt. 

Wenn schon das gewbhnliche Vibur- 
num Tinus zu unseren besten Orange- 
riepflanzen gehbrt, schon deshalb scliiitz- 
bar, weil es wahrend des grbssten Theils 
des Winters die stets gesuchten weis- 
sen Blumen im Ueberfluss liel'ert, so ist 
die in Rede stehende Art wegen ihres 
schbneren Blattes und der grtisscren 
Bliithendolde noch weit vorzuziehen. 

Ein kleines Pfliinzchen , das wir vor 
3 Jahren in einen Kiibel pflanzten, bil- 
det jetzt einen 4 Fuss hohen und ebenso 
breiten Strauch, nach alien Seiteh mit 
seinen schbnen grossen Bluthendolden 
gedeckt. Vermehrung durch Stecklinge 
im halbwarmen Beete im April und im 
Sommer. (E. R.) 



S) Xeuesteg Verfahren bei Heranblldung der Spalierbaume. 

Von Herrn Kettner in Berg bei Stuttgart. 
(Siehe Tafel 165.) 

der Sorgfalt, die man darauf verwende 



Die verschiedenen Formen, mit de- 
nen wir uns bis jetzt befassten, haben 
zwei sehr grosse Fehler: 

Der erste besteht darin, dass fast 
bei Allen diesen Formen eine gewisse 
Anzahl von Seitenmutterzweigen dem 
Einfiuss des Saftes mehr als ande 
gesetzt sind, wodurch fur sie ein 



wird, urn diess zu verhiiton. 

Zweitens wird bei der Formation die- 
ser Baume jedes Jahr zur Zeit des 
— _ Winterschnittes mehr als die Halfte 
dem I ler der im vorhergehenden Jahr cnt- 
aus- wickelten Triebe und Zweige entfeflA 
kraf- I urn neue Mutter- und Seitemnutterzweige 
tigere Entwicklung herbeigefuhrt wird; | zu erzielen; doch ist den Baumon mf 
dieselben werden fruher oder spater das leicht etwas schadlicher als diese ^ r ' 
Gleichgewicht zwischen den verschiede- stiimmelung. Die betrachtlicbcn Schnittf ■ 
nen Parthieen des Baumes stbren und die man mehrere Jahrc hindurch wieder- 
das Zugrundegehen der wenigst gut ge- I holt, berauben den Baum einer gro s * e ° 
legenen Verastlungen herbeifuhren, trotz ' Menge seiner Knospcn; vernichten 



durch eine bedenkliehe Anzahl seiner 
Wurzcln, da bcido cng zusammenhan- 
gpn, and zerstijren vollstandig das Leben 
eines Theils des Stammgewebes. Dieser 
Theil, mit anderem noch lebenden Ge- 
webe umgeben, erkrankr, die Fliissig- 
keit, die er enthalt, geht in Verderbniss 
iiber und gibt zu verschiedenen Krank- 
heiten, wie Gummifluss etc. Anlass. Ue- 
berdiess vcrursachen diese Schnitte be- 
1 11 den, welche, die freie 
Cirkulation des Saftes hemmc-nd, die 
Kraft der Baume schwaehen und sie Un- 
fillen aussetzen, die deren Lebensdauer 
talulich verkiirzen. 

Aber wenn auch diese Amputationen 
nicht soverderbenbringendwarcn, wiirde 
ea nicht jedenfalls viel vortheilhafter sein, 
zur rascheren Heranbildung des Gcrustes 
to gesunden und starken Zweige zu 
tetzen, als sie abzuschneiden und da- 
toch nicht nur einen grossen Thcil des 
%tationsproduktes zu verlieren , son- 
derft auch die Zeit, in welcher der Baura 
en 8 anzen fur ihn bestimraten Raum 
Wecken soil, und dadurch die Zeit seines 
whston Ertrags urn mehrere Jahre hin- 
iiszuschieben? 

Um den bciden Uebclstanden , auf 
»ekhe so eben hingewiesen wurde, ab- 
! „> sch lagen wir fur die Formation 



F5cherstamme. 
k fk gesehea haben, werden die 
^"uttcrzweige der Faclierstamme 
»lig herangebildet, indem man je- 
'^ die Verlangerung der Mutter- 
sch g -? DmitteIbar tibcr 2 Kn °*Pen ab- 
C e et ' WdChe ia & eei S neter Ent- 
Spi.„- " dera vorher eiit-.-.icki'ltcn 

J."t?. rweig . stehe » ™> ™» *» 

gerichtet den 



' uult «rzweig 



'-'■r'-i 



g"M 



195 

wahrend die andere einen neuen Seiten- 
nuirtcrzweig bildet. 

Wir schlagen zur Modifikation die- 
ser Vorfahrungsweise folgendes vor: 

Nehmcn wir zum Bcispiel die Fa- 
cherform mit zusammcnlaufendcn Zwei- 

mbglieh, Baume, die schon 2 seitlich 
stehende Zweige haben, urn fur die Bil- 
dung des Gcrustes ein Jahr zu gewin- 
nen. Diese beiden Zweige befestige man 
in einem Winkel von etwa 70°, ohne 
sie zu kurzen. Im folgenden Jahr, wenn 
die Baume gut angewachsen sind, neigt 
man diese Zweige nach rechts und 
links in einen Winkel von circa 20°. 
Sie bilden alsdann die ersten beiden 
Seitenmutterzweige. Wiihrend des Som- 
mers lasst man ganz nahe an ihrer Ba- 
sis einen Trieb sich entwickeln, welcher 
fast vertikal gerichtet mit grosser Ener- 
gie treiben wird und zu den beiden 
Mutterzweigen verwendet werden kann. 
Im iolgenden Fruhling werden die bei- 
den Seitenmutterzweige sich verliingert 
haben, doch schneidet man an dieser 
neuen Verlangerung nur so viel als 
durchaus noting ist, um die Verwand- 
lung ihrer Knospen in Fruchttriebe zu 
bewirken, und oft wird das nicht einmal 
nothig sein. Die beiden Mutterzweige, 
die das vorhergehende Jahr sich ent- 
wkkelten, bringt man in einen Winkel 
von 60°, neigt ihre Spitze rechts und 
links in cincm Winkel von etwa 20°, so 
dass 2 ncue Seitenmutterzweige in ge- 
niigender Entfernung von den ersten 
daraus gebildet werden. Im folgenden 
Jahr lasst man unmittelbar iiber dieser 
Krummung einen Trieb sich entwickeln, 
der die Verlangerung der Mutterzweige 
bewerkstelligen soil. Diese beiden letz- 
ten Verlangerungen werden im folgen- 
den Jahre gleich den ersteren behandelt, 
so dass man jedes Jahr eine Verlangc- 



J96 Gartenflora Deutschli 

fnng der Mutterzweige bekommt, deren 
Spitze 2 Seitenmutterzweigen ilir Ent- 
Stchen gibt. Die Heranbildung der in- 
neren Seitenmutterzweige ist relativ die- 
selbe. Es versteht sich von selbst, dass 
die Mutterzweige und Seitenmutterzweige 
nur allmahlig und im Verhiiltniss ibrer 
Verlangerung geneigt werden, bis sie 
den Platz einnehmen, den ihnen die 
Form bestimmt, welche man dem Baum 

Vermittelst dieser neuen Formations- 
metbode vermeiden wir gro.ssrnthoils die 
bereits angedeuteten Missstande und ge- 
winnen andererseits 3 — 6 Jahre fiir die 
vollstandige Entwickelung des Baums 
und dessen vollen Ertrag. Wenn auch 
einige dieser Verastlungen der Wirkung 
des Safteinflusses mebr als andere aus- 
gesetzt sind, so findet sich dessen Wir- 
kung dureh diese Methode, welche den 
Saft in den Verastlungen der Basi3 in 
grosserer Menge zu circuliren zwingt, 
bedeutend geschwacht. Die Anvvendung 
dieser Methode bei den anderen Fiicher- 
fonnen geht eben so vor sich wie bei 
der so eben angefuhrten. 

Aueh bei den Palmetten erbielt man 
bisher die Seitenmutterzweige durch Ab- 
schneiden eines Theils der jahrlichen 
Verlangerung der Mutterzweige; auf sie 
kann desshalb unser neues Verfahren 
gleichfalls angewandt werden: 



Le Berriays, ein Zeitgenosse Duha- 
mel's ist der erste, welcber diese Me- 
thode auf die Palmette anwandte , der 
wir seinen Namen beilegen. (Fig. I.) Bei 
diesem Baum wird jeder der Seitenmut- 
terzweige dadurcb gebildet, dass man 
die Spitze der Mutterzweige allmahlig 
neigt, welche Mutterzweige man selbst 
wieder verlangert durch einen Trieb, 
den man auf jeder Seite uber der durch 



konnen 



gond.- 



die Seitenmutterzweige liervorgebrachten 
Kriimmung sich entwickeln llisst. 

Obwohl wir die Vortheilc, welche 
diese neue Formationsmethodc darbietet, 
wenn sie auf die Fiicherstamme und die 
doppelte Palmette angewandt wird, am 
willigsten selbst anerkennen, 
wir uns doch nicht enthalten, 
binzuweisen, dass sie nur Hit 



Griinden: Jedes Jahr bildet sich 
ue Bastschichte , deren Gefasse 
zirm Aufsteigen des Saftes dienen. £o 
lange nun die holzigen Theile , welche 
funktionirten, zu der Zeit, in welcher 
man die Mutterzweige neigte, um Sei- 
tenmutterzweige zu erhalten, ihre Funk- 
tionen fortsetzen, so versucht ohne Zwei- 
fel der Saft vom Mutterzweig in den 
unmittelbar daruber liegenden Seiten- 
mutterzweig uberzugehen, wodurch er 
auf die Entwicklung der inneren Theile 
des Baumes starker einwirkt und die- 
selben kriiftiger macht; aber nach Vor- 
fluss zweier Jahre horen die Funktionen 
dieser Schichten auf, es haben sich an- 
dere entwickelt, in welcben die Bfc* 
tung der Gefiisse in Uebereinstimraung 
mit dem natiirlichen Hang des Saftes 
steht, d. h. die Saftgefasse, seiche 
diese Schichte bilden, stellen die direkte 
Verbindung zwischen den Wurzeln und 
dem Gipfel des Stammes, weld" 1 *** 
die wiederholle Neigung der Spitze der 
Mutterzweige unterbrochen wurde, mf- 
der her; daraus folgt, dass, da das cr- 
nahrende Fluidum nicht mebr in sein« 
gerade aufsteigenden Richtung g^f 
wird, dieBaume, auf welche diese Form 
angewandt wird, von neuem an 
Spitze zu kraftig und an der Basis 
schwach werden. jr 

Die folgende Form (Fig. II.), dic 
bei Herrn Lepere beobachteten, und 
welche ihn vielleicht die namliche Erta 



I. Originalabhandlangen. 



rung bradite, lierort cm viol gonugen 
dores Resultat. Wirklich halton and 
!i, zahlreichen Kriimniungcn , wolclu 

ilic MuttiTzweigc erhaltcn, so wie *i< 

vomit der Saft zur Spitze des Baumes 
ii:ii .. r . auf umi dii'.-: ■ W irkung L-t nidi 
'ujiuontan wie bei dor vorhergehendeu : 
denn diesc Kriimmungon zwingen die 
neuen Holzsckichten und Saftgefii<sc, 
woraus sic bestehen , dieselbe Richtung 
beizubehaiten, wodurch die inneren Zwei- 
ge stets in geniigender Starke bleiben. 
DieSeitenmutterzweigev.erden alio durcb 
die Neigung der Spitzen der Mi 
zweige gebildet. Diese neue Form heisst 
: '' leyoi-fiirmige Palmette 

Die Schwierigkeit, welche sieh bei 
ioppelstammigpn Palmetten dor Erhal- 
tn «g des Gleichgewichts zwischen den 
■4 ontsprechendenTbeilen des Baumes 
'Mgegenstellt, liess uns cine andere 
Stellung suchen, in welcher alle die der 
ftlmettcnform zugeschriebenen Vortheile 
;'. ttIP die n eue Bildungsmethode der 
«en muttcrzwcigc beibehalten und zu 

« dieses Uebel vcrmicden wird Wir 

Fig. HI. Die erste, die wir niit dem 

^u Pakette ° hne Mutterzweige be- 

?" rn '»MfoIgei,dcr m aa S engezogon: 

^selbenJahr, in welchem die 

^a n B r a ;rr ^ ■*■* 

Mfche 7 an ihrer Basis be " 

Uie Knospcn zuriick, odor bes- 

t£~** daselbst 3 Augen ein, 

r . ' u ;" r », die beiden andern seit- 

11,1 d es darauf folgenden 

!!l,!lt man 3 Triebe. An- 

•rirl, P . "' WfTdcn die bcideii Soiton- 

taem Winkel von 450 hn 

f * *,,»„ J, , - ,,ntr ^i«-'b, anfange 

lnd ^seL n vv!_, ie " htS ^ >b °g' 



^w^sr; 



genoigt. 



Der Punkt , in welchem die Neigung 
vor sich geht, sollte so berechnet wer- 
den, das3 cine Entfernung von Om. 30 
zwischen diesom Trieb und dem darun- 
ter befindlichen statt hat. 

Im darauf folgenden Fruhjabr wer- 
den diese drei Veriistlungen ihrer Starke 
gemiiss gesohnitten, dann neigt man sie 
ein wenig. Man setzt dieses Verfahren 
2 odcr 3 Jahre lang fort, bis man diese 
Zweige, naehdem sie ihre ganze Liinge 
erreicht baben, in die Stellung bringt, 
welche sin in unserer Figur einnehraen, 
d. h. in einen Winkel von ungefahr 15°. 
Sodann liisst man wahrend des Sommers 
auf der oberen Seite des Centralzwei- 
ges, da wo er sich nach der Seite hin 
neigte, also in C einen Schmarotzer- 
trieb sich entwickeln. Gegcn den Mo- 
nat Juni wird dieser Trieb, naehdem er 
zuerst ein wenig nach links geneigt 
wurdo, in einen Winkel von 45° ge- 
bracht und zwar so, dass von seinem 
Entstehen an zwischen ihm und dem 
ter beiindlichen Zweige ein Raum 
besteat voq Ora.60. Im darauf folgen- 
nihling wird diese neue Yerast- 
nir den friiheren in einen gleichen 
Winkel getJracht, und dann auf eine 
cise geschnitten, die ihre Verlange- 
ng begunstigt. 
Vermittelst des so eben beschriebe- 
n Verfahrens kann man jedes Jabr 
ie neue Veriistlung heranbilden, die 
n der vorhergehenden Om.60 entfernt 
und abwechselnd nach rechts und links 
gerichtet ist, bis man den Gipfel der 
Mauer erreicht hat. Alsdann ist der 
vollkommen fertig und bietet alle 
eile der leyerformigen Palniette 
deren Nachtheil, d. h. da sie nicht 
2 Seitenmutterzweige hat, so hat man 
sieh mit der Aufrechthaltungdes Gleich- 
gewiohta zwischen ihnen nicht zu be- 
schaftigon. 



198 Garter 

Man erhalt bei der Bildung dieser 
letzteren Form nur eine einzigw Verast- 
lung auf einmal. Fiir den Pfirsichbaum 
diirfen diese Zweige auf Om.60 von ein- 
ander entfemt sein, damit man zwi- 
schen ihnen dio Triebe, welche sich 
aus ihnen entwickeln, anspalicren kann. 
Daraus geht hervor, dass bei einer 
Mauer von 4m. Ilohe der Baum 13 
Zweige haben wird, 6 auf der einen 
nnd 7 auf der anderen Seite; die drei 
ersten kbnnten oft schon in drei Jahren 
erzielt werden], und es waren fur des- 
sen vollstandige Ausbildung 12 Jahre 
noting, was so ziemlich die gleiche Zeit 
ware, dercn die fruheren Formcn be- 



gendenSommer bekommt man 2 kraftige 

Triebe , welehe gegen den Monat Juni 

in einen Winkel von 45° grbracht wer- 

Im Friihjahre werden diese beiden 



Verastlungen auf 



geeignete Langc 



Wollte man jedoch [diese Stellung 
auf andere Fruchtbaume, den Birnbaum 
z. E. anwenden, so wiirde man eine weit 
betrachtlichere Anzahl von Jahren dazu 
nothig haben, als zu den anderen For- 
men; denn weil der Abstand der Sei- 
tenmutterzweige von einander etwa Om. 
27 betragt, so wiirde ein Birnbaum an 
einer Mauer von 4m. deren 31 ent- 
wickeln, und man hatte 31 Jahre no- 
thig, nm dieselbe vollstandig zu beklei- 
den, was viel zu lange ware. Man kann 
desshalb diese Form nur auf den Pfir- 
sichbaum anwenden; sie 1st fur jede 
Mauer tauglich. 

Von dieser ausschliesslichen Bestim- 
mung ausgehend haben wir eine andere 
Form gesucht, welche fiir die anderen 
Arten von Obstbaumen eben so vorthcil- 
haft sich erwiese. Diese Form zu fin- 
den ist uns gegluckt, und wir wollen 
Bie hier unter dem Namen Palmette mit 
gekreuzten Zweigen beschreiben: 

Fig. IV. Sie wird folgendeimassen 
gebildet : 

Zur Zeit des ersten Schnitts schnei- 
det man den jungen Baum auf 2 Sci- 
tenknospen seiner Basis zuriick. Im fol- 



geschnitten und sodann in einen Winkel 
von 35° gebracht. Ein oder 2 Jahre 
spater, sobald sie ihre ganze Langc er- 
reicht haben, neigt man sie in einen 
Winkel von 15°. Im Monat Mai, wel- 
cher dieser Operation fo'gt, wiihlt man 
uber jedem dieser Zweige etwa Om.35 
von dem Punkt, aus welchem sie her- 
vorkommen, entfemt einen Trieb D. 
Diese Triebe lasst man sehmarotzcrartig 
sich entwickeln, indem man ihnen zu- 
niichst eine vertikale Riehtung gibt. Ende 
Mai neigt man dieselben gegen einan- 
der, indem man sie in einem Winkel 
von 45o kreuzt. Zwei Jahre spater, im 
Fruhjahr, neigt man diese neucn Verast- 
lungen E in einen Winkel von 15°, 
wie die Figur es zeigt, urn zwischen 
ihnen und den unteren Zweigen den Ab- 
stand beizubehalten , der zwischen den 
Seitenmutterzweigen jeder Art statt fin- 
den sollte. Am Anfang des folgenden 
Jahres wiihlt man auf der einen und der 
anderen zwei neue Triebe, welche, wic 
die auf den Zweigen A gelegen sind; 
neigt sie im Monat Juni gegen einander 
und bringt sie im folgenden Fruhjahr 
an ihre Stelle. Dieselbe Operation kann 
man sodann jedes Jahr vornehmen und 
so ganzregelmassig den Raum bedecken. 
den der Baum einzunehmen bestimmt ist. 
Die Zeit, welche eine Palmette mit 
gekreuzten Zweigen nothig hat, um den 
ihr angewiesenen Raum auszufullen, ist 
nicht liinger als die fiir die anderen Formen. 

die Zweige Om.60 von einander entfernt 
sind, der Baum 12 Zweige entwickeln. 
ijederSeite. Da man aber jedes 
Jahr nur zwei Zweige hervorrufen fa^ 



I, Originalabbandlungen. 



nnd die beiden ersten nachVerfluss von 
5 Jahren ausgebildet sind, so folgt dar- 
aus, dass man ungefiihr 10 Jahre 
braucht, urn dieses Gcnist herzustcJlcn, 
dieselbe Zoit, welche die den anderen 
Formen unterworfenen Baume brauchen, 
um denselben Raum zu bedecken. 

Wic man sieht, crfiillt dies Geriiste 
alle Eedingungen, welche wir gestellt 
habon. Ueberdiess bequemt es sich al- 
ien Mauern, wie boch sie auch sein 
mogen, und kann auf alle Arten von 
Baumen angewandt werden. 

Candelaber-Formen. 
Unsere neue Bildung des Gcriistes 
kann gleicbfalls auf die Baume mit Can- 
delabrrform angewandt werden, zum 
mindesten anf die mit zusammenlaufen- 
fenden Zweigen. Anstatt die Verlange- 
rung der Mutterzweige an den Punkten 
A, B, C und D zu sehneiden, um die 
Seitenmutterzweige zur Entwicklung zu 
bringen, biegt man zuerst die Verla'n- 



199 

gerung der Mutterzweige im Punkt A 
herab und benutzt diese Verlangerung 
als Seitenmutterzweig, indem man sie 
in einen Winkel von 45° bringt. Wah- 
rend des Summers .lasst man im Punkt 
A einen Trieb in vertikaler Richtung 
sich entwickeln. Diese Verlangerung 
wird wie die erste im Punkt B geneigt 
u. p. f. jedes Jahr bis zur Mauerhbhe. 
Was die Seitenmutterzweige E, F, G 
betrifft, so wird der en Formation nicht 
modifizirt, d. h. man bildet sie vermit- 
telst Schmarozertrieben, deren Entwick- 
lung man begiinstigt sobald die Seiten- 
mutterzweige A, B, C und D vollstan- 
dig entwickelt sind. 

Dies sind im Allgemeinen die Modi- 
fikationen, welche wir bei der Heran- 
bildung der Spaliere in Vorschlag brin- 
gen, Modifikationen fur alle Frucht- 
baume geeignet, welche bei den meisten 
Formen die beiden Unannehmlichkeiten, 
auf die wir am Eingang dieses Capitels 
hingewiesen haben, verschwinden machen. 



„1) Anthurium Friedrirhxthalii £<•/«>,'/ 
Von Friedrichsthal in Guatemala auf der 
Insel Cativo gesammelt. Zeichnet sich 
torch die sehr schmalen Blatter von 
verlangert linearischer Gestalt aus. 

2 ) A. Rudgecmum Schoit. In Gua- 
temala, Peru und Guiana zuHause und 
^on Rudge als Pothos gracilis eingesen- 
det > Dem A. gracile Lindl. verwandt 
«»d vielleicht nur eine Form desselben. 
latter verlangert linien-lanzettlich, nach 
£°» Orunde keilfbrmig verschmalert, 

12mal linger als breit; beiderseits 
/ [ mit Uttienrormigen schwarzen Punk- 
ten ^etzt. Bliithenstiel schlank, drei- 



Neue Zierpflanzeu. 

mal langer als der Blattstiel. Spadix 
cylindrisch-kegelfdrmig , l 1 /* Zo11 lan & 
und langer als die lanzettliche Scheide. 
Stengel wurzelnd, verkurzt. 

3) A, acuminatum Schott. Stammt 
aus Peru. Stengel verlangert, wurzelnd. 
Blatter verlangert verkehrt herzfdrmig, 
4-5mal langer als breit, 4-10mal lan- 
ger als der 1-3 Zoll lange Blattstiel, 
zngespitzt, beiderseits kaum punktirt. 
Bltithenstiele schlank. Spadix cylindriach, 
2Zolllang.- Dem A. oxycarpum Poep- 
pig zunaehst verwandt. 

4) A. leptostachyum Schott. Vater- 
land Brasilien, Stengel verlangert, wur- 
zelnd. Blatter langlich, odcr verkehrt 
eifbrmig-langlich, 3— 4mal langer als 
breit. kaum langer als der 6—10 Zoll 



.'00 



Gartenflora Deutschlands und i 



lange Blattstiel, nach dem Grunde keil- 
formig verdiinnt, zugespitzt, beiderseits 
nicht punktirt. Blumcnsticl schlank, fast 
langer als Blatter. Spadix cylindrisch, 
l 1 /*— 2 Zoll lang, langer als die linien- 
lanzettliche Scheide." 

5) Stanhopea Fregeana Rchb. fd. 
Eine neue, der St. tigrina Bat. nah ver- 
wandte Art aus Mexiko , die im Garten 
des Herrn Frege bei Leipzig bluhete. 
Blatter und Scheinknollen wic St. tigrina, 
Blumen etwas kleiner. Bliirhenhiille ab- 
stehend, spater zuriickgekniekt abste- 
hend. Kelchblatter liinglich - dreieckig •, 
Blumenblatter langlich-bandfbrmig, spitz, 
etwas kiirzer, gemeiniglich gedrehf, wie 
die Kelchblatter innen dottcigelb, spa- 
ter wasserig kupferfarben , mit dunkel- 
carmoisin Flecken tropfenartig gezeich- 
net, aussen hellgelb. Lippe, nut quadra- 
tischem Ilypochilium und breitem vorn 
halbmondfbrmigem Epichilium (hypochi- 
lio quadratulo medio-disco inferiori in- 
truso, epichilio lato antice semilunato 
exciso denticulo in medio, utroque an- 
gulo dentiformi), welches so lang als 
die 8eitlichen Horner. Griffelsaule oben 
beiderseits mit halbovalen Fliigeln. 

(Allg. Grtztg.) 

6) Laelia grandis Lindl. Bluhete im 
letzten September beim Consul Scliillei 
in Hamburg, in dessen Garten sic iiber 
Rio eingefiihrt ward. Die Kelch- und 
Blumenblatter hellnankinfarbig , aussen 
rothbraun angehaucht. Lippe wcisa mil 
Purpuradern. Sauie mit zahlreichen dun- 
keln Purpurflecken, dreimal kiirzer als 

Genane Beschreibung von Reiche 
bach in der Allg. Garteuztg. Blumen 
gross wie der L. crispa. 

7) Laelia Boothiana Rchb. fit. (L. 
grandis purpurea Rchb. fi|.) Ward \o 
Booth aus Brasilien eingefiihrt. Der vor- 
hergehenden verwandt, die Blume aber 



einmal so gross, so gross wie die 
Cattleya labiata* Eine Prachtpflanzc 
mit schon purpur gefiirbten Blumen. 
Blumenblatter langlich-keilformig, wenig 
, doppclt so breit als die Kelch- 
blatter. Lippe mit stumpfen Seitenlappen 
und liinglichem stumpfem zuriickiit'driiok- 
em Mittellappen mit glatter Scheibe und 
rausem Randc. Griffelsaule scharf, Eekc 
orgezogen. Androclinium mit hinteren 
gekerbten und vorderen sichelformigen 
Lappen. (Allg. Grtztg.) 

8) Laelia Schilleriana Rchb. fil Aus 
Rio durch Herrn Consul Schiller einge- 
fiihrt. Kelch- und Blumenblatter gleich- 
artig, lanzettlich, verliingert. Lippe 3- 
lappig, an der Spitze wenig wcllig und 
klein gezahnelt, Seitenlappen stumpf, 
Mittellappen langlich. Steht zwischen 
L. crispa und purpurata. Farbe der Blu- 
me blendend weiss, am Lippengrunde 
bis zur Mitte ein Paar purpurneNenen, 
Scheibe des Mittellappens violett purpw, 
das Zwischenfeld in der Mitte weiss- 
hch-gelb. 

9) Stanhopea Ilaseloffiana Bchb. fl. 
Neue von Warscewicz aus Nordperu em- 
gesendete Art, die in Berlin in mehre- 
ren Sammlungen bluhete. Blumen in 
5blumigen Trauben , halb mal g** 
als die der St. oculata, zart weisslich, 
iiberall mit Purpurflecken und aui deu 
HullWattern mit Purpurringeln , sp« cr 
mit Ausnahme der Sepalen purpurrotb. 
Kelchblatter liinglich -lanzettlich, spi* 
Blumenbliitter breit bandforniig, 8P ,U 
mit schwach welligem Randc. L'PP 1 '^" 
sitzendem geradem Hypochiliu m t 
ches beim Uebergang ins Mesochi lum 
eine 6seitige Grubc tragi; Mt^ohi hum 
nagelformig, ausgezogen in starke 1 j^ 
ner ausgehend: Epichilium oval, *& 
spitzt, mit beiderseits rechtwinkehg ■ 
ruckgeschlagenen Seiten. (Allg. JM"** 

10) Miltonia Regnelli Bchb. fO. W" 






201 



hete bci Ohlendorff, der sie aui 
Catharina einfuhrte. Bliithenstand und 
Blatter wie bei M. Candida, Blumen von 
der Grosse der M. spectabilis , wcisslich 
ait blaulich-purpurner Lippe. Miltonia 



bicolor der Garten scheint hierzu zu ge- 
*«, (Rchb. in Allg. Grtztg.) 

11) Miltonia Candida Lindl Var. Je- 
rdschiana Rchb. fil. Blumen in 4— Gblii- 
" Tr bm, aber noch einmal so 
gross als bei der gewbhnlichen Form, fast 
limmetroth, Lippe rein weiss. Bluhete 
bei Hm. Senator Jenisch. 

(Rchb. in Allg. Grtztg.) 
12) Milknki Cloicesii Lindl, Die in 
Jen Garten als M. Kanvinskii gehend* 

(Rchb. in Allg. Grtztg.) 



psittavinu I. null, (Til 



■ 7a Fuss langen und 
f ahr ■ Zo11 breiten , Iinien-bandfbr. 
?n ganzrandigen spitzenBlaU.ru. die 
bf,den Seiten spitz sind. Aus 
e der Blatter erhebt sich der e 
' ' Fus8 lange Bluthenschaft, 
*' lu Ppcnformig uber pirutrwW 



" gestutzt, die wcnigkur- 
benfalls gelbe Blumo. Die 
f'bestcht aus wemVm ra a\ 



^u" eSla Seiac ™ Hook. Ein an- 

H»g ^ ntaDt diGSer herrli chenGat- 

der ^e V. snlendens Lem 



in unseren Garten bereits eine zicmlich 
allgemeine Verbreitung gefunden hat. 
Vielc schmale , fusslange , zuriickgc- 
kriimmte, lineare, weiss bestaubte oder 
beschuppte Wurzelbliitter vereinigen sich 
mit ihrer breitercn Basis zu eincr Art 
von Zwiebcl. Der Bluthenschaft etwas 
liinger als die Blatter, mit kleinen Bliit- 
ternbesetzt, die allmahlig in die schup- 
penformig iibereinander liegenden, halb 
griinen, halb gclben und rutli gesium- 
ten Bracteen ubergehen. Die 3 aussc- 
ren Blatter der Blumenkrone gelb, die 
inncren weiss mit violcttem Flecke an 
der Spitze. Staubfadcn hervorschend, 
tragen blaugriine Anthercn. Die gelbli- 
chen Narben rollcn sich nach der Be- 
fruchtung zusammen. Stammt aus Ja- 

15) Vricsia glaucophylla Hook. Diese 
vierte Art stammt aus den Anden Neu- 
Granada's. Die bis 1V« Fuss langen, con- 
caven, schlanken, kaum sichtbar nach der 
Spitze abnehmenden, blaugriinen Blat- 
ter bilden eine einer Aloe nicht unahn- 
liche Rosette. Blutlien roth, l'/4 Fuss 
lang und iingerdick und zerstreute Brac- 
teen tragend. An der Spitze theilt sich 
derselbe in 3—4 Bliithenahren , die 
-»/ a Fuss lang und dicht zweizeilig 
gekielten oval lanzettlicbcn spitzen 
ilichen, purpur und gelb vcrvvasche- 
Bracteen besetzt sind. Blumen liin- 
als die Bracteen, mit griinlichen 
eren Hullblattchen ; die 3 inneren 
sind dagegen purpur mit weissera Fleck 
an der Spitze. 

10) Hohenbergia erythrosfachys Brogn. 
Ein Epiphyt, der im Jahre 1850 dem 
Garten des Museums gesendet ward. Die 
wurzelstandigen, 1 — !*/« Fuss langen 
Blatter sind linien-bandformig, zugespitzt, 
am Rande mit scharfen zu- 



202 

in der das Wasser stehen bleibt. Blii- 
thenschaft so lang als Blatter, besetzt 
mit fcst schuppig ubereinander liegenden, 
spreublattartigen, zugespitzten , Ieicht 
mehligen oder kablcn Blattchcn. An 
der Spitze theilt sich dieser Schaft in 
5—6 eiiormige Aehren, zusammengesetzt 
aus scharf gespitzten, an der Spitze 
schon rothen Bracteen. Die 3 ausseren 
Blatter der Bluthenhiille sind zugespitzt, 
und aus ungefiirbtem Grunde in die rothe 
und endlich blaue Spitze iibergehend, 
ausserdem gekielt und lederartig. Die 
3 inneren oval -zugespitzt, violett und 
tragen am Grunde zwei kleine Schuppen. 
Es erinnern die Blumen an die der Aech- 
mea fulgens, und besitzt die Pflanze viel 
Aebnlichkeit mit der Hobenbergia stel- 
lata Mart. 

17) Pitcairnia polyanthoides Brogn. 
Eingefiibrt durch Linden aus Neu- Gra- 
nada. In der Gestalt einer Aloe ahnlich. 
Blatter aus breiterm Grunde linear-zuge- 
spitzt, ganzrandig, blassgriin, 4V a Fuss 
lang, 1V 3 Zoll breit. Bliithenschaft 
lang, fingerdick, blaugriin, mit hautigen 
zugespitzten Schuppen bedeekt, oben 
eine langliche bis % Fuss lange Blii- 
thenahre tragend. Blumen weiss , ra- 
chenformig, gebildet aus 3 ausseren ova- 
len, gekielten, an der Spitze grunlichen 
oder braunlichenBlattchen. Die 3 innern 
linear-Ianglich, mit eingerollten Randern 
und am Grunde mit einer gekerbten 
Schuppe. Die Narbe ist aus warzigen 
schon gelben Bandern gebildet. 

18) Pitcairnia zeifolia C. Koch et 
Scllo. Aus Guatemala durch Warscewicz 
eingefiihrt. Sammt den Blattern bis 3 
Fuss hoch. Blatter gebogen, mattgriin, 
2»/ a Fuss lang, 2 Zoll breit, rinnenfor- 
mig, kahl, fest und hiiutig mit welUg 



lichen 1 % Zoll langen Bracteen. Narben 

19) Platystachys cyanea C. Koch & 
Sello, (Allardtia cyanea Diotr.). Platy- 
stachys ist eine neue Gattung der Bro- 
meliaceen, die sich folgendermassen cha- 
racterisirt. Bluthenhiille einblattrig, in 
3 iiussere unter sich gleiche pergament- 
artige Bliittchen, und in 3 innerc lineare, 
in eineRohre zusammengerollte Blattchcn 
getheilt , die nur an ihrer Spitze aus- 
einander treten. Staubiaden 6, Faden in 
eine Spirale zusammengedreht, Antheren 
kaura aufliegend mit pfeilformigem 
Grunde. Fruchtknoten frei, in einen 
Griffel verdiinnt, der 3 Narben tragi, die 
linear und ausgebreitet. Eichen liinglich, 
eine zuruckgekrummte Spitze tragend. 

Steht den Gattungen Puya und Til- 
landsia zunachst und unterscheidet sich 
von beiden durch die Zusammendrehung 
der Staubiaden und ausserdem von der 
ersteren durch nicht zusammengedriickte 
Eier und von der letzteren durch die 
Spitze der Eier. Die zusammengedruckte 
Aehre , von der die Gattung den Namen 
tragt, erinnert an einige Tillandsien. 

Die vorliegende Art besitzt bandfor- 
mig-lanzettliche Blatter, welche unbe- 
wahrt, am Grunde verbreitert und w 
Rosetten zusammengestellt, rinnenfornug- 
etwa 1 Fuss lang und 17* Zoll breit. 
Der Bliithenschaft wird bis 3 Fuss lang- 
ist nackt, begrenzt durch cine i 
getheilte Bluthenrispe. 
werden durch rbthliche concave 1 
fast ganz bedeekt. Blumen klein, - 
»/, Zoll lang; die ausseren Blat cben 
derselben spitz und halb so ■■"•■JJJ 
inneren blangefarbten. Eing "" 
Warscewicz aus Guatemala, 
Garten so vieles Schbne veraanj 
Bemerkungen iiber Kulta 
Bromeliaceen. 

Diese henliche Familie, di< 



a Aehren 



» Bracteen 



, un-er-' 



Tor nicht Ianger Zeit durch nur wenige 
Arten in unsoren Garten vertreten war, 
erireut eich immer moiir und mchr der 
allgemeincn Liebhaberei und verdient 
diese audi im hbchsten Grade. Eine 
Masse prachtiger Arten wurden in neue- 
ster Zeit namentlich aus den Gebirgen 
des tropischen und subtropischen Ame- 
rikas in Cultur eingefuhrt, wo sie gros- 
sentheils als Epiphyten die Aeste der 
Baume des Urwaldes bevolkern, oder 
auf dem tiefen loekern Humus des Bo- 
dens an lichteren Stellen herabsteigcn, 
Oder endlich auch in zahlreichen Massen 
mehr einzeln stehende Baume an lich- 
teren sonnigeren Standorten bevolkern. 
Diese letzteren gchoren gemeiniglich 
dem Geschlochte der Tiliandsien an und 
"ichnen sieh vor den anderen durch die 
gemeiniglich dicht weiss bestaubten 
Blatter aus, die ahnlich unsern Elechten 
iang, diinn und zusammengerollt von 
den Aesten mahnenartig herabhangen. 

Die Cultur dicser Pflanzen ahnelt 
Jaher in vielen Beziehungen der Cultur 
to epiphytischen Orchideen. Entweder 
Pflanzt man sie in gewbhnliche Topfe, 
*# Mer aufs sorgfaltigste fiir guten 
wawerabzug durch Unterlage von Scher- 
^ und Moos, oder man ,etzt sie ahn- 
■■ den Orchideen in durchbrochene 
Z: Die VOrt ^ilhafteste Erdmischung 
^ ht k in ^ b — verwesterlleideerde! 

m lS cht rait Holzerde wo moglich aus 
'^enholz und Zusatz von zerhacktem 
^Jnoof. Zur Zeit der Vegetation 
*LTl Skht aueh ein Du "gg»ss 
^endet werden. Die Sammlung 
haaso m ? ,n eincm ni ^»gen Warm- 
StelW den FeDStern nahe Hcgenden 
warmTr aUf ' untorh ^ hier eine feucht 
Ta. nn ^ tvonl0 °teiNacht, ISobei 

^ZitT 1 diese warme zur Vpge - 

Wetter aUf 20 ° R - bei aoBBi e* m 

an8t «gen. Gespritzt werden die 



I Zierpflawen. 203 

Pilanzen wahrend des Winters nicht, im 
Fruhling und Sommer aber fleissig, und 
schadet es ihnen selbst nichts, wenn 
sieh dann das Wasser im Herzen an- 
sammelt. Ebenso wird im Winter vor- 
sichtig, zur Vcgetationszeit aber bei 
gtitem Wasserabzug fleissig gegossen. 

Wenn nun so einerseits die Cultur 
der Bromeliaceen betiieben werden kann, 
kbnnen sie andrerseits auch in durch- 
brochene Topfe oder Korbe gcpflanzt im 
feuchtwarmen Hause aufgehangt werden, 
und gedeihen die meisten auf diese 
Weise ganz vorzuglich gut. Imhiesigen 
Botanischen Garten ist eine grosse Zahl 
der vorhanden en Arten an starke Baum- 
stamme mit Moosunterlage geheftet im 
Orchideenhause aufgestellt und sind diese 
zu priichiigen iippig bluhenden Pflanzen 
herangewacliscn. Die Wurzeln haben 
sie ins Moos und von da aus unter die 
Rinde und ins halb faule Holz gesendet, 
und gehbren diese Pflanzen zu den 
schbnsten Zierden unseres Orchideen- 
hauses. Tiliandsien, Vriesien, Aech- 
meen, Guzmannnien, gedeihen so ganz 
vortrefflich. 

Jene eigenthumlichen Tiliandsien mit 
den zusammengerollten weissen Blattern 
sahen wir in Erde eingepflanzt oder an 
Holz angeheftet und aufgehangt in 
Cultur noch keine Wurzeln Widen: so 
"Tillandsia dianthoidea und Durazziana, 
und doch bluheten diese Pflanzen und 
durch abgenommene Sttteke ver- 
mehrt werden, ohne dass Wurzelbildung 
eintrat. Sollten iiber diese interessantcn 
Pflanzen an anderen Orten andere Er- 
fahrungen gemacht worden sein, so 
wird uns die Mittheilung davon in diesen 
Blattern zu grossem Danke verpflichten *). 
(E. R) 



Gartenflora Deutschlanda und der Schweiz. 



Abgcbildct 



20) Cypriptdktm pvbcscens, WiUd. 
(Taf. 1050). Wurdc boreits in einem 
der vorhergehenden Heftc erwahnt. 

21) Clematis patois var. Amalia. 
Ranunculacoae. — Die CI. patens 
Doc no. ist von alien Blumenfreunden 
unter dem Gartennamen azuroa gran- 
d if lor a gekannt und geliebt. Nacbdem 
wir diesc Art sehon eine geraume Zeit 
besesscn , beschenkt uns Dr. v. Sicbold 
neuerdings mit einer kleinen Zabl von 
Abarten, die or ebenfalls aus Japan ein- 
gefiihrt und dem Van Houtte'sclien Eta- 
blissement zur Verbreitung abgetreten 
hat. Die erste dieser Abarten, CI. pa- 
tens Sojthia, zoichnet sich aus durch 
ihre lila-blauen Blumen, mit breitem 
silberweissen Streifen in der Mitte jedes 
Blumenblattes, die zweite Amalia, durch 
ihre zarte, hell lila-blaue Fiirbung; eine 



des Van Houtte'sclien 



freudig fort, sobald 



f trockener Fliiehf. ilie gal ' 



Garten noch dieselben wurzellosen, snust 
vollkomtnen gesunden Exeruplare besitzen 
denen Herr Dr. Kegel die obrn mil-ethe 



dritte, monstrosa genannt, ist blaulich 
weiss und leicht gefiillt; die vierte, 
Louisa, dagegen rein weiss mit violettem 
Centrum, und die fiinfte endlicli. EfcbM) 
ebenfalls rein weiss, aber mit strohgel- 
ben Antheren. Alio, Art w ie Varietatcn, 
tragen grosse, ansehnliche Blumen, em- 
pfehlen sich ausserdem durch ihre voll- 
kommene Ausdauer imFreien, die Leich- 
tigkeit ihrer Cultur, und gchoren zu 
den niitzlichsten und empfchh'ii-wcrthc- 
sten Schlingpflanzen fur halbschattigc 
odor schattige Lagen. An sonnigen 
Stellen gedeihen sie ebenfalls, da sic 
jedoch solir friih treiben, wenn die Friih- 
lingssonne sie treffen kann, sind sie hier 
oher der Beschadigung durch Spiitfruste 
ausgesetzt. Vermehrung durch Ablegen 
odor durcli Pfropfen auf Wurzeln der 
CI. viticella. (Taf. 1051). 

22) Clematis patens var. UuM 
(Taf. 1052) wurdc schon im Vorherge- 
henden erwahnt. Die grossen rein W* 
sen Blumen dieser Varietat trcten be- 
sonders vortheilhaft hervor, wenn man 
die Zweige mit denen einer blaucn Abart 
untermischt. Es scheint dann, dass die 
gleichc Pilanze blaue und weisse I3luth< n 
(rage. Diese Clematis eigne" si. h I* ' 
ganz vorziiglich zur Toplcultur im K^- 
liause und nehmen wahrend Hirer hu "J 
zeit mit dem dunkclsten Winkel r '" 



Licht gestellt 



w erJ'-«- 



l.rgin 



die mauniiit.t.'h-i' 
zogen werden an DrahtgUtcrn 









„nd wird oft vcrwech- 



mit dem C parviflon 



es so ahnlich ist, dass 
ist, beide von einander 
Sir W. Hooker 
ist, Arten zu 



es sehr scft^ 

.„ untcrscheiden- 

wiifl nicht geneV 

erkU* 



jedoch beide fiir wirklich verschieden. 

Xili ilmi liegt der Hauptuntorschied be- 
mim in dcr Form der Lippe, diose 
ist bei dom C. pubesecns leicht seitlich 
zusammpngedriickt und bei C. parviflo- 
rum dagrgen leicht von oben nach unten 
zu oingodriickt. Die Blumen der letz- 
teren Art sind wohlriechend , und die 
goldgelbc Lippe mit einigen orangefarbe- 
nen Flccken gezicrt. Die Blumen von 
C. pubescens und der kleineren Abart 
sind fast odor vbllig geruchlos mit un- 
gefleekter Lippe. 

24) Oypriptdium kunrile , Salisb. (C. 
acaule, Ait.). Mit eben besprocbenen 
Arten ebenfalls in Nord-Amerika ein- 
heimiseh, aber sehr verscbicden von 
'hnen, ist sic eine der am scharfsten 
charakterisirten und zugleich der schon- 
sten Arten der Gattung Cypripedium oder 
Frauensehuh. Zwei oder drei breite, 
langlich- ovale, scheinbar wurzelstandige 

latter; ein einblumiger, weichhaarigcr 
Schaft, der kaum die Blatter iiberragt; 
d »e grosse Blume mit griinen, purpur- 
gestreiften Bluthenhullblattern und an- 
sehnlicher Li ppe m it einem feinen pur- 
Pnrrothen Adernetze auf rosafarbenem 
^nde und in der Mitte tief und breit 
S ef «cht: alle sind leicht fassliche Merk- 
* al e, die diese schbne Art auf den er- 

en Blick orkennen lassen. Sie wurde 
!* 8chatti gM, steinigten Stellen oder in 
JPfigem Boden, aber immer vereinzelt 
fl f nd beobachtet, und gehort, ob- 

7 sch °n zu Ende des vorigen Jahr- 
^ertsei ng efuh r t, immer noch zu den 
Erdl!!^ Und am weni S sten gekannten 
"lorchdeen. (Taf. 1054). 
nacel? ^'^ lilii f hra > w orscew. Can- 
U, r p ~~ ^nter den schbnsten Arten 

^hm g nimmt diese neuc Ein " 

«n«tr? ^ & verdi enstlichen Warscewicz 

Ho e p ? ° incn h "vorragenden Platz 

1 • fand sie in Veragua, und die 



Farbung mit unserer weissen Lilie so 
vergleichbar , dass er ihr den Namen 
lilienbliithig verlieh, den wir als 
gliicklich gewahlt gem beibehalten. Sie 
hat. mit den anderen Arten eine gleiche 
Tracht, aber erreicht eine Hbhe von 
acht bis zehn Fuss, und diescr statt- 
liche Wuchs, vereint mit dem uppigen 
Laube, giebt ihr fast das Ansehen einer 
Banane oder Pisangart. Blatter langlich, 
zugespitzt, kahl, auf bciden Seiten 
griin ; die endstandige Bluthentraube fast 
sitzend, in diinnhiiutige, braune Sehei- 
den gehiillt, stark ubergebogen in fast 
horizontaler Lage; Bliithen sehr gross, 
sitzend; Kelchzipfel langlich, stumpf, 
viel langer als der warzig hbekerige 
Fruchtknoten , mit der Blumenrbhre fast 
gleichlang; aussere Petalen langlich- 
linealisch, zuriickgcschlagcn , innere 
(Staminodien) abstehend-aufgerichtet, an 
der Spitze zuriickgerollt , gelb-griinlich 
weiss. Eine sehr empfehlenswerthe, 
stattliche Art, besonders fiir hbherc 
Warmhauser. (Taf. 1055-56). 

26) Isoloma Trianaei, Egl. Gesne- 
riaceae. (Taf. 1057). S. Grtfl. Jahrg. 54. 
p. 107. t. 82. 

27) Moraca edulis, Ker. (Iris edulis 
Lin. fil., I. capensis, Burm., t Iongifolia 
Schneev. et Gcuns ) Irideac. — Sehr 
zahlreich im siidlichen Afrika, dem klas- 
sischen Boden der Iridcen, vertreten 
dort die Moraea- Arten unsere Gattung 
Iris von der sie sich einzig durch den 

Theile 
scheiden. Die Blu- 

sindebenso schnell verganglich, mit 

eben so zarten und veranderlichen Farben 



net Rbhre 
der Bluthenhulle untersi 



die der Irisarten. Die 



hcllblau, hellgelb und weiss, und nut 
der eoldzelbe Fleck, mit dem jrdes der 



206 

ausseren Bliithenhullblatier 
ist bestandig vorhanden. Die Hohe, die 
sie erreicht, ist ebenso veranderli 
schwankt zwischen vier bis achtzehn 
Zoll. Dor Stengel ist am Grunde von 
einem einzigen, sehr langen, linealischen 
Blatte umfasst, welches naeh Schneevogt 
bis 4*/a Fuss Liinge zuweilen erreicht; 
iibrigens nackt, endigt er sich in cine 
wiederholt-gabelastige Trugdolde, deren 
Verzweigungen am Grunde durch ein 
Oder zwei Blatter scheidig eingchullt, 
und mit griinen, theilweise hautigen 
Scheiden bedeckt sind, aus denen die 
Blumen nach einander hervortrefen. Jede 
Bliithe dauert nur etwa sechs Stunden, 
verbreitet aber den lieblichsten Duft und 
ist schnell durch einefolgende ersetzt. — 
In der Umgebung der Capstadt sehr haufig, 
wurde sie schon friihzeitig durch die 
ersten hollandischen Colonisten 'einge- 
fiihrt, und theilt in unseren Garten die 
Cultur — (und fiigen wir hinzu — das 
Schicksal) der Ixien, Sparaxis und an- 
derer Capzwiebeln. Nach Thunberg es- 
sen die Hottentotten die Zwiobeln, daher 
der Name edulis. (Taf. 1058.) 

28) Ungnadia speciosa Endl. Sapin- 
daceae: Hippocastaneae. — Dieser schbne 
Strauch ist bis heute die einzige gekannte 
Art seiner Gattung. Der Universitats- 
garten in Wien erhielt zuerst im Jahre 
1848 Samen von Herrn Lindheimer aus 
Texas eingesandt, der sie in schattigen 
Waldungen an den Ufern des Guadalupe- 
sveit Neubraunfels gesammelt 



Flusses 






--;;:: 



Pflanzen, im Kaltbause cultivirt, 
reichten bald eine Hbhe von 2—3 Fuss, 
und bluhten zuerst im Mai 1853. Einige 
andere Exemplare, die in's Freie 
pflanzt wurden. ertrugen hier unter einer 
leichten Laubdecke eine anhaltende 
Kalte von 10— 12° R. und bluhten 
um 14 Tage spiiter als die im Kalthause 



uberwinterten Pflanzen. Aus einiger 
Entfernung gesehen und besonders vor 
der ganzlichen Entvvicklung des Laubes, 
glMchen sie Zwergexemplarcn des Cercis 
Siliquastrum , und man muss sie schon 
genau betrachten, um mit Erstaunen zu 
erkennen, dass diese schcinbare Papilio- 
nacee zu einer ganz anderen Familie 
gehort und in unseren Rosskastanien 
und Pavia-Arten ihre nachsten Ver- 
wandten findet. — Im Yaterlande bildet 
die Ugnadia einen 15—20 Fuss hohen 
Strauch, der im Fruhlinge eben vor und 
gleichzeitig mit der Blattentwickelung 
seine niedlichen rosafarbenen Bliithen 
zeigt. Sie erscheinen in kleinen 2—5- 
bliithigen Trugdolden an dem vorjahrigen 
Holze, aus dessen Endknospe der neue 
Jahrestrieb hervortreibt, dessen wechsel- 
stiindige gefiederte Blatter aus sieben, 
fast sitzenden, eifbrmig-lanzettlichen, 
sagezahnig-gekerbten Blattchen beste- 
hen, -wahrend die kurzen Seitentricbc 
viel kleinere 3—5 zahlige Blatter cnU 
wickeln. Die Bluthen sind zwitterig- 
diocisch, die weiblichen Zwitterbliithen 
meistens mit sterilen Antheren. Die 
dreifacherige unbewehrte, runzelige Kap- 
sel mit durch Fehlschlagcn einsamigen 
Fachern. Samen mit schwarz-kastanien- 
brauner, lederiger, glanzendcr Schale 
von der Grbsse einer Kirsche, sind von 
siissem Geschmack, sollen aber brechen- 
erregend wirken. Ausser der zai'ten 
Bluthenfarbe und dem eleganten, den 
Eschen ahnlichcn Laubc, ist auch die 
Iange Bliithenzeit eine Empfehlung» 






bedurfte, 



auf die Dauer sich i 



reichend hart fur unsere 
wahrt, und das kann erst ir 
stcnJahren vollstandig entsc 
den. (Taf. 1059.) 

29) Azalea hybr. Eulalie 



Taf. 



I.) Bereits in 



der frii- 



30) iMusa zebrina, Van Houtte : Mu- 
saceae.— Eine sehr decorative, schbne 
Bananenart, die bereits eine ziemliche 
Verbreitnng in unseren Warmhausern 
gefunden hat. Sie wurdc vor etwa 11 
Jahren in Van Houtte's Garten aus Sa- 
men gewonnen , die zufallig mit Orchi- 
deen aus Java eingefiihrt worden waren. 
Dip Friiciitp dnd ungeniessbar, aber die 
grossen unton rothlichen, oberhalb 
schwarzbraun gefleckten Blatter machen 
«e zu einer geschatzten Decorations- 
pflanze, deren massiger Wuchs, kaum 
10 Fuss Hohe erreichend , sie auch fur 
aiedere Warmhauser geeignet macht. 
(Taf. 1061-62.) 

31) Rhododendron hybr. pelargonii- 
fbrum, L. Delmotle. Eine herrliche 
kartenhvbride , deren Abstammung, wie 
jj den meisten Fallen leider nicht mit 
MNttfceit constant werden kann, der 
a « als einer der schonsten und inter- 
essantestenErscheinungen in diesem Ge- 
bl *e eine um so grossere Verbreitnng 
^rau SZ u S ag en ist , als sie vo llkommen 
"Mere Winter ertragt. Die Bliithenfarbe 
13 eben so auffallend neu als schon und 
* T, er zu be ^clireiben; sie ist ein Ge- 
sch von Chamois und Orangeroth , im 
^bluhen zur Fleischfarbe erblassend. 
f efcnhche FarbentSne finden sieh beson- 
^beidenenglisehenPelargonien.und 
* p rei ^Zeichn«ngindenoberenPe- 

liehk •! f ht dGn Ehldruck dicscr Aehn " 
^ die durch den Namen pelargo- 
^umangedeutetwerdensoll—Jetzt 
Boutt e lm AH ' inbesitze des Herrn Van 
sah h '.,.~~" Rcfere nt, der sie bliihen 
then r Sie nach verschi edenen Anzei- 
* eine wirklkhe und zwar sehr 
Lan a teHybride zwischen einer ff el " 



(erpnanzen. 2 07 

32) Genetyllis tulipifera Hort. (Taf. 
1064.) Wurde in einer der vorherge- 
henden Nummern bereits besprochen. 

33) Tetratheca ericoides, Hort. Tre- 
mandrieae. — Eine neue und sehr nied- 
liche Art, die vor Kurzem in englischen 
Garten auftauchte und der bereits ziem- 
lich verbreiteten und allgemein beliebten 
T. verticillala ebenbiirtig zur Seite tritt. 
Wahrend bei dieser die Blumen lang 
gestielt, flach ausgebreitet und schon 
blau sind, zeigt der neue Ankommling 
kurz gestielte, mehr zusammenge- 
neigte und zart rosa gefarbte Bliithen. 
Die Blatter beider Arten zeigen eine 
ebenso grosse Verschiedenheit : bei T. 
verticillata sind sie in ziemlich entfern- 
ten, flach ausgebreiteten Wirteln ge- 
stellt, wahrend sie die schlanken Zweige 
der T. ericoides dicht bedecken, und 
hier wechselstandig und oft zu dreien 
Scheinwirtel bildend, auftreten und an 
den jungcren Zweigen fast anliegen. 
Eine dritte Art, die T. ericifolia Sm., 
darf trotz der Aehnlichkeit der Namen, 
nicht mit der T. ericoides verwechselt 
werden; sie scheint aber nicht in den 
Garten zu existiren. — Die Tetratheca- 
Arten bilden mit der Gattung Tremandra 
eine kleine, ausschliesslich australische 
Familie und gehoren zu den lieblichsten 
und zierlichsten Neuhollanderpflanzen 
unserer Kalthauser. — Sie gedeihen 
freudig^ in einer guten Heideerde, mit 
Lauberde und Sand gemischt; erfordern 
wie alle feinwurzligen Neuhollander ei- 
nen guten Wasserabzug, cinen lichten, 
luftigen Standort, und bfteres Einknei- 
pen oder Einstutzen der Zweige, um ei- 
nen mbglichst buschigen Wuchs zu er- 
zwingen. — Beim Umpflanzen sehe man 
besonders darauf, dass die Basis des 
Stammes nicht mit Erde bedeckt wird; 
der Ballen sollte stets etwas hervorra- 
gen , damit das Wasser nach den Seiten 



bin abzieht, da sonst leicht die Stamm- 
faule entsteht. Man hiite sich jedoch 
cben so sehr, beim Umpflanzen in's ent- 
gegongesetztc Extrem zu verfallen, und 
don Ballen zu hoch zu pflanzen, denn 
in diesem Falle trocknet er leicht aus, 
und dann durelifeuchtet das Wasser im- 
mer nur die frische Erde, und die Pflanze 
vertrocknet. — Beide Versehen richten 
grossen Schaden an, besonders auch un- 
ter den Eriken, und man kann daher 
beim Verpflanzen der empfindlicheren 
Topfpflanzen diesem Punkte nicht zu 
viel Aufmerksamkeit zuwenden. — Die 
Vermehrung der Tetratheca-Arten ist 
leicht durch Steeklinge von halbreifem 
Holze, die in reinen Sand gesteckt un- 
ter Glocken kiihl und miissig feucht 
gehalten, rasch wurzeln. (Taf. 1065.) 

34) Manmta? regalis. (Taf. 1066.) 
Ist bereits in einera der vorigen Hefte 
crwahnt. Die Cultur betreffend erwah- 
nen wir noch, dass die zartlicheren Ar- 
ten, wie M. vittata, albo- und roseo- 
lineata, variegata, eximia u. s. w. be- 
sondere Aufmerksamkeit in ihrer Be- 
handlung erheischen. Sie alio gedeihen 
am bestcn in einer mit scharfem Sand 
versetzten Laub- oder Holzerde, dulden 
stagnirende Feuchtigkeit ebenso wenig 
als grosse Trockenheit und bilden ihre 
schbn gezeichneten Blatter am vollkom- 
mcnsten aus, wenn man sie in nicht zu 
grosse Tbpfe pflanzt und diese wieder 
in grossere Tbpfc auf starker Scherben- 
untorlage setzt, den Zwischenraum mit 
Torfmoos ausfullt, cine Glasglocke dar- 
iiber deckt und ihnen einen Standort 
in einem niedrigen feuchtwarmen Or- 
chideen- oder Warmhause giebt. Mit 
der Theilung sei man behutsam und 
nicht voreilig; erst wenn die Pflanze 
sich gut bestockt hat und mehrere 
ausgebildete Einzelnpflanzen, die leicht 
trcnnbar sind, zeigt, solltc man dem 



Wunsche, Vermehrung davon zu be- 
sitzen, willfahren. Durch voreiliges 
Theilen verliert man oft Mutterpflanie 
und die gehoffte Vermehrung zur glei- 
chen Zeit. — 



Abgebilde 



35) Genetyllis miia'uticjia Tun z. 
(Taf. 76.) Wurde bereits in einer fruhe- 
ren Lieferung besprochen. 

36) Eos. hybr. remont. Panachk 
d'Orleans, Dauvesse. Eine sehr schiiM, 
bfter bluhende (remontirende) Rose, m 
Herrn Dauvesse in Orleans in den Han- 
del gebracht, mit grossen, stark gefull- 
ten Blumen. Die Grundfarbc ist art 
rosa, mit dunkel rosa schbn und deot* 
lich gestreift und bandirt. Sehr empfeh- 
lenswerth. (Taf. 77) 

37) Clematis campaniflora , BroUro. 
Ranunculaceae. In den Garten schoa 
seit geraumer Zeit verbreitet, aber i& 
gracile, vollbluhende und ausdaofm* 
Schlingpflanze allgemein zu empfehlen. 
Stammt aus Portugal und eignet sich 
vorzuglich zur Bekleidung von Mauern, 
Gebauden, Laubgangen u. s. w. D* 
langen, sehr dunnen, ganz unbehaar«» 
und wenig verzweigten Stengel tra|« 
dreifach- dreizahlige, zusammcngeset* 
Blatter; durch das bci diesen PAa** 1 
so haufig vorkommende Fehlschlagen war- 
den die Blatter gegen die StengewP* 
zen zu dreiblattrig. Die kleinen, »* 
niedlichen, glockigen, ni 

men erscheinen einzcln auf end *-^ 
Bliithenstielen und sind von ba 
Oder lilaweisscr Farbung. (Taf. ' • ^ 

38) Dioon edule, Lindl. |Dl ° n 
bricatumMiqu., D. aculeatum, L<w . 
cadaceae.-- Unter den zahIr ^[^. 
schonen, ausgewachsenen 8 
emplaren diedasVerschairelt^ 
liBsement direct vomVaterlandee^ 



m <<&: 



v 






haben zwei Pflanzen im Herbste 1854 
ihrc Bluthen entwiekelt, die eint 
miinnlichen, die andere den weiblichen 
Zapfen. — Die Gattnng Dioon (und 
nicht Dion, wie Lindley schreibt) 
sitzt bis jetzt nur eine Art und scheint 
in einigen Districten von Mexico ziem- 
lich haufig vorzukommen. Der kurze 
bis sechs Fuss hohe Stamm ist immer 
ungetheilt , haufig gekriimmt, was von 
sfinen Standorten auf felsigen Abhan- 
gen horruhren mag , und von unten bis 
0ben durch die bleibenden, dicbt dach- 
ziPgeligten , rautenformigen Narben der 
%fallenen Blattwedel gezeichnet. Die 
"Mel, zehn odcr mehr, bilden am Gi- 
P f « eine elegante, flach ausgebreitete 
*»»«; sie sind fast zweireihig, einfach 
!!„*' we ^8teus 3 Fuss lang und 
Z ;» breit und bestehen aus etwa 
Ddert Pa ^Fiederblattchen; diese sind 



? e ?enstandig oder f, 



t gcgenstaudig, fast 



7"^ Hnealiseh, mehmrvig in 
aul ? rl ! ngerte ' Starke Stachelspitze 
JJ** und von sehr barter, fester 

Sr , d,,r jugend sind sie iejcht 

gund schonblaugrun, werden aber 

L gaDZ kahl und d «nkel gruir. Junee 

^anzen zeigen an den Spit.L 

;/^erblattchen3--4Sta C helzabne, 

man irrthiimlich als eine 

aogesehen und sie D. 

'"'t. Aus der Blattkrone 

UiZp' Exem P lare tretcn die Blii- 

. ' : '"" ■ mannliche oder weibliche, 

■ von kurzen, wolligen 

' mannliche Zapfen ist 

ri sch, kurz - gestielt, etwa 

* mU z ang und 2 Zoll fan Durchmes- 

■''roichen, kleinen, spi- 

j - gcstellten, an dor 

11 »nd aufwarts gekrumm- 

a *8sen dicht wollig, in- 

^ k «geli ff l . mit Unz ahligen, eifbr- 



.erpuanzen. 2 09 

teln. Der weibliche Zapfen ist grosser, 
etwa 8 Zoll lang und 3 Zoll im Durch- 
messer, mit sehr grossen, gestieltcn, 
pfeilfbrmig-zugespitzten, aufrechten, an 
der Spitze leicht zuruckgobogenen Schup- 
pen, aussen lang braun-seidenglanzend 
wollig. Am Grunde jeder Schuppe sitzt 
eine einzolne weibliche Bliithe, die nur 
aus dem eifbrmigen, gerieften Frucht- 
knoten rait sitzender, kopfformiger, blei- 
bender Narbe besteht. Fruchtknoten 
einfacherig, einsamig; der Same stein- 
fruchtartig mit dicker, lederiger Schale 
und diinnem fast holzigem Kerne, — 
Die Mexicaner essen gern diese Fruchte 
und bereiten auch ein vorziigliches Ar- 
row-root Mehl daraus. Fiir unsere tem- 
perirten und selbst kalten Glashiiuser 
lie Dioon edule , durch ihre hochst 
malerische Tracht eine herrliche Zierde, 
in Effect, den schonsten Palmen nicht 
laehstchend, und findet man dieselben 
;u sehr moderirten Preisen in schonen, 
tarken Originalexemplaren in der Gart- 
icrei des Herrn A. Verschaffelt in Gent. 



f) Abgcbilde 



be* 



igi.jii 



f n ' ^nfacherigen Staubbeu- 



39) Neue Scharlach - Pelargonien. 
Wabrend man vor nicht gar langerZeit 
nur die lcuchtend rothen Arten kannte, 
hat man jetzt eine reiche Zahl von Far- 
benabstufungen bis zum rcinsten Weiss 
Unter den neueren Varietiiten zeichnen 
sich die folgenden durch Rundung und 
GbrSMB, wk durch Fiirbung besonders 
aus: 1) Boule de neige, rein weiss 
2) Hydrangeaeformis, ileischfarbcn ; 3) Ma- 
rechalFabert lachsrosa; 4) Rubens, kar- 
min-scliarlach , und 5) Mountain of light, 
brennend vermilion mit weiss panachir- 

30) AJlumia cirrhosa, liafin. (Di- 
clytra scandens Hort.) Fumariaceae. 
SchlingpfJanzen fur's freie Land sind im- 
14 



210 



Gartenflora Deutschlands i 



mer beliebt, besonders wenn sie lcicht, 
gracil und raschwiiehsig sind, und diese 
Eigenschaften sind im hochstcn Grade 
der Adlumia eigen. Das ungemein feine, 
doppelt-gedreite, zerthcilte Laub, die 
niedliohen, zahlreichen rothlich weisseu, 
Oder blass-violetten Blumen, wie kleine 
Glocken an haardiinnen Stielen aufge- 
hangt, die den ganzen Sommer hindurch 
anhaltende Bliithozeit und der rasche 
Wuchs empfehlen diese ubrigens schon 
langst eingefiihrte Pflanze zu einer hau- 
figeren Verwendung in den Garten. Sie 
eignet sich ganz vorzuglich zur Beklei- 
dung von leichten Laubgangen und zur 
Bildung der zierlichsten Guirlanden, 
wenn man sie von Ast zu Ast eines 
weitastigen Baumes laufen liisst oder an 
diinnem Drath hinleitet. Die Adlumia 
cirrhosa, die einzige Art ihrer Gattung, 
ist in Canada und Pensylvanion einhei- 
misch, und kann als zweijahrige, voll- 
kommen harte Pflanze gleich an Ort 
und Stelle ausgesaet werden, ohne be- 
sonderer Pflege zu bedurfen. 

41) Thuiopsis dolabrata. Sieb. et 
Zuccar. (Thuia dolabrata Thunb.) Dem 
botanisehen Garten zu Leyden ist es 
endlich gelungen, ein odor zwei Exem- 
plare dieses schonen, japanischen Bau- 
mes lebend oinzufiihren. Die Gattung 
Thuiopsis unterscheidet sich von der 
nahestehenden Thuia, der sie in Zweig- 
und Blattbildung sehr ahnclt, durch die 
holzigen Schuppen der Zapfen, deren 
jede am Grunde fiinf in zwei Reihen 
gpstellte Samen birgt; die Blatter sind 
ausserdem auf der Riickseite in der 
Mitte mit blaugrunen Spaltoffnungen be- 
deckt, wahrcnd die Blatter der Thuia- 
Arten aller Spaltoffnungen entbehren. — 
Die Th. dolabrata bildet in Japan einen 
grossen majestatischen Baum von py- 
ramidalischem Wuchse mit oft hangen- 
den Zweigen. Das Holz ist als Bau- 



auf der Ruck 



holz sehr geschatzt, die Blatter sind 

dunkelgriin, 

nen Streifens 

sehr ziert. Es ist anzunehmen, dass 

sie ebenso hart sein wird, wie unserc 

Thuia- Arten. 

42) Abies Hoolierianct , Murray. In 
Edinburg hat sich eine botanische Go- 
sellschaft gebildet, die den Zweck ver- 
folgt, die reichen Regionen des oberen 
Californiens und des Oregongebietea 
durch Sammler ausbeuten zu lassen und 
besonders die herrlichen, dort vorkom- 
menden Nadelholzer einzufiihren , da die- 
selben, fiir das europa'ische Klima als 
vorziiglich geeignet, nicht nur eine be- 
sondere Zierde unserer Garten, sondern 
spater auch fiir unsere Forstkulturen 
sehr wichtig werden diirften. Den Rei- 
senden dieser Gesellschaft, den Herren 
Jeffrey und Murray, ist es gegliickt, 
keimfahige Samen von einigen der schiin- 
sten dieser Nadelholzer einzusenden, und 
bereits offeriren einige der grossten Han- 
delsgarten, wie Lawson in Edinburg und 
Van Houtte in Gent, junge SamonpAan- 
zen, die aus die sen ersten Sendungen 
gewonnen wurden. — Ausser einigen 
ganz neuen Arten, wie Abies Hookeri- 
ana, A. Pattoniana, Cupressus Lawso- 
niana, C. Maenabiana, Pinus Beardslevi, 
P. Jeffreyi u. a. m. wurden auch Samen 
eingesandt von bereits gekannten, abor 
noch sehr seltenen Arten, wie Abtf* 
grandis, A. nobilis, Pinus monticoU. 
P. Benthamiana, P. Lambertiana, »■ 
Sabiniana , P. macrocarpa u. s. « . — 
Zu den, fiir die Wissena 
die Garten gleich neuer. h 
die Abies Hookeriana. Murray entdeck f 
diese Art hoch oben auf den Bergen 
Californiens unter dem 41 Grade ■■» 
Breite, wo der Boden schon MiW 
tobcr mit Schnee bedcckt 
det einen zwar nur bis funics ■*■ 



II. Neue Zierpflanzen. 



211 



hen, aber in der Tracht ungemein ele- 
ganten Baum, der von Murray fiir den 
schonsten der auf der letzten Excursion 
gefundenen Waldbaume gehalten wird. 
Die Zapfen von A. Hookeriana haben 
die grosste Aehnlichkeit mit denen der 
A. alba, aber sic sind grosser, und be- 
sonders die einzelnen Scbuppen, die 
Samen und Flugel sind grosser als die 
der A. alba; die Tracht des Baumes 
und din Blattstellung sind ganz abwei- 
chend: bei A. alba stehen die Blatter 
regelmassig den Aesten entlang, bei A. 
Hookeriana sind sie gebiischelt, und ct- 
was nach oben gedreht, wie bei A. no- 
Mis. Das Holz des Baumes ist hart 
«nd dauerhaft. 

43) Abies Pattoniana, Murr. Wurde 
von Jeffrey einige Jahre fruher, als die 
vorhergehende Art entdeckt. Beide sind 
Baume von grbsster Schonheit und schr 
e ver wandt, aber A. Pattoniana er- 
reicht na ch Jeffrey eine Hohe von 150 
e °gl- Fuss, und beherrscht alle ubrigen 
Baume der Waldungen , wo sie auftritt. 
D ^ Zapfen btidcr Arten bieten Merk- 
mal e, nach denen man sie untcrschei- 
df n kann; bei A. Pattoniana sind sic 
««*elbraun mit tief gezahnelten, gleich- 
,Jnn, gen, weich anzufiihlendcn Schup- 
pen, — |j ei A Hookeriana dagegi 
8ln « die Zapfen hell gelblich braun, die 
^wppen um ein Drittel grosser, 
- <wd ungleich gross. 
m " n »ad die Flugel sind bei A. 



k.'irz 



Die 



^ "WW einem Herrn Patton zu Eh- 
r auf seinen Besitzun- 
' ( lri S| l"»ttland eine Reihe von Ver- 
[J? anst eHte , um die Hbhen zu er- 
' n , in denen die verschiedenenNa- 
,Z m am T0r theilhaftesten als Forst- 
^ an Z upflan zen sind. 
|f j } lim ™BeanMeyi, Murr. Wurde 
*■ ^%fel eines hohen Bergc-s un- 



term 41. nordl. Breitengrade entdeckt, 
in der gleichen Hohe mit P. Jeffreyi, 
P. monticola und Abies grandis, aber 
hoher als der Standort der P. Bentha- 
miana und Lambertiana. Es ist ein sehr 
schbner Baum, ein gefallter Stamm mass 
123 engl. Fuss, bei 3 Fuss 8 Zoll im 
Durchmesser; ein anderer hatte 3 Fuss 
oberhalb der Erde eincn Umfang von 17 
Fuss 4 Zoll Er gleicht zunachst dem 
P. Benthamiana; seine Zapfen sind 3 
Zoll lang und die Blatter haben 6 Zoll 
Lange, wahrend P. Benthamiana 5 Zoll 
lange Zapfen und 11 Zoll lange Blatter 
besitzt; die Samenflugel des letzteren 
sind viel grosser und breiter, das Holz 
ist rbther als der Splint, bei P.Beards- 
leyi dagegen ist das Holz durchweg 
gleich gefarbt. 

45) Cupressus Lawsoniana, Murr. 
Eine herrliche, im Wuchs ausserordent- 
lich elegante Cypressen-Art, die von 
der Oregon-Expedition, an den I fern 
eines Flusses in einem engen Bergthale 
wachsend, zuerst entdeckt wurde. Der 
Baum wird 100 engl. Fuss hoch bei 2 
Fuss Durchmesser; die Aeste erheben 
die Spitze hin, und diese 
wieder hinab geneigt mit 
der Eleganz eincr Straussenfeder. Der 
Wipfel^ist leicbt und grncil, wie der 
oincr Deodar-Ceder; das Holz ist aus- 
gezeichnet gut und sehr geeignet zu 
Bauholz. Die Zapfen sind ausserordent- 
lichklein, und die Zweigc, dicht be- 
deckt mitkleinen, sehr godran«tcn Blatt- 
scnu'pperi, haben Aelmlicl.kiit nut, de- 
nen der Juniperus phoenicea. — Dic- 
ser schbne Baum wurde den Urn. Law- 
son in Edinburg dedicirt. 



sich gegen 



Das Pflanzen 
n Hcr- 



und Samengeschiift der genanntci 
ren ist eines der grbssten und renum- 
rnirtesten, und da sie auch besonders 
sich verdienstlk-h machten durch Lm- 
fiihrung und Vcrbreitung einei grossen 
14 * 



212 



!'<: 



Zahl der schonsten Nadelhblzer, 
nen sie wohl, dass ihr Name einer Ai 
gegeben wurde, die bestimmt ist, all 
gemein verbreitet und beliebt zu werdei 

46) Cupressus Mac JVabiana, Marr, 
Von Herrn A.Murray unterm 41. Grade 
nurdl. Breite in Californien gefunden, 
bescbreibt derselbe sie als ein immer- 
griines Baumchen , von niedercm Wuehse 
und init gekriimmten , verdrehten Aesten. 
Blatter stumpf, auf beiden Seiten ver- 
tieft und blaugriin bercift, wahrend Blatt- 
kiel und Blattspitzen scbbn griin sind; 
bei alteren Exemplaren verliert sicb 
diesc Verschiedenheit der Blattfarbung, 
wabrend sie an jungen, kraftigen Pflan- 
zen sebr deutlieh und scbbn auftritt. 
Zapfcn kugelig; Scbuppon mit einem 
stumpfen, verlangerten , aufwarts ge- 
kriimmten und bewebrten Buckel verse- 

47) Junipcrus pyrif'ormis , Murr. 
Die Herren Veitch erbielten dicse Art 
durch ihren Reisenden, den gliicklichei 
Lobb, der sie auf den San Bernadhu 
Bergen in Californien fand, wo sie 1( 
bis 12 Fuss Hbhe orlangt. Die orsten 
Blatter sind abstehend, zu dreien ge- 
quirlt, stechend, blaugriin; an iilteren 
Zweigen eng anliegend, dacbziegelig, 
spitz. Die Frucbt im unreifen Zustande 
gleicht einer kleinen Birne , an der Spitze 
mit harten Scbuppen besetzt. Bei der 



Reife biegen sicb diesc Scbuppon zu- 
riick und die Frucbt ist dann dunkol 
violett, mit einem blaugriinem Keife br- 
deckt. 

48) Apfel, Ilimbcerapfel oder Ge- 
stt-eifte Herbst-Caloille. Eine berrliche 
Sorte , die in den siidlicben Provinzpn 
Belgiens seit langer Zeit mit besondcrer 
Vorliebe gebaut wird. Nacli Knoop ist 
sie hollandischen Ursprungs. Der Ilim- 
beerapfel ist gross, abgerundet, leiclit 
eingedriickt, mebr oder weniger kantig, 
am Grunde flach. Die Haut glatt, hell- 
griin, gelblich, wenn reif stark gfl- 
fleckt und gestreift mit Karmin. Die 
Sonnenseite ist zuweilen ganz roth und 
rostgrau bctiipfclt. Kelcb geschlosscn, 
mit wenig vertiefter, kantiger Hohlung. 
Stielhbhle tief, ausgetlacbt , buokelig 
oder kantig. Fleisch weiss, fcin, sehr 
scbmelzcnd, mit zuckerroichem , leicht 
sauerlichem Saft , dessen Arom an Him- 
beeren erinnert. Reife gegen Ende Sep- 
tember , und halt sich lange und gut. 
Der Baum ist nicht nur fruchtbar, son- 
dern auch wenig wahlcrisch, den Stand- 
betreffend, wir saben ibn an nord- 
thlreicbe 
■oliwail'. 
oben wollig, 
stark punktirter Ober- 

(E. 0.) 



lichen Spalieren 

Friichte liefern. Sein Wuchs 

die diinncn kurz 



1) Handlaternen. Kaum wage ich 
die Erinnerung meiner Leser auf einen von 
bearbeiteten , im ersten Hefte 1. J. erschiene 
Aufsatz iiber die Gemiisegarten London's 
riickzurufen. Indessen soil man nie eine 
legenheit rorbeigehen lassen, Irrthumer 

jenem Artikel hatte ich mein Befremden i 



handlight die Glasglocke 1 



aussehen. An den Randern 
:ien Glasscheibchen mit J 
lengelothet und der Deckel 



oderBleizusammengelothe 
entweder ganz abgehoben 
darin einige Scheiben zun 
tel, urn liiften zu konnen. 
2)Blumenausstel 
Florenz, 26. Marz. Vor zwei Jahren bildete 
sich hier eine Gesellschaft Gartenfreunde, wel- 
che bezwecken wollte, durch Cnterstiitzung un- 
■■■' atelier Gartner die Zucht der Gartenge- 
wchse zu befordern. Diese Gesellschaft be- 



wi-en 



H': 



3S fur die Ausbildung ihrer 

Es fand desshalb im April 

■ iSstellDBg von 



e wii tauscnen, besondere Preise fur 
fi3ten Mus 'er ertheilt. Der Erfolg dieser I 
S . tellnD ^ war so filanzend und d P r R P i 



fand da - gM ZU ^^ Letztere 

and a ^ aUCh im September v. J. statt, 

.-.£:C gM,!prach8anzdra8eheg - 



zum erstenmale bluheten und durch ihre sel- 
tene Fulle alle anderen tiberstrahlten. Einen 
wirkungsvollen Gegensatz zu diesen bildeten 
die anderen in tausend verschiedenen Farben 
spielenden Bluniengcwacbse; insbesondere war 
die bunte Mannichfaltigkeit der Azaleen , der 
Alpenrosen (Rhododendra) , der Epacris, der 
Eriken (Ericae), der Orchideen, Rosen, Aschen- 

rariae), Dam 
Rosen (R. damasccna; R. moschata), der drei 




*-«.. 



Falten gelegtenTapetei 

Ballsaal 
Hofraum glichen. Gross war der 
von Besuchern jedes Standes und Alters; 
audi bemerkten wir viele Persouen aus Li- 
vorno , Pisa und anderen Stadten Toscana's, 
die der vorjiihrige Ruf der Ausstellung eigens 
nachFJorenz gelockt. Zu bemerken ist noch, 
dass alle diese Gewachse bei der Lauheit des 
hiesigen Klima auch den Winter liber im 
Freien gedeihen, sobald sie nur einigermas- 
sen vor unmittelbarer Einwirkung der rauben 
Nordwinde Schutz haben, uud dass sie na- 

gelinden Winter und langer denn monatlichem 
warmen Fruhlingswetter desto eher zur Blii- 
;he gelangt sind. Den Blumenreichtbum hat 
iberbaupt Italien vor anderen europaiscben 
Landern voraus, und das sch6ne „Florenza" 
kann in dieser Beziehung selbst sudlicheren 
Stadten Italiens den Rang ablaufen. 

,.Dich hat, Florenz, de*hi altes Etruskervolk 
Mit vvahreinFug dich bliihendeStadt ge- 



1 Letters der Gesellschaft, 



^'kennen v ntetDPel mac)lt *> lob ens W erth 
"^ Cam" II- ° r allem anderen fiel die Un- 
Zierl ichke - t ? en durch die Schonheit und 



^ag^ 



durch die Mannichfaltigkeit 
i ; wir bemerkten 



■ 



Deutschlands und der Schweiz. 
en Pflanzen ur 



ren im Allgemeinen zunachst Vegetabilien und 
deren Theile, die in Herbarien sich nicht auf- 
bewahren lassen, nichtsdestoweniger aber in 
vielfacher Hinsicbt von Interesse sind, ferner 
auch Producte derPilanzen, von denen irgend 
eine practische Verwendung gemacht wird, 
und vielleicht auch die Kunstproducte, welcbe 
aus ihnen gefertigt werden. Das 
Museum dieser Art befindet sich 
London, dessen Besclireibung 5 






der Jardin des plantes und das Museum zu 
Edinburg enthalten minder reiche Sammlun- 
gen. Der Vortragende ist seit vieleu Jahren 
bestrebt gewesen, ahnliche Sammlungen zu- 

nachdem sie in einem Lokale der Universitat 
aufgestellt worden sind, einen systematischen 
Catalog teroflentlicht, urn dadurch auch an 
anderen Orten die Errichtung von dergleichen 
Muscen zu veranlassen und uberhaupt zu recbt 
vielfacher Benutzung dea cigenen* aufzufor- 
dern. Insofem er sich bestrebf, den verschie- 
densten Richtungen zu genugen, enthalt das 
System gcordncte Ver- 

vielen Special-Museen , wohl das meiste aus 
alien Gegenden der Erde , was etwa in ana- 
tomischer", physiologischer , vergleicbend pa- 
liiontologischer , pliarmokologischor, bkonomi- 
scber und technischer Hinaicbt von Pflanzen 
bis jetzt bekannt ist, zuletzt auch noeii eine 
Uebersicht pathologiscber Prouucte des Pflau- 
zcnreichs , im Ganzen mehr als 3000 einzelne 
Gegenstande and schliesst par die wahrcn, 
aus den Pflanzen gefertigten Kunsfproducle 
aus , die feruer zu liegen srhienen , die auch 
raunilich in dem von der hohon BehOid* gfl- 
tigst bewilligteu Lokale sich niclit aufstellen 
lassen. Insofern ist diese kleino Sciirift auch 
als eine Anleitung zur Errichtung sol- 
cher Sammlungen zu betracht-n , welcbe 






Eine moglichst vollstandige Sammlung von 
Pflanzen, die zu irgend einem Z week benutzl 
werden, ist nicht bios von botanischem, son- 
dern auch von culturhistorischetn Interew. 
Die Angaben dieser Art verniehren die Liebe 
zu den schonen Biirgern der Pflanzenwelt und 
gewahren zugleich einen tiefen Blick in die 

irgend einem Gebrauch dienen. Wir seheu, 
wie verschiedene Pflanzenarten einer und der- 
solben Gattung oder Farnilie in den entlegen- 
sten Gegenden der Erde, also bei Volkern 
der mannigfaltigsten Culturstufen , lhrer ver- 



gleichen medicini 
neue Bestatigung 



I odr.l t 



lischen Zwe- 



dei Wisseusetufi 

nigfaltige Winke iiber die Verwendung vieler 
bisher unbenutzt gebliebener Gewachse, wo- 
durch auch in practischer Beziehun^ v.m';.; .. 
Gesichtspunkte eroffnet werden. Die Zahl sol- 
dier in europaischen Garten culiivirtcn Art-n 
durfte sich, so viel ich es gegenwartig vonmei- 

schrankten Standpunkt aus etwa schatzen kann. 
nicht fiber 2400-2500 belaufen, von denen ich 
bis jetzt im hiesigen bolanischen Garten 2200 
zusammengebracht habe, die in der besagten 
Scbrift mit noch anderen in unsereui Garten 

si^tLrJTrdnuagTn karzer Ang«b» 
der Benutzung und des Vaterlandes aufgefunrt 
werden. Wie hoch sich die Menge sammth- 
cher auf der ganzen Erde benuizten eg* 



binder SlwHefc 
; Europa, « 8 
iad Nord»mf- 

d^nselben Geg«<U» 



*) Cicboraceen, mehr 



man glaubt. Nach einer vorlaufigen Scbaz- 
zung, die wegen des haufig doppelten und 
mannigfachen Gebraucbs der einen oder dei 
anderen Pflanze nur aimaherungsweise mdg- 
lich ill, dieneii von jenen 2300 Pflanzen die 
bei weiteoi grosste Menge (an 1140) z\ 
schiedenen ruedicinischeu Zwecken etc., 283 
liefern essbare Frfichte und Samen; 11 
muse; 100 essbare Wurzeln, Knollen und 
Zwiebeln; 40 Getreidearten ; an 20 geben 
Sago; etwa eben so viel Zucker und Honig; 
6 Web ; 30 fette Oele ; also dienen mit Aus- 



I Salz (Natron-Sal ze i 



werblichen Zwecken benutzt. Letztere Rubrik, 


welche unter anderen die verscbiedenen Bau- 


u«d Bieonaaterialien in sich sc 


iiiesst, wild 


felbstverstiindlich stets an einer 


:ewi— hi Un- 


beMimunheit leideu, vvie auch di« 


der Futter- 


pflanzen, wenn man sie nicht, 




mir eben geschehen ist, auf die 


Zahl der zu 


diesem Zwecke wirknei ( i It \hti 


n Arten be- 


sclirankt. Giftige Pflanzen (d. h. 


eben solche, 


•ieren schadliche Wirkung wir a 


is Erfahrun- 


?*° kennen, nicht etwa solche, 
ke « wegen ihrer naturlichen Ye 


ieren Gifiig- 


wandtschaft 



^^, sondern a 



zuwenden, insbesoudere bei Rei- 
1 Handelggfirtnern , damit Pflanzen, 



alien Gegenden der Erde werden Rhododen- 
dren herbeigeholt , aus Californien, Sikkim, 
Bhotan und Assam, aber das fur die Medicin 



Tafeln befestigte Seealgen 
egt, um die Art der Aufbe- 
a botanischen Museum des 



giebt eine Classe Menschen, und leider eine 
sehr zahheiche, fur die der Genuss der Ge- 
genwart Alles ist, die die Zukunft fur fiichts 
rechnet, wenn sie nicht direkt dabei interes- 
sirt ist. Dieser eugherzige Egoismus bat schon 
in Europa seine traurigen Folgen getragen, 
das unbedachtsame und verschwenderische 
Fallen des Holzes, das Ausroden ganzer Wal- 
dungen hat ganze Gegenden ode und unfrucht- 
bar gemacht, und die Holzpreise ungemein 
gesteigert, und derselbe Egeismus ist dem 
Trager der Civilisation, wie der Europaer 
sich so stolz nennt, uberall gefolgt, wobin er 
seioen Fuss setzte. Die herrlichen Tropen- 
lander werden eben so wenig von der vor- 
dringenden Civilisation respectirt. Scenen 
brutaler Verwastung, unverantwortlicher Ver- 



unaufhfirlich zuiiickgedrangt durch die sen- 
gende Fackel unwissender Kolonisten; an je- 
dem Tage fallen Tausende von secularen 
Bitumen unter der Axt, die nie wieder ersetzt 
werden; die werthvollen Holzer Centralamen- 
ka's werden mit jedem Tage seltner und theu- 



Inselu begegnen wir der gieicnen 
9amen , unbarmherzigen Zerstoruj 
einige Jahre der gleichen verschwi 
Ausbeutung, und weder das Teckholz, noch 



216 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz, 



der Kampferbauni, und vor Allem der Gutta- 
perchabaum (Isonandra gutta) werden mehr 
zu finden sein. — Wenn nicht die zunachst 
dabei interessirten Regierutgeu Maassregeln 
ergreifen zur Erbaltung dieser so werthvollen 
Baume, so wird ihr Verschwinden ein viel- 



ein Schatz 



nur der Gegeir 



tionen gehegt werden sollte. — Nichts giebt 
eine klarere Idee von der raschen Vertilgung 
mancher wichtigen Pflanzen, als das heutige 
Verfabren bei der Gewinnung des Gutta- 
percha. — Erst im Jahre 1844 fing man an, 
dieses werthvolle Produkt auszubeuten ; damals 
war der Baura sehr haufig um Singapore, und 
schon nach drei Jahren war er dort ganzlich 
ausgerottet! Jetzt bezieht man das Gutta- 
percha von Borneo und Sumatra, aber immer 
licbter werden die Walder, immer tiefer 
muss man in's Innere des Landes dringen, 
immer schwieriger und kostspieliger wird die 
Ausbeutung. Man hat berechnet, dass, um die 
Quantitat Guttapercha, die vom 1. Januar 1845 
bis zum 30. Juni 1847 von Singapore nach 
Europa gebracht wurde, zu gewinnen, 69,180 
Baume zerstort wurden ; deun um denGummi- 
saft zu gewinnen, wird der Baum gefallt, an- 
statt dass man sich begniigen sollte mit Ein- 
schneiden oder Abzapfen, wie dieses bei der 
Gewinnung des Kautschuk, des Ahornzuckers, 
des Harzes u. s. w. angewandt wird. — Die 
mit dieser Ausbeutung beschaftigten Leute 
kummern sich wenig um das Werk ihrer 
Zerstorung, noch weniger der Kaufmann, der 
sie aussendet, oder ihnen den Stoff abkauft: 
wenn er nur schnell sein VermCgen macht, 
wenn der Baum nur noch so lange e: 



n ist. — Zum Lobe der englischen und 
dischen Regierungen mussen wir hiniu- 
fugen , dass sie heute den Fehler ihrer Vor- 
ganger erkenuen und sich bemuhen, die 
traurigen Folgen, die daraus entspringen, 
nach Kraftcn abzuwenden: England sandte 
vor Kurzem den Herrn Brandis vou Bonn 



'ariser Pflanzenj 
es Series" Fol 
nmer allgemeiner 



i Augen sehr wichtigen Pfl" 
1 aufmerkii 
i gedacht h 



r sie ihre grosste AusDuai 
ich auch ihre eigcntliche G 
"tigkeit erlangt haben. - 



nicht I 



-,-HH 



Apri 



lg t das Kno:ie 



wachsthum der D. Batatas l 

Zeit, wenn die Anlagen zi. e 

gcndcii Generation schon vorgebildel si»*^ 

Man soil also diese Zeit ***">*#,» 

vollkommen ausgebildete und an abge : » 

Nabrstoffeu mche Knollen ernte , ,. I ^ 

gereiften Rhizome werden auch **«* 



wuen PQaiuung und ganz besonders 
to man zu dieser Pflanzung jetzt Knollen 
oder Knollenstttcke verwenden kann , d 
'hrer vollen Lebenskraft bcgabt und 
gescbwacht sind durch langeres Au-trocknen 
»n der Luft, w ie das bis jetzt geschab. 
bleich bei der Herausnahme sollte rnj 
kleiiieren Knollen auswablen, urn sie sogleich 
™der zu pflanzen, und zur gleichen 
Kbneide man den oberen dttnnen Wurzelbals 
«r zum Verbrauch bestimmten erossen 



L di eLucke, die sich nur zu haufig 

.^enllaushaltungen bis zurfolgenden Kar- 
n e fuhlbar macht, dadurch vollkommen 
'8"0llt werden diirfte. 

(FJore des Serres E. 0.) 
""•I'sche Kasten. Man hat sich 
n Vorstellungen gobildet 
«•» die Construction als fiber die 



lUmt hat en8 h erfreuen ' J' a eine scharf.sinnige 

* J nB!um fl . ^ ar eingebildet, dass, wenn 

«■"» *"," Pe " iD di6Se KSsten brin S e ' 

' li * for' E " tWIckelun g aufgehalten wurde 

"•r Blumenknospen blieben. 

■*< unsere holde Freundin 

^ noch hT SCUfZer darQber uat erdruckt, \ 

^luna r C 8 ° Iche WQthen-erhaltende 

g fQr »ns, schwache sterbliehej 




das Princip un 

Kasten: Das Erste, das i 

hat, ist, sich einen Trog \ 

Kasten von Ilolz zu verschafi'en, wel 



das uberflussige Wasser abziehen kann. Neh- 
men wir an, der Kasten sei G Zoll tief, so 

Backsteinen oder Steinen an ; darauf konirat 



eine Glasglocke zu stehen, welche genau 

Glasglocke nicht ausreicht, ein Eahmenwerk 
mit eingesetztem Glas. das sich ebenfalls iiber 
den ganzen Kasten binziebt und genau schliesst. 
Diese Glasdecke ist in der Tbat das Einzige, 
das bei den Ward'schen nur irgend Anspruch 



), noch eine andere wohltb.-r 

ahr werden, welche die Glasdecke aussert, 

diese besteht darin, dass sie (die Glas- 

einbulluog) die Kusstbeile auff&ngt und da- 

abhalt, auf die Blatter zu fallen und 

on zu verunreinigen. Es kommt aber 

sondern es wfirden die Blatter durch den rus- 

Niederschlag in ihrer Thatigkeit - dern 
n — gestbrt werden. Auch werden wir 
;en, dass das Glas auf der Innen-, der 
n Scite mit Wasserkugelchen bedeckt 



218 Garter 

thatigen Einfluss, welchen die Glasdecke aus- 
iibt. Eine Schwierigkeil, welche man in Lon- 
don bei der alten Methode, Pflanzen zu Ziehen, 
eropfand, bestand in der grosscrn Trockeuheit 
der Atroosphare der Stadte , verglicben mit 
derjenigen des Landes, und diesera zufolge 
in der Miihe, die Pflanzen stets gcborig ge- 



an der kalten Beruhrungsflache , rinnt den 

Bild bcstandigen Bebens und Sinkcns, einen 
fortwahrenden Kreislauf, so dass, da von dem 
einmal gegebenen Wasser wenig oder nichts 
entweicben kann, nicht nur viele Monate, 
sondern sogar Jahre hingehen konnen, bis 
wieder eiu frischerWasserersatznothwendig wild. 
Ferner ruht die Glasdecke, obschon sie 
allerdings so gcnau passt, dass ebensowohl 
Staub und Kuss ausgeschlossen als der Was- 
serdunst am Entweichen gehindert ist, doch 
keineswegs so dicht auf, dass dadurch etwa 
auch die Luft am Zutritte gehindert wiirde. 
Ware dies der Fall, so wtirde bei der ersten 
Expansion und 



turgesetz , welches i 



b der nothwendigsten Lebensbedingungen 

srhaupt auf die Lebeustbatigkeit der Pflanze 
fen. Irn Respirationsprocesse der Vegeta 
en sowohl als der Tbiere wird eine Ai 
1 Gas aus dem Kdrper entfernt, und dafiir 






l/a< 



Gas, welches der athmer.de 

ist in Gewicht und in andern Eigenschaften 



und der Schweiz. 
Natur eine hochwicht 



gebende Luft; dagegen erwirbt sich 
nach demselben sog. Diffusionsgesetze I 
in das Innere des Kastens, und dieser 
tausch geht so lange fort, bis die 
Gasarten sich gleichmassig gemischt ha 
Ein weiterer wichtiger Dienst, welcbe: 
pflanzlichen Leben durch eine solche 
glocke erwiesen wird, besteht darin, dt 
Pflanzen in einer volikommen ruhigen 
sphare erhalten und dadurch faliiji v 
weit hohere Grade von Hitze und Ka 



Ward'schen Kasten viel langer und bi 
langer frisch und volikommen, als 

sehen dieses Sachverhaltniss schon, ' 



») Dieses namliche Gesetz wendet auch von 
dor ganzen Thierwe.t durch sein uns.chtb* 

.tine. , h.;,es Wi.ken ^*^ J" 

Gefahr des Erstickungstodes ab. D« & 
sau.egas, welches die thierischen Lung 
ausathmen ist nicht im Stande, das Lebeu p 
erhalten, demselben geradezu feindlicb. !>•«- 



■ 

tea und dabei doch alle nothwendigen Lebens- 
bediDguogen vollkommen gowi 



em nerrliches und lachendes Pflanzenleben 

Die verschiedenen Mudificationea i 
Form und im Inhalte des Kastens sind 
Sache des Geschmackes. Seine Anwenc 
«ise ist hoclist mannigfaltig. Es gewahrt 
'i'^'e mit verhaltiiis^niassi'i so wenig ] 
nnd Mahe zu erstellende Einrichtung jedem 
Staftbewohner die Gelegenheit, sich in 
Haawe an den Scbonheiten 

*«s ewige Anschauen von Maucrn und ] 



de-am 



liesem Rosen, Fucbsi 



Zwergpaluien fallen 



**en Farbungen erquicken. Oder er kann 
J* 80 pr, W enn die materiellen Mittel hie- 
r \ vo '*»"iensind, von seine.n Studir- o-ler 
'fhstocksziuiuier 



WJJ D.mensionen bauen lassen und 
^Modelli.gendeineraUenRuineoder 
^ftete Peislandschaft errichten mit 


J'« b ™»»«ni„derMitieundPfl.n 
J™- E'nen anderen Vortbeil, wel 






^^nserm Pi ane ziolien lasst, gew 
«eni n *! nn " ian Sich seiuen Ward'sc 
. as z.mmer selbst verlegt, u 


,','„ 


rid 


f *t«abre d " ahre " d der k51teru J 




B ^rin ne aTer FeUer brennt ' ^ 
«oleh» n « 7 w «rmen Zone word 
, J iccenVerha]tnissen auch unter u 


scl 



<* Bui , e den E^dboden deckt und 
•tt^eaigt r M . Uttererde voni Fr03te g e " 



StiLdte zu bewahren gewusst 1: 
Ward'sche Kasten i 
dauerndes Vergniigen gewahren, indem er sie 
an eine Vegetation von machtigeren Formen 
und an eine vollere , grossartigere Scenerie 
eriuncrt. Eine bestandige Befriedigung zieht 
man sich aus der Beobacbtung und der 
Verfolgung des Wachsthurcs der vor unsern 
Augen in unserer nachsten ISahe sich ent- 
wickelnden Pflanzen, und in dieser Beziehung 
haben wir vorzugsweise die Farrenkrauter zu 
nennen, welche auf jeder Stufe ihrer Ent- 
wicklung frische Schonheiten entfalten ; wahr- 
lich nur ein r 
muthigen und doch s( 
Schopfung kann uns 
der Angst de3 Lebens eine Empfmdung -\ 
Trost und Ruhe gewahren , und wer will 1 
haupten, ob nicht gerade dadurch das-St 
bescheidene Farrengeschlecbt die Zwecke s 

Besonders aber eignet sich der Ward'si 
Kasten dazu, in ein KranUenzimmer Trost i 
Freudigkeit zu tragen, und hier ist sein A 
in der That dasjenige eiues „tidstenden I 



Hand so eifrig und entziickt greift, 
h eiaem Blumenstrauss. Wir haben 
l erlebt, wie das Opfer fuicbtbarer 
iten, von Schnierz entkraftet und bei- 
lt gegen aussere Einflusse, beim Aa- 
ron Blumen plotzlich wieder auflebte, 
rn freudisr verklarten Ausdrucke sich 



Kasten geiteud macheu. W eun m 
eingesetzt sind, bediirfej) 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



oder keiner aufmerksamen Pflege, und wenn 


zen zu 1 pour mille, d. h. von 1000 in ihrera 


dieselben wohlriecbenden Arten angehoren, so 


fernen Vaterlande nach der altcn Methode 


bleibt der Geruch abgeschlossen im Kasten, 


verpackten Pflanzen gelangt nur ein eiuziges 


rnischt sich weuigstens fast unmerklieh tiiit 


Stuck in wirklich brauchbarem Zustaude in 


der aussern Luft, und endlich behalt die 


unsere Treibhauser; alle andern sind auf der 


ganze Pflanzengruppe auch in der kaltesten 


Seereise zu Grunde gegangen. Dagegen bat 


Jahreszeit wenigsteus die Frische ihres Griines 


der bekannte Fortune 250 Pflanzen von 


bei. So ist unser Miniaturtreibhaus ein im- 


seiner chiuesischen Reise nacli England ge- 


mer heiterer uud erfreulichcr Gesellschafter, 




der die Heilbestrebungen des Arztes, wo noch 


Ankunft vollkommen gesund. Dieselben hatteu 


auf Heilung gehofft werden kann , nur unter- 


die Reise in Ward'schen Kasten zuriick- 


stiitzen wird. Wo aber der Fall hoffnungslos 


gelegt. 


ist, so dieut dasselbe dazu, aus dem Kran- 


(Frei nach eiiiem Artikel der Household 



in dem Raurae liisst, wo ein 
tungslosem Siechthum liegt. I 
gluckliche Dulder vom Lande i 



und vor seinem selbstgepflegten Kasten er- 
stehen wieder die grflnen Fluren uud die 
glucklichen Thaler seiner Jugend, und wenn 
er getrennt sein sollte von denen, die ihm 



er wenigstens nicht vollig einsam und ver- 
lassen: denn der eiufach schOne Gedanke Dr. 
Ward's giebt ihm einige bescheidene Freunde 
an dieSeite, welche ihm bis zu seinem letzten 
Seufzer licht und heiter zulacheln werden! — 
Von dem nicht bios sentimentalen, sondern 
wirklich praktischen Nutzen des Ward'schen 
Hastens, als des besten Mittels mimlicb, 
Pflanzen entlegener Weltgegenden heil und 
gesund auf dem Seeweg nach Europa zu brin- 
gen, haben wir bei einer friihem Gelegenheit 
n die voitrefflichen Dienste, 
Gedanke in dieser Bezie- 



ugan zu fiihren, wieder- 
Angabe: In 
„Verhandlungen der Gar- 
cu London" berechnet L i- 
den Verlust an importirten Pflan- 



welche im Freien in c 



Gebirgen Deutschl; 
sind tieffend und c 



den Gebirgen der Schi 
des Bundtuer-Landes 
Formeu von Sempervivu 



schlatiche, I 
auch durch Stoffmischung als Samend 
fruchten konne ! ! - Bedarf keines 
Eingeheus. — (Flora.) 



IV. Literalur. 



r Monate Soinmer 



ft'elu werden nur von der Grosse einer 
welschen Nuss. Der Dunger auf gewohnliche 
Weise eingebracht wirkt hier nicht, da die 
Warme fehlt, urn ihn zu zersetzen. Man muss 



and Radies werden gut, Griin- 
koh], Spinat, Salat, Kdrbel gedeihen zwar 
W'g, allein sie schmecken weniger gut, und 



nicht zu denken, sondern die jungen Pflanzen 
werden im Zimmer angesaet und, sobald der 
Boden einige Zoll tief aufgethauet, in den 
n Garten gepflanzt. (Natur.) 



ner 'n Zurich hat ihr 

Botanischen Garten 
^enVorlrage, den] 
^nter 1854 iiber Cc 



IV. Lit 

beruhmten Vorfahren 
tonument im hie 
elzt. Einem oil 
Professor Leber 



■ W9 die folgenden allgemein ii 
Angaben fiber diesen als Gelehrler, 
I Mensch gleich ausgezeichneten Mann 
irad Gessner ward am 26. Marz 151( 



i Pflanz< 

' 7 " " bch , muli. urn I'mstfm 

- Zeit vorher gestiftetes Slipendi 



r a t u r. 

nach seinem lieben Zurich zurfick, wo er an- 
fanglich als Lehrer der Physik, Arzt und 
fungirte. 
154o begann er sein grosses encyclopadi- 
sches Werk und von 1551-1558 erschien 
sein grosses Werk fiber die Geschichte der 
Thiere. Durch dieses Wer 



wissenschaftlichen Zoologie. 

In ununterbrochener Thatigkeit opfert i 
n dieser Zeit Alles seinen Studien und leb 
n bitterster Armuth. In einem Brief an Bu 



linger sagt < 



I.:-,, I 



d tThe 1 g 
*■ ^n Bullinger, 
?« ZwingH's, unterstu 
J - ne 8tad,cn forlmw 

* d «to ihm 
^^ed.Wisien'; 



i. Hier legte er die 

umfassenden Wissen, 

l0 gbch machle, die verschie- 



d mir u 

Theil, von ununterbrochener nachtiicher 
Arbeit nur einmal auszuruhen. Nicht wie cin 
Arzt, wie ein Freund und Verehrer der Wjs- 
senschaften, sondern gleich dem armsten ge- 
ringsten Taglbhner muss ich leben." Und 
doch hatte derselbe Mann aus Anbanglichkeit 
an seine Vaterstadt alle an ihn ergangenen 
rderungen von aussen beharrlich abge- 



^uruck und le 

bedrangten Verhaltnissen. U 

rogen mbglich, 



*b Professor der griechischen Spra- 

",^rd. Schon 1540 legt er die- 

J^erumnieder, geht nach Basel, 

Uoctorwurde erlangt und von da 



Pflanzenkunde , vor 
Tode himveg gera 
Jahre spater ward 



Nachlass Gessner's 



Gartenflora Deutschlands und < 



beschaftigten. 

2) Friedrich von Tschudi, fiber die 
Landwirtbschaftliche Bedeutung der Vogel. 
St. Gallen bei Scheitlin und Zollikofer. 

Vortrag mit, der in der Versammlung des 
Landwhthscbaftlichen Vereines zu St. Gallen 



Das Ungeziefer nimmt alleLtbalben zu und 


Tage. Spechtmeisen und Baunilaufer holen 


es ist dieses wohl lediglich eiue Folge der 


die Eier sehr geschickt aus tiefen Ritzen. 


cntschiedencn Abnahme der insectenfressen- 




den Vogel. 


die wichtigsten Dienste. Graf Casimir Wod- 


Die Cultur tritt an und fur sicli schon der 


zicki erzablt in dieser Binsicht folgendes Bei- 


Entwickelungderkleineren und grosseren Vogel 


spiel. Im Jahre 1848 hatte eine uuendlicne 


durch Verminderung von deren Zufluchtsorien 


Menge von Raupen des bekaunten Gartenfein- 


feindlich entgegen. Am verderblichsten wirkt 


des Bombyx dispar alles Laub von nieinen 


aber das Wegfangen und Wegschiessen, beson- 


Baumen gefressen, dass diese ganz kahl stan- 


ders aber jenescbandlicheVogelmordeiei derlta- 


den. Im Herbste bemerkte ich Millionen voD 


liener auf Verminderung unserer insectenfres- 


Eiern, die von einer haarigen Hulle umgeben, 


sendenVfigel ein. Wic doit jen^eits der Alpen, 


an Stiimmeu uud Aesten sassen. Mit grossen 
Kosten liess ich sie ablesen, uberzeugte mic 


zur Zcit des Vogelzuges iniHerbst und Friihliug 


Jung und Alt, Reich und Arm, Alles hinaus- 


aber bald, dass Menschenhande hier nicht zu 


eih auf die Fluren und sich wochenlang mit 


alcucrn verniocliten. Da kamen gegen den 


dem Fangen und Morden der kleiuen befie- 


den Winter bin taglich zahlreichere Scl.aaren 


derten Sanger bescbaftigt. iibersteigt alle Be- 


von Meisen und Goldhahnchen herbeigeflogen 


griffe. Am Langensee, bei Bergamo, Verona, 


und die Raupennester nahmen ab. Imiru . 
nisleten an 20 Meisenpaarchen im Garten uo 
sauberten in einigen Jahren meine Garten ft* 


Brescia belauft sich die Zahl der doit jahr- 


lich erwiirgten Vogel auf mehrere Millionen 


und die Behorden geben zu diesem Zwecke 


ganzlich vom lastigen Ungeziefer. 

Selbst die Sperlinge, die wegen de> »c 
dens, den sie an Kir?chcn und Getreide inno. 
zu den schadlichen Vogeln gezabU wer » 
ubertreffen durch ihren tfutzen, den sie ^ 
richten, wohl noch den Schaden, den s,e ! * 
ursachen. So werden die Jungen derselb* 
ausschliesslich mit Larven, Heuschrecken, ** 
pen , Mistkafern nnd Wfirmern ernabrt 
Feldsperling frisst keine Kirschen, daiu 


jahrlich Tausende von Jagdpatenten an?. Soll- 


te hier nicht Abhulfe geschaffen werden 




Liegt es nun auch aus solchen Grflnden 


ausser unserer Macht, auf Vermehrung der 


ZugvSgel einzuwirken, so sei es doch unsere 


Aufgabe, auf Vermehrung der nOtzlichen Stand- 


vogel hinzuwirken und all den kleineren 


Vogeln durch alle Mittel Schutz zu gewahreD. 



jisten derselben nahren 



menschlichen Bestrebungen. Eiuige Beispiele 
mogen dies belegcn. 

In einem Gewachshause waren 3 hochstam- 
mige Rosen mit ungefahr 2000 Blattlausen 
bedeckt. Eine dahin gebiachte Sumpfuieise 

den und reinigte die Pflanze vollkomraen. Ein 
Rothschwanzchen fing in einer Stunde in einer 
Stube ungefahr 600 Fliegen. Ein paar Nacht- 
schwalben vertilgen in kuizer Zcit Abends be- 
deutende Muckenschwarnie. Ein Paarchen 
Goldhahnchen bringt seinen Jungen in der 
Stunde circa 36m al Nahrung von Kerbthier- 
chen. Fur Obstbaume und Wilder sind Mei- 
sen von unendlicher Wichtigkeit. Mehrere 
Tausende von Eiern des gefahilichen Kiefern- 



viele schadliche Eaupeu , Schmetterling 

tragi einSperlingspaarchen seinen Jungen 
chentlicb 2000 Raupen zu , was wohl einige 
Aehrenkolbcn oder eine Handvoll Kirschei 
wiegt. Cater Friedrich dera Grossen w 
Pramien als Scbussgeld fur Sperlinge gezahlt. 
DieSperlinge und kleineren Vogel wurde: 
ganz vertilgt und einige Jahre darauf hati 
das Ungeziefer so vermehrt, dass jece Bi 
mnngen wiederum aufgehoben werden 
ten. Feldsperlinge sollten daher nur 



Ausser den bereits genannten zahlt Tschudi 
m den entsctiieden nfitzlichen kleineren Yo- 
Pln: die Grasmucken, Wiirger, Drosseln, 
Staare, Fliegenfinger, Laubvogel, Rohrsan- 
ger, BraunelJen, Bachstelzen , Zaunkonige, 
Goldhahnchen, Steioschmatzer, Pieper, Lerchen! 
*»ken, Ammer, Schwalben, Spiere, Specht- 

eiSM ' Kwlitscbwalben, Mauerspcchte. Als 
2 S * D a! eilS DUr KerneD UDd KD0Spen freS " 
^engenannt: die Kreuzschnabel , Kirsch- 
nk en, Blutfinken, Giiinfinken, Hanflinge 
iei ^. Die Drosseln sind nur 



n insecten. Auch in der Vertilgung der 
itten und Mause leisten diese Thiere unge- 
eine Dienste. Eine Eule fangt taglich vier- 
al mehr Mause, als die beste Mauskatze, 

ese so niitzlicben Thiere zu verfolgen. Nur 
Iten verzehren sie einen kleineren Vogel und 
r der grosse Uhu ist in dieser Hinsicht 
rklich schadlicb. 
Unter den Tagraubvogeln ist die Mehrzahl 



uthwillig vertilgt, wahrend er sie he| 
ad pflegen und vor alien Nachstellungen 1 
ihutzen sollte. Wir haben an so vielen C 
n schon Gesetze gegen Thie: 



bare v , eierns P Inners and der so furcht- 
raan. « erun S en annchtenden Processions- 
Seal dm Kukuk eifern die Specbte im 

« auch" U " d LarV6n ZU venil e en - ' Sie 
inneen ' T^ iD kernfa ulen Bitumen 
- nse t S ; 9bren ' iD denea dann die kI 
tentr reSSeDden V5 S el Schut * ™ 



i Aufbietung aller Krafte 



Schutze dieser Thiere an, man 
in, dass Sehussprarnien fur die 
er kleinen Voael, wie der Elstern 



zu gelangen, dessen segensreiche Folgen bald 
fur derartige Bemiihungen reichlich belohnt 
werdeu werden. (E- K ) 



seither von dem nach Humboldt grossten Reisen- 
den unseres Jahrhunderts, dessenNauien fur die 
Erforschung Afrika's mit unveiganglichen Zii- 
gen in die Biicher der Gescbichte eingetragen 
und der Nachwelt uberliefert werden wild, 
schwieg, so geschah dies niclit, weil wir nicht 
mit dem lebhaftesten Interesse diesem gefolgt, 
sondern weil seitdem die Zeitungen aller Favben 
seine gliickliche Riickkunft erzahlt haben und 
weil ihm bei seinen Ausfh'igen, die er seitdem 
in Deutschland machte, die Bevolkerung gan- 
zer Distrikte die Huldigung fur seine Aus- 
dauer, fiir seine hingebende Aufopferung und 
das Gottvertrauen darbrachte, mit dem er alle 
jcne Miihsi'ligkeiten nnd Gefahren uberdauerte, 



gegentraten, 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 

V. Personalnotizeii. 

kniipfurjg von Handelsvi 



hin in Jedermanns Munde war. 


tersuchte mit Overweg gemeiusam diesen ^ee 




und den Fluss, von dem derselbe gespeist 


studirte in Berlin und widmete sich vorziig- 


wird, ging nun in das Land Adania, welches 


lich dem Studium des Alterthums und der 


er fiir den Schliissel von Central-Afrika er- 


Erdkunde. Schon withrend seiner Studiervjahre 


kannte, entdeckte hier zwei grosse Quell- 


machte er eine Reise nach Italien und Sicilien. 




Nach Vollendung derselben trat er eine gros- 


und machte bilrdurch diese Lander fQr die 
Folge der SchiflTahrt zuganglich. Ging hier- 


sere Reise in Nordafrika an, welche ihn von 


Tanger in Marokko bis tief in Egypten hin- 


auf in die wichtigen noch unbekannten Koiu?- 


einfuhrte, eine Reise, die viele interessante 


reiche Bagormi und Wadai , entdeckte weiter 
westlich zwei andere grosse Staaten Gando 
und Hand Allahi. Von da aus zog er nach 


Thatsacheu zu Tage forderte und durch eigene 


Mittel bestritten ward. 


Bald nachdem er sich nach seiner Heim- 


Timbuctu, uber dessen noch rathselhafte^r- 


kehr in Berlin als Privatdozent habilitiit hatte, 


haltnisse von ihm die genauesten * a » e ° 
verweilte. Von doit aus machte er verscbie- 
dene Abstecher und kehrte dann auf demfisj- 
lichen Wege nach Bornu zurtick. Genau^ 


ward von England aus die Expedition Ri- 


chardson's nach dem Inneren Afrika's beschlos- 


sen, welche jedoch ursprunglich nur ruerkan- 


lilische Zwecke hatte. Dieser Expedition schlos- 


sen sich Overweg und Barth an, erhielten 


Nachrichten uber Barth's Reise gab ttt^ 


jedoch nur von Berlin und Konigsberg aus 


Peter mann, das Interessanteste ist un 


Unterstutzungen , wahrend England anfiinglich 






heures Material geordnet und zu einem g ^ 


chardson und spater auch Overweg erlagen 


sern Werke vereinigt haben wird. Mog e 




btruhmte Reisende sich, wie ein A. v. ^ 


zuletzt seine Reise allein in das Innere Afri- 


boldt , welcher kurzlich im I 

und dauerhafter Gesundheit erfreuen- ( ■ 


ka's fort. Die Resultate, welche durch ihn 


fiir die Wissenschaft, wie in Bezug auf An- 



t-el.'i 



Gefahren, die ihm Menschen und Kliuia in 
dem Zeitraum von 6 Jahren fast stiindlich 
entgegensetzten , samuatlich nun glucklich ul.er- 
wnnden hat, wahrend Overweg als einer der 
vielen Opfer wissenschaftlichen Eifers ani 
Tschadsee begraben liegt. 

Seine Reise ging uber Tripoli* nach Mur- 
suk , durch die Wuste der Tuariks nach dem 
Inneren Afrika's, in jene fmchtbaren, bis jetzt 
noch so unbekannten wohlbewasserten Neger- 
lander. Hier kam er zunachst nach Kascban 
und von da nachKano, welches nach ihm die 
grosste Handelsstadt Central-Afrika's ist. Yon 



A 11 z e i g e. 



Dieser Tage trafen folgendc Sendungen bei mir ein and offerire zu beigesetzten 
Preissen: 

aus New-York, Samen der so ausserordentlich zu Hecken (Ziiunen) empfohle- 
nen Madura aurantiaca, (Osage orange) das & zu 2*/s Rthlr - 

aus Algier, eine grosse Parthie Cyclamen algeriensis (macrophyllum) in sehr 
schonen grosscn Knollen 

100 Stuck zu 32 Rthlr. 



12 „ „ 5 „ 

1 „ „ — 15 Sgr. 
aus Australien rollstandige Samen-Zapfen von 

Banksia speciosa 1 Zapfen circa 20 Kom V/ 9 Rthlr. 
Cunninghamil „ „ 100 „ 2 1 /* » 

and aus Capstadt 75 Sorten 55er Erndte, worunter Proteen, Elichrysen, Encen. 
sonia thvrsiQora u. s. w. Die Preisse werden auf gef. Anfragen mitgetheilt. 

Carl Appclius 

in Erfurt. 



ft&RYIltFLOltJL 
mohatsschipt 

fur 

deutsche und schweizerische Garten- und Blumenkunde 



Prof. Dr. H. R. Gocppert, Director des botaniscl.en Gartens inBreslau, J. HutSteiu 

J Breslau, H. Jaeger, HofgSrtner in Eisenach, Prof. Dr. K. Koeh in Berlin, 

K- Locas, Garten -Inspector in Hohenheim, E. OrtgieS, Obergartner am botanischen 

Garten in Zurich, Dr. G. Keicheilbach, Professor in Leipzig 

Herausgcgeben 



Dr. E. K c g e I, 



itheraosgeber fur Deutschland Mitherausgeber flir die Schweiz 

J. Rinz, Prof. Dr. 0. fleer, 



Redactor 

Dr. H. Loclier, 



August und September 1856. 

(Ausgabe mit ilium, und schwarzen Abbildungen.) 



Erlangen, 1856. 
,e von Ferdinand Enke 



3rg!U 1 J! 011 12 Heften > Ausgabe mit 24 i 



Inhalt des August- und September-Heftes. 



OrminahbluiniJIu 



L. Brilliant (Scheuer- 



f) Dentaria polyphylla W. et K. 

Hepatica triloba Chaix 

2) Cultur der Pflanzcn unserer hoheren 
Gebirge , sowie des hohcn Nordens. 
Von E. Regel 

II. Neue Zierpflanzen 

III. Notizen 

IV. Literatur 

V. Personalnotizen 



Einsendungen fiir diesc Zcitschrift sind an die Verlagsbuchhandlung 
oder Redaction zu machen. 

Biicher, dercn unpartheiische Besprechung, sowie Pflanzen deren Ab- 
bildung in diesen Blattern gewtinscht wird, sind. und zwar vod letzteren 
eine gute Abbildung, wo moglich mit trockenen Exemplaren begleitet, unter 
der Adresse E. Reg el in Petersburg an die Verlagsbuchhandlung von Fer- 
dinand Enke in Erlangen einzusenden. 

Annoncen aller Art werden auf den Umschlag oder Beiblatt gegen 
eine Vergiitung von 2 Sgr. oder 7 kr. per Zeile aufgenommen. — Cataloge 
legt die Verlagsbuchhandlung in einer Anzahl von 600 Exemplar en gegen 
eine Gebiihr von 1 Thlr. 20 Sgr. oder 3 fl. der Gartenflora bei. 



I. Originalabiiandlungen. 



a) Magnolia Yulan Desf. Var. grandis (Rinz.) 



Es ward diese : 



sgezeichnet schone 



Magnolia, welche von Herrn J. Rinz 
aus Samen erzogen ward, schon oinmal 
in diesen Blattern erwahnt. Sie hat 
den wohl erworbenen Ruf durch Grosse, 



Feinhoit des Colorits , glanzend weisse 
Farbe und Wohlgeruch der Blumen be- 
wahrt. Auch im Winter 1854—55 hiel 
sic ganz unbedeckt iui freicn Lande aus 
(J. R.) 



Auf derselben Tafel : 

1) Azalea indica L Brilliant (Scheuermann) 

Eine indische Azalea, die schon seit 4—5 Jabren im Handel isl 

2) Azalea indica L latifrons (Rinz). 

Ward von Herrn Rinz 1854 eingefiihrt und gehiirt zu den n( 
'«, die jeder Samralung zur Ehre gereichen. 

b) Calathea zebrina Lindi. 



(Siehe Tafel 167. Fig 



r geben hierbei, cntgegen unserer 
,nhp it, die Abbildung einer schon 
b abgcbildeten und auch in den 
' ^rbreitetenPflanze, nach einem 
>ar > das mit 4 kraftigen BHithen- 
ln dem Garten des Hrn. Froebel 
^P. in Zurich bluhete. 
1 or all den in ueuerer Zeit mit so 
•1856. 



vielLiebhaberei gezogencn Blattpflanzen 
ist dennoch diese* alte Biirgor unscror 
Warmhauser einer dor H-bur.*ton. und 
tr^T dpr vielen neuen Einfiibrnngen be- 



ten immer nocb dei 
auf Leicbiigkeit der 
und Grosse der Bli 



n Platz in Bemg 

,r und Scbunbeit 
Blutben bilden 



Gartenflora Deutschland3 and t 



nur sehr iippige Exemplarc. Das samra- 
tige schillernde Hellgriin der Blatter, 
gehoben durch die dunkelsammetgriinen 
Querstreifen, lasst die Blatter selbst 
in der Farbung mit den in Cultur so 
delikaten Abarten der M. ornata und 
anderen rivalisiren. 

Liebt cine loekere rciche Lauberde 
oder Mischung aus Heideerde oder Moor- 
erde, Holzerde nnd Compost und einen 
gut unterhaltencn Abzug. Man weise 
ihr eincn Standort im feucbten Warm- 
hause an, der dem Liebte nicbt zu nabe 
zu sein braucht. Bei 8— 12° R. wird 
Bie uberwiatert und massig feucbt ge- 



halten. Im crston Friihling verpflanzt 
und tbeilt man die alten Pflanzon, bringt 
sie zum Antreiben in ein warmes sebat- 
tigesTreibbeet und dann in ein feuchtes 
dunstiges Haus, wo sie wabrcnd des 
Wachstbnms fleissig begossen wird und 
zuweilen selbst einen Dungguss erhalten 
kann. Auf diese Weise wird man grossn 
iippige Exemplarc erziehcn, deren bis 
2 Fuss lange Blatter den borrlichstrn 
Farbenschmelz zcigen nnd mit jedrr an- 
dern der neueren Decoraiionspllanzn 
mit Ausnabme des Cissus discolor und 
Anoectocbilus setaceus rivalisiren ki'mncn. 
Vaterland Brasilien. (E. R.) 



Einc ausdauernde Staude aus den 
Gebirgen Asiens, die unsern Winter 
vollkommen gut ertragt. Dieselbe be- 
sitzt eine knollige Wurzel, treibt 2 — 3 
Fuss hohe Stengel und bliihet wahrend 
eines grossen Theils des Sommers reich- 
licb. Es liebt diese wirklich empfeblens- 
werthc Pflanze einen leiebten, mit Torf- 



oder Lauberde \ersetzten Gartenboden. 
Vcrmehrung durch Samen, den sie reich- 
lieh ansctzt. Letzterer wird in Siipw 
ausgesaet, und stellt man die Niipfo an 
einen balbsonnigen Ort ins Freie, schutzt 
sie aber vor'ra Aufgel.en vor starkon 



c) Balantium antarcticum Prsl. 



(Hiezu 1 

Unter den vielen herrlichcn Baum- 
farren, welchc gegenwiirtig den Garten 
Europa's zur Zierde gereichen, sind be- 
sonders diejenigen gesucbt, welche auoh 
bei niedrigeren Temperaturen im tcmpe- 
rirten oder kalten Gewachshause ge- 
deihen. Unter diesen ist 



Prsl, welches in ****J 
wachst, wohl eins der schonscm. 1 
schbnste Exemplar dieser aasgc^icbne 

dom Garten m 



Pflanze in Eu 
sich gegenwiirtig 
Fursten Trubezkoi 
beistebende Tafel giebt 






* 



desselben. Der Stamm ist ungcfahr 7 
Fuss hoch und tragt cine zahlreiche 
Menge der sehbnen bis 6 Fuss langen 
Wedel in reicher palmenartiger Krone. 
N'ach miindlichcn Mittlieilungen des 
Fiirsten wirddieserFarrenbaum in jenem 
ilnrch viele soltne und sehbne Pflanzen 



ausgezeichnetem Garten in einem tempe- 
rht warmen Hause bei 6 — 8° R. culti- 
virt. Vor 4 Jahrcn brachte der Herr 
Fiirst diese Pflanze aus Van Houttc's 
Garten selbst mit. Damals hatte sie nur 
2 Wedel und hat sich erst seitdcm zu so 
holier Vollkommenheit entwickelt. (E. R.) 



d) Hcterocentron glandulosum Sclicnk. 

(Hie7.u Tafel 169.) 



m ramosum, caule ramist 
tetragonis, pilis erectis seabriusi-uli*. 
Iiis ovatis acutis basi in petiolum b 
>era decurrentibus, molliter pilosis, m 
gniesub lente serrulatis, serraturis s 

hiflorescentia terminali c 



dkhotoniis 






!I1 P »»ta, rarnis pediccllisque tetragonis 
W* floralibus sensim decrescentibus 
soffultis , qnandoquc interpetiolaribus 
^dnloso-pubescontibus, sub anthesi 
".■"I 1 " 1 metis vel horizontaliter paten- 
fructiferis recurvatis : 






"atuor ovato-lanceolatis acutis mar- 
glanduloso-ciliato excepto glabris, 



t ' sl reuexis; petalis quatuor 
oreviter unguiculatis, apice mu- 
margine glanduloso-ciliatis, sta- 
°cto inaequilongis, calycis fauci 
majoribus quatuor calycis laci- 
l0ribus quatuor petalis oppositis, 

filamentis semiteretibus apice 
^'atis, minorum compressis erec- 
» er w bilocnlaribus loculis apice 
,b os poro dehiscentibus , mar- 



gine undulatis 

natis extus curvatis, connectivo infra 

loculos in appendicem apice bifidum 

producto, minorum erectis oblongis basi 

vix gibbosis 

squamis quatuor 3—4 

coronato, ima basi costis quatuor calycis 

tubo adnato, octo-sulcato, sulcis quatuor 

dissepimentis , quatuor squamarum mar- 

ginibus respondentibus, quadriloculari, 

loculis sepalis oppositis, stylo declinato, 

stigmate punctiformi, fructu semimaturo 

ovali calyce obtecto. 

Die dichte Behaarung gibt der Pflanze 
trotz ihres lebhaften Grimes der jahrigen 
Triebe und der Blatter ein grauliches 
Ansehen. Stengel und Blattrander nicht 
selten, namentlich an alteren Exemplaren 
roth oder rbthlich iiberlaufen. Seiten- 
nerven der Blatter zu 5 — 7 aus dem 
Mittelnerven entspringend und gegen 
den Rand des Blattes verlaufend. Knos- 
pen kurz zugespitzt. Kelchrbhre grun 
rait roth iiberlaufen , spater roth. Blu- 
thenbliitter reinwcfcs. Filamente der 
grbssern Staubiaden woiss mit rother 
Spitzc, ihre Antheren zuerst carmin, 
dann schnmtzig violett, die wreHheUige 



Spitze des verlangerten Connectivs gelb ; 
Filamente der kleinern Staubbliitter woiss, 
Antheren gelb, die Hbckerchen an der 
Basis roth. Fruchtknoten kahl, carmin, 
fachwinkelstiindige Saamentrager mit 
zahlreichen anatropen Saamenknospen. 

Obgleich unsere Pflanze, welche wir 
durch Herrn 0. Deines in Hanau er- 
hielten, mit dcm durch Naudin (Annal. 
des sc. ser. 3. t. XIV. p. 154) gegebe- 
nen und durch A. Braun (ind. sem. hort. 
Berol. 1851) reformirten Gattungscha- 
rakter nicht durcbgiingig ubereinstimmt, 
indem ihr die setae zwischen den Kelch- 
lappen fehlen und letztere sicher bis zur 
halben Fruchtreife stehen bleiben, so 
habe ich doch kein Bedenken getragen, 
unsere Pflanze der Gattung Hetero- 
centron Hook, anzureihen, weil sie 
der von Naudin (1. c. t. 7. f. 1) gege- 
benen Darstellung mehr als einer andern 
entspricht, und die Nervirung der Blatter 
genau mit jener bei Heterocentron 
ubereinstimmt. Die von Naudin's An- 
gaben abweichenden Verhaltnisse hat be- 
reits Schlechtendahl (Linnaea Bd. 25. 
p. 325 ff.) erortert; ich finde sie durch- 
gangig an H. roseum hort. halens., 
wie auch an unserm und dem H. sup- 
triplinervium A. Br. bestatigt, und 
sie diirften wohl durch die nicht ganz 
sorgfaltige Untersuchung trockner Exem- 
plare entstanden sein, so das Fehlen 
der Schuppen auf der Spitze des Ova- 
riums, der gerade Griffel. Das von A. 
Braun und Schlechtendahl erwahnte Vor- 
kommen dor setae zwischen den Kelch- 
lappen ist wohl kaum wesentlich, da sie 



und der Schweii. 

Bliithe bald abfallen. Bei unserer Pflanze 
ist dies sicher nicht der Fall, und bei 
den beiden andern Arten bleiben sie so 
lange stehen, bis der Kelch sammt dem 
Fruchtknoten abfallt. Die Knospenlage 
des Kelches und der Petala habe ich den 
Angaben A. Braun's entsprechend gefun- 
den, wahrend die im verflossenen Winter 
bluhenden Exemplare die von Schlech- 
tendahl beobachtete Knospenlage zeigten. 
Somit kommen beide Knospenlagen vor. 



Von H. 



iplir, 



unterscheidet sich unsere Pflanze so- 
gloich durch die drusige Behaarung des 
Kelches und der Bluthenstiele , durch 
die kurzzugespitzten Knospen, sodann 
durch die dichte und weiche Behaarung 
der Blatter. Mit H. r o s e u m A. Br. durch 
die kurz zugespitzten Knospen ubercin- 
stimmend, unterscheidet sich unsere Art 
yon ihm durch die weissen Bluthen und 
die der Behaarung entnommenen Cha- 
raktere; der letztere Charakter scheideJ 
sie von den von Naudin 1. c. aufgefuhrten 
Arten. Wie die beiden anderen Arten lasst 
auch sie mitBcstimmtheit die Priicxitenz 



jchen in den : 



noch nidi! 



bei II. 



ipli 



nicht i 



vorhanden sind, 
bei beiden die am oberen Theile 
Kelchrbhre stchenden Borsten allmahlig 
die Form jener Borsten annehmen. 
aentlicher ist die Differenz, dass nach 
A. Braun die Kelchlappen nach der 



gebflneton, aber dem Aufbluhen nahen Blu- 
then genommenen Samenknospen erken- 
nen, welche in der vollig unverletzten M- 
menknospeals zwei eifbrmigeZellenander 
Spitze des Embryosackes liegen. Fur das 
Warmhaus wird die Pflanze theils wcgen 
der ohnedics nicht sehr zahlreich inCultur 
befindlichen Melastomaceen, theils Wg 
der im Winter, wie im Sommer erschei- 
nenden Bluthen cine erwunschte Erwer- 
bung sein. Nach Angabe Herrn Deme^ 
durch Warscewicz aus Costa Kica ; ei - 
gefuhrt, wonach, die Richtigkeit die S 
Angabe vorausgesetzt , das Vorkomnien 
dieser Gattung nicht auf Mexico °e 
schriinkt ist. , 

Ueber die Cultur bemerkt der bom 
sche Gartner, Herr Fr. Rauch, 



die ihr zusagende Erdmischung aus 2 
Theilen Mistbeeterde und einem Theil 
Heideerde besteht. Da sie die Neigung 
hat in die Hohe zu gehen , so muss sie 
Ha ziiriickgeschnitten werden. Das Be- 
pessen findet im Sommer haufig, im Win- 
>■ m.ivig statt. Die Vermchrung durch 
Stecklinge bietet keine Schwierigkeit. Ira 
Allgemeinen zarter als IT. r o s e u m kann 
sie doch, wie dieses, wahrend des Sommers 
an einer geschiitzten, halbsehattigen Stelle 
ira Freien stehen. 



a) Einzelne 


Bliithe. 




b) Grosseres 


Staubblatt. 




c) Kleineres 


Staubblatt. 




d) Fruchtkn 


aten nach weggenommener 


Kelchrobre. 






e) Querschn 


tt des Fruchtknotens, 




selbe inife der 


3asis der Kelchrobre zu 




hangt. Bei f) 


die Liicken (LuftgSngc] 


zwischen 


Kelch und Fruchtknoten. 





e) Rbododendron Edgewortnii Hook. fil. 

(Siehe Tafel 170.) 



Schon im Jahrgange 1853 der Gar- 
jenflora, pag. 219, wurde iinter der 
«^rik „Neue Zierpflanzen" diese herr- 
ch e Art kurz besproehen. Sie hatte 
maIs noc h nicht in europaischen Gar- 
^gebliiht, aber man sa h rait allge- 
Jj S P ann "ng dera Bliihen der ver- 
dom Cd p nen Arten ent S P S en > die unter 

* Beaammtnamen der Sikkim-Hi- 
* a ya Rbododendron durch Dr. 
o er oingefuhrt, von ibra in einera 
Nohtvollen Werke abgebildet und be- 
m,. )en ' den Pfl anzenfreunden einen 
«nt r ei chenSchatzanneuen5herr . 

fort! 10n Und Farben «* ^r mit 

nt geschatzten Gattung der Alpen- 

h at)e VPrS P ra<?h ^- - Dr. Hooker 

V„ ° n faSt allen Arten keimfahige 

?e n ks Samm ° ln und n ^h England brin- 

Ga n(ln nnen ' und bald sahen sich die 

•Wahl - m BeSUz Cinnr bedeutenden 

^inienpflanzen. — Der 

'1'esen neuen Rhododen- 

U8 S»ng, hat sich auf das Glan- 



zendste bewahrt. Die Arten, die bereits 
in den Garten gebluht haben, haben die 
Correctheit der Originalabbildungen be- 
statigt, ja in den meisten Fallen uber- 
trafen die Blumen an Grosse und Far- 
benpracht diese Bilder, deren Veroffent- 
lichung so grosse Sensation erregte. - 
Ira hiesigen Zuricher Garten hatten wir 
dasVergniigen, unter raehreren anderen 
Arten, audi das Rh. Edgeworthn 
bliihen zu sehen, und die beifolgende 
Tafel gibt ein correctes Bild von dem 
kaum fiber zwei Fuss hohen bluhenden 
Exeraplare. - Diese Art ist eine der 
prachtvollsten und zugleich eine der ab- 
stechendsten und interessantesten der 
ganzen Gattung. Sie wichst wie das 
ihr zunachst stehende herrhche Rb 
Dalhousiae, epiphytisch, besonder s auf 
Tannenarten, in den Felsenschluchten 
38 Sikkim-Himalayagebirges m einer 
supraraarinen Hohe von 7-9000 Fuss. 
Wenn durch Felsenstiirze oder Sturm- 
winde-die miichtigen Baume, auf deren 



230 Gartenfloia Deutschland3 i 

Verzvveigungen das Rh. Edgeworthii mit 
anderen Parasiten sich angesiedelt hat, 
zerschmettert in die Schluchten hinab- 
stiirzen, so entgehtder biegsanio schmaeh- 
tigc Strauch hiiufig der Zerstbrung , und 
wiichst frbhlich auf den Baum- und 
Felsentriimmern fort, und hier an sol- 
chen Standorten konntc Dr. Hooker ohne 
Muhe Bltithen und Samen der schbnen 
Pflanze sammeln. — Der dichte, schon- 
rostbraunc flockige Filz, der die jungen 
Aeste, die Blattstiele und die untere 
Flache der elliptisch-ovalen, zugespitzten 
Blatter bedeckt, macht diese Art leicht 
kenntlich. Blatter oberhalb glanzend 
dunkelgriin, runzelig mit vertieftem Ader- 
netz; die sehr grossen, voile 4 Zoll ini 
Durchmesser haltenden Blumen crschei- 
nen zu 2—3 auf den Spitzen derZwei- 
ge; Kelch gross, 5-theilig, die langlich- 
eifbrmigen Kelchlappen sind ausserhalb 
weiss wollig und gewimpert, diinn blatt- 
hautig, durchscheinend, die beiden obe- 



-rii^i 






krone mit kurzer, sehr weiter, glockiger 
Rbhre, ausserhalb deutlich 5-kantig, 
die obere Kante stark gewblbt, Sauni 
ausgebreitet, wellig-kerbziihnig. Die Blii- 
thenfarbe ist ein reines, zartes Weiss, im 
Schlunde in*s Gelbliche ubergehend, und 



oberen seitlkhen Lappcn mofa 






Die 10 Staubfaden, sowic 
diinne Griffel, sind nra 
Grunde Aveiss - wollig behaart, dor 
Sfachrige Fruchtknoten und die kurzon 
Bliithenstiele sind dielit weiss-lilzig. - 
Die herrlichen Blumen gewinnen nooh 
ungemein durch den sehr prononcirten, 
kostlichen Lilienduft, den sie verbreiten 
und der diese Art vor alien anderen 
auszeichnet. — 



oft hat man be- 
dauert, dass den schbnen Alpenrosen 
der Duft versagt sei: wir besitzen jetzt 
wenigstens cine Art, die auch diesen 
Anforderungen geniigt: eine Lilie duftet 
nicht siisser, als unser Rh. Edgewor- 
thii, das somit Vorziigc , wic Griisse, 
edle Form, Zartheit der Farbung und 
Susse des Wohlgeruches, die wir schon 
getrennt schatzen, alle in sich vereint. - 
Kultur im Kalthause , da i » eC 
Winter im Freien kaum iiberdauern 
wurde. Vermehrung durch Samen oder 
durch Veredlung auf Rh. ponticum 
und catawbiense. Sie scheint auf 
beiden gleich gut zu wachsen, aber erst 
die Zukunft muss lohren, ob diese Ver- 
bindungen dauerhaft sein werden. 

(E. 0.) 



f) Dentaria polyph)lla 

W. ot K. 
Hepatica triloba r.haix. 

(Sieho Tafel 171.) 
Finden ihre Besprcchung in der Jnl-ci!.!, ii Abl mllunir. 



liolieu Xorrien* 



1) Einleitung. 

Seit zchn Jahren ging der Referent 
■ft dera Gedanken um , eine Anleitung 
zur Cultur der Alpenptlanzen zu schrei- 
ben. Damals schon scbrieb Prof. Heer 
in Nr. 8 der Schweizerischen Zeitschrift 
fur Gartenbau des Jahres 1846 einen 
ersten eialeitenden Artikel liierzu, und 
ich sprach die Absicht aus, den zweiten 
praktischcn Theil bald folgen zu lassen. 
Wohl hatte ich schon damals zu Hun- 
derten die Pflanzen unserer Gebirge in 
den botanischen Garten zu Zurich ver- 
Pflanzt, aberdieResultatewaren vielfach 
noch nicht nach Wunsche , so dass ich 
« vorzog, erst noch neue Erfahrungen 
asammeln. So verging Jahr aufJahr; 
"»mcr hoffte ich, noch mehr zu lernen, 
u <n endlich durch wiederholte Beobach- 
tun g dieser niedlichen Pflanzen an ihrem 
naturlichen Standort, sowie durch viel- 
^e Versuche zu einem wirklichen 
Abschlusse zu kommen. 

1st dieser nun auch in vielen Bezie- 
Ungen erreicht, so blieb mir dennoch 
a " ch J etzt noch manche Frage zu losen 
j 1 n °' und hatte nicht das Uebergehen 
ln «nen andern Wirkungskreis diesen 
wsuchen im Ziircher Botanischen Gar- 
e » einen Abschluss gegeben, vielleicht 
7°' i,}i mich jetzt noch nicht ent- 
". an diese Arbeit zu 
J* n ' da nach dem langjiihrigen Zau- 

« nnsore Leser vielleicht noch Bes- 

SZ Cmaiten ' als ich *« geben im 
Wan *c bin. — S 

. Da Heer's Pr , fpr 4rH1 , nl ,„ dcr 



bau wohl nur in den Handen weniger 
unserer jetzigen Leser sich befindet, so 
kann ich mich nicht auf denselben 
beziehen, sondern muss unter Benuz- 
zung desselben wieder von vorne an- 

Mit welchcr Frcude zicht im Sommer 
der Bewohner dcr ebenen Gegenden in 
unscre Gebirge, um dort einmal auszu- 
ruhen von den gewohnten Beschaftigun- 
gen des Alltagslebens, welche fur einige 
Zeit abgeschiittelt werden, um dort die 
herrlichc reine kuhlere Gebirgsluft ein- 
zuathmen, die so wunderbar uns sonst 
ungewohnte Anstrengungen und Be- 
schwerden leicht macht — und um die 
eigenthiimliche Schbnheit der Gebirgs- 
natur in ihrer ganzen erhabenen Pracht 
mit voile n unauslbschlichen Ziigen un- 
sern Sinnen einzupragen und noch lange 
Zeit nachher im siissen Riickgenuss zu 
schwelgen und die einzelnen Scenen vor 
unserm Auge wieder vorubergleiten zu 
lassen. 

1st es auch zunachst die Bildung 
der Gebirgsmasscn selbst, welche die 
grossartige Schbnheit der Landschaft be- 
dingt, so iibt doch auch hier wie iiberall 
die Vegetation einen sehr bedcutenden 
Einfluss auf den ganzen Charakter der 
Landschaft aus. Tieferunten jene scho- 
nen WalduDgen, die iippigen blumen- 
reichen Wiesen und jene machtigen Fel- 
senwande oder Bergabhange , welche die 
Thaler begranzen, wo man am Rande 
der Bache schon so manchen den hohern 
Regionen der Berge entfiihrten Alpen- 
bewohner bliihen sieht. Weiter oben 



Gartenflora Deutschlands and der Schweiz. 



die allmahlige Abnahme der hbheren 
Baume der Zahl der Arten nach und 
jenc herrlichen saftig griinen Alpenwei- 
den, die manchen Theilen der Schweiz, 
wie z. B. dem lieblichcn Appenzeller- 
lande einen so freundlichen Charaktor 
gcben. Denken wir uns jenen schwel- 
lenden Rasen, wechselnd rait schbnen 
Waldungen und niedlichcn Bauernhiiusern 
wcg, wiirde nicht das Ganze seinen herr- 
lichsten Reiz verlieren? Wir steigen 
hbher hinan, die hbheren Baume werden 
zu Zwergen, die liebliche Alpenrose mit 
ihren leuchtend rothen Blumen bedeckt 
ganze Abhange, zwischen dem niedrigen 
Grase bliihen die tirf blauen Gentianen, 
die freundlichen rothen Primeln, das 
blaue Alpenglbcklein, die schbnen gelben 
und weissen Anemonen, das himmel- 
blaue Alpenvergissmeinnicht, die schbnen 
Pedicularis- Arten u. s. w. An den F el- 
sen aber und zwischen den Felsblbcken, 
da wuchem die saftigen griinen Polster 
der Saxifragen und Primeln, blaue Phyteu- 
men, Globularien u. a. sind in die Fel- 
senspalten eingezwangt. 

Wir steigen hbher hinan , die Vege- 
tation wird immer sparsamer, neben uns 
und fiber uns sehen wir die mit Schnee 
bedeckten Firne die Kamme des kiihn 
ausgezackten Gebirges kronen und wie 
einen plbtzlich erstarrten Fluss, der zi- 
schend und tobend uber die Felsen hinab 
dem Thale zueilt, sehen wir die Ab- 
fliisse des hochalpinen Eismeeres 
hinab zur Ebene steigen. Der eisige 
Hauch der Gletscherluft umweht uns 
und bringt uns im hohen Sommer fast 
zum Frbsteln* Und siehe: wo der Schnee 
kaum weggegangen oder oft die Decke 
desSchnees noch durchbohrend , bceilen 
sich die Bewohner dieser Hbhen dem 
Boden zu entspriessen und den kaum 
noch mit Schnee bedeckten Boden in 
verwandeln. Der 



niedlichc Ranunculus alpestrls und gla- 
cialis, Geum reptans, Soldanellen, Saxi- 
fragen beleben die sonst so wildc Natur 
und bieten einen angenehmen Contrast 
mit dem kahlen Gestein , mit den weis- 
sen Schneefeldern und den dunklernEis- 
massen mit ihren phantastischen Hbrnern 
und tiefen Spalten. 

Noch hbher hinauf treibt es uns. Ueber 
Schneefelder und Gletscher setzen wir 
vorsichtig den Fuss, nicht schieekt uns 
der Gedanke, es kbnnte ein Fehltritt uns 
in die schwindelnde Tiefe hinabwerfen, 
und siehe! dort an jenen sonnigen Ab- 
hangen ist der Boden wieder frei von 
Schnee, und rings von Schneemassen 
umgeben wachsen an Felsblbcken und 
zwischen Gerbll zierliche Saxifragen, die 
moosartige Cherleria, kleine niedliche 
Gentianen und Phyteumen, die in dichte 
Polster zusammengedrangtc Aretia hel- 
vetica, oder es bliihet an kaum von Schnee 
verlassenen Stellen die Aretia glacialis 
mit ihren zicrlichen rosarothen Blumen. 
Mit Wohlbehagen lassen wir uns hier 
nieder, freundlicher scheinen uns die 
diistern Felswande und weiten Schnee- 
gefilde anzublicken, wahrend die erha- 
bene Ruhe und ganzliche Abgeschieden- 
heit der ganzen Landschaft auch uns in 
eine besonders feierliche Stimmung ver- 
setzt, die nur durch das Donnern der 
Lawinen von den immer noch hoch uber 
unsern Standort ansteigenden Bergspi- 
tzen unterbrochen wird. Das Herz 
wird weit und reiner und ungetrubter, 
denn auch in unser Herz scheint ja M 
die ganze wunderbare Scene belebende 
Gotteshauch einzuziehen. 

Nur einkurzesBild, geschmiickt^ 
den bekanntestcn Pflanzenformen, woli 
wir hiermit vor den Augen unserer £ 
ser aufrollen, die Einlasslicheres hierubff 
in der Schilderung des Engadin von u» 
in diesen Blattern finden. — 



v|/ 



\ 



g&M ) 



Wie kommt es nun, fragt sich gewiss 
niancher, der von einer solchen Gebirgs- 
wanderung hcimkchrt, (lass wir die 
Pflanzen der ganzen Welt in unseren 
rn zusammentragen und 
; !i gerade die.-'' licblichcn Alpenpflan- 
"n mit ihren schonen scliimmerndcn 
Blumen, mit ihren saftig-griinenRasen- 
polstern so solten und wenig in unseren 
•::'i euhiviren? Oder dass, wenn 
fcl ivirklich goschieht, nur wenige 
dersclben zur Vcrzierung des Gartens 
im Freien dienen, die meisten aber wie 
die Pflanzen fremder Lander in kleinen 
kemplaren im Topfe gepflanzt werden, 
*o sie uns wie Fremdlinge erscheinen, 
to kaum an die Tage, wo wir sic in 
den Bergen bluhen sahen , crinnern ? 
Aoch der Referent stellte sich diese 
F»ge hiiufig und versuchte es, dieselben 
"> a Mgedehntem Maasse im Freien an- 
wpflanzen, wobei nach und nach sichere 
"olge erzielt werden konnten, wahrend 
^ das Klima Zurich's zu solchen Versu- 
- ralsdasjenigevonMittel- 

x " J 1eutsch]and ist. Bevor wir nun 



■Mill- die 



specielle Cultur eingehen, wol- 



kn *ir die klimatisch 



lVerhaltnisse und 



as Klima ist es, welches der Cultur 

penpflanzen, welche aus- 

• essBch bedeutende Hohen oder den 

C n bewohnen > dic m « ste 

L/^^ en *g e gen setzt, denn den 



*add ?° mmcr ' die Kihle Temperatur 
m V ° lles Sonn enlicht, den schnee- 
^ langen Winter k5nnen w . r . h . 
j^^gstens bci der Cultur im freien 
^ «w gewahrcn. Es ist einleuch- 
^J^ssdie Versuche, welche ich in 



wo der Wcinstock vortrefflich gcdeiht, 
machte, auf viel grossere Schwierigkeiten 
stossen mussten, als derartige Versuchc 
in Mittel- oder Norddeutschland , oder 
die, welche ich in dieser Beziehung nun 
unterm Petersburger Klima zu veran- 
stalten denke. Dennocli ward mir ge- 
wbhnlich von Fremden, die den botani- 
schen Garten in Zurich besuchten, wenn 
sie die theilwels im freien Lande iippig 
vegetirenden Alpenpflanzen sahen, oft die 
Ansicht geaussert, dass Zurich's Klima, 
wegen der Nahe der hohen Bergc diese 
Cultur erleichtere. In Wahrheit hat 
aber Zurich nur alle Nachtheile der Nahe 
der hohen Berge, wie plotzliche Tem- 
peraturwechsel , spate Nachfroste und 
Friihfroste, welche gerade der Cultur 
der Alpenpflanzen sehr hinder lich sind, 
und dann wieder einen heisseren Sommer 
als Deutschland. 

Steigen wir in unsern Gebirgcn aus 
der Ebene empor, so hat die Beobach- 
tung dargethan, dass sich hier das Klima 
in eben dem Maasse verandert, wie wir 
hoher steigen und ebcnsolche Verande- 
rungen erleidet, wie wenn wir zu nord- 
licheren Breitegraden vordringen. So 
wachsen schon manche Pflanzen unserer 
montanen Region in den Ebenen und 
Sumpfen des nbrdlichen Deutschlands 
wild wie z. B. die Gentiana vcrna, 
Primula farinosa, Pinguicula vulgaris, 
Linnaea borealis und andere, was am 
deutlichsten zeigt, dass das Klima des 
nordlichen Deutschlands gunsiiger als 
solchen Culturen ist. 
Heer's Einthoilung d« 
HohenJ so unterscheiden wir in der 
Schweiz, wobci jedocli vorziiglich Beob- 
achtungen. die in der nordlichen Schweiz 
gemarht wurden, zu Grande gelegt s.nd, 
folgende Regioi 



das Zurich's 



1) Die mont 
3000—4400 Fuss. 



ne Region, von 
Diese nahcrt sich 



?;n 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



dem Klima Deutschland's ziemlich, und 
die mcisten Pflanzen dieser Region oder 
auch diejcnigen Pflanzen , die cigontlich 
hbheren Regionen angehoren, allein in die 
montane Region herabsteigen , lassen 
sich ohne Schwierigkeit inunseren Giirtcn 
cultiviren. Der Winter dauert hier fast 
6 Monate, namlich von November bis 
Mai. 



[)•, ... 



2) Die subalpin< 
geht von 4400—5500 Fuss. An sonni- 
gen Stellen und absehiissigen Lagcto, wo 
der Schnee friiher schmilzt, ist die Erde 
von Endc Mai bis October scbneefrei. 
An sebattigen oder ebenen Lagen aber 
nur von Mitte oder Ende Juni bis Oc- 



3) Di 



iipi 



Regio 



M,H1 



rechnet diese von 5500—7000 Fuss. An 
sonnigen oder abschussigen Stellen ist 
der Boden von Ende Juni — October 
scbneefrei. An sebattigen und ebenen 
Stellen liegt gegen die obere Granze bin 
scbon cwiger Scbnee. 

4) Die subnivale Region. Reicbt 
von 7000—8500 Fuss. Nur an sonnigen 
und abscbiissigen Stellen ist der Boden 
von Mitte oder Ende Juli bis Mitte Sep- 
temltcr .-chneefrei. 

5) Die nivale Region von 8500 
—10000 Fuss. Hier liegt meist ewiger 
Schnee, und nur an wenigen geschiitzten, 
sonnenreicben und abscbiissigen Stellen 
gebt der Schnee im Monat August weg. — 

Werfen wir noch einen Riickblick 
auf diese Verhaltnisse , so haben wir 
eimnal, je hbher wir ansteigen, eine 
desto kiihlere Temperatur, einen de- 
sto kiirzeren Sommer, einc urn so con- 
stantere Schneedecke und endlich eine 
Bodentemperatur, welche verhaltniss- 
miissig hbher als die der Lui't ist. 

Dieser letztere Umstand veranlasst j 
es denn auch, dass Kraut und Stengel I 
der hbhern Alpenpflanzen sehr klein I 



bleiben , wahrend die Blurae , auf deren 
Erzeugung die kurze Vegetationszeit vor- 
ziiglich gerichtet ist, sich oft schbn u. ver- 
haltnissmassig gross ausbildet. Strauch- 
artigc Pflanzen, wie die kleinen Weiden- 
Arten, Arbutus alpina, Azalea procum- 
bens etc. suchen in den huchsten Re- 
gionen die Warme des Bodens und kric- 
chen diesem nach. Pflanzen endlich der 
hbebsten Regionen, deren Cultur in Gar- 
ten gelingt, wachsen hier mehr ins Kraut 
und bringen weniger Blumen. So ge- 
hbrt z. B. die Silenc acaulis zu den Al- 
penpflanzen, die zu den bedeutendsten 
Hbhen ansteigt. Je hbher oben man sic 
findet, desto kleiner und gedrungener 
ihre Rasen , desto massenhaftcr und in- 
tensiver roth gefiirbt ihre Blumen, so 
dass zur Bliithezeit diese niedliche 
Pflanze ganz mit Blumen bodeckt er- 
scheint. In Cultur im freien Lande im 
Garten bildet sie mehr Kraut und nur 
einzelne blasse Blumen. Pflanzen der 
montanen Region, wie manclie (Jriiser, 
die bis zur alpinen und subnivalen Re- 
gion ansteigen, werden dort klein und 
kurz , gleich den andern Pflanzen dieser 
Regionen. Verpflanzt man sie in den 
Garten, so erlangen sie schnell ihre 
naturlichen Grbssenverhaltnisse wieder, 
oder werden noch iippiger als in den Ber- 
gen. So z. B. Phleum alpinum, Poa alpina 
u. v. andere. Wer daher Alpcnpflai** 
an ihrem naturlichen Standort au.grabt. 
urn sie in den Garten zu ****£* 
hat nicht nur darauf zu sehen, ^ _ w ' 
mbglich mit einem gut erhaltenen W» 
zelballen auszugraben, sondern er mu* 
sie auch von alien zufillig inic a«^ 
grabenen anderen Pflanzen, namentwn 
von den Grasern und Carices «*• 
da diese im Garten sonst sehr ^ 
iippig und gross wen** und *» 
gentlichen klein bleibenden Bewohner 
jener Hbhen schnell ersticken. 



Originalabhandlungen. 



{lie nicdrigen dem Boden naehkric- 
Sucher, wie z. B. Salix rc- 

■ii.-a. reticulata, serpyllifolia, werden in 
den Garten vcrpllanzt bedeutcnd iippigi r. 
bilden lange dicke holzigc Stammc, aber 
ihr Wachsthum verandert sich nicht, 

■"inif'rn sic kricchen auch bier dem Bo- 
den nach oder es hangen ibre Aeste an 
kleinen kiinstlichen Felspartieen grazil 
iiber die Steine berab. Niemals babe 
ith bei cincr noch so iippigen Pflanze 
dieser Arten gerade empor steigende 
Aeste entstehen sehen. Es ist daher 
ten Wachsthum nicht mit dem des 
Krummholzes (Pi nU s Pumilio) zu ver- 
wechseln, welches in diesen Hbhen aus 
ton gerade aufsteigenden hohen Baume 
Zttm kleinen niederliegenden Strauche 
* lrd ' sonder n es ist dieses Wachsthum 
*' Art unter alien Verhaltnissen eigen 
«w mit andern Worten in der Idee 
« Art begrtindet. Wahrscheinlich 
wfte es gclingen, kraftige im Garten 
inrachwne Zweige der Salix retusa 
^tammig 2U veredeln, und wir hat- 
« dann noch ein schemes Seitenstiick 

.' '" - ""schen Trauenveide, welche 
* Cliche Art durchPfropfen der Sa- 
auf Hochstamme erhalten 



. 



ra Hinbhck auf diese Eigenthiimlich- 

«t n mussen wir zwischen jenen po- 

• «T>nen Pflanzen unteracheide wd . 

Kn" 8 / " 1 ™ ande bis ™ bedeuten- 

lonenansteigen und dortnur unter 

"schiedenartiger Ver- 

e ih ™ Gestalt veriindern und zu 

. n ^nannten alpinen Formen wer- 

l' ';, zwischen jenen Pflanzen, 

We' lrer J anz ^Naturnachnurfur 

^dereHohen erschaffen sind, und 

drten feu ^wohnlicher Cultur im 

**•*] h ' VXed ° r abstPrbcn oder ™ 

^ nJ ^' eni S dankbar bluhen- 

^en werden. 



Im Allgenieincn ist es nach meinrr 
Ucborzeugung weniger die Warme un- 
seres Sommers, welche die Cultur der 
Alpcnpflanzen im Garten so schwierig 
macht, sondern es ist mehr der lang 
andauernde Sommer, \velcher v diese 
Pflanzen, die kaum einige Monatc zu 
vegetiren und 9 — 10 Monat zu ruhen 
bestimmt sind, durch Erschiipuing .sclinell 
todtct. Mit dem ersten Erwachen des 
Friihlings bluhen die Alpcnpflanzen im 
Garten, gegen Anfang Sommer haben 
sic schon die Samen gcbildet, und nun 
sollten sie wieder, wie an ihrem hei- 
mathlichen Standorte ruhen konncn, 
wahrend jetzt erst der unpcuiilmlich 
warme Sommer und Herbst sie noch 
zu doppelt oder dreifach so langer Ve- 
getation zwingt. Ferner gicbt man 
den Alpcnpflanzen gemeiniglich den kiihl- 
sten und daher ganzlich schattigen Stand- 
ort. An ihrem natiirlichcn Standorte 
vegetiren sie dagegen in voller Sonne. 
Hier werden sie zwar hauflg gegen die 
voile Einwirkung der Sonne durch die 
dem Alpenwanderer so unangenehmen 
Nebel, die aus den Niederungen anstei- 
eend sich an dem hbheren Gebirge an- 



_r-^ : ;-.-' . 



. dass im Garten ein 



halbsonniger kiihlerStandortihnen dureh- 
schnittlich am besten zusagt. Ferner 
wiichst die Mehrzahl der alpinen Filan- 
zen an Standorten, wo durch hiiulige 
wasserige Niederschliige, oder wie an Fel- 
sen und Abhangen. wo durch herablau- 
fendes Wasser cine stcte Bodenfeuch- 
tigkeit untcrhalten wird. Im Garten m 
einer Bodenart, die der des natiirlichen 
Standortes ganz gleich, sag* ihnea da- 
gegen wegen der langen Vegetationszeit 
so viele Bodenfeuchtigkeit weniger zu, 
ja im Herbste ist viel Niisse sugar moist 
der Grund ihrcs Zuriickgchcns. W<*b 
nun aber der in den Gaiten vcrpilanzte 
Alpenbewohuer iiber alle diese Schwic- 



Umstand, dcr die treu gepflegte Pflanze 
dem sicheren Tode iibcrgicbt, und dies 
ist das Aus frier en. In den Bergen 
deckt sic den ganzen Winter hindurch 
die feste Schneedecke, gegen das Aus- 
frieren bei Nachtfroston im Sommer sind 
sic abcr dadurch gcschiitzt, dass sie 
entweder gemeinsam mit anderen Pflan- 
zen in ciner festen Rasendecke wachsen 
Oder dass sie mit ihren Wurzeln zwi- 
scben den Spalten und Ritzen der Fel- 
sen eingeklemmt sind. Im Garten muss 
man sie in ein lockeres Erdreich, jede 
Art fur sieh pflanzen , denn bis jetzt ist 
mir keine Pflanzenform bekannt, welche 
im Garten den kurzen festen Alpenrasen 
ersetzfu kbnnte. Grii^r und andere Ra- 
sen bildende Pflanzen erstickcn hier die 
zarten kleinen Alpenpflanzchen. Im er- 
sten Fruhling und im Spatherbst bei 
ganz geringen Warmegraden fangen sie 
von Neuem zu vegetiren an, es kom- 
men da die Nachtfrbste ohne Schnee- 
decke und diese heben die schbnen Pri- 
meln, Gentianen, Soldanollen etc., wenn 
sie nicht schon einige Jahrc im Lande 
stehen und sich bier mit don Wurzeln 
gut befestigt haben, ganz unbarmherzig 

So scheinen der durch die ganz an- 
deren klimatischen Verhaltnisse beding- 
ten Missstande so viele aufzutretcn, 
dass es den Anschein gewinnt, als sei 
die Cultur der Mehrzahl der Alpenpflan- 
zen im freien Lande im Garten nicht 
moglich, und alle grbssoru Samrnlungen 
der Art werden daher im Topfe kulti- 
?irt, wo man alle diese Verhaltnisse 
mehr in seiner Gewalt hat. Ich will 
nun zwar nicht sagen, dass ich schon 
vollkommen iiber alle diese Misstande 
hinwegkommen , doch aber ist cs mir 
unter Beobachtung der Natur gelungen, 



auf seine Gestalt, 



die grosse Mehrzahl derselben trotzdem 
einer geregelten und sicheren Cultur zu 
unterwerfen , wie dies der Abschnitt iiber 
Cultur zeigen wird. — Nur ein Miss- 
stand bleibt auch bei der rationellsten 
Cultur und wird sich kaum jc beseiti- 
gen lassen. Dies ist die wenigor inten- 
sive Farbung der Blumen vieler derAl- 
penbewohner in der Ebene. Die blaue 
Farbung scheint in dieser Beziehung 
weniger delikat als die rothe Farbung, 
die in der Ebene immer bliisscr wird. 
Ueberhaupt vcrandcrt sich der Pilanzen- 
teppich beim Aufsteigen 
nicht bios in Bezug 
sondern auch in der Farbung seiner Bin- 
men und imvorherrschenden Tone dieser 
Farbung. Wahrendtiofer unten die gelbe 
undweisse Farbe vorherrscht, wird wel- 
ter hinauf das Weiss reiner und Orange, 
Blau und Rosa treten viel haufiger auf. 
Auch in Bezug auf Geruch zeichnen 
sich viele Alpenptlanzen vorthcilhaft aus. 
Wir crinnern in dieser Beziehung nur 
an die Achillea moschata, deren Kraut 
jetzt massenhaft zu Pariumerien verwen- 
det wird. Ferner an Artemisia Mutel- 
lina, an den lieblichen Geruch der Blu- 
men mchrerer Primeln, an den durch- 
dringenden angenehmen Geruch ae 
Daphne striata und anderer. Nach un- 
serer Erfahrung scheint in dieser be- 
ziehung die Cultur in der Ebene keuie 
Veranderung hervorzubringen. 

3) Standort undBoden. 

Die Pilanzendeckc verandert sich if 
doch nicht bios nach der Hohe sondern 
auch je nach der Localitat und Bode » 
Der Character derselben wird jedjc 
weniger durch die Zahl der verseni 
nen am gleichen Orte auftretendeii* 
ten, sondern vorzuglich durch das m^ 
senhafte Auftreten einzelner Artery 
dingt. So bedingt das gest 



: esellschaftlicbe 



Originalabhandlnngen. 



-;; 



Wachsthum der Griiser, wodurch z. B. 
die Wiesen , Weiden, Triften entstehen, 
den vorwiegenden Character der Vege- 
tation. Wir wollen nun zur Schilderung 
der verschiedenen Bodenarten und dann 
zur Schilderung der verschiedenen Lo- 
calitaten ubergehen. Wir konnen dabei 
allerdings nicht vollstandige Verzeich- 
nisse der vcrschiedenartigen Alpenpflan- 
«n je nach ihrer Verbreitung geben, 
•'irii miissen uns begnugen nur die 
schonbliihenderen , welche dor Cultur be- 
sonders worth, hervorzuheben. 

In Bezug auf die chemische Zusam- 
mensetzung des Bodens existirt der 
posste Unterschied zwischen kalkhalti- 
gem Boden und kalkfreiem Boden. Es 
Jj <N alte, in neuercr Zcit lebhaft 
wieder aufgenommene Frage, ob 
JWn giebt, die an Kalk gebunden 
^d, Oder ob Kali den Kalk ersetzen 
tonne. 

Fur die grosse Mehrzahl der soge- 
^ten Kalkpflanzen, d . h. auf Kalk- 
lebirgen vegetirenden Pflanzen ist dies 
"» e «J»ngs der Fall, doch giebt es un- 
**toS einzelne Pflanzen, die Kalk zu 
J"» Ernalirungsprozessc wirklich be- 
r % wabrend fur andere Kalkbeimi- 
^"ng geradezu schadlich ist. 
Pila! * 11 >Vir ZU ^iederholtenMalen 
m U \ VOn Cr ^pis hyoseridifolia in 
r . t Plc hen lebenskraftigen Exemplaren 
■ aus den Bergen gebracht und im 
™» ohne Kalkbeimischung einge- 

* Fruh- C / rIebten aber ni ° daS nSch " 
■* Kail 1 ^ hrend gegentheils in 
fcfcfcePa vcrmischtom B oden die 
fcaftfe • im fol g p nden Friihjahre 

* wieder austrieb. Soldier frap- 
X eiSpiele k ^n wir zwar nur 
% l a " ffUhren ' denn da wirfriiher 
da 48K I ejeichen Ansicht ausgingen, 
*te a w . beimisc httng unnothig sei, rich- 
est in den letzten Jah- 



ren hierauf unsere Aufmeiksamkeit 
Doch ist soviel sicher, dass Kalkbeimi- 
schung der Vegetation aller eigentlich 
kalksteten Pflanzen vortheilhaft ist. Ver- 
suche, welche sogenannte Kalkpflanzen 
auch in kalkfreien Bodenarten nothdiirf- 
tig d. h. nicht normal und kraftig vc- 
getirend am Leben erhielten, konnen 
hier ebenso wenig entscheiden, als wenn 
einzelne Pflanzenarten , die falschlich 
fiir kalkstet angesehen wurden, auch auf 
durchaus kalkfreiem Boden im wilden 
Zustande angetroffen werden. Durch sol- 
che letztere Erfahrungen wird nur ein- 
fach die Zahl der wirklich kalksteten 
Pflanzen auf eine immer kleinere nor- 
male Zahl beschriinkt werden. Fiir die 
Cultur hat endlich auch die endgultige 
Entscheidung dieser noch ungelosten 
Frage eine viel geringere Wichtigkeit, 
da meine, wie die von anderen Beobach- 
tern angestellten Versuche ganz ent- 
schieden dargethan haben, dass alle aus- 
schliesslich oder vorzugsweise Kalkbo- 
den bewohnenden Pflanzarten auch in 
der. Cultur unter Beimischung von Kalk- 
schutt aus alten Mauern (feste Kalk- 
steine sind hierzu ungeeignet, da sie 
erst verwittern miissen, bevor sie einen 
Einfluss auf den Boden zeigen konnen), 
am besten gedeihen, und dass umge- 
kehrt solche Pflanzen, die vorzugsweise 
auf kalkfreiem kalihaltigcm Boden vor- 
kommen, auch in der Cultur in jedem 
kalkhaltigen Boden gar nicht oder doch 
nie freudig gedeihen. 

Wir werden daher in der Cultur je- 
denfalls wobl thun, uns die das Kalk- 
gebirge ausschliesslich (kalkstet) oder 
weni^stens vorzugsweise mit Kalk ver- 
mischte Bodenarten bewohnenden (kalk- 
holden) Pflanzen im Gegensatz za den 
vorzugsweise auf dem kalkfreien Boden 
des Urgebirges oder Schiefcrs wachsen- 
^ Pfi.n,™ zu merken, umdiesenUm- 



LMs 



Gartenflora Deutschlauds und der Schweb.. 



stand bei der Bodenmischung zu be- 
riicksichtigen. 

Als schon bluhendere Alpenpflanzcn, 
die immcr auf Kalk wachsen und sol- 
chen auch in der Cultur zu bedurfen 
scheinen , nennen wir Pelrocallis pyre- 
naica , Iberis saxatilis , Crepis hyoseri- 
difolia , Saxifraga caesia , S. Burseriana, 
S. oppositifolia , Potentilla caulescens, 
Dianthus glacialis, Ranunculus Thora 
und rutaefolius, Saxifraga Vandellii, S. 
clatior, Valeriana supina, Androsace 
lactea, Papaver, alpinum und P. pyre- 
naeum, Arctostaphylos alpina. 

Ausserdem giebt es aber noch eine 
grosse Zabl kalkbolder Pflanzen, denen 
auch in Cultur eine Kalkbeimischung 
sebr zutraglich, so z. B. Achillea atra- 
ta , Globularia cordifolia und nudicaulis, 
Erinus alpinus, Draba aizoides und Ai- 
zoon, Saponaria ocymoides, Aretia hel- 
vetica, Veronica fruticulosa, Rhododen- 
dron hirsutum und Chamaecistus, Linaria 
alpina und viele andere, die ich bei der 
Aufzahlung der zur Cultur zu empfeh- 
lenden Pflanzen bezeiehnen werde. 

Als Pflanzen, die das Urgebirge und 
den Schiefer fast ausschliesslich bewoh- 
nen (schieferstet) und bei denen daher 
selbst die geringste Kalkbeimischung 
streng vermieden werden sollte, bezeieh- 
nen wir Senecio uniflorus, Eritricbium 
nanum , Aretia glacialis , Pinguicula 
grandiflora, Linnaea borealis, Saxifraga 
exarata, biflora u. a. m. Doch scheint 
die Mebrzahl der als schieferstet ange- 
gebenen Pflanzen gegen geringe Quan- 
titaten Kalk, wie sich diese oft in un- 
seren zur Cultur benutzten Erdarten be- 
finden, nichts weniger als empfindlich. 
So z. B. siedelt sich die als schieferstet 
allentbalben bezeiebnete Saxifraga Coty- 
ledon selbst auf Kalktuffsteinen im Gar- 
ten an. Ueberhaupt bieten diese Punkte 



noch ein fernores weites Feld fur die 
Bcobachlung bei der Cultur im Garten. 

Einen viel wichtigeren Einfluss auf 
die Vegetation und Verbreitung der 
Pflanzen irn Gebirge als diese clioniisclio 
Mischung des Bodens iiht die phvsika- 
lische Bescbaffenheit desselben, dasVer- 
haltniss der vollstandigenVerwitterungdos 
Gesteines und der Mischung mit Humus, 
oder die Zerbrockelung in Geriill, in 
Sand am Ufer der Biiche, sowie die Fa- 
bigkeit, Wasser anzuzielien und zu lis- 
ten. Ferner leucbtet es ein, dass an 
Felsen wachsende Pflanzen in Hirer Be- 
handlung im Garten wesentlich von den 
auf Humus, auf Wiesboden und Wei- 
den, im Schatten der Waldungen und 
im Sumpfe lebenden Pflanzen abweiclifn 
miissen. Wir wollen auf die wiclitigsten 
Lokalitalen dieser Art noch einen prii- 
fenden Brick werfen, bevor wir zur 
s|H.'zielh'n Cultur iibergchen. 

a) Die Gebirgswaldungcn. 

Die Waldungen steigen als eigentli- 
che Waldungen, die noch aus hbheren 
Baumen bestehen, nur bis zur oberen 
Granze der subalpinen Region in gun- 
stigen Localitaten empor. An ***** 
mehr frei liegenden Bergen 
bekanntlich vi( 
aber in jenen hochgelegenen, von wi- 
den Seitcn durch hochansteigende LVrg- 
kamme geschiitzten Gcbirgsthalern m 



C 



50g;ir 



Die Flora des Waldes iinderi ji ** 
der Dichtigkeit dessellx JB 
dem Untergrund. Im Schatten dor >' 
der auf bald ganz rohei 
humusreichem Boden, da wachst e» ^ 
grosse Zahl jener Pflanzen, <he * 
auch im Garten zur Decoration von g 
schattig gelegenen Parthieen oder 
wenigstens, wenn sie mth 
saum oder in lichteren V 
kommen, zur Decoration * ; 



Bosquetparthien ferwenden konnen und 

die daher kcinor aufmerksamen Pflcgc 
bediirfen. Als solche Pflanzen nennen 
«ir nianchc unserer ersten Boten des 
kommenden Friihjahrs, so das Immer- 
grun (Vinoa minor) , die licblichen 
■"''■"■^ludphon (Galanthus nivalis und 
Leji-fA-uni vcrnum), den Seidelbast (Daph- 
ne Mezereuni), die liebliche blaue Scilla 
Wolia, Spiraea Ar uncus, [die Hellebo- 
ras-Arten, viele Orobus, Eranthis hie- 
"alu, manche der in einem friiheren 
lrl,k,,I ^eichnetcnOrchideen, die aus- 
taendcn Delphinien, Valeriana offici- 
os, die Aconiten, Lysimachia nemo- 
m "• a., zu denen sicb in den hb'he- 
* G ;^ldungen z. B. Veronica 
^eaeobaValerianamontana und trip- 
J, Achillea macrophylla, Adenostvlos 

M„.!T UUd alpina ' Astrantia mior, 
%edm m alpinum, Ranunculus aconi- 
wiiiis u. a. gesellen. 

Aofmehrmit Humus vcrsetztem Bo- 
J dcr GebirgswaIdungen wacbsen z. B. 

^^mr; ia - Arten ' wieDcn - 

c aw nut den grossen lilafarbe- 

^enunddieDentariapolyphylla, 

^Hepatica triloba, Asarum euro- 

», k ' J*" 1 Sich die g^ssblumigeren Ar- 

i d r rika ' S in d - Cultur beige- 

n > Aram maculatum, Cvclamen eu- 

CflmJZ Sl ! rruIa ta » ri "a und odorata, 

**», Melittis Melisso- 

^Jrr ri8,P ° lyeaIaChainM - 
nnd dieMehrzahlungprereinhpi _ 

^ n Farrenkrauter. 
Mi% n aben d ' e Pflanzen dieser Lo- 
^ W a // enn 6leioh manche auch in 
** beal ngen d<?r Ebenfi vorkommen, 
* a sie 7 'n dcShaIb her vorgehoben, 

^ParthL rati ° n V ° n ganz Schat - 

**PW n nament »ch auch da, wo 

Sf^ ai SeIbSt Unter Ba ^n dem 

m - Wit Vinca minor und Ly- ' 



Originalabhandlunge 



23! > 



m gelingt es, unter Bau- 
men einen einer Wiese gleichen grii- 
nen Teppich herzustcllen und die an- 
dern gcdeihen an Bosque Madera vor- 
trefflich und sclimiicken diese Parthien 
mit linen Blames, oder kijnncn im tie- 
ten Schatten von Gcbauden angepflanzt 
werden, wo andere Pflanzen nicht mebr 
gedeihen wollen. Zwischen Bteinpar- 
thien im tiefen Schatten an feuchten 
Wasserparthien, dahin verweisc man 
vorziiglich unsere einheimischcn Farren, 
nacbdem man den rohen Untergrund rait 
Moorcrde oder Heideerde untermischt 
hat. Hire zarten griinenWedel quellen 
da gar angenehm contrastirend zwischen 
den Steinraassen hervor und beleben 
diese zugleich mit Epheu, Immergriin, 
den Adenostylen, dem Seidelbast, der 
Daphne Laureola und den schb'nen Den- 

Von der Dentaria polyphylla W. et 
K. und den niedlichen Abarten der He- 
patica triloba Chaix giebt • die beigege- 
bene Tafel (171) die Abbildung. 

Die erstere ist in den Waldungcn 
des Bachtels im Canton Zurich, in den 
Alpen des Cantons Glarus u. s. f. zicm- 
lich haofig und ward vom Botanischcn 
Garten in Zurich in deutschen Garten 
ziemUch verbreitet. Der mit ileischigen 
Schuppcn besetzte Wurzelstock krieclit 
unter demBoden bin und in den ersten 
war'men Friihlingstagen entwickeln sich 
schon die gelben Bluthentrauben. Nach- 
dem der Same gereift sterben die Blat- 
ter ab und bereitet sich die Pilanzc wah- 
rend des Sommers und Herbstes, wie 
so manche andere Pilanze dieser Loca- 
litaten, zum kriifdgen Wachsthum des 
folgenden Fruhlings vor. In jeder mit 
Humus gut vermischten Rasen- oder 
Lehmerde gedeihet diese Pflanze. 

Nicht weniger schbn sind die liebli- 
chen Varietiiten unserer Hepatica. Un- 



-10 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



sere Abbildung zeigt ausser den Wur- 
zelblattern Blumen der einfachen ge- 
wbhnlichen blauen Stammart, sowie der 
weissen und rothen einfachen und der 
rothen und blauen gefullt bluhenden Va- 
rietat. Es haben diese zierlichen Ab- 
arten in den Garten noch nicht die 
Verbreitung gefunden, die sie in Wahr- 
heit verdienen. In einer Mischung aus 
halb Lehm und halb Moorerde, oder 
sclbst in einer rein lehmigen Erde ge- 
deihen sie an schattigen wie an sonni- 
gen Standorten im Garten sebr gut. In 
reinem Humus, wie in stark gediingter 
Gartenerde wachscn sie weniger freudig. 
Vermehrung durch Tbeilung , welche im 
Mai naeh der Bluthe vorgenommen wird. 
Erst im Herbst getheilte Pflanzen be- 
wurzeln sich nicht gehorig und sind dem 
Ausfrieren sehr unterworfen. 

Nach dieser kurzen Abschweifung 
kehren wir wieder zu den Waldpflanzen 
zuriick. Wir haben von diesen noch 
die im reinen Humus vorziiglich der Na- 
delholzwaldungen wachsenden Pyrola- 
Arten noch nicht erwahnt , weil uns die 
Cultur dieser niedlichen Pflanzen noch 
nicht gelingen wollte. Vielleicht, dass 
es ebenfalls Schniarotzergewachse sind. 
Auch das wirklich vorziiglich schbne in 
Laubwaldungen lebende Melampyrum 

Cultur. Da die Melampyren wirklich 
als Schmarotzer mit ihren Wurzeln sich 
auf den Wurzeln anderer Pflanzen be- 
festigen, so wiirde in diesen Fallen nur 
die Cultur zugleich mit der Nahrpflanze 
gelingen. 

b) Fcuchte Gebusche. 
Diese werden von niederen Strau- 
chern gebildet, welcbe mehr vereinzelt 
auf feuchtem meist humusreichem Grunde 
wachsen. In der alpinen Region bilden 
Juniperusnana, Pyrus Chamaemespilus, 



Salix hastata und Alnus viridis gemei- 
niglich diese Gebusche und zwischen 
ihnen wachst das gelbe Alpenveilchen 
(Viola biflora), Senecio alpimis, Vera- 



c) Schattige Felsparthien. 

Es sind dies gegen Nordcn gelege- 
ne Felsen, an denen oft das Wasaer 
herablauft. Fiir diese immer feuchten 
Localitaten ist weiter unten Viola bi- 
flora, Silene quadrifida, Saxifraga rotun- 
difolia, cuneifolia, stellaris und vor al- 
ien die iiberall unter den Steinen vor- 
quellenden grunen Polster der Mbhrin- 
gia muscosa characteristisch. Hoher oben 
hangen die Rasen der Saxifraga aspera 
neben mehreren Binsengrasern , zierli- 
chen Farrenkrautern, Primula viscow 
und Auricula fiber die Felsen herab. In 
der alpinen Region tritt zu ihnen noch 
die Saxifraga exarata, muscoides, andro- 
sacea, Seguieri u. a. hinzu. 

An Stcllen, wo sters Wasser iiber 
die Felsen herabtriiufelt und die Lage 
nicht durchaus schattig ist, da wacbsen 
in die Felsspalten eingeklemmt Juncus 
trifidns. Salix retusa und in der subni- 
valen Region das schone Geum reptans. 

d) Mit Humus bedeckte Felsen. 

Da, wo sich der nackte Felsen nach 
und nach mit einer Vegetationsschich 
bedeckt hat, deren erste Anfange kl«o 
Moose undFlechten waren, da hat sic 
nach und nach aus den Ueberresten der 
Pflanzen die sich immer wieder auf J 
verwesten Resten der ersten arml1 ^ 
Vegetation angesiedelt und wieder W 
wesend ihre Ueberreste mit dem . * 
wittertcm Gesteine geinischt W 
eine dicke schwarze Hum 
bildet, die nun die Vor^ru^ ^ 
ebenen Stellen deckt. Diese U* ^ 
schicht gleicht im Ansehen g* 12 



' '/,/,/., 



?. ///r/Jrf,'/'/"* 



fohwarzen Torferde unserer Torfmoore, 
sic ist aber zugleich mit don anorga- 
:i-c!ira Thoilcn des Felsens, auf dcm 
sie lagert, gemischt und darum weitans 
fmchtbarer, weil durch die Bein isthung 

; : IfllltlUS thcilwoiSO i : 



r-i'-hr-ii Vegetation hokloidct, nament- 
lich da, wo die Felsen jene terrassenfor- 
mig iiber einander gestellten Vorspriinge 
Mlden , denn hier liefert der Bergschweiss 
den Pflanzen auch stets die ihnen noth- 
wendige Feuchtigkcit. Hier wachsen, 
tlioil.-a Pinzolne Steine und Felsblbcke 
MkHMi, fcheils die Felsplatten selbst 
'r/:irlun(l. viole der niedlichon Alpen- 
;iian/i'n. so in der subalpinen Region 
die Silene acaulis in diehten Polstf 
'ii' 1 prachtige Aqnilegia alpina, Veronica 
aptylla und bellidifolia , Arbutus Uva 
"rsi, Empetrum nigrum, Dianthus sil- 
vestris, Vaceinium Vitis Idaea, ferner 
"i der alpinen Region ausser vielen der 
vorgehenden: Alsine verna, Androsace 
(I ao «n( \ ter alpinus, melirere 
^s, Lloydia serotina, Cherleria se- 
do, des, Erigeron alpinus, Globularia 
MrdifoHaund nudicaulis, Drvas oerope- 
J*», Hieracium alpinum, villosum u. a., 
aborts alpestris, Salix retusa, herba- 
! ea ' retic «lata und serpvllifolia, S;ixi- 
wpmuscoidea, bryoides,* Sibbaldia pro- 
" ,1,f ' 11 ?, Vaceinium uliginosum u. a. 
^ In die subnivale und nivale Region 
oides, Silene 
^ au l»s, Cherleria sedoides, Azalea pro- 



:>, da, wo sieh 
mus iiber den Felsen ange- 
taber sehr stark untermischt 
itterten felsigen Unterlage, 
die schonen Alpenrosen 
i ferrugineum und liirsu- 



241 

turn) an, zuweilen ganze Abhange be- 
deckend, oder auch mehr vereinzelt auf 
mit Humus bedeckten Felsplatten wach- 
send, wo sie sich mit den Wurzeln 
noch in den Spalten des Gesteines ein- 
klemmen. Sie sind eigentlich in der 
subalpinen Region zu Hause, steigen 
aber in die montane herab und bis zu 
den obersten Granzen der alpinen Re- 
gion hinauf. Zwischen ihnen siedeln 
sich Graser, Homogync alpina, Lyco- 
p odium alpinum, Priineln , Gentiana 
acaulis, verna, punctata, purpurea und 
lutea, sowie manche andere Formen der 
verwandten Localitaten an. Ueberhaupt 
findet inuner ein allmiihliger Uebergang 
statt, und viele Pflanzen der cinen Lo- 
cality gehenaufdie andere iiber, wie die 
Flora der mit Humus bedeckten Felsen 
auf die Weiden und die nackten Felsen, 
dirt. 



Auch diese bekleiden sich in den 
Alpen uberall da, wo der Fels nicht 
ganz senkrecht, noch an seiner Ober- 
flacbe ganz glatt und ungeborsten 
sich erhebt, mit einer reichen Vegeta- 
tion, indem sich die Pflanzen in den 
Rissen und Spalten ansiedeln und hier 
durch das herablaufcnde Wasser, wel- 
ches von Nahrstoffen erfullt, oder durch 
cingeschwemmte Humustheile in Vcr- 
bindung mit der stets verwitternden fel- 
sigen Unterlage erniihrt werden. So be- 
kleiden in der montanea Region die Fels- 
spalten: Veronica saxatilis und fruticu- 
losa, Silene rupestris, Sedum atratum, 
Campanula pusilla , Saxifraga Aizoon, 
mu'ata und aizoides, Sempervivum tee- 
torum, Asplenium Trichc 



t'p:r :,u-i 



nale, Adiantum nigrum, und 



mehr beschatteten i'euchteren Stellen 
die anderen Farren des Gebir- 



21> 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



ges. In der subalpinen und alpinen Re- 
gion, da treten Primula Auricula, Glo- 
bularia cordifolia, Sempervivum monta- 
num und arachnoideum , Sedum atratum, 
Aster alpinus, Artemisia Mutellina, Sa- 
xifraga oppositifolia, muscoidea, Daphne 
Cneorum, Alchemilla alpina, Allium 
grandiflorum, Alsine verna, Androsace 
Chamaejasme, Astrantia minor, Biscu- 
tella laevigata, Bupleurum ranunculoi- 
des und caricifolium , Campanula linifo- 
lia, Dianthus silvestris, Draba aizoides, 
Erinus alpinus, Petrocallis pyrenaica, die 
schbnen rothen Alpenprimeln , als Pri- 
mula viscosa und latifolia , Rhamnus al- 
pinus, die bei der letzten Localitat ge- 
nannten Salices und Saxifraga Cotyledon 
hinzu, und bis zur subnivalen Region 
steigen auf: Artemisia Mutellina und 
glacialis , Cherleria sedoides, viele kleine 
Graser und Carices, Salix herbacea und 
serpyllifolia, Aretia helvetica, Draba to- 
mentosa und frigida, Phyteuma hemis- 
phaericum, humile und globulariaefolium, 
Saxifraga Vandellii und Burseriana, Eri- 
trichium nanum u, a. m. 

Da, wo das Gestein noch mehr zer- 
kliiftet und zerbrbckelt ist und schon hier 
und da in Gerbll ubergeht, da siedeln 
sich z. B. tiefer unten Achillea atrata 
und moschata, Arabis alpina, bellidifo- 
lia undcaerulea, Calamintha alpina, Sa- 
xifraga exarata , Viola calcarata u. a. m. 
wahrend hoch oben bis zur subnivalen 
Region hinaufgehen: Senecio carniolicus 
und uniflorus, Crepis hyoseridifolia, Sa- 
xifraga caesia und biflora, Gnaphalium 
Leontopodium, Aretia glacialis, einzelne 
Pedicularis, Achillea nana, Cerastium 
latifolium, Chrysanthemum alpinum etc. 

f) Mauern. 
In den Gebirgsthalern werden kings 
der Wege, die uber Wiesen undAecker 
fuhren, sei es, daas sie dem Thai ent- 



lang oder hinauf zu den einzeln liegen- 
den Hiitten und Heuschobern fiihren, 
gemeiniglich aus den von den Bergen 
herabkommenden Steintriimmern kleine 
Mauern aufgefiihrt, damit das zur Alp 
gehende Vieh keinen Schaden anrich- 
ten kann. Auf diesen Mauern siedelt 
sich manoher Bewohner der Berge an, 
so z. B. Sedum dasyphyllum. und an- 
nuum; Sempervivum montanum, tec- 
torum und arachnoideum, Gnaphalium 
dioicum, und namentlich, wenn die Mau- 
ern zugleich Bbschungen begranzen und 
darum vom Bergschweiss immer feucht 
sind, auch all die bcsseren Farrenkrau- 
ter, wie Pteris crispa, Asplenium sep- 
tentrionale, Polypodium alpestre, Sela- 
ginella helvetica , Aspidium Hallcri etc. 
Da diese Farren im Garten im freien 
Lande gemeiniglich nur sehr schlecht 
zu gedeihen pflegen, so erhalten wir 
dadurch zugleich den besten Fingerzeig, 
welche Localitaten fur diese Pflanzen 
die geeignetesten sind. 

g) Riesen. *) 

Die Riesen sind eine dem Gebirge 

eigenthumliche Formation. Wo uber 

steilen, in eincm Winkel von 45° he- 



Herleilung des Wortes, welche sich xnnacW 

Wort Rise mit dem altdeutschen risan, n»- 
telhochdeutsch risen zusammenzuhangen , ** 
ches ..fallen" bedeutet, sich indessen •» 
Sprache der letzten Jahrhunderte verloren 
r: _. »:_» _.==_„ «i.„ ninOri wo man w m 



Originalabhandlungen. 



2i:i 



genden Abhangen hohe Felswande an 
steigen, von denen Steintrummer herab- 
kommen und in Verbindung mit gan: 
verwittprtem Gestein diese Abhange mi 
einem losen Gerolle iiberfuhren, da bil- 
den sich diese Riesen, die wegen der 
haufig herabkommenden Steinmasse: 
den Bergwanderer gefahrlicher sind, als 
steile Schncefelder und feste Felsen- 
maasen. Ueberall da, wo dieses Geroll 
durch herablaufendes Wasser befeuchtet 
wird, und durch dieses zugleich Triira- 
mersand und .Erdtlieile zwischen das- 
selbe eingefuhrt wird, iiberall da win 
dieses Gerolle fester, es befindet sich 
nicht mehr in steter Bewegung, und es 
kann sich in Folge dessen Vegetation 
•nsetzen. Die Pflanzen, welche diese 
Locahtaten bewohnen, besitzen meist 
dunne niederliegende Stengel, die theils 
vom Geroll bedeckt grosse Rasenbilden. 
Charakteristisch fiir diese Standorte in der 
subalpinen und alpinen Region ist die 
liebliche Linaria alpina mit ihren blau 
und ? elb niiancirten Blumen, Thlaspi 
rotundifolram, mit hellrothen Blumen, 
Arabis alpina, Lepidium alpinum, wel- 
ches den ganzen Sommer hindurch die 
frefesen Bliithentrauben entwickelt, Moh- 
rin gia polygonoides , welches nur eine 
<wch hoheren Standort erzeugte Form 
d «M. muscosa ist, Calamintha alpina 



h) Sand der Bache. 

Meist den Alpthalern nach, deren 

ein reissender Giessbach durch- 

^»t, steigt der Wanderer auf ins Ge- 

^ Bei der Schneeschmelze , hefti- 



1 anaauernden Regengiii 
^ese Bache },»„«„ k, 



^rtuthen 



Bache haufig bedeutend 



der hbher oben wachsenden Alpenpflan- 
zen herab, welche sich hier ansiedeln 
und dem Pflanzenfi eund stets die ersten 
Zeichen der Vegetation sind, die er 
woiter hinauf antreffen wird. Unten im 
Thale wachst hier neben den'Weiden 
und Hippophae rhamnoides das schone 
Epilobium Dodonaei und Fleischeri, die 
Saxifraga aizoides bildet machtige gelb- 
bluhende Rasen, Petasites nivea, Gyp- 
sophila repens wachst an den hoheren 
trockneren Ufern und herabgeschwemmt 
aus hoheren Regionen begriisst uns z. B. 
schon an den Ufern des Bodensees die Saxi- 
fragaoppositifoliaundSilene acaulis, an ei- 
gentlichen Gebirgsbachen aber z. B. Phaca 
alpina, Oxytropis montana und camp estris, 
Arabis alpina und manche andere. 

i) Schneethalchen, 
Hbher oben im Gebirge, da verschwin- 
den die grosseren Bache, dagegen macht 
in der Nahe der Schneefelder das durch 
Abthauen ablaufende Wasser das Terrain 
stets gleichmassig feucht. Muldenfbr- 
mige durch Schneewasser stets getrankte 
Vertiefungen in der Nahe der Schneefel- 
der nennt man Schneethiilchen. Sowie 
der lange lagernde Schnee verschwindet, 
bedeckt wie mit Zauberschlagc neue 
Vegetation diese Localitkten. SalLx her- 
bacea, Alchemilla pentapyhlla, Gnapha- 
die lieblichen Alpenglock- 
chen (Soldanella alpina und pusilla), der 
erliche weisse Ranunculus alpestris und 
der gelbe Ranunculus montanus, die 
liebliche Primula integrifolia, die prach- 
tig blaue Gentiana bavarica, der in neu- 
ipfohlene 

Rumex nivalis, Saxifraga aizoides cro- 
mehrere Cerastien und andere ent- 
spriessen schnell dem Schoss der Erde, 



"When die Ufer und haufen nebei 
fahrt ^ aUS dem Gebir S e herunterge- oft am Rande der St 
* n Sand und Gerolle an. Mit die- Schneedecke mit ihren 
k °mmen auch Wurzeln und Samen ' bohrend. 



Gartenflora De 



244 

k) Schneewasserriesen und Gletscher- 

Eine diesen Schneethalchen vcr- 
wandte Localitiit, das sind die Schnee- 
wasserriesen, die aus ganz zerbrockel- 
ten Gesteinsmassen bestehen, die mit 
Schneewasser getriinkt werden. Ganz 
ahnliche Localitiiten bildet ferner der 
Schutt, der vom Gletschcr mit aus dem 
Gebirge herabgebracht und durcli das 
jiihrliehe Absehmelzcn vor dem Glet- 
scher abgelagert wird. Ein mit Humus- 
theilen nur wcnig versetzter Boden, stete 
Bodenfeuchtigkeit und selbst bei war- 
mem Wetter die von den benaehbarten 
Gletschern und Schneefeldern erkaltete 
Luft characterisiren diese Localitiiten. 

Hier wachst dennoch so manche 
schone Pflanze, die in ein paar Monaten 
ibren jlihrlichenLebenscyclus vollstiindig 
beendigt. So z. B. die Arnica scorpioi- 
des, Cardamine bellidifolia , Saxifraga 
androsacca undSeguieri, und dann mehr 
in der Nahe der Gletscher hbher oben 
die Arnica glacialis, Cerastium latifo- 
lium, Gentiana bavarica und imbricata, 
das schone Geum reptans, Aretia gla- 
cialis, Artemisia spicata, der schone 
Ranunculus glacialis, Papaver pyrenai- 



1) Wiesen und Weiden. 

Wir kommen nun zu den Localitii- 
ten, wo die Griiser der Masse nach die 
Vegetationsdecke bilden und zwischen 
ihnen eine Menge anderer Pflanzen auf- 
treten , deren Blumen den griinen Tep- 
pich beleben. 

Wiesen, die einer regelmiissigen Cul- 
tur unterworfen und jahrlich gedungt 
und gemiihet werden, steigen nur zur 
montanen Region auf. Hier wachsen 
nur wenige der besseren Alpenpflanzen, 
sondern cs sind meist noch die Pflanzen 
der Ebene, die hier dominiren. Als eine 



dem Gebirge schon angehbrende Pflanze 
der Wiesen, die allgemeinste Cultur 
verdient, wollen wir hier nur das Phv- 
teuma Halleri mit seinen langen schwarz- 
litlienlihren nennen. 
Die Weiden dagegen, wo das Gras 
vom Viehe abgeweidet, oder von den 
Bergbewohnorn an den fur das Vith 
uii/ii^iiiijjii-hen Stelien gemaher wird. 
ohne. dass je irgend eine Art von Diin- 
gung gegeben wird, steigen bis zur.-ub- 
nivalen Region auf und bilden im Suin- 

\ crsciiiedcii.-irii^steii Aipenpllanzen. l>»r 
Boden derselben ist gemeiniglfck ill 
mit dem Untergrund stark vermcngter 
Humus, wo bald der Humus, bald der 
rohe Untergrund mehr vorherrscbt, uhne 
dass mBezug auf Vegetation ein bcdeu- 
tender Unterschied ersichtlich wiire. 






Re,i„ 



die Weiden das buntc Gemisch foun- 
der der Cultur werthen Pflanzen, als: 
Orchideen, Homogyne alpina, Arnica 
montana, Gnaphalium dioicum, Ph>- 
teuma betonicaefolium *, Campanula lini- 
iblia, barbata • Gentiana verna • acaulb ', 
purpurea* Potentilla aurea, Ge 
tanum*, Hedysarum obscurum, 
cuius montanus , Veratrum alb 
andere , von denen die mit * be: 
ten nebcn Aconitum Napellus, 
milla alpina, Gentiana lutea bis 
alpinen Region aufsteigen. 

Die Weiden der alpinen Regi 



iv. - 



sich 






Hieracium villosmn, chrysanthemum *•- 
pinum, Achillea atrata, mu-cliara. S| - 
necio Doronicum, Rhododendron feB* 
gineum und hirsutum, 1 
Pulsatilla alpina, verna 
narcissiflora, Gentianen, A 
maejasme, Veronica alpina. IVdicuUn-- 
Arten, Myosotis alpestris, Nigrttella an- 
gustifolia, Orchis globosa, Viola cal<*" 



rata, Polygonum viviparuin , Azalea pro- 

Mehrere dieser steigen auch in die 
ilinivalo Region auf, wo ausserdem 
noch Erigeron uniflorus , Androsace ob- 
; itblia. In tea, Gentiana glacialis, Bu- 
pleurum rantmculoides, Trifolium alpi- 
num, Phaca frigida und australis, Oxy- 
tropis montana und campestris liier und 
in der alpinen Region gemeinschaftlich 
wachsen. 

m) Saure Weide. 

Es ist dies die Ietzte Localitat, die 
wir zu bctrachten haben , namlich 
fteide, wo wie in unseren Torfmooren 
Jas Wasser nicht ablauft, also cine halb- 
■umpllge Localitat, wie man sie in dei 
Hfep&Stam haufig findet. 

h dor montanen und subalpinen Re 
■m waehsen hier ausser dendominiren 
"» Cyper.-icoen und Juneaceen, Primula 
ijrinosa, Pinguicula alpina, vulgaris u. 
wie andere. 

h der alpinen Region treten Vacci- 
■"ttm uliginosum, Sedum villosum , Sa- 
x *»ga stellaris, Bartsia alpina, Gen- 
""a bavarica, Pinguicula grandiflora 
W manche andere der schon auf an- 
r " :i ^-'fiditaton genannten Pflanzen 



Wlr iul »i die ' 

'i Verbaltnisse kennen 

•abpn , unter denen die Alpen- 

-'°' l l "i der freien Natur vorkommen, 

'i ersten Blick fast un- 

'■rlialtnissen wachsenden Pflaii- 

inen Raume eincs Gar- 

* u vereinigen. Dass diese Schwie- 

■^Wchwirklirl, vurhande,,, uard 



245 

schon vielfach angedeutet; dennoeh hat 
mich langere Beobachtung der Natur 
dazu gefiihrt, den grbssten Theil der- 
selben unter Einfluss einer rationellen 
Behandlung zu beseitigen. 

Boden und Localitat kann nun im 
Garten wolil zicmlich nachgemacht wer- 
den, dagegen kann das Clima und der 
kurzc Sommer bei der Anpflanzung im 
Freien diesen Pflanzen nicht gewiihrt 
werden. Bei den ersten Versuchen ging 
ich von der Ansicht aus, dass, wenn 
man den Alpenpflanzen oinen iihnlichen 
Boden gebe, wie sie ibn in den Al- 
pen hatten, hierdurch deren Cultur am 
meisten erleichtert werden miisste. Die 
Erfahrung zeigte nun aber bald, dass 
die hoch oben in den Alpen fast auf 
reinem, oder nur wcnig vermischtem 
Humus lebenden Pflanzen in ganz ahn- 
lichen Bodenarten nicht einmal weiter 
wuchsen, oder selbst dann nach kurzer 
Vegetation wieder abstarben, wenn der 
Boden vom Fundorte fiir sie mitgebracht 

Ich beobachtete darauf diese Pflanzen 
von Neuem in der Natur und fand, dass 
Pflanzen, die bei uns im Garten nie 
freudig gedeihen wollten, langs der Ufer 
der Bache bis ins Thai herabstiegen, 
ohne dass irgend jemand dieselben ge- 
pilegt hatte. Hier wuchsen aber die glei- 
chen Pflanzen, die weiter oben auf ci- 
nem fruchtbaren Humus wachsen, im 
Geroll und dem Sand des Baches, wo 
sic nur sehr wenigNahrung empfangen. 
Ich nahm nun den Gebirgssand (eincn 
Sand, der nichts weniger als reinerQuarz- 
sand, sondern aus der Zertrummerung 
erschiedenartiger Gesteine ent- 
standen und noch mit Lehmtheilen ge- 
mischt ist), wie ihn die Sihl bei Zurich 
mit aus demGebirge bringt, und schlug 
diesen die Alpenpflanzen, die ich 
dem Gebirge mit brachte, ein, bevor 



246 

8ie an die fur sie bestimmten Platze 
versetzt wurden. Hier bildeten sie mit 
Leichtigkeit neue Wurzeln; nachdem 
sie aber in die fur sie bereitete Erde 
ins freie Land verpflanzt wurden, gin- 
gen die aus don hoheren Regionen stam- 



Diese Vorgange brachten mich zu 
dem eiafachen nahe liegenden Schlusse, 
dass eine Pflanze der hohen Alpen, 
wenn sie unseren langen und heissen 
Sommer der Ebene uberdauern soil, 
dann eine viel weniger nahrhafte Erde 
erhalten muss, damit sie langsamer 
wachse und gleichsam wahrend der 
langen Vegetationszeit unseres £ 
nicht mehr wachse, als oben in 
pen wahrend eines kurzen Sommers 
und in nahrhafter Erde. Die Richtig- 
keit dieses Schlusses bestatigten mir 
noch die Erfahrungen uber Cultur der 
Alpenpflanzen im Topfe. Es ist alien 
bekannt, die sich mit der Cultur dieser 
zierlichen Pflanzen beschaftigt haben, 
dass, wahrend sonst aUe andcren Pflan- 
zen, die wir dem freien Lande iiber- 
geben, kraftiger und besser wachsen, 
weil sie eben hier mehr Nahrung fin- 
den, die Pflanzen der hoheren Alpen 
umgekehrt im Topfe besser gedeihen 
und eher am Leben erhalten werden 
konnen. 

Nachdem ich nun einmal diesen 
Grundsatz, den Einfluss des Klimas zu 
parallelisiren, richtig erkannt hatte, be- 
gann ich, meine fruheren Erfahrungen 
berucksichtigend, von Neuem Versuche zu 
machen, und so kam ich nach und nach 
to dem folgenden Verfahren , welches 
ebensowohl der Beobachtung der Alpen- 
pflanzen an ihrem natiirlichen Stand- 
orte, als rein praktischen Versuchen 
entlehnt ist: 



a) Erdmischung. 

Im Vorhergehenden ward schon ge- 
zeigt , dass die Alpenpflanzen auf sehr 
verschiedenartigem Boden in der freien 
Natur vorkommen. Durchschnittlich wach- 
sen jedoch gerade die besseren und scho- 
nercn Arten entweder auf einem schwar- 
zen der Torf- oder Moorerde ahnlichen, 
nur mehr mit mineralischen Bestandthei- 
len versetzen Humus, oder auch wohl 
auf mehr oder weniger rohem aus der 
Verwitterung der verschiedenartigen Ge- 
steine entstandenen Boden, der zur 
Halfte oder in oft nur sehr geringem 
Verhaltniss mit Humus gemischt ist. 

Humus, den ich in der ersten Zeit 
zur Cultur der Mehrzahl diescr Pflanzf n 
anwendete, liefert nur dann einigermas- 
sen gute Resultate, wenn er natiirlicb 
schon mit anorganischen Bestandtheilen 



wie dies bei 
Ich 



vermengt ist, 

Walderden der Fall ist. 

doch in den letzten Jahren nie menr 

eine Erde ganz rein verwendet, sondern 
fur die verschiedenen Arten auch ver- 
schiedene Erdmischungen kiinstlich be- 
reitet. Zu diesem Zwecke benutzte ich 
nur folgende Erdarten. 

1) Eine Torferde, wie man diese zur 
Cultur am liebsten verwendet, namlich 
oberflachlich mit den darauf wachsenden 
Pflanzen in Ballen gestochen, und »m 
Anfassen noch milde und elastisch, aw 
eine noch nicht ganz verweste Erdf- 
Diese ward zerhackt und zerschlagen 
und ungesiebt gebraucht. 

2) Einen durchaus rohen 
ten Lehmboden, der aber doch k«n 
Bindigkeit besass. Einer cfc-^ 
Analyse ist dies 
worfen worden, er wara genua— 
er sich urn Zurich iiberall findet, 
lich ein aus der Vrrwi 
schiedenartiger Gesteine entstai 
Boden. Ersetzt kann sie ** cB 



,.: • " 



nicht unter- 



milde uncultivirte lehraige Rasenerde 



3) Der Flusssand aus der Sihl, 
'nfalls ein gemischtor Gebirgssand, der 



die kleineren dagegen nach unten und 
vorn gepflanzt. Zu Steinen wurden gross- 
tentheils Tuffsteine , theilweise aber 
auch feste Kalksteine und Granit be- 



solcher Sand fehlt, kann er durch Mi- 
schung eines reinen Sandes mit Teich- 
schlamm, oder uberhaupt durch jeden 
lehmigcn unreinen Flusssand ersetzt 

4) Kalkschutt, wie man ihn beim 
Abbrechen von Gebauden oder von al- 
ien Mauern erhalt. 

5) Eine gute Composterde, wie man 
sie aus der Zusammensetzung von al- 
lem Abgang, Laub, den Stengeln der 
?tauden und Beimischung von Diinger 
"ach eiaem Zeitraum 



mindesten 



Jahren erhalt. 

Diese Materialien miissen vorrathig 
s «n. Die Composterde kann aber audi 
torch eine gute dungkraftige Gartenerde 
"netzt werden. Fur jede einzelne Art 
*«rden sie in dem Verhaltniss gemischt, 
** dies bei der Auizahlung am Schlusse 
"gegeben ist. 

b) Locality 

AlB Localitat ward im Ziircher Bo- 
Umschen G arten der nordostliche und 
"•rtwestiiohe Abhang des Hiigels be- 
y, der den Mittelpunkt des Gartens 

«■ Hier ward eine zusammenhan- 
*•** Steinparthie in der Weise gebil- 

. dass durch senkrecht aufgestellte 

■; "''•runandergestellte kleine Ter- 

»ardP V ° n 1 ~~ 2 FuSS Breite S ebiIdet 

B, no Pn . Dicse Terrassen bildeten die 

' ■ die verschiedenen Alpenpflan- 

•% l' ^ in J edem d(? rselben unge- 

^nusch t,ef (8iehe Unten) eine kiinstlich 
& ^ Erde ein gebraeht wurde. Um 
4g ^ 1Cht dem Au ge moglichst giin- 
**k a p telIen ' wurd en die hoher wach- 
flanzen nach oben und hinten, 



Es ward schon friiher bemerkt, dass 
die Steine, mit denen solche Parthien 

rungen einen sehr geringen Einfluss auf 
die Cultur zu haben scheinen, denn das, 
was sich im Garten durch Verwitte- 
rung des Steines dem Boden beimischt, 
ist verhiiltnissmassig sehr unbedeutend 
und zeigt auf eine schon kiinstlich ge- 
mischte Erde kaum einen Einfluss. Ein 
anderes ist es in der freien Natur, wo 
die Erdschicht durch Mischung von Hu- 
mus mit dem Untergrund , oder im Laufe 
von Jahrtausenden durch Verwitterung 
der Oberflache des Felsens und Mischung 
mit dem sich darauf bildenden Humus 
entstanden ist. 

Tuffsteine eignen sich nun wegen 
ihrer hubschen Formen an und fur sich 
schon am besten zur Bildung von sol- 
chen Parthien. Andererseits saugen sie 
die Feuchtigkeit ein und leiten so iiber- 
flussige Feuchtigkeit theils ab, theils 
halten sie aber auch audrerseits die 
Feuchtigkeit bei trockenem Wetter lun- 
i, so dass sich manche Alpenpflan- 
if den Tuffsteinen sehr gerne an- 
siedeln. Kann man nun an einer sol- 
chen Parthie einzelne grossere Blbcke 
von Granit, festem blauen Kalkstein, 
Porphyr etc. dazwischen plaziren, so 
wird dies dem ganzen Arrangement der 
kleinen Felsparthie wohl thun, wie iiber- 
haupt bei dem ganzen Arrangement 
ein einigermassen gebildeter Geschmack 
genugsam Mittel hat, zugleich eine hiib- 
sche dem Auge wohlgefallige Parthie 
zu bilden. Kann laufendes Wasser be- 
werden, so lasse man dieses an 
einer Stelle zwischen den Steinen her- 



21^ 



Deutschlands und < 



ablaufen und bildo vor der Steingruppe 
ein Wasserbassin , da die Nahe von 
Wasser die Temperatur kuhlt und auch 
sonst erwiinscht ist, da zu gewissen Zei- 
ten fleissig begossen werden muss. 

Wo laufendes Wasser durch den 
Garten bereits gefiihrt ist, odor wo 
sonst schon Wasserparthieen vorhanden 
sind, da bringe man die Parthie iiir 
die Alpenpflanzen unbedingt an das 
Wasser. 

Wo koine natiirlichen Hflgel in ei- 
nem Garten vorhanden sind, da bildo 
man durch Auffuhrung von Schutt we- 
nigstens eine kleine Erhbhung, da Stein- 
parthien sich nur dann gut prasentiren, 
wenn die zur Cultur bestimmten Beet- 
chen in anmuthig gebogenen Linien 
iiber einander gestollt werden kdnnen. 
Wenn dann spater die Rasen der Saxi- 
fragen, der Seden, Sempervivcn, Gobu- 
larien, Mohringicn thoilweis die Steine 
iiberziehen, odor wenn die Wedol der 
Farren unter den Steinen hervorquillen, 
Biische von Zwergfdhren (Pinus Pumi- 
lio), Daphne Laureola, Juniperus nana 
und Alpenrosen die grbsseren Steine 
zum Theil decken, wahrend Salix r 
und reticulata grazil iiber die Steine 
herabhangen , in deren Spalten 
kleine Moose angesiedelt haben, und 
endlich die hohen Dolphinien und Aco- 
niten die Spitze des Hugels kronen, 
wahrend die kleinen von Steinen gebil- 
deten Beetchen weiter unten mit dem 
mannigfachen Kleid der Blumen 
niedlichen Alpenbewohner geschmiickt 
sind, dann verschwindet auch die Ein- 
fdrmigkeit und Nacktheit der Steinpar- 
thie und es tritt dagcgen eine dem Auge 
wohlthuende Abwechslung auf, wolohf 
an so manche Gruppirung dor Alp en 
pflanzen an ihrem natiirlichen Stand 
orte zu erinnern vcrmag. Wir werden 
bei der Aufzahlung der Alpenpflanzen 



derjenigen bosonders gedenken, die fiir 
orzugsweise ge- 
eignet sind, und zugleich alle diejenigen 
Bewohner dor Gebirge anderer Lander 
oder des Nordens Europa?s, Amerika's 
und Asions bozeichnon, die sich recht 
gut mit unsoron Alpenpflanzen zu eincr 
Parthio unter Anwendung gleicber Cul- 
tur vereinigen lasso n, um dadurch die 
Abwechslung noch zu erhbhen. 

Wer endlich die oi't allerdings be- 
deutondon Auslagen sebei i c 

kiiustlichen Hiigol zu bilden und die 
Pflanzen in eine.r zur Cultur vorbcreite- 
ten, mit leicht durchlassondem Grund 
versohenen Stoinparthio zu cultiviren, 
dor kann sie auch in Beetcn und Ear 
batten des Gartens cultiviren. l$0 
sollten jodoch etwa % Fuss iiber dem 
Boden erhabensein, damit sie von Nasse 
nicht leiden. Zum besseren Abilnss des 
Wassers, der bei der lialbschattigen Lage, 
die man diesen Pflanzen giebt, sehr 
wichtig, hebt man den Boden einen Fuss 
tief aus, bringt darauf % Fuss hoch 
in den Untergrund alte Ziogcl- oder 
I3acksteinstiicke odor Steingerolle, dar- 
uber etwas Sand, um das Durchgehcn 
hindern, 
hoch die botreffen- 



. 



fiir 



und darauf 

di" ErdiuisCiiUA.fev— 

Pflanzen mit grosser tief gehendor^r- 

zel,wiefurGonUanalut,a,Doi,»lunK". 

Veratrum u. a. m. , muss dor Boden 

noch tiofor ausgehoben und 1 V^*** 

tiefErde gegeben werden Da«8 

geniigt fiir die Mehrzahl dor kl eim 

niedrigen Alpenpilanzchen bei solch 

lai eine ■/, Fu» hohr *» 

" man dagogen bei natiirlichen 1|« ; 



aen leichten Abfiuss des 

^,.n di, k..,.Mli r-nnnu-^- 

llMli ;; p „ i:ir allf einen when, nfchi - ' 




^a^&w^t<m/ty0M^zA*>^ 






LV.il 1 f i 



en Humus- 
diesc nach 
und nach boi zfi diinaer Schicht ganz 
in don I'ntcrgruiid ( i; ^rluhrt oder gleieh- 
sam von diesem aafgefreasen werden. 
Der Gartner odor Pllanzenlrcund sichet 
ohne jedc ehcmische Analyse sehr bald, 
ob er einen Gartenbodcn hat, in dem 
der eingebrachte Diinger oder Humus 
bald ver.it hwhidet, ohnc dem Boden eine 
andere Farbe zu geben , und muss in 
solchem Boden entwoder auch bei Ilii- 
geln Unterlage von Steinen nnd Sand 
Oder Kohle geben , oder tiefere Yegeta- 
tionsscbicht auibringon. Wo endlich der 
Untergrund undurchlassend ist, muss 
audi bei Hiigelpartbioen stots dio.se I n- 
terlage angebracht und bei ebenen Par- 
thieen ausserdem durch Stollcn oder 
Drainrohren fiir geniigenden Abfluss des 
Wassers gesorgt wcrden. 

Wabrend endlich bei Hiigcln die An- 
wendung von Steinen zur Ifaltung des 



.. „; . 



nothwendig i 



e *>ene Parthieen auch ol..._ 
die Erde hervorragenden Stein ganz 
«»nfach als Beete behandelt werden, was 
freilich dem ganzen Eindruck der Par- 
h, e stets schaden wird , indem in dic- 
^ Beziehung wenigstens die Bordiiren 
au s Tuffsteinen gebildet werdcn soliten. 

Jtoer die Lage haben wir schon bc- 
merk t, dass im Zurchergarten ein nord- 
* eSthcher u nd nordbstlicber Abliang an 

me * oben mit hohen Barnnen besetz- 
/ bedeilt enderen Hiigel benutzt ward. 

a anr in wenigen Garten eine solche 

J^Jtat sich ii nd en diirfte, so wird man 

%meinon eine halbsonnige Lage 

er Bosquetparthieen oder Gebauden 



landlungen. 249 

zur Cultur dieser Pilanzen aufsuchen 
miissen. Dumpfc des Luftzuges beraubte 
Localitiiten hinter Gebauden taugen im 
Allgeineinen nur zur Cultur der Farren 
und der Waldpflanzen. Bei Parthieen 
hinter Bosqueten, da hat man die zur 
Cultur der Alpenpflanzen bestinmite Par- 
thie zuvorderst durch eine teste cinige 
Fuss tiof in die Erde gchende Mauer 
vom Bosquete zu trennen, dainit die 
Wurzeln der Buimic nieht in die gute 
fiir diese Pilanzen bestimmte aui'ge- 
brachte Erde iibergehen konnen und 
dieser die Nahrung nebmen. Durch cine 
Vorpflanzung von Juniperus und Thuja 
kann man den Uebergang vermitteln, 
und dann in den Bintergrund der Al- 
penpilanzenpaithie pontische Rhododen- 
dren und Azaleen anpilanzen. An Stel- 
len, die dem Tropl'enlall des nahen Bos- 
quet au a e tzt Bind, da pflanze man 
die als Pilanzen des W aides genannten 

c) Sammeln der Alpenpflanzen im Gc- 
birgc. 
So Mancher, der im Gebirge, reist, 
wird geneigt sein, mit eigener Hand 
einzelno der schonen Pilanzen selbst zu 
sammeln, urn dieseibcn als Andenken 
an die Reise in den Garten zu ver- 
pflanzen. Der Verfasser hat solcher Pilan- 
zen jiihrlich zu Tausendcn aus dem 
Gebirge geliolt , anfangs jedocb mi* 
schlechtem Erfolge, spater mit immer 
besserem. Zu diesem Zwecke bediente 
ich mich eines kleinen Handspatens. wie 

ter abgebildet ist, und eines starken 
breit. meissclfiirmigeii, nach vorn verbrei- 
terten und gut gestahlien Eisens, welches 
an einem starken zur Bergreise bestimm- 
ten Stocke befestigt war- Mit dem er- 
steren wurden im lockeren Erdreich die 
Pilanzen ausgehoben, letzteres dagegen 



Gartenflora Deutschlands und i 



ward besonders im steinigen Erdreich, 
oder urn die Pflanzen zwischen den Fels- 
spalten auszuklemmen, wobei der Stock oft 
als Hebel verwendet werden konnte , be- 
nutzt. Pflanzen, die auf den Alpweiden, 
oder andern Localitaten ganz umgeben 
von andern Pflanzen stehen, werden 
erst ringsum umstochen , darauf die 
Pflanze mit Erdballen ausgehoben, alle 
fremden gleichzeitig mit ausgehobenen 
Pflanzen entfernt, und nun der Ballen 
mit der Hand ein wenig zusammenge- 
driickt, dass die Erde beim Transport 
von demselben nicht abfallt. 1st der 
Ballen schlecht erhalten, oder die Wur- 
zeln stark beschadigt und die Pflanze 
haufig. so sieht man sieh lieber nach 
anderen Exemplaren um, um diese vor- 
sichtiger und besser auszuheben, da hier- 
von der gute Erfolg wesentlich abhiingt. 
Die fremden Pflanzen gleich nach dem 
Ausheben zu entfemen, ist einmal des- 
halb nothwendig, weil olt die Wurzeln 
dieser den Ballen halten, und nach Ent- 
fernung derselben man erst gewahr wird, 
dass man an der eigentlichen Pflanze 
gar keine Wurzeln hat. Andrerseits 
muss en die andern Pflanzen wegge- 
rissen werden, weil sie, mit einge- 
pflanzt, die gute Pflanze bald iiberwu- 
chern und ersticken wiirden, und man 
thut dieses daher lieber an Ort und 
Stelle , um den Ballen soviel als moglich 
zu verkleinern, da man bei diesem Sam- 
meln doch bald mehr bekommt, als ein 
Trager zu tragen vermag. Dieser Letz- 
tere muss eine Kiste auf einem Reffe 



unversehrt herauszunehmen. Alpenrosen 
werden aber nie im Garten anwachsen, 
wenn man sie nicht mit grossem gutem 
Ballen aushebt. 

Ferner ist es wichtig, sich die Exem- 

plare mit einiger Vorsicht auszuwahlen, 

die manzum Ausgraben bestimmt. Sind 

} zwischen Gras wachsende Pflanzen, 

) wablt man sich Exemplare , die in 

eniger fester Grasnarbe stehen, weil 

e sich dann besser reinigen lassen. 

Ferner sind kleine junge Pflanzen, na- 

mentlich solche, welche kurze zusammen- 

gedrangte Rasen bilden, nicht nur leichter 

auszuheben, sondern sie wachsen auch, 

ihrem heimathlichen Standort in den 

Garten versetzt , leichter fort. 

Endlich lassen sich die gleichen 
Pflanzen, je nach den verschiedenen 
Lokalitiiten, wo sie sich angesiedelt ha- 
ben, leichter oder schwerer ausheben^ 
In dieser Beziehung ftthrt geringe Beob- 
achtung bald zur Erkenntniss, wo man 
die Pflanzen nehmen soil. 

Schliesslich wollen wir jedoeh daranl 
aufmerksam machen, dass schon im Gar- 
ten erzogene Pflanzen beim Verpflanzen 
stets lieber und sicherer weiter wachs * n ^ 
als diejenigen der gleichen Art, 
man aus dem Gebirge mitbringt, "na 



die selbst bei alien jen. 



Vorsichtt- 



maassregeln 



leicht fortkom- 
Der Grund davon liegt auf der 
er ist einfach in dem U* 
zu suchen, dass die den bob* 



Avh 



,!,;... 



Pflanzen wo moglich zwischen diinne 
Schichten Moos einlegt. 

Bei Pflanzen mit grossen fleischigen 
Wurzeln , wie z. B. Gentiana lutea, pur- 
purea und punctata, ist es naturlich nicht 
moglich, Ballen mit zunehmen; da ge- 
niigt es, die Wurzeln gut und moglichst 



Bergen entnommenei 



Pflanzen i 



, sondern 



ie ue Wurzeln zu bilden haben 
sich auch an die Temperatur der Eben 
zu gewohnen haben. Man n-d* » 
dieser Beziehung nur mit mane 
wohnlichen unserer AlpenpO-^ 
Versuch. So z. B. wachst dxe Gen^ 
acaulis sehr leicht im Garten man 

sie hier beliebig vertheilen und v«™ 
ren und selbst schlecht bewurzelteStuc* 



I. Originalabl 

wachsen gut weiter. Dagegen mache 
man den Versuch , Pflanzen derselben 
ans dem Gebirge mitzubringen, und nur 
selten wird man diese zum freudigen Wei- 
tervegetiren bringen konnen ; der grosste 
Theil wird aber immer zu Grundc gehen. 

So habe ich selbst einige male einige 
schone Abarten dieser herrlichen Pflanze 
dem heimathlichen Standorte entnommen, 
mit der grossten Vorsicht ausgegraben 
und im Ziiricher Garten gepflanzt. Sie 
hielten sich 2 Jahre, jedoch ohne zu 
wachsen. Ob sie seitdem zu vegetiren 
angefangen oder vollstandig ausgegangen, 
ist mir nicht bekannt. 

Man sieht hieraus, dass es Alpen- 
pflanzen giebt, die im Laufe der Zeit 
ihre Lebensweise verandern und sich den 
Verhaltnissen der Cultur vollstandig an- 
schliessen konnen. Es kommt daher 
<krauf an, diese nur erst einmal in Cul- 
*» zum freudigen normalen Wachsthum 
m veranlassen, und die fruher wider- 
spenstige Pflanze isffiir unsere Culturen 
gewonnen. 

Aehnlich wie diese Gentiana verhal- 
tensich viele Saxifragen, Primeln, die 
Mdanellenundandere; andere dagegen 
setzen geringere Schwierigkeiten entge- 
g«n, und wieder andere haben noch nir- 
&*& so in Cultur gebracht werden kon- 
" en > dass sie als in den Garten einge- 
Uf gert betrachtet werden konnen, so 
z - B - die Aretien. 

Es ist dieses einc Erscheinung, wel- 
e ** am richtigsten durch Acclima- 
pr? bezeich nen konnen; denn jene 
^antasiegebilde, welche darnach streb- 
m ' * nch die Pflanzen warmerer Him- 
w SStnche gegen die Kalte unserer 

»w abzuharten, die durften von alien 
^hbgen Cultivateuren schon langst 
^eben sein . Es kann ^^ nur 

^fRrf1 enigen Pflanzen eine Aussicht 
" ol 6 haben, die im ruhenden Zu- 



indlungcn. 251 

stande und mit vollkommen gereiftem 
Holze iiberhaupt die Kalte unserer 
Winter ertragen konnen. Dazu aber, 
dass solche Pflanzen gemassigt warmer 
Himmelsstriche bei uns auch reifes Holz 
bilden, kann einsichtige Cultur und 
zweckmassiger Standort allerdings viel 
beitragen und nur hierin kann das so- 
genannte Acclimatisiren von Pflanzen war- 
merer Lander bestehen. 

d) Anzucht aus Samen. 
Die Anzucht aus Samen ist das lang 
samere, aber sicherere Mittel, die Al 
penpflanzen in unsern Garten einzubiii 
gem, weil die jungen Pflanzche 
gemass der Erfahrung, leichter — — 
Temperaturverhaltnisse der Ebene ge- 
wohnen, als dies alte hoch oben in den 
Bergen erwachsene Pflanzen thun. 
Die Aussaat dieser Pflanzen darf je- 
in das freie Land gemacht 









W u man die erste Vegetation, 
gleichmassige Feuchtigkeit und zweck- 
massigen Standort viel weniger unter 
dem Auge hat. Man wahle daher To- 
pfe oder Napfe, fiille diese mit derjeni- 
gen Erdmischung, die wir fiir die Cultur 
der einzelnen Pflanzen empfehlen wer- 
den, und decke die - Samen mit einer 
sebr sandigen Erde, nach Verhaltniss 
ihrer Grosse, also die Mehrzahl Va— 1 
Linie hoch. Fiir die ganz kleinen Sa- 
men der Gentianen, Rhododendren und 
anderer wahle man das gleiche Verfah- 
ren wie bei der Aussaat der Calceolarien 
und anderer. Man decke namlich diese 
Samen gar nicht, oder nur ganz diinn 
durch etwas ubergestreueten feinen Sand, 
lege eine Glasscheibe iiber den Topf 
und befeuchte diesen mittelst Untersatz 
von unten. Sowie die Samen zu keimen 
beginnen, wird die Scheibe mittelst eines 
untergelegten Holzchens immer mehr und 
mehr geluftet und dann ganz i 



men. Auch die Aussaat auf cine iiber- 
gebrachte Schnceschicht, welche beim 
Aufthauen dio Samen zugleich einquellr, 
hat schr gute Erfolge. Noch vortheil- 
hafter ist es, den Samen der hochalpinen 
' Pilanzen , wie gewohnlich, mitten im 
Winter, auszusiien , die Topfe an cinen 
frostfreien Ort zu stellcn and bchnee 
daruber zu bringen utid, so oft dieser 
weggethaut, die Schneeschicht zu er- 
neuern. Dieses Verfahren befolgtc ich 
im Ziirchcr Garten. 

Die Aussaat mache man im Fcbruar 
oder Miirz, entweder im kalten Mist- 
beete, oder im schattigen Fenster eines 
ungeheizten Zimmers, oder noch besser 
im frostfreien kalten Gewiichshausc, z. B. 
unterm Fenster auf der Nordseite eines 
niedrigen Doppeihauses. Wie alle Aus- 
s;;aten miisscn auch diese bis zum Auf- 
gelien gleiehmassig feucht gehalten wer- 
den, dann aber werden sie vorsichtig 
befeuchtct und erhalten so viel frische 
Luft and Licht, als es die Jahreszeit 
erlaubt. Auch die Aussaat im Spatherbst 
an einem schattigen vor Regen ge- 
schiitzten Orte oder im kaltem Beete und 
Ueberwiuterung im frostfreien Beete ge- 
lingt schr gut. 

Die jungen Pilanzen diirfen jedoch 
nicht nadi dem Aufgchen gleich ins freie 
Land gesetzt werden. Will man sicher 

mal in grossere Samennapfe und pflanze 
sie dann erst spater mit gutem Ballen 
auf die fiir sie bestimmten Bcetchen im 
freien Lande. Gleich aus dem Samen- 



topfe und nur lialb 
pflanzt, wild man st 
wieder verlieren. 


ets viele derselben 


e) Das Anspflanzen i 
Begies 


i's freie Land und 


Es ist leider Thatsache, dass man 
hen! zu Ta:re selien junge Gartner be- 



kommt, die diese Arbeit ordentlich vcr- 
stehen. Ueber der Cultur der Gewachs- 
hauspflanzen wird die der Freilandpflan- 
zen giinzlich vernachlassiget , and wenn 
man diese Arbeit nicht selbst besorgen 
will, so muss man sich er*t einen Ar- 
beiter dazu einiiben, 

Man soil namlich beim Pilanzen zu- 
gleicb die Natur der Pflanze gehiirig 
studiren. Die einen legen ihre Stengel 
nach alien Seiten iiber den Boden bin, 
bei den andern sind die niederliegenden 
Stengel theilweisc noch mit Erde bedeckt, 
oder "wurzeln wieder in der Erde, noch 
andere endlich haben gerade emporstei- 
gende Stengel etc. 

Wcrden nun, wie dieses leider ge- 
wohnlich geschieht, die Pflanzen einiach 
in den Boden hineingestcckt, gleichviel, 
wie hoch oder tief, gleichviel, ob die 
Wurzeln zusammengepresst oder ausge- 
breitet sind, oder ob die Wurzeln, wenn 
das Pflanzloch nicht tief genug ist, um- 
gebogen wieder nach oben liegen und 
vielleicht gar mit den Spitzen wieder 
oben heraussehen, oder ob die ei- 
gentlich niederliegenden nach alien -ei- 
ten ausgebreiteten Stengel auch beim 
Pilanzen wieder gelegt werden, wie sie 
wucbsen oder in einen Bundel zusam- 
mengezwangt aufrecht und zu tief em- 
gepflanzt werden: da werden eb en 
nur die harten gemeinern Arten wac. 
sen, die guten werden aber wieder zu- 

oder fruhern Standortc stand; man ntf 

che das Pflanzloch so gross, 

Wurzeln nach alien Seiten i 

Richtung ausbreiten 

die Erde vorsichtig eiiM 

das Ganze gehiirig feu, 

Stengel nieder, gebemanina 

,i,, l;il ., ltim? , waren sie theds nut b 



: 



konnen, » 

und driicke d 

Lagcn 



I. Origi 

gedeckt, so ahme man dies dureh Zwi- 
schenfiillen von Erde nach, oder wenn 
die Stengel theilweise sehon unterir- 
disch nach alien Seiten abgingen, so 
ahme man dies ebenfalls nach. Das 
Festpflanzen lieben besonders die nieder- 
liegenden Rasen bildenden Pflanzchen 
so sehr, dass ich oft vorm Angiessen 
dieselben noch mit clem Fusse festtrat. — 
Nachdem nun auf diese Weise sorgfiiltig 
I , vvird angegossen. 
In Betreff des Begiessens sollte man 
nach (lorn , was iiber den natiirlichen 
Standort der Alpenpflanzen gesagt ward, 
glauben, dass die Mehrzahl derselben 
bei steter Bodenfeuchtigkeit , ja selbst 
auf fast sumpfigem Standorte am besten 
fortkommen sollte. Hierbei ist aber noch 
ein anderes Moment zu beriicksichtigen. 
was einen bedeutenden Unterschied bei 
der Cotaa im Garten bedingt. In den 
Alpea beenden diese Pflanzen in einigen 
Monaten ihre Vegetationsperiode, dann 
mhen sie bis zum nachsten Sommer 
inter einer hohen Schneedecke. In Cnl- 
tar vegetiren sie dagegen schon wahrend 
unserer Friihlingsmonate freudig und 
«oUten dann von Juli an schon ruhen. 
< In Berucksichtigung dieser Verhalt- 
Jjwe gedeihen die Alpenpflanzen im 
^arten am besten, wenn sie im Fruhling 
* s Ende Juni oder Juli reichlich mit 
Nasser versehen werden. Von da an 
aMet aber gut eingewurzelten Pflanzen 
eJ bst l anger andauernde Trockenheit 
d a C 8 ! ld ' Sofern diese nicht so gross, 
w die pfl anzen geradezu vertrodmen, 
bei einer balbscbattigen Lage im 
?? Lande ka «m eintreten durfte. 

•J er solcher geringerer Bodenfeuchtig- 
Cl " SiG in ^nen halbenRnhe- 

**** zu treten. Nun kommt der 

*?«, und wenn im Sommer schon 

pre Bodenfeuchtigkeit alien, die 

It8 ab gebliihet und Samen getragen 



baben , zntniglich 






Fall. Lang andauernde Feuchtigkeit, in 
Verbindung mit den in solcben I'aitieen 
sich gern einnislenden lietrenwiiriiiern, 
schadet daher im Herbs te den zartertfn 
Alpenpflanzen am meisten, und aus die- 
sem Grunde darf nicht nur kein sehr 
feuchter oder gar ball) smnpligcr Stand- 
ort fiir dieselben gewiihlt werden, son- 



zartesten hocbalpinen Alpenpflanzen ins 
freie Land setzt, wiire es daher gut, 
man konnte sie im Herbste durcb Dek- 
kung mit Laden vor zu vieler Feuchtig- 
keit schutzen. 

f) Ueberwinterung im freien Lande. 
Die Kiilte im Gcbirge ist zwar be- 
deutend hoher, als bei uns in der Ebene, 
und dennoch .sind die zartcrn dieser 
Pflanzen gegen die Winterkalte sehr 
empfindlicb. Der Grund davon liegt 
nahe. Im Gebirge haben sie den Schutz 
der hohen Schneedecke, im Garten in 



im Winter oft schneefreies 
warme Tage, wo der Bod( 
Die Gebirgspflanzen beginn 



dicbte Rasen bildenden werden dann un- 
fehlbar vom Froste ausgehoben und gehen 
so zu Grunde. Wir haben schon Ein- 
gangs im allgemeinen Theilc auf diese 
Schwierigkeit, die sich der Cottar im 
freien Lande entgegenstellt , aufmerksam 



251 



Gartenflora Deutschlands i 



gemacht, und die einzige Abhulfe da- 
gegen ist cine leichte luftige Decke, 
welche weder durch Nasse zum Faulen 
bringt, noch die Luft abschliesst, und 
doch das oftmalige plbtzliche Aufthauen 
und Frier en hindert, und es bezweckt, 
dass der Frost gleichmiissig in den Bo- 
den eindringt. 

Fiir die gut eingewurzelten, Rasen 
bildenden Pflanzen, oder fur die mit 
grossen, tief gehenden, stark verastelten 
Wurzeln ist entweder gar keine Dek- 
kung nothig, oder es geniigt eine leichte 
Bedeckung mit Tanneniisten. Fur alle 
kleineren und namentlieh alle im gleicben 
Jahre gepflanztenExemplare geniigt diese 
Bedeckung aber nicht. Eine Deckung 
mit Laub erregt das Faulen. D a g e 



die 



edeckun 
lit Erde 



durch iibergelegte Tar 
ge geschiitzt ward, d 
Dienste. Da eine solche Deckung 
auch zugleich luftig genug ist, so braucht 
sie auch im Friihling nicht so bald € 
fernt zu werden. Die Soldanellen i 
wickelten unter soldi einer Deckung 
Friihling ihre Blumen, wie unter 
Schneedecke. Erst wenn keine s 
ken Nachtfroste mehr zu besorgen si 
also Anfang April, ninimt man diese 
Bedeckung weg und fiillfc zugleich uber- 
all, wo sich die Pilanzen gehoben, frisch( 
Erde nach und driickt die gelockerten 
Pflanzen wieder an, und bald darauf wird 
die Mehrzahl der Alpenpflanzen ihre 
Blumen entwickeln und zu dieser Zeit 
die schonste Partie des Gartens bilden. — 
Wahrend des Sommers wird die Partie 
vom Unkraut rein gehalten. 

g) Vermehrung und Erhaltung durch 
Theilung und Stecklinge. 
Es ist dies der letzte 



reits 2 Arten, Alpenpflanzen in die Gar- 
einzufuhren, kennen gelernt. Die 
letztere Art, die Anzucht aus Samen, 
ist auch zugleich sehr wichtig fiir die 
Vermehrung der bereits in Cultur be- 
findlichen Arten. Jedoch wendet man 
sie immer nur fiir die seltnern Arten 
an, oder man benutzt die Samen ala 
viel leichteres Versendungsmittel in die 
Feme. Die schnellste Art der Verviel- 
faltigung bleibt aber die durch Theilung 
und Stecklinge , die bei vielen Alpen- 
pflanzen ausserdem noch eine ganz be- 
stimmte Bedeutung hat. 

Die naturlichste und beste Zeit zur 
Fortpflanzung durch Theilung ist der 
Friihling, unmittelbar nach der Bluthe, 
und der Spiitherbst. Im Friihling Ende 
April und Anfang Mai, da nimmt man 
die Theilung aller der im Garten bereits 
ganz eingeburgerten Arten vor, welche 
niederliegende Stengel besitzen, die sich 
von selbst bewurzeln und gemeiniglich 
in dichtem Rasen wachsen, oder jener 
klein bleibenden Pflanzchen, die aus 
dem unterirdischcn Stengel sich verasteln 
und bewurzeln, oder aus den Wurzeln 
und kriechenden Stengeln Auslaufer bil- 
den , so dass man gut bewurzelte junge 
Pflanzen beim Theilen abnehmen kann. 
Hierzugehorenz.B. alle die im Gtfen 
bereits frohlich gedeihenden Achillea. 
Alchemilla, Anemone, Arabis, Armen*. 
Aster, Aubrietia, Campanula, CherlerA 
Draba, Epimedium, Erigeron, Ennui. 
Globularia, Gentiana acaulis, Hormmuffl. 
Paederota, Primula, Saxifraga, beduin. 
Sempervivum, Senecio, Sibbaldia W 
versia, Silene, Soldanella, W l ' 
Valeriana, Veronica, Viola, TVu^ 
Arten und die Farren. ^ ej 

Man nimmt von diesen die zu 
,-.,.__ t, i„_„ ,^rsirhtiff aus, sc aw ' 



Originalabhandlungen. 



•i.Ki 



telt die Erde soweit ab, urn zu sehen, 
wo die Theilung vorgenommen werden 
moss, und theilt sie dann je nach den 
Pflanzen entweder mittelst des Stech- 
eisens, desMessers oder einfach mittelst 
Zerreissens so oft, als man gut bewur- 
zeite Exemplare bekommen kann. Zuvor 
achon mussen die neuen Beete zurecht 
gemacht werden, und in diese werden 
sie sofort nach dem Theilen eingepflanzt, 
gut eingeschlemmt und bei trockenem 
Wetter bis zum vollkommenen Anwachsen 
taglich. Abends begossen. 

So frUhzeitig schon muss die Thei- 
lung dieser Pflanzen vorgenommen wer- 
den, weil sie, erst im Herbst getheilt, 
sich immer Winters nicht mehr bewur- 
zeln und dann dem Ausfrieren sehr un- 
terworfen sind. Die Theilung im ersten 
Mhling ist einmal aus dem gleichen 
Grande nicht anzurathen, und dannwiirde 
man sich auch den Flor vernichten. Mit 
guter Eindeckung von Moos und Tannen- 
zweigen habe ich jedoch auch im Spat- 
herbst mit dem besten Erfolge solche 
vorgenommen. 

Bei vielen, namentlich den zarteren 
Alpenpflanzen dieser Art, ist dieses 
Theilen und Verpflanzen jedoch nicht 
Woe zu ihrer Vervielialtigung , sondern 
auch behufs ihrer sicheren Erhaltung und 
krafUgeren Gedeihens nothwendig, so 
'• B. sollte Silene acaulis, Veronica al- 
m und aphylla, Viola calcarata, Cher- 
leria sedoides u. a. alle 2 Jahre einmal 
versetzt und zugleich getheilt werden, 
*enn man nicht Gefahr laufen will, sol- 
ch e ganz zu verlieren. Dieselben Widen 
j^ch in der Cultur nach und nach zu 
T* ge Ste «gel, die unten absterben und 
« b «a sich nicht kraftig genug bewurzeln. 
J? to Theilung werden sie nun zu 
tigerer Wurzelbildung an den jiinge- 
^ Theilen veranlasst uud auf diese 

*** am Leben und in kraftiger Vege- 



tation erhalten. Bei anderen, wie z. B. 
bei Globularia, Valeriana und iiberhaupt 
alien, die anfangen durftiger zu stehen, 
ist diese Theilung zur Kriiftigung und 
Zufuhrung guter Erde nothwendig. 

Im Spatherbst werden im freien Lande 
im Allgemeinen nur diejenigen Arten 
mit starkem tief gehendem Wurzelballen 
getheilt, die deshalb dem Ausfrieren 
nicht ausgesetzt sind, so z. B. die Aco- 
nitum, Adenostyles, Anthericum, Astran- 
tia (mit Ausnahme von A. minor), Den- 
taria. Mulgedium, Orobus, Polemonium, 
Diclytra, Delphinium, Pulmonaria, Ra- 
nunculus, Thalictrum- Arten u. a. 

Bei einzelnen der erst im Sommer 
oder im Herbste bliihenden Pflanzen 
nahm ich die Theilung am liebsten zu 
der Zeit vor, wenn sie die ersten Triebe 
iiber der Erde zeigten, so z. B. bei Gen- 
tiana asclepiadea, und unter den mit 
den Alpenpflanzen gleiche Cultur thei- 
lenden, z. B. bei den Liatris-Arten. 

Fur alle jene zarteren Alpenpflanzen, 
die im Garten noch nicht ordentlich kraf- 
tig wachsen, oder deren niederliegende 
Stengel selten mit gufen Wurzeln abge- 
nommen werden kbnnen, wendete ich 
die Theilung oder das Stecken der Triebe 
im Spatherbste an. Zu diesem Zwecke 
wurden Ende October alle diejenigen 
Pflanzen, die zur Vermehrung bestimmt 
waren, aus dem Lande genommen, dann 
soviel als mbglich auseinander gerissen, 
oder auch unbewurzelte Triebe abge- 
schnitten. Die mit Wurzeln oder nur 
mit Wurzelansatzen versehenen Abneh- 
mer wurden nun einzeln in kleine Topf- 
chen gepflanzt, in eine etwas sandigere 
Erde als die, welche fur sie im Lande 
angewendet wird. Die unbewurzelten 
Triebe dagegen wurden in flache Napfe 
gesteckt. 

Diese Pflanzchen und Stecklinge iiber- 
wintert man i 



:>.v; 



irtenflora Deuls( 



Laden mmi 



selbst wochenlang Ideibei 
dass man die Dccken 1 
den Kiisten iiinimf. Wiih 
ters bewurzeln sic sieh ebenso leicht und 
sicber, als die zur gleichen Zeit gemach- 
ten und ahnlich behandelten Stecklingc 
dor strauchigcn Calceolarien, der Pensees 
und anderer iibnlicher Pflanzen. Im 
Friibling worden sie dann wieder ins 
freie Land gepflanzt. Auf diese Weis 
pilegte ich z. B. den schonen Diantlm 
alpinus massenhaft zu vermebren, ferner 
die andoren Dianthus, die zarteren 
meria- Art en . die hosscni Farren . 
tusa Matthioli, welehe iiberhaupt 
unter guter luftiger Decknng aushalt, 
die Dodecatheon-Artcn, die feinern Dra- 
bae, Petrocallis, Pbaca, Phyteuma, Po- 
tentilla nevadensis, die zartern Primeln, 
die Pulsatillen, Salix, die zarlesten Sa- 
xifragen j und iiberhaupt wurden um diese 
Zeit alio nocb nicht ordentlieh einge- 
wurzelten, nur in einem oder wenigen 
scbwacben Exemplaren vorhandenen Ar- 
ten aus dem Lande gencmmen, wo mog- 
lich vennehrt und auf gleiche Weise 



3r Alpci: 
Topfe. 



ids und der Schweiz. 

Jahreszeiten andere Standorte aimei.-rn. 
den notbwendigen Grad der Feuch- 
tigkeit leicliter regeln kann u. s. f. 

Man wiihle zur Topfcultur ungefahr 
die gleicbe Erde wie fiirs freie Land, 
jcdoch kann man sie etwas mehr niit 
Humus versetzen, bringe unten in die 
Tupfe etwas Scherben und Sand zur 
Befrrderung des Abzuges und nehme die 
Topfe nicht zu gross. Letzteres ist 
wichtig, indem in grossen Topfen der 
einc der Vortheile der Topfcultur, nam- 
lich Zufuhrung nicht zu reichlicher Nali- 
rung verloren gehen wiirde. Im Friih- 
ling, zur Zeit der Bliithe, weise man 
ilinen einen halbsonnigen Standort auf 
einem Sandbeete an. Sie wcrden jetzt 
roicblich bewJisscrt bis gegen die Soni- 
merreife. Von da werden sie trockner 
gelialten und durch Deckung von luftig 
iibergelegten Laden oder Fenstern vor 
anhaltendcn Regengiissen, sowie auch 
durch Laden vor der Einwirkung der 
Sommersonne bewahrt, wahrcnd man 
nocb vor der Beschattung der Pflanzen 
nur die Erde ringsum iiberspritzt, um 
durch die Verdampfung des Wassers 
eine moglichst kuble Temperatur zu un- 
terhalten. Wer fiber einen geraumi- 



Ilai 






Wem es darauf ankommt, iiberhaupt 
eine moglichst vollstandige Sammlung 
dieser Pflanzen sowohl Europa's, als 
ahnlicber Climate anderer Welttheile zu 
cultiviren, derwirdsich dazu entschlies- 
sen miissen, eine Zahl der feinern im 
Topfe und nur die Doubletten derselben 
im Lande zu kultiviren. 

Die Cultur der Mehrzahl der hoch- 
alpinen kleinsten und oft zierlichsten Al- 
penpllanzen im Topfe ist jedenfalls si- 
cherer, als die im freien Lande, weil 
man hier dieselben vielmehr unter dem 
Auge hat, itmen zu den verschiedenen 



alpin 



i'tia; 



- 
lZ en im Juli 



1 die hoeh- 









diesen bringen, und 
Yerhaltnisse am besten nachahmen kun- 
nen. Im September stellt man sie in 
ein ganz scbattig gelegenes, kaltesFen- 
sterbeet, am besten auf einer Untorlajre 
von Brettern auf, damit die Wurmer. 
welche die gefahrlichsten Feinde dersel- 
ben sind, nicht in die Topfe koinni'""- 
Sie werden nun wieder etwas mehr. ah" 
miissig begossen. Sobald die erstni ' 

leicht iiberfrieren, deckt dann ( 
Fenstern und Laden und bringt i 



i das Beet 



das ganze Beet noch Lohe oder Laub, 
oben auf und rings um. So lasst man 
die Pflanzen zugedeekt bis zum Miirz, 
dann wird die Deckung entfernt und die 
Fenster bei Wetter uber dem Gefrier- 
punkt stark geluftet, und nur bei Frost- 
wetter geschlossen gehalten. Das Ver- 
setzen nimrat man bei dieser Cultur am 
besten imMai, oder im Fruhling gleich 
nach dem Aufdecken vor. Die speciellen 
Nachweise uber die Cultur einzelner und 
derjenigen Arten, die sich besonders 
zur Topfcultur eignen, oder nur in T6- 
pfen cultivirt werden kbnnen , folgen im 
nachsten und letzten Abschnitt. 



6) Verzeichniss 
henden Alpenpfl; 



deihe 



: !..<:- 



. d i < 



■ Cultur ge- 
a Landern, 
aebstBemerkungen uber speci- 
elleCultur, AngabederErde etc. 

Orchideen sind bei diesem Verzeich- 
niss nicht beriicksichtigt, da sie schon 
im Januarheft besprochen burden. — 

Um nicht bei jeder einzelnen Pilanzc 
^ ganze Erdmischung anzugeben, schi- 
ck en wir die folgenden Erdmischungen 
"»ter Nummern voraus. In Bezug auf 
d »e Qualitat der einzelnen zur Mischung 
^pfohlenenErden beziehen wir uns aui 
burner 4, a, Gesagte. 

Erde N. 1. i Theil Torferde, 1 Theil 
Leh *, »/ a Theil Flusssand. 

Erde N. 2. 2 Theil Torferde, 1 Theil 
leh *, 1 Theil Flusssand. 

Erde N. 3. 1 Theil Torferde, 2 Theil 
Le Hl Theil Flusssand. 

Erde N. 4. 1 Theil Torferde, 1 Theil 
U K 2 Theil Flusssand. 
Lew/' 5 ' 1Theil Torferde, 2 Theil 
^ 2 Theil Flusssand. 

Lehm i N ' 6 ' ' Theil Torfe * de > 2 Theil 
IX, 18 Flusssa nd, 2Th. Compost. 



Fur N. 6 kann auch eine gute lockere, 
nicht zu stark und namentlich nicht 
frisch gediingte Gartenerde genommen 
werden. Wir werden nun bei den ein- 
zelnen Pflanzen nur einfach die Nummern 
der betreffenden Mischungen nennen. Bei 
Pflanzen, die Kalk lieben, setzt man 
durchschnittlich noch % Theil Kalk- 
schutt zu. Wir werden dies einfach 
durch den hinzugesetzten Buchstaben 
K bezeichnen. — Diejenigen, wo 
nichts bemerkt ist, gedeihen leicht und 
sicher im freien Lande. Die mit t 
bezeichneten sind meistens hochalpine 
Pflanzen, die cesser im Topf als im 
Land gedeihen. Ueber Anderes werden 
besondere Bemerkungen hinzugefiigt. 
Da, wo keine Angabe des Fundortes sich 
findet, sind die betreffenden Pflanzen 
Bewohner der Gebirge Deutschlands und 
der Schweiz. 
Achillea atrata L. 1 mit k. 

— Clavennae L. 1. t. 

— Clusiana Tausch 1. 

— macrophylla L. 1. liebt Schatten, 
kommt als hbhere Pflanze in den 
Hintergrund. 

— moschata Wulfen 3. t. Zu Par- 
fiimerien wird das Kraut viel be- 



, L. 1. Unter den ange- 
fiihrten Arten die schonste. Liebt 
eine mehr sonnige Lage. 

•as anthropophora R. Br. 1. 

litum. Gehbren zu den in jedem 
Gartenboden leicht gedeihenden 
Pflanzen. Als Hinterpflanzung 
der Alpenparthie an die Gebusch- 
parthie, oder zur Unter brechung in 
kleine Gruppen vereinigt, zu em- 
pfehlen. Werden grossentheils 
3_6 Fuss hock 
Anthora L. nur 2 Fuss hoch. 
Liebt die Erdmischung N. 1. 



■ • Si" • 



Gartenflorj 

Sieb. Aus China 
und nur 1 Fus hoch. Erdmischung 
N. I. Das zarteste dieser Gattung. 

— eminens Koch. 

— Lycoctonum L. nebst Abarten. 

— Napellus L. nebst Abarten. 

— ochotense Rchb. Sibirien. 

— orientale Mill. Caucasus. 

— paniculatum Lam. 

— pyrenaicum L. Pyrenaen. 

— Stoerkianum Reichb. 

— variegatum L. 

— volubile Pall. Sibirien. 

denophora. Diese niedliche Gat- 
tung, von der Tracht einer zarten 
Campanula, ist in den Bergen 
Ungarns, des siidlichen Russlands j 



chen ruhig liegen. Aehnlich wer- 
den behandelt , obgleich sie einige 
Jahre aushalten: 
Aelhionema coridifolium L. 3. vom 

— gracile D. C. 3. 
Alchemilla alpina L. 6. Liebt son- 

nigen Standort und uberzieht da 
mit ihrem silbergliinzendcn Laube 
die Steine polsterformig. 

— pentaphylla L. 2. Feuchter Stand- 

— pubescens 6. Wie alpina. 
Allium grandiflorum Lam. 2. Gute 

Unterlage, wo moglich von Kalk- 
gerolle u. mehrsonnigcr Standort. 



und in Sibirien zu Hause. In 


— Victoriale L. 6. Von den Aelp- 


Bezug auf die Vermehrung ist 


lern zu allerhand medifmNcli''! 


man bei derselben fastausschliess- 


Gebrauche verwendet. 


lich auf die aus Samen angewie- 


Die anderon Laucharten gedeihen in 


sen. Alle in Erde N. 2. Cultur 


den verschiedensten Bodenarten, ver- 


im freien Lande bei den Alpen- 


dienen aber kaum die Cultur. 


pflanzen. Werden 1—2 Fuss hoch. 


Alsine aretioides M. et K. 3. Wohl 


Als Arten nennen wir: 


nur im Topf mit Erfolg zu cultivi- 


denophora coronata D. C. fil. 


ren. Von den hochsten Alpen Tyrol*. 


— coronopifolia Fisch. 


— austriaca M. K. 1. 


— Gmelini Fisch. 


_ laricifolia Wahbrg. 1. 


— - Lamarckii Fisch. 


— recurva Wahbrg. 1. 


— latifolia Fisch. 


— rostrata Koch. 1. 


— liliifolia Ledeb. 


— verna Bartl. 1. 


— stylos a Fisch. 


Die Alsinen miissen ebenfalls vor- 


— verticillata Fisch. 


zugsweise aus Samen angezogen werden. 


denostyles albifrons Cass. 2. Liebt 


Sie lieben cine Vermischung des Bodens 
mit kleinem Steingerolle und einen menr 


wie das folgende tiefen Boden, 


Feuchtigkeit und Schatten. 2 Fuss 


sonnigen Standort. 


hoch. 


Alyssum edentulum W. et K. 3. 


— alpina Cass. 2. 


— gemonense L. 3. 


— hybrida D. C. 2. 


— saxatile L. 3. 


— leucophylla D. C. 1. t. 


Alle auf durchaus sonnigem Standi 


ethionema saxatile R. Br. 3. Kleine 


Zu Bordiiren schon. 


niedliche einjahrige Pfianze, die 


Alnus viridis D. C 6. Diese nieJ r 


einen recht sonnigen Standort 


bleibendc Erie der B 


und nicht zu lockern Boden liebt. 


schiin zur Verbindung von lx- 


Saet sich selbst aus und bleibt 


quetparthien mit Alpenparthien- 



— Chamaejasme L. 1. k, 

— lactea L. 1. k. t. 

— villosa L. 1. t. 
Gehbren zu den zierliehsten Alpen- 

pflanzen, die jedoch im Topfe viel bes- 
ser als im Lande gedeihen. Im Lande 
mischo man zwischen die Erde 
Steingerolle und bringe iiber Steingerolle 
nur 3 Zoll hoch Erde. 

Andromeda polifolia L. 2. Feuchter 

oder fast sumpfiger Standort. 

Wird am geeignetsten mit den Art 

Amerika's in besondern Beeten cultivii 

Anemone apennina L. 2. 

— baldensis L. 1. t. 

— coronaria L. 2. Sudeuropa. 

— Hudsoniana Rich. 1. Nordamcrika. 
~ multiiida Poir. 1. Nordamcrika. 

— narcissiflora L. 1. Liebt sonnigen 
Standort. Eine der schbnsten. 

— *nemorosa L. 1. 

— Paronia Lom. 1. Sudfrankreich. 

— *pensylvanica L. 1. Nordamerika. 

— *ranunculoides L. 1. 

— stellata Lam. 1. Sudeuropa. 



*sylv, 



L. 1. 



bonders j 



- trifolia L. 1. 

- *virginiana L. 2. Nordamerika. 

- vitifolia Buch. 1. Nepal. 

D 'e bekreuzten lieben Schatten und 
or >nen auch zwischen liehtes niedriges 
r!!v 8 l h ge P flanzt werden. Fur den 
in Alpenpflanzcnparrhirj: i<t 
a empiehlen: 
^"emone japonica Fort. 2. 
— fi. hybrida. 
A nthericum Liliago L.6. 

- Liliastrum L. 6. 

"'/ iii( &ia. DieseGattung bildet den 
i auek der Alpenpflanzen- 
, " irt1 ' 1 ' ! • Man pilanzt sie in Erdmi- 
SchttI >g K 1, und die harteren wie A. 
^gari 3 in N . 6 Bd der Anpflan . 
a S achte man aber sorgfaitig darauf, 



bringen. Denn da die beste und 
leichteste Anzucht derselben die aus 
Samen ist, den sie reichlich tragen, 
und sie sich leicht unter einander be- 
fruchten , so erhiilt man aus , neben 
einander stehenden eine Menge von 
Bastarden, die weniger scbon als die 
Typen sind 
iquilegia alpina L. 

atropurpurea W. Sibirien. 

canadensis L. Nordamerica. 

elata Ledeb. Sibirien. 

formosa Fisch. Kamschatka. 

glandulosa Fisch. Kamschatka. 

jucunda Fisch. Altai. 

leptoceras Fisch. Mey. Sibirien. 

pyrenaica D. C. Pyrenaen. 

sibiriea Lam. Sibirien. 

Skinneri Hook. Guatemala. 

vulgaris L. 
Arabis alpina L. 1. Gedeihet nebst 

crispata auch an sehr schat- 

tigen Stellen und bildet wie diese 

dichte Polster. 

— bellidifolia L. 1. 

— caucasica W. 1. oder 6. Zu Bordii- 
ren sehr schbn und dauerhaft, 
ebenso zum Decken son titeincn. 

— caerulea Wulf. 1. 

— crispata W. 1. 
irctostaphylos (Arbutus) alpina 

Spreng. 2. t. Wollte mir im Lande 
noch nie recht cingreifen. Verlangt 
eine nur 3 Zoll hohe Erdschicht 
auf holier steiniger Untcrlage. 

— officinalis W. et Grab. (Arbutus 
Uva ursi L.) 1. Geht im frcien 
Lande sehr gut und macht sich 
sehr schun iiber grosseren Steinen 
angepflanzt, die seine niederlie- 
genden abwarts steigenden Stengel 
dann theilweise decken. Laub im- 
mergrun. 

r e n a r i a biflora L. 3. Wie die fol- 



Gartenflora Deulschlands und ( 



Scliw., 



genden kleines Pflanzchen mit nie 
derliegenden Stengeln und weisse 
Blumen. 

— ciliata L. 1. 

— grandiflora All. 1. 

Aretia helvetica Gaud. 3. t. Kalk- 
schutt und Kalktrummer zwischen 
die Erde zu mischen. 

— glacialis Hoppe. 3. t. 

— Vitaliana L. 3. t. 

Die Aretien gehoren zu den schwie- 
rigsten Pflanzen in Cultur. Als eigen- 
thumliche Formen der hochsten Alpen 
mit moosartigem Laube und kleinen 
niedlichen Blumen haben sie viel Inter- 
esse und erinnern an die Besteigung der 
hochsten Alpen. Aus den Alpen in 
Cultur gebracht leben sie einige Jahre, 
gehen dann aber zuruck. Dic^ einzige 
Art, auf die sie sicher bei uns zu 
erhalten waren, besteht in Topfcultur, 
wo sie in eine reichlich mit Felstriimmer 
vermischte Erde geptlanzt werden, im 
ersten Friihling einen sonnigen Standort 
erhalten und nach der Samenreife in 
den Eiskeller zwischen Eisschollen ge- 
bracht werden. 
Armeria alliacea W. 3. Siideuropa, 
Sonniger Standort. 

— alpina W. 3. 

— denticulata Boiss. 3. Dalmatien. 

— humilis LK. 3. Portugal. 

— plantaginea W. 3. Siideuropa. 

— — 0. leucocephala Boiss. 3. 

— vulgaris W. 3. 

Die Arten dieser Gattung lieben einen 
durchaus sonnigen Standort, werden aus 
Samen und dutch Theilung im Herbste 
mittelst Ueberwinterung im Topfe durch- 
wintert. Die aus den Gebirgen Sudeu- 

freien Lande bleibend , den Winter sorg- 
faltig eingedeckt werden. Schwer ist die 
Ueberwinterung im Topfe. 
Arnica montana L.2. Sonniger Stand- 



i ort und alle 2 Jahre Nachzucht 

Aronicum Clusii Koch. 3. 

— scorpioides Koch. 3. 
Als Pflanzen, die Schneewasserwiesen 

und Gletscherwiille bewohnen, mische 
man der Erde noch Steintriimmer unter, 
gebe aber auf steiniger Unterlage eine 
Erdschicht von mindestens % Fuss und 
viel Feuchtigkeit zur Vegetationszeit. 
Artemisia glacialis L. 5 mit K. 

— Mutellina Vill. 5 mit K. 

— spicataWulf. 3 mit K. 
Die silbergliinzenden Blatter dieser 

Pflanzen sind sehr zierlich, verlangen 
nur 3—4 Zoll hohe Erdschicht auf gater 
Steinunterlage. Nicht zu schattiger 
Standort. 
Arum Arisarum L. 2. ' Siideuropa. 

— Dracunculus L. 2. Siideuropa. 

— italicum Mill. 2. Siideuropa. 

— maculatum L. 2. 

— orientale M. B. 2. Caucasus. 

— triphvllum L. Nordamerika. 
Lieben 'alle recht tiefen Boden, fcuch- 

ten Standort und viel Schatten. Wegen 
der eigenthiimlichen Blumenbildung und 
der Warmeentwickelung zur Zeit er 
Bluthe interessant. Deckung im Winter 
mit Laub. 
As arum canadense L. 2. Nordamerika. 

— europaeum L. 2. 

— grandiflorum L. 2. Nordamerika. 
Pflanzen mit kriechendem W«* 

stock, die lockere Erde lieben und in 
Laubwaldungen leben. Eine gute U^ 
erde kann fiir sie und die Arum * 
angegebene Erdmischung ersetzen. 
AsclepiasDouglasiiHook.2.Fel,en- 

gebirge in Nordamerika. 

— tuberosa L. 2. Nordamerika. 
Mindestens i-lV, Fuss tiefer Bo- 

guter Wasserabzug und balbso 
tandortbringtdieseherrUcben?---' 
hohen Pflanzen zu iippigs^ ** 



ger Standort 
Fnsa " 



Originalabhandlungen. 



261 



irickelung. Vermehrung aua Wurzel- 
Etiicken, die im Herbst in Tbpfe gelegt 

Aspcrula odorata L. und taurina L. 
Beide fur Schattenparthien oder 
zwischen Gebusch. Erde N. 6. 

Asphodelus lutens L. 6. Sudeuropa. 

- tauricus M. B. 6. Siidrussland. 
Tiefcr Boden und ein Standort mehr 

im Hintergrund, wo sie mit ihren 3 Fuss 
hohen Stengeln und leuchtend gelben 
Bliithenahren scbon hervorschimmern. 
Vermehrung durch Samen. 

Aster alpinus. L. 1. Sonniger Standort. 

Astragalus exscapus L. 1. mit K. 

- monspessulanus. L. 1. mit K. 
Vermehrung durch Samen. 

Astrantia earniolica Jacq. 6. 
caucasica W. 0. Caucasus. 
*Epipactis L. 6. 

' helleborifolia Salsb. 6. Caucasus, 
major L. 6. Caucasus. 
* minor L. 1. 
, Werden mit Ausnahme der beiden 
">it * versehenen bis 3 Fuss hoch. 
Atragene alpina L. 1. Unter Fels- 
blbcken angepflanzt rankt sie an die- 
sen hervor. Vermehrung durch Samen. 
Aubrietia Columnae Ten. 1. Italie- 
msche Alpen. 
*"" aeltoidea L. 1. Gebirge Italiens 
«nd Griechenlands. 

- erubescens Griesb. 2. Ungarn. 
■* gracilis Spr. 2. Griechenland. 

Pfl behr ni edliche, leicht gedeihende 
" flan ^n. Die beiden ersten sind als 
dIntl S8UnSen Um Stein P arthien ausseror- 
* * al ca procumbens L. 2. t. 

Ifee der Pflanzen, deren Cultur im 
J,! 11 Lande mir noch nicht gelingen 
J P Vklleicht dass aus Samen er- 
J -jf R - Exe niplare sich besser an das 
'-nltur ^ EbenC ansohliessen werden. 
{•'Hen den Aretien, 



tsia alpina. L. 2. Dauernd gelang 

mir die Cultur dieser Pflanze noch 

nicht im Lande. Wahrscheinlich 

Schmarotzerpflanze. 

Bellidiastrum Michelii Cass. 3. 

tonic a Alopecuros L. 6. Wird 2 

Fuss hoch. 
scut el la laevigata L. 1. 
Niedliche Pflanze, welche nach alien 
Seiten Ausliiufer macht und zur Beklei- 
dung halbsonniger und sonniger Stein- 
partbien sich gut eignet, indem sie unter 
dem Boden hinkriecht und allenthalben 
zwischen den Steinspalten hervorbricht. 
tula fruticosa Pall. 6. 
nana L. 6. Wie Alnus viridis zu 
verwenden. 
ya alpina Sternb. 1. t. 
leurum caricifolium W. Sudeuropa. 

graminifolium Vahl. 1. 
• ranunculoides L. 1. 
. stellatum L. 1. 
Caltha palustris L. 2. Nebst seinen 
schonen gefullten Abarten auf 
fenchtem, wo moglich sumpfigem 
Standorte. 
ampanula barbata L. 1. Vermehrung 
nur aus Samen. 

— cenisia L. 5. t. 
_ *carpathica L. 3. 
_ exeisa Schl. 5. t. 
__ garganica Ten. 1. 

_ Portenschlagiana R. S. L 
_ *pulla L. I, 

_ *pusilla Hanke. 1 oder 3. oder 6. 
rait Abarten. 

— rhomboidea L. I. 
__ * r otundifolia L. 3. 

_ thyrsoidea L. 1. Vermehrung aus 
Samen. . 

Die mit * bezeichneten Arten sind 
besondersreichlichbliihendundzurBe- 
kleidung halbsonniger Steinparthien wo 
si. in kleineren Spalten zwischen Tuff- 
steine gepflanzt werden, besonders schon. 



Doch hat man sich bei Campanula pu- 

silla in Acht zu nehmen , dass sie trotz 

ihrer Schonheit nicht zu sehr urn sich 

greift, indess sie sonst in Alpenpflanzen- 

parthien zu einem eigentliclien Unkraut 

wird, das mit seinen diinncn Stolonen 

allenthalben hinkriecht und schwer wie- 

der auszurotten ist. 

Cardamine asarifolia L. 1. Sehatten. 

Car ex. Wir fiihren die Cyperngriiser 

und Graser hier nicht auf, weil eben 

nur die schbnbliihenden oder decora- 

tiven Arten aufgefiihrt werden sollen. 

Unter den Grasern befinden sich nur 

wenige eigentlich hiibsche, wie z. B. 

Avena versicolor, Agrostis alpina, und 

diese werden im Garten viel wenigcr 

hiibsch, als in den Alpen, weshalb 

wir sie nicht evwahnten. Dagegen 

finden sich unter den Cypcrngriis rn 

einige, die Solche, die gem alles ei- 

nigcrmassen hiibsche dieser Art im 

Garten vereinigen wollen, wohl culti- 

viren diirften, so einige hiibsche Erio- 

phorum, Juncus und mehrere Carices, 

die theils durch ibre schwarzen Frucht- 

ahren, theils durch die festen Polster, 

die sie zwischen Steinspalten bilden, 

sich auszeichnen. 

Car ex aterrima Hoppe 2. 

— atrata L. 2. 

— baldensis Vill. 1. 

— capillaris L. 1. 

— ferruginea Schk. 2. 

— firma Host 1. 

— ornithopoda W. 1. 



Sehr ausgezeichnet durch die bre 
ten Blatter. 

— Pseudocyperus L. Sehon an de 
Rand von Wasserparthien. 

Jerastium alpinum L. 3. 

— Biebersteinii D. C. 1. Krim. 

— Fischerianum Ser. 3. Kamtschatk; 

— frigidum M. B. 3. Caucasus. 



— latifolium L. 5. t. 

— strictum L. 3. 

— tomentosum D. C. 1. Sudeur 
Die Cerastien bilden sammtlich c 

Polster und lieben eineii mehr son 
Standort. 

taurea montana L. 6. 

— Var. fl. albo. 



Phrygia L. 3. 
hoch. 



Fuss 



Kd I 



yparj ^ ^ 

Diese beiden schonen cypies-ruarfi- 
gen Coniferen sind im Januarheft gomig- 
sam besprochen. Zur Hinterpflauzung in 
Verbindung mit niedrigen Finns und Ju- 
niperus ebenso schbn, wie zur einzelnen 
Zwischenpflanzung in grosseren Alpen- 

Chrysanthemum alpinum L. 3. t. 

— Halleri Sut. 1. Wird 2 Fuss hoch. 
C ir ca e a alpina L. 2. Schattiger Standort. 

— lutetiana L. J. Zwischen Gebiisch 
im Schatten. 

Cineraria aurantiaca Hoppe. 1. 

— alpestvis Hoppe. 1. 

— campestris Retz. 1. 

— longifolia Jacq. 1. 

Werden ungefiihr 2 Fuss hoch, kom- 
men mehr in den Mittelgrund und lieben 
einen mehr sonnigen Standort. 
Cortusa Matthioli L. 



Lande 



Pflanze zwar 



gut, 

gute Deckung. 



Zur Anpflan- 

zung zwischen Gebiisch. 
CorydalislongifloraPers.2. S.birien- 

_ nobilis Pers. 2. Sibirien. 
Crepis alpestris Tausch. I. 
_ aurea Rchb. 1. • 

_ blattarioides Vill. 3. 
— grandiflora Tausch. 3. 



riginalabhandluBgen. 



263 



Crepis hyoseridifolia Rchb. 6. mitUnter- 
mischung von Kalkschutt und Un- 
terlage unter 3 Zoll hohe Erd- 
schicht von Kalkgerblle. 

— Jacquini Tausch. 1. 
Crucian ell a stylosa Trin. 3. Persien. 

Schon zur Bekleidung von Stein- 
blb'cken in halbsonniger oder son- 
Cyclamen europaeum L. 2. 

— hederaefolium Ait. 2. 

— persicum L. 2. 
Bekannt alle 3 als Topfpflanzen. Im 

Lande in halbsonniger Lage bei 4 Zoll 
hoher Erdsckicht auf Steinunterlage und 
guter Deckung im Winter gedeihen sie 
jedoch ebenfalls sehr gut. Vermehrung 
■torch Samen. 
Daphne alpina L. 2. 

— Cneorum L. 2. t. 

— *Laureola L. J. 

— *Mezereum L. 1. 

— striata Tratt. 2. t. 
Die beiden bekreuzten konnen als 

schiine niedrige Straucher einzeln in die 
Parthie gepflanzt werden. Beide lieben 
Schatten. Die 3 andern wollten mir im 
freien Lande noch nicht gedeihen. Sind 
an anderen Orten mit die sen lieblichen 
nwrlich duftenden Pflanzen violleicht 
b «8ere Resultate erzielt worden? Als 
T ^pfpflanzen sind sie sehr schon. 
D elphiniu W * datum L. 0. 
~ cheilanthum Fiseh. 6. Sibirien. 

— grandiflorum L. 6. Sibirien. 
-"■ *hybridum Steph. 6. Caucasus. 
*~ *speciosum M. B. 6. Caucasus. 

— Wstc Fisch. 3. Sibirien. 
Die * bekreuzten werden sohr hoeh 

J™ rtgnen sich audi zwischen Ge- 
b ^gru ppen . Die sehonen neuen Ab- 
J l J* n von D. azureum gedeihen eben- 
"'" h "i ErdmUehuu* Ni\ 1 mit den Al- 
p(,n Pflan 2 en sehr gut und werden im 



• | Herbst mittelst Theilens und Ueberwin- 
■ terung im Beete vermehrt. 
. Dentaria bulbifera L. 1. 

i — digitata Lam. 2. 

! — enneaphylla L. 2. 

j — pinnata Lam. 2. 
. | — polyphylla W. ct K. 2. 

i Alle in tiefem Schatten , auch zwi- 

j schen Beeten von Rhododendron. 

| Dianthus alpinus L. 1. 

I — atrorubens All. 1. muss von Zeit zu 
Zeit durch Aussaat erneuert werden. 

— arenarius L. 1 mit starker Beiroi- 
schung von Sand. 

— *attenuatus Sm. 3. Frankreich. 

— *caesius Sm. 3. 

— campestris M. B. 3. Krim. 

— capiiatus D. C. 3. Caucasus. 

— cruentus Griesb. 1. Alle 2—3 Jahre 
dnrch Aussaat zu erneuern. 

— *deltoides L. 3. 

— fragrans M. B. 3. Caucasus. 

— glacialis Hanke. 5. t. 

— neglectus Loisl. 1. 
_ sylvestris Wulf. 1. 

Diese Nelken lieben alle einen vor- 
zugsweise sonnigen Standort. Die mit 
* versehenen bilden auch schone Ein- 
fassungen und bedecken die Steine mit 
dichten , zur Zeit der Bluthe mit Blumen 
iibersaeten Polstern. Zwischen gut mit 
Erde ausgestopften Spalten amAbhange ei- 
nesHiigels besonders schon. Den prachti- 
gen Dianthus alpinus und cruentus bespra- 
chen wir ?chon bei fruhcrer Gelegenheit. 
Diclytra lormosa D. C. 1. Nord- 
amerika. 

_ spectabilis D. C. 2. Sibirien. 

Diese jetzt ziemlich verbreitete Pracht- 
pflanze liebt einen recht tiefen Boden. 
Digitalis ferruginea L. 6. 

— lanata Ehrb. 6. 

— lutea L. 6. 

— micrantha Roth. 6. 
__ nervosa Steud. 1. Caucasus. 



261 



Gartenflora Deutschlands trod der Schweiz. 



Digitalis nevadensis Boiss. 1. 

— ochroleuca Jacq. 6. 

— purpurea L. 1. 

— — Var. fl. albo. 

— tomentosa Lk. 1. Spanien. 

Die schonen Digitalis- Arte n wachsen 
sammtlich in der montanen Region an 
Bergabhangen zwischen lichtem Gebiisch 
Oder an Felsen. Als gemeiniglich nur 
2- oder 3jahrig miissen sie (lurch Aus- 
saat alle 2 Jahre erneuert werden. In 
die Alpenparthie einzeln zwisclien ge- 
pflanzt, saen sie sich gemeiniglich auch 
selbst aus, da "sie jenen Standort und 
Boden sehr lieben. Sie gcdeihen in 
halbsonniger und ganz sonniger Lagc. 
Dodeeatheon Meadia L. mit seinen 
schonen Abarten. 2. Nordamerika. 
Gedeiht auf fur Alpenpflanzen vor- 
gerichteten, aber mehr ebenen Bee- 
ten vortrefflich, wahrend es im 
gewbhnlichen Gartenboden nicht 
gut fortkbmmt. Vermehrung im 
Herbst durch Theilung und frost- 
freie Ueberwinterung. 
Doronicum austriacum W. 1. 

— caucasicum M. B. 1. Caucasus. 

— macrophyllum Fisch. 1. Caucasus. 

— Pardalianches L. 1. 

Werden 2—3 Fuss hoch und lieben 
tiefen Boden. 
Draba *aizoides L. 1. k. 

— *Aizoon Wahbrg. 1. k. 

— alpina L. 3. Schweden. 

— aurea Vahl. Gronland. 1. 1st zwei- 
jahrig. 

— confusa Ehrh. 1. 

— contorta Ehrh. 1. Zweijahrig. 

— *cuspidata M. B. Krim. k. 

— frigida Saut. -3. 

— * Johannis Host. 3. 

— *muricella Wahlbrg. 1. Schweden. 

— olympica Sibth. 1. Griechenland. 

— rupestris R. Br. 1. 

Eignen sich meist unmittelbar zwi- 



schen Steinspalten gut, und viele aie- 
deln sich in einer Alpenpflanzenparthie 
da spater selbst an. Die bekreuzten 
sind etwas zarter auch zur Topfkultur 
geeignet und vorzugsweise auf die Ver- 
mehrung durch Samen oder Theilung im 
Herbst mit frostfreier Ueberwinterung 
angewiesen. Im Lande lieben sie alle 
3—4 Zoll ho her Erdschicht und Inter- 
lage von Steingerolle. — Alles kleine 
niedrige Pllanzchen. 
Dracocephalum altaicense Laxra. J 
Sibirien. 
-— argunense Fisch. 1. Sibirien. 



— botryoides Stev. 1. Caucasus. 

— peregrinum L. 1. Sibirien. 

— Ruyschianum L. 1. 

Alles schbne niedrige rasenbildende 
Pflanzen von leichter Cultur. 
Drummondia mitelloides D. C. 1. 
Nordamerika. 
Dryas octopetala L. 3. Sehr schon. 
Liebt Untermischung von Stein- 
gerolle und bildet dichte die Steine 
uberziehende Polster. 
E c h i u m petraeum Tratt. 1. Dalmatien. 
Niedliches zierliches Pflanzchen mit 
himmelblauenBlumen, wo moglich zwi- 
schen Steine zu pflanzen. Vermehrung 
durch Stecklinge. 
Empetrum nigrum L. I. t 
Epilobium Dodonaei Fleisch. 3. 

— Fleischeri Hochst. 3. 
Vermehrung durch Samen. Die zahl- 

reichen andern Arten werden zum Ln- 
kraut in Alpenparthieen. 
Epimedium alpinum L. 3. 

— diphyllum Lodd. I. Japan. 

— macranthum Lindl. 1- Japan. 

— pinnatum Fisch. 1. Persien. 

— violaceum Morr. 1. Japan. 
Gehbren zu den harten niedrigen 

Pflanzen der Alpenparthie, gleich schon 
durch Laub wie Blumen. 



4? 



5 



Erigeron alpinus L. 1. 

— angulosus Gaud. 1. 

— caucasicus Stev. 1. Caucasus. 

— glabellus Nutt. 3. Nordamerika. 

— uniflorus L. 1 . 

— Villarsii Bell. 1. 

Eritrichum nanum Schrad. 5. nur 
im Topf wie Aretia. 

Er odium. Es fehlt uns fiber die 
schonen in der Gartenflora fruher 
erwahnten Erodien die Erfahrung, 
ob sie im freien Lande aushalten. 

Erythronium Dens canis L. 1. 

Fritillaria Meleagris L. 1. 

— montana Hoppe. 1. 

— parviilora Mart. 1. Caucasus. 

— pyrenaica L. 3. Pyrenaen. 

— ruthenica Wickstr. 3. Caucasus. 
~ tulipaefolia M. B. 1. Caucasus. 

— verticillata W. 1. Sibirien. 

f unkia albo-marginata Hook. 1. 



iiel.. 



• Sieboldtiana Lodd. 
■ lancifolia Sprgl. 1. 



Alle aus Japan und der Cultur der 

^penpflanzen sich anschliessend. Wo 

^serparthieen damit verbunden, eiz- 

-^hFunkiaovataSpr.undsubco, 

«* Spr. aus dem gleichen Lande an 

<"n Rand derselben, verlangen aber nur 

e ^n gewohnlichen Gartenboden. 

a anthus nivalis L. Wie Leucojum. 

an u m helveticum Weig. 3. Sonnig. 

- /otundifolium L. 1. I n tiefem 

Sehatten. 

s L. 1. 

Pall. 1. Sibirien. 
alpina Vill. i. t . 
t asclepiadea L. 1. 



L. 3. 



i Thorn. 



* glacialis Vill. 2. t. 

* * hybrida D. C. I. 



Jen ti an a * imbricata Froel. 3. 

— f * lutea L. ]. 

— * macrophylla Pall. 1. 

— * nivalis L. 2. t. 

— f * pannonica Scop. 1. 

— f Pneumonanthe L. 2. 

— * pumila L. 3. t. 

— f * punctata L. 1. 



Die herrlichen Gentianen gehbren zu 
den schonsten Alpenpflanzen. Die * be- 
zeichneten verlangen einen l ! / 2 Fuss 
tiefen Boden auf Steinunterlage. Die 
mit f bezeichneten kbnnen nur durch 
Samen vermehrt werden. 
Geranium aconitifolium L'Herit. 

— Endressi Gay. 

— Phaeum L. 

— sanguineum L. sonnig. 

Alle in gewbbnlicher Gartenerde mehr 
im Hintergrund. 
Geum coccineum Sibth. Sm. 3. Grie- 
chenland. 
■ — pyrenaicum Ram. 3. Pyrenaen. 
Glossocomia clematidea Fisch. 1. 

— lurida Fisch. 1. 

Beide in Mittelasien. Tiefe Erd- 
schicht. 

Glob ul aria cordifolia L. 2. k. BUdet 
didite die Steine iiberziehende Pol- 

— nudicaulis L. 2. k. 

— vulgaris L. 2. 
Gnaphalium carpathicum L. 1. 

— dioicum L. 5. sonniger Standort. 

— arenarium L. 4. sonniger Standort. 

— Leontopodium L. 3. t. 

— supinum L. 2. k. feuchter Stand- 

G^psophila repens L. 5. Sonnig. 
Hedysarum capitatum Desf. I. Ein- 



lartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



uchera. Alle aus Nordamerika in 
Nr. 2. Nicht bcsondcrs schon. 
Schattig. 

eraciura alpinum L. 1. 

- andryaloides L. 3. Sonnig. 
L. l. 



— pilosum Sehleich. 1. 

— villosum L. 1. Sonnig. 
Helleborus. Alle fur Schattenpar- 

thien und zwischcn Gebiisch in 

gewbhnlicher Gartenerde. Hart. 
Hcpatica triloba Chaix. Siehe bei 

den Pflanzen des Waldes und ver- 

gleicbe Abbildung. 
Horminum pyrenaicum L. 3. Pyre- 



— decussatum Boiss. 1. 

— Coris L. 1. starke Untermischung 
von Kalkscbutt und Unterlage von 
Kalkgerblle. 

Iberis sempervirens L. 6. Italien. 
Sonnig. Aueh zu Bordiiren. 

— saxatilis L. 3. k. Sonnig und Un- 
terlage son Kalkgerblle. 

J uncus. Alle 2 und Sumpfbodcn. 

Iris. Alle 3. Scion an Wasserpar- 
thieen und auch zur Zwischen- 
pflanzung. Bekannt sind die vielen 
schonen Gartenformen. 

Juniper us taurica Pall. 3. Krim. 

— Sabina L. 3. 

Als schbne kleine Straucher zur Zwi- 
scbenpllanzung vor grbssere Felsstticke 
und s. f. Juniperus virginiana und com- 
munis kbnnen zur Mnterpflanzung dicnen. 

Siedelt sich gem auf den Tuffsteinen 



an. Nur zollhohe Erdschicht uber Tuf- 
steingerblle. 
Lepidium alpinum L. 3. t. 

3 Zoll hohe Erdschicht untermischt 
mit Kalkscbutt und Kalkgerblle auf Un- 
terlage von Letzteren. Bliibet den gan- 
zcn Sommer hindurch und siiet -ich tclbst 
wieder aus. Die Pflanzen halten nur 
3—4 Jahre. 

Zur Zwischcnpflanzung zwischen odor 
vor Strauchgruppen in gcwiihnlichem 
Gartenboden. Gedeihet jedoch audi auf 
ganz sonnigem Standorte. 
Liatris scariosa W. 2. 

— squarrosa W. 2. 

— spicata W. 2. 

Diese schonen Pflanzen aus den 
Prairien Nordamerika's theilen mit don 
Alpenpflanzen die Cultur. Vermehrung 
aus Samen odor mittelst Zerschneidens 
der Knoll en im crsten Fruhling. Eine 
Lauberde ersctzt die angegebene 
Erde. 
Ligularia f macrophylla D. C I. 
Sibirien. 

— renifolia D. C. 1. Caucasus. 

— * sibirica Cass. 1. Sibirien. 

— * specie** Fiscb. 1. Sibirien. 
Die mit * vcrsehenen werden meh- 

ere Fuss hoch, verlangen einen tiefen 
3oden und gedeihen noch besser, vena 

.nan der bezeichneten Erdmischung noch 

fette Lauberde beimischt. 
Lilium. 

Die zahlreichen Lilien alter Art koi 

nen sehr wohl mit einer Alp«»I^»* 

vereinigt werden, wenn PW 

ebene Beete mit V/% Fn- 

Boden von Nr. 1, mit Bcimischu"=' v ■■ 

Heide- und Lauberde fiir $«* »** , 

stimmt und ebcnfalla i» - 

Steinunterlage bringt. Si 

niachen Arten gedeihen aa 

sehr gut, nur miisscn sie 1% 



mit Erde bedeckt werden. Auch die 
rielen anderen Lilien lieben ohne Aus- 
nahme ein verhaltnissmassig tiefes Pflan- 
zen. Die Nordamerikanischen Helonias, 
Zigadenus und selbst die Veratrum kon- 
nen sehr wohl mit solchen Parthieen 
vereinigt werden und bilden einen an- 
genehmen Contrast mit den Alpen- 

Linaria alpina L. 1. mit k. 1st im 
Garten cinjahrig, wiiet sich aber 
immcr selbst wieder ana. Wacl.st 
zwarauch ohne Kalkuntcrmiscluuig; 
mittelst Untermischung von Kalk- 
sehutt bringt man sic aber nicht 
nur zu freudigerem Wachsthum. 
sondern selbst zu lebhafterer Far- 
bung der Bliithe. Halbsonniger 
Standort. Eine der niedlichen Al- 
penpflanzen, die, wenn man sie 
einmal erst besitzt, sich iiberall 
von selbst ansiedelt. 

- CymbalariaL. Zur Bekleidung stei- 
lerer Felsenparthieen oder selbst 
von Mauern geeignet. 

^ macropoda Boiss. et Rent. 1 mit k. 

— onganifolia D. C. 1. k. 
beide Pflanzen der Gebirge 

sich ahnlich wic Linaria 



267 

Lloydia serotina Rchb. 2. 
I Lobelia syphilitica L. 1 . Nordamerika. 
j Luzula lutea Desv. 1. 
! — nivea Dosf. 1. 
I — spadicea D. C. 2. 

Wenn gleich binsenartige Pflanzen, 
\ so verdienen diese docli in jeder Alpen- 
pflanzenparthie Cultur wegen der zier- 
lichen hubsch gefarbten Bluthenrispen. 
j Lychnis alpina L. I. t. 
I . — coronaria Desr. 1. 
j — flos Jovis Desr. 1. 

Letztere bcide alle 2 — 3 Jahre 



Spaniens 

al Pina verhalten. L. origanifolia siedelt 
^ gem auf den TulTsteinen an. 
L, nnaea borealis L. 2. t. 
; Li ebt Schatten und wollte mir im 
fr ^n Lande noch nicht gedeihen. 



perenne L. 1. 
te nuifolium L. 5. 
nen nur aus Samen vermehrt 

Sonniger Standort. 

of »a spectabilis Lehm. 3. Hi- 



K :, 



iircb 



Fiseh. I. Sibirien. 



chi, 



[ifi.i 



nicht C 0nes bimmelblaues Vergisf 
lit'h T V/i FUSS h ° ch Wird ' 



— thyrsiflora L. 2. Feuchter Boden 
oder Sunipf. 

Melittis Melissophyllum L. 1. 
Me urn athamanticum L. 3. 
_ Mutellina L. 3. 
Mohringia muscosa L. 1. 

— /S. polygonoides. 1. 

Bildct saftig griine Polster, die na- 
mentlich an schattigem feuchtem Stand- 
ort iippig unter und zwiscben den Stei- 
nen hervorquellen. 
Mo r in a longifolia Wall. 6. Himalaya. 

— persica L. 1. Persien. 

Werden 1—2 Fuss hoch, scnim in 
Blume und Blatt. Tiefer Boden. 
Mulgedium alpinum Cass. 1. 

— Plumieri Cand. 1. Sudeuropa. 

Bis 3 Fuss hoch. Lieben Schatten. 
Myosotis sylvatica Ehrh. 1. 

— §. alpestri; 1. 

— y. lac tea I. 

Die niedlichen Alpenvorgi^smcinnichi 
diirfen in keiner Sammlung fehlen. Die 
blauen Blumen erhalten zwar nn Gar- 
ten Die den reincn Schmelz des licliten 
Blaues wie in den Alpen, aber doch 
sin'd sie noch sehr schbn. 1st 2jahrig 



2fi- 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



und saet sich von selbst aus. In Pe- 
tersburg cultivirt man diese Pfianze viel 
im Topf und schmiiekt im Marz die Kalt- 
hauser damit aus. — Im freien Lande 
siedelt sie sich nicht bios in den Bee- 
ten, sondern auch uberall zwischen den 
Tuffsteinen an. 

Oenothera prostata R. P. Peru. 

Sehr niedlich mit herabhangenden 
zarten Stengeln. 

Omphalodes verna Ehrh. 6. 
Das Seitenstilck zu vorhergehendem, 
aber perennirend und auch schon zu 
Kanten im Garten. 

Orobus * albus L. 1. Sudeuropa. 

— alpestris W. et K. 1. Ungarn. 

— canescens L. 3. Sudeuropa. 

— ilaccidus W. K. Ungarn 3. 

— * lacteus M. B. 1. 

— * luteus L. 1. 

— niger L. 1. 

— stenophyllus Steud. 3. Sibirien. 

— tuberosus L. 3. 

— * varius Soland. 1. Italien. 

— * venetus Mill. 1. Italien. 

— vernus L. 1. 

Als erste Boten des Fruhlings durch- 
brechen die Orobus die Laubdecke der 
Gebusche. Die Cultur ist sehr leicht, 
denn sie gedeihen meist auch in ge- 
wbhnlicher Gartenerde und kbnnen theil- 
weise selbst unter den Tropfcnfall von 
Baumen gesetzt werden. Die schbnsten 
Arten sind die bekreuzten, die jedoch 
nicht zur Pflanzung zwischen Strauch- 
parthieen verwendet werden kbnnen. 
Oxytropis campestris L. 1. k. mit 
Untermischung von kleinem Ge- 
rblle und der doppelten Quantitat 
Sand. Ein halb Fuss hoch Erde 
aufUnterlage von Steingerblle und 
Sand. Vermehrung durch Samen. 
Sonniger Standort. 
Ebenso die Folgenden: 
Oxytropis cyanea M. B. 1. 



Oxytropis diffusa Ledb. 1. Sibirien. 

— foetida D. C. 1. 

— glabra D. C. 1. Sibirien. 

— montana D. C. 1. k. 

— pilosa D. C. 1. 
Paederota Ageria L. 1. 

— Bonarota L. 1. 

Pap aver alpinum L. 1. mit Untermi- 
schung von Kalkschutt und Ge- 
rblle. Viel Feuchtigkeit zur Ve- 
getationszeit. Vermehrung wie bei 
den folgenden aus Samen, der 
sich auch wohl selbst aussaet. Alle 
schbn, Vjj— P/4 Fuss hoch. 

— croceum Ledeb. 1. Sibirien. 

— pilosum Sibth. Sm. 1. Gebirge 
Griechenlands. 

— pyrenaicum W. Wie P. alpinum. 

— rupifragum Boiss. 1. 
Parnassia palustris L. 2. Geht aus 

unseren Siimpfen bis in die hohen 
Alpen hinauf. Sumpfiger oder 
nasser Boden. 
Pedicularis foliosa L. 2. 

— incarnata Jacq. 2. 

— recutita L. 2. 

— rostrata. L- 2. 

— tuberosa L. 2. 

— verticillata L. 2. 

Es gelten diese Pilanzen geraeinig- 
lich fur solche die keiner Cultur unter- 
worfen werden kbnnen. In den Alpen 
ausgegrabne Exemplare habe ieh aW 
mit Gluck in den Garten angepu^ 
Ebenso gelingen Aussaaten. Erne 
destens V, Fuss hohe Erdaducht^ 
hoher Steinunterlage und viele l™ 
tigkeit zur Vegetationszeit sind Or ^ 
bedingung der Cultur. Die Frage, 
diese Pflanzen auch als Schmarotzer 
ben, ist noch nicht erledigt. 

Penthorum sedoides L. 1. 

amerika. nliJ 

Petrocallis pyrenaica h. i_ 
Kalkuntermischung und Lnu 



von Kalkgerolle. Gedeiht auch 
zwisfhon Steinspalten gut. 
Phaca australis L. 1. 

- astragalina D. C. 1. 

- frigida L. 1. 

- lapponica Wahbrg. 1. 

Allen ausserdem Unjermischung von 
Kies Oder Kalkgerolle und reichlich Ge- 
riille unter 4—6 Zoll honor Erdschicht. 
Phyteuma betonicaefolium Vill. 1. 

- canescens W. et K. 3. Ungarn. 

- globulariaefolium Sternb. 3. t. 

- Halleri All. 1. 

- hemisphaericum L. 3. t. 

- humile Schleich. 3. t. 

- limonifolium Sibth. 1. 

- nigrum Schmidt. 1. 

- orbiculare L. 1. 

- Scheuchzeri All. 1. 

- spicatum L. 1. 

Von den wit t bezeichneten gelang 
^ auf die Dauer die Cultur im freien 
Lande noch nicht. Unter Anwendung 
v °n reichlicher Gerollunterlage , Zwi- 
whenmischung von solehem zwischen die 
^de, oder Einpflanzen zwischen Stein- 
'Palten diirfte sie jedoch moglich sein. 
"! e anderc n Arten lieben tiefen Boden. 
ie meisten miissen durch Samen fort- 
Sepflanzt werden. 

ln «s. Von den Tannen-Arten kann 
1? ^ /wergartige Pinus Pumilio ein- 
» zwischen gepflanzt werden. Aus- 
^ sollten die hoch in die Alpen 
™ gehenden Pinus Cembra und La- 
in der Nahe der Alpenparthie ihren 
£* , nden ' und ™*n man die Al- 
^^hie nur durch Alpenbaume ab- 
%end 88en oder beschatten will, so ver- 

*» mo^ daZU DOch von Tannen: pi - 
v 0a T° D !f na ' 8 y^estris, Abies; ferner 

«MErl men: die kleinen Birkcn 



Bad p , — v " • u*e Kie 
W^' *• B ^e, den 



I die Salk pentandra, die Po- 



pulus laurifolia und andere Baume und 
Straucher der Alpen oder des hohen 
Nordens. 
P i n g u i c u 1 a flavescens Flbrke. 2. 

— grandiflora Lam. 2. 

— vulgaris L. 2. 

Entweder im Boden mit Grundwas- 
ser 2 Zoll unter dem Boden im freien 
Lande, oder in Napfen mit Wasserun- 
tersatzen, welche letztere zur Vegeta- 
tionszeit stets mit Wasser gefullt erhal- 
ten werden. 

Podophyllum peltatum L. 2. Nord- 
amerika. 
Polemonium caeruleum L. 6. 2 — 3 

Fuss hoch. 
Poly gal a amara Jacq. 3. Saet sich, 
einmal angepflanzt, selbst aus und 
siedelt sich dann allenthalben auf 
den Beeten und zwischen den 
Tuffsteinen an. Etwas Kalkbei- 
mischung gut. 

— Chamaebuxus L. 3. Niedlicher 
Halbstrauch, der ziemlich leicht ge- 
deiht und durch Stecklinge ver- 
mehrt wird. 

— vulgaris L. 3. Wie amara. 
Polygonatum. Sammtliche aus Eu- 

ropa und Nordamerika stammende 
Arten schbn fur solche Parthien. 
Lieben tiefen Grund, Schatten und 
Erde Nr. 1. 
Polygonum viviparum L. 2. Ver 
mehrt sich viel durch Ausfallen 
der Bulbillen. 




_ nevadensis Boiss. 3. Spanien. 
Primula acaulis L. Mit seinen Ab- 
arten im Schatten und in der Sonne 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



zu Einfassungcn und Becten in 

li \\"hi:Ih fiem Gartenboden. 



rimula Auricula L. 3. Die Abarten des 


— vernalis Mill. 1 . Nur 3 Zoll hohe 


Gartens in Nr. 6. Cultur oft be- 


hohe Erdschicht auf SteinuntcrLc" 


sprocben. 


und Kalkbeimischung. 


— calycina Gaud. 3. 


— vulgaris Mill. 1. 


— cortusoides L. Sibirien. 1. Gutes 


Gedeihen in fast fusstiefer Erdschicht 


Eindccken im Winter oder frost- 


auf hoher Gerbllunterlage und thcilwei- 


freies Ueberwintern. 


ser Mischung mit dcm Boden ganz vor- 


— denticulata Sm. 1. Himalaya. 


treffiich. Vermebrung durch Samen und 


— farinosa L. 1. Viel Feucbtigkeit 


im Herbste durcb Auseinanderreissen und 


im Friihling. 


frostfreiei Ueberwinterung. Alle mehr 


— integrifolia L. 1. t Liebt Kalkbei- 


sonniger Standort. 


mischung. 


Ramondia pyrenaica Rich. 3. Pyre- 


— latifolia Lap. 1. 


naen. 


— longiflora All. 2. t. 


Ranunculus aconitifolius L. 3. 


— minima L. 1. t, 


— alpestris L. 3. k. 


— pedemontana Thorn. 1. t. 


— glacialis L. 5. 


— scotica Hook. 2. t. Schottland. 


— gramineus L. 3. 


— stricta Hornm. 2. t. Lappland. 


— hybridus Biria 3. 


— spectabilis Tratt. 1. t. 


— illyricus L. 3. 



— venusta Hort. 1. t. 

— villosa Jacq. 1. t. 

— viscosa All. 1. t. 

Die schbnen Primeln bilden einen 
lieblichen Schmuck der Alpenparthie. Es 
kbnnen auch alle die , welcbe mit t be- 
zeichnet sind, mit dem besten Erfolge 
im Lande eultivirt werden, so bald man 
da eine hohe Gerollunterlagc unter un- 
gefahr 6ZollErde giebt, das Verpflanzen 
nur im Friihling vornimmt und im Win- 
ter gut eindeckt. Ohne diese Vorsichts- 
maassregeln tbdtet sie das Ausfrieren. 
Pulmonaria azurea Bess. 1. 

— mollis Wulf. 1. 

— officinalis L. 1. 

— virginica L. Nordamerika. 
Lieben tiefen Boden. Letztere sebr 

schon. Schattiger Standort. 
Pulsatilla albanaSprgl. 1. Caucasus. 

— alpina Sprgl. 1. 

— Hackelii Rchb. 1. 

— Halleri W. 1. 

— montana Rchb. 1. 



l till a patens Mill. 



W. 3. 

— parnassifolius L. 3. 

— pyrenaeus L. 2. 

— rutaefolius L. 3. 

— Thora L. 3. 

Lieben sammtlich zur Vegetatiotf- 
zeit viel Feucbtigkeit und wo moghen 
Sand in dem Untergrund. 
Rhamnus alpinus L. 3. 

— pumilus L. 3. ^ e 
Beides hiibscbe Straueher zwischpn 

Steinspalten. Die Aeste bSng« ^ 
Rhaponticum scariosum Lam- 

3 Fuss hoch. 
Rhodiola rosea L. 5. 
Rhododendron ferrugincuml^- 

— hirsutum L. 2. k. 

— Chamaecistus L. 2. k. 

Die allbeliebteAlpeurosegeh^ 
ausgezeichnetesten und bekann ^ 
Schmuck einer Alpenpflanzcnpartto • ^ 
den vielen Pflanien derselben, « 
aus den Alpen in den Garten > - 
woUten anfangUchkeincwachsen. 



I. Originalabhandlungen. 



dm ich aberes aufgab, roino Ileideerdc 
zu verwenden und die obige Erdmischung 
gebraucbtc , erhielt ich viel bessere Re- 
sulfate. Man wird sogar selbst in Erde 
Br. 1 bessere Resultate erhalten, w 
in reiner Heide- oder Moorerde, od< 
selbst in der Erde, die man vom nattii 
lichen Standorte mitbringt. Ich babe 
jcdoch auch in den Alpen die Rhodo- 
dendron hiiufig in diner schweren , zu 
weilen sogar rothen eisenhaltigen Erde 
angetroffen und sah sie auch im Garten 
in einer nur wenig mit Humus versetz 
ten Rasenerde frohlich gedeihen. Min- 
teens \% Fuss Beetchen, wo mog- 
lich iiber und unter grosseren Steinen, 
and gute Gerollunterlage ist ausserdem 
n» cmpfehlen. Vermehrung im Garten 
nur durch Samen. 

Kumex nivalis Heg. 1. Nur deshalb 
interessant, weil er zum Anbau als 
Spinat vorgeschlagen ward, wozu er 
sichinalpinen Thalern oder imNor- 
den wohl eignen mag ; in der Ebene 
ist er hierzu jedoch untauglich. 
ba gina pilifera Fenzl. 1. 

- Spergella Fenzl. 1. 
^ subulata Fenzl. 1 
Rasenbildende saftiggriine kleine meist 

J* mijahrige Pflanzchen, die sich 
er selbst wieder aussacn und an feuch- 
» Mellen sich auch zwischen den Stei- 

nea ansiedeln. 
* 1|X arb uscula Wahlbrg. 3. 

- caesia Till. 3. 

- glauca L. 3. 

~- Lapponum L. 3. 

** h erbacea L. 3. 

*" reticulata L. 1. 

^ re t«sa L. 1. 

"^WfoaVScop. 
* i\£** Sind niod »g e Straucher, 
^ BiJ ? kriechen auf dem Boden 

s -C*r gutgedeihetvondiesen 

*"* Garten, deasen Aeste fiber 



die Steine herabkriechen und sie auf 
diese Weise sehr nett decorireu. 
Samolus Valerandi L. 1. Zweijahrig, 
siedelt sich selbst aber durch Aus- 
saat an, Schattig. 
Salvia glutinosa L. 3. Wird 2Fuss hocb. 
Sanguinaria canadensis L.2. Nord- 

Saponaria ocymoidesL. 3.k. Schonc 
Pflanze , die lange und dankbar roth 
bliihet und wegen der niederlie- 
genden allseitig sich ausbreitenden 
Stengel auch zu Kanren benutzt 
werden kann. Vermehrung durch 
Samen und Stecklinge. 

Saxifraga aizoides L. 1. 

— * Aizoon L. 5. k. 

— androsacea L. 3. k. 

— aretioides Lap. 3. Pyrenaen. 

— aspera L. 3. k. 

— Burseriana L. 3. k. 

— biflora. All. 3. 

— bryoides L. 3. k. 

— caesia L. 5. k. t. 

— * caespitosa L. 1. nebst Abarten. 

— * cordifolia Haw. 6. Sibirien. 

— * crassifolia L. 6. Sibirien. 

— cuneifolia L. I. 

— diapensioides Bell. 3. t. 

— * elatior M. K. 5. k. 

— erosa Pursb. 1. Nordamerika. 

— exarata Vill. 1. 

— florulenta Mor. 3. k. Italien. 

— * geranioides L. Sibirien. 

— granulata L. 5. 

— hieracifolia W. et K. 1. Sibirien. 

— hirsuta L. I, Sibirien. 

— * hypnoides L. 1. 

_ * ligulata Wall. 1. Nepal. 

— longifolia Lap. 5. k. 

— muscoides L. 1. 

— mutata L. 3. k. Zweijahrig und 
siedelt sich besonders gern auf 
feuchten Tuf&teinen an 

— oppositifolia L. 3. k. 



Saxifriga orientalis Jacq. 1. Orient. 
Zweijahrig, saet sich aber selbst an 
und siedelt sich auch auf den Tutf- 



— Rocheliana Sternb. 5. t. 

— rotundifolia L. 3. Schatten. 

— Seguieri Sprgl. 5. t. 

— * serrata Lk. 1. 5. 

— 8ibirica L. 1. 

— stellaris L. 1. feucht und sehattig. 



— tcnella Wulf. 1. 

— * umbrosa L. 1. Spanien. 

— valdensis Cand. 5. k. t. 

— Vandellii Sternb. 5. k. t. 

Die Stcinbrecharten gehbren zu den 
schonsten Pflanzen zur Bekleidung von 
eigentlichen Felsenparthien. Die mit * 
bezeichneten konnen zu diesem Zwecke 
allenthalben zwischen die Steine einge- 
klemmt werden und werden auf halb- 
schattigem Standort bald die Steine mit 
dichten griinen Polstern bekleiden. Alle 
lieben eine Gerollunterlage ; bei den mit 
t bezeichneten Arten bringe man je- 
doch bei der Cultur im freien Lande et- 
was Erde unter das Gerolle und setzc die 
Pflanzen nur ungefahr in einc 1— 2Zoll 
hohe Erdschicht uber dcm Gerolle ein. 
S cilia bifolia L. 1. oder 3. 

— cernua Red. 1. oder 3. Russland. 

— amocna L. 1. oder 3. Sudeuropa. 
Scutellaria alpina L. 3. 

— japonica Morr. 1. Japan. 

— lupulina L. 3. Sibirien. 

— macrantha Fisch. Sibirien. 
Sedum acre L. 4. 

— * Aizoon L. 1. Sibirien. 

— album L. 1. 

— Anacampseros L. 3. 

— dasyphyllum L. 4. mit k. 

— elegans Lej. 1. 

— * Ewersii Ledb. 1. Altai. 

— Forsterianum Sm. 1. England. 



der Schweiz. 

Sedum hispanicum L. 4. 

— hybridum L. 3. Sibirien. 

— involucratum M. B. 3. Caucasus. 

— kamtschaticum Hort. 1. Kamt- 
schatka. 

— lydium Boiss. 1. 

— * maximum Reichb. 3. 

— monregalense Balb. 1. Pieraont. 

— oppositifolium Sims. 3. Caucasus. 

— populifolium L. 3. Sibirien. 

— reflexum L. 5. 

— Sieboldtii Hort. 1. Japan. 

— spurium M. B. 3. Caucasasus. 

— stenopetalum Pursh. 1. Nordame- 
rika. 

— * Telephium L. 5. 

Die Seden gedeihen sowohl im Schat- 
ten , wie in voller Sonne ; bliihen aber 
auf letzterer Exposition viel dankbarer. 
Es sind vortreffliche Pflanzen zur Be- 
kleidung von Steinen, Steinspalten u. 
s. f. Besonders schon sind sic jedoch 
grossentheils zu Kanten. Die mit * be- 
zeichneten werden 2 Fuss hoch, die an- 
deren bleiben niedriger und Widen gros- 
sentheils dichte Kasen. Sedum spurium 
und hybridum eignen sich auch zur Ra- 
senbildung unter Baumen. 
Sempervivum arachnoideum Z. 5. 

— arenarium. 4. 

— Braunii Funk. 5. 

— Funkii Braun. 5. 

— globuliferum L. 5. 

— Heuffelii 5. 

— hirtum L. 5. 

— montanum L. 5. K. 

— soboliferum Sims. 5. 

— tectorum L. 5. 

— Wulfeni Hoppe. 5. 

Die Hauswurz-Arten verlangen dure - 
aus sonnigen Standort und nur dunn 
Erdschicht uber Steinunterlage , so 
bliihen sie nicht dankbar. 
Senecio abrotanifolius L. 1- 



iccio alpinus L. 6. Wird hoch und 
kommt in den Hintergrund. 

- artemisiaefolius Pers. 1. Spanien. 

- aureus L. 1. Nordaraerika. ! 

- camioli) ui W. 3. und Untermi- J 
schung der Erde mit Gerblle. 
Doronicnm L 1. 

i L. 3. Wie carniolicus. 



Wi. 



, ii. 



iFisch. 1. Sibirien. 
1. 
. Sprgl. 1 

- reptans Sprgl. 5. 

- pyrenaica D. C. 3. Pyrenaen. 
lene acaulis L. I. Muss alle 2 

Jahr getheilt werden. Nur 2 Zoll 
hohe Erdschicht auf Steinunterlage. 

■ alpestris Jacq. 1. 

■ Pumilio Wulf. 1. t. 

■ quadriiida L. 1. 



Trien talis europaea L. 2. Sumpfig. 
Trillium grandiflorum Salsb. 2. Nord- 
amerika. 

— cernuum L. 2. Nordamerika. 
Zwei sch one Pflanzen aus Nordame- 
rika, die tiefen Boden lieben. Ver- 
mehrung durch Theilung der Knolle iro 
Herbst und durch Samen. 

T r o 1 1 i n s altaicus C. A.M. 1 . Sibirien. 

— americanusMuhbrg. 1. Nordamerika. 

— asiaticuS L. 1. Sibirien. 



Schon 



I - 



- Zawadskii Herbich. 3. Bukowin 
Soldanella alpina L. 1. 

- Clusii Gaud. 1. t. 

Die medlichen Alpenglbckchen ge- j 
«ihen wohl auch im Lande; im Topfe | 
culUyjrt bluhen sie jedoch viel dankba- I 
rer und schemer und gehoren zu den j 
^'"gen Alpenpflanzen, die auf diese ! 
^ ei «e reichblumiger als in den Alpen ! 

S^ertia perennis L. 2. Schatten. '' 
ellimagrandifloraL. l. Nordamerika. , 
al ictrum aquilegifolium L. 3. I 

- foetidum L. 3. 
"-tuberosum L. 3. Spanien. 

L. 3. 
Gaud. 5. mit Unter- 
^emmg von Kalkgerblle. 
^eldia calyculata Wahbrg. 



— grandiflorus Tausch. 1. Caucasus. 
Alle lieben tiefen Boden und schat- 

tigen feuchtcn Standort. 
Tussilago alba L. 1. 

— nivea Vill. 1. 

Umbilicus chrysanthus Boiss. 4. Span. 
Valeriana montana L. 1. 

— pyrenaica L. 1. Pyrenaen. Wird 
4 Fuss hoch. Tiefer Boden. 

— saxatilis L. 3. 



— aphylla L. 1. ditto. 

— bellidioides Wulf. 1. 

— fruticulosa L. 1. 

— Ponae Gouan. 1. Italien. 

— repens D. C. 1. Corsika. 

— pinnata L. 1. Sibirien. 

— saxatilis L. 1. 

— urticaefolia L. I. Schattiger Stand- 
Viola biflora L. 2. Schatten. 

— calcarata L. 1. Muss alle 2—3 
Jahre verpflanzt werden. 

— cornuta L. 1. Pyrenaen. 



enecio alpinus L. 6. Wird hoch und 
kommt in den Hintergrund. 

— artemisiaefolius Pers. 1. Spanien. 

— aureus L. I. Nordamerika. 

— carniolicus W. 3, und Untermi- 
schung der Erde rait Gerolle. 

— Doronicum L 1. 

— incanus L. 3. Wie carniolicus. : 

— uniflorus All. 3. Wie carniolicus. 
ibbaldia cuneata Fi=ch. 1. Sibiripn. 



Sieversia montana Sprgl. 1. 

— reptans Sprgl. 5. 

— pyrenaica D. C. 3. Pyrenaen. 
Silene acaulis L. 1. Muss alle 2 

Jahr getheilt werden. Nur 2 Zoll 
hohe Erdschicht auf Steinunterlage. 

— alpestris Jacq. 1. 

— Pumilio Wulf. 1. t. 
- quadrifida L. 1, 

— rupestris L. 1. 
ir. 1. Schbn zu Ein- 




Die niedlichen Alpenglbckchen ge- 
deihen *oW auch im Lande; im Topfe 
CalUvirt WQhen sie jedoch viel dankba- 
rer «nd schoner und gehoren zu den 
* e %n Alpenpflanzen, die auf diese I 
*«*« reichblumiger als in den Alpen ; 

^ertia perennis L. 2. Schatten. ' 
e H>magrandifloraL. 1. Nordamerika. \ 
'"ctrnm aquilegifolium L. 3, 
m L. 3. 

» L. 3. Spanien. 
--i.L. 3. 

~.n Gaud. 5. mit Unter- ! 

nuachung von Kalkgerolle. 
*«Ui. calyculata Wahbrg. 



T W»8 P i : 



landluDgen. 273 

Tofieldia borealis Wahbrg. 1. 

— glacialis Gaud. 1. 

Trie nta lis europaea L. 2. Sumpfig. 
Trillium grandiflorum Salsb. 2. Nord- 
amerika. 

— cernuum L. 2. Nordamerika. 
Zwei schone Pflanzen aus Nordame- 
rika, die tiefen Boden lieben. Ver- 
mehrung durch Theilung der Knolle im 
Herbst und durch Samen. 

Trollius altaicus C. A. M. 1. Sibirien. 

— americanusMuhbrg. 1. Nordamerika. 

— asiaticuB L. 1. Sibirien. 

— europaeus L. 1. 

— grandiflorus Tausch. 1. Caucasus. 
Alle lieben tiefen Boden und schat- 

tigen feuchtcn Standort. 
Tussilago alba L. 1. 

— nivea Vill. 1. 

Umbilicus chrysanthus Boiss. 4. Span. 
Valeriana montana L. 1. 

— pyrenaica L. 1. Pyrenaen. Wird 
4 Fuss hoch. Tiefer Boden. 

— saxatilis L. 3. 

— supina L. 3. 

— tripteris L. 1. 

— tuberosa L. 1. Sudeuropa. 
Veratrum album L. 1. 

— nigrum L. 1. 

Beide \% Fuss tiefen Boden. 
Veronica alpina L. 1. Alle 2 Jahr 
zu theilen. 

— aphylla L. h ditto. 

— bellidioides Wulf. 1. 

— fruticulosa L. 1. 

— Ponac Gouan. 1. Italien. 

— repens D. C. 1. Corsika. 

— pinnata L. 1. Sibirien. 



ola biilora L. 2. Schatten. 
- calcarata L. 1. Muss alle 2- 
Jahre verpflanzt werden. 



Gartcnflora Deutschlands nnd dor Sclrw 



)la palustris L, 2. Sumpf. 
multifida W. 1. Sibirien. 
pinnata L. 1. 



■ a Jaeq. 1. 
Wall. 1. Himalaya, 
en des freien Landes \ 



und sehr schon. 



II. Neue Zierpflanzen. 



a) Abgebildet in der „Flo.re des 

1) Watsonia iridifolia var. fulgens, 
Ker. (Antholyza fulgens, Andr.) Iri- 
deae. — Wenn man nicbt wusste, wie 
veranderlich die Farbung der Blumen 
vieler Irideen ist, wiirde man Miihe ha- 
ben, in der reinen, brennenden Schar- 
lachfarbe dieser schonen Pflanze cine 
blosse Varietat einer Art zu erkenen, 
deren Blumen matt blaulich grau gefarbt 
sind. Die Watsonia , in Tracht und Bau 
den Gladioli zuniichst verwandt und oft 
audi mit ihnen verwechselt, stammen 
, sammtlich vom Cap der guten Hoffnung. 
Von Gladiolus unterscheiden sie sich 
hauptsachlich durch den regelmiissigeren 
Bau der Blumen und besonders durch 
zweitheilige , linealische Narben, wah- 
rend Gladiolus ungetheilte , blumenblatt- 
artig erweiterte Narben hat. — Die leuch- 
tende Farbe dieser Abart erinnert an 
eine andere nah verwandte Pflanze, C r o- 

Hort.), mit der sie an Schonheit rivali- 
sirt. W. iridifolia fulgenri wird 
bis 6 Fuss hoch , der Bluthenschaft tritt 
hoch iiber die Blatter hinaus uud ver-, 
zweigt sich zuweilen an sehr starken 
Exemplaren; die geruchlosen Bliithen 
sitzen in zweizeiligen , einseits wen- 
digen Aehren, die Bliithezeit fallt in die 
Sommermonate und dauert iiber vier 
Wochen fort. Cultur die ganz gleiche 
der Gladiolus- Arten. Sehr empfehlens- 
werth. (Taf. 1077.) 



t hoisy. Convol- 
vulaceae. — Die vorlicgende Tafel bringt 
, die Abbildung dreier Varies aten dieser 
allgemein verbreifcton. einjahrigen Windc, 
die amerikanischen Urspnniirs, llingst 
Eingang gefunden hat, ubcrull wo nur 
Garten- und BlumenfreiiKilc existiren. 
Man saet die Samen im April gleich 
in's freie Land , und zwar 5 bis 7 in 
einem Krcise urn eine Stutze herum, an 
der die Pflanzen hinaufranken kunnen. 
Die Bliithenfarbe variirt ungemein, von 
durch roth und blau bis zu 
den dunkelsten Farben , und -rlir h : uifc 
kommen mehrfarbige, hubscli gestreifte 
Blumen vor. (Taf. 1079.) 

3) Ms tuberosa L. (Heruuidaot/l - 
,./us, Matth.) Irideac. Wurzelformi?' 1 
Knollen und lange, dttnne, fast vier- 
kantige Blatter machen 
distinctesten und originellsten der ?•"'- 
zenGattung. Die griinen, mil saiiimct- 
schwarzen, breiten Flecken -o.'u!"'|' 
unbiirtigen Blumen haben gloicne 
spriiche auf Originalitat , und Freun e^ 
solcher ungewobnlichen Farbw :g< en i ■■'• 
sie gewiss willkommen si 
chenland, der TUrkei 

, u «, gehcirt sie zu d.n W«* 
Gartenpflanzen, und wart 
mehr als hundert Jabren baunge » 
den Garten gesehen, al 
wo die Sucht nach Neuem 
teressante , iilterc Pflanzen versclim ^ 
lasst. Halt unsere Winter untcr ■ 
deckung aus und liebt einen. geg e 






I Tat'. 



Mittagssonne gc 
1083.) 

4) Rhododendron var. L'toile tie 17/- 
Hers. Die Herrcn ijchr. Lemiclicz ge- 
wannen dicse scheme, ausdauernde Form, 
die ^ahrsclieiniieii dmrli fine Kreuzung 
des Rh. ponticum and catawbiense ent- 
stand. Die mittelgrossen Blumen sind 
auf weissem Grunde schon karmin-rosa 
gerandet and das obore Blumenblatt gelb 
gefleckt. Das grosse, glanzend grime 
Laub und der gedrungene Wuchs er- 
luihen ihren Worth und sichern ihreinen 
Piatz unter der mit jedem Tage sich 
raehrenden Zabl ihror Schwestern. 
(Taf. 1084.) 

5) Wliitlacia orandifiora , Harvey. 
Hydrophylleaceae. — Unstreitig eine der 
schonsten , in neuester Zeit eingefuhr- 
ten, einjahrigen Pflanzen, die bereits- 
im vorigen Jahrgange besprochen wurde, 
auf die wir aber wiederholt aufmerksam 
machen, da unter unserm Sommerflor 
die dunkle, blauviolette Farbe ihrer nied- 
lichen Glockenblume zu den seltneren 
gehurt, und sic ungemein reich und 
dankbar blunt. — Sie bildet mit der 
wange-scharlachfarbenen Alonsoa War- 
W&feui iu dor Mitte, und einer nie- 
d «eu, weissen Einfassung, etwa Nemo- 
phila maculata, nine effectvolle Grnppe. 
(M 1085.) 

6) Xymphaea blanda, G. F. W. Mey. 
(«■ Aniazonum , Mart, et Zucc) Nym- 
Phaeaceae. - A ls N. Amazon urn 
SChon im v ongen Jahrgange, pag. 127. 
^vahnt worden; hat blassgelbe, sehr 
^Unechende Blumen, deren Geruch an 

ftttca 6igeiithamliChen Duft dCr Ma S nolia 

erinnert. Sie gehort zu den 

Jgj* bliihenden Arten, offnet sich 

Jeh h lelnbrechender Nacht und schliesst 

bei Tagesanbruch. Die im Aufblii- 

^en aind von sehr fester 

* e " z - im Yerbliihen werden sie 



rpflanzen. 275 

dunkler ledergelb mit roth untermischt, 
und haben wir noch die Bemerkung ge- 
macht, dass sie spater nicht faulen und 
abfallen, sondern mit der Frucht aus- 
wachsen und dickfleischig werden* — 
Bei andern Arten aus der Section der 
C y a n e a sind die Sepalen gewohnlich blei- 
bend, in der Section Lotos wachsen 
i mit der Frucht aus und 
wet-don dicklleischig, dagegen haben wir 
nur bei der vorstehenden Art, die einzige, 
die wir aus der Section Hydro cal lis 
kennen, auch die Daucr der Petalen 
beobachtet. Diesc Verschiedenheitcn 
sind unseres Wissens nie beobachtet 
worden , scheinen uns aber als constante, 
charakterUtische Merkmale aller Beach- 
tung werth. (Taf. 1086.) 

7) Iris susiana L. — Die Flore des 
Serres, indem sie durch eine sehr gelun- 
gene Abbildung dieser prachtigen, alten 
Pflanze dieselbe wieder zu Ehren zu 
bringen sucht, sagt mit Recht, dass es 
zu bedauern sei, dass sie so selten in 
unsern Garten heutigen Tages anzutref- 
fen ist. — Gewiss keine Pflanze impo- 
nirt mehr durch Farbung und Grosse der 
Blumen, und wer sie nur ein einziges 
Mai inBliithe gesehen, wird sich sicher 
ihrer dusteren, melancholischen Schbn- 
heit mit Vorliebe erinnern. — Sie ist 
eine wahre Trauerblume, wie wir keine 
zweite besitzen ; ihr Charakter ist iiberaus 
treffend in dem Gartennamen „furst- 

gezeichnet , und wir wissen es dem Van 
Houtte'schen Journale Dank, dass es 
uns die heute aller ding s fast allgemein 
vcrlassene, trauernde Schone wieder vor- 
fiihrt. — Es ist in unsern Augen fiir ein 
Gartenjournal ebenso verdienstlich, eine 
alte , aber wirklich schone Pflanze zu re- 
habilitiren, als eine nuttelmassige Neuheit 
vorzufiihren, und wir hoffen, dass es 
in diesem FaUe in vollstem Maasse go- 



?:r» 



i und der Schweiz. 



Die Iris i 



!"'■- 



lingen mbge. 
sischen Ursprungs , liebt einen trocknen, 
warmen Standort und verlangt im Win- 
ter eine gute Decke von irgcnd einem 
trocknen Material; sie verrnehrt sich 
durch Theilung der Rhizomen, sobald 
die Blatter anfangen abzuwelken, will 
aber nicht gerne gestort sein; man sei 
daher vorsichtig mit dem Umpflanzen 
und lasse sie lieber mehrere Jahro am 
gleichen Standorte. (Taf. 1087—88.) 

8) Guzmannia crythroUpis, Brongn. 
Bromeliaceae. — Die einfarbigen, schon 
purpurrothen Bracteen der Bliithenahre 
unterscheiden auf den ersten Anblick 
diese neue Art von der alteren G. trico- 
lor, die mit Recbt zu den schbnsten 
Bromeliaceen gezahlt wird und jetzt 
in der neuen Schwester eine ihrer wiir- 
dige Rivalin erhiilt. — Herr Linden 
entdeckte die G. erythrolcpis in Sant- 
Yago , auf der Insel Cuba, und erst ganz 
neuerdings ist sie in die grbsseren Gar- 
ten eingefuhrt worden. — Das lebhafte 
Roth der Bracteen, die sich monatelang 
erhalten, contrastirt angenehm mit dem 
gesattigten Griin der glatten, linealisch- 
langlichen, aufrecht abstehenden Blatter, 
und verleiht der Pflanze ihren Haupt- 
schmuck , denn die weissen Blumen tra- 
gen wenig zum Totaleffect bei, da sie 
nur sehr einzeln nach einander erschei- 
nen, rasch verbliihen und kaum aus den 
rothen Deckblattern hervorragen. — Cul- 
tur im Warmhause, in Holzerde oder 
Moorerde, Vermehrung durch Samen und 
Abnahme der Seitensprossen, die sich 
an abgebhihten Exemplaren bilden und 
die nicht eher abgenommen werden, als 
bis die Mutterpflanzc selbst ganz er- 
schopft erscheint und sie eigne Wurzeln 
gebildet haben. Die gleiche Vorsicht 
ist bei alien Arten dieser Fs 
zurathen, da bei einer fruheren 
die weitere Ausbildung oft ganz unmbg- 



dm sich 
Kosten d 



-an/. 



iterbenden Mutter, und 
keino Nahrung mehr zu 
geben vermag , treiben sie selber Wur- 
zeln und werden dann erst fahig ge- 
trennt selbstandig weiter zu wachsen. 
(Taf. 1089.) 

• 9) Pogonia ophioglossoides, Nutt. 
(Arethusa ophioglossoides L.) Orchidcae. 
Eine niedliche Erdorchidee , die ihre Hei- 
math in den sumpfigen Localitliton Nord- 
Amerika's von Canada abwarts bis 
nach Virginien hat, also mit den in- 
teressanten Sarracenien die gleichen 
Standorte theilt und mit denselben zu- 
weilen in europaische Garten eingefuhrt 
wird. — Die ganze Pflanze triigt auf 
dtinnem Stengel ein einziges, oval-lan- 
zettliches Blatt und am Gipfel eine blatt- 
artige , lanzettliche Bractee , aus der eine 
einzelne, zart rosafarbige Blume hervor- 
tritt. Die eirunden, stumpfen Bliithen- 
Mllblatter fast gleich geformt, die aus- 
seren abstehend, die inneren zusammen- 
geneigt, Lippe langlich, am Rande tief 
sagezahnig zerschlitzt. — Cultur in Torf- 
moos und Moorerde, im kalten Fenster- 
beet bei steter Feuchtigkeit rnittclst T> 
satzschalen. (Taf. 1090.) 

10) Caraguata splendent, Hon- 
Bromeliaceae. - Wurde im Berliner bo- 
tanischen Garten eingefuhrt, bliihte dort 
zuerst und kam dann in den ***** 
Van Houtte'schenEtablissements.- w 
herrliche, sehr decorative Pflanze, dff 
C. lingulata sehr ahnlich, aber durch 
die hochrothe Farbe der ausseren , Br* 
teen leicht zu erkennen. Die BW» 
sind am Rande fein gesagt und geW» 
allmahligiiber indie grossen, ovaMan^ 



Iuciicn, gc^"*^ 
ten, ausseren D 
tendes Roth den 



steht aus kurzen gelben Bracteen, zwi- 
schen denen die weissen Corollen kaum 
hervortreten. Sehr empfehlenswerth und 
wie die nieisten iibrigen Bromeliaceen 
ganz vorziiglich zur Cultur auf Baum- 
stammen und in Blumenlampen. — Mit 
geringem Wurzelvermogen begabt, be- 
diirfen sie weniger Nahrung und konnen 
besser als irgend andere uns bekannte 
Pflanzen die Extreme von Nasse und 
Trockenheit ertragen. (Taf. 1091.) 

11) Clint onia pulchella , Lindl Lo- 
beliaceae. — Eine schon bekannte, zarte 
annuellc Pflanze, von der die vorliegende 
Tafel drei Varictaten, in blau, violett 
und weiss uns zeigt. Wurde zuerst von 
Douglas ira westlichen Nord - Amerika 
entdeckt und eingefuhrt , und unterschei- 
det sich von der zunachst verwandten 
CI. elegans Lindl. hauptsachlich durch 
die oberen Zipfel der Corolle, die hier 
abstehen, wahrend sie bei der andern 
Art zusammengeneigt sind. — Die nied- 
lichen buntcn Blumen ersetzen durch 
ihreFulle, was ihnen an Grosse man- 
gelt, und dicht gcpflanzt in kleinen Grup- 
pen oder als niedere Einfassungen , sind 
sie schatzenswerth durch ihren lange 
danemden Bliithenflor. Im April unter 
Fenster oder in Tbpfen auszusaen und 
1 die Nachtfrostc nicht mehr 



- • 



■'.:<,,,... 



(Taf. 

Meyenia 



1, in's freieLand j 



■ Thunbergh 



sition fur 

• mit grossen, blauvioletten , ira 
' Unde ? el ben Blumen , die in Form 
Th , a un « an Chirita Moonii und 

,'"'' 1 | , - ( M " v, '" i; ' is» zunachst mit Tlnm- 

," ' l:! "i Ih'xaocntris vorwandt; der 

tch 1st eine aus zwei Dcck- 

lern bestehendeIIull P? die den sehr 



277 

kleinen 5-lappigen wahren Kelch ver- 
birgt. — Die Meyenia erecta bildet einen 
buschigen Strauch; sie wurde von den 
Handelsgartnern Rollisson in Tooting, die 
sie im Laufe dieses Jahre3 dem Handel 
ubergaben, auf mehreren Blumenaus- 
stellungen in reich bluhenden Exempla- 
ren dem englischen Publikum prasen- 
tirt und erregte allgemeine Bewunderung. 

Nach Aussage dieser Herren ist sie 

leicht zu behandeln, bluht reich und 
dankbar selbst in kleinen Exemplarcn 
und vermehrt sich rasch durch Stecklinge ; 
sie wird daher gewiss sich bald einbur- 
gern, und wir begriissen ihr Kommen 
mit Freuden. — Der deutsche Reisende 
Vogel, eines der zahlreichen Opfer, die 
die Erforschung Afrika's forderte, ent- 
deckte diese schone Pllanze in Guinea, 
an der Westkuste von Afrika; es ist aber 
unbekannt, durch wessen Vermittlung es 
den Herren Rollisson vergbnnt war, die 
Garten, und ohne Zweifel zunachst sich 
selbst, damit zu bereichern. — Zweige 
diinn, vierkantig, Blatter 1-2 Zoll 
lang, ganzrandig oder undeutlich ge- 
lappt, Blumensticle achselstandig , ein- 



halb des Fruchtknotens zusammen- 
geschnurt, weiterhin bauchig und am 
Schlnnde erweitert, zwei Zoll lang, gelb- 
lich-weiss; der flachausgebreitete , 5-lap- 
pige, fast gleicheSaum etwa andcrthalb 
Zoll im Durchmesser, von tief purpur- 
blauer Farbe. Antheren vier- und zwei- 
facherig, mit ungleichen, gewimperten 
Fachern; Narbe 2-lappig, Lappen keil- 
formig erweitert. (Taf. 1093.) 

13) (Juncirhm Campanula, L. Cam- 
panulaceae. — Seit langen Jahren in 
anseren Gewachsliausern eingebiirgert, 
doch verhaltnissmassig wenig bekannt, 
wahrscheinlich , weil die ihr gegebene 
Behandlung nicht die rechte war. 
Herr Van Houtte sagt dariiber im We- 



278 

sentlichen Folgendes: „Die C. Campa- 
nula, ausschliesslich der eanarischen 
Flora- angehorend, 1st eine krautige, 
3 — 9 Fuss hohe Pflanze mit fleischiger, 
ausdauernder "VVurzel, die sehr zerbrech- 
lich und voller Milchsaft 1st Die safti- 
gen , einjahrigen Stengel klettern an an- 
dern Pflanzen oder an Staben empor 
und sind, wie dasLaub, von blangriiner 
Farbe. Die einbliitbigen, nickenden Blu- 
menstiele treten aus den gabeligcn Ver- 
astelungen, die glockigen, orange-ziegel- 
farbigen , grossen Blumen erseheinen bei 
uns im October und November. Im Mai 
sterben die Stengel ab und die Pflanze 
zieht ein, bis der neue Trieb gegen 
August beginnt. — Diese Ruhezeit ist 
die beste Zeit zum Umpflanzen und zur 
Wurzeltheilung ; nur lasse man die ver- 



letzten Wurzein vollstandig abtrocknen, 
ehe man sie wieder pflanzt, da sie sonst 
leicht fanlen. Man gebe eine nicht zu 
nahrhafte Erdo, aus Laub und sandiger 
Lebmerde bestehend, der man etwas 
Kalksehutt beimengt, bringt die Topfr 
in ein sehattiges Fensterbeet und begiesst 
liu^erst miissig, bis der Trieb sich zejgt; 
jetzt wird ein warmes Beet die Entwiek- 
lung sehr befordern, und haben die Sten- 
gel das Glas erreicht, so vverden sie nun 
in ein temperirtes Haus gebracht, wo 
sie nach solcher Behandlung reich bliihen 
werden. Man verrwhrt die.-e interessantr 
Pflanze aueh durch Samen und durch 
Stecklinge; diese letzteren miissen sehr 
trocken, unter Glocken im Warnibecte 
zur Bewurzlung gebracht werden." (Taf. 
1094.) (E. 0.) 



III. No 


t i z e n. 


1) Berichtigung. (Unlieb verspatet.) 


L. spec), welche man am 30. Januar Morgens 


Itn Octoberheft d. J. 1855, S. 326, wird cine 


sowohl in Mollis, Cant. Glarus, wie in der Ge- 


Bergamottc Hambourg bescbrieben. Diese 


meinde Wohlen, Cant. Bern, in grosser Mas«e 


Beschreibung passt ganz auf jene Bime, welche 


munter und lebhaft auf dem frisch gefallenen 


durch Bivort (Geest- saint -remy) erzeugl, in 


Schnee herumlaufen sah. In Mollis fanden 


dessen Album 3. Band, Tafel 41, beschrie- 


sich v diese Larven vorziiglicb in der Nahe eines 


ben und nach meinem BruderHeimburg (franz. 


bewaldeten Abhanges. dessen Tannen und 


Heimbourg) in Briissel benannt worden ist. 


Buchen gcfallt wurden. Da der Boden nicht 


Ware die Bime der Gartenflora die Bivort- 


gefroren und durch das Holzfallen mannigfach 




zerrissen wurdo, slainnien die Larven wa r- 


ware der Name zu berichtigen. 


scheinlich von dieser Stelle. Sie uberwinlern 


Mainz. He im burg. 


gesellig zwischen Baumwurzeln und wurden 

\vahi-si-h<.'inlich durch don >iidw^!"iii- * ■ 




2) Es wurde im vorigen Jahrgange (S. 121) 


cher in der Nacht auf den 30. Jan. ziennc< 


von einem kleinen schwarzen Thierchen be- 


heftig wehfe, in die Luft erhoben und fielen 


richtet (des Podura arborea L), welches mas- 


dann mit dem Schnee wieder zur Erde. Wj* 


senhaft auf dem Scbnee erschien und dem- 


Larve wurdc sclion ofter unler ahulichen 


selben slellenweise eine sehwarze Farbe gab, 


Vei-haltnisseu trelunden. So erzahlt Degeer. 


und auf Taf. 120, Fig. 8 isl dieses Thierchen 


diss mm im Januar 1749 M verschicdenen 


freilich sehr mangelhaft abgebildet. In diesein 


o'rbm m Srhweden die Larve des Telephorus 


Jahre wurden wieder sehwarze Thierchen in 


grosser Masse auf dem Schnee gesehen, welche 


hale; ebenso in den Jahren 1745 und 17M 


aber von den obigen ganzlich verschieden sind. 


ferner im November 1672 


Es waren die schwarzen , 3 / 4 - 1 Zoll Iangen 




Larven eines Warzenkafers (Telcpborus fuscus 


bei heftigem Siidwinde gefallen seien . 



den schwedischen Wiildern Stamme sammt 


lcn schwer halten, zu bestimmen, wann eine 


Wurzeln ausgerisscn habe. Es sei somit aueh 


Pflanze als im Garten eingeburgert beirachtet 


die Erde niit auiV'-^ri^-cii '.vorden und diese 


werden konne, und jedenfalls vverden sich zu 




derartigen Unlersuchungen nur Garten mil eincin 


Windc aufgehoben und forlgr-fiilirl worden 


schr grossen Areal eignen. Aus dem Zuricher 


und oft in ziemlicher Enllernung von ihrem 


botanischen Garten kann eigentlich nur die 


Wohnplatze mil dem Sehnee niedergefallen; 


Impatiens parviflora Dec. als fremde Pflanze 


fine Erklarung, wclchc aueh .fur unser Pha- 


genannt werden, die zum Unkraut geworden 


nomen gar wohl pass! (Heer.) 


ist und sich aueh ausserhalb des Gartens zu 




ngt In der Nahe des friihern, 


i) Professor Ch. Martins macht in einer 


vor der Stadt gelegenen botanischen Gartens, 


Abhandlun? . -;> < - clique naturalises 


"welcher 1837 verkauft und in Gemiise- und 


i ja ' ! in des plantes de 


Ackerland verwandelt wurde, linden wir neben 


Monlpcilioi — i-l a i ml u i -am, dass manchc 


obiger Impatiens aueh die Oxalis corniculataL. 


Pflanzen in den botanischen Garten sieh vollig 


und Aristolochia Clematitis. Manche Pflanzen 


einburgem und dann sich aueh ausser den- 


sind in neuerer Zeit bei uns durch Getreide- 


selben hin verbreiten konnen. So kommen 


samen eingefiihrt worden, so Linaria striata 


. von Montpellier 


und L. simplex Dec, ferner durch Grassamen, 


iria I. . Onoperdon virens 


so Cynosurus echinatus L. , welchen ich hiiu- 


Dec., Jussiaea grandiflora Mich., Bidens bi- 


fig in einer Wiese bei Rorbas fand; Lolium 


Pinnala L , Xanthium spinosum L. und Hy- 


multiflorum L. und Alopecurus pratensis L. 



auf diejenigcu Pilanzen zu achten, welche in 
! ■n- ! dl,ri] ln'itnisch geworden, was er eine 

solche an, wenn die Pflanzen ohne Pflege sich 
im Garten ausbreiten, in den Alleen und Ra- 
"-'nplutzen erscheinen, aueh an entfernlen Stel- 



a Dec, Passiflora coeralea L , Sophora 
'oides L., Alhagi maurorum Dec, Apo- 
"idrosaemifolium L., Martynia lu'ea GI., 



auf diese Weise bei 
uns allgemein vevbreitet worden; auf noch 
unbekannte Weise wanderte bei uns der Ama- 
rantus relroflexus L. ein , der jetzt in der Um- 
gebung der Stadt haufig, fruher aber unserer 
Flora ganzlich gefehlt hat. (Heer.) 

4) Cinerarien, welchen Anforde- 
rungensie entsprechen miissen und 
ihre Cultur. Die Cinerarien waren fruher 



Erfolgen vollkommen gerechtfertigt crscheinen. 
— Diesen Anforderungen zu Folge muss eine 
Cinerarie. urn heutigen Tags Anspruch machen 
zu konnen auf vollendete Schonheit, folgende 
Eigenschaflcn besitzen: crstens, die Blume 
muss vollkommen rund und geschlossen sein; 
die Petalen abgerundct, ohne alle Einbuch- 



leicht gewolbte Flache bilden ; viertens, 
b Farbe betreffend, sollte die Grundfarbe 
in weiss sein, die iibrigen Farben lebhaft, 
regelmassige concentrische 



ids und der Schweiz. 

in ein kaltes Fensterbeet, ganz nahe dem 
Glase bringen kann. Dieses Beet halt man 
einige Tage geschlossen und schattig und giebt 
dann allmahlig mehr und mehr Luft. Mit dem 
Begiessen sei man vorsichtig, lasse die Erde 
aber nie vollig austrocknen , sorge fur eine 
freie Luftcirculation am Tage und schliesse 
Abends. Die todten Blatter mussen immcr 
gleieh entfevnt werden, da die Blattlause sich 
gern darauf ansiedeln. 

Sind nun die Pflanzen hinreichend erstarkt, 



Mischung 



gleichen Theilen Garten - 



imperaince r-ugeme, weiss, kaimoi>m ,. 

Fascination, dunkelblau, die Scheibe von 
einem weissen Ringe umgeben; 

Lord Stamford, rein weiss, porcellanblau 
gerandet, ausgezeichnet; 

Mme. Gerard Leigh, weisser Grand, 
violetler Rand, blaues Centrum; 

Mme. Rogers, weiss, purpur-rosa gei 
dnnkle Scheibe, herrlicher Bau; 

Novelty, violelt-rolh mit hellem Cei 
grosse und schone Blume; 

Picturata, ausgezeichnete Varietat, 



und lavendelblauer Scheibe; 

Prince de Prusse , glanzend himmelblau, 
Scheibe von einem weissen Ringe eingefassti 

Prince Albert, scharlach-karmoisin , leueh- 
tende, effectvolle Blume; 

Scottish Chieftain, weiss, breit violett 
gerandet, violettes Centrum. 

Die Cinerarien vermehrt man leicht durch 
Theilung der alien Stocke; noch besser ist 
es, gegen Ende Juni Stecklinge zu machen, 
die in einem kalten Fensterbeet sich bald be- 
wurzeln. Von den schonsten Vaiielaten sollte 



wurzelt sind, giebt man ihnen grossere Topfe 
und zeitweise einen Dungguss, wozu Kuhdun- 
ger uns am geeignetsten erscheint. Sollten 
sich Blattlause zeigen , so todte man sie durch 
Tabakraucherung. Gegen Ende October vcr- 
pflanzt man sie zum letzten Male, und zwar 
in die gleiche Erdmischung , da zu dieser Zeit 
ein Wechsel in der Erdart sehr nachtheilig 
wirken konnte. "Man bringe sie nun in die 
Orangerie oder in's Kalthaus dem Lichte mog- 
lichst nahe, oder lasse sie inx Kasten, wenn 
derselbe nur gegen das Eindringen desFrosles 
geschiilzt ist. Gegen Ende Februar wird die 
Bluthezeit beginnen, bis dahin versaume man 



idle Napfe saen, denen ma 
Bodenwiirme giebt. Sobald ,!;•■ S.ml 
ersten Blaltchen zeigen, verstopfe ma 
kleine Topfe, halte sie massig warm, 
stark genug geworden und die Jahres 
lerweile so weit vorgeruckt ist. dass 



i> ,,^1,1 



die Pflanzen zu op 

nen) und stellt sie an einen 

Wachsthum zeigt. 

(Nach Belg. ho 

5) UeberBenutzung c 

Kaffeebaumes. Die Che 

gleieh.* Princip im Thee g< 



einen schattigen Ort in's 
ten lasst. bis sich neue» 



' ■- 



Hlatl <<ll 



»t»mm des malayischen Archipels ist ihnen 
hieruber in einem Briefe an Sir W. Hooker 



feepflanzungen , in denen die Friichle den Bo- 

Nachfrage erfuhr ich, dass die Eingebornen 
die Blatter als Thee benutzen und die Friichte 
P'.'.z vernachlassigen. Man begreift mein Ver- 
lingen, von dieseni Getrank zu kosten und 
die Zubereilung desselben zu seben. Gluck- 
licher Weise fand ich Gelegenheit, dieses Ver- 
langen zu befriedigen. Vor meinen Augen 
pfluckteman einige Zweige, sehnitt sie auf 
circa 1 Fuss Lange, presste sie zwischen zwei 
Bambusslocken, derenEnden zusammengebun- 
den waren, und brachte sie nun zum Trock- 
nen vor ein belles Feuer, indem man die En- 
den desBambus alsHandgriff benutzte Dieses 
Trocknen wurde fortgesetzt, bis die Blatter 
««ie grun-braune Farbe annahmen und voll- 
kommen gekrauselt und zeneiblich waren — 
Sie wurden nun mU der Hand zu Pulver ge- 
«eben, und dieses Pulver ganz wie Thee mit 
kochendem Wasser abgebriiht, nur dass man 
«ae weit starkere Dosis dazu nahm. Der so 
"Mtene Absud gleicht in der dunkelbraunen 
T un » dera Kaffee, hat den Gerueh von 
[™ e °> Thee und der Geschmack kann am 



I ich begreife, weshalb 



;, M(i dem Handel der Colonien eine 
■ Quelle des Reichthums zu ., 
^nC IimaderEr 

I «*■** ist, konnen wa 



^BeHchte, dass ^^1 * 
^r nu ;;T hterZeugun S "nmoglich macl 
Wachv h beeintrachti S l - m an ward 

Ucbe P T J°u dCm S leichen B aame zwei nuta 
Prodnkl e gewinnen. 



tizen. 281 

m aritim a.) T-~Der Seekohl, dieses werthvolle, 
zarle Wintergemiise , findet sich verhaltniss- 
massig immer noch sehr wenig angebaut. 

ist robust, ertragt unsere Winter unter einer 
Decke von Laub oder Stroh , ohne zu leiden ; 
lielert 3 bis 4 Ernten in einer Saison und 
zwar 7 bis 8, ja oft noch mehrere Jahre hin- 
tereinander, gleicht in Geschmack und Zart- 
heit dem Blumenkohl und kommt zur Be- 
nutzung in einer Jahreszeit, wo jedes frische 
Gemuse zehnfachen Worth hat. — Woher dcnn 
diese Vemachlassigung? Der einzige plausible 
Grund scheint mir der, dass wir zu ungedul- 
dig sind zum Warten , und immer in moglichst 
kurzer Zeit ernten wollen, was wir gesaet 

beim Spargel unmoglicb: das erste Jahr zahlt 



Friichte seines Fleisses und des geduldigen 
Wartens zu ernten: dafur bietet aber die ofte 
Wiederholung und die lange Dauer der Ern- 



gen und nun gar mit vielen unserer Zierpflan- 
zen , die wir oft lange Jahre hindurch pflegen 
und hiiten, ohne unsern Fleiss belohnt zu se- 
hen! — Seien wir daher wenigcr ungeduldig 
und gonnen auch dem Seekohl einen Platz: 



wozu das Folgende als Anleitung dienen 

re. 

Der Seekohl wachst wild im Sande unserer 
Meereskuslen. in unseren Garten liebl er eine 
tiefgrundige , leichte, moglichst sandige Erde 
und kraftige, oft wiederholte Diingung. — Das 
fur inn bestimmle Land muss im Herbst oder 
Winter stark gedungt werden mit alten Stall- 
dunger oder mit Kuhmisl. Im April wird es 
dann tief umgegraben, mit der Harke geebnet 
und auf zwei Fuss Entfernung mit der Schnur 
Linien gezogen , urn die Aussaat gleichmassig 
machen zu konnen. Auf di<- so vorgezeich- 



auf5— fiSamen i 



282 Gartenflora Deatschlands 

man taglich Morgens das ganze Beet leicht j be 

fiber mit verdiinnler Mistjauche, so lange trockne Cb 

Witterung anhalt. Nach Verlauf von eiriem I lac 

Monat wird die Saat ausgedunnt, ii 

nur die starksten Pflanzen auf cir 

Entfernung nach alien Seiten hin st< 

Das Land wild nun von Unkraut sle 

halten, alle 14 Tage die Erdo um jode Pflanze 

vorsichtig aufgelockert und rwei bis 

voll gut - errotleter Misterde um den 

selben geslreut. Auf diese Weise e 

schon im ersten Jahre cine schono und starke 

Wurzel. Mit dem hcrannahenden Winter wird 

mil lang.'in Mist, Slroh und Laub gcdeckt, 

die Decke wieder entfernl . sobald keine st 



nd der Schweiz. 
Paris gebluht. Die C. 



in mit kugcliger Krone. DIo Rinde 
Zweige ist braunlich , die " der 

On , kahl und glatt. Die Blat- 
meiMiins zu dreien wirtelig auf 

gen Blattslielen , sind am Grande 

breit-eirund zugespitzt, ganzrandig 

errieben werdcn, verbreitcn sie 
enehmenGeruch, wie derselbe bei 
il.ch auftrill. — Die Blumen 



i Fiu-t. 






wiederholt man haufig das Auflockcrn 
tumt nicht , nach jedcr Auflockerung 
sterde aufzuslreuen, wodurch 






Korbe oder Blumentopfe iiber die Pflanz 
die jungen Triebe werden nun, 'des Licl 
beraubl, zarl und weiss aufgeilen, und sob 
sie eine Lfinge von 9 bis 12 Zoll erreicht 
ben, scbneidet man sie dicht oberhalb 
Wurzelhalses ab und kocht sie wie Spargel 
oder Blumenkohl. — Sobald der ersto S 
gelhan ist, bedeckt man die Pflanze mil 

ben. um dann wieder zu decken wie v< 
Wenn man die Ansi-h.iinin- d«.-r KOVije 



den Daturen i 

pen und sind klein, giiinlich gelb, im Scblunde 
braun punktirt und mit zwei gelben Streifen 
gezeichnet. Obgleich die Blumen weii nicht 
so schon sind als die der gewohnlichen C. sy- 
ringaeflora (Bignonia Catalpa), kann dieses 
Baumchen dennoch wegen seiner huhschen 
Belaubung mit Vortheil einzeln oder im Vor- 
grunde hohcrer Anpflanzungen benutzt werden, 

ist. Vermebrung durch krautige Stecklinge 
oder durch Veredlun- auf C syringaeflora. 
(Nach Bevue horticole. — E. 0.) 

in den Garten noch sehr wenig verbreitetc 
californische Hollunder ist von kraftigem Wuchse 
mit abgerundeler Krone und dunketgrauer 
Rinde. wiihrend die jungen Zweige und die 
untere Scite der Blatter mit einem dichten, 
braunlich-grauen Filz bekleidet sind. Die un- 
paarig gefiederlen Blatter besteben aus 2 oder 
o Paaren oval-lanzettlicher , feingez:ihnter und 
oberhalb kahler Blallchen. Die kleinen und 
zahlreichen Blumen stehen in Doldentrauben, 
sind beim Aufbluhen gelb und werden dann 



ein ganzes Jahr . aber 
wir doch zur Anzuchl 
menpflanzen im Allget 



Hollunderblulhe. Die Beeren reifen W »e P - 
r, sind dunkelpurpurfarben, aber bedeckt 

nein "t-auen Reift!. Wahrcnd die anderen 



Iheilen wir daher in Folgend< 

zem Auszuge mi 

Nachdem Herr Ducharire 

: 



\V. ,. 



den I n 



isprochen hat, wendet 



-I.":. 



den epiphyten Pflanzen, . 
den Familien 



: Luft in den zu ihrer C 
men ausserordcnllich feucht zu erhalten; der 
; . ■ . 
nachdem er allc gewohnlichen Mitlel erschopft 
hatte, um in scinen Orchideenhausern die ge- 
wiinschtc Luftfeuchligkeit lierzuslellen , ging 
selbst so weit, die ganzen Beete und Stellagen 
in ein grosses Wasserbecken umzuandem, das 
bestandig voll gehalten wurdc, und auf dem 
Orchideen so placirt sihd, dass sie nur 
lige Zoll iiber der Wasserflache sich befin- 
. — Prof. Unger, einer der ausgezeichnet- 
deutschen Botaniker, hat zw 



nt werden. 
der Orchideen, Bromeliaceen und Aroideen. 
Esscheint logisch, anzunehmen, dass Pflan- 
zen, die nicht angewiesen sind, ihre Nahrung 
aus dem Boden zu ziehen , — die keine be- 
sonderen Nahrorgane besitzen, wie die ach- 
tea Schraarotzer, um aus den Baumen, auf | 
denen sie wachsen, irgend welche Nahrung j 
in schopfen, - dass solche Pflanzen in der 
ae umgebenden Atmosphare die Feuchligkeit 
aehen mussen. die ihnen zu ihrem Wachs- 
- In der That ist j 



um gesagt und es wiederb 
botanischen und gartnerischen Werken, I 
! Epiphyten hauptsiichlich von Wasser- j 
en ernahren, den sie der Luft entzie- j 
ass die Organe, die diese Aufsaugung J 
•i einerseits die Blatter, ha 



nehmen. Bei dem ersten Versuchc fand er 
eine Luftwurzel von dem Epidendrumelon- 
g a turn von 17 Zoll Lange, die in einer mil 
Feuchtigkeit gesattigten Luft gehalten wurde, 
in 24 Stunden mehr als '/ 9 ih fes Gcwichtes 
aufnehmen. (Anatomic und Physiol, der Pflan- 
zen, 1855, p. 506 u. 507). Zu seinem zwei- 
ten Experimcnte benutzte er eine epiphyte 
Pflanze aus der Familie der Commelyneen, 






ans, Lindl. Ein 



befestigt, wurde in einem feucht gehal- 
l Gewachshause aufgehangl. Nach Ver- 
eines Jahres, sagt der deutsche Gelehrte, 



der t 



Zeit das Vorhandensein 'einer uusseren 


Und doch ist diese allgcmein angenom 


Von einem besonderen Gewebe consta- 


Ausicht false h, dass die Orchideen, Br 


d darauf hin wurde auf die positive 


mdere epiphyte Pflanzen ha 


S ef olgert, das, diese iiussere lliille d r 


sachlich void Wasserdunsl le 




_ und die Erklarung, die man da 


rdunst einzusaugen und zu verdi.-h- 


hin von Hem Wachslliuin di-ser hlaii/.:i 


m B*B der Pflanz- als 


gebenhal. damil ebenfalls umichtig. - 


*»■- Dieser Ans, !u .. nil U [ !a |,, n di , 


der That. eine lange 'leihe \..>n Expernn 


r for die epiphytischen Pflanzen und l.o- 


|,ab.-n inir b"svie>en. dass die Epiphyte 


s rar die Orchideen cine ganz eigene 


in der Atmosphare enlhallene du nstforn 


^ftode aofgeslellt. Um den auM^ u- 


Wasser weder durch ihre Blatter, noch 



Garfenflora Deutschlands and der Schweiz. 



, als sic die A 



■•in ih,- Wachs- 
usdunstung 
Luft bekannt- 



licli w. it stalker 



gen Niederschlage in ihren Heimathlanderr 
sowie das Bespritzen und Begiessen in unst 
rrn Grwiiciishausern fur diese Pflanzen eir 




die Blatter der 
Epiphyte) 

feucht gemachtt 

Herr Duchart 
Stengel von Dendrobium moschatum, 
mit 14 Blattern besetzt, unter eine Glasglocke, 
die auf eine mit Wasser gefullle flache Schale 
gesetzt wurde. Anstatt Nahrung aus dieser 
mit Wasserdunst gesattigten Luft aufzunehmen, 
hatte der Stengel schon nach Verlauf einer 
Woche */«o seines ursprunglichen Gewichtes 
verloren. Ein grosses Blatt von A n g r a e c u m 
eburneum unter gleichi 
bracht, hatte in 14 Tagen 



kommen frisch erschicn. — E 
Stengel desEpidendrum elon 
im Orchideenhause des Pariser 



h 4 Wochen hatte dieser Stengel, 
enfalls ganz griin und frisch, doch 
icht verloren. — Da Prof. Unger 

ltzt hatte, wurde diese Pflanze ganz 
md auf das Sorgfaltigste beobach- 
t ihr Versuche unter alien erdenk- 
altnissen angestellt, und es ergab 






Beispielen wohl zur Geniige hervor, dass die 
Epiphyten mit ihren Blattern oder beblatterten 
Stengeln keine Feuchtigkeit aus der sie um- 
gebenden Luft zu ziehen vermogen. 

2) Um zu bestimmen, wie die Luftwur- 

wurden unter anderen folgende Versuche an- 
gestellt: Ein Exemplar des Dendrobium 

sunden , lebenskrafligen Wurzeln , die sich in 
der Luft enlwickelt hatten, wurde in einer, 
oben mil einem Halsc versehenen Glasglocke 
in der Weise befestigt, dass die Wurzeln 
allein eingeschlossen waren, wahrend der be- 
blatterte Stengel frei hervorrigte; die Oeffnung, 
durch die der Stengel gezogen war, wurde 
nun rund umher dicht geschlossen und die 
Glocke aur eine Schale mit Wasser gestellt. 
Die Wurzeln, die in dieser Weise allein einer 
sehr feuchten Atmosphare ausgesetzt waren, 
haben aus derselben nicht die geringste Feuch- 
tigkeit eingesogen, denn nach drci Wochen 
hatte die Pfianze schon »/• an Gewicht ver- 
loren. — Ein Epidendrum elongatum, 
auf die gleiche Weise behandelt, nur das» 
der beblatterte Theil des Stengels abgeschnit- 
ten wurde, um die Verdunstung, die durch 
die Blatter geschieht, aufzuheben, — hatte 
schon nach 10 Tagen um »/• s eines Gewicb ' 
tes abgenommen. 

3) NachdemHerrDuchartre in den schon 
angefuhrten Beispielen mit den Blattern und 
Luftwurzeln besonders cxperimentirt hatte, nahm 
er nun ganze Pflanzen zu seinen Versuchen, 

deenhause im „Jardin des plantes' an 
stellte. Die Resultate dieser Versuche stirotn- 
ten vollig unter sich, wie mit den vorhergehen- 
den uberein. Es ergab sich eine bestand.ge 
Abnahme an Gewicht, wenn die Pflanzen sorg- 
faltig gegen jede Wassergabe in flussiger 
Form geschiitzt wurden , obgleich die PflaD" 



..,.' 



len zwei noch nicht bestimnite Tillandsia- 
Arlen. Die erste verlor im Verlaufe eines 
Monats */»« im ' es urspriinglkhen Gewichtes: 
die zweite verlor in der gleichen Zeit eben- 
falls 4 Grammen am Gewicht, beide schienen 
jedoch ebenso frisch und gesund als vorher. 
Nach diesen Erfahrungerr, fahrt Herr Du- 
chartre fort, glaube ich berechtigl zu sein 



nahren sich derm diese Pflanzen, die 
ihre Standorte angewiesen scheinen, au 
Almosphare ihre Nahrung zu schopfen? 
geschieht einzig und allein durch 



spritzen, wodurch der Gartner, ohne Wissen 
desHerm Prof. Unger, der Pflanze die no- 
thige Nahning zufiihrte. 

Aus dem Vorhergehenden gehthervor, dass 
bei der Cultur der Orchideen und andererEpi- 
phyten das Begiessen der in Gefassen gezoge- 



Regen benetzt , und welches 




aufgesogen wi 
mptung ist mir 
i Versuchen erv 



durch erne grosse 
mesen. — Wir fuh- 
die Folgenden an : 



Nachdem Herr Du 
chene Experiment mit einem D a 
schatum gemacht hatte, bei d 
drei Wochen ein Gewichtverlust 
Totalgewichtes herausstellte , fu 
fort, ein- bis zwei Mai taglich 
in die Glocke zu schutten , so d 



Jagen hatte die Pflanze, Dank diesen spar- 
lichen Wassergaben, ihren Verlusl wieder er- 
se lrt; ein gleiches Resullat ergab das oben er- 
*«"«• Epidendron elongalum, sobald 
"' frei au fgehangt, taglich ein Mai bespritzt 
^e- Spironema fragrans verhielt sich 
Pnz ahnLch und zeigte ein uppiges Wachs- 
^ bei taglich einmaligem Ueberspritzen. 
^enn Herr Professor Unger diese Pflanze 
jam einem Warmhause aufgehangt, ihr Ge- 
"i einem Jahre verdoppeln sah, so ge- 



ihren zeitweiligen Bediirfnissen ertragen kann. 
Uebrigens slimmen die Beobaehtungen der 
nalurlichen Slandorte dieser Pflanzen vollkom- 
men iiberein mit den Resultaten meiner Ver- 
suche und den daraus gefolgerten Schlussen. 
— Die epiphyten Orchideen konnen sich nur 
von Regen und Thau ernahren. Versuche, die 



und die ich hier nicht naher 
haben mir bewiesen, dass die 
im Allgemeinen nur unbetracht- 
hch ist. Aus diesem Grunde muss man sich 
daher nicht wundern iiber die Masse von Wur- 
zeln, die diese Pflanze oft im Vaterlande ent- 
wickeln. An trockenen Standorten, wo sie 
ausser der Regenzeit nur selten und sparlieh 
Wasser erhalten, vervielfalligen sich die ab- 
Organe, um moglichst viel auf- 




und der Schweiz. 



IV. Lit 

H. Jaeger, die Baumschule odoi vollsUiu- 
dige Anleitung zur Anzucht der Obstbaume, 
zum Bclriebe der Baumscbulen im Gros- 

Obstsorten aus Samen. Leipzig Wrlag 
von Otto Spamer. 

welches un- 

als eine Abth 
Gartenbaues. Der Verfasser, unser Mitarbeiter 
an dieser Zeitschrjft, ist unseren Lesern aus 
seinen vielen vortrefflichen Abhandlungen und 
Schriften wohl bekannt. Die vorliegende 
neueste Arbeit desselben schhesst sich wurdig 
an seine fruhern Schriften an und gicbi uns 



Landwirlhschailhchen 



Zwecken, iiber Verpackung und Erzeugung 
neuer Obstsorten aus Samen. 

Der Verfasser giebt uns dabei nicht nur 
einen reichen Schatz eigener Erfahrungen, son- 
dern er hat auch zugleich alle die in Deutsch- 
land, England und namentlich in Frankreich 
bis auf die neueste Zeit gemachten Erfahrun- 

mil das vollstandigsle, was in dieser Beziehung 
bis jetzt geleis'et undzusammenjrestellt worden 
ist. Wir erapfehlen daher dieses Werklein 
nicht nur alien denen, welche Baumschulen 
zu solchen Zwecken anlegen, als unentbehr- 
liches Hulfsbuch, sondern auch alien Freunden 
der Obstbaumzucht , die in dieser Beziehung 
nur einzelne Baume fur den eigenen Gebrauch 
anziehen. Sehr, oder fast zu ausfiihrlich ist 
der Abschnilt uber Veredelungen , indem da 
manche Veredlungsarten , wie z. B. das Pfei- 
feln, Anpflastern etc. aufgefuhrt sind, die als 
Spielereien in der eigentlichen Praxis gar nicht 



Bei der Erziehung der Baume, 
er bei der Bildung von Spalieren undPyra 
den, sind vornehmlich die Ansichten zi 
undo gelegt, welche sich in Frankreich al 
wahrt haben. (E. R.) 



r a t u r. 

I) Ein Russisches Journ 
Die Moskau< 



Entwickelung getreten 



3 Bogcn Text in ru; 
Redigirt ist dasselbe « 
Picouline, und nennt A 
Linden, Topf in Ei 



Duphcafe au 
Die russischer 
gegen diese 1 

ganz aus eigr 



\VA b 'l.,r 

lungcn s 
den Belgischcn Journal 
eitungen sind ziemlich si 
ere Richtung aufgetreten, 



i heben, selbst < 



Referent ist der russischen Sprache jetzt 
noch nicht machtig genug, urn die Lei- 
stungen dieses Journals selbst beurlheilen zu 
konnen, mit der lebhaftesten Freude hat er 
eben diese Bemuhungen der Kaiserl. Russ. 
privilegirten Gartenbau-Gesellschaft zu Moskau 
begrusst und hofft an d 
selben, den Gartenbau'2 

i.theil nehmen 
Russland ganz aus eignei 
erhalten konne, das mit j 



3) Pritzel, Dr. G. A., Iconum Botanic* 
rum I n d e x , oder die Abbildungen sicM- 
bar bluhenderPflanzen uud Farrenkraa^r 
aus der botanischen und Garten -Lite» 
des 18. und 19. Jahrhunderts in alp^ 
betischer Folge zusammengesteUL 
bei Friedrich Nicolai. 

alphabetischer Ordnung die Abbildungen von 
Pflanzen in den zahlreichen botan.schen u» ! 
Garten-Werken der letzten 150 Jahre «-» 



tid. Jeder Botaniker, der sicli 
mnung von Pflanzen heschafligl. 
eits aus Erfahrung, welche un- 
ienste dieses Work leislet, wo 



aft erst noch frucht- 
Auch der Blumen- 
• die anderc Pflanzen- 



telst dieses Buch 
die Richtigkeit seiaer Pflanzc 
liotheken oder s 

. die kein.'! 



iiiueiii wir aaner aieses gute tfucn nut gu- 
tcm Gcwissen ganz allgemein empfehlen kon- 
nen, wiinschen wir, dass der Verfasser und 
die Buchhandlung fur diese ebenso muhsame 
als nulzlielie Arbeit dnrch zahlreichen Absatz 
Kiidscliiidi^ung fin den mogen. Wollte Gotl, 
wir erhielten mil der Zeil audi ein ahnliches 
vullstatidi-e> Werk, in dem die Beschieibungen 



wiiren. Bei dem giuizlichen Man-el <>ines all- 
gemeinen botanischen Werkcs wiirde ein sol- 
ches Buch den wichtigsten Anhallspunkt fur 
alle in diesen Tbeil der Bolanik fallenden Ar- 
beiten bielen. Dass Pritzel's Arbeit rein coni- 









V. Personalnotizei 



1) Der vielvcrdiente Herr Oberamlsarzt Dr. 

von Steudel in Esslingen ist am 12. Mai 

den Seinen, seinen Freunden und derWissen- 

senschaft durch ein Herzleiden nach kurzer 

sen worden. Eifrig und fleissig 

schiedenen miihsamen Werken beschenkt, 

mandator ist in Jedermanns Handen. Sein 

lelztes Werk fiber die Graser etc. ist eine das 

Stadium sehr erleichternde Zusammenstellung. 

(Bot. Zeitung.) 

igem Bedauern lesen wir in 

er bolanisehen Zeitung die Nachricht von dem 

'ode unseres Freundes Hermann Kegel, 

- in Halle. Er starb am 27. 

* nach Htagigem Krankenlager. Ein vor- 

^icherMenseh, ein Uichti.er Gartner, der 

i seiner reichen Erfahrung und seinen griind- 

«> botanischen Kenntnissen dem Institute, 

Jjdchem er wirkte, von dem grossten Nutzen 

, J ' W ' rd " Mn Andenken bei Allen, die ihn 

A « Wen, ein dauernder sein. (E. 0.) 

(>eur 3)HerrDr - Albert Dietrich, Mitredac- 

er - Berliner allgemeinen Gartenzeitung, 



■ ist nach einem litagigen 

j 22. Mai in seinem 61. Lebensjahre zu Berlin 

J gestorben. 

4) Dr. Alexander von Bunge, ordenl- 
licher Professor der Botanik an der Universilal 
Dorpat, ist zum Kaiserlich Bussischen wirk- 
liehen Slaatsralhe mit dem Pri 

:ide, ist von der Konigin von 
England zum Bitter geschlagen und fiihrt fort- 
an den Titel: „Sir Henry Barlh." 

6) Des persischen Schah's britti- 
scher Obergartner. Die Thatsachcn der 
folgenden Erziihlung wurden mir von Herrn 
Burton mitgetheilt, welcher gegenwartig als 
Obergiiilner in Teddesley Park in Staffordshire 
fungirt. Ich halte namlich schon vorher erfah- 
ren, dass er wahrend eines oder zwei Jahren 
in den Dienslen des persischen Schah's geslan- 
den, und darauf liin hatte ich bei enter Ge- 
legenheit Herrn Burton gebeten, mir etwas 
aus seinem Leben in Teheran zu erzahlen, ihn 
zugleich auch nach den Griinden gefragt, welche 
ihn veranlasst , so fern von England Beschaf- 



zu Papier brachte, um noch einen 
Horerkreis dieses Interesses theilhaflig J 
chen. Nachfolgende Schilderung ist a 



beendigt, als sich im Jahr 1848 Oberst Sheil, 

englischer Gesandter am Hofe Teheran, aus 

Auftrag des persischen Schah's , welcher einen 

Iner an seinen Hof zu ziehen 



I M,;/.. > 



i Koola, 



Persien zu gehen und in Teheran die Ober- 
aufsicht fiber die koniglichen Garten zu uber- 
nehmen. Als Salair wurden 100 Pfund stipu- 
lirt , sowie freie Wohnung und eine Vergfitung 
von 2 engl. Schillingen taglich fur sich und 
einen eingebornen Bedienten. Diese Verspre- 
chungen , verbunden mit dem bei jungen Leu- 

Burlon, jene Antrage 

Gefolge des Mirza Oosan Koola Southampton 
am 29. September 1848 und gieng auf einem 
Dampfer nach Constantinopel. Von hier reislen 
sie ohne Unfall nach der persischen Haupt- 
stadt Teheran , wo seit ungefahr lOJahren der 
Sitz der Regierung ist. Um diese Zeit war 
namlich die Kujurdynastie in den Besitz des 



persischen Thrones gekonnnen, und da deren 
Parloi im nordlichen Persien das Uebergewicht 
hat, so fiihlten sich die Schah's aus dieser 

sudlichen Hauptstadt. Teheran liegt mitten in 
einer weiten Ebene, welche zwei bis dreihun- 
dert Meilen lang ist und ein hochst 6des und 



i dieser Form zu grossen 



Tas:.' i 



Sandwolken erhebt. Es 

dass die Sonne mehrere 

wahrend einiger Stunden durch solche in's 

Rothliche schimmernde Staubwolken verdan- 

kelt wird. 

Als Burton in Teheran ankam, erwarteteu 
ihn da schlimme Neuigkeiten. Der Schah, 
welcher dem Obersten Sheil den Auftrag ge- 
geben hatte, einen englischen Gartner zu en- 
gagiren, war todt und sein Nachfolger kummene 
sich ebenso wenig um die Verpflichtungen, 
welche sein Vorganger eiugegangen, als um 
Gartnerei uberhaupl. Oberst Sheil war in Eng- 



land. Da s 



des Britten; dabei hatte a 
i auf die englische Gesandt- 
bestand er auf einer wenigstens 



schaft, und 

theilweisen Erfullung seines Co 

diese Angelegenheit geschlichtet 



die Dauer eines Mo 
telstande angehorte. 



richer dem besseren Mi 



Im Juliheft Seite 204 Zeile 23 von unten i 
geblieben. Der Salz lautet: „In Topfen gezogen; 
heissen „keine Wurzeln," und man biltet, den Sa 



mnentstellender Druckfehler I 



A ii z e i g e n. 



•"V Auf mein der heutigen Zeitung beiliegendes Verzeichniss uber: Haarlemer 
und Berliner Blumen-Zwiebeln, Samereien zur Herbstsaat, und 
Nachtrag neuer Pflanzen erlaube ich mir ergebenst aufmerksam zu machen, 
und bitte gefallige Auftrage mir moglicht bald zukommen zu lassen. 
Erfurt, Ende Juli 1856. 

Ernst Benary. 

Kunst- und Handelsgarlner. 



Ucbcr II a ii hi la it ii 



b, Wedelzahl und Grosse geordnet, erschien so eben ein 
Verzeichniss — dem sich ein solches fiber erst jungst iraportirte Baumfarm, Ama- 
ryllis Belladonna und solandraeflora, Crinum americanum, Galactodendron utile, Inga 
Laman, Hura crepitans, Cyrtopodium punctatum und Dionaea muscipula zu annehm- 
baren en gros-Preisen anreiht. 

Da wir uns der giinstigsten Versendzeit nahern, so wolle man, mich recht bald 
um Zusendung dieses und des 64 Folien umfassenden Hauptcatalog's veranlassen. 
Planitz bei Zwickau in Sachsen. 

G; Geitner. 



MONATSSCHRIFT 

fur 

deutsche und schweizerische Garten- und Blumenkunde 

unter Mitwirkung von 

Prof. Dr. H. R. Goeppert, Director des botanischen Gartens inBreslau, J. Hutstein 

in Breslau, H. Jaeger, Hofgartner in Eisenach, Prof. Dr. R. Koch in Berlin, 

B. lOCas, Garten -Inspector in Hohenheim, E. Ortgies, ObergSrtner am botanischen 

Garten in Zurich, Dr. G. ReiChenbach, Professor in Leipzig 

Herausgcgeben 

Dr. E. R e g e 1, 



Mitherausgeber fiir Deutschland Mitherausgeber fur die Schweiz 

J. Rinz, Prof- Dr. 0. Heer, 



Redactor 

Dr. H. Locher, 



Oktober 1856. 

(Ausgabe mit ilium, und schwarzen Abbildungen.) 



Erlangen, 1856. 
Yerlag von Ferdinand Enke 



Abbild. 3 fl. 30 kr. oder ' 



Inhalt des Oktober-Hcftes. 



I. Originalabhandlungen. 

1) Abgebildete Pflanzen 

a) Heliconia bicolor Benth .... 

b) Fritillaria camscbatcensis Fisch. . . 

c) Eranthemum leuconeuro Hourt. . . 

2) Neue Pflanzen, die im Bot. Garten zu 

Petersburg bliiheten 

3) Uebersicht der Triebkraft des skandi- 



navischen Bodens. Yon Professor 
Elias Fries, aus dem Schwedi- 

in Upsala 297 

II. Neue Zierpflanzen 303 

III. Notizen 312 

IV. Personalnotizen ..... 319 



Druckfehler. 



Einsendungen fur diese Zeitschrift sind an die Verlagsbuchhandlung 
oder Redaction zu machen. 

Biicher, deren unpartheiische Besprechung, sowie Pflanzen deren Ab- 
bildung in diesen Blattern gewunscht wird, sind, und zwar von letzteren 
eine gute Abbildung, wo moglich mit trockenen Exemplaren begleitet, unter 
der Adresse E. Kegel in Petersburg an die Verlagsbuchhandlung von Fer- 
dinand Enke in Erlangen einzusenden. 

Annoncen aller Art werden auf den Umschlag oder Beiblatt gegen 
eine Vergiitung von 2 Sgr. oder 7 kr. per Zeile aufgenommen. — Cataloge 
legt die Verlagsbuchhandlung in einer Anzahl von 600 Exemplaren gegen 
eine Gebiihr von 1 Thlr. 20 Sgr. oder 3 fl. der Gartenflora bei. 



. Origin alabhandiungen. 

1) Abgebildete Pflanzen* 

a) Hclicoiiia bicolor Ueutli. 

(Sieho Tafel 172.) 
S c i t a m i n e a e. 



Diese herrliche Pflanze aus Brasi- 
lia gehiirt zur Abtheilung Bihai, nam- 
lich mit zusammengelegten, zweizeilig 
gcstellten, abstehenden Bliithenscheiden 
ond durch Bracteen unterstiitzten Blu- 
thenstielchen. Sie wird 3—4 Fuss hoch, 
besitzt schon griine, gleichfarbige, lang- 
lich-lanzettliche, zugespitzte und am 
Grande verschmalerte, 13— 22ZolI lange, 
2l /i-4V 2 Zoll breite Blatter, die lang 
gestielt und nach alien Seiten mit den 
BlattllSchen grazil uberhangen. Es gc- 
p Urt dahpr schon die nicht bliihende 
Janze zu den berrlichsten Decorations- 
Pflanzen des Warmhauses. Die Bluthen- 
* hre , bei ihrem ersten Erscheinen von 
J* n no< ; h anliegenden Seheiden umschlos- 
en > Wtt im Januar oder Februar aus 
« Spitze der Stengel in Form einer 
^arlachrothen Keule hervor. Sie ist 
«chau S kahl und kiirzer als das ober- 
att - Spater treten die einzelnen 
^ammengelegten Seheiden auseinander, 
6«wt ehl6 faSt lanzettliche zugespitzte 
t und sind prachtig scharlachroth 
ST Sechs bis acht dieser zweirei- 
™ U ^ Seheiden, von denen die 

ter u 6 ~~ 7 Zo11 lan »' die oberen 
n, «* kleiner, bilden den Bliithen- 



stand, und am Grunde jeder derselben 
treten im Miirz oder April 4—6 Blumen 
hervor. Diese letzteren besitzen einen 
scharlach gefarbten Bluthenstiel und 
Fruchtknoten, und 6 weisse, lange, roh- 
renfbrmig-zusammenncigende , aufrechte, 
schmal bandfdrmige, 1% Zoll lange Bltt- 
thenhullblatter. Sechs Staubfaden, von 
denen einer viel kiirzer und steril. 

Abbildungen dieser herrlichen Pflanze 
finden sich zwar bereits als H. bicolor 
in Maund. Bot. III. 101. und im Sertum 
Petropolitanum, sowie unter II. angu- 
stifolia Hook, im Bot. Mag. Tab. 4475. 
Allein es ist trotzdem dieselbe noch so 
wenig ihrem . Verdienste nach bekannt, 
dass wir nach einer im hiesigen Garten 
angefertigten Original - Zeichnung , die 
auch der Abbildung im Sertum Petro- 
politanum, welches sich nur in sehr 
wenigen Bibliotheken befindet, zur Gruud- 
lage diente, hierbei nochmals eine Ab- 
bildung geben. Nach unserer Ansicht 
ist es eine der schb'nsten, die allgemein- 
sle Verbreitung verdienenden Pflanzen, 
von der in diesem Friihling vieleExem- 
plare , und diese zum Theil mit 6—8 
Bliithenstanden im hiesigen Garten blii- 
heten. Man deuke sich einen Busch 



290 

dieser Pflanze, mit nach alien Seiten 
grazil uberhangenden decorativen Blat- 
tern und zwischen ihnen die scharlach- 
rothen Bliithenahren mit den weissen 
Blnmen. Dazu kommt, dass die Blii- 
theniihre ungefahr 2 Monate braucht, ehe 
sie die Blumen zeigt, dann noch liinger 
als einenMonat fortbliihet und in jedci 
Zimmer oder Salon sich sehr gut halt. 

Die Cultur, unter welcher sie im 
hiesigen Garten so dankbar bluhete, 
folgende. Man pflanzt Starke Pflanzen 
im Februar oder auch erst im Mai in 
ungefahr lOzollige Topfe, giebt ihnen 
hier gute Unterlage und eine kraftige, 
zur Halfte mit Lehm- oder Rasenerdc 
versetzte Laub- oder Heideerde. Den 
Sommer hindurch miissen diese Pflanzen 
einen Standort im nicdrigen Warmhaus 
mit Bodenwarme oder auch im Mistbeet 
bekommen-, denn wiihrend dieser Zeit 
bilden sie die Blumen vor. Versiiumt 
man dies, so werden sie, eben wie in 
den meisten Garten, nicht bluhen. Im 
Winter werden sie, in eine Tcmperatur 
von 12—15° R. gestellt; eine Boden- 
warme ist ihnen dann wohl zutraglich, 



Garlenflora Dentschlands und der Scrrweiz. 



aber nicht gerade nothwendig, indem 
sie auch ohne solche ihre Bliithen zei- 
gen, wenn schon diese weniger kraftig 
sich ausbilden. Verpflanzt werden sie 
nicht wieder. Probeweise noch im No- 

grossere Tbpfe oder Kubel, jedoch ohne 
die Wurzeln zu beschadigen, scheint 
weder vortheilhaften noch nachtheiligen 
Einfluss auf die Entwickclung der Blu- 
men ausgeiibt zu haben. Dagegon hattc 
das Begiessen mit Dungwasser sehr vor- 
theilhaften Einfluss. Man nehme daher 
bei den bluhcnden Exemplaren das Ver- 
pflanzen erst nach der Bliithe vor, UDd 
wahle selbst, urn recht schbne Exemplare 
zuerzichen. kleine Kubel; die nicht blii- 
henden versetze man aber schon im Fe- 
bruar. Im Sommer und Winter wird 
Dungguss angewendet und im Herbst 
nicht weiter verpflanzt. 



. Staubfadcn rait Griffel. 
i. Der sterile Staubfaden. 
, Der Griffel vergrossert. 



b) Fritiilaria camschatcensis Fisch. 

(Siehe Tafel 173.) 



L i 1 i 



im Grunde eine Nectarhbhle und 
Staubfaden tragend. Fruchtkapsel 



Diese durchaus harte Perennie ist 
im nordwestlichsten Amcrika zu Hause. 
Sie halt sogar den Winter hier in Pe- I stumpf 6kantig. 
tersburg ganz gut im freien Lande aus. | Eine eigenthiimliche schbne 
Bildet einen etwas mehr als fusshohen 
Stengel. Wurzelbliitter lanzettlich-oval 
in den Stiel verdunnt. Stengelblatter 
sitzend , zerstreut oder bis zu 5 in Quir- 
len, lanzettlich. Blumen zu 1—2 auf 
den Spitzen der Stengel nickend , glo- 
ckenfdrmig, schwarzpurpur. Bliithenhull- j b. Ein solches mit Staubfaden. 
blatter breit-lanzettlich , stumpflich, ner- I d.' Eine Fruchtkapsel. 



tige Pflanze fur halbschattige Blumen- 
beete, besonders solche von tiefem ho- 
musreichen lockeren, aber nicht s 
gediingten Boden. CE. R > 

Erklarung der Tafcl. 



c) Eranthcmuin lcuconeuro Honrt. *) 



Eine schb'ne decorative Warmhaus- 
pflanze, die ohne Angabe des Vaterlan- 
des und Autors in der neuesten Zeit in 
deutschen Garten unter obigen Na- 
raen verbreitet ward. Eine Beschrei- 
buDg konnten wir von derselben nicht 
auffinden. Doch scheint sie dem E. lep- 
tostachyum N. ab E. vom Amazonenstrom 
ziemlich nahe zu stehen. 

Characteristisch fiir unsere Pflanze 
ist der niedrige Wuchs , indem die Pflanze 
ohne Bluthenahren kaum 5 Zoll hoch 
wird, und die auf der oberen Seite schbn 
silberfarben geaderten Blatter. 

Der Stengel ist stielrund, wie die 
Blattstiele und Rippen des Blattes an- 
gedriickt steifhaarig. Blatter kurz ge- 
stielt, oval, bis 2% Zoll lang und \% 
Zoll breit, am Grande abgerundet, mit 
stompfer, allmahlich verdiinnter Spitze, 
T °n fast lederartiger Consistenz, am 
fonde schwach wellig und kaum aus- 
geschweift, oberhalb glanzend griin , mit 



silberfarbenem Adernetz, unterhalb hcll- 
griin und behaart. Bluthenahren spitzen- 
und achselstandig, cinzeln oder zu dreien, 
einfach oder amGrundeverastclt, bis fast 
% Fuss lang, schlank, wie die Brac- 
teen und Kelche driisig behaart. Brac- 
teen lineal pfriemlieh, kiirzer als die 
Kelche. Blumen sitzend, gegenstiindig, 
fast entfernt. Kelohlappen pfriemlieh. 
Blumenkrone mit schlanker dunner 4 Li- 
nien langer, gekriimmter weisser Rbhre, 
und fast 21ippigem, zartlilafarbenem, ge- 
gen den Schlund hin weissem Saume, 
dessen 2 obere Lappen genahert, die 
unteren dagegen regelmassig und gleich- 
massig von einander stehend. 

Cultur im niedrigen Warmhaus, in 
einer lockeren kraftigen Lauberde, oder 
Mischung aus Torferde, Composterde, 
Rasenerde und Sand. ImFruhling sagt 
demselben jedoch auch ein Standort im 
Treibbeet sehr zu. (E. R.) 



) E. leuconeuron Hort. ; suffrutic 
"atis, subcoriaceis, breviter petiolatis, 
C0Stls P eti <>lisque strigoso-pilosis , supra I 
«s elongatis, tenuibus, terminalibus axi 
f»folos6.puosis; bracteis lineari-subi 



limbo subbilabiato , 



n, die im Hot, Garten au Petersburg bluheten. 

kaum 1 Zoll Durchmesser erreichen, 
oben dunkelgrun und unten roth ge- 
farbt sind. Am Rande tragen die Blat- 
ter keiue Ecken, sondern nur undeutli- 
che ausgeschweifte Kerbzahne. Kelch- 
lappen linien-lanzettlich , spitz. Blumen- 



fi *) Cyclamen Coum Mill. p. rubrum 
MPrimulaceae). Eins der niedlich- 
* Pn Cyclam^ 
Wur *elstoek, 



scheibenfdrmigem 



>» Grunde nierenfbrmigen, im U 
1 keisformigen Blatter tragt, < 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 






- urnenfbrmiger , am 
ngezogencr Rbhre und 
5seitigem Saumc. Die Lappen der Blu- 
menkrone breit oval, beiderseits abgerun- 
det und vorne spitz, bci unserer Abart 
schbn pfirsichbliithenfarben gerbthet und 
am Grunde mit einem dunkelpurpurro- 
then Flecke. Wild im Oricnte. 

2) Cyclamen Coum Mill y. pulcher- 
rimum Bgl Wir halten diese herrliche 
Abart, die Sweet tab. g. II. S. im Fl. 
gard. als Cyclamen vernum abgebildet 
hat, fur eine der schbnsten und zierlich- 
sten Arten dieser herrlichen Gattung, 
die sich in jeder Hinsicht empfiehlt. 
Vom C. Coum weicht es ab durch et- 
was langere herzfdrmige runde, vorn 
schwacli stumpfe Blatter, die oberhalb 
zierlich weiss gezeichnet sind. Ferner 
durch die Lappen der Blumenkrone ? 
welche langlich, noch einmal so lang 
als breit , vorn scharf gezahnelt und zu- 
sammengedreht sind. Wahrend die ganze 
Blume des Cyclamen Coum breiter als 
lang ist, ist die unserer Pfianze langer als 
breit. Die Farbe der Blumenkronenlap- 
pen ist ein leuchtendes Carminroth, am 
Grunde mit einem dunkelen Purpurfleck. 
Die schbne Zeichnung dcr Blatter, sehr 
dankbares Bliihcn im Januar (eine Knolle 
tragt bei uns zugleich bis 30 Blumen) 
die leuchtend rothe Farbe und Zeich- 
nung zeichnet unsere Pfianze sehr vor- 
theilhaft aus. Geruch besitzen die Blu- 
men jedoch nicht. Lindley's C. litorale 
(Bot. Reg. XXXII. 56) unterscheidet 
sich durch spitzere Blatter, kurze breite 
Kelchlappen etc. Cultur in einer Mi- 
schung aus einem Theil Rasenerde, ei- 
nem Theil Heide- oder Lauberde und 
Sand. Im Sommer stellt man es a 
nen kiihlen trockenen Ort und halt es 
eine Zeit lang ganz trocken. Im August 
wird es umgepflanzt und den Winter 



kalten Gewachshausc unter Fenster, 
worauf es im Winter seine niedlichen 
Blumen massenhaft entwickeln wird. 

Der hiesige Garten erhielt Knollen die- 
ser Pfianze von Hrn. Hartwissaus derKrim. 

3) Helleborus colchicus Egl; Ranun- 
culaceae. Ein neuer Helleborus und zu- 
gleich ein Gewinn fur unsere Blumen- 
rabatten imFreien, sowie fur unsere Ge- 
wachshauser. Der hiesige Garten erhielt 
denselben aus der Landschaft des alton 
Colchis (Mingrelicn), und dient derselbe 
hicr zur Ausschmuckung der Kalthauser 
wahrend der Wintermonate. In seiner 
Tracht ist er dem Helleborus purpuras- 
cens zunachst verwandt, da er wie die- 
ser einen 2blumigen Bluthenstengel, aber 
dunklere, dunkelpurpurnc Blumen hat; 
in der Gestalt seiner Wurzelblatter gleicht 
er dagegen dem Helleborus orientalis. 
Da beide Arten in jenen Gegenden waeh- 
sen, so kbnnte unsere Pfianze daher 
wohl auch ein Bastard zwischen diesen 
beiden sein, der die Blattform vom ei- 
nen, Stengel und Blumenform vom an- 
deren geerbt hatte. Die Wurzelblatter 
sind fussfbrmig oder handfbrmig getheilt, 
deren einzelne Blattchen liinglich - lan- 
zettlich, scharf gesJigt, kahl. Der Sten- 
gel ist purpurfarben, 2blumig, und jede 
Blume durch ein sitzendes 3 theihges 
Blattchen gestiitzt, dessen Segmente 
lanzettlich und deren beide aussere i noct 
ausserdem 2schnittig. Die 5 Kelchb a - 
ter sind fast rund, 17. Zoll lang, 1 /. 
Zoll breit, stumpflich, schbn dunkelpur- 
pum und noch dunkler geadert. 

Im Topf in gewbhnhcher Landerde 
gehaltcn, blfihet diese schbne Art im 
Kalthause schon urn Weihnachten od 
im Januar. Im freiem Lande entwicke 
er mit Helleborus purpurascens seine 
Blumen in den ersten Tagen des tru 
lings, wenn der Schneekau^^e 

geraumthat. Vermehrung durch Theum 



I. Originalabhandlungen. 



In der Fiirbung der Blumen der 
schonste der bekannton Ilellcborus-Ar- 
ten. Bliithezeit dauert mehr dcnn 6 
Wochen. 

4) Rhododendron chrysanthum L. 
Diese schone Alpenrose , die in Sibirien 
wild wiichst, ward vom hiesigen Garten 
schon an einzelne Garten Deutschlands 
abgegeben, scheint aber sich jetzt nur 
in sehr wenigen Sammlnngen Europa's 
zu befinden. Sie bildet einen niedrigen 
kaum fusshohen stark verastelten Strauch. 
Blatter gestielt, lederartig, langlich, spitz- 
lich, nach unten verdiinnt, oberhalb 
mattgriin und eingedriickt netzfdrmig ge- 
adert, unterhalb heller, spater ganz 
kahl. Blumen in doldenfbrmigen Trau- 
ben auf den Spitzen der Aestc, hell 
schwefelgelb. Die Blattflache wird et- 
m Tiber 2 Zoll lang und ungefahr 1 
Zoll breit. 



tendste rein gelbe Farbe, bluhet im 
kalten Gewachshause im Januar und 
hult fast einen Monat. Die Blumen 
selbst zeigen sich ziemlich dankbar. Im 
hi(, sigen Garten wird diese Pflanze in 
einer milden mit Lehm und Sand natiir- 
ilc h verniengten Humuserde cultivirt. 
p nc kunstliehe Mischung aus Eichen- 
Mzerde, Heide- oder Torferde, lehmi- 
B» Rasenerde und Sand mochte im All- 
^meinen jedoch fur deren Cultur sehr 
Signet sein. 

Schon bn Jahre 1806 giebt Tab. 80, 
pj ' Lond - eine Abbildung dieser 
u 'j nzeals Rhododendron officinale Salsb. 
p ^ agt > dass^sie sich haufig in den 

^zensamrnlungen finde. Spater scheint 

a wr aus der Cultur wieder mehr 

JKchwnnden zu sein. Wie unsere Al- 

L*T dUrft e diese den deutschcn Win- 
ohl * jede Deckung ertragen. 



solben gesammelt und gegen rheumati- 
sche Beschwerden gebraucht*). 

4) Amaryllis aulica Ker. Var, spe- 
ciosa, Amaryllideae. Unter den zahl- 
reiclien aus Brasilien in den hiesigen 
Garten direct importirten Amaryllis-Ar- 
ten bluhete im Februar als die schonste 
derselben eine Abart der Amaryllis au- 
lica. Die gewbhnliche Stammart besitzt 
bekanntlich schon unter den mit so viel 
Liebhaberei cultivirten Amaryllen die 
grbssten Blumen. Unsere Pflanze blii- 
hete zugleich mit 2 Blumenschiiften, die 
ungefahr Vf % Fuss hoch und 1% Zoll 
dick waren. Der eine derselben trug 2, 
der andere 4 Blumen, und jede Blume 
hatte etwas iiber 9 Zoll im Durchmes- 
ser. Die Farbe der Blumen ist ein 
leuchtendes Purpur-zinnober, welches in 
der Achse der Blumenblatter, besonders 
gegen den Grund bin in Schwarzpurpur 
mit blaulichem Schein ubergeht. Von 
alien uns bekannten Amaryllen ist dies 
die schonste. Die minder schone Stamm- 
art bluhete ebenfalls in zahlrcichen Ex- 
emplaren, sowie an ferneren Arten die 
Amaryllis Reginae L., miniata Ker, acu- 
minata Ker, rutila Ker, und ausserdem 
zahlreiche Spielarten und Bastarde. So 
schwer jetzt eine Amaryllis auf ihre ei- 
gentliche Stammart zuriickzufiihren ist, 
so leicht characterisirt sich die Amaryl- 
lis aulica durch den robusten dicken und 
verhaltnissmassig kurzen Bliithenschaft, 
sowie durch die sehr grossen unregel- 
massigen fast rachenfbrmigen Blumen, 
die am Grunde gleich auseinandertreten 
und da nur eine sehr kurze weite Kbhre 
bilden. Die Blatter sind langcr als der 
Bliithenschaft. 

5) Restrepia vittata Lindl. Var. bi- 



Hin und wieder auch bei uns. Die w 
ist ahnlich. derjenigen des Akonito, 



•>9\ 



Gartenflora Deutschlands und der ! 



flora Bgl Eine epiphytische Orchidee 
aus Columbien mit rasenfbrmigen Sten- 
geln, von der Tracht einer Pleurothal- 
lis. Die Stengel von der Dicke eines 
Eabenkiels werden 5 Zoll lang und tra- 
gen auf der Spitze ein langliches stum- 
pfes dickes Blatt von ungefahr 4 Zoll 
Lange. Am Grunde jedes Blattes ste- 
hen 2 Bliithenstiele, die 4mal kiirzer als 
das Blatt. Die Blume besteht aus zwei 
entgegensetzten Kelchblattern, zweiBlu- 
menblattern und der Lippe. Die Kelch- 
blatter weisslich, das obere Kelchblatt 
verlangert lanzettlich , zugespitzt, mit drei 
zarten rothen Linien gezeiclinet, 7 /s Zoll 
lang, 1/4 Zo11 Dreif j das untere fast 
doppelt so breit und ohnc Linien. Die 
Blumenblatter stehen seitlich unterhalb 
des oberen Kelchblattes, sind wenig 
kiirzer als dieses und geben aus breitem 
roth gewimpertcm Grunde in eine lange 
fadliche Spitze aus, welche wie dieMit- 
telrippe des weissen Grundes purpur ge- 
farbt ist. Die Lippe ist vollkommen 
zungenfdrmig, spitz, so lang als die Blu- 
menblatter, ringsherum roth gewimpert, 
dunkelpurpur gefarbt und mit 4 blasse- 
ren Strichen gezeiehnet; am Grunde der 
Lippe ifinden sich zwei kurze ohrenfbr- 
mige Lappen. Von dem Originaltypus 
unterscheidet sich unsere Pflanze durch 
je zwei Blumen am Grunde der Blatter, 
die spitze zungenfbrmige Lippe und die 
Zeichnung der Blumen. 

6) Azara integrifolia B. et P. Bixi- 
neae. Ein schoner immergruner Kalt- 
hausstrauch , der sich in deutschen Giir- 
ten noch nieht zu befinden scheint. Der- 
selbe wird 4—5 Fuss hoch und ver- 
astelt sich vom Boden an. Aeste an- 
fangs wie der kurze Blattstiel kurz weich- 
haarig, spiiterhin kahl und braun. Blat- 
ter verkehrt-eifbrmig , lederartig, ganz- 
randig, nach dem Grunde zu mehr oder 
weniger verschmiilert , nach der 1 



bemerkbaren Spitze zu mehr oder we- 
niger abgerundet, mehr als 1 Zoll lang, 
und bis 3 / 4 Zoll breit, oberhalb matt- 
griin, unterhalb blasser und mit rothem 
Mittelnerv. Blumen in kurzen kopffbr- 
migen hangenden Aehren. Kelch 4lap- 
pig, mit ovalen am Saume behaarten 
Lappen. Blumenkrone fehlt. Viele schbn 
goldgelbe Staubfaden iiberragen den 
griinen Kelch. — Es ist dieses ein bar- 
ter leicht zu cultivirenden Strauch, der 
seine leuchtend goldgelb gefarbten Blii- 
thenkbpfchen im Januar und Februar im 
Kalthaus cntwickelt und deshalb als 
schbne im Winter bliihende Kalthaus- 
pflanze zu empfehlen ist Gedeihet in 
einer lockeren Laub- oder Composterde. 
Vermehrung durch Stecklinge. 

Schlicsslich wollen wir noch bcmer- 
ken, dass die Blatter dieses Strauches 
in den Diagnosen der verscliiedencn 
Schriftsteller gepaart genannt wer- 
den. An jungen, noch im Wachsthum 
begriffenen Aesten sind sic dies nun 
allerdings stets. Es findet sich bier nam- 
lich neben jedem der grbsscren Blatter 
noch ein kleines fast kreisrundes am 
Grunde herzfbrmiges Blattchen. Spater 
fallt dieses aber ab, und so findet man 
an alten bluhenden Zweigen diese Blatt- 
chen oft gar nicht. Im hiesigen Garten 
cultiviren wir auch unter A. dentata eine 
Abart der A. integrifolia, welche an 
der Spitze der Blatter zuweilen einzelne 
driisige Zahne trSgt. Es ist dieses je- 
doch nur eine kaum als Abart zu un- 
terscheidende Form , und nicht die ff 
Bliithenstand und Blatt gut unterschie- 
dene Azara dentata. 

7) SpreMia Cybister Herb. Amaryl- 
lideae. Dieses ist eins der aiisgezeicn- 
netesten Zwiebclgcwachse des Warmhau- 
ses, das aus Bolivia eingefahrt ward. D* 
dunkelpurpurnen unregelmassigen » 
men, deren lange schmale Lappau^** 



griia gefarbt , stehen zu 4 in einem Quirl 
aafderSpitze des Schaftes. Einen ganz 
renthiimlichen Anblick gewinnt diese 
Pflanze durch den nach oben gebogenen 
obersten Lappen jeder Blume, der iiber 
demBliithenstand helmformig zusammen 
geneigt ist. Eine gutc Abbildung fin- 
det sich Tab. 455—456 der Flore des 
series. Die Cultur theilt sie mit den 
Amaryllis- Ar ten, namlich Vcrpflanzen 
Dach der Bliithe in eine kriiftige Laub- 
oder lockere Composterde. Warmer gu- 
ter Standort und reichlicbes Bewassern 
im Sommer. Trockener warmer Stand- 
ort an der Hintcrwand eines Warmhau- 
ses im Winter. Im Februar zeigt sich 
der Bliithenschaft , worauf die Pflanze 
ans Licht gestellt wird. Fortpflanzung 
durch Saraen , die durch kunstliche Be- 
fruchtung erzielt werden miissen. 

%)('ijpripe</ui)u Loui Lindl? Derhie- 
sige Garten erhielt seine Pflanze, Avelche 
im Februar dieses Jahres bliihete, direct 
von Low, und wir glauben auch, dasssie, 
trotzderDifterenz in der Bluthenbildung, 
mit einigen bereits bekannt gemachtcn 
Abbildungen identisch sei. Es kommt 
namlich unsere Pflanze in derBildung der 
Lippe, der beiden Petalen und des ober- 
sttti Sepalums, sowie in der Farbung 
torchaus mit den Abbildungen in Anna- 
te de Gand IV. 175, und Flore des 
series Tab. 375. iiberein. Dagegen fin- 
d «n sich, ganz entgegen dem Gattungs- 
C aracter von Cypripedium, auf jenen 
Abbildungen noch 2 seitliche Sepalen, 
' C ™ ischen dem obersten Sepalum und 
A n beiden seitlichen Petalen stehen. 
nteror Pflanze sind diese dagegen 
B 1 Cll »em an der Spitze eingekerbten 

*** verwachsen, welches unter der 
r P f e Steht ' g ar «z wie dieses bei ande- 
Griff i npedi6n der Fal1 ist Auch & e 
** 2T k UDd die breite Narbeschlies- 
** in ihrer Bildung ganz dem Gat- 



Blume auf der Spitze des Schaftes. Das 
gleiche ist auch auf den citirten Abbil- 
dungen der Fall, wahrend in der Be- 
schreibung gesagt wird, der Bliithenschaft 
sei 4— 8blumig. Wir wollen es nun da- 
hin gestellt sein lassen, ob 2 Arten un- 
ter Cypripedium Lowei stecken, oder ob 
ungenaue Zeichnung, oder Zeichnung 
nach einer Missbildung, wo das untere 
Sepalum sich ganz gcspaltcn hatte, Ur- 
sache dieser Differenzen ist, was unser 
ausgezeichneter Orchideen-Kenncr Hr. 
Prof. G. Reichenbach leicht wird cnt- 
scheiden konnen *). 

Sei es nun, wie es wolle, so gehbrt 
Cypripedium Lowei jedenfalls zu den 
schbnsten und interessantesten Arten der 
Gattung. Die gclbe Grundfarbe contra- 
stirt angenehm mit der tief violetten 
Zeichnung und der tief violetten Far- 
bung der Lippe und der herabhangen- 
den loffelformigen Zipfel der Petalen. 
Cultur in Tbpfen in lockerem Waldhu- 
mus in der warmsten Abtheilung des 
Orchideenhause^. Bliihete bei uns im 
Januar und Februar. 

9) Bilbergia iridifolia Nees et Mart. 
Bromeliaceae. Eine der zierlichsten und 
allgemein empfehlenswerthen Bromelia- 
ceen. Schon im Jahre 1827 gab Lind- 
ley eine Abbildung derselbcn nach aus 
Eio Janeiro in England eingefuhrten 
Pflanzen. Seitdem hat sich diese Art 
*) Ein Blick auf die von Lindley gegebene 
Orginalabbildung einer Blume von C. Lowei 
(Journ. of Hort. Soc. t. V. p.XVH.) iiberzeugt 
uns, dass unsere Pflanze durchaus acht. Auf 
dieser Zeichnung ist das unter der Lippe stc- 
hende Kelchblatt aufwarts zwischen Blumcn- 
blatt und dasobere Kelchblatt, wahrscheinlich 
um es zu zeigen, gebogen. Die Vermulhung 
liegt nun nahe, dass die Belgischen Journalc 
der Symmetrie wegen auch das zweite Blu- 
menblatt gezeichnet haben. 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



in europiiischen Garten vielfach verbrei- 
tet; sie gehbrt aber zu den gemeinig- 
lich weniger dankbar bliihenden Pflan- 
zen. Im hiesigen Garten bliihete diese 
Pflanze jedoch im letzten Februar sehr 
reichlich, indem einzelne Exemplare mit 
3Bluthenstanden zu gleichcr Zeitprangten. 

Blatter lanzettlich-bandfbrmig, bis 
2 Fuss lang und Vj s Zoll breit, spitz, 
die einen mit kleincn dornigcn Zahnen 
besetzt, die andcrn unbewehrt, oberhalb 
einzeln, unterhalb dicht mit weissen gc- 
meiniglich ringelfbrmigen Scbuppen be- 
setzt. Die Bliithentraube hiingt aus dem 
Herzen der Blatter grazil herab, ist wie 
die spiiter zuriiekgeknickt abstebenden 
Bracteen schon carminscluirlacb gefiirbt. 
Elumen spiiter zuriiekgeknickt abstehend, 
gelb mit veilebenblau gefiirbten abste- 
henden Spitzen der Blumenbliitter. 

Die dankbar bliibenden Pflanzen des 
hiesigen Gartens sind im Orchideenhause 
cinfach auf eine Unterlage von Moos 
an alte Eichcnstamme befcstigt. Hicr 
werden sie fleissig gespritzt und jahrlich 
ibre Wurzeln wieder mit Moos ausgestopft 
oder bedeckt. Wie in ihrem Vaterlande, 
wo der grosste Theil der Bromeliaceen 
ebenfalls an Baumstammen Iebt, gedei- 
hen sie hier ausserordentlich iippig und gut. 

10) Scilla cernua Bed, Liliaceae. — 
Dieses Iiebliche Zwiebelgewiichs, wel- 
ches auch unter dem Namen Scilla si- 
birica Andr., S. amoenula Hornm., S. 
azurea Goldb., S. uniflora W. beschrie- 
ben ist und mit der S. amoena L. viel- 
fach verwechselt wird, wachst schon bei 
Moskau, im Caucasus und iiberhaupt im 
ganzen sudlichen Russland wild. Das- 
selbe steht unserer niedlichen S. bifolia, 
dem ersten Friihlingsboten lichterLaub- 
waldungen, zuniichst. Die Zwiebel ent- 
wickelt 2—4 breit lineare bis 7 Zoll 
lange Blatter. Der Bluthenschaft ist halb 
Btielrund und scharf kantig und triigt auf 



der Spitze 1—2, gestielte (Stiel viel kiir- 
zer als Blumenkrone), nickende Blumen, 
die durch kleine Bracteen gestiitzt sind. 
(S. bifolia hat einen runden Bluthen- 
schaft und aufrechte Blumen.) Die Blu- 
men selbst sind breit glockig ausgebrei- 
tet , haben einen Zoll Durchmesser und 
sind unnachahmlich schon licht himmel- 
blau gefarbt. Halt im freien Lande aus, 
wo sie in Rabatten, amRande von Bos- 
quets etc. angepilanzt werden kann. Im 
Topfe cultivirt bliihet diese herrliche 
Pflanze im Februar und dient hier um 
diese Zeit zum Schmuck der Kalthiiuscr, 
Blumentische u. s. f. — Wir hoffen, 
spater eine gute colorlrte Abbildung in 
diesen Blattern geben zu kbnnen. Die 
Tab. 151. in Lodd. Cab. als S. sibiriea 
gegebene Abbildung stimmt in der Blu- 
me mit unserer Pflanze uberein. Eine 
genaue Revision hat uns gezeigt, dass 
Sc. rosea Lehm. und Sc. praecox W. 
nur Abarten der Sc. bifolia sind, und 
dass iiberhaupt das Fehlen der Bracteen 
kein Character fur Sc. bifolia ist. 

11) Scilla amoena L. besitzt stielrunde 
eckige Bluthenschafte , welche die Blu- 
men meist in grbsserer Menge tragen. 
Die Bluthenstiele selbst steben aufrecht 
ab, die untersten sind so lang als die 
Blumen , alle am Grunde mit sehr klei- 
nen Bracteen. Die Blumen selbst mit 
sternformig abstehenden Sepalen, dunkler 
azur mit violetter Beimischung. Die Blat- 
ter breiter, fast so lang oder langer als 
Bluthenschaft. Ist nur durch die meist 
sehr verlangerten Bluthentrauben und 
die kiirzern Bluthenstiele, welche hoch- 
stens so lang als der Durchmesser « 
Blume werden, wie die Formen von K 
bifolia zu unterscheiden. Bliiht ebenfalls 
im Februar, jedoch viel weniger schon. 
als die vorhergehende. (Ein '- J "' J ;/ 
iiber diese vielfach verwechselten W&' 
zen theilen wir an anderem Orte mit- 



Vif 



1 



tgCeUcwe^a ^u^^ B^L^4 



Miiller 
Die nachfolgende allgemeine Ueber- 
sicht der Vegetation in Skandinaviens 
grusseren, geograpbischen Eegionen kann 
nicht alle Eigenlieiicn I»<-i lit-k.^ic-Ii t ip:«*n, 
welche entstehen durch eigene physikali- 
fiche Vcrhaltnisse, geschiedene Lokalita- 
tea, wonmter die Hohe iiber dem Meere, 
so wie die Nachbarschaft desselbt 
wesentlichsten sind. Da ein lohnender 
Anbau unserer Culturpflanzen hierauf be- 
mht, so ist die bloss geographische Ein- 
theilung unzureichend fur praktischc 
Zwecke. Die natiirliche grbssere oder 
geringere Fruchtbarkeit eines Ortes ist 
aasserdem ein unsicherer Maasstab fur 
die Moglichkeit des Gedeihens einer ge- 
wissen Pflanzenart. Da eine Menge 
Pflanzen dieselben Bedingungen zu ih- 
rpm Gedeihen erfordern, so verkniipft 
man zweckmiissig die mbgliche Verbrei- 
tang der Culturpflanzen mit gewissen 
emheimischen Pflanzen, welche in ge- 
nannter Hinsicht iibereinstimmen. Tbeilt 
man deshalb das Land in grbssere Ee- 
gionen nach dem Vorherrschen gewisser 
Pflanzen, so erhiilt man einen sicheren 
Maasstab der eigenthtimlichen Fruchtbar- 
J eines jeden Ortes. Vorzugsweise 
«g*en sich hiezu die Waldbaume, in- 
, d,eseIben die Erdbildungen und Erd- 
tonperatar mehr im Grossen, als die 
^ter andeuten und, das ganze Jahr 
L Q 7 rch bl ° s sgestellt der Einwirkung der 
. sind sie die sichersten Zeiger der 
'""nikung des Klimas Da nun nach 
^ Acheron L age mit jeder neuen 
Pon neue Getraidearten und mehr 



Schwedischen ubersetzt von Daniel 
1 Upsala. 

Culturpflanzen vorkommen, so kbnnten 
auch die Eegionen nach diesen benannt 
werden, niimlich als die der Kartoffcl, 
der Gerste, des Hafers, Eoggens, Wei- 
zens u. s. w. Diesen Grundsiitzcn gemiiss 
theilt manSkandinavien in folgende 8 Ee- 
gionen, welche gleichwohl in mehrere 
untergeordnete kbnnten vertheilt werden: 
1) Die Schneeregion, oberhalb 
der Granze des vegetabilcn Lebens, 
zeichnet sich nur durch ihre absolute Un- 
fruchtbarkeit aus. Gleichwohl kbnnen 
oberhalb der normalen Schneegriinze so 
giinstige, der hbhem Sonnenwarme aus- 
gesetzte Punkte vorkommen, dass einige 
Alpenpflanzen dort gedeihen, sowie Flech- 
tenarten an steilen Felsen, wo sichkeine 
Schneemassen sammeln kbnnen ; man hat 
sogar in den Schneemassen Anfange or- 
ganischen Lebens angetroffen: Pro to- 
co ecus nivalis. Nachdem die Som- 
mer kiilter oder warmer sind, verschiebt 
sich die Schneegriinze hbher hinauf oder 
tiefer herunter. SoIIten auch in ungiin- 
Jahrcn sonst mit Pflanzen beklei- 
detc Thaler nicht von der Schneedecke 
befreit werden , so stirbt deshalb die Ve- 
getation nicht aus; wenn dieselbe nach 
oder mehren Jahren wieder von 
der Sonne erwarmt wird , so erwacht sie 
zu neuem Leben, und die verilossenen 
Jahre waren fur dieselben nur ein Win- 
ter. Die Schneegriinze, welche inner- 
halb der Wendekreise erst bci einer 
Hone von 16—18,000 Fuss iiber der 
Meeresflache und bei einer Mitteltem- 
peratur von -J- 1,5° eintritt, senkt sich 



thrift rf?r G UnlGr dera Tilel 7.Den skandinavis ka jordens vartligli et " io *er Z«it- 

; 

7 

"Mem der grossten Harten noch in der Revision entkleidet worden ist, entschuldigen. H. L. 



•19* 



Gartenflora Deulschlands und der Schweiz. 



mehr und mehr in dem Grade, wie man 
sich den Polen nahert, obwohl sie in 
der temperirten Zone erst bei einer Mit- 
teltemperatur von — 3,0° und in der 
arktischen bei — 6° eintritt. Ini siid- 
lichen Norwegen, bei 62°, senkt sie sich 
zu 5,120 Fuss , am Nordcap zu 2,275 
Fuss und nbrdlicher noch tiefer hinun- 
ter. Erst am 77. Grad der Breite fallt 
sie nordlich von Skandinavien mit dem 
Niveau des Meeres zusammen, aber so- 
wohl in der sudlichen Hemisphare, wie 
in Nordamerika langer vom Pole. 

2) Die Alpenregion. Von der 
Schneegranze bis zur Baumgranze wird 
8 ie gewbhnlieh in zwci eingetheilt, in die 
obere Flechten- oder Alpenflanzen-, und 
in die niedere oder Strauchregion, welche 
letztere ungefahr 1600 Fuss unterhalb 
der Schneegranze beginnt. In der vorher- 
gehenden bilden die Flechten die Haupt- 
massen der Vegetation , worunter einige 
Alpenkrautervorkommen, in der folgenden 
werden diese zahlreicher, wozu die strauch- 
artigen Zwergbirken und die schwarze 
Rauschbeere (Empetrnm nigrum), sowie 
niedrige Weidenarten sich gesellen. In 
der ganzen Alpenregion ist die Mittel- 
temperatur unter Null; keine Cultur ist 
hier moglich. Nahrungsstoffe sind nur 
in den Flechten abgelagert; aber in der 
niedern Alpenregion kommt als essbare 
Frucht die Zwerg-Himbeere (Rubus Cha- 
maemorus) hinzu. Auch die schwarze 
Rauschbeere findet man im hbchsten Nor- 
den schmackhafter als anderswo. Un- 
gefahr 400 Fuss an der Gebirgsseite un- 
terhalb derStrauehgranze, oder 2000 Fuss 
unterhalb der Schneeregion *) beginnt: 



*) Die Entfernung zwischen der Schnee- 
und der Strauch- und Baumgranze ist weit 
grosser auf den Alpen warmerer Zonen, gleieh 
wie bei uns die Getraidearten bei einer Mittel- 
temperatur unter 0° reifen ; aber auf den oben- 
genannten noch nicht bei einer Mitteltempera- 



3) die Birkenregion, welche zwi- 
schen den 71. und 68. Grad auch das 
Flachland einnimmt. Die Birke istnam- 
lich die Baumart, welche am hbchsten 
die Gebirge hinauf steigt und am wcite- 
n sich nach Norden verbreitet; nur 
«n gewissen, besonders gunstigcn Stellen 
bei den „Fjorden a (tiefen Meeresbuch- 
ten) zeigt sich die Fbhre. Kein Ge- 
traidcbau ist hier mit Vortheil moglich. 
(An der Meereskuste hat doch die Gerste 
bei Alten gereift C70°) ). Von wichti- 
Culturpflanzen ist die Kartoffel die 
_„„ige , welche angebaut werden kann, 
aber einige Gartenpflanzen , als Bratm- 
kohl, Stachelbeeren, rothe und schwarze 
Johannisbeeren, gedeihen noch anf Maso 
nahe am Nordkap. Was die Johannis- 
becre betrifft, so ist Lappland und die 
nahe liegenden nbrdlichen Landschaftcn 
gerade ihre eigentliche Heimath, wo- 
selbst sie reichlich wild vorkommen. Aus- 
ser der Zwerghimbeere und Conraa 
suecica kommen hier noch einige essbare 
Pflanzen hinzu, wie Archangelica, Sauer- 
ampferarten (Rumex, Oegria); das Lof- 
felkraut (Cochlearia, wichtig in diatrn- 
scher Hinsicht in dicsem Klima) ist up; 
pig an der Meereskuste. Von einheinu- 
schen Gewiirzpflanzen kbnnen der Kum- 
mel und der „finnische Ingwer" (Peuce- 
danum palustre und Conioselinum tatan- 
cum) genannt werden. Obwohl die <>e- 
traidecultur hier nicht gelingen kann, 
kbnnte dennoch dem Wiesenbau hier ani- 
geholfen werden; denn man hat m 
iippige Grasarten, welche gut ausdauern 
in diesem harten Klima. 

4) Die Nadelholzregion. ^ 
800 Fuss unterhalb der cbern Birw 

tur von 6-8 Grad Warme. Beides benW auf 
der bei uns so gesteigerten Sommerwaru. ^ 
hingegen die Temperatur der Alpen be«« 



I. Origii 

granze beginnt im ntirdlichen Skandina 
vien die Fohre, aber die Rothtanne (Pi- 
nus Abies) erst 400 Fuss tiefer. (Im 
mittleren Europa und siidliehen Norwc- 
gen steigt die Tanne hbher hinauf). Zu 
dieser Region gehort das Flachland zwi- 
schen dem 68. und 66. Grad, und gam 
Lappland in Folge seiner Hohe iiber der 
Meeresflache. Nebst den Nadelhob 
kommen als wildwachsende noch die 
Zttterpappel f die Traubenkirsche (Pru- 
nusPadus), die Vogelbeere und mehrere 
Weidenarten hinzu. Hier beginnt die 
erste Getraidecultur, jedoch ist die Gerste 
noch das einzige Korn, was hier ge- 
deiht, und dennoeh oft den fruhen Nacht- 
frosten so blossgestellt, dass sie in ge- 
wissen Jahren nur taube Korner liefert. 
Bemerkenswerth ist, dass hier die Gerste 
m sechs Wochen reift, wiihrend die- 
selbe in dem mittleren* Schweden vier, 
nnd im siidliehen Schweden drei Monate 
zu ihrer Reife erfordert. Die Ursache hie- 
v on ist die im Hochsommer nicht unter- 
gehende Sonne, weshalb die Vegetation 
auch wahrend der Nacht nicht unterbro- 
Jhen W i r d. Der niirdlichste Punkt im 
umern des Landes, woselbst die Gerste, 
J° *W uns bekannt, noch reift, ist 
I (68o 30'), dessen Mitteltem- 



,86° ausmacht; aber die 



peratur — 

*«ne der Sommermonate betragt + 

»'80, jedoch ist wegen Unsicherheit der 

^ten die Viehzucht hier noch die ei- 

«che Mutternahrung. Sichrer ge- 

^en hier viele Wurzelgewachse , als 

«0hiTuben, Kohlruben ausser den noch 

er hmauf vorkommenden Karloffeln. 

J Wildwachsend kommen hier noch 

we essbare Fruchte hinzu, wie Vac 

n m • Nordlands Ackerbeere (Rubus 

J cu8) trifft auch hier ein, aber die 

*** gelangen erst in der folgenden 

^° n zur R eife. Obwohl das Gedei- 



hen der Pflanzen bedeutend starker ist 
als in der vorhergehenden Region, so 
ist es im Ganzen doch noch sehr diirf- 
tig, zumal wo das Land sich hebt oder 
sich dem Gebirgsriieken nahert. Beson- 
ders auch wegen der weitverbreiteten 
Svimpfe, welch e den grossten Theil des 
Landes bedecken, so dass nur gewisse 
Abhangc, z. B. die Flussufer angebaut 
werden konnen. Diese SUmpfe entste- 
hen dadurch, dass die kurze Sommer- 
wkrme nicht hinreichend ist, die Erde 
auszutrocknen und die Auflosung des 
Nachlasses der vorhergehenden Vegeta- 
tion zu befordern und zu vollendcn. Aus 
derselben Ursache ist das ganze nbrd- 
liche Sibirien ein uferloser Sumpfocean; 
dort aber thaut nur die Oberflache der 
Erde auf: unter derselben befindet sich, 
in unbekannter Tiefe frosterstarrter Bo- 
den. Glucklicher Weise hat man nur 
enig Punkten im nordlichsten Lapp- 
land ein nie schmelzcndes Grundeis an- 
getroffen. Wo sich ein solches findet, 
ist kein Baumwachs, kein Fortschritt der 
Cultur moglich; aber in Lappland cr- 
freut uns die Hoffnung der Moglichkeit 
einer Veredlung der Vegetation (wenig- 
stens der Futtercultur) : durch Ableitung 
des uberfliissigen Wassers und Verbren- 
nung der Moorerde. 

Ausscrhalb Lappland, liings des bott- 
ichen Meerbusens, beginnt in Tornea 
ar die Cultur des Roggens und des 
Hanfes, aber ersterer, wclcher 14 Mo- 
ron der Aussaat bis zu seiner Reife 
bedarf, erfriert oft vor derselben und 
scheint erst in der folgenden Region ein 
lohnendes Getraide zu werden. Diese 
Mittelregion zwischen der vorhergehen- 
den und der folgenden ist der Nordlan- 
dischen Ackerbeeren natiirlichste Hei- 
math. Bemerkenswerth ist deren bc- 
schrankte Verbreitung sowohl im Nor- 



300 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



den wie im Siiden, iin Vergleich zu den 
Zwerghimbeeren *). 

5) Die Forstregion beginnt in 
Schwcden unter dem 64. Grad oder bei 
Umea. Diese wird von mehren siidlichen 
Pflanzen begleitet, unter den Straucharten 
vom Schneeball und Faulbaume (Rham- 
nus frangula). "VVichtiger ist, dass mit 
dieser Zone die Mbglichkeit der Obst- 
baucultur beginnt, obwohl der Ertrag 
derselben geringe und unsicber ist. Aber 
wir treten bier in eine fur das Pflanzen- 
wachstbum giinstigere Zone; der Gras- 
wuchs ist iippig; ausser Roggen und 
Hanf , welchen wir schon als hbher hin- 
aufgehend, aber hier erst als lobnend 
bezeichneten , kommt von den Getraide- 
arten der Hafer bieher und aueh der 
Lein gedeiht hier. Letzterer erfriert in 
Westerbotten , aber gelingt in Anger- 
mannland, obwohl die Aussaat gewohn- 
lich aus sudlicheren Gegenden bezogen 
werden muss. Der Weisskohl schliesst 
keine oder nur unvollstandige Kbpfe ober- 
halb dieser Region oder dem 64°. Zu 
dieser Region gehbrt auch das nbrdliche 
Finnland und ein Theil von Norwegens 
Gebirgsland. Im Ganzen ist diese Re- 
gion weniger passend fur die Cultur sol- 
dier Pflanzen, welche Saamenernte geben 
sollen, als fur andere bkonomisch und 
technisch niitzliche Pflanzen. 

6) Die Region der Laubbaume 
beginnt, wo die Lenne (Acer platanoides), 
die Linde, die Esche, die Ulme, die 



•) Fur mehre wichlige Nachrichlen uber 
die Verbreitung unsrer 
dctn Henu Professor und 
nen warmsten Dank sagen. Es ware zu -wun- 
schen, dass die vollstandigcn Angaben, wel- 
che die kgl. Ackerbau- Akademie von den 
Haushaltungsgescllschaften siimmtlicher Provin 
zen entgegengenommen, geordnet und bekannt 



Erie u. a. hinzu kommen. Die Menge 
der hinzu konmicnden edleren Baumar- 
ten beweist hinreichend den gesteigertea 
Pflanzentrieb des Landes. Schon am 63. 
Grad treten die Lenne, die Linde und 
die Erie, beim 62. Grade (sudlich vom 
Njurundelluss) die Esche , die Ulme und 
die Hasel auf. Die Cultur der Obst- 
biiume kann erst hier als lohnend ange- 
sehen werden, obgleich dieselben, so 
wie andere Culturpflanzen unter eignen 
gunstigen Verhaltnissen in einer nbrd- 
lichern Region, angebaut werden kbuncn. 
Der Roggen , welcher nbrdlich, obcrhalb 
dieser Region, spater reift als die Gerste, 
reift hier vor derselben, jedoch noch 
nicht friih genug, dass er zur Aussaat 
fur die Ernte des folgenden Jahres kbnnte 
angewendet werden. ■ Als Getraide kommt 
hier die Erbse hinzu, aber nur erst die 
graue (Pisum arvense) und von ubrigen 
Culturpflanzen die Wicke und der Ho- 
pfen. Als zugleich wildwachsend im 
Lande, sogar in Temtlands Gebirgsge- 
genden, ist gleichwohl wahrscheinlich, 
dass der Hopfen weit nbrdlicher ange- 
baut werden konnte , wo nicht mit ibm 
dasselbe Verhaltniss statt findet, wie mit 
dem rothen Klec. Dieser wachst nam- 
lich wild bis hinauf in Lappland, aber 
noch ist seine Cultur als Futter in die- 
ser Region allzu unsicber 
in der folgende 
Dalelf beginnt, I 



welche diesseits der 
Anbau lohnend w 



Zu dieser Region gehbren 



noch mehrere 



Gebirgsgegenden in den sudlichern T ei- 
len des Landes, so wie der grosste TheU 

Finnlands. . . 

7) Die Region der Eichc beginnt 

sudwarts von der Dalelf; oberhalD aw 
selben steigt die Eiche selten als +* 
wachsend, obwohl sie **&?*?** ^ 
Sundswall vorkommt, so wie die Bo 
und Hainbuche bis zur Dalelf. wir 
ben schon im Vorhergehenden oen 



I. Origil 

grossen Abbruch angemerkt, den die eii 
heimische Vegetation oberhalb der Dalelf 
erleidet. Siidlich von derselben begeg- 
net man so vielen oberhalb derselben un- 
gcsehenen Straachern und Krautern, dass 
derRaum es hier nicht zulasst, sie alle 
zu nennen. Die Obstbaume treten hier 
lis wildwachsend auf , auch der Stachel- 
beerstrauch, die Berberis, mehre Rubus- 
arten u. a. kommen binzu. Der Hollun- 
der erfriert bier gleichwohl in stren- 
gen Wintern und ist erst einheimisch in 
der Region der Hainbuche. Von Ge- 
traide kommen liier der Weizen und die 
weisse Erbse (Pisum sativum) hinzu. 
Man hat wohl den Anbau des Weizens 
oberhalb der Dalelf versucht, aber mit 
wenigGlucke, und von den we is sen 
Erbsen sagt der Landmann allgemein, 
™s sie im Laufe weniger Jahre in 
graue Erbsen sich verwandeln •). In 
finer Hinsicht kann man hierher die na- 
Wrliehe Granze des Roggens verlegen, 
^eilderselbe erst hier so friih reift, dass 
die Aussaat liefern kann zur Ernte 
«■ kiinftigen Jahres. Erst in dieser 
jone kann der Ackerbau Mutternahrung 
, Landes werden. Von andern Cul- 
tfl Tflan Z en, deren Anbau im Grossen 
nut der Eiclie 



zusammentrifft, bemerken 

n,e r nur den Taback, den rothen 

-.-■rgol (Asparagus). Letz- 

r >erwildert hier sogar, aber errcicht 



«dl DieS : WQrdcn M ^ 
Et ^ngderge W 6hnlich eni) 



Bewandlniss habe, wie mi 
Verwandlung des Haters ii 
a fataa). In den Gebirgsge 
athareich, woselbst Erbser 
jmgebaut werden , halt mar 
beschwerhches Acker- 



ibiiandiungen. 30^ 

nicht die Ueppigkeit wie in der Buchen- 
region, wo derselbe, so wie die Pasti- 
nake an dem Meeresufer ohne Zweifel 
einheimisch ist. Dagegen tritt die Mohr- 
rube hier vollkommen wild auf. Nur 
an der sudlichen Kiiste Finnlands kommt 
die Eiche, aber nur sparsam, vor. In 
Norwegen hort sie auf zwischen Christian- 
sand und Holmestrand. 

8) Die Region der Buche. Sie 
fasst in sich ganz Danemark, Schwe- 
dens sudliche Kiistenprovinzen, sowie 
Oeland, wo gleichwohl, so wie auf Born- 
holm, nur die Hainbuche vorkommt und 
die Rothbuche fehlt. Obwohl auf Gott- 
land beide vermischt werden, muss doch 
diese Insel wegen ihres milden Klimas 
und ihrer Vegetation zu dieser Region 
gerechnet werden. Diese umfasst eigent- 
Regionen, die der cigentlichen 
Rothbuche und die der Hainbuche. Die 
tte geht hbher hinauf nach 
Norden, besonders langs der Westkustc ; 
denn sie folgt den Isochimenen (der glei- 
chen Winterkalte) , die andere folgt den 
Isothermen (gleichen Sommerwarme). Da 
das Gedeihen vieler Pflanzen auf diesen 
ungleichen Temperaturverhaltnissen be- 
ruht, so ist es wichtig, diese doppelten 
Granzen zu haben. Die eigentliche Buche 
beginnt im sudlichen Theile von Calmar- 
lehn (am nordlichsten in der Gegcnd 
von Monsteras, 57°) , verbreitet sich von 
da nach Westen und immer hbher stei- 
gend nach Norden, durch Smaland (bis 
der Heidesand beginnt), Westergothland, 
Halland, und zerstreut durch Bohnslehn, 
bis nach Laurwig und Holmestrand in 
Nor%egen. An Norwegens Westkuste 
kommt sie noch oberhalb Bergen vor. 
Die Buchen auf Omberg sind wahrschein- 
den Mbnchen in Alvastra ge- 
pflanzt , 



"nkratu » i J oescnweriicries Acker- i'"~»*'» " v "" o ' 

***» La oft anderc ^eiraidearien er- dass sie angesaet ist bei Quensas im 

a Ver dranet. I „::^i,vi, n Sm&land fnahe Eksio) vom 



nbrdlichen Smaland (nahe Eksjo) 



302 

Reichsdrosten P. Brahe. Obwohl als 
neue Getraideart der Buchwcizen (hiezu 
kommt noch der Sommerroggen undSom- 
merweizen) mehr allgeniein angebaut wird 
und besonders mehr Baumarten 
men, die nicht hoher nach Norden ge- 
deihen (der wilde Apfelbaum ist in 
dieser Region besonders iippig; der wilde 
Birnbaum hingegen ist in der Hainbu- 
chenregion vollkommen einheimisch), so 
stimmt doch das Pflanzenwachsthum die- 
ser Region mehr mit der der Eiche als 
mit der der Hainbuche uberein , weil fiir 
die Mehrzahl der Krauter eine hbhere 
Sommerwiirnie ein wichtigeres Beding- 
niss ist, als milder Winter. Die Hain- 
buche beginnt in Calmarlehn , etwas sud- 
licher als die Rothbuche (nbrdlichst bei 
Warnaniis), zieht sich von da in das In- 
nere von Smaland mehr nach Siiden, so 
dass sic nur im Westen Schonens Granze 
iiberschreitet und in Halland nicht ober- 
halb Lagan vorkommt. Audi im nbrd- 
lichen Theile Danemarks ist sie selten, 
in Finnland vermisst man nattirlicher 
Weise sowohl die Roth- wie die Hain- 
buche. Erst in der Hainbuchenregion 
beginnt Skandinaviens iippigste Vegeta- 
tion. Hier gedeihen alle skandinavischen 
Culturpflanzen und mehrere neue kommen 
hinzu. Von Getraidearten die Hirse, 
welche gut gedeiht, obgleich sie nicht 
in Grossen angebaut wird; aueh der 
Mais, zeitig ins Mistbeet gesat und aus- 
gepflanzt reift in gevvbhnlichen Sommern. 
Von ubrigen Culturpflanzen ist der Reps 
die wichtigste; Krapp, Cichorien, Har- 
den u. a., welche hier angebaut werden, 
kbnnten ohne Zweifel auch hoher %in- 
auf gedeihen. Aber am meisten in die 
Augen fallend sind mehrere wichtige 
Baumarten, welche erst hier vorkommen, 
wiederWallnussbaum, Arten vonMorus, 
die achte Kastanie (die Frucht reift je- 



doch hbchst selten), die Acacia (Robinia 
Pseud- Acacia), der Weinstock, der Pfip- 
sich- und Aprikosenbaum, die dreiletzt- 
genannten nur am geschutztcn Spalier) 
u. a. Alle Culturpflanzen, welche in 
Norddeutschland gedeihen, kbnnen auch 
hier cultivirt werden. Morus papyrifera 
und Vitex agnus castus, welche in Berlin 
im Gewkchshaus aufbewahrt werden, sab 
ich mehre Jahre hinter einander aus 
dauern unter freien Himmel in Lund's bo- 
tanischem Garten. Dasselbe iippigeWachs- 
thum herrscht auch in den Theilen von 
Danemark, wo die Hainbuche in Mengc 
vorkommt , und in der Region der Stein- 
eiche (Ilex Aquifolium, welche eben- 
falls Norwegens sudliche Kuste berubrt), 
werden auch die Winter milder. Der 
Friihling beginnt in dieser 2 — 3 Wo- 
chen friiher als im mittleren Sclrweden, 
und die Frostnachte des Herbstes kom- 
men gewohnlich 4 — 6 Wochen spater. 
Aber meine Erinnerung an Schonen lei- 
tet sich hauptsachlich von den milden 
Wintern 1821 bis 1825 her, da dickla- 
ren Winterniichte oft frei von Frost wa- 
ren und zahlreichc Blumen schon auf 
den Feldern im Januar gefunden wur- 
den. Der Roggen stand in Aeliren den 
1. Mai und noch im November waren 
Dahlien, Phaseolen, indianische Kresse 
und mehrere empiindliche Pflanzen von 
der Kalte unberiihrt. Noch gluhen diese 
Jugenderinnerungen in der Seele it- 
greisenMannes, so dass ich oft mitl> 
nee ausrufe: „Also ist unstrei i ff 



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If. Neue Zierpflanzen 



a) Abgebildet in der Flore des 
Serres. 
1) Primula involucrata, Wall. Pri- 
mulaceao. — Der Name Primel schon 
wcckt die Erinnerung an den Fruhling, 
an das lachcnde Bild der auf's Neue 
erwachenden Natur. Ueberall wirklich, 
wo diese gliickliche Jahreszeit ihren be- 
lebenden Einfluss uussert, erscheinen 



Formen vervielfachen sich , urn sich den 
verschiedenen Klimaten anzupassen und 
die verschiedenen Fruhlinge zu verbild- 



i den 



t I : - u i 



des mittleren Europa, die Primula ela- 
Hor, officinalis und grandiflora als Schmuck 
der Wiesen und Haine; dort, auf den 
Matten der hohen Berge bis zur Granze 
der Schneefelder, die zahlreichen, alpi- 
nen Formen, zunachst verwandt, mit un- 
sercr Aurikel , mit P. villosa und fari- 
nosa. Diese letztere fmdet sich wieder 
jn alien kalten Regionen der nbrdlichen 
Erdhiilfte und auf den Magellanischen 
wseln, dor sudlichsten Spitze der neuen 
^elt. Ungckannt in den tropischen 
Theilen Amerika's, ist das Geschlecht 
der Primeln reich vertreten in der gi- 
gantischen Himalayakette , wo es in be- 
deutender H6he auftritt. In dieser al- 
lien Zone der hbchsten Berge der Welt 
luht die Pr. involucrata, sobald der 
•nte Schnee schmilzt. Hier wurde sie 
*<*rst von Dr. Wallich, spater in einer 
£ ohe von llj500 Fugs durch Capitain 
* Unro g^anden, der sie im Jahre 1844 
r° erSt nach England brachte. Einer der 
, norstechendstcn Charaktere dieser lieb- 
H c ben Art ist das Vorhandensein einer 
e an der Basis des Bluthenstandes, 



Bliithenschafte durch einen Theil ihrer 
inneren Flache angeheftet sind, von die- 
sem Punkte aus nach oben und unten 
sich verlangern , und nach unten zu mehr 
oder minder untersich verwachsen. Stock 
zwiebelartig; Blatter lang gestielt, lang- 
lich-eifbrmig, stumpf, fast ganzrandig, 
glatt; Kelch langlich, rund, wenig kur- 
zer als die Kronrbhre, mit kurzen drei- 
eckigen Zahnen; Blumenkrone fast rein 
weiss, mit verkehrt-hcrzfbrmigen , dach- 
ziegeligen llandlappen. — Cultur der 
Alpenpflanzen. (Taf. 1023.) 

2) Bouvardia Houtteana , Schltd. 
Rnbiaceae. Eine ausgezeichnct schiine, 
neue Art, die durch das Etablissement 
Van Houtte's zuerst verbreitet wurde, 
und die beliebte B. leiantha an Grosse 
der einzelnen Blumen, wie der Dolden- 
trauben weit ubertrifft, und dabei an 
Glanz der feurig orangerothen Farbe der- 
selben durchaus nicht nachsteht. Sie 
bildet einen l l I*— 2 Fuss hohen, auf- 
rechtenHalbstrauch, leicht verastelt, mit 
tief glanzcnd griinen, glatten, oval-lan- 
zettlichen, gespitzten Blattern, undgros- 
sen, vielbluthigen , lockeren, endfltandi- 
gen Doldentrauben. Sehr empfehlens- 
werth. Cultur wie bei den anderen Ar- 
ten, im Sommer in Gruppen ausgcpflanzt 
in sonniger Lage. Ueberwinterung im 



v.ili 



den 



Winter 1 



!in den Flor verlangern, so 
bringt man sie in ein temperirtes Haus. 
Die Vermehrung der Bouvardien geschieht 
aitf leichtesten im Fruhjahr durch Wur- 
zelstecklinge. (Taf. 1024.) 

3) Fagraca lanceolata Bl. Logania- 

ceae. Die Gattung Fagraea scheint in 

den heissen Regionen Asiens die Lisian- 

us-Arten des tropischen Amerika'a zu 

vertreten. Der gelehrte Monograph die- 



Gartenflora Deulschlands und der Schweiz. 



Gattung, Prof. Blume, ziihlt 32 Ar- 



zahlreichen Inseln des indischen Archi- 
pelagic bewohnen. Ihre Form und Tracht 
erinnert zugleich an Lisianthus, an Ta- 
berhaemontana und Gardenia, alle drei 
ebenso viele Typen der Linneischen 
Classe der Contortae. Die Fagraeen sind 
Baume oder Striiucher, oft epiphytisch 
wachsend, fast immer von etwas flei- 
sehiger Textur, mit ansehnlichen weis- 
sen oder gelblichen, wohlriechenden Blu- 
men, zuweilen an Grosse die Solandra- 
Arten erreichend. — Die F. lanceolata 
gehort zu den bescheidcneren Formen. 
Ihre rein weisscn, trichterfbrmigen , un- 
gefahr 2 Zoll weiten Blumen erscheinen 
cinzeln oder zu dreien, sehr selten zu 
fiinfen aus den Spitzen der Zweige. 
Cultur fan feuchten Warmhause. Ver- 
mehrung ziemlich leicht durch Steck- 
linge. (Taf. 1025.) 

4) Hypoxis stellate, L. fil, Hypoxi- 
deae. — Die meisten Hypoxis -Arten 
haben ziemlich unansehnliche, aussen 
griinliche, innen lebhaft gelbe Blumen, 
wenig geeignet, die Aufmerksamkeit der 
Blumenfreunde zu fesseln. Die Schon- 
heit des ganzen Genus scheint sich in 
der einen G. stellata zu concentriren, 
deren weisse Bluthenhullblatter an der 
Basis mit einem metallgliinzenden, gru- 
nen Flecken geziert siud , der wieder- 
um von einem schwarzen, ausgezackten 
Rande eingeschlossen ist. Wurde schon 
im vorigen Jahrhundert vom Cap d. g. 
Hoffnung eingefiihrt und theilte mit so 
vielen andern dasGeschick, von derlau- 
nischen Mode bald gcsehatzt, bald wr- 
nachlassigt zu werden. Heutzutage ist 
sie so selten geworden, dass sie fiir 
die grosse Mehrzahl der Gartenfreunde 
neu sein diirfte. Cultur der Capzwie- 
beln. (Taf. 1027.) 

5) Billbergia Qaesneliana, Ad. Brogn. 



(Quesnclia rufa, Gaudich.). Eine priich- 
tige, hochwachsende , stattliche Brome- 
liacee aus dem franzbsischen Guyana 
durch Herrn Quesnel eingefiihrt , in den 
Garten noch sehr wenig verbreitet. Die 
abstehenden, zuriickgebogencn Blatter 
sind am Grunde rinnenformig erweitert, 
unterhalb mit weissen Querbandern ge- 
zeichnet, spitz zulaufend, am Rande dicht 
dornig-sagezahnig. Der Bliithenstand ist 
eine gedrangte, cylindrische , iihrenfor- 
mige Rispe, dicht bedeckt mit ovalen, 
ganzrandigen Bracteen von brillanter 
rosa- und karminrother Farbe mit silber- 
weissen Flocken bestaubt, zwischcn de- 
nen die violett-blauen Corollen hervor- 
trnten. Sepalen aufrecht, stumpf, rosen- 
roth; Petalen zusammengeneigt, langDch, 
concav, stumpf. (Taf. 1028.) 

6) Orchis pyramidalis, L. (Anacamp- 
Us pyramidalis L. C. Rich.) Orchideae 
§ Ophrydeae. — Wohl fiir Jeden, der 
die Reize unserer europaischen Flora 
zu wiirdigen versteht, sind die Orclii- 
deen eine der anziehendsten Familien.- 
Man maclit sich eine Ehre daraus, mog- 
lichst viele Arten derselben zu besitzen 
in dem Kreise, den man durchforscht: 
man liebt diese, weil sie scbcin ist; 
jene weil sie selten, cine andere ihrer 
bizarren Form halber, eine viertc, we 
sie dies alles zugleich ist: alle, nut ei- 
nem Worte, haben das Vorrecht zu ib- 
teressiren, zu gefallen, und sich gesucht 
zu machen. — Die 0. pyramidalis tf 
unter unseren einheimischen Orcludeen 
allerdings nur eine der bescheidenertf 
Formen, an Schonheit den meisten Upn- 
rys und selbst vielen Orchis-Arten nay 
stehcnd, aber so, wie sie ist, km *\ 
schon 'den Blumenfreunden Gesc 
einflossen fiir die oft vernachl i-^c ■•' 
Schatze unserer eigenen Flora. » e 
in den gemassigten und wanncn 
nen Europa's besonders auf ***** 



II. Neue Zierpflanzen. 



305 



nnd steinigtem Boden sehr verbreitet. 
Die zahlreichen, purpurrothon Blumen 
bilden eine dichte Traube, zuerst von 
kegelformiger oder pyramidaler Form, 
die mit dem Aufbliihen der oberen Blu- 
men mehr oder weniger einfdrmig wird. 
Diese Form des Bliithenstandes unter- 
scheidet sie auf den ersten Blick von 
der 0. conopsea, der sie sonst in den 
Blumen sehr ahnelt. Was ihre Cultur 
betrifft, wolle man die Abhandlung auf 
8. 5 dieses Jahrganges nachlesen. (Taf. 
1029.) 

7) Rhododendron nilagiricum, Zen- 
ker. Ericaceae — Rhodoraceae. We- 
nige Personen kennen noch das achte 
Rh. arboreum, und allgemein wird die- 
ser Name sehr verschiedenen For- 
men gegeben, die durch Kreuzung ver- 
schiedener Arten, besonders des Rh. 
ponticum mit den nordamerikanischen 
Arten entstanden sind. Das wahre Rh. 
arboreum, vom Nepal stammend, wird 
nur noch selten in den Garten in seiner 
wspriinglichen Form gefunden. Es ist 
'eicht kenntlich an seinen sehr dicken, 
am Rande zuriickgerollten Blattern, die 
«nterhalb mit einem diinnen, dichten, 
»&** Fil ze bedeckt sind, der ihnen 
«nen matten Silberglanz verleiht, und 
^ sieht man diese Farbe bei der ach- 
e n Art in's Gelbbraun oder Rostfarbige 
•jbergehen. — Jedenfalls sehr verschie- 
en von Rh. arboreum zeichnet sic] 
h - nilagiricum durch den losen, 
ar b»gcn Filz aus, der die untere 
^ Blatter bekleidet. _ Eine n 
janmartige Species vom Neilgherryge- 
*«« stammend, mit ansehnlichen Bid- 
e nbouq U et s , deren Farbe vom dunk- 
» ' K^moisin bis zum zarten Rosa va- 
n Ultur im Kalthause oder Orange- 
ne « (Taf. 1030-31.) 

JUymphaea hybr. Boucheana, Planch. 
^Phaeaceae. (Taf. 1033-34). Ge- 



nen im konigl. botanischen Garten 
Berlin vom Hrn. Inspector Bouche*, 
der iiber die Abkunft dieser schonen 
hybriden Wassernymphe mittheilt, dass 
dieselbe von N. rubra, befruchtet mit 
N. Lotus gefallen sei. Sie ist demnach 
eine Schwester der N. Ortgiesiano-ru- 
bra (die ihrerseits identisch zu sein 
scheint mit der N. devoniensis der eng- 
lischen Garten) und unterscheidet sich 
von derselben durch das zarte Incarnat- 
rosa ihrer Petalen, die goldene Farbe 
ihrer Antheren und die gelblich-weissen 
Staubfaden, von denen nur die innern 
am Grunde einen dunkel-violetten Fleck 
haben, wahrend bekanntlich die N. Ort- 
giesiano-rubra lebhaft rosenrothe Blumen 
besitzt, mit purpurvioletten Antheren, 
und rothlichen am Grunde gefleckten 
Staubfaden. — Nacli dem ausseren An- 
scheine zu urtheilen mochte man glau- 
ben, die N. Ortgiesiano-rubra sei bier 
die Mutter gewesen, so auffallend scheint 
es, dass aus der so dunkelgefarbten N. 
rubra eine so blassfarbige Hybride ent- 
stehen sollte. Wie dem auch sei, sie 
ist eine herrliche Acquisition, und mit 
der iiusserst zarten, lieblichen Fiirbung 
verbindet sie dieselbe Ueppigkeit und 
denselbenBliithenreichthum, welche bis- 
her die N. Ortgiesiano-rubra sehr aus- 
zeichneten. (Wir bedauern, dass wir 
vorlaufig ausser Stande sind, die Zwei- 
fel des Herrn Dr. Planchon, die Abstam- 
mung der N. Boucheana betreffend , zu 
losen. Es ist moglich, dass hier ein 
Missvcrstandniss zu Grunde liegt, das 
Herr Insp. Bouche* am ersten berichti- 
gen ko'nnte. E. 0.) 

9) Vestia lycwides Willd. (Cantua 
ligustrifolia, Juss.) Solanacea. (Tafel 
1035). Eine aussere Aehnlichkeit der 
Bluthen liess lange Zeit die Vestia ly- 
cioides als eine Cantua gelten, wahrend 
sie nicht ein Mai in die gleiche Familie 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



der Polenioniaccen gehbrt, Hondern durch 
alle ihre Charaktere als zu don Sola- 
neen gehorig sich ausweist. In dor Tracht 
gleicht sie einem Cestrum odor eincm 
Lycium, und selbst der so vielen Sola- 
neen eigenthiimliche , unangenohme Ge- 
ruch der Blatter, wean man dieselben 
reibt, ichlt ihr nicht. — Die gelben 
zierlieh hangenden Blumen mit weit her 
vorstehenden Staubfaden und Griffel er 
scheinen an den Spitzen der Zweige, 
und erinnern in einem gewissen Grade 
an die Fuchsien. — Sie ist bis jetzt 
die einzige Art ihrer Gattung, stammt 
aus den inneren Provinzen von Chili 
und ist schon seit langer Zeit als Kalt- 
hausstrauch in Cultur. 

10) Rhododendron hybr. Rosalba^ 
Van Home. (Taf. 1038). Zu Gendbriigge 
(im Van Houtte'schen Etablissement) ge- 
wonnen, zeichnet sich diese neue Gar- 
tenform aus durch ein ganz neues, zar- 
tes Colorit. Ohne ganz vollkommen in 
der Form zu sein, sind die Blumen sehr 
auffallig durch das breite rosafarbige 
Band, das jedes Blumenblatt ziert, wah- 
rend die Riinder und der Grund rein 



b) Abgebildet imBotanical Ma- 
gazine. 
11) Rhododendron Keysii Nutt. Die 
erste von den neuerdings aus dem Boo- 
tangebirge eingefiihrten Arten, die in 
Cultur ihre Bliithen zeigt und jeden- 
falls mehr interessant als schon ist. Die 
hocht auffallende Form der Blumen- 
krone — diese ist cylindrisch-rbhrig, mit 
fast gleichem, 5lappigem, zusammenge- 
neigtem Saume, — und die aus dem 
alten Holze seitlich hervortreibenden 
kurzen Bliithentrauben geben diescr son- 
derbaren Art Aehnlichkeit mit einer ThU 



baudia oder Agapetes, und veranlassen 
Herrn Nutall , sie als den Typus einer 
besonderen Untergattung zu betrachten, 
der er den Namen Keysia giebt. — Sie 
wurde in einer supramarinen Hohe von 
9 — 10,000 Fuss auf demGipfel und den 
nbrdlichen Abhangen des Lablung ge- 
funden; dort bildet sie ein dichtes, nie- 
driges Gebiisch, zwischen Gaultherien 
und verkriippelten Taxusbaumen und 
unter 2 — 3 Fuss tiefcm Schnee. Im le- 
brigen verweisen wir auf das pag. 65 
dieses Jahrgangs boreits iiber diese Art 
Gesagte. (Taf. 4875.) 

12) Gilia dianthoides Endl, Polemo- 
niaceae. Eine liebliche, niedere, an- 
nuelle Pllanze , vortrefflich geeignet zu 
Einfassungen, die zuerst von dem wad* 
ren Douglas in Californien entdeckt, tb* 
erst ganz neuerdings durch W. Lobb an 
seine Patrone die Herren' Veitch ein- 
gesandt wurde, in deren Garten zu Exe- 
ter und Chelsea sie zuerst bliihtc. Auch 
hier ubt die Cultur ihren wnnderbar 
wohlthiitigen Einfluss aus; denn man 
wurde das magere, kaum verzweigtc 
Pflanzchen mit soinen 2 oder 3 Bluthen, 
wie es wild vorkommt, kaum wieder 
erkennen in der dicht verzweigten und 
ausgebreiteten Gartenpflanze, deren fa- 
denfbrmige Zweige und kleine lineah- 
sche Blatter vollstandig sich bedecken 
und verbergen unter den zahlreichen 
Blumen von der zartesten Lilalarbe, v.* 
denen jede geziert ist mit fiinf dunkel- 
blutrothen Flecken , die' ein orangefar- 
benes Auge umgeben. — Stengel 2-6 
Zoll lang, diinn, glatt oder abstehen- 
den Haaren besetzt. Blatter «WT 
gesetzt, an der Basis verbunden , '" 
entfernten Paaren, schmal, linealis^ 
die untere Balfte behaai 
port. Blumenstiele kurz, «'»'■ ■-''"'' 
und axillar, einzeln stehend, e ! - h,utl 
Blumen aufrecht; Kelch aus 3 



, ungleick 



Iangen, lincaren Zipfcln bestehend, die 
anf der iiusssren Scite behaart und auf 
der unteren, die Kelchrohre bildenden 
Halfte durch cine Membran vcrbunden 
sind. Korolle radfbrmig, gross im Ver- 
haltniss zur ganzen Pflanzc , rait kurzer 
Rohre; der Saum 5-lappig; Lappen ver- 
kehrt-eifbrmig , spitz, ausgebreitet , am 
Rande scharf gezahnt-gesagt, Frucht- 
knoten eifbrmig; der Griffel etwas lan- 
ger als die Kronrbhre, mit droi lineali- 
schen Narben. (Taf. 4876.) 

13) Odontoglossum niaculatum Lindl. 
Dem Grafen Karswinki gebiibrt die Ebre, 
diese schone, mexicanische Orchidee 
entdeckt zu haben. Sie tragt auf lan- 
gem, uberhangendem Bliithenschafte 6—8 
ihrer grossen, schonen Blumen. Schein- 
knollen oblong, zusammengedriickt, ein- 
Wattrig, griin. Blatt langlich-lanzettlich, 
spitz, fast lederartig. Kelchblatter lan- 
zettlich, lang zugespitzt, ausgebreitet, 
dunkel gelb mit reich braun gefleckt 
and bandirt, das obere breiter und lan- 
?". Petalen von derselben "Form und 
Faroe, abcr breiter und kurzer und re- 
gelmassiger gefleckt. Lippe herzformig, 
zugespitzt, weiss mit rbthliehen Flecken. 
* , ul p weichhaarig. (Taf. 4878.) 

H) Campanula prlmulaefolia Be C. 
(Cperegrina Hoffm. et Link) Campa- 
Mlaceae. TJnter den bis jetzt beschrie- 

ei *n 237 Species dieser Gattung sind 
*ahrscheinlich viele von zweifelhaftem 
Wschen Werthe. Die vorliegende 

rt jedoch ist gut charakterisirt und ver- 

y anch in Garten besser bekannt zu 

* Pr ^n, da sie sehr hubseh und voll- 

jmmen ausdauornd unseren Blumen- 

wird Uen ZU1 gr0SSen Zierde g erei chen 

Sie ist j n Portugal einheimiscb 

Bh ! aChtPn ' fe,3, g*n und bescliatteten 

■^ndorton und bliiht im Juli und Au- 

\urzel ausdauernd; Stengel ein- 

n? ' aufr ecbt, 2—3 Fuss borb, nur 



rpflanzen. 307 

am Grande verzweigt, und daher eine 
pyramidale Form annehmend, eckig, 
fieischig, die Ecken gefliigelt und rauh- 
haarig. Blatter oblong oder breit-lan- 
zettlich, ungleich gekerbt-gesiigt und 
behaart, sitzend; nur die wurzelstiindi- 
gen kurz gestielt und gefliigelt. Blumen 
cinzeln, oder zu dreien und vieren in 
den Blattwinkeln , auf kurzen, einblu- 
migen, rauhhaarigcn Stielen, einen iib- 
rig-traubenfbrmigen Bliithenstand bildcnd 
und unterstiitzt von den allmiihlig kleiner 
und braeteenahnlicher werdenden Blat- 
tern. Kelchrohre verkehrt-kegelfbrmig, 
behaart, Zipfel zugespitzt, am Grande 
weit gezahnt, halb so lang, als die 
glockig-radfbrmige , purpurblauc , grosse 
Corolle. (Taf. 4879.) 

15) Cymbidium chloranthum Lindl. 
Orchideae. Wurde vor etwa 12 Jahren 
durch die Herren Loddige3 vom Nepal 
eingefuhrt und bluht in den Gewachs- 
hausern im Mai. Die Blatter entsprin- 
gen aus kurzen, eben angedeuteton 
Scheinknollen, sind am Grande scheidig 
oder reitend und verflachen sich nach 
der Mitte der Blattlange ; sie sind schwert- 
formig, iibergebogen, mit stumpflicher 
Spitze. Die aufrechte Bluthentraube ist 
kurzer als die Blatter und triigt zahl- 
reiche gelb-griinliche Blumen, mit hel- 
lerer, gelb und weisser Lippe; dieselbe 
ist mit kleinen blutrothen Flecken ge- 
ziert. Bracteen sehr klein, Bluthenhull- 
blatter fast gleich geformt, stumpf, gelb- 
griinlich, nur an der Basis blutroth ge- 
fleckt; Lippe am Grande veichhaarig, 
die Spitze eingedriickt, ausgerandet, mit 
kleinen, einwarts gekriimmten Seifen- 
lappen, breiter als die Bliithenbullblat- 
ter, am Grunde der Scheibe mit zwei 
erhbhten, hbekerig - warzigen Leisten; 
Saule kurzer als die Lippe , halb-stiel- 
rund, gelb, fein roth besprenkelt. Gebiirt 
zu den weniger schonen Arten.(Taf. 4V*07.) 



30^ 



Gartenflora Deutschlands und 
Frucht 



16) Tupidcmthus calyptmtus Hook. 
fit. et Thorns. Araliaceae. Dr. Hoo- 
ker und Thomson fandcn diese Pflanze 
in den feuchten , tropischen Waldern am 
Fusse der Khasia Berge im ostlichen 
Bengal. Sie wurde jedoch schon friiher 
in belgische Garten eingefiihrt, wir wis- 
sen jedoch nicht dnrch wen und woher, 
wir erfahren nur, dass man sie javani- 
schen Ursprungs halt. — In den hei- 
mathlichen Waldern ist sie eine gigan- 
tische Kletterpflanze, mit schenkeldickem 
Stamm, wenig veriistelt, und nur an 
den Enden der Zweige mitBlattern und 
Blumen besetzt. Die in Kew bluhende 
Pflanze war nocli aufrecht und gegen 
10 Fuss hoch. — Blattstiele fusslang, 
am Grunde mit einer kurzen Scheide; 
Blatter gcfingert, aus 7— 9strahlig aus- 
gehreiteten Bliittchen zusammengesetzt ; 
Bliittchen kurz gestielt, liinglich oder ver- 
kehrt-eirund-lanzettlich , zugespitzt, ganz- 
randigund gliinzend griin, Bliithen in unre- 
gelmassig verzweigten, zusammengesetz- 
ten Dolden ; die Verzweigungen der Dol- 
den, sowie die einzelnen Bluthenstielchen, 
sehr dick und gegliedert, die Bliithen aber 
ohne Geleuk in die Bliithenstielchen iiber- 
gehend. Kelchrohre breit keulenformig 
oder halbkugelig , oben abgestumpft, die 
Kelchzipfel mit den Petalen in eine lederar- 
tige, abfallendeHaube verwachsen. Staub- 
faden zahlreich, abstehend, auf dem 
Kelchrande eingefugt, Staubfaden pfriem- 
fdrmig, Antheren langlich. Die Bliithen 
haben 3 / 4 — 5 / 4 Zoll im Durchmesser, 
beim Auibliihen wird die Haube abge- 

breite, flache, undeutlich lappige Scheibe, 
vertieft in der Mitte, im Centrum mit 
einer an beiden Enden gewbhnlich ga- 
belig gespaltenen Ritze. Die Narbenfla- 
che folgt dieser Linie und ihren Ver- 
zweigungen. Fruchtknoten vielfacherig, 
die Fiicher sehr enge, einsamig; die 



derige vielfacherige, viel- 
samige Beere. — Die eigenthumliche 
Verwachsung dor Kelchzipfel rait den 
Petalen , die zahlreichen Staubfaden, der 
ganzliche Mangel an Griffeln und das 
vielfacherige Ovarium sind Charaktere, 
die sich yielleicht in der Familie der 
Araliaceen nicht wiederbolen. — Dr. 
Hooker sagt nicht, unter welchem Na- 
men diese Pflanze in belgischen Garten 
existirt; wir glauben jedoch das Sciado- 
phyllum pulchrum II. Belg. in obiger 
Beschreibung zu erkennen, und irren 
wir nicht in dieser fiir uns mehr als 
wahrscheinlichen Muthmassung, so ist 
diese interessante Araliacee schon in vielen 
grosseren Garten als iiberaus stattliche 
Decorationspflanze eingebiirgert und ver- 
dient als solche die warmste Empfehlung. 
Cultur im Warmhause, in geraumigen Gp- 
fassen und humusreicher, nahrhafter Erde. 
Sie ist sehr raschwiichsig und wird ziera- 
lich leicht durch Stecklinge im warmen 
Bette unter Glocken vermehrt. (Taf. 4908.) 
17) Cattleya blcolor Lindl. Orchideae. 
Die ganzliche Abwesenheit der Seitcn- 
lappen des Labells, welche bci den 
ubrigen Cattleyen gewbhnlich die Saule 
ganz umhiillen, ist hbchst charakten- 
stisch fiir diese Art und giebt den Blu- 
men ein fremdartiges, fast unnaturhches 
Aussehen, das noch erhbht wird durch 
die diistere, griin-braunlich^ Missiarbo 
der Bluthenhullblatter. — I» ese Art 
wurde vor liingerer Zeit von Hrn. W* 
courtilz in Brasilien entdeckt, gehort 
aber noch zu den seltneren in unseren 
Sammlungen. Sie ist jedenfalls mehr 
interessant als schon. Scheinknollen 
(Stengel) ungewbhnlich lang und diinn, 
zweiblattrig; Blatter langlich-Ianzettlicn. 
urn drei Mai kiirzer als die Scheinknol- 
len; Bluthenschaft zweiblumig, Blurne 
4V» Zoll hn Durclimesser; Sepalen 1»- 
zettlich-sichelfdrmig, spitz. Petalen 



was breiter, brcit-spatelformig, stumpf; 
Lippe ungetheilt flach; an der Spitze 
erweitert, abgerundct und fein gezah- 
ndt, zuriickgebogen, von einer vertieften 
Langslinie durchzogen, schon rosa-pur- 
pnrfarbig, an der Spitze heller and 
schmal wciss gerandet; Saule kurz wnd 
sehr dick, keulcnformig, ganz frei ste- 



li.-ml. 



(Taf. 



;!■>:,. 



18) Pentapterygmm jtar 
(Thibaudia flava Nuttall) Vacciniaceae. — 
Ein auf Baumen cpiphytisch lebender 
Strauch, der von Herrn Booth im nord- 
iistlichen Indien in den Duphla-Hiigeln 
in einer supramarinen Hohe von 4 — 
5000 Fuss gemeinschaftlich mit Rho- 
dodendron Nuttallii vorkommend, ent- 
dockt wurde. — Herr Booth ist derselbe 
Reisende , dom wir audi die in neuester 
Zeit verbreiteten Assam und Bootan 
Rhododendron verdanken. Er sandte 
die von ihni gesammelten Samereicn an 
seinen Onkel, Herrn Nuttall, in dessen 
Garten zu Rainhill bei Liverpool diese 
neunn Arten angeziichtet v.urden. — 
Das Pentapterygium flavum bildet cinon 
sehr zierlicben, aufrechten Strauch, mit 
unbehaarten, starken Zweigen. Blatter 
bis 3 Zoll lang, eirund-lanzettlieh, zuge- 
spitzt, fein gesagt, sehr kurz gestielt, 
oberhalb runzelig und glanzend dunkel- 
|P*fc Die hiibschen gelben Blumen 
stohen in gedrangten, blattwinkelstandi- 
g p n Trauben , sind nickend und kiirzer 
& die Blatter, ungeiahr zolllang. Kelch- 
johrc kurz, halbkugclig, fiinfflugelig ; 
Sa om aus 5 dreieckig-eirunden, roth- 
gerandeten Zipieln bestehend; Corolla 
r °h"g, aufgeblasen, fiinf-kantig,mit dicken 
Jj" " nfl 5 klcinen, zuriickgebogencn 
Z, P fel n. Staubfaden 10, frei, kurz, 
*«chhaarig; Antherenfacher in zwei ver- 

wh, nur an der Spitzc S etrennte ' 

an ge Rohren vorgezogen, vorne 
an de n Spitzen dieaer Verlangerungen 



in lange Spalten aufspringend. An der 
Riickseite der Antherenfacher treten zwei 
kurze Sporne hervor. Griffel lang und 
dtinn, mit abgestutzter Narbe. Wird 
im Kalthause durchwintert und kann 
die Sommermonate in schattiger Lage 
im Freien aufgestellt werden. Eine rei- 
che Lauberde, mit Moorerde und Sand 
versetzt, wird ihr, wie den nahe ver- 
wandten Thibaudia -Arten, am besten 
zusagen. Die Vermchrung geschieht 
am lcichtestcn durch Anzucht aus Sa- 
men; Stecklinge wurzeln sehwer an und 
liefern keinc so kraftigen Pflanzen. 
(Taf. 4910.) 

19) Asplcniiim tiMnkmkU I. (A. 



palmatum Lam.) 



les Kalthaus- 
farren, das in schattigen Waldungen im 
sud-westlichen Europa und nord- west- 
lichen Afrika, auf den Azorcn und den 
canarischen Inseln vorkommt, Wedel 
lang gestielt, einfach , hcrzformig im 
Umriss, spiessformig-fiinflappig; der mitt- 
Iere Lappen lang vorgezogen, zugespitzt. 
Die Fruchthaufchen in verlangerten Rei- 
hen. (Taf. 4911.) 

20) Correa cardinal** Muell. Dios- 
meae. Von den Herren Veitch aus au- 
stralischen Samen erzogen, bluhte diese 
schone Art zuerst in den Garten dieser 
riihmlichst bekanntenHandelsgartner, wo- 
selbst sie einen 2— 3Fusshohen Strauch 
mit diinnen zierlichen Aesten bildet, 
der im Anfang Miirz an den Zweigspitzen 
des jungen Holzes die schoncn, hiingen- 
den, lebhaft scharlachrothen Bliitlien 
tragi Sie wurde von Dr. Ford. Muller, 
der sich jetzt auf einer Dnrchforpclmngs- 
reise im nordwestlichen Australien be- 
findet, an sandigen buschigen IMiitzon 
nahe am Latrobefluss in Siid-Australien 
entdeckt und ist von alien bisher publi- 
cirten Arten ganz verschieden. — Aeste 
viel verzweigt, die jiingeren Zweige mit 
kleinen, gebiischelten, rostbraunen Haa- 



-,10 



Gartenflora Deutschlands und der I 



ren bekleidet; Blatter ungeffihr zoll- 
lang, fast lederig, elliptiscli-lanzettlich, 
stumpilich, rait herabgebogcnen Kan- 
dern, und kleinen, gesternten Haaren: 
oberhalb matt dunkel - griin , unterhalb 
weisslich- griin. Die ~einbiiithigen Blu- 
menstiele diinn, viel langer als die Blat- 
ter, an der Spitze mit zwei Bractecn, 
die ganz wie die Blatter geformt, nur 
dass sie halb so gross sind als diese. 
Kelch balbkugelig, abgestutzt, mit 4 sehr 
kleinen, kaum bemerkbaren Zipfeln, rost- 
farben fdzig; Corolla uber einen Zoll 
lang, rbhrig, fast keulenfbrmig , weich- 
haarig-filzig, hochroth ; gaum, aus 5 gel- 
ben, abstehenden, spitzen Zipfeln beste- 
bend. — Eine sebr empfehlenswerthe 
Kalthauspflanze, die in sandiger Heide- 
erdc gedeiht, und wahrscheinlich , wenn 
fiie nicht selber aus Stecklingen leicbt 
wacbst, dureh Veredlung auf Correa 
alba schnell und sicher zu vermehren 
ist. (Taf. 4912.) 

c) Abgcbildet in Illustration 



21) Hodgsonia heterodita Hook. fil. 
et Toms. (Trichosanthes heteroclita 
Roxb.) Cucurbitaceae. Wir haben 
echon im Miirzhefte des gegenwiirtigen 
Jahrganges, pag. 91, diese ebenso 
prachtvolle als interessante Schlingpflan- 
ze summarisch erwahnt und kbnnen 
jetzt die gegebene Beschreibung vervoll- 
standigen. Sie wachst auf den inneren 
Bergen des Sikkim- Himalaya auf den 
Khasya- Bergen von Assam im Sylbet 
und auf der Insel Penang vom Niveau 
der Meeresfliiche bis binauf zu einer 
Hohe von 5500 Fuss. Herr Dr. Hooker 
vermutbet, dass sie auch auf Java vor- 
kommt, da die Beschreibung, die Prof. 
Blume von mehreren javanischen Tri- 
chosanthes - Arten gab, zjemlich genau 
mit ihren Charakteren ubereinstimmt. — 



Die dunrien biegsamen Stengel erreichen 
oft eine Hohe von 100 Fuss, indem sie 

Ranken sich festhaltend , die Baume er- 
klettern, oben ein dichtes Laubdach bil- 
den und dann wieder in einzelnen Guir- 
landen herabsteigen. Die grossen, son- 
derbar geformten Blumen ersohienen im 
Mai in zahlreichen Bliithenbiischeln; 
sie sind schnell verganglich und be- 
decken zuweilen den Waldboden, ob- 
wohl der Reisende sich vergeblich an- 
strengt, aus dem dichten Laubdachc, 
das sich hoch uber ihn wolbt, die 
Pflanze herauszuhnden, der sie angeho- 
ren. — Die grossen, meloncnfornii^Hi 
Friichte sind aussen braun und sammt- 
haarig; sie enthalten ein grobes, festes, 
weissliches Fleisch, gefullt mit einem 
gummbsen, flussigen Safte, der sehr 
bitter ist. Die Sameneier stehen paar- 
weise auf drei seitenstiindigen Placenten, 
je ein Paar auf jeder Seite; von jedem 
Paare abortirt jedoch regelmassig das 
eine und verwachst mit dem andern. 
Die sehr grossen Samen sind fast oval 
)raun, auf der einen Seite sind sie 
netzaddg - gefurcht , auf der andern tra- 
sie einen Hbcker, der durch das 
zweite fehlgeschlagene Ei gebildet wur- 
. Die 3 — 5 lappigen, glatten Blat- 
ter sind lederig, immergriin, tief hand- 
formig gelappt und erreichen einen 
Durchmesser von 12 Zoll. Mann- 
liche Bluthen mit verliingerter, etwa 5 
Zoll langer, walziger Kelchrbhre ; Kelcb- 
aum tassenformig, 5-seitig. Petalen 3, 
nter sich und mit dem Kelchsaume 
erwachsen, abstehend, vorne abge- 
stumpft, mit sehr langen, dunnen, ge- 
drehten Anhiingseln versehen. die lang 
herabhiingen und der Bliithe ein Wg 
sonderbares Aussehen geben. Sta» bfa * 
den dreibrudrig, Antheren einbrudeng, 
mit Iinealischen , gewundenen Fachem- 



Weibliche Bluthen wie die mannlichen, 
einem runden Fruchiknotcn aufsitzend, 
.ii'lisplsliindig und mcistons einzeln ste- 
hend, wlhrend dio mannlichen in Aeh- 
ren, von kurzen Bracteen unterstutzt, 
stehen. Die Blumen sind ausserhalb 
rothbraun, sammt- oder kurz flaumhaa- 
rig, innen strohgelb und zottig. — Kann 
natiirlkh nur in hohen Warmhausern, 
im freien Grunde ausgepilanzt, mit Er- 
folg gozogen werden. (Taf. 94.) 

22) Meconopsis nepalcnsis DC. (Pa- 
paver paniculatum Don.) Papavcraceac. 
Wurde zuerst im Nepal von Dr. 
Wallich entdeckt und spater von Dr. 
Hooker in den Thalern der Sikkimberge, 
auffetten iippigen Wiesen, 10—11,000 
Fuss iiber der Meeresflaehe gefunden. 
Diese herrliche Art wird ungefahr 5 
Fuss hoch und ist mit langen abstehen- 
den braunen Borstenhaaren bekleidet. 
■jta am Stengel sitzend, linealisch, 
buchtig-gelappt. Die grossen, goldgel- 
ben Blumen in reichbliithigen Trauben, 
Blumenstiele gestreckt, abstehend, fast 
n'ekend. Fruchtknoten 8 - 10 fachcrig, 
' *M nut kurzen Haaren bedeckt; Grii- 
kurz und <"<*, mitkopfformiger, viel- 
5tr ahliger, violetter Narbe. - Sie ist 
^rschemlich cine perennirende Pflanze 
na ■*&, nach ihrem hohen Standorte 
^ ^heUen, bei uns wahrscheinlich 
LnV^ iCn S edeih ™- Vermehrung 
(TaJ 95 ) men - Sehr empfehlenswerth. 

( *) IhUrocentrum roseum A. Br. 
LT'' e ' (Melastoma r ^bra Hort.) Me- 

n^n bis e - niedliche Melastomacee, ei- 
hendpn J 1 ' 04 2 Fuss hohen > reichblii- 
eQ Strauchbildend ? der zahlrciche 



7, :-'h„.„. 



tr eibt. Stengel 4-kan- 
ld gelt, einfach oder sehr 



^rpflanzen. 311 

wenig verastelt, steif aufrecht mit klei- 
nen pfriemfbrmigen , abstehenden Bor- 
stenhaaren besetzt; Blatter elliptisch- 
lanzettlich , lang verschmalert - herab- 
laufend in den oberhalb gefurchten Blatt- 
stiel , scharflieh - behaart. Bluthen in 
eudstiindigen. dreitheilig verzweigten 
Rispen; die einzelnen Verzweigungen 3- 
blumig. Blumen ziemlich gross, schon 
rosenroth. (Taf. 97.) 

24) Larix Griffitha Hook. fit. et Toms. 
Eine schone Larchentanne , die in einer 
supramarinen Hbhe von 8—12,000 Fuss 
in den Waldern der bstlichen Himalaya- 
und westlichen Bootanberge zuerst vom 
verstorbenen Griffith entdeckt wurde, 
wo sie im Mai bliiht und im October 
ihre, Zapfen reift und nach Aussage desDr. 
Hooker eine Hbhe von 60 Fuss erreicht. 
Dieser junge und schon so betiihmte 
Botaniker fand sie spater ebenfalls in den 
innern Thalern des Sikkim- und bstlichen 
Nepalgebirges, wo sie in grosser Men- 
ge, besonders auf nackten Felsen und 
abschiissigen Stcllen vorkommt. Man 
unterscheidct diese Art leicht an ihrem 
schlanken Wuchs, dem zerstreut stehen- 
den Laube, und den sehr langen, bieg- 
samen Aesten, die der leichteste Luft- 
hauch bewegt. Die Zapfen sind bedeu- 
tend grosser, als die der anderen Arten, 
und haben ausserdem eine grossere 
Zahl von Schuppen und lange , zuriick- 
geschlagene, dauernde Deckblatter. Das 
Holz ist weiss und scheint fiir 
technische Zwecke von keinem be- 
sonderen Werthe; da diese Art aber 
vollkommen ausdauernd zu sein scheint, 
kann der Baum seiner grazibsen Tracht 
wegen in grbsseren Gartenanlagen mit 
Nutzen verwandt werden, besonders auf 
trockenem Untergrunde', wo sich kein 
Grundwasser sammeln kann. (Taf. 72.) 



Gartenflora Deutschlands und der S< 

III. N o t i z e n. 



Wenn unterzeichnete Verwallung Irolz der 
zahlreichen Schwierigkeiten, deren bedauer- 
lichste als Theikiabmlosigkeit uns enlgegcntritt, 
nicht miide geworden, mil demselbe'n rcgen 
Eifer fur die scbonen und niitzlichen Zwccke, 
die sie sich zur Aufgabe gemacht, zu wirken, 
so fuhlte sic sicb bei der diesjahrigen Pllan- 
zcnau:>.stcllung, welclie als cine allseitig ge- 
lungene zu bezeichnen ist, reicb belohnt fur 
ihre Ausdauer durch die Thatsachc cines un- 
verkennbarcn Fortschrillcs in der Pflanzencul- 
tur auf hiesigem Plalze. 

Die unterzeichnete Verwaltung dankl der 
Gesellschaft zur Beforderung nutzlicher Kunslc 
fur die reiche inatenellc Untersliitzung, welche 
es ihr moglich machtc, fur den grosstcn Theil 
der hiesigen Culturzweige Priimien auszusetzen; 
dann aber fuhlt sie sich besonders zu Dank 
verpflichtet gegen die Manner, welche mit so 
lobenswerther Uneigenniitzigkeit ihre Erzeug- 
nisse dem Publikum zur Schau stellten und 
so thalig mitwirkten, die Liebe fur die Pflan- 
zencultur zu verallgemeinern. Auch nur da- 
durch, dass sie an der Verbreitung und 
Veredlung des Geschmackes dieses Zweiges 
des schonen Garlenwesens thatigen Antheil 
nahmen, mogen sie sich reichlich belohnt 
wissen fur die aufgewendelc Zeit und, Miihe, 
und mogen sie die Pramie, deren nomineller 
Werth im Verhaltniss der gebrachten Opfer 
unwesentlich erscheint; als Ehren- und Dan- 
kenszeiehen der Gesellschaft schatzen. 

Das vielbewundcrle Ausstellungsbaus , mit 
dessen Haltung, wie wir mit besonderer 
Freude melden konnen, die Besitzer auch im 
Laufe des Winters sehr zufrieden waren, ent- 
hielt ein uberraschend reiches Blumenmeer, 
das sich um einen geschmackvoll angeleglen 
und mil den ausgezeiehnetsten Culturpflanzen 
geschmuckten Rasenplatz in growler Mannig- 
faltigkeit enlfaltete, und mit eincr charakter- 
vollen, nur aus grossen baumartigen Camel- 
lien, Eriken, Azaleen u. s. w. bestehenden 
welcher auch k 



Isprechcnden naturkriiftigen Ziige von Geslein 
i Wasser fehlten, schloss. 

Gldch am Eingange, wo man Gelegenheit 
le, den von Blumengowiuden utnscliliuig.; 
1 Wahlspnith der Gesellschaft: „Concordia 

parvae crescunl" lief innerlich zu behorzi- 
t, empfing uns ein Rosenduft von den bei- 
i rivalisironden Gruppen der Hrn. Schmidt 
1 Mm. I!. nil aufsteigend , der uns, -wenn 



gezogen werden wurde. In der That erwar- 

Entscheidung der Herrn Prcisrichter durch 
nahebei gleichmassigen Erfolg einigermaassen 
erschwert zu haben. Nach langcrer Berathunj 
musslc indesscn die grosscre Anzahl von Ncu- 
heiten und die Mannigfaltigkeit an Farbe in 
der Gruppe des Hrn. C. Ibach den Ausschlag 
fur den erst en Preis geben. Ausser diesen 
Rosen hatle Herr I. verschiedenc andere 
Pflanzenarten aufgestellt, welche alle durch 
ihr iippiges Aussehen die guteCultur bekunde- 
ten. Daruntcr bemerkte man ein sehr hubsches 
Exemplar von Leucopogon floribundum, des- 
sen Acste sich unter Bluthenfulle bogen. 

Herr Schmidt hatte seiner, hiernach mil 
dem zweiten Preise gekronlen Rosengruppe 
gegeniiber eine Sammlung der beliebtesten 
Blattpflanzen aufgestellt, welcher sowohl in 
Betracht der Verschiedenheit ihrer Formen, 
als auch wegen der hochst geschmackvollen 
Zusammenstellung mit Recht eine grosse sil- 
berne Medaille zuerkannt wurde. Eine blii- 
hende Clivia nobilis, das zierlichc Orontinra 
variegatum , Aphelandra Leopoldi, Brexia chry- 

nige Aralien, eiu ziemlich voIlstSndiges Sorii- 
ment von Dracaena und Maranta fcsselten 
die Blicke des Laicn wie des Kenners. 

Die Mitte des Schaubauses nahm derscbon 
erwahnte Rasenplatz ein , welcher in bun e 
Schmuckc der zartesten Neuhollanderpuanzen 
in scltencr Starke paradirte. Dieselben waren 
meistens von Herrn Breul eingesendet, dessen 
ausgedehnteGewachshauserdieedclstenScbatze 
der Pflanzenwelt bergen, und welcher mit be- 
sonderer Vorliebe und vielem Glueke die Died- 




fa <#■/////.* ///// /// a/wf"*""' 



III. 

lichen Papilionaceen , gleichwie die meistens 
delikaten Erioslemon hegt und pflegt. Die fur 

t, verschiodene. durcli entsehicdcne Culturvoll- 

nete Species bestimmle goldene Medaille er- 
hiell denu audi Herr Breul far Boronia ane- 
nioniMia, Anoptoris ^kttidulosa , Eriostemon 






ewunderungswtirdige 






alien Anspriichcn in 
menheit entsprachen ; 
neuc, doch seltene « 



dieser grqsscn Gatiung, Berberis Barwini, ein 
Musterexeniplar, das mit seinen zahlreichen 
lieforangefarbcnen Bliilhenbuscheln, die ange- 
nehm von dessen dunkelgrunem Laube absta- 
chen, die Blicke alter Beschauer auf sich zog. 
Mir warden unseren Bericbt allzuweit aus- 
dehnen, wollleri wir die vielen iibriaren er- 



-«8»«h mil der dafur bestimmlen goldenen 
Medaille gekront wurde. Wir heben davori 
ilsNovitaten hervor Rhodod. Blanche superbc, 
cme Varietal von R. caucasicum, deren Zfich- 
f uns u nbekannt, die aber jeden Kenner 
« die Feinheit der milchweissen Farbe, 
nrch ihre grossen und abgerundeten Glocken, 
toch ,h re riesenhaften und gutgeslellten Blu- 
'fcustransM entzuckte. Fiigen wir hinzu, dass 
T* Prichti & e Art auch fur die nordliehen 



^Reaumur , 



als vollkommen aus- 
weiset, so .verdient Herr Breul fiir 
u "g dieser Pflanze unseren hbch- 
Rhod. Lindleyanum mit fiinf Blu- 
~ n erw ahnen -wir seiner entschieden 

Farbung willen , welche dasselbe 
beliebten Bastardbildungen der Aza- 

um so willkommener erscheinen 
se ine Willigkeit im Bluhen schon 
* an die aufgewandte Miihe reieh- 
l > ein Verdienst, das jeder Ken- 



jtizen. 313 

lich mit Knospen lohnenden Pflanzengaltung 
scMtzcn wird. 

Rhododendron Gibsoni verum mil gros- 
seren, duftendenBlumcnglocken und slarkerer 
Zeichnung als die fruher allsremein verbrcilete 
Sorte konnen wir hier nicht ubergehen, ohnc 
eine hochst interessante Thatsache zu beruh- 
ren. In der Anstalt der Herrcn S. u. J. Rinz 
namlich blieben seit Jahren alle Opcralionen, 
das gewohnliehe Rhod. Gibsoni zu bcfruchlcn, 
erfolglos. Vor einiger Zeit erhielt man nun 
dorl von Hrn. Daniel Hoibrenk, der auch das 
Verdienst der Einfuhrung aus den Himalaya- 
thalern in Anspruch nimmt, dieses Rhod. Gib- 
soni verum, worauf anfanglich so wenig be- 
sonderer Werth gelegt wurde , dass man die 
Vermehrung ganz vcrsuumtc. Nachdcm jedoch 
die Bliithe im verwichenen Jahre entschiedene 
Vorziige vor derjenigen der alten Sorte zcigte, 
unterwarf man sie ebenfalls der Befruchtungs- 

ig« Samen hcranreiften. 
Noch mussen wir einiger herrliclicn Aza- 
lea indica aus des Hrn. Breul Beitragen ge- 
denken, die trotz des hohen Warmegrades, 
welcher ihre fiiihe Eniwickelungerzwang, eine 
ungewohnliche Grosse und Vollkommenheit in 
der Fiirbung erreicht hatten, und worunter 
namentlich Az. beaute de l'Europe und die 
noch neue Herzog Adolph v. Nassau (Mard- 

messer haltenden , tiefcanninfarbenen Blumen 
auffielen. 

Den Glanzpunkt der 

lung von Azalea indica 



tlliill. 



istellung bildete in 
zahlreiche Samm- 

s Herrn Andreae- 
vorzugsweise cul- 

ics tuchtigen Gart- 



ns zu gerechter Bewunderung nolhigct. 
Unvergesslich wird jedem Beschauer die der 
Alpenrosengruppe des Herrn Breul gegeniiber- 
slehendc Azalcengruppe bleiben, wo Muster- 
exemplare von A. Pcrryana Iveryana, Leh- 
manni, exquisita, Gledstanesii, Marie Louise, 
Seideliana , illustris u. a. m. nur zu cinem ein- 
zigen, undurchdringlich scheinenden Blumen- 
teppich vereinigt waren. 

Da Herr Andreac keinc Kosten scheuet, um 
sein vortreffliches Sortiment mit den alljahrlich 



Gartenflora Deutschlands und < 






wohl fur schone Cultur als fur dio Neuhciten 

Farbung der Oberpetalen, Leopold und Jenny 
Lind, hiesige Erzeugnissc des Hrn. Scheuer- 
mann, Adolph ivon Nassau, Prinz Friedrich 
von Dessau, und Jeanne d'Arc, alio drei von 
Herrn Mardner in Mainz geziichtet. Wir haben 
in unserera vorjahrigen Berichte bereils die 
Leistungen dieses verdienshollen Ziichters ge- 
wurdigel und geben uns der angenchmcn Hoff- 
nung hin , von demselben noch manche werth- 
volJe Varietal vorgefuhrl zu sehen. 

Dieses Jahr. Mitglicd der Preisrichlcrcom- 
mission, hatte Heir Mardner ausser den ange- 



irlach halbgcfullter 

Hier , unler der Kuppel des Hauses bei dei 
schon erwahnten Hauplgruppe im Hintergrund* 






merken : 

pbotographisch fixirt zu sehen, leider al 
vviess sich das Verfahren noch zu unvc 
men, indem das verschiedene Grun, 
und Schatten , die hier harmonisch zusa 
wirkten, nicht wharf genug aufgefasst \ 



desshalb auf die Ausfuhrung des Wunsches 
verzichten, so gill der Ausdruck desselben 
doch als vollstandiges Zeugniss fur den gebil- 
deten Geschmack unseres zum Dekorations- 
chef erwahlten Hrn. A. Weber, der mil un- 
ermudlichem Eifer dasGanze Ieitele und durch 
sich sowohl den Dank der 
grosse Medaillc , welche 
dem verehrlichen Preisrichtercomite zur freien 
Verfugung iiberlassen war, unler einstimmiger 
Anerkennung erwarb. 



der mit dankenswerther Uneigennutzigkeit eine 
grosse Anzahl seiner slarksten Azaleen zur 
Dekorirung hergab, und so wesentlich zur 
brillanten Farbung des Hintergrundes beitrug. 



Das Bassin umsehloss im Vordergrunde 

Herrn Fischer, Gartner bei Freihenn von Rie- 
desel in Darmstadt, wofiir derselbe den im 
Programm ausgesetzten Preis erhielt. 

Sehr vollkommen war der dicsjiihrige Ca- 
mellienflor zu nennen, wie viele Gruppen die- 
ser edlen japanischen Pflanzen bewiesen. Na- 



men der Camellia la Reine, Jubile (Low), 
Monteroni, Feasli, Halleyi, Lowii, grandis, 
Matothiana, ochroleuca, Briantea, alba Caso- 
retti, deren nicht wenige mit Blumeu von 6 
Zoll Durchmcsser vorkamen. Als beste Neu- 
heiten wurden aus dieser Sammlung ge- 
kront: Rubens (Donkelaar), eine sehr grosse 
regelmassig gebanderte Blume, Targioni in 
unubertrefTlich zart milchweisser Farbung mit 
feinen rosa Bandern und Strichen, Jacksoni, 
feurig dunkelscharlach , obwohl zu leer im 
Centrum", Dux armoricanus, eine cdle rosen- 
formig gebaute Blume von lebhafter rosenro- 
ther Farbe in der Arl der geschatzlen Wild^ii. 
Archiduchesse Marie und Duchesse Visconli, 
letzlere eine der empfehlenswerlhesten un.e. 
den punktirten Sorten. 

Einige hubs eh e Exemplare der herrlichen 
caryophylloides (Low), Comtesse of Orkney, 
in der Art der oben besehriebenen Targioni 



und Marie Morren , eine blume e 
in glanzend Rosa, zeichneten i 
Herrn Breul aus. 



turpreis davon trug, hatte aus seiner g 
sem Rufe stehenden Sammlung eine sehr hub- 
sche Auswahl gesendet, die i 
Sorten die ausserst niedlich^ 
Wilhelm Tell enlhielt. 

Gruppen gemischten Inhaltes liefcrten die 
Herren Scheuermann, J. Zepnick, Franz Jos. 
Rinz, Milglied dei Preisrichtercommission., W 
Ohler, Obergartner des mit dem hiea 8 en ^ 
turhistorischen Museum verbundenen o» 
sehen Gartens, und Herr Dr. Matti. Meda.len 
erwarben die von Herrn Scheuermann antge- 
\ P F.ricensammlung des Hrn. 



, die Ericensammhing d 



i Herrn Dr. Matti. Nic 



en Wuclis umi Blumenre 


chthum ausge- 


chneten Camellien des Her 


n J. Zepnick. 


Neben den sehr hiibschen 


von Mr. King- 


n gezuchtelen Epacris mi 


iata splendcns, 


ndiflora rubra und Kingho 




J. Rinz konnteii de.cn 


Erzeugnisse aus 


ner Zucht, wie Proserpine 


Graf Alfred v. 


pperg, Eclipse, Aurora, 


npressa ardens 


nerhin mit den englischen Produktionen eh- 


voll concurriren. 




Die eben genanntcn Einsender erhielten 


he Boronia Drummondi die 



schonsten neuen Pflanze mit Ausschluss von 
Azaleen, Camellien und Rhododendron gewid- 
met war. Mann kann sich in der That nichts 
Reizenderes denken, als diese wohlgeformten, 
lebhaft rosafarbenen kleinen Bluthen , welche in 
hochster Eleganz urn die mit fein gefiederten 
Blatfchen gezierten Zweige schweben. 

Da sich diese neuere Art vor ihren Ge- 

toe Behandlung auszeichnet, so steht zu er- 
warten, dass in nicbt gar langer Zeit jeder 
Blumenfrcund sich an dieser Perle der Pflan- 

Leider etwas verspatet sandte Heir A. v. 
^nch in Heilbronn einige prachtige Bliithen- 
en der Hexacentris mysorensis, welche 
foselbe i m f re i e n Erdbeete eines kleinen 
Warmhauses reichlich zur Bluthe gebrachthat. 
Kachtraglich sahen wir auch noch die neue 
ailerUebste Swainsonia lessertifolia mit 3 Blii- 
!™ 5n "en a »f kaum 6 Zoll hoher Pflanze 
m dem Contingente des Hrn. S. u. J. Rinz. 

Aas der letzteren Sammlung kamen zu un- 

uTi BedaU6m Rhod odendron Edgeworthi 

as mit ungeheuren, 7 Zoll Durehmesser 

™&n Blumenballen beladene Viburnum 
r^ balUraVerUmumachl Tage' 2 us P at 



tizen. 315 

Pomologen in Wiesbaden aufgestellt, und 
wurde das von Herrn Adlung gelieferte Ge- 

tricbene Bohnen und Gurken, einer Pramie 
wiirdig erachlet 

In der gekronten Obstsammlung des Hrn. 
von Trapp fanden sich als vorziiglich empfeh- 
lenswerlhe Fruchte: Der grosse Willielmsapfel, 
Baumann's rothe Winterreinetle , griiner Loth- 
ringer, Kloppenheimer Strcifling, Reinette d'- 
Orleans, Ananasreinelte, Newton pepin, Wind- 
sor Reinette, Konigliche Reinette, Engl. Win- 
tergoldpearmin, Reinette rousse, neuc engl. 
Nonpareille, Crede's grosser Wilhelmsapfel, gc- 
strcifter Fiirstenaplel und ein hcrrliches Exem- 
plar der vortrefflichen Winterapothekerbirne. 
e einer scho- 
Brucker, den 
reizenden Tropaeolum tricolor des Herrn An- 
dreae-Winkler und den in Bauraform hiibsch 
gezogenen Azalea indica des Handelsgartners 
Herrn Schulz in Hanau zu Theil. 

Indem wir hicmit unseren Bericht fiber die 
diesjahrige grosse 



bereitwilligen Opfer nochmals danken, diirfen 
wir wohl den Wunsch ausdriicken, dass uns 
die niimliche innige Einigung zum Zwecke der 
Forderung des Garten- und Feldbaues die 
ahnlichen schonen Erfolge auch in Zukunft 
bereite, und dass sich, eingedenk des Wahl- 
spruches der verehrlichen Gesellschaft zur Be- 
forderung nutzl. Kiinsle, unseremStreben noch 
recht viele liichtige Cultivat 



•2) Ur. 



...... 



wollende Liste 



machtige und ni 
geben, wenn wir 

ollten, welche das Pflanzenreich vom 
Moose bis zum Palmbaume hinauf dem Men- 
schengeschlecht erweist und welche sowohl 
die Fristung seines Daseins moglich machen, 
als ihm dasselbe mit Freuden und Genussen. 

n. Es kann also keine Rede davon sein, 
sie hier alle zu nennen, geschweige denn, sie 
des Nahern zu besprechen. Indessen mag es 
uns ganz wohl anstehen, von dem gewalti- 
gen Larm, welcher heutzutage an alien Ecken 
und Enden uber die Leislungen des mensch- 
lichen Gehims erschallt, auch einige Klange 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



t besonderer Grossmuth 1 



schone Erde in alien ihren Tiefcn und Hohcn, 


Pflegc wfirdig seien. Die 


in alien Breite- undLangegradcn von unserera 


che Europa sah , soil im 


Geschlecht urbar und wohnbar gemacht wer- 


Franz Drake horubergekoii 


den konnte, und dadurch ilire wahre Bcslim- 


sollen schon im Jahr ibiY. 




len den Sir John Hawkins 


Da ist zum Beispicl an der ersten Stelle 


begleitet haben, und gew 


die Erdapfelfamilie, beiuhmt urn ihrer libe- 


dass ein ordi 


ralen Gruudsiitze willen und wegen des wei- 


Jahr 158G Virginia verlies.-. 


ten Kreises, iiber den sich ihr gesegneter Ein- 


ter Raleigh nach England 


fluss erstreckl. Die Glieder dieser Familie sind 


chem wir cine fleissige u 


mil derselben Grossmulh bereit, zu des rei- 


schichte der Kartoflelfamilic 


chen Mannes Fasanbraten noch eineu Lecker- 


im hohen Grade wahrschc 



Nahrung neben des armen Mannes Salznapf- 
chen. Die Erdapfelfamilie ist wahrend einer 
langen Reihe von Jahren cine' der edelstcn 
Wohlthatcrinnen der menschlichen Colonie ge- 
wesen, und als sic in der letzten Zeit durch 
iible Gesundheit an der Erfiillung Hirer guicn 
Absichlen gehindert worden , war Angst und 
Scbrecken gross unter demMenschengeschlcchte, 

Zustand ausgegeben und nachges 



wurden. Auch jelzl sebemt ilire Conslilulion 


1728. Ungefahr urn die namliche Zeit liessen 


lmmer noch elwas erschutlcrt zu scm: allcin 


sich andcre Zweige unserer siidami'rikamsi.-li':;i 


immer naher und naher trill der Augenblick, 


Familie in Deulschland niedcr. Die Schweiicr- 
kartoffeln siedelten sich zuerst im Jahr 1^30 


in welehcm wir unsne wuhlmeinende und 


einflussreiche Freundin als vollkommen gene- 


an, und zwar im Canlon Bern. In Jahr IP 


sen begriissen konncn. 


gewahrle die gedeihlich aufbluhcnde FamUie 


Der Familiensilz des edcln Kartoflclge- 


ihre Wohllhaten den Preussen. Allein es daucrte 


schlechtes ist bekanntlich in Amerika. Sic sind 


noch fast 30 Jahre, bis dass sich Toskana um 


tin verhallnissmassig junges Gcsehlechl in un- 


den Mitgenuss an der kostlichen Karloffelschus- 
sel bemuhle, im Jahr 1767. In Frankrcich 


sercm Lande, indem sie erst langc Zeit nach 




wurden die menschenfreundlichcn Bcstrebun- 


Nach vieler Diskussion sind die Genealogiker 


gen unserer lieben Einwanderernicht anerkannt, 


cndlich so ziemlich fibercin gekommen, den 


bis sich in der Milte des vorigen Jahrhunderts cm 
Mann, Namens Parmenlier erhob, wclchcr die 
Einfuhruug derKartofTeln in Frankrcich nut w 


Ursprung aller Karloffeln, welche gegenwjirtig 


iiber die Welt verbreilel sind, von einer ein- 


zigen Familie abzuleiten , deren Heimat Chili, 


chem Eiler empfabJ, dass manauf denGedan en 


und zwar die Umgcbung von Valparaiso. Auf 


kam, ihm ein nahes VerwandtschafiMiitiT^ 
zuzumulhen zwar nicht dadurch, dass man ' 
einen Erdapfel nannte, wohl aber dadarch, 


den Hugeln, welche sich in der dortigen Ge- 


gend an der Kiiste erheben und dirckt dem 


Meere zuschauen, da wuchsen die Ahnen al- 


dass man die Erdapfel nach seinem Namen 




ten sich dicselben fiber vielc Theile Amerika's 


stand ,'welchen die Kartoffelfamilie dem &»• 



nicht lange angestanden, 



vor Raleigh's Zeit in Spanien cine Ansicdc- 
lung von Kartotfeln statt gefunden habe- Im 
Jahr 1536 in England angekommen, ward die 
wohlthatige Erdapfelfamilie dann im Jahr 1590 
in Belgicn willkommen geheissen. Im Jahr 
1610 kamen die ersten Erdapfel nach Irland, 
wo sie sich mit besonderer Kraft und Rustig- 
keit vermehrlen und zu einem der wichtigsten 
Zweige ihres wurdigen Geschlcchtes heranbd- 
deten. Die schottischen Erdapfel datiren ihren 
Ursprung 



in desscn Gunst und dankbarer Anerkennung 

Obgleich dem Gesaglen zufolgc die Kar- 
tofleln einen so ungemein weiten Wirkungs- 
kreis haben, sind sie doch imht im Standi-, 

zn behauplen. An den Anden fixiren sie ih- 
ren Slandort auf einer H5he von 10—13,000 
Fuss. In den Schweizer Alpen gedeih 
an den Bergabhiingen vorlrefflicb und s 
im Kanlon Bern bis auf eine Hohe von 5000 
Fuss oder nicht gar viel weniger. Ueber den 
Norden von Europa dehnt die Kartoffelfamilie 
ibren wohlthuenden Einfluss bis in eine noch 
hohere Kalte aus, als selbst die Gerste, wel- 
cbe doch als die ausdauerndste Getreideart 
beruhmt ist. So treffen wir auf Island Kartof- 
feln an, wihrend die Gerste dort ibren An- 
bau versagt. Die Karloffel ist so nahrend, so 
Khmackhaft und verlangt zu ihrer Cultur so 
wemg Geschicklichkeit und Anstrengung, dass 



.-"-''-:-. Shetland-, ja selbst bis auf die 
'"oennseln. Diejenigen, welche mit der Ger- 
*auf ganz vertraulichem Fusse stehen,' ge- 
u verstehen, dieselbe halte grosse Lust, 
a auch noch in den sudlichen Distrikten von 
Tjfc»««wUen f z.B.nmReikiavik:allem 
aort.gen widerwartigen Regen liessen den 



den Ackerbau. Dort fiihrt das Volk ein No- 
rnadenleben, und die Verpflichlung, welche 
der Mensch dem Pflanzenreich fiir seinen Un- 
terhalt schuldet, beruhtauf bescheii -n :n.n ['.«■- 



: G erstenfamilie 
jRussland and( 
' "ber Archan-i 



Ebenso hat die- 



vermo W kdne Gerste es m>cr sich 

•ibirim? ' m e ' nem S rosscn Theile vonNord- 

loffeln SS ZU fasscn ' und da auch dieKar- 

Dur hie und da einen Versuch ce- 



fenden Hirten jener unerraesslichen Gegenden 
noch eine Fulle des Segens in sich schliessen. 
Namlich es sind Flechten oder Wurzeln, Rin- 
den, Beerenfriichtc u. dgl. die Gaben, welche 
die sparliche Vegetation zum Lebensunterhalt 



Lebensbedingung von dem Boden heischt, 
welchem sie fiir jegliches Glied einer 
menschlichen Kolonie als wahre Gottesgabe 
;ifon mocbte. Sie bedarf eine Sommerhitze, 
'elche im Durchschnilt 6° Reaum. hat; da- 
ei aber hat die Gerste keineswegs nothig, 
bestandig feucht erhalten zu werden. Soil im 
Gegentheil aus Gerste, welche in feuchten 
Gegenden, z. B. auf Inseln, gezogen wird, 
wirklich eine lohnende Ernte erhalten 
werden , so mussen noch 1 — 2 Grade zu jener 
mittlcren Temperalur gefugt werden , mit wel- 
cher in anderen trockeneren Gegenden sich 
die Gerste begnugt und oin erfreuliches Resul- 
tat zeigt. Dagegen halt die Gerste ein gar 
heisses Klima nicht aus. Andere Grasarlen 
konnen, wenn sie wollen, in tropischer Tempe- 
ratur bestehen; dagegen verweigert Gerste, sich 
schon wahrcnd ibres Wachsthums dorren und 



. V id 



r Tartarei und 



ihre Urahnen urspriinglich i 
auf Sicilien gcwohnt haben, und von diesen 
Stammen pflegt man die jetzige bluhende Ger- 
stenfamilie herzuleiten. Nun sind freilich die 
beiden genannten Gegenden sehr weit von 
cinander, und wir beeilen uns daher, unsere 
Ansicht dahin auszusprechen , dass nicht nur 
der Stammbaum der Gerstenfamilie, sondern 
die Stammbaume sammtlicher Zweige der gros- 
rasfamilie in Dunkelheit begraben und in 
gewaltigen Nebel von Vermuthungen 
und Hypothescn verloren sind. Ueber kein ein- 
ziges GUed der edelen Sippschaft ist ein ver- 



Gartenflora Deutschlands 1 



der Schweiz. 



sien Grashalm auf ihrc 
Oberflache zerrissen di 
ne, deren Slrahlen 
Wolke aufgefangen 






Felsen , auf 
welche seit der Siindfluth kein Regen gefal- 
len ist, enthallen gegenwartig den hauptsiich- 
lichstcn Reichlhum Peru's. Es sind dies die 
Chincha-Inseln. Immerfort sammelrl sich 
jetzt Schiffe um sie her. urn das Felt, welches 
die eisenharten Rippeu diescr Inseln deckt, 
davouzutragen, wir meinen das Guano, wel- 
ches die erschopften u 
der entlegener Gegenden von i 
ten soil. Zu dem genannten 
konnen nunmehr auch noch die Lobos-Inseln 
gezahlt werden, auf welche ebenfalls Peru einen 
freilich bestrittenen Anspruch erhebt. Indessen 
bleibt das Guanolager der Lobosinseln, wie 
ich glaube, in Quantitat und Qualitat hinter 
demjenigen der Chinchagruppe zuruck, und 
wenigstens bios von dieser stamml alles pe- 
ruvianische Guano, welches bis jetzt nach 
England gebracht worden ist. 

Der Hafen, aus welchem unser Setoff 
nach den Guanogruben segelte, war Port 
Philipp, oder Victoria, wie Hafenstadt und Di- 
strikt jetzt umgetauft worden ist, in Auslralien. 
Indessen ubergehe ich jetzt zum Frommen 
meiner Leser die Seereise und beginne die 
Gescbichte meiner Fahrt wieder, wie ein fri- 
scher Wind uns der Bai von Callao, dem See- 
hafen von Lima, zutrieb. Wahrend der letzten 
paar Stunden sind wir liings einer Kiiste hin- 
gesegelt, deren grandiose Scenerie ich sehr 

mich dessen zu untcrfangen ; denn obwohl 
rair meine Hand recht gute Dienste leistet, 
wenn es darauf ankommt, den Stand der Se- 



fuhren. Unmitlelbar aus dem gruncn Meer 
erhob sich das Gebirge in cinzelnen Absatzen, 
und wahrend es an seiner Basis von der 
weissen brandung umsehaumt wurdc- schien 
der reine blaue Himmel auf den entfernten 
Spitzen und Gipfeln zu ruhen, und zwar wnr- 
de dort der harle Gcgensatz zwischen Luft 
und Erde wenigcr durch die Enlfernung, als 
durch den Schimmcr des ewigen Schnees ge- 
mildert. Endlich gehort noch eine in sanften 
Wellen aufsleigende Wolkenbank, welche ir- 
gend einem ungesehenen Thale entsteigt, mil 
in's Gemalde. 

Obgleich wir bios fur die Guano- oder 

noch in Callao Anker werfen. Bercits haben 
wir, urn nach letzlerem Hafen zu gelangen, an 
erstern vorbeipassiren mussen. Ich muss hier 
ein Wort uber einen argen Uebelstand fallen 

segeln, viel unnolhige Vcrsaumniss und Ko- 
steu verursacht. Jedes Guanoschill ist iiumlicli 
gezwungen , bei der Hin- und bci der Ruck- 
muss es also zuerst 150 Meilen uber die In- 
seln , seinen Bestimmungsort, hinaus segeln, 
um nach Callao zu kommen. Hat es hier ein 
unnolhigcs Ceremoniell abgethan, so muss 
es die 150 Meilen wieder zurucksegeln , um 



hafen, welcher den Chinchainseln direkt gc- 
gemiber am sudamerikanischenFestlande begt 
Diese Ruckreise von Callao nach Pisco ist 

als man dabei immer gegen einen bedeuten- 
den Gegenwind zu kampfen hat. In Pisco 
ankert man also und hat hier wieder manrj|- 
fallige Formlichkeiten zu erfullen, welche 2— 
3 Tage wegnehmen. Darin kann man endlich 
seinem Bestimmungsorte zu; man hat wieder 
9 — 10 Meilen zuruckzusegeln, um die Chin* 









. Uia- 



, so versagt sie mir doch bcinahe 


no ein und kehrt nach Pisco zuruck. AUein 


iren Dienst, wenn sie zur Feder und 


noch darf man von diesem Hafen aus nicht 


■ifen und in Woiton ein GemiildL- utit- 


den Heimwcg antreten, sondern jetzt mu»s 


soll. 'S ist wolil so bei den nieislen 


man wieder nach Callao hinauf und endlich 


n der Fall. Moge sich daher der Le- 


schifft man zum 5. und gliicklicber Weise zum 


eigener Einbildungskraft dir uii^r- 


letzten Male auf seiner Ruckreise an den Got- 



IV. Personalnolizen. 



slenllmmern und Zwergrepublik.cn weit mehr 
Formenwesen isl, als in grossen Staaten, wel- 
che begreiflicher Weise wirksamere Mittel in 
Eanden haben, Respekl einzuflossen. Peru 
ist keineswegs eine Macht, die sonderlich im- 
ponirt, und es ist jedenfalls in Bezug auf Ci- 
vilisation ein gutes und anerkennenswerthes 
Zeichen, dass sich alle die machtigen Kauffah- 
rer, welche im Hafen von Callao und vor 
den Chinchainseln liegen, von ein paar mise- 
rabeln Kriegssehiflen im Zugel halten lassen, 
welche ebensolotterigsind, als dieRepublikPeru 
uberbaopt. Wahrlich, ein einziger von uns 
Kauffiahrern hatte die ganze Kriegsflotte Pe- 






geschaukelt , 



Mrf den Flulhen 
zu heben und die Fahrt nach 
i zu beginnen. Eine lange tiefe 
Versenkung zeigt jetzt noch den letzten Schmau- 

gleich einem Drachen mil dem Magen eines 
Strausses hatdasselbe so haufig Stucke der Stadt 
weggeschnappt, dass den Bewohnern die Lust 
vergangen zu sein scheint, bestandig Steinfut- 
ter zu serviren. Daher sind gegenwartig die 
Hauser von Callao blosse Schuppen von Schilf 
und Schlamm, welche im Fall einer Erder- 
schutterung ihren Bewohnern keine Backsteine 
an die Kopfe werfen konnen. Grosse, aus 
schwerem Material gebaute Wohnungen geben 
in einem Erdbebendistrikte hochst missliche 
Residenzen ab. (Fortsetzung folgt. 



IV. Person alnotizei 



1) Ho 



gel, bote! 

ner in Halle, starb im Monal Mai 1856. Der- 
selbe ward in Jerbstedt bei Halle geboreD, 
"lemle im botanischen Garten zu Halle die 
Gartaerei und conditionirtc dann in mehrcren 
bedeutenden Garten, wie im botanischen Gar- 
den zu Leipzig, i m Bot. Garten in Bonn, bis 
* adetzt in das Institut des Herrn L. van 
HoiUe eintrat. Fur diesen Garten machte er 
*"»e Reise nach Surinam und trat nach seiner 
Kwkkunft im gleichen Garten als Lehrer an 
de rdortigen Garlnerschule ein. Von Herrn 
v Schlechtendahl ward er von dort an den bo- 
^chen Garten in Halle berufen. Seine un- 
ermudliche Thatigkeit, seine Ausdauer und 
f erpe hoben hinnen kurzer Zeit den dortigen 
en, der den schweren Verlust, der ihn 

«oon seit lingerer Zeit litt er an einer 

*Th DVerhartUDg ' Giner F ° lge deS Fiebers ' 
r J es lhn !n Surinam schon fast dahin ge- 

*el I DaZU kam ein Geschwur im 0hr ' 
^ s So 1j °sartig ward, dass es ihn in we- 
"•w Tagen dahinraffte. 



In den letzten Tagen seiner Fieber-Phan- 
tasieen beschaftigte ihn nur die Zukunft des 
Institutes, dem allein er, alles Andere hintan- 
setzend, in den letzten Jahren ganz ausschlies- 
send mil Vermeidung aller Vergnugungen ge- 
lebl hatle. 

Mil ihm ward einer der eifrigsten, tuchtig- 
sten und gebildeteslen Gartner zu Grabe ge- 
tragen. Rube seiner Asche, Ehre seinem An- 
denken. .' j^Jjj^ 

Gartner an der Gartner - Lehranstalt in Berlin, 
durch seine Bearbeilung der Canna-Arten der 
Botanischen Well bekannt, starb im Februar 
dieses Jahres, in seinem 73. Lebensjahre. Der 
liebe freundliche Mann, tuchtig als Gartner 
und Botaniker, ist durch seine Wirksamkeit 
an der Gartner - Lehranstalt zu Berlin in weiten 
Kreisen bekannt und seine Schuler mogen ihm 
ein freundliches Andenken widmen. 

(E. R) 

3) Dr. Albert Dietrich, der vieljahrige 
Mit-Redaktor der Allgemeinen 
friiher Lehrer an der Gartner- 



Berlin, spiiter an dem Konigl. Herbarium in 
Berlin angestellt, starb im April dieses Jahres. 
Vielfache botanische Arbeilen haben denselben 
bekannt gemacht. (E. R.) 

4) Des pcrsischen Schah's britli- 
scherObergartner. (Fortsetzung.) 

Die gewohnliche Lebensweise in einem 
Hause schien bcinahe in alien, welche Burton 
zu beobachten Gelegenheit.hatte, die namliche 
zu sein. Man steht mit Sonnenaufgang auf 
und geniesst eine Tasse Kaffee. Die wenigen 
Stunden im Tage , in welchen der Perser sich 
herabliisst, in dieser oder jener Wcise zu arbei- 
tcn , sind von Sonnenaufgang bis 7 oder 8 Uhr 
Vormittags. Spater wird die Hitze so intcnsiv 
(haufig 35—36° im Schatten) , dass sich AUes 
im Innern der Hiiuser halt und in den Zim- 
mern oder Corridors auf Malten herumliegt. 
Um 10 Uhr geniesst der Perser dieser Stande 



steht aus Hammelfleisch und Reis, bcides zu- 
sammen iiber einem Kohlenfeuer in einer rohcn 
Art von Briihnapf gebralen (und zwar ausser 
dem Hause). Manchmal kommt hiezu noch 
eine Art von Suppe oder „Wasserfleisch," wie 
die worlliche Ucbcrtragung des persischen Na- 
mens lautet. Es wird dieses Gericht aus Was- 
ser, Hammelfleisch, Zwiebeln, Petersilie, Huh- 
nern, Reis, getrockneten Friichlen, Aprikosen, 
Maudeln und Wallnussen bercitet, welche In- 
gredienzen man alle mit einander verdampft. 
lndessen bildet das Wasserfleisch , wie sich 



einen L 

Um 4 Uhr Nachmittags nehmen die keuchen- 
den, von der Hitze erschopften Perser eine 
Tasse voll stark parfuruirtem Thee, in den 

druckt worden ist, und nach dieser Starkung 
erlangen sie wieder Kraft genug , zu rauchen 
und sich auf den Kissen zu dehnen. Das Mit- 
tagsmahl war das Hauptmahl des Tages , zu 
welchem sie ihre Freunde einladeten. Dasselbe 



war dem Fruhstiick ahnlich, doch wurde ihra 
ein Dessert vorangeschickt. welches gelegent- 
lich von Wein begleilet war, immer aber aus 

Das Diner yard auf Zinn servirt. Doch be- 
merkte Burton , dass die Geschirre sehr unrein 
behalten wurden. Ein Stuck gedrucktes Zeug 
ward auf den Bodcn gebreitet und auf dieses 
Brotschnitten gelegt. Sie hallen keine Loflel, 
fur die Suppe noch fur das Wasserfleisch, 
sondern sie trankten ihr Brod mit der Bruhe, 
oder rollten ihre Schnitten zu einer Art Becher 
zusammen, mit dem sie dann aus der Bruhe 
auffischten , was sic konnten. Im Hause des 
Mirza Oosan Koola hatten sie LofTel fur saure 
Zicgenmilch, welche mit Eis genossen eine Hi- 
rer Gourmandisen auszumachen scheint. Das 
Eis wird von den Bergen heruntergebracht 
und in den Bazaars ziemlich wohlfeil vcrkauft. 
Mit dieser sauren Zicgenmilch glace wird dann 
aber noch gleichzeitig Zucker und Salz genos- 
sen, und untcr Rauchen der bekannten Narg- 
hilapfeifen ziehen dann die Abendstunden ganz 
angenehm voriiber. Sie zerpflueken cineMcnge 
von Rosen und lcgen deren Blatter in das 
Wasser, durch welches der Rauch zieht. Al- 
lcin die Rosensaison dauert nur einen Monat. 
Fur den Gebrauch der Herren von der engli- 
schen Gesandtschaft hatte der Mirza ein paar 
Stable in seinem Hause. 

Endlich kamen die Unterhandlungcn inBe- 
treff der Anstcllung des Herrn Burton zu ei- 
nem Ende. Seine Freunde bei der Gesandt- 
schaft hatten darauf gedrungen, dass ihnauch 
der gegenwarlige Schah als koniglichen Gart- 






iiher stipulirten Salair. Diesem Ueber- 
:n gemass nahm Burton ungefahr ei- 



A n z e i g e n. 



23ct %. 2L ferMg in SBerlin (Sinttjtr. 5TCr. 6.) ift mmmebt »oUftanh'» 
erfd)ienen unb burd) alle SSudjtjanblungen ju bejtef)en : 

Ste $fomenpd)t in i|rcm ganseit Umfange. 

(Sine pvafttf^e 9fnfeitung jut (Srjieljung unb 2B at tuna, betS3Iumen 

im B^cien, in @U8~ unb Steifcljtfufem, ttjtc aucfj im 3tm ; 

mcr. SRadj ben neuejlen 3(nftdjten unb eigner ttieljtffjtiget (Srfatjtung, 

bcarBeitct fcon 

]J. S. ffioucfje, unb £. 35oucf)e, 

flunftgattnet unb Sttitglieb ber 9taturforfdjer* flonigl. Snfpector be« botanifdjen 

©efcllfdjaft ©attenS bei 23erlin. 

incite ganj omgeorbtitete JUtfiage. 
gowpL in 3 SSanben; 7 JRtblr. 

Diefe jrceite Wuflage be6 lenommitten SBerfeS ifi eine an SJJflangenar ten fefyr beret* 

etfdjtenen. j)ie tcicfyen barin entfyaltenen , auf eigne (Srfafyrung beruljenben Slngaben rcerben 
DCftntiidg jut JBtbeuitfl bd ©artenbaueS beittagen unb jebem ©attnet unb Siebb,abet bet 
SBlumen eine roittfommene Slnlettung 511 beren $fiege, 2Battung unb <5tjieb,ung gercafjren. Sin 
fononwinifcfjeS JRegipet, n>eld)e« bie cetfdjiebenen ©attennamen ein unb berfelben *JBf(ange jufam* 



Bei Fr. Schnlthess in Zurich ist erschienen und durch alle solide Buch- 

handlungen zu beziehen : 

PflanzeDphysiologische Untersuchungen 



Carl Nageli und Carl Cramer 

1. Heft gr. 4. mit 14 lithogr. Tafeln. br. 4 Thlr. 



In der Araoldischen Buchhandlung in Leipzig ist erschienen und dorch 

alle Buchhandlungen zu beziehen: 

Rollland, Gr. A., Kunst- und Landschaftsgartner in Leipzig, Album fir 
Gartner und Gartenfreunde. Ein praktischer Fiihrer zur Anlegung und Pflege 
von Nutz-, Zier- und Lustgarten. Mit 24 fein ilium. Gartenplanen etc 1. 2. 
Lieferung. Lex. 8. broch. 10 Ngr. 



MONATSSCHRIFT 

fur 
deutsche und schweizerische Garten- und Blumenkunde 



Prof. Dr. H. R. Goeppert, Director des botanischen Gartens inBreslau, J. Hutstein 

in Breslau, H. Jaeger, HofgSrtner in Eisenach, Prof. Dr. ft. Koch in Berlin, 

E. Lucas, Garten -Inspector in Hohenheim, E. OrtgiCS, Obergartner am botanischen 

Garten in Zurich, Dr. G. Reichenbach, Professor in Leipzig 

Herausgegeben 



Dr. E. R e g 



Mitherausgeber fur Deutscbland Mitherausgeber fur die Schweiz 

J. Rinz, P*of. Dr. 0. Heer, 



Redactor 

Dr. EL locher, 

SpitaW in Mun.terlingen an. Boden.ee. (Thurgau). 

November 1856. 

(Ausgabe mit ilium, und schwarzen AbbUdunge 



Erlangeo, 1856. 
Verlag von Ferdinand Enke- 



irgang T on 12 Heften, Ausgabe 



Inhalt des \ove mner-Hcftes. 



I. Originalabhandlungen. 
1) Abgebildete Pflanzcn . . 
a) Dodecalheon integrifolium I 



Eine Weiterbildung der 
und ein Bcispiel von 
Urerzeugung . . . 



3) Bemerkungen fiber neue und seltene 
Zierpflanzen des PetersburgerJ Gartens 327 

II. Neue Zierpflanzen 332 

ITI. Notizen 340 

IV. Literatur 347 

| V. Personalnotizen 350 



Einsendungen fur diese Zeitschrift sind an die Verlagsbuchhandlung 
oder Redaction zu machen. 

Bucher, deren unpartheiische Besprechung, sowie Pflanzen deren Ab- 
bildung in diesen Blattern gewiinscht wird, sind. und zwar von letzteren 
eine gute Abbildung, wo moglich mit trockenen Exemplaren begleitet, unter 
der Adresse E. Reg el in Petersburg an die Verlagsbuchhandlung von Fer- 
dinand Enke in Erlangen einzusenden. 

Annoncen aller Art werden auf den Umschlag oder Beiblatt gegen 
eine Vergiitung von 2 Sgr. oder 7 kr. per Zeile aufgenommen. — Cataloge 
legt die Verlagsbuchhandlung in einer Anzahl von 600 Exemplaren gegen 
eine Gebfthr von 1 Thlr. 20 Sgr. oder 3 fl. der Gartenflora bei. 



I. Origiiialabliandlimgen 

1) Abgebildete Pflanzeii. 

a) Dodecathcon iotegrifolium Mi. 

(Siehe Tafel 175.) 



DasschoneD.Meadia L. hat sich 
•inter dem Namen Gotterblume schon 
Jnge in unsere Garten eingebiirgert. 
««At weniger schon iat das nahver- 
^ndte D. integrifolium Ms., welches im 
WtischenNordamerika und in dem Fel- 
^gebirge ziemlich haufig 1st. Die spa- 
«<*jugen ganzrandigen Blatter unter- 
kden diese Art yon D. Meadia, wel- 
" geziihnte Blatter besitzt. Ausser- 
mk0 ^tes jenem in der That sehr 
. Jahrgang 37, tab. 3622 des Bot. 
C ■ SiCh Cine Ab ™™g dieser 
, wir geben beistehend eine sol- 
J a each ^emplar e n,dieimBotGar- 

Cr r Sburgblaheten - In deut - 



Die Cultur ist sehr leicht. Im freien 
Lande pflanzt man es in eine Mischung 
von 2 Then Torferde, 1 Theil Lehm 
und 7a Theil Sand. Im Winter erhiilt 
es Deckung mit Moos und Tannenzwei- 
gen. Tiefer Boden, halbschattiger Stand- 
ort und guter Wasserabzug sagen dieser 
Pflanze besonders zu. Vermehrung durch 
Samen, den es reichlich tragt, oder 
durch Theilung im Spatherbste und 
dann Ueberwinterung in frostireiem Beete. 
(E. R.) 



b) Eucnide bartonioides Zocc 

(Siehe Tafel 176.) 



^H fen: 



einjahrigen I zieht, ist noch keine Abbildung in Gar- 



"- «»», welche Warpers zur I tenschriften erschienen, wenn gleich 
•"ttoaperma als M. Zuccarini | zu den schonsten Annuellen zahlt, 



322 

im letzten Jahrzehent eingefiihrt worden 
sind. Eine Beschreibung derselben 
brauchen wir nicht zu geben, die Ab- 
bildung zeigt solche gcnugsam, und ver- 
weisen wir auf Walpers' Repertorium V. 
777. Die Pflanze 1st, wie die meisten 
Loaseen, allenthalben mit Brennharen 
besetzt. Die Stengel liegen nach alien 
Seiten nieder, und die lieblichen glan- 
zend gelben Blumen setzen sich von 
dem gelappten Laube schon ab und 
werden durch die zahlreichen, sie wie 
eine Federkrone iiberragenden Staubfa- 
den noch besonders interessant. Aus- 
serdem hat diese Pflanze die vorthcil- 
hafte Eigenschaft, dass sie den ganzen 
Sommer hindurch unausgesetzt bliihet. — 
Die Samen werden Anfang Marz im halb- 
warmen Beete in Topfe, die mit einer 
sandigen, mit Lehm versetzten Lauberde 
gefullt sind, ausgesiiet und ganz diinn 
nur mit Sand gedeckt. Gleich nach 
dem Aufgehen miissen die Pflanzen 
dicht unter das Fenster und sonnig ge- 



und der Schweiz. 

stellt werden, sonst werden sie umfal- 
len. Spater verstopft man sie ebenfalls 
im halbwarmen Beete in eine Uhnliche 
sandige Erde und Mitte oder Ende Mai 
werden sie auf durchaus sonnigen ge- 
schiitzten Standort, in lockere mit Sand 
und Lauberde gut untermischte Beete 
gepflanzt. Sternen gleich glanzen die 
lebhaften Blumen massenhaft schon von 
Weitem entgegen. Pflanzen, die man 
im Topfe behalt, namentlich erst im 
Sommer angezogene junge Pflanzchen, 
uberwintem sich auch gut an einem 
lichten sonnigen Standort im trocknen 
Warmhaus und beginnen schon im Marz 
zu bluhen. (E. R-) 



jinzclnes Blumcnblal 



Eine Frucht •> 
Vergrosserter Durchschnil 



Die Starke ist der wichtigste Stoff 
im Pflanzenreiche, denn er ist cs, der 
uberall da, wo Neubildungen in der 
Pflanze vorbereitet werden, in grosster 
Menge abgclagert wird, um dann wie- 
der zum ferneren Wachsthum verbraucht 
zu werden, so in den Knollen, Zwie- 
beln und Samen. Auch fur den Haus- 
halt des Menschen ist er einer der 
wichtigsten Stoffe, der nur in den un- 
zahligen chemischen Laboratorien der 
Pflanze, in den kleinen, dem unbewaff- 
Zellen des 



In den Knollen, Zwiebeln, Samen, Blat- 



tern, die wir fur unsere Nahrung ver- 
wenden, ist es vornehmlich die Starke, 
die uns zur Nahrung dient. 

Durchschneidet man z. B. emw 
Kartoffelknollen und macht von diesem 
einen so zarten Abschnitt, wie *■ f « 
scharfes Messer nur lusen kann, «n 
bringt davon einen Theil , der kaum 
Linie lang ist, unter das Mikroscop, * 
sieht man, dass dieses kleine Stuckcnc 
aus einer Masse von Zellen, die zu em-" 
regelmassigen eckigen Gewcbe verbi^ 
den sind, besteht. In jeder dieser > 
einer diinnen Membran umgebenen t* 
len, da liegen nun eine grfisserc ** 



I. Originalabhandlongen. 



geringere Menge von Starkekbrnern, 
Fig. 1 giebt eine einzelne, durch Faul- 
niss aus dem Gewebe der Kartoffcl ge- 
liiste Zelle, bci SOOmaliger Vergrosse- 
rung. Im Innern derselben siehet mar 
eine Menge grosserer und kleinercr 
r liegen. 

Wie klein, wird dcr in die Wunder 
der Natur Uneingeweihete denken , wie 
unendlich klein miissen doch diese Korn- 
chen sein, und in welchen unzahligen 
Mengen geniessen wir sie schon mit 
einem kleinen Stuckchen Kartoffel! Das 
aber ist gerade das Grosse und Wun- 
derbare in der Schbpfung, dass aus dem 
Kleinen sich immer das Grosse aufbauet, 
und dass dasKleinste, das wir unbeach- 
tet mit Fiissen treten, das wir unbe- 
wusst taglich zu unserer Nahrung ver- 
wenden, nicht minder wunderbar und 
mannichfaltig in seinen einzelnen Thei- 
len ist, als das Grosse, und dass der 
Weinste Pflanzentbeil an sich wunder- 
barer ist, als die grbssten Menschen- 
*erke, die der Mensch immer nur aus 
<fen gegebenen Stoffen verfertigen kann. 
Wir bewundern die Uhr- und Maschi- 
nenwerke, die Erfahrung und Berech- 
^g zusammengesetzt. Aber was sind 
"* gegen das kleinste Pflanzchen, das 
Jeinste Thier, deren ganzer Korper aus 
Uemen Zellen und Gefassen zusammen- 
g6Setzt ist > in d eren Innerem, wenn gleich 
^er unbewaffnetes Auge nicht einmal 
eu * einzelne Zelle zu unterscheiden ver- 
*% das regste und vielfaltigste Leben 
Wtfindet? In diesen kleinen Werkstat- 
n » da wird das Wachsthum vorberei- 

» *» werden alle die mannichfachen 
b ^e, die wir aus dem Pflanzenreiche 
^^ u Jzen, zusammengesetzt, ohne dass 
/ lm Stande waren , einen einzigen 

- *j* Stoffe kunstlich herzustellen, WUh- 
«ns doch, wie der Pilanze, Erde, 



Luft und Wasser, aus denen sie ihre 
Bestandtheile bereitet, zuGebote stehen. 

Wohl giebt es manche unter denjenigen, 
denen es gelungen, die Natur in ihren ge- 
heimsten und kleinsten Werkstatten zu 
belauschen, die da mit Zuversicht hof- 
fen, audi die einfachen Grundstoife, 
welcheAUes, was wir vorAugen sehen, 
zusammensetzen, noch so weit beherr- 
schen zu ^ernen, dass audi sie ohne 
Mithulfe der Pflanze aus Erde, Luft 
und Wasser alle Nahrungsmittel , die 
uns die Pfianzen- sowie die Thierwelt 
liefern, bereiten konnten, oder die in 
ihren Hoffnungen noch ein Stuck weiter 
gehen und glauben, durch Herstellung 
von bestimmten Mutterlaugen, d, h. von 
Fliissigkeiten, in denen all die zur Zell- 
bildung nothwendigen Stoffe vorhanden, 
die selbtsstandige Bildung von Zellen zu 
veranlassen, und damit also die Grund- 
bedingung der ersten Entwicklung von 
Pflanze und Thier zu erfullen. 

Der Referent hat sich in seinem 
neuesten Werke, die Pflanze und 
ihr Leben, sehr entschieden gegen 
diese Richtung ausgesprochen. Da die 
Natur des Gegenstandes, den wir heute 
besprechen, ein kurzes Eingehen noth- 
wendig macht, so wollen wir jetzt nur 
bemerkcn, dass wir uns auf die Seite 
derer gestellt, welche annehmen, dass 
jedem individuellen selbststiindigen Or- 
ganismus eine Kraft inne wohnt und 
mit ihm zu Grunde geht, welche ebenso 
sehr die Ursache seiner Lebenserschei- 
nungen ist, als sie selbst in den ein- 
fachsten Organismen dahin strebt, die 
spezielle Art fortzupflanzen. 

Ein eigener selbststiindiger Organismus 
kann daher nur derjenige sein, der ausser 
seiner Lebensfahigkeit auchnoch das Ver- 
miigen besitzt, sich fortzupflanzen. 

Zu einer Zeit, wo die Erde sich mit 
neuer Vegetation und neuem Leben be- 
21* 



m 



Gartenflora Dentschlands und ( 



deckte, miissen freilichdie ersten Anfange 
zu allem Lebendigen, das wir auf Er- 
den sehen, gesehaffen worden sein. Jetzt 
aber findet das nicht mehr statt, jetzt 
werden die ersten Anfange zu alien 
lebenden Wesen von den bereits ge- 
schaffenen Mutter- Individuen vorgebil- 
det. Wir unterscheiden daher zwischen 
Urerzeugung undFortpfl 

Wir iiberlassen es dem Materialis- 
mus, die Vorgange klar zu machen, 
unter denen die Anfangsbildungen aller 
jetzt unsern Erdball bevolkernden Pflan- 
zen und Thiere geschaffen wurden. Is1 
es doch gerade jetzt Modesache, dass 
alle diejenigen, welche in dieser Bezie- 
hung auf blosser Spekulation fussende 
Theorieen aufstellen, fur ganz besonders 
geistreich gelten! Einige wenige gut 
gewahlte Worte sollen uns Alles er- 
klaren, und sollen an die mystischen 
Worte von Lebenskraft und Seele 
treten, und sie, die gerade stolz sind, 
von alien andern geistreich genannt 
zu werden, wiirdigen sich selbst zur 
Maschine, allerdings besonders kunstlich 
gebauten Maschine herab. 

Wir gehoren ferner zu denen, welche 
nicht glauben, dass es jetzt noch eine 
Urerzeugung gebe, sondern welche an der 
Ansicht festhalten, dass Alles, was 'wir le- 
ben und wachsen sehen, aus von Mutterin- 
dividuen vorgebildeten Keimen (Zellen) 
entstehe. Damit laugnen wir freilich die 
Moglichkeit einer Urerzeugung nicht, wir 
halten sie aber fur unwahrscheinlich, weil 
offenbar die Schbpfungsperiode fur unse- 
re Jetztwelt schon lange voriiber, und 
genaue Beobachtung alle angeblichen 
Falle von Urerzeugung auf Vorbildung 
von Mutterindividuen zuriickgefiihrt hat. 
Die Extreme reichen sich, wie so haufig 
der Fall, die Hand; das eine sucht alles j 
zu erklaren , und mbchte darum auch 
wie friiher neue Wesen unter den Au- ' 



gen entstehen sehen; dem andern ist 
aber an den regelmiissig wiederkehren- 
den Wundern, die der gewbhnliche 
Mensch eben wegen ihrer wunderbaren 
Regelmassigkeit nicht beachtet, nicht 
genug. Nein, es verlangt nach besondern, 
dem gewbhnlichen Lauf der Dinge ent- 
gegengesetzten Wundern, an denen es 
die Gottheit deutlicher zu erkennen 
glaubt *). 

Nach diesen durch die Natur des 
Gegenstandes bedingten Abschweifungen 
gehen wir zu dem eigentlichen Gegen- 
stand dieser Mittheilung uber, von der 
wir hier nur das Wesentlichste mitthei- 
len kbnnen, da unser Blatt Entdeckun- 
gen solcher Art nur in ihrer allgeraeinen 
Beziehung besprechen kann. 

Wir sahen oben, dass die Starkekor- 
ner im Innern der Zellen liegen. Je- 
des einzelne Korn besteht aber nicht 
aus einer durchaus homogenen Masse, 
sondern aus vielen iibereinander ge- 
schachtelten Schichten. (Fig. 2 wie 
alle andern bei 450 maliger Ver- 

*) Der Biolo ? , wie der Materialist, beide 
erkennen eine in der Natur thronende Kraft 
an; der Biolog lasst diese jedoch fur das Id- 
dividuum erst mit der ersten Anfangszelle ab 
besondere Lebenskraft ins 






Dor 



diese Kraft der Malene w 

und sieht in der Lebenskraft nur 

den Gesammtausdruck der verschiedenartigen 

ie Verbindung ubertretenden 

StofTe. Die Urerzeugung wiirde also diese 

tere Ansicht leicht erklareu, aber schade, 

s es noeb keinen nachgewiesenen FaU der- 

ien giebt. Fiir den mystischen Ausdruck 

bcnskraft geben sie einfach den b* 

imtbegriff vereinigter einfacher Krafte, « 

die einfachen oder einfachsten Krafte der »»• 

terie werden sie eben so wenig je » re 

Wesen nach erklaren, wie der Biolog ^ 

Namen Lebenskraft. Ist also die materialist 

lich deutlicher? 



gro'sserung.) Ueber die Bildung der 
Starke hat man sich noch nicht ge- 
einigt; denn es nehmen die Einen an, 
dass diese Schichten durch Ablagerung 
aus dem Zelleninhalt urn einen Kern 
entstanden, wahrend nach Andern die 
innern weicheren Schichten spater ent- 
gtehen, und Nageli endlich der Starke 
eine Membran zuschreibt , eine Ansicht, 
die derselbe, so viel uns bekannt, in ei- 
nem grbsseren Werke uber Starke in 
der Kurze genauer begriinden wird. 

Im vergangenen Winter machte nun 
Prof. Cienkowski in Petersburg die 
merkwiirdige Entdeckung, dass an im 
Wasser faulenden Kartoffeln sich urn 
die Starkekbrner eine wasserhelle Mem- 
bran bildete, in dieser Zelle Schwarm- 
zellen entstanden und die Membran 
selbst zuweilcn Schlauche bildete. Cien- 
kowski verbffentliehte seine Beobachtung 
im Bulletin der hiesigen Akademie und 
deutete sie als den ersten unwiderleg- 
lichen Fall von Urerzeugung. 

Der Referent hat einige Monate lang 
jene interessanten Beobachtungen Cien- 
kowski's ebenfalls gemacht und theilt 
hier Folgendes dariiber mit, da dies ein 
Gegenstand ist, der die Aufmerksamkeit 
aUer Freunde der Pflanzenwelt auf sich 
Ziehen wird. 

Nachdem wiederholt Kartoffeln in 
gewohnlichen Wasser zum Faulen ge- 
hacht wurden, ohne dass jene Bildung 
8i ch zeigte, lieas der Referent sich et- 
*as von dem Wasser geben, in welchem 
, ei Herrn C. jene Erscheinung stattge- 
fonden hatte. 

Gleichzeitig wurden nun Kartoffeln 
W Was ser zum Faulen gebracht , dem 
em kIei ner Theil vom Cienkowski'schen 



^ r - Am ersteren zeigte sich jene Bil- 
UDg 8ch °n nach 6 Tagen, im letzteren 
^ nicht. Dabei waren es anfangs nur 



die kleinsten oder geborstene Starkekor- 
ner, zuweilen sogar solche, die noch in 
der Mutterzelle sich befanden, wo diese 
Bildungenvor sich gingen. Spater zeig- 
ten sie sich dann an alien Starkekb'r- 
nern. 

Dabei siehet man zuerst kleine Star- 
kekorner in der Mitte einer Zelle mit 
wasserhellem Inhalte (Fig. 3 b) liegen. 
Es macht diese Zelle durchaus den Ein- 
druck einer hellen Schleimblase. Bald 
erhalt man nim zahlreichere Exemplare, 
und so siehet man, dass die Membran 
sich von beschadigten und unbescha- 
digten Starkekbrnern in der Weise ab- 
hebt, dass, wahrend sie an den einen 
Stellen mit dem Starkekorn noch voll- 
standig verbunden, sie an andern Stel- 
len (den Seiten) sich schon gelost hat 
(Fig. 3, 5). Etwas spater hebt sie sich 
ringsum ab (Fig. 6), bis zuletzt jene 
grosse wasserhelle Zelle daraus ent- 
steht. Das Starkekorn wird dabei klei- 
ner und erscheint meist bald darauf an 
der Oberflache uneben und wie ange- 
fressen (Fig. 5, 6). An den Stellen, 
wo das Starkekorn Risse zeigt, da ent- 
sprechen denselben in der Membran im 
ersten Anfange kleine Einsenkungen. 

Dass es keine Schleimblase, sondern 
eine von wirklicher Membran umgebene 
Zelle ist, das geht daraus hervor, dass 
die Membran beiAnwendung von Druck 



(Fig. 7), 



- deutlich 2 Con- 
touren zefgt, und dass sie endlich durch 
Kalilauge nicht gelbst wird, wahrend 
die Starke von derselben augenblicklich 
verfliissiget wird. 

Ganz ahnlich wie die erste Membran 
kbnnen sich nun innerhalb derselben 
von dem iibrigbleibenden Starkekorn noch 
mehrere eingeschachtelte Membranen ab- 
heben (Fig. 16, 18), und ich zahlte de- 
ren bis auf 6 (Fig. 12 mit 4 einge- 
schachtelten Membranen). 



326 

Wo 2 oder mehrere Starkekorner 
dicht beisammen liegen, da bildet sich 

bran (Fig. 8, 17). Dicse geht aus einem 
Zusammenfliessen und Vcrfliessen der 
in der Entstehung begriffenen jiingsten 
Membranen hervor. Sehr selten nur findet 



lichen Membranen der verbundenen Zel- 
len noch erbalten sind. (Fig. 9. Es sind 
dies 3 grosse, von einer Membran um- 
gebene Starkekorner. Die urspriing- 
lichen Membranen sind noch crhalten und 
die vorderste Zelle zeigt eine Stelle, 
wo die Verwachsung noch gar nicht 
stattfand.) Wie bei den aus einzelnen 
Stiirkekbrnern entstandenen Zellen kbn- 
nen sich auch von jedem der einge- 
schlossenen Kbrner nun wieder cinge- 
schachtelte Membranen abheben und 
zwar geschichet dies immer gleichzeitig 
(Fig. 20, 21). 

Die Abwagung aller dieser Verhalt- 
nisse fiihrt zu dem Schlusse, dass die 
Membranen aus einer cigenthumlichen 
Umbildung der Oberflache der Starke 
hervorgeht, was durch einen bestimm 
ten in jenem Wasser enthaltenen Stoff 
veranlasst werden muss. 

Der Inhalt der Zelle ist anfangs triibe. 
Spatersetztsich, anfangs nur an der Mem- 
bran, eineSchleimschichtan (Fig. 11, 19). 
die oft sehr unregelmassig und wie einc 
Verdickungsschicht der Membran aus- 
Bieht. Spater fiillt diese Schleimschicht 
den ganzen Raum zwischen Membran 
und Starkekorn (Fig. 23) oder zwischen 
der ausseren und einer innern, seitdem 
vom Starkekorn gelosten Membran (Fig. 
15). Der Schleim wird kbrnig (Fig. 23), 
die Kbrner werden grosser, strecken sich 
mehr in die Lange und beginnen sich 
im Innern der Zelle lebhaft zu 1 
gen. Nun treten dieselben durch sehr 
kleine Oeffnungen der Membran aus und 



en eine gestreckte nach beiden Sei- 

gespitzte Gestalt (Fig. 22). Ausge- 

n wird ihre Bewegung immer lang- 

3r und langsamer, so dass man ihre 

Gestalt besser erkennen kann. Es sind 

lang gestreckte, auf beiden Schvn 

in eine borstenfbrinige Spitzc ausgehen- 

de, bandfdrmig zusammengedriickte Kcir- 

per (Fig. 4)^ die oft sich urn ihre Achse 

i und eine schlangelnde Bewegung 



■ igen 



die jedoch 



Organismen, 



(Fig. 10). 

Die Oberflache dies* 

wir Schwarmfaden nennen pol- 
len, lasst keinc Membran erkennen. Zu- 
weilen erblickt man deren mehrere zu 
unfbrmlichen Klumpen verwachsen, aber 
mit freien Spitzen. Nachdem sic eine 
Zeit lang geschwarmt, kommen sie zur 
Ruhe, werden allmahlich kugelig und 
zerfliessen zuletzt, ohne dass eine andere 
Bildung aus denselben hervorgeht. 

In jeder der innern eingeschachtelten 
Zellen kann sich diese Bildung wieder- 
holen, und es haben dann die Schwarm- 
faden mehrere Membranen zu passiren, 
urn austreten zu kbnnen. 

Die Membran der Zelle zeigt zuwei- 
len schlauchfbrmige Auswuchse (Fig. H, 
15) und es findet dann auch gleichzeitig 
in diesen die Bildung von Schwarmfaden 
statt. 

Wir haben also hier, bei i 
Ueberblick iiber diese Vorgange , Zellen, 
die aus dem Starkekorn hervorgehen, in 
deren Innern sich auf gleiche Weisc 
fernere eingeschachtelte Zellen urn &» 
Starkekorn bilden, bis dieses ganz ver- 
schwunden ist. Eine deutliche Mem- 
bran, welche Schlauchbildungen macbt. 
Einen Inhalt, der schleimig (stickstoffhal- 
tig) wird und in Schleimfaden zerfalK. 
die eine lebhafte Bewegung zeigen, die 



I. Original; 

jedoch nicht an die tier Infusorien, son- 
dern an die der Samenfaden erinnert. 

Weitcre Entwickelungszustiindc sind 
nicht bekannt und werden wahrschein- 
lich auch nicht vorkommen. Nur wenn 
dieses der Fall sein sollte und dcr ganze 
Organismus sich selbststiindig fortpfian- 
zen sollte, kbnnten wir ihn Urerzeugung 
cines selbststandigen Gebildes nennen. 

Nach dem, was wir aber jetzt wis- 



327 

sen, konnen wir diesen Organismus nur 
eine eigenthiimliche Weiterbildung des 
Stiirkekornes nennen, vcranlasst durch 
jetzt noch nicht geniigend bekannte Um- 
stiinde. Sollten aber wirklich weitere 
Entwickelungszustande gefunden werden, 
dann kbnnten vielleicht auf diese Weise 
Schmarotzcrpilze aus der Starke hervor- 
gchen. (E.Reg el.) 



1) Azalea amoena Lindl. Ericaceae. 
Eincr der Gebirgsstraucher China's, der 
durch Fortune eingefuhrt ward. Der 
grosse Stheilige , der Blumenkrone ahn- 
lich gefarbte und derselben fast gleich- 
lange Kelch, dessen Lappen oft wie- 
derura unregelmassig eingescbnitten und 
•ang gewimpert, macht diese Pflanze 
leicht kenntlich. Blatter verkehrt lang- 
lich-oval, mit kurzeni stumpfem Mucro 
nnd allenthalben mit einzelnen ange- 
dmckten borstigen Haaren besetzt. Wer 
diese Pflanze als ausgezeichnete Neuig- 
keit in diesem beliebten Genus ange- 
schafft, der hat sich nicht getauscht. 
Wer sie aber der Schonheit wegen cul- 
tivirt, wird finden, dass sie den ver- 
*andten indischen Azaleen weit nach- 
st «ht, da die Blumen wohl 3mal kleiner, 
aicht besonders lebhaft violettroth sind 
Und dazu n och sparsam erscheinen. 

2) Leucothoe spinulosa Don. Erica- 
ceae Andromedeae. — In den Garten 
Pht dieser immergriine harte Strauch 

gmiens unter den Namen Andromeda 



Catesbaei, 



uminata, und axillaris. Im 



^°|- Cab. t. 1320 und im But. Mag. 
D ist sie unter dem friiheren Namen 
• Catesbaei Walt, abgcbildet. Obgleich 



beide Abbildungen iicht zu sein schei- 
nen, so differiren sie doch so, dass sie 
verschiedene Pflanzen vorzustellen schei- 
nen. Unsere Pflanze steht glcichsam 
zwischen beiden Abbildungen undstimmt 
genau mit der Beschreibung in Candol- 
le's Prodromus iiberein. 

Die Gattung Leucothoe ward nach 
den flach gedriickten Staubfaden und 
den wehrlosen, oben getheilten 2 loche- 
rigen Antheren von Andromeda getrennt. 
Die vorliegende Art ist vollkommen hart 
und muss in Heide- oder Torferde ge- 
pflanzt werden. Die aus stumpfem Grunde 
lanzettlich verlangerten und zugespitz- 
ten, sowie am Randc fein dornig ge- 
zahnten Blatter, nebst den kurzen ach- 
sel- und spitzenstandigen Trauben weis- 
ser, cylindrisch-urnehfbrmiger Blumen, die 
kaum so lang als »/a des Blattes, cha- 
rakterisiren diesen im ersten Friihling 
bluhendcn hiibschen Strauch. 

3) Maxillaria leptosepala Book. /?. 
subintegerrima. Eine schone epiphyti- 
sche Orchidee, die der hiesige Garten 
durch Lansberg aus Columbien erhielt. 
Dieselbe unterscheidet sich ron der Ta- 
fel 4434 im Bot. Mag. abgebildeten 
Stammart, die aus Neu-Granada inKew 



eingefiihrt ward, lediglich durchein fast Scheinknollen langlich, beiderseits 



ganzrandiges , nicht wimperig-gezahntes 
Lippenvorderstiick. Ausserdera spielt 
auch die Fiirbung der Blume mehr ins 
Gelbliche. Die rundlich-ovalen zusam- 
mengedriickten Scheinknollen, welche 
ein verlangert-lanzettliches stumpfliches 
Blatt tragen, einblumige wurzelstandige 
bescheidete Bliithenschafte , die 3mal 
kiirzer als das Blatt, mehr denn 4 Zoll 
im Durchmesser haltende Blumen mit 
abstehenden schmal lanzettlichen , ein- 
warts- oder sichclformig gckrummten 
Hullblattern, und eine vcrkehrt langli 
che , stumpf dreilappige, unten in einen 
stumpfen Sporn ausgehende Lippe 
halb so lang als die Hiillblatter und 
deren Seitenlappen kurz und urn die 
Siiule gekrumrat, wahrend der Mittel- 
lappen herabgcbogen. Der herrliche 
starke Hyazinthengeruch zeichnet aus- 
serdem diese Pilanze axis. Bluhete im 
Mai. Hiillblatter licht gelb mit weiss. 
Lippe weiss, in derMitte gelb, die seit- 
lichen Zahne purpur geadert. 

4) Peristcria Humboldtii Lindl. Var. 
ocliracea. Eine Abart dieser prachtigen 
epiphytischen Orchidee, deren Blumen 
okergelb mit braunrothen Punkten und 
Nuance. Die lang herabhangende Blii- 
thentraube unserer Pflanze war nur 7- 
blumig und 1 Fuss lang. — Eigenthiim- 
liche grosse Blumen, dankbares Bliihen 
und leichte den Stanhopeen iihnliche 
Cultur empfehlen die Peristerien fur die 



Cultur. 

5) Maxillaria Unguaeformis Kgl. 
Eine epiphytische Orchidee, die wir 
ohne Namen cultivirten und die den 
Formen der Maxillaria picta (M. Kreys- 
sigii, leucochila Hoffng.) zunachst ver- 
wandt ist, aber durch die Bildung der 
Scheinknollen , Stellung der Blatter und 
Form dea Vordersttickes der Lippe gut 
verschieden ist. 



verschmalert, zweischneidig zusammen- 
gedriickt, ohne Rippen, amGrunde von 
3—4 Blattern umgeben, auf der Spitze 
nur eins tragend, bis 3 Zoll lang und 
ungefahr 1 Zoll breit, wie die Blatter 
schon hellgrun und glanzend. Blatter 
verlangert linien-lanzettlich , stumpflich, 
bis i}/ % Fuss lang und 1 Zoll breit. 
Bluthenstielc cinblumig, zu mehreren 
aus den Achseln der unteren Blatter 
entspringend, ganz von griinlichcn spiz- 
zen Scheiden umhullt, 4mal kiirzer als 
die Blatter. Blumen gelb und weiss nii- 
ancirt, wohlriechend. Kelchblatter auf- 
recht abstehend, aus breiterem Grunde 
linien-lanzettlich, spitz, am Eande zu- 
riickgerollt, li/ 4 Zoll lang, 2 Linien 
breit; Blumenbliitter wenig kiirzer und 
halb so breit. Lippe langlich, 3mal kiir- 
zer als Kelchblatter, stumpf 31appig, 
mit kleinen nach innen gekruramten 
Seitenlappen , wodurch das weissgefarbte, 
innen purpur gestrichelte untere Lip- 
penstuck nachenfbrmig wird. Der vor- 
dere Lappen der Lippe ist zungenfdr- 
mig, zuruckgekrummt , fleischig, fast 
sammtig behaart, orangengelb. Auf der 
Innenflache des unteren Lippenstiickes 
eine nicht stark erhabene langliche 
Schwiele, die zerstreut behaart. Saule 
halbstielrund, wenig kiirzer als die Lippe. 
Zwei zweitheilige Pollinien. 

Eine ausserordentlich reich bluhende 
Pflanze, die ihre herrlich duftenden Blu- 
men massenhaft entwickelt. Wie die 
verwandten Arten, gedeihet sie bei gu- 
tem Abzug in Tbpfen, wie in Kdrben. 
6) Leontice altaica Pall. Diese nied- 
liche kleine Berberidee vom Altai, mit 
fleischigen glattrunden essbaren Wurzel- 
knollcn, spannenhohen Stengeln, welche 
die blaugriinen iingerrdrmig 4— Sblatte- 
rigen Blatter tragen, und den gelben an 
I eine Berberis erinnernden 



Originalabhandlungen. 



329 



CJari.-i 






\ollti- 



diese Pflanze 



Alpenparthie 
I nie gedeihen. Scheint einen durchaus 
kalkfreien sandigen mit Lehm vermeng- 
ten Humus zu lieben, ist vollkommen 
bart und ebenso schon als die verwand- 
ten Epimedien. 

7) Corydalis bracteata Pers ; Fuma- 
riaceae. Ebonfalls in unserem Garten 
verwildert und an anderen Orten nur 
Bchwer gedeihend. Gehbrt zu den er- 
stenFruhlingsblumen,tragt schone schwe- 
felgelbe Blumen in einer reichbluvnigen, 
spitzenstandigen Traube. Grosse finger- 
firmige Bracteen stiitzen dieselben. Er- 
innert in der Tracht und Blume an Co- 
Odalis nobilis, mit der sie an Schon- 
g wetteifert. - Wie die vorige in 
ttnem tiefen Boden und fast »/ a Fuss 
anter de « Eoden gepflanzt, am besten 
gedeihend. 

8) Scilla cemua Red. Wir haben 
ieser ^lichen Pflanze kiirzlich schon 

f^ahnt. Unter den in diesem Fruhling 
m fPichlicher Menge bliihenden Pflan- 
z en fanden sich 2 Formen, welche wir 
oezeichnen: 

a) pauciovulata. Die gewohnliche Form 
mit 6-12 Eiern in jedem Frucht- 
fech und lanzettlichen hellazurge- 
farbten Blumenblattern. 
») miltiovulata. Noch schoner als die 
Stammart. Fruchtknoten 12— 20Eier 
m jedem Fach enthaltend. Blumen 
grosser, tief azurblau und mit oval- 
lanzettlichen Blumenblattchen. 

9) Merendera sobolifera Fisch. Mey. 
T le Merendera-Arten erinnern in der 
5*7 an einen Crocus, bluhen Avie 

i Fruhling im freienLande. 



hen und die Flache des Blumenblattes 
ist am Grunde speerfdrmig, wodurch 
sich die Gattung sogleich auszeicbnet. 
Von M. caucasica M. B. (Bot. Mag. tab. 
3690) unterscheidet sich unsere Pilanze 
durch die Zwiebel, die kaum dicker ist 
als der von den Blattscheiden umhiillte 
Stengel, und am Grunde junge treibt. 
Die lilafarbenen Blumen kiirzer als die 
linear-lanzettlichen Blatter. Cultur im 
freien Lande und als hubsche Fruhlings- 
pflanze zu empfehlen. Stamnit aus dem 
nordlichen Persien. 

10) Broussonetia Kazinohi Sieb.; 
Moreae. Ein in den milderen Gegenden 
Deutschlands und der Schweiz wahr- 
scheinlich harter Strauch, den Sieboldt 
aus Japan eingefuhrt hat. Die Aeste 
stielrund, nicht windend, die jungen 
kurzhaarig, die iilteren schwarzlich. Blat- 
ter aus schiefem abgerundetem Grunde 
oval und lang zugespitzt, gezahnt, bei- 
derseits durch kurze steife Haarchen 
scharf, hellgriin. Die mannlichen Blu- 
thenkopfchen , welche bis jctzt unbe- 
kannt, stehen einzeln in den Achseln 
und sind mit einem Stiel versehen, der 
doppelt so lang als der Blattstiel. Die 
langen Staubfaden sind anfangs einwarts 
gebogen und springen spater elastisch 
auf. Mehr nur von botanischem Inte- 
resse. Wir erhielten denselben von Sie- 
boldt als Br. Kaempferi. 

11) Macleania longiflora Lindl; Vac- 
cinieae. Ein schoner immergriirrer Strauch 
aus Peru. Bildet mit den Thibaudien 
eine eigenthiimliche Zierde des niedri- 
gen Warmhauses. Sitzende langlich- 
ovale Blatter, in deren Achseln 1—3 
schone roibe rohrigc Blumen stehen, 
charakterisiren diese Pilanze. Im Kalt- 



J 1 Wahrheit gehbren sie zur Gruppe haus wollen die Thibaudi 

^ Colchicaceen. Die Blumenblatter gedeihen ; ein mittelwarmes, niedrige; 

m mit einem sehr langen Stiel verse- I feucht gehaltenes Haus und cine lockci 



;;:m 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Rasenerde, mitHeideerde gcmischt, sagt 
ihnen am besten zu. 

12) Lockhartia jmrthenocomos Rchb. 
//. crisjnda. Der liiosige Garten crhiel 
diose epiphytische Orchidcc durch Lans 
berg aus Columbien. Grosse lang ge- 
streckte (bei unsercr Pflanze durchaus 
spitze, aufReicbonbaeh'sAbbildung, Taf. 
40 derXenia Orehidacea, dagegcn 
gtumpflicbc) zweireihige Jiliitter, fur die 
Gattung sehr grosse 3/4 Zoll im Durch 
messer haltende blassgelbe Blumen, mil 
ovalen spitzen Sepalen, verkehrt-ovalen 
sturapfen Petalen, die etwas grosser als 
die Sepalen, und die breite stumpf 31ap- 
pige Lippe mit kurzbaariger Scheibe, 
zeichnen unsere Art aus. Es steht uns 
jetzt nur die citirtc Abbildung zu Ge- 
bote. Von dieser unterscheidet sich un- 
sere Pilanze durch spitze Blatter, mehr- 
blumige achselstiindige Bliithcnsticle, 
brcit herzfbrmige Bracteen und endlich 
ist die Lippe unscrer Pflanze seitlich 
oingekriimmt , am Rande kraus und un- 
deutlich gczahnelt, und dem Mittellap- 
pen fchlt in der flachen Ausbuchtung 
der kleine Mucro. Im Ucbrigen stimmt 
aber die ganze Tracht so vollkommen, 
dass wir nicbt anstehen, sic mitL. par- 
thenocomos zu vereinigen. 

13) Erica hiemalis II. Angl. v. pen- 
dula. Eine lieblicho Erica , die wir als 
E. Syndriana erhielten. Die Blumen 
nickend und moist nur einzeln auf den 
Spitzen dor kurzen Zweigo, am Grunde 
violctt und aussen kurzhaarig. Blatter 
oben kahl. Alios Andcre gleich dor 
-I'huiion ►Stammart. 

44) Erica vestitoides Rgl Eine lieb- 
licho neue Erica, die der hiesige Gar- 
ten als E. fulgens cultivirt, und die mit 
E. eohiiflora Andr. zunachst vcrwandt 
ist, abor durch die Blumenbildung, Blat- 
ter und Kelch sich gut unterscheidet. 
Bildet cinen l%— 3 Fuss hohen buschi- 



gen Strauch. Acste gerade, sleif, selir 
kurzhaarig. Blatter zu (>, ladlich-linear, 
spitz, oben und am Rande solir kurz- 
haarig, etwas iibor */« Zoll Jan Sj au ^ 
recht abstchend. Blumen in quirligen 
Trauben unter don Astspitzcn, kurz ge- 
stielt, aufrecht. Bracteen geniihert, li- 
near odcr lanzettlich, wie die Kclch- 
bliittor am Rande mit kurzen driisigen 
Haaren besetzt. Kelchblattcr aus ova- 
lem Grunde lang gespitzt; 3mal kiirzer 
als Blumonkrone. Blumenkrone rbhrig, 
gerade, etwas iiber % Zoll lang, V4 
Zoll breit, mit vortretenden Rippcn, 
aussen sehr kurzha